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Ulrich Holbein – Knallmasse

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Träge Erträge

Mein literarischer Output ist nicht sonderlich ausgeprägt. Verschärft wird das manchmal durch langsam mahlende Verlagsmühlen. Der Markt für phantastische Geschichten ist eng, hart umkämpft und voller Tretminen. Von Lyrikbänden ganz zu schweigen.

Desto hoch erfreuter bin ich nun, das Erscheinen einer meiner Geschichten verkünden zu dürfen. In der dritten Fantasyguide-Anthologie Der letzte Turm vor dem Niemandsland konnte ich eine Saramee-Geschichte unterbringen.

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Der letzte Turm vor dem Niemandsland, Cover: Detlef Klewer

Und wer jetzt denkt: Klar, der Fantasyguide-Chef muss ja drin sein, der kennt Herausgeber Michael Schmidt nicht. der mag nämlich nicht unbedingt dasselbe wie ich und deshalb durfte ich an meiner kurzen, zarten Liebesgeschichte so lange herumschreiben, bis irgendetwas horrormäßiges herauskam und er es für veröffentlichungswürdig erachtete.
Ob der Horror jetzt das Lesen der Geschichte ist, könnt ihr selbst herausfinden, indem ihr das Büchlein kauft.
Enthalten sind zudem ja auch noch Texte von anderen phantastischen Autorinnen und Autoren, darunter vom kürzlich verstorbenen Christian Weis, dem die Anthologie auch gewidmet wurde:

Der letzte Turm vor dem Niemandsland
Herausgeber: Michael Schmidt
p.machinery, September 2017
Taschenbuch, 282 Seiten
Cover: Detlef Klewer
ISBN-10: 3957651042
ISBN-13: 978-3957651044

Inhalt:
Uwe Hermann: Der letzte Turm vor dem Niemandsland
Andreas Fieberg: Ein begründeter Verdacht
Susanne Schnitzler: Unkenrufe
Ralf Steinberg: Verführerische Düfte. Eine Saramee-Geschichte
Lisanne Surborg: Die Puppe mit dem blauen Kleid
Achim Hildebrand: Froschzauber
Diane Dirt: Meister Shini
Andreas Flögel: Im Dienst des Wardens
Christel Scheja: Der Mitternachtsstern
Xander Morus: Das Grab am Canyon
Christian Weis: Neu-Eden
Ellen Norten: Der Sieg der Couch-Potatos
Torsten Scheib: Erntezeit
Michael Schmidt: Aton
Sven Klöpping: Der Mehrwert der Erinnerungen
Karin Reddemann: Marthe stirbt nicht

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Von der Mauer segelt ein unbeschriebenes Blatt

Das Literarische Colloquium Berlin verführt mich immer wieder mal, mich mit Künstlern zu beschäftigen, von denen ich kaum mehr kenne, als ihren Namen.
Und Durs Grünbein ist schon ein beachtlicher Name, ein unvergesslicher Name.
Ich wusste, dass er Dichter ist und vermutlich las ich in der fernsten Jugendzeit auch einen Text von ihm, jedoch seit ich Lyrik eher im Netz verfolge, geschieht es selten, dass mir ein Analoger begegnet.
Diese Begegnungen im LCB sind dann auch ehrwürdig, ehrfürchtig sogar und hoch interessant.

Durs Grünbein präsentierte zum Herbstanfang seinen jüngsten Gedichtband Zündkerzen.

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Zündkerzen von Durs Grünbein, Cover: Regina Göllner und Hermann Michels

»Sowas kommt alle fünf bis sechs Jahre vor, dann kann man wieder eine Ernte halten.«

Er hatte sich als Gesprächspartner Cord Riechelmann gewünscht. Ein Biologe, der neben seiner Forschung auch journalistische Texte zu Tieren in Stadträumen schreibt, etwa für die faz.

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Cord Riechelmann und Durs Grünbein

Das passte sehr gut zusammen, da Durs Grünbein viel über Spatzen und Mauersegler zu berichten und Cord Riechelmann diese Themen in der Lyrik zu schätzen weiß.
Das Gespräch war dementsprechend auch sehr entspannt und freundschaftlich.
Ich hatte das Vergnügen, hinter mir offenbar Tochter und Frau von Durs Grünbein beim intensiven Auswerten des Abends erleben zu dürfen, was zur lockeren Atmosphäre eine familiäre Note hinzufügte. das ist natürlich unfair, weil man gar nicht schlechtgelaunt sein konnte.

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Durs Grünbein im Gespräch

Die vorgetragenen Gedichte berührten mehrere Komplexe. Zunächst ging es um den kleinen Wunsch, noch einmal ein unbeschriebenes Blatt sein zu können. Diverse Piniengedichte untersuchten sprachliche Assoziationen von Pin bis Pinguin und bogen mühelos in politische und soziale Nebenstraßen ab.
Zum Schluss ging es dann um Primaten, ihr Lebensgefängnis im Zoo, was man daraus für uns Menschen ableiten kann und wie es kleine Vögel schaffen, Forscher zum Fröhlichsein zu bewegen, die eigentlich nach Wegen suchen, Soldaten zu effizienteren Kriegern zu schmieden.

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Ich ließ mir meine Zündkerzen signieren, in Bunt!

Die Lyrik von Durs Grünbein liegt schon ziemlich auf meiner Linie und es war mir ein großes Vergnügen, beide kennen gelernt zu haben.

Wenn Liebe den Kosmos zerreißt

Ja, Liebe hat schon so manches Leben verändert. Mir war bisher gar nicht bewusst, dass es auch für Frida Kahlo zutraf. Da mir Klatsch und Tratsch über Künstlerinnen egal sind, habe ich mich bisher nur für ihre Bilder interessiert. Ich wusste, dass sie einen üblen Busunfall hatte und ihr Leben lang unter Schmerzen litt, die ihre Kunst prägten.

Nun kam ich in den Genuss einer Graphic Novel über ihr Leben. Und darin erfuhr ich plötzlich auch etwas über ihre Liebhaber, ihren Sex und die üblen körperlichen Seiten ihrer Leiden.

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Frida von Vanna Vinci

Vanna Vinci verwendete nicht nur Briefe, Dokumente und Tagebücher, vor allem das künstlerische Werk Frida Kahlos floss in die Panels ein. Teilweise wirkt das surrealistisch, teilweise expressiv, aber meist gehen die Zeichnungen an die Schmerzgrenze. Fordern nicht nur die eigene Fantasie heraus, sondern tunken sie ziemlich brachial in Pfützen aus Blut und Tränen.

Das macht es auch zur Herausforderung, wenn man das Buch in den Öffentlichen liest.

Aber das konnte ich problemlos ausblenden, da die Reise in das Leben von Frida Kahlo auf irgendwie wegplättende Weise fesselnd ist. So muss ein Comic für mich sein.

Frida ist ein berührendes Buch, ein sorgsames Kennenlernen, ein Verlieben.

Ein paar Worte mehr in meiner Rezi: Frida von Vanna Vinci

Lollis gab es keine

Vielleicht habt ihr schon das eine oder andere vom diesjährigen Lollapalooza in Hoppegarten gehört. Ein Musikfestival auf der Rennbahn nahe Berlin. Da das quasi bei uns um die Ecke ist, besorgten wir uns früh Karten.

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Das Lollapalooza in Hoppegarten

Die Veranstalter hatten dann irgendwann die Bomben-Idee, dass man die Karten nachträglich personalisieren müsse. Die entsprechende Mail hab ich natürlich zunächst ignoriert, hatte ich doch drei Karten ausgedruckt und fertig. So wie immer.

Pustekuchen.

Jedes Ticket musste einen Namen haben. Aber nicht nur das. Für jede Karte brauchte man auch einen eigenen Account und obendrein eine eigene Mail-Addy. Keine Ahnung, wie das bei anderen Familien ist, bei uns bin ich dafür zuständig und so durfte ich den Quatsch natürlich dreimal machen. Samt Fakeaddys um die Mails an mich weiterzuleiten. Ob das jetzt Terroristen abschreckt? Mich auf jeden Fall.

Nunja. Der Busshuttle zum Eingang klappte tadellos. Am Eingang bekam man sein Bändchen mit Überwachungschip, den man zum kostenlosen Bezahlen nutzen sollte. Dafür musste man Geld auf den Chip laden. Klappte vormittags problemlos, nachmittags fiel ein Großteil der Kassen aus. Epic Fail. Noch dämlicher ist es, dass man denen zwar Bargeld geben kann, sie aber Restguthaben nicht auszahlen.

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Elfenwerk

Service sieht anders aus. Die schmalbrüstigen Begründungen, warum bargeldlos so toll sei, glauben eh nur Manager die sich solche Systeme aufquatschen lassen. Lange Schlangen an Essensbuden und Getränkeständen gab es trotzdem, denn selten ist das Bezahlen der zeitaufwändige Part. Aber egal.

Es war ja trotzdem ein tolles Event. Das Festivalgelände bestand nicht nur aus kunterbunten Bühnen, es gab ein Riesenrad, Bespaßungsareale für Groß und Klein und Nahrungsmittel von gesundheitsschädlich bis ökovegan.

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Das Lolla-Gelände am sonnigen Sonntag

Der Samstag stand für uns ganz im Zeichen von EDMElectronic Dance Music. Von dieser Abkürzung hatte ich bis dato noch nichts gehört, aber Nachwuchs wollte sich das unbedingt geben. Unser erster Act war Filous, ein DJ, dem man seine zwanzig Lenze nicht ansieht und der sehr schüchtern wirkte, aber trotz Nieselregens die bereits sehr zahlreiche Menge in Tanzlaune versetzte.

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Filous

Die von ihm verarbeiteten Songs kannte ich nicht. Was vor allem daran liegt, dass sie für mich ähnlich ununterscheidbar sind wie die aktuellen Automodelle. Das ändert auch kein neuer Beat. Zwischendurch kam klei auf die Bühne und sang ein paar Songs, sehr enthusiastisch und hipp.

klei

klei

Überhaupt fiel mir auf, wie ausgelassen gerade auch die Mädchen abhotten und das mit Tanzbewegungen, die ich früher verwendete, um öde Songs zu veralbern. Es war nicht der letzte Moment des Tages, an dem ich mich vom Musikgeschmack abgehängt fühlte.

Sicherheitshalber hatte ich auf meinen neuen Fotoapparat verzichtet und die alte Kamera eingesteckt, da die auch in die Hosentasche passt. Lustigerweise konnte ich jetzt durch das Wissen über die Neue wesentlich mehr aus ihr herauskitzeln. Nur im Dunkeln zeigten sich ihre Beschränkungen und so gibt es hier nicht von allen Acts Bilderchen.

Aber weiter gings mit Drunken Masters, die noch mehr aufs Gaspedal traten und sogar ein/zwei Songs verwurstelten, die ich kannte.

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Drunken Masters

Dann aber verließen wir den hippen Teil mir unbekannter DJs und eilten zu Wanda.

Wanda

Wanda

Die Österreicher hatten keine Probleme, die Massen zum Toben und Mitsingen zu bewegen, exklusive Nachwuchs natürlich, der sich im falschen Film fühlte.

Weiter zu George Ezra.

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George Ezra

Immer noch mit jugendlichem Charme und Schüchternheit moderierte er jeden Song an und schloss erwartungsgemäß mit »Budapest«, was so ziemlich jeden in beschwingte Stimmung versetzte.

Der Tross zog zu den Beatsteaks weiter. Geile Band, viele geile Songs, Wahnsinns live Stimmung. Berliner eben.

Beatsteaks

Beatsteaks

Musikalisch aber auf dem Rückzug, wenn man mal so vergleicht zwischen ihren Alben von vor zehn Jahren und dem aktuellen Brocken.

Wir verließen die Hauptbühne etwas früher Richtung EDM, da Nachwuchs Yellow Claw sehen wollte.

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Yellow Claw

Für uns eine Stunde Folter. Ein paar Beats mehr und es wäre Techno gewesen, den ich schon in den 90ern hasste. Konsequenterweise ließen wir Nachwuchs dann dort, um sich Galantis alleine anzuhören, denn wir erhofften uns Erholung bei Mumford & Sons.

Galantis

Galantis

Dabei kamen wir natürlich noch in den Genuss einiger Materia-Songs, wie »Lila Wolken« und »Kids«, sowie eines Auftritts als Marsimoto. Marteria war so in Feierlaune, dass er mit seinen Fans vor der Bühne noch tanzte, als der Ton schon längst auf Bühne 1 lag und sich Mumford & Sons in harmonischen Gesängen wälzten. Das ist Gute-Laune-Mucke und versöhnte uns mit dem EDM-lastigen Tag. Da wir schon etliche Stunden in den Knochen hatten, blieben wir nicht bis zum Schluss, holten den Nachwuchs aus seiner Buller-Ecke ab und ließen uns nach Hause shutteln. Offensichtlich rechtzeitig genug, um dem Heimreise-Chaos zu entgehen, von dem wir erst am nächsten Morgen hörten.

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Die Sonne kam zum Untergehen

So aber waren wir noch rechtzeitig zu Hause, sodass wir die Last Night of the Proms noch sehen konnten. Ich mag dieses Event vor allem wegen der ausgelassenen Stimmung und wie die Britten hier nicht nur ihre Musiktradition feiern, sondern auch sich selbst. Es ist einfach tieftraurig, dass sie die EU verlassen.

Aber zurück zum Lolla. Nachwuchs wollte am zweiten Festivaltag nicht wieder mit, was uns das Musikprogramm etwas einfacher gestalten ließ.
Die Sonne begrüßte uns auf dem Feld und mit Bonaparte fing ein echter Festivaltag an.

Bonaparte

Bonaparte

Coole Mucke, witziges Tanztheater und schrille Kostüme – Bonapartes Auftritte sind einfach irre. Wir legten uns auf die Wiese und genossen das herrliche Wetter und die nackten Leiber auf den Leinwänden.

Anschließend schauten wir kurz zu Django Django, die uns aber weder bekannt waren, noch begeisterten, also folgen wir der Empfehlung des Nachwuchses, Alma eine Chance zu geben.

Alma

Alma

Die junge Dame performte mit ihrer Schwester, wobei es auch Schwester im Geiste gewesen sein kann, so genau habe ich es nicht verstanden. Sehr quirlig und kraftvoll, mich hat es vor allem auch interessiert, weil mir der Chorus von »Bonfire« im Ohr hängen geblieben war. Würde mir jetzt kein Album kaufen, aber unterhaltsam war es auf jeden Fall.

In Vorbereitung auf unser Highlight zogen wir vor die Hauptbühne. Dort sang Anne-Marie.

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Anne-Marie

Die junge Frau sah aus wie Madonna zu »Like a Virgin«-Zeiten, also wirklich süß, klang aber wie Miley Cyrus, gähn.

Während sich dann auf Bühne 2 Rudimental verausgabte, platzierten wir uns schön dicht vor der Hauptbühne und warteten auf AnnenMayKantereit. Und die waren großartig.

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AnnenMayKantereit

Völlig überwältigt von der Masse mitsingbereiter Fans, gaben sie alles. Henning May hüpfte immer wieder euphorisch herum, setzte ein spitzbübisches Lächeln auf und sah einfach megasympathisch aus.

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Für »Barfuß am Klavier« zog Henning auch die Socken aus

Unterstützung mit der Trompete erhielten sie erst von Ferdinand »Ferdi« Schwarz und später mit der Posaune von Julia Gruber, alles alte Bekannte der Band aus früheren Tagen.

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Ferdi und Julia Gruber

Das letzte Lied bestritten sie mit der Höchsten Eisenbahn: Zehntausende sangen mit ihnen »Du hast den Farbfilm vergessen«. Henning konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, als er sang »ich im Bikini«.

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Volle Bühne

Das war stimmungsmäßig definitiv der Höhepunkt für uns.

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Henning und Francesco Wilking

 

Da ich mir lieber London Grammar als Cro anhören wollte, eilten wir wieder zur alternativen Bühne.

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London Grammar

Die Sängerin Hannah Reid singt wie ein Engel und gibt sich auf der Bühne auch so. Keine Ahnung warum ich noch keine Platte von ihnen im Schrank habe. Extrem himmlisch. Allerdings verführte sie die Ohren meiner Liebsten nicht im selben Maße, sodass wir bald wieder zurück wanderten, um für die Foo Fighters ein hübsches Plätzchen zu suchen. Dabei sahen wir noch etwas von Cro.

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Cro schwebte rechts etwas erhöht.

Ich find ihn eher langweilig, aber er tut auch keinem weh.

Dann krachte es, die Welt erbebte und ein Sturm beförderte den Brandenburger Sand ins Universum: Foo Fighters. Meine Liebste konnte ein brauchbares Handyfoto knipsen:

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Die Foo Fighters bliesen alles weg

Sie hatten viel vor und wollten jeden Shit von all ihren shitty Scheiben spielen und wahrscheinlich waren 80 % der Festivalbesucher nur wegen ihnen da, zumindest herrschten ihre Fan-Shirts deutlich vor. Kopfzertrümmernder Rock ist ein perfektes Festivalende.

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Uns hat‘s gefallen. Nächstes Jahr findet das Lollapalooza im tiefsten Westberlin statt und wahrscheinlich werden wir trotzdem hinreisen. Ich hoffe bloß, dass die Veranstalter das dämliche Ticketsystem ändern und wieder Bargeld zulassen. Man braucht nicht jeden neuen Rotz, wenn das Alte fehlerfrei funktioniert – denn im Mittelpunkt steht die Musik!
Lolla!

So eine klitzekleine Aktie

Jüngst beschäftige ich mich ja mit den beiden Bänden von Kollaborationen der Steinmüllers und Erik Simon. Die gezeichneten Bildchen auf den Covern stammen von Thomas Hofmann, dessen Blog ich seit einiger Zeit mit Bewunderung verfolge. Vor allem, weil er eine ähnliche Bandbreite phantastischer Literatur schätzt wie ich und ebenso häufig zu Klassikern greift.

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Thomas Hofmann auf dem Elstercon 2016

Und schwupps frug ich mich, warum nicht mal einen der (fast) unbekannten Superhelden der deutschen Phantastikszene ins Rampenlicht zerren? Er frug sich das auch, dennoch willigte er ein, mir ein paar Fragen zu beantworten und offenbar hatte er daran große Freude, wenn man die Ausführlichkeit seiner Antworten bedenkt.

Beim Recherchieren für die Fragen fiel mir dann auf, wie lange ich Thomas eigentlich schon kenne, wenn auch nicht persönlich, so doch durch seine Arbeiten. Denn bereits im allerersten Alien Contact, das ich mir 1990 kaufte, verzierte eine Zeichnung von ihm das Inhaltsverzeichnis!

Viele seiner Zeichnungen erschienen in Fanzines, die ich nie zu Gesicht bekam. In persona nahm ich Thomas erst auf den Elstercons und dann über seinen Blog wahr. Tja, er ist ein netter, viel belesenerer Phantastiknerd als ich und es hat mir viel Spaß gemacht, sein Interview mit passenden Bildern und Covern zu versetzen.

Schaut mal rein: Interview mit Thomas Hofmann

Dann flieg doch zum Mars!

So schön Erzählungsbände auch sind, als Rezensent bedeuten sie eine Menge Arbeit. Aber jammern hilft auch nicht und hinterher ist man stolz wie Bolle.

Jedenfalls konnte ich pünktlich zum vergangenen Wochenende die Rezi zum zweiten Band mit Kollaborationen der Steinmüllers mit Erik Simon, Leichter als Vakuum, beenden.

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Leichter als Vakuum von Angela Steinmüller, Karlheinz Steinmüller und Erik Simon, Titelvignette: Thomas Hofmann

Der Band hat ein ziemlich cooles Konzept für die Darreichung der Geschichten.
Der Philologe Simon Zwystein veröffentlicht eine Reihe von Manuskriptsammlungen. Stets drei Texte bilden dabei eine Geschichte, die dadurch aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Dabei wechseln auch die Stile und Textformen. Es gibt Briefe, Protokolle, Märchen und Berichte aus aller Herren Länder und diversen Epochen.

Nicht alle sind SF oder überhaupt phantastisch, aber zumindest behandeln sie vorstellbare Dinge. Der Spaß liegt vor allem darin, dass die Geschichten oft nur so tun, als ob sie Uraltes behandelten. In Wirklichkeit verbergen sich in ihnen eine ganze Menge hinterlistiger Anspielungen auf die tolle Moderne.

Der Band ist so abwechslungsreich wie amüsant und wer sich gern mal wieder in eine Retroschaukel setzen möchte, konnte das schon lange nicht mehr so ausladend. Gerade der abschließende Kurzroman Die größte Reise bietet hier selbst für RetrokostverächterInnen eine große Schüssel feinster Raffinesse und Marskanäle.

Ganz ausführlich stehen meine Eindrücke wieder einmal in der Rezi für den Fantasyguide: Leichter als Vakuum von Angela Steinmüller, Karlheinz Steinmüller und Erik Simon

Die hab ich quasi auch schon bei einem Verlag untergebracht, aber dort wird sie gekürzt erscheinen. Also nutzt die Chance und lest das unfassbar episch lange Original!

Und bist Du nicht willig, dann dicht’ ich!

Die Lektüre von Marion Alexa Müllers Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren hatte ich große Lust, sie wieder einmal live zu erleben und anstatt mir ein Politikdiskussion in einem aussterbenden Medium anzuschauen, besuchte ich also die Lesebühne Vision und Wahn im Periplaneta Literaturcafé.

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In der Bornholmer Straße

Die Lesebühne feierte das Erscheinen ihrer vierten Anthologie mit dem hübschen Namen Die Einsamkeit des Hurenkindes und fünf der darin vertretenen Künstlerinnen und Künstler gaben einen kleinen Einblick in das Wesen dieser literarischen Darreichungsform.

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Man zahlt, um zu gehen in die Künstlerkassenkanne ein

Thomas Manegold moderierte den bunten Abend mit präsenter Lässigkeit und eröffnete ihn mit der Präambel des Hurenkindes, in der es um das tragische Schicksal eines Hardcovers ging, und erklärte auch für alle Satzfehlerunwissenden, worin der Charme eines Hurenkindes läge.

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Hackerversteher Tom

Tom durfte dann auch in seiner Anmoderation von DerJesko auf den hübschen Artikel im Künstlernamen von Jesko Habert hinweisen, der uns sodann eine Kostprobe seiner Slampoetry bot.

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DerJesko

Im Anschluss kredenzte Marry dann tatsächlich einen Text aus Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren, der quasi einem Schwein gewidmet ist und natürlich gewohnt böse endet. Übrigens merkte sie an, dass man ihrem Text ein Hurenkind versagte. Wer hat da wieder nicht aufgepasst?

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Nicht mal ein klitzekleines Hurenkindlein für die Cheffin

Als Stimmungsaufheller angekündigt, berichtete Robert Rescue knochentrocken aus dem Alltag einer verschwundenen Kulturinstitution, der DVD-Theke.

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Robert Rescue lieh sich einst DVDs

In die Pause säuselte uns wieder einmal Josias Ender, dessen zweite EP nun endlich erhältlich ist.

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Zurück aus den Wäldern – Josias Ender

Voller Neugierde stürzte ich mich, kaum dass die Tore wieder offenstanden, auf Robert Rescue, da ich mir Neuigkeiten zum Intimitätendieb 2 erhoffte. Jedoch steht das nun nicht auf seiner Projektliste ganz oben. Zunächst wird im Herbst ein weiterer Band mit skurrilen Wedding-Geschichten erscheinen. Aber der Phantastik bleibt er hold verbunden und arbeitet auch schon an einem neuen Roman. Thema wird eine komplizierte Art der Unsterblichkeit sein. Sein Hauptfokus liegt aber auf einer Reihe Geschichten um einen phantastischen Ermittler mit Technologiebezug. Die erste Episode wird es wahrscheinlich zur nächsten Drachenfliege Fantasynacht am 28.10.2017 geben und ich hoffe sehr, dass ich diesen Termin mal nicht verpasse.

Marry brach gleich nach der Pause eine feine Lanze für die Lyrik. Sadismus in der Buchbranche erschien bereits auf ihrem Blog und ich finde ihren Kampf für die Verbreitung von Lyrikbändchen heldenhaft, mutig und unbedingt fortführenswert. Ich hätte da auch noch ein paar hundert Gedichte …

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Muse Marry

DerJesko erdete uns danach aber nicht, sondern entführte uns erneut in seine Welt entschwindender Regentropfen. Um das nochmal nachlesen zu können, lohnt sich der Kauf der Einsamkeit des Hurenkindes unbedingt, auch wenn solch Text in der ganz besonderen Vortragsweise, die immer wieder in einen schnellen Rap rutscht, auf jeden Fall ein Erlebnis ist.

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Elogien mit Beat – DerJesko

Sarah Strehle fing vor einigen Jahren als Praktikantin bei Periplaneta an und wünschte sich einen Job als Lektorin. Da man aber bei Periplaneta unbedingt auch schreiben muss, stand sie bald selbst auf der Bühne. Nun präsentierte sie uns ihren allerersten Text und der war ein todtrauriges Mahnmal gegen Gewalt.

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Leg Dich nie mit der Lektorin an: Sarah Strehle

Nach  dieser harten Story irritierte Tom sein Publikum kurz, als er sich über den letzten Tatort verwundert zeigte, der sich erst nach einer Stunde als TV-Duell zu erkennen gab. Passender Weise trug er denn auch einen Text vor, der zur letzten Bundestagswahl entstanden war und sich zu seinem Grauen mit wenigen Änderungen aktualisieren ließ. Toms Ärger wurde mit jeder Zeile deutlicher.

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Wahltag ist immer noch Zahltag

Tja, er hat schon Recht, am Wahltag versenken wir unsere Stimme in einer Urne. Wenn das kein trübes Bild ist. Übrigens gab Tom auch eine Empfehlung zum Flughafen Tegel ab. Oder auch nicht.

Klar, dass nun Robert Rescue gefragt war. Mit radikaler Freundlichkeit erfüllte er sein Amt und brachte die Helligkeit zurück. Natürlich sind seine bangen Air-Berlin-Ängste auch eher tragischer Natur, aber eben sehr erhellend.

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Hätte gern Schokoherzen gehortet.

Dann war auch schon wieder Zeit, dass Josias uns federleicht in die Nacht entließ.

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Der sanfte Ausklang des Abends

Zwischen Hustenbonbons, Hirnkuchen und Bier passt immer auch noch Literatur. Das Ergebnis sind Visionen und Wahn. Eine phantastische Mischung! Das Periplaneta-Jubiläumsjahr ist aber noch nicht zu Ende: Am 15.09. wird das Zehnjährige gehörig gefeiert und wer das Buch zum Bier zu schätzen weiß, sollte vorbeischauen!

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