Montbron

Gerade am Lesen:

Ulrich Holbein – Knallmasse

Gerade geschrieben:

Archive

Blogstatistik

  • 15,918 hits
Advertisements

Golden glänzt der Silberberg

Ein heißer Kreuzberger Abend wird eigentlich nur dann so richtig perfekt, wenn man ihn im Otherland ausklingen lässt.

UA_03

Das Otherland in der Bergmannstraße

Die volle literarische Packung gab es am vergangenen Mittwoch, denn Autor und Übersetzer Uwe Anton stellte seinen SF-Personality Band über Robert Silverberg, Zeiten der Wandlung, vor.

Fachkundig moderiert von Herausgeber und Superfan Hardy Kettlitz, denn in seinem Golkonda-Imprint Memoranda erschien der Band jüngst. Als eine von fünf Neuerscheinungen in diesem Jahr!

Auch Golkonda-Chef Michael Görden war zugegen.

UA_02

Michael Görden, Hardy Kettlitz und Uwe Anton

So ging es denn bald nicht mehr nur über Robert Silverberg und sein Schaffen, sondern auch um die Wege seiner Veröffentlichungen in Deutschland. Einige lustige Hintergründe kamen so zur Sprache.

Mir ist Silverberg bisher nur über den ersten Majipoor-Band bekannt und aus der Biographie über James Tiptree Jr. – von daher erfuhr ich sehr viel Neues und bekam dutzendweise Lesetipps.

Der Band entstand aus einem Gesprächen zwischen Hardy und Uwe während eines DortCons und Hardy hatte das Projekt zehn Jahre lang vergessen. Er arbeitete sogar schon an einem Konzept für einen Silverberg-Band, als die Nachricht von Uwe kam, er sein nun fast fertig. So blieb Hardy eine Menge Schreibarbeit erspart.

Man findet in dem Band Rezensionen zu fast allen SF-Werken Silverbergs, der in allen Genres ein großes Werk aufweisen kann, vor allem natürlich der wichtigen SF-Romane und Erzählungen. Dazu jede Menge biographisches und Hintergrundwissen. Und alles in der gewohnt großartigen Golkonda/Memoranda-Aufmachung.

Uwe durfte dann natürlich noch über seine Arbeit für Perry Rhodan berichten, nicht alle Anwesenden hatten mit der größten SF-Serie der Welt bisher Berührungspunkte. Meine Perry-Zeit ist lange her, aber als ich sie damals zu lesen begann, stieß Uwe kurz danach zum AutorInnen-Team und ich hatte ihn nie als Langweiler in Erinnerung. Allerdings auch nicht als hervorstechender Autor.

UA_01

Bier, Buchselfies und ein überzeugender Bestsellerautor

Dafür konnte ich ihn vor ein paar Jahren für den Fantasyguide interviewen, da ich damals den Roman Zeit der Stasis besprochen hatte, eine Zusammenarbeit mit Thomas Ziegler.

Uwe ist heute ein gesetzter und streitbarer Mann, dem zu lauschen Vergnügen bereitet, da er nicht nur eine Meinung vertritt, sondern sie auch mit Argumenten und Wissen belegt. Ideale Voraussetzungen für einen Sachbuchautor. Sein Band über Stephen King wird übrigens gerade von ihm neu überarbeitet und erweitert. Natürlich ist er schon fest für das Memoranda-Programm eingeplant.

Bis dahin aber bleibt genügend Zeit, sich mal einen jener Silverberg-Bände aus seiner zweiten, der goldenen Phase, vorzunehmen.

Advertisements

In jedem Bild ein kleines Stück Erkennen

Unser Sommerurlaub wird uns nach Dorset führen und schon gleich nach dem Buchen begann ich, mich nach passender Lektüre umzusehen. Da ich die nichtphantastische Gegenwartsliteratur meist ignoriere, suchte ich zuerst nach phantastischen und klassischen Spuren der Literatur in Dorset. Meine Liebste forschte etwas liberaler und fand eine Autorin, die in Dorset lebt und recht erfolgreiche Bücher verfasste. Spontan griff ich mir eines ihrer Werke.

galerieCover

Die Galerie der verschwundenen Ehemänner von Natasha Solomons, Cover: Barbara Hanke und Cordula Schmidt, Illustration: Jim Tierney

 

Die Galerie der verschwundenen Ehemänner von Natasha Solomons gesellte sich dann erstaunlicher Weise zu zwei Büchern mit ähnlichem Thema, die ich in den letzten Jahren auch eher durch Zufall las: Das Haus der zwanzigtausend Bücher von Sasha Abramsky und Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss.

In ihnen geht es irgendwie auch immer um Biographien von jüdischen Familien die durch Vertreibung und Holocaust in Großbritannien und den USA strandeten. Melancholische Geschichten voller Liebe und Trauer.

Auch Die Galerie der verschwundenen Ehemänner erzählt solch eine Geschichte, wenn auch im Mittelpunkt eine Frau steht, die zu einem wichtigen Teil aus der Enge ihrer jüdischen Gemeinde ausbricht. Vor acht Jahren, an ihrem Geburtstag, verließ sie ihr Mann. Um ihre beiden Kinder ernähren zu können, arbeitet sie wieder im Brillenladen ihres Vaters. Als verlassene Ehefrau steht sie in der Hierarchie der Gemeinde ganz unten, ist eine Unsichtbare.
Da trifft sie auf einen Straßenmaler, dessen Bilder sie ansprechen und beschließt, sich von ihm porträtieren zu lassen. Bald schon gründet sie eine Galerie, sucht nach jungen Malern und wird von ihnen immer wieder gemalt. Dort ist sie mehr als nur sichtbar.
Doch sie kann sich nie ganz aus ihrem alten Leben lösen, denn sie liebt ihre Eltern und kann sich nach jüdischem Recht nicht scheiden lassen. Ein kompliziertes Leben, das aber auch voller Wunder steckt.

Natasha Solomons entwickelt mit ihrer Juliet eine faszinierende Figur. Diese Frau geht einen Weg, der ihr Selbstverwirklichung bringt, Liebe und doch bleibt sie in ihrer Gemeinde wohnen, erträgt Verachtung, Gerede und Ausgrenzung. Juliet wird in ihrer Galerieszene bewundert und geachtet. Das verführt sie aber nicht. Sie bleibt bei allem der von innen leuchtende Mensch. Wenn ich das nächste Mal in eine Galerie gehen, werde ich mich ganz genau umsehen, ob da irgendwo so eine Juliet hervorfunkelt.

Mich hat der Roman beim Lesen so gefesselt, dass ich zweimal fast zu weit gefahren wäre. Und das Ende erwischte mich dann doch recht heftig. Von manchen Figuren möchte man keinen Abschied nehmen. Ein paar Mal erschien beim Lesen in meinen Ohren auch John Lennon und sang Mother. Keine Ahnung, wie er da rein kam, aber irgendwie passt dieser Song zu den Gefühlen, die das Buch auslöste.

Es ist eine Mischung aus Entwicklungsroman, Romanze und mahnender Geschichte. Ein lohnendes Buch: Die Galerie der verschwundenen Ehemänner von Natasha Solomons

Besser ist’s zu zweit

Bereits zum dritten Mal folgte ich mit meiner Mutter einer Einladung des Freundeskreis des Diakonie-Hospizes Lichtenberg zu einer vergnüglichen Lesung.

Schauspieler und Autor Sky Du Mont hatte sich bereit erklärt, einen Abend seiner Tour Jung sterben ist auch keine Lösung für das Hospiz ohne Gage zu gestalten.
Die Lesung mit Klavierkabarett durch Christine Schütze fand im Festsaal des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge statt und füllte sich schnell so proppe voll, dass noch Stühle herbeigeschafft werden mussten.

Der Abend war als eine Art Theaterstück aufgebaut. Christine Schütze stellte sich als Mitarbeiterin einer Seniorenresidenz vor, die uns bat, mit ihrem jüngsten Mitbewohner, Sky du Mont nett um- und auf seine Vorstellung, er würde hier im Gemeinschaftsraum eine Lesung absolvieren, einzugehen.

ChristineSchuetze_01

Christine Schütze

Während sie im ePiano immer wieder mal ein lustiges oder ernstes Lied vortrug, las Sky du Mont aus seinem Buch »Jung sterben ist auch keine Lösung« vor. Darin geht es um den 77jährigen Klaus, dessen fidele Mutter ihn dazu zwingt, sich nach einem Altersheim und einer Frau umzusehen, da sie sich um ihn sorgt für die Zeit, in der sie einmal nicht mehr da sein würde.

SkyDuMont_01

Sky du Mont

Inszenierung und Buch gaben genügend Gelegenheit über Tod, Trauer und Einsamkeit zu parlieren und das auf charmant humorvolle Art, ohne die Themen zu verulken oder zu verharmlosen.
Das klappte wunderbar. Das überwiegend ältere Publikum applaudierte noch lang nach dem gemeinsamen Singen von Leonard Cohens Hallelujah.

SkyDuMont_02

Christine Schütze und Sky du Mont singen mit dem Saal »Hallelujah«

Wie der Leiter des Hospiz’, Pastor André-Sebastian Zank-Wins, abschließend feststellte, brachte der Abend vor allem ein glückliches Gefühl und deshalb fahren wir auch trotz der schmerzhaften Erinnerung gerne hin.

Dann sing ich mit dem Babylein den Babysitter-Song

Na, alt genug, nach diesem Titel einen Ohrwurm graben zu hören? Allen Milchbärten sei hingegen gesagt, dass man nicht alles kennen muss.

Wie komme ich darauf? Weil im zweiten Band von Kai Meyers Space-Opera Die Krone der Sterne ein kleines Baby und seine Amme eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielen.

Hexenmacht

Hexenmacht von Kai Meyer, Cover: Jens Maria Weber

Hexenmacht spielt einige Monate nach dem ersten Band. Unsere holde Maid bekam ein wundersames Kind von ihrem edlen Helden, jedoch ist es im Piratennest ihres Onkels nicht wirklich romantisch …

Als Sommerlektüre am Warnemünder Strand eignete sich der fluffige Abenteuerroman hervorragend. Kai Meyer hat keinerlei Mühe, moderne Frauenfiguren und klassische Space Opera zu mischen. Seine megacoolen gigantischen Statuen und uralten technischen Relikte bieten so richtig kuscheligen Wunderweltraum. Würde man sich gern ansehen, aber da leben, nein Danke.

Falls es eine weitere Fortsetzung gibt, weiß ich zwar noch nicht, ob ich weiterlesen werde, jedoch allein für die großartigen Illus von Jens Maria Weber lohnt sich bestimmt auch jener Kauf.

So, wenn ich meinen Bücherstapel ansehe, war’s das erstmal eine Weile mit SF. Der Sommerurlaub führt uns nach Dorset und ich hab da einiges zur Einstimmung und Illustration beschafft. Mit Douglas Adams konnte ich ja schon vor Monaten nicht warten, aber nun geht’s richtig los. Natasha Solomons Die Galerie der verschwundenen Ehemänner fesselt mich grad ungemein und ich hab echt zu tun, an den richtigen Haltestellen auszusteigen. Passiert mir auch nicht oft beim Lesen.

Aber noch kurz der Link zur Rezi: Hexenmacht von Kai Meyer

Wenn Aliens zum Grillen kommen

The War of the Worlds wurde durch Orson Welles wohl zum berühmtesten Hörspiel – zumindest in unserem Kulturkreis. Wer über das Werk von Herbert G. Wells spricht, kommt an diesem 1898 erschienen SF-Werk nicht vorbei.

Auch Oliver Döring wählte diesen Klassiker für seine kleine Wells-Hörspielreihe aus. Geschrieben von Christian Gailus, verteilt auf drei CDs mit unterschiedlichen Erscheinungsdaten präsentiert uns Universal Music eine gewohnt hochwertige Produktion.

kdw_1

Krieg der Welten Teil 1 von Herbert George Wells

Der Fokus des ersten Teils liegt auf der Darstellung der Technikbegeisterung der Jahrhundertwende und das große Entsetzen, als sich die Marsianer so gar nicht nett und zivilisiert verhalten.

Ich war sehr überrascht, dass die Handlung so gar nicht modernisiert wurde wie bei der Zeitmaschine oder Das Imperium der Ameisen. Aber das kann ja in den beiden anderen Teilen geschehen.

Das Hörspiel ist spannend und mitreißend, da gibt es nichts zu meckern. Die Schlacht zwischen Titania und Universal aber, wer die besseren Wells-Adaptionen herausbringt, bleibt langweilig, solange man sich auf dieselben Werke stürzt.

Meine Rezi im Fantasyguide ist jetzt auch nicht besonders umfangreich geraten, da ich solche Teilveröffentlichungen hasse: Krieg der Welten Teil 1 von Herbert George Wells

Für eine Handvoll Gags

Als ich Uwe Hermann beim eBook Event der Brennenden Buchstaben lauschte, beschloss ich spontan, ihn für den Fantasyguide zu interviewen und schrieb ihn auch bald an. Hocherfreut bekundete er prompt sein Einverständnis.

UweHermann-2

Uwe Hermann

Während der Recherche für die Fragen stieß ich auf ein Interview von meinem alten Phantastik-Mentor Michael Schmidt, das er für den Phantastikon vor zwei Jahren führte. So brauchte ich diverse Dinge nicht erneut fragen und konnte mich ganz darauf konzentrieren, mir etwas Neues einfallen zu lassen.

Immerhin wurde das Interview gleich hochbrisant, da Uwe inzwischen den KLP für seine SF-Story Das Internet der Dinge gewann. Da diese Story auch gerade Grundlage eines coolen Fanprojektes ist, konnte ich den braven Autor auch hierzu gleich wichtige Informationen aus der Nase ziehen.

Mit den Antworten kam zudem ein Schwung Fotos und Cover an – ideale Arbeitsbedingungen. Ein Extra-Bienchen für Uwe Hermann!
Wenn er jetzt auch noch den DSFP gewinnt, steht einer noch steileren Karriere als SF-Autor nichts mehr im Weg.

Mir hat das Fragenstellen Spaß gemacht und wer sich ebenfalls daran ergötzen will, findet das Gesamtkunstwerk im Fantasyguide: Interview mit Uwe Hermann

Keine tanzt nach meiner Pfeife!

Eine Space Opera lebt von den Beziehungen zwischen den Figuren, aufregenden Abenteuern zwischen der Sternen und entsprechend exotische Sternenreiche.

Guido Krain ist Profi-Schreiber genug, um die Klaviatur seiner epischen Weltraum-Saga O.R.I.O.N. Space Opera mühelos zu beherrschen und sie für kurzweilige Unterhaltung beherzt einzusetzen.

Darum kann man schon erwarten, dass bestimmte Figuren zwar beständig in Gefahr geraten, aber nicht wirklich auf der Abschussliste stehen. Andere hingegen hängen an einem seidenen Faden. Einmal durchgeschnitten, hilft nur eine Dusche oder die Quantenphysik.

Im achten Band, Abstieg nach Valhalla, holt Guido Krain gleich ein ganzes Raumschiff unter der Hyperraumdusche hervor und das macht er auf der einen Seite furchtbar cool, auf der anderen Seite etwas nervenaufreibend.

AbstiegNachValhalla

Abstieg nach Valhalla von Guido Krain, Cover: Shikomo

Da höhere Dimensionen eine komplizierte Angelegenheit sind, kommt die Aquila nicht ganz unbeschadet daraus zurück. Eigentlich ist sie ja in Band 6 zerstört worden. Aber zum Glück war schon etwas von ihr in die höheren Dimensionen entfleucht und mit etwas Hirnschmalz und Spucke gelingt es den fähigsten Köpfen der Besatzung, daraus wieder eine dreidimensionale Realität zu basteln. Dumm nur, wenn die Kapitänin und zwei weitere Führungsoffiziere zu einer Person verschmelzen. Die auch noch davon überzeugt ist, etwas Besseres zu sein.
Kommunikationsprobleme, Subordination und die Frage, ob man in den Zeitverlauf eingreifen soll heizen diesem Handlungspart mächtig ein.

Aber auch das Mutterschiff kämpft mit Problemen. Infiltrationen und gefährliche Liebschaften sind da nur Eisbergspitzen.
Kultig wird es wieder, wenn Lorn Chambers und sein Harem in Aktion treten. Guido Krain liebt den deftigen Ton und auch dieses Mal dreht sich viel um Sex. Selbst superintelligente Aliens sind ja bei ihm vor wilden Trieben nicht sicher. Was sich in einem gigantoerotischen Schlafzimmerdesign manifestiert, das mir bisher so noch nicht unter die Augen kam.

Alles in allem eine vergnügliche Reise in ein dennoch sehr düsteres Universum. Schade, dass man so wenig von anderen Leserinnen und Lesern dieser Reihe hört. Entweder liest sie niemand oder es gibt nix weiter drüber zu berichten.
Wie auch immer, meine Rezi im Fantasyguide winkt ins weite Netz: Abstieg nach Valhalla von Guido Krain

%d Bloggern gefällt das: