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Dann war da doch noch was drin

Das Abarbeiten eines SUBs ist sehr wichtig. So sollte man die Bücher der Herbstmesse vor der nächsten Frühjahrsmesse gelesen haben, denn diese kommt bekanntermaßen ganz plötzlich, meist morgen. Ähnlich verhält es sich mit Zeitschriften. Auch hier bietet sich eine Lektüre vor dem Erscheinen der nächsten Ausgabe an.
Und manchmal befolge ich solche Tipps auch, wie just mit der Ausgabe 38 des SF-Magazins Exodus geschehen.

Exodus38Cover

Exodus 38, Cover: Michael Marrak

Bisher gab es stets grafische Anreize, mir das Heft zu besorgen und auch diese Ausgabe war aus diesem Grund ein Pflichtkauf für mich, stellte man in den großformatigen Farbheft doch Michael Marrak vor. Den hab ich schon ganz oft gelobt und unvorteilhaft fotografiert, wie er mir ständig unter die Nase reibt. Aber ich bin ja auch Dichter und kein Knipser.

Erschienen ist das Heft zum Elstercon, den ich ja besuchte, und so konnte ich mir die Ausgabe frisch bei einem der Verleger, René Moreau selbst, kaufen.

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René Moreau auf dem Elstercon 2018

Meine bisherigen Erfahrungen mit den Storys in der Exodus waren nicht so dolle und das Magazin blieb sich da auch dieses Mal treu. Aber die Grafiken rissen alles raus, wenn auch der Herr Marrak die Düsternis beklagte und seinem schlecht kalibrierten Monitor die Schuld daran gab. Er kennt Elfen nicht so gut wie ich.

Aber dann überraschte mich das Heft doch noch. Ganz zum Schluss fand sich ein Artikel von Dirk Alt. Die Abweisung einer politischen Geschichte zum Thema Migration durch die Exodus-Redaktion veranlasste ihn, einige SF-Autoren zum Themenkomplex »Wie politisch ist die deutsche Science-Fiction?« zu befragen. Ein wichtiger Diskurs wie ich finde, da hier aus meiner Sicht zu wenig stattfindet, wenn ich auch Forderungen nach Geschichten über eine erfolgreiche AFD-Machtübernahme oder einem IS-Sieg wenig abgewinnen kann. Dirk Alt ließ dann sogar den alten Rechtsaußen der SF, Herrn Haubold zu Wort kommen, der sich sichtlich über die Propagandagelegenheit freute.

Man kann sich darüber streiten, ob es gut ist, ihm eine Plattform zu bieten, aber auf der anderen Seite rundet dieser Text die Sicht auf den politischen Teil des Fandoms ab.
Dadurch wird das Heft zu einem Zeitzeugnis. Irgendwann kramt ihr das Heft hervor und sagt »So war das damals, bevor das Mithril-Zeitalter der SF begann!«

Na, Lust bekommen? Zu den einzelnen Geschichten, den Illustrationen und einem Gedicht (ha!) äußere ich mich in meiner Rezi: Exodus 38

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Platz ist doch in jedem Bettchen

Ein fieser Männerschnupfen fesselt mich ans Bett und so nutze ich die Gelegenheit, ein paar Rezensionsrückstände abzubauen.
Auf dem BuCon bekam ich direkt aus den druckfeuchten Händen von Guido Krain das erste Exemplar der Göttin der Zeit, während seine Göttin auf Dauer, die wunderbare Frederike Krain, mir stolz eine Pali-Handyhülle und ein Lächeln präsentierte.

Guido_FrederikeKrain_BuCon2018

Guido signiert und Frederike hat endlich Zeit

Pali ist der blaue Knuffel aus der Serie O.R.I.O.N. Space Opera und nicht nur Frederikes Lieblingsfigur. Das burschikose Nerdgirl hat gleich zu Beginn der Reise einen Cyborg-Soldaten in Beschlag genommen und wacht seither darüber, wer alles zu ihm ins Bett hüpfen darf. Inzwischen hat Guido Krain einen regelrechten Harem zusammengetragen und durch die halbjährliche Erscheinungsweise gelingt es mir kaum noch, die Figuren auseinanderzuhalten, zumal sie ja immer weniger Platz in der Handlung erhalten, schon rein seitentechnisch bedingt.

GoettinDerZeit

Göttin der Zeit von Guido Krain, Cover: Shikomo

Im aktuellen Band 9 kommt die nächste Alienbraut hinzu und auch Kommandant Cody Callahan beginnt nun mit dem Haremsbau. Er darf sich auch gleich von der Göttin der Zeit persönlich erklären lassen, warum das voll in Ordnung ist. Ist das Schiff auch kurz vorm Platzen, hin zum Kater eil’ n die Katzen. Oder so.

Ich weiß nicht, ob diese Entwicklung damit zusammenhängt, dass Guido inzwischen ganz allein an der Serie schreiben muss und erst für die nächste Staffel, die nicht vor 2021 beginnen soll, neue Verstärkung heranschaffen kann, oder ob der Erwartungsdruck der Leserschaft darauf Einfluss hatte – die O.R.I.O.N. Space Opera ist deutlich speziell und damit ganz allein auf weiter, deutscher Flur. Ist das die sexuelle Befreiung des Weltalls? Der deutsche Herbst kosmischer Liebe?

Band 9 bereitet jedenfalls das Finale der ersten Staffel für den nächsten Band vor und Guido legt neben dem Bettgeflüster auch ein paar echte heiße Handlungsspuren zu Band 10.

Ich bin gespannt, was er sich dafür dann ausgedacht hat. Gibt es ein großes Reinemachen unter den Figuren? Oder wird die Eos in der zweiten Staffel zu einer großen Kommune mit multidiversem Kinderladen? Mir scheint alles möglich.

Meine Rezi für den Fantasyguide geht etwas mehr auf die Handlung ein: Göttin der Zeit von Guido Krain

Ein Hirn im Zwirn

Im Klassikerlesezirkel des SFN lasen wir im Oktober Donovans Gehirn von Curt Siodmak.
Ich kannte den Autor nur vom gleichnamigen Preis, mit dem alljährlich phantastische Filme und Serien geehrt werden und bei dessen Abstimmung man immer was tolles gewinnen kann.
Bei den diesjährigen Retro-Hugos musste sich der Roman Heinleins Utopia 2300 (Beyond This Horizon) geschlagen geben. In einer Twitter-Diskussion wurde der Gewinner für mau erklärt und daraus ergab sich die Frage, ob wer anders hätte gewinnen sollen. kurzentschlossen wurde Donovans Gehirn für eine nähere Untersuchung auserkoren.

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Donovans Gehirn von Curt Siodmak, Cover und Illustrationen: John Stewart

Das Buch stammt aus dem Jahre 1942, Siodmak befand sich schon einige Zeit nach seiner Flucht vor den Nazis in den USA und hatte sich als Roman- und Drehbuchautor bereits bekannt gemacht. Dem Buch merkt man die Nähe zum Film an und es wurde dann auch tatsächlich 1953 erfolgreich verfilmt.

Der skrupellose Wissenschaftler Patrick Corys stiehlt das Gehirn eines tödlich verletzten Opfers eines Flugzeugabsturzes und erhält es in seinem Labor am Leben. Bald beginnt er mit dem Gehirn zu kommunizieren, zunächst über Morsezeichen, dann entwickelt das Gehirn Telepathie. Und weil sein Besitzer einst ein gieriger und umtriebiger Kaufmann war, zwingt er schon bald dem Forscher seinen Willen auf. Cory bemerkt viel zu spät, dass er längst die Kontrolle über das Experiment und auch sein Leben verloren hat …

Es gibt jede Menge Action, seltsame Aktionen der Figuren, deren Motivation unklar bleibt und ein klischeehaftes Hollywood-Ende.

Ich fand’s eher mittelprächtig, klar für 1942 waren Idee und Umsetzung bestimmt der Hammer. Meine Rezi im Fantasyguide: Donovans Gehirn von Curt Siodmak

Nach dem Mangel ist die Gier noch da

Am Montag weilt Cory Doctorow in der Stadt und wird auf Einladung des Otherlands im Kreuzberger Wasserturm lesen.
Zur Abwechslung schnappte ich mir vorher etwas zur Lektüre. »Walkaway« lag eh im Otherland herum und so beginnt meine Doctorow-Erfahrung eben mit seinem jüngsten Werk – und ich bin ganz angetan.

Doctorow_CWalkaway

Walkaway von Cory Doctorow, Cover: Will Staehle und Das Illustrat

Dass Doctorow ziemlich weit links herumrennt, war mir bewusst, immerhin folge ich ihm auf Twitter und hab hin und wieder Meinungsäußerungen von ihm vernommen.
So hat es mich nicht wirklich überrascht, dass es in »Walkaway« dem Mammon und dem Kapitalismus an den Kragen geht. Das Problem sozialistischer und kommunistischer Idee ist ja immer, dass sie die Menschen stets mit Gewalt zu einer besseren Lebensweise zwingen wollen.
Doctorow versucht es in seiner Utopie eigentlich mit dem Gegenteil. Er lässt seine Figuren einfach weggehen. In einer sehr coolen Szene übernehmen ein paar Besserwisser die Führung über eine bisher führungslos organisierte Herberge. Eine der Hauptfiguren, Limpopo, eine junge Walkaway-Frau, die ziemlich viel Arbeit und Liebe in dieses B & B gesteckt hat, geht auf die Provokationen der Okkupatoren gar nicht ein. Sie geht weg und beginnt woanders ein noch besseres B & B aufzubauen.

Es gibt sehr viele Prämissen in »Walkaway« ohne die ein Großteil der Handlung nicht funktionieren würde. So existieren immer eine Menge Leute, die zusammenarbeiten wollen. Die Selbstorganisation ist chaotisch, funktioniert aber trotzdem.
Zudem gibt es dank vielfältiger 3D-Druckerei keinerlei Probleme, irgendetwas herzustellen. Von Drohnen, Maschinen, Häuser bis hin zu Lebensmitteln ist es nur eine Frage der Ideen, Muster und des Grundstoffes. Postmangelgesellschaft nennt das Doctorow. Die Walkaways nutzen dabei die Ressourcen verlassener Orte, Werke, Müllkippen und Wracks. Im Kapitalismus ist selbst Abfall immer noch Besitz und es stört das Prinzip schon immens, wenn etwa eine Verkäuferin nicht verkaufte Ware, die weggeschmissen werden soll, selbst verwendet. Diebstahl!
Den Walkaways wirft man dies auch vor. Egal wie unabhängig sie leben, wie wenig sie sich in die Belange des »Defaults« auch einmischen, allein ihre Verweigerung nach den unsinnigen Regeln zu leben und damit der Macht des Kapitals zu entfliehen, reicht schon aus, um die ganze Härte des Systems zu spüren zu bekommen.
Doctorow denkt schon lange die Grenzen von Besitz und Urheberrecht weiter und mit »Walkaway« bebildert er diese Theorien und zeigt, was dran sein könnte am Ende des Geldes.
Der ganze Roman steckt voller diskussionswürdiger Themen. Zur Kapitalismuskritik kommen noch Upload und Singularität, Diversität und Arbeitsorganisation. Es wird viel geredet in »Walkaway«, aber auch viel geliebt, gekuschelt und gelitten.
Das Weggehen durchzieht die Seiten und wird zum Prinzip, egal, wie sehr man sich an Orte und Figuren auch gewöhnt hat.

Ein cooles Buch, ein inspirierendes Werk! Ich freu mich sehr auf die Lesung.

Ein paar Worte mehr in meiner Rezi: Walkaway von Cory Doctorow

Wenn der Schnauzbart schnell noch zuckt

Auch wenn ich immer lästere, keine Gegenwartsliteratur zu mögen, les ich sie doch. Eher selten tagesaktuell, aber man bekommt ja so mit, wer sich einen Namen gemacht hat. Noch besser läuft es natürlich, wenn sich mir ein Name einprägt, weil er andere inspirierte.
So ging es mir mit Smoke und Paul Auster. Der Film faszinierte mich durch seine Stimmung und liebevolle Erzählweise. Seitdem hatte ich im Hinterkopf, mir mal die literarische Vorlage anzusehen. Allerdings kam es nun ganz anders. Im Krabbeltisch einer Buchhandlung lächelte mich Das Buch der Illusionen an und ganz spontan entschied ich mich, hier nun die Kontaktaufnahme mit Auster zu beginnen, ganz unabhängig davon, ob es mit Brooklyn zu tun hat.

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Das Buch der Illusionen von Paul Auster, Cover: Cathrin Günther

Markus Mäurer meinte gleich als ich von meinem Lektürebeginn berichtete, dass es nun nicht Austers bestes Werk sei und damit bin ich sogar ganz glücklich, bleibt mir so ja die Steigerung nach oben.
Ja, das Buch der Illusionen hinterließ mich unsicher, ob ich’s gut oder nicht so toll finde.
Es geht um einen US-amerikanischen Literaturprofessor, der Frau und Kinder bei einem Flugzeugabsturz verlor. Aus seiner Trauer findet er eher zufällig heraus, als ihn ein Stummfilmstar zum Lachen bringt. Bald ist er von diesem Hector Mann fasziniert, der 1929 nach nur zwölf Kurzfilmen spurlos verschwand, gerade, als er sich einen Namen gemacht hatte. David Zimmer beginnt eine Monographie über Mann zu schreiben, die einzige bis dato. Und dann bekommt er einen Brief …

Austers Beschreibung des fiktiven, genialen Stummfilmregisseurs und Komikers sind ungemein fesselnd. Er beschreibt ganze Filme, erklärt, warum der leidgeplagte David Zimmer derartig tief berührt wird und erwischt mich damit auch. Auch die kurze, leidenschaftliche Liebesbeziehung ist feinfühlig und traurigschön erzählt.

Schwierig wird es, wenn ich versuche, dem Ganzen eine Bedeutung zu geben. So recht klar wird mir nicht, warum mir der Bericht von David Zimmer über diese Episode in seinem Leben vorgelegt wird. Geht es um Trauerbewältigung, um Verluste persönlicher oder kultureller Art?
Irgendetwas fehlt dem Buch, ich kann es nicht genau benennen. Vielleicht hat Auster sein Buch wie einen Film gesehen. Die Atmosphäre der Bilder überschwemmt den Betrachter. Das Finale hämmert ihn dann in die Nacht mit dem Gefühl, Kino ist unsterblich, wenn es solche Stoffe dafür gibt.
Meine Rezi im Fantasyguide: Das Buch der Illusionen von Paul Auster

Dann ist es einfach nur gut

Wenn Aliens uns im dunklen Wald nicht finden, bietet es zumindest die Möglichkeit, coole Lesungen zu besuchen. Besser als eventuell zu Babybrei zerhäckselt zu werden.

Weil wir trotzdem ins All funken, geh ich also lieber gleich in die Stadt und erlebe was.

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Die Heilig-Kreuz-Kirche

Die Lesung von Cixin Liu (eigentlich Liu Cixin, aber weil Liu der Nachname ist, schreibt mans meist andersrum) am vergangen Mittwoch stand deshalb auch dick in meinem Kalender. Das Otherland fungierte als Gastgeber der Lesereisekarawane in Berlin. Man mietete die Heilig-Kreuz-Kirche am anderen Ende der Zossener Straße und trotz Eintritt, füllte sich die Kirche bis zum überletzten Platz. Die Crew war sichtlich aus dem Häuschen und zappelte sehr nervös durch das Gemäuer.

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Simon Weinert, Jakob Schmidt und Wolfgang Tress

Auf die Bühne kamen dann neben Cixin Liu, die Übersetzerin Dr. Jing Bartz, Moderator Dietmar Dath und als Vorleser Mark Bremer.

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Dietmar Dath, Jing Bartz und Cixin Liu

Dietmar Dath trank Tee und zeigte trotzdem Nerven. Der Mann gehört zu den besten deutschsprachigen SF-Autoren, ist ein mehr als streitbarer Kritiker und denkbar bestens geeignet, einen solchen Abend zu moderieren. Man sah ihm an, wie die Gedanken und Ideen in ihm arbeiteten und dann fertigte er sich mit enthusiastischen Schwung Notizen an. Kam diesjahr übrinx immer noch kein Buch von ihm raus. Kommt wohl gar nicht mehr zum Bücherschreiben.

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Noch schnell ein Universum erschaffen …

Die Trisolaris-Trilogie ist nicht nur weltweit sehr erfolgreiche Hard-SF, sie brachte der westlichen Welt überhaupt erst einen Blick auf die chinesische Science-Fiction. Im zweiten Band, Der Dunkle Wald, der gerade erst im Frühjahr auf Deutsch erschien, befasste sich Liu mit dem Fermi-Paradoxon und beantwortete es mit einer so simplen wie einleuchtenden Erklärung. Da draußen sind lauter verborgene Raubtiere und wer im dunklen Wald seine Taschenlampe anmacht, hat sich auszivilisiert. Darum hört man von anderen Rassen immer nur einmal.

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Cixin Liu

Um diese unschöne Zukunftsvision ging es dann auch in einer der Fragerunden. Neben weiteren Hard-SF Themen wie etwa der Endlichkeit von Erkenntnis und dem Moment, wenn alle Probleme gelöst sind und es einfach nur gut sein wird.

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Mark Bremer

Mark Bremer las insgesamt zwei Stellen aus dem Buch vor. Dazwischen und davor stellte Dietmar seine drei Fragen und im Anschluss wurden noch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Vermutlich die Hälfte der Anwesenden stammten direkt aus China oder haben Chinesisch im Elternhaus gelernt, was den Abend zu einer Art Heimspiel für Cixin Liu machte.

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Jing Bartz und Cixin Liu

Die Übersetzerin Jing Bartz – sie hat nicht das Buch ins Deutsche übertragen – bezauberte durch ihr Eingeständnis, die physikalischen Details nicht zu verstehen, lieferte uns aber eine sehr sympathische Übersetzung der Fragen und Antworten.

Auch Mark Bremer begeisterte durch eine ausgereifte und sprachlich detaillierte Lesung. Vielleicht hätte man auch Cixin Liu etwas lesen lassen sollen, bei so vielen, die ihn verstanden haben.

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Nur echt mit ExLibris und Signatur

Die Schlange zum Signieren zog sich dann durch das gesamte Kirchenschiff und auch wenn man nur drei Bücher signieren lassen durfte, wird sich das Ganze noch eine Weile hingezogen haben. Zum Glück saß ich in der zweiten Reihe und schaffte es daher schnell nach vorne. Und mehr als drei Bücher hab ich auch gar nicht von Cixin Liu. Band 2 werde ich aber bestimmt nicht vor dem Erscheinen von Band 3 im nächsten Frühjahr schaffen.

Die Lesung war großartig und das bleibt sie und nun können diese Aliens kommen.

Projekt Buchpreis – Teil 7

Im Zug auf dem Weg zum BuCon beendete ich Susanne Röckels Vogelgott.

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Der Vogelgott von Susanne Röckel

Der Roman ließ mich etwas unzufrieden zurück. Meine beiden Hauptkritikpunkte sind die unbefriedigende, beziehungsweise fehlende Auflösung des Ganzen und die mangelnde Akzentuierung der unterschiedlichen Figuren. Stilistisch rührte die Autorin quasi einen Einheitsbrei, zwar sehr stimmungsvoll und in klassischer Manier, aber eben eine einzige Stimme für vier unterschiedliche Perspektiven.

Vielleicht aber ist das auch so gewollt, um die Individualität der vier zu negieren? Ich weiß es nicht. Genauso schwer fällt mir eine grundlegende Interpretation der Handlung. Alles dreht sich irgendwie um eine Art Fluch, die zum Schwinden des Vaters und seiner Kinder und deren Kinder führen soll. Dahinter steht irgendwas mystisches, vielleicht Böses, vielleicht aber auch Fortschrittliches zwischen Prometheus und Jesus. So richtig sah ich nicht durch.

Bis auf einige langwierige Stellen im Mittelteil las sich das Buch aber dennoch sehr flüssig. Fast atemlos folgte ich den verschiedenen Stadien von Obsession und Kontrollverlust. Wenn nur irgendwie ein Ziel der Handlung erkennbar gewesen wäre.

Also insgesamt dicht an einem tollen Phantastikwerk vorbeigeschrammt.

In Bezug auf meine Vorurteilscheckliste gibt es erneut null Punkte!

 

Gestern versuchte ich auch gleich, Archipel der Buchpreisträgerin Inger-Maria Mahlke zu erwerben. Dafür erkor ich mir die Buchhandlung Kommedia in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg, vis-à-vis des Otherlands.

KommediaBuchhandlung

Es war ausverkauft. Dennoch frug ich den Buchhändler Lutz Stolze über die Bedeutung des Buchpreises für seinen Laden. Er würde schon etwas bringen, weil die Menschen sich nach der medialen Aufmerksamkeit richteten, egal ob das Buch nun gut oder schlecht sei. Der Preis sei eben eine Marketingmaßnahme und für ihn zumindest funktioniert sie.

Ich werde nächste Woche wieder vorbeischauen, dann dürfte eine Lieferung mit Exemplaren eingetroffen sein.

Da ich eh ins Otherland musste, um mir die Karte für die heutige Lesung von Cixin Liu abzuholen, nahm ich gleich den neuen Doctorow, Walkaway, mit. Cory liest am 05.11. im Wasserturm Kreuzberg und es wurde einfach Zeit, dass ich was von ihm lese.

Zum Schluss noch der Verweis auf meine Rezi: Der Vogelgott von Susanne Röckel

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