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Die Kosten der Träume

Gerade erst gab es große Aufregung um eine Liste von Science-Fiction-Autorinnen in der deutschsprachigen Wikipedia. Obwohl ich Bücher nicht nach dem Geschlecht aussuche, stelle ich regelmäßig in meinen Jahresauswertungen fest, dass meine Lektüre von Autoren geprägt ist. Seither bemühe ich mich darum, immer wieder auch ganz bewusst zu Werken von Frauen zu greifen. Daher war es beschlossene Sache, dass ich trotz fiesen Männerschnuppens zur Buchpremiere von Kathleen Weise ins Otherland gehen würde.

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Das Otherland-Poster zur Buchpremiere

Allerdings war Kathleen selbst verseucht und hatte daher extra einen Babysitter organisiert, damit ihr Mann, Boris Koch, den Vorlesepart übernehmen konnte.

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Boris Koch und Kathleen Weise

Die beiden gehören zum Freundeskreis der Buchhandlung. Boris arbeitete hier etliche Jahre und Kathleen lektorierte etwa Simon Weinerts »Tassilo«, der jüngst in einer schicken Neuausgabe bei MEMORANDA erschien und den er nächste Woche auf der Leipziger Buchmesse vorstellen wird.

Von daher schon war die Stimmung prächtig und in gewisser Weise familiär.

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Zum Greifen nah: »Wenn wir nach den Sternen greifen«

Kathleens neuestes Buch »Wenn wir nach den Sternen greifen« behandelt ein recht schwieriges Thema. Welche Konsequenzen haben unsere Träume für das Leben anderer. Kathleen beschrieb das so:

»Du suchst dir deinen Partner aus. Das ist wie Partnern von Soldaten, Polizisten, Partnern von Feuerwehrleuten … Als Erwachsener kannst du dir sagen: Haste selbst ausgesucht, Pech gehabt! Aber als Kind? Was machst Du, wenn Du in die Familie reingeboren wirst und ein Elternteil einen Beruf, eine Berufung hat? Hast du dann das Recht zu sagen: Du lässt das aber! Kannst du jemanden, der solch eine Leidenschaft hat, das fragen, kannst du fordern: Du hast eine Familie, bitte such Dir einen anderen Job!

Und ich habe keine Antwort.«

Der Roman spielt in der nahen Zukunft, im Jahre 2039. Der Start einer bemannten Marsmission steht kurz bevor und die Weltraumbehörde organisiert einen letzten Urlaub für die Mitglieder mit ihren Familien. Auch der Vater der 17-jährigen Ianthe wird sich schon bald für lange Zeit von ihnen verabschieden. Während das für Ianthe in Ordnung geht, da sie im Verfolgen ihres Traumes einer Musik-Karriere Parallelen zum Traum ihres Vaters sieht, reißt ihre jüngere Schwester Sanja aus. Doch die Ferienwoche wird für alle die bevorstehende Trennung realer machen und in ein anderes Licht stellen.

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Boris war ein Mädchen

Boris hatte sichtbar Vergnügen darin, die Innensicht eines Mädchens darzustellen. Obwohl er den Part der Sanja eher in das Zentrum des Buches gestellt hätte, weil es für der spannendere Handlungsstrang ist. Doch Kathleen bevorzugt den Optimismus Ianthes. Zudem konnte sie sich durch sie als Songschreiberin üben. Ianthe produziert nicht nur erfolgreiche Videos, sie macht auch ihre eigene Musik und will Sängerin werden. Kathleen hat sich hierfür extra mit befreundeten MusikerInnen zusammengesetzt um herauszufinden, in welche Richtung sich Musik in den nächsten zwei Jahrzehnten entwickeln könnte. Sie schufen dann zusammen auch gleich den Soundtrack zu Buch, aus dem man am Abend bereits einige Stücke von einer Deme-CD hören konnte. Die fertige Platte erscheint wohl im Sommer, die Liedtexte befinden sich im Anhang des Buches.

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Kathleen lässt die Macht hinter sich

Boris gab noch ein zweites Kapitel zum besten, in dem wir die Freunde Ianthes und auch deren Stresslevel mit dem Leben und den Entscheidungen ihrer Eltern kennenlernen.

Die beiden Stellen versprachen eine vor allem auf den Menschen bezogene SF, die vielleicht gerade jene ansprechen wird, die nicht so auf Technik und Weltraumkämpfe stehen. Denn noch ein weiteres Problem spielt im Roman eine Rolle. Auf der Erde hat sich eine aggressive Bewegung namens »First Mother« gebildet, die gegen Ausgaben für Weltraumforschung sind und ganz explizit versuchen, den Flug zum Mars zu verhindern.

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Die stolze Autorin

»Wenn wir nach den Sternen greifen« ist daher ziemlich erdgebundene Social-Fiction, die sich nicht nur auf Jugendliche konzentriert, die ähnliche Sorgen wie Sanja umtreibt, sondern auch auf genau jene Menschen, die ihren Träumen folgen und einen Preis dafür zu zahlen haben. Ein wichtiges Thema.

Dennoch fliegt Kathleen mit ihrem nächsten Buch, ebenfalls SF, ins All. Wir werden ihr wohl dahin folgen.

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Kathleen und Christian Handel

Kurz bevor meine Nase mich verlassen konnte, nutzte ich das Ende der Veranstaltung, und eilte mit einem wunderbar signierten Buch und mächtig schniefend nach Hause.

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Die Düsternis ist dunkelrot

Als die Fernsehserie »The Handmaid’s Tale« 2017 für Furore sorgte, kam es mir wieder zu Bewusstsein, welchen phantastischen Ruf Margaret Atwood nicht nur in der allgemeinen Literaturwelt besitzt, sondern auch in der Science-Fiction.
Ich kannte zwar die Verfilmung »Die Geschichte der Dienerin« von Volker Schlöndorff und tatsächlich habe ich ganz besonders die grässliche Begattungsszene immer noch deutlich vor Augen, aber gelesen hatte ich von Margaret Atwood bisher noch nichts, obwohl da im Bücherschrank sogar ein Taschenbuch aus DDR-Zeiten auf seine große Stunde wartet.

Wenn man Atwoods Tweets auf Twitter verfolgt bekommt man einfach irgendwann Lust, endlich etwas von ihr zu lesen und so nutzte ich den Februar-Klassikerleszirkel im SFN, um endlich diese Lücke zu schließen und »Der Report der Magd« ins Herz zu schließen. Krankheits- und Urlaubsbedingt konnte ich erst recht spät einsteigen, aber es hat sich gelohnt.

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Der Report der Magd von Margaret Atwood; Cover: Suzanne Dean und Noma Bar

Allein schon meine gebundene Ausgabe vom Berlin Verlag (und natürlich im Otherland gekauft) ist eine Pracht. Wenn man den Schutzumschlag zum Lesen abmacht, hält man ein blutend rotes Buch in der Hand, so wie die Farbe des Kleides der Magd. Auch die Schnittkanten der Seiten sind in diesem Rot gehalten und beim Umblättern löst sich die nächste Seite mit einem trockenen Reißen – ein ganz besonderes Gefühl in den Fingern.

Trotz der brutalen Geschichte und den üblen Dingen, die Atwood in ihrer Geschichte bündelt, ist »Der Report der Magd« ein wunderbar geschriebenes und sehr bewegendes Buch. Die politische Relevanz des Textes ist enorm. Nicht nur verbrecherische Gottesstaaten, sondern auch Hasskampagnen in demokratischen Ländern graben derzeit tief an den Menschenrechten von Frauen. Selbst hier in der BRD. Gerade bei Abtreibungsgegnern finden sich immer mal wieder Tendenzen, Frauen zu entmündigen, ihnen das Recht zu nehmen, über ihren Körper und ihre Zukunft selbst zu entscheiden.
Solches Denken führt direkt nach Gilead.

Deshalb ist »Der Report der Magd« zeitlos, ein lohnenswertes Buch, eine Bereicherung. In meiner Rezi im Fantasyguide untersuche ich das Buch näher und weil es ein Klassiker ist, enthält die Besprechung Spoiler: Der Report der Magd von Margaret Atwood

Ein Dörfchen zum Kompott

Im Kino war »Mortal Engines« halbwegs erfolgreich. Wenn die Zahlen stimmen, stehen einem Hundert Millionen Dollar Budget Einnahmen von 105 Millionen (Zahlen korrigiert, Danke, M. Rath) gegenüber.
Ich kam bisher nicht dazu, den Film zu sehen, jedoch trudelte das Buch bei mir im Herbst ein. Als unaufgefordert eingesandtes Buch wanderte es jedoch zunächst auf einen SUB.
Anfang des Monats hatte ich dann Lust auf spannende Unterhaltung und da kam mir das Buch gerade Recht, zumal sowohl Markus Mäurer als auch Thorsten Küper (auf FB, was ich jetzt nicht verlinke) davon schwärmten.

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Krieg der Städte von Philip Reeve, Cover: Ian McQue

Nun ja, mich hat das Buch nicht erreicht. Über weite Strecken quälte ich mich durch die Seiten, aber ich wollte zumindest wissen, wie es ausgeht und wer wen bekommt.

An erster Stelle meiner Kritik steht der sehr einfache Stil. Ich hatte nicht mitbekommen, dass es sich um eine Jugendbuchreihe handelt und vielleicht liegt es auch an der Übertragung ins Deutsche, aber selten wurde Abenteuer so langweilig erzählt. Dabei geht es actionmäßig Schlag auf Schlag.
Und auch das Setting hätte mehr Potential gehabt. Irgendwie hab ich mehr über diese wandernden Städte zu erfahren erwartet. Der Städtedarwinismus an sich klingt schon ziemlich interessant, aber sobald man länger darüber nachdenkt, bekommt man gedankliche Bauchschmerzen. Philip Reeve versucht auch gar nicht erst schlüssig zu erklären, wer solche Wunderdinge erschaffen und tausende Jahre am Leben halten kann. Sein Konflikt, dass die Städte sich gegenseitig immer mehr dezimieren, kommt wahrlich spät.

Aber egal, nur weil mich das Ganze nicht so gefesselt hat und mir keine der Figuren näher ans Herz wuchs, muss »Mortal Engine« insgesamt ja nicht schlecht sein. Vielleicht kommt mir der Film ja mal unter. Aber den zweiten Band der Reihe werde ich eher nicht lesen.

Ein paar Worte mehr im Fantasyguide: Krieg der Städte von Philip Reeve

Was lange währt, wird NOVA

Im Januar standen wieder einmal die Nominierungen für den Kurd Laßwitz Preis an und da ich dem leidgeprüften Blick von Udo Klotz selbst dann nicht widerstehen kann, wenn er nur in meiner Einbildung aus der Erinnerungsmail auf mich herniederfährt, griff ich mir endlich die 25. Ausgabe des SF-Magazins NOVA, um wenigstens ein paar Ideen für die Kurzgeschichten-Kategorie zu bekommen.

Die 25 erschien zwei Jahre nach der 24 und wenige Wochen vor der 26. Verlagswechselbedingt hatte ich die 26 dann auch vor der 25 im Haus. Und kein Bock, sie zu lesen. 2018 wurde ich mit Phantastik-Anthologien zugeschüttet. So gern ich auch Kurzgeschichten lese, reichen mir davon zwei Bände im Jahr vollkommen aus. Denn meiner Erfahrung nach gibt es einfach kaum mehr als ein Dutzend wirklich guter Storys pro Jahrgang und diese aus hundert Anthos rauszufinden würde bedeuten, tausend mittelmäßige bis miese Geschichten lesen zu müssen.

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NOVA 25, Cover von Olaf G. Hilscher

Theoretisch steht das NOVA-Team für eine exzellente Story-Auswahl, sodass ich also zumindest eine brauchbare Chance habe, dort nominierungswürdige Kandidaten zu finden. Tatsächlich fand ich sie auch. Allerdings war das schon ein heftiges Gekratze in den Ecken und restlos zufrieden bin ich mit der 25 nicht. Und noch etwas unmotivierter, die 26 zu lesen.

Wer sich vom seltsam langweiligen Titelbild nicht abschrecken lässt, sollte sich auf jeden Fall »Entkoppelt« von Marcus Hammerschmitt und »Enola in Ewigkeit« von Thomas Sieber ansehen. Zwei wunderbar erzählte Geschichten und gerade »Enola« hat das gewisse Etwas. Aber ich bin schon länger Fan der Geschichten von Thomas Sieber.

In meiner Rezi gehe ich auf die einzelnen Texte der NOVA 25 näher ein, hier deshalb nur der Verweis darauf: Nova 25 herausgegeben von Olaf G. Hilscher und Michael K. Iwoleit

Die Nacht der Kleinen Leute

Es war zu erwarten, dass zur Vorstellung einer Anthologie, deren Mitwirkende die phantastische Literatur hierzulande seit Jahren prägen, jede Menge Feenvolk und auch genügend Trolle und Zwerge in das Kreuzberger Otherland wandern würden.
So gut gefüllt sah man die buchgewaltigen Hallen selten. Das Ziel des phantastischen Volkes war die »Anderswelt«. Eine Anthologie, herausgegeben von benSwerk und Holger Much.

Ben dürfte als Coverkünstlerin vielen bekannt sein, schuf sie doch unzählige Designs für die Golkonda-Bücher und so wundert es nicht, dass auch neun Bildkünstlerinnen und Bildkünstler mit ihren Zeichnungen, Gemälden und Illustrationen in »Anderswelt« vertreten sind.

Das Otherland war also gerappelt voll, man sah die, die immer hier sind und auch die, die man stets hier und dort antrifft.

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Die stolze Herausgeberin: Ben

Pünktlichst begann der Lesungsteil. Ben freute sich, die »Anderswelt« im Otherland zu präsentieren, dem Ort, an dem nach ihren eigenen Worten Realität magisch wird und Fantasie real. Oder wie die Otherlander es formulierten: Phantastik wahr wird und Realität magisch.

Nach Bens kleiner Projektvorstellung bestieg als Erster Zauberer Christian von Aster das gefährliche Podest der Poesie und eröffnete mit dieser sportlichen Höchstleistung den Reigen lustiger Podestpossierlichkeiten, denn das mühevolle Erklimmen der Lesebühne machte das Podium für Christian zum Symbol für den Balanceakt zwischen Realität und Phantastik.

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Christian von Aster

In Anbetracht fehlender Zeit für eine Geschichte war er ganz froh, dass man ihm die Möglichkeit gab, mit einem Gedicht in der »Anderswelt« vertreten sein zu dürfen. Als Inspiration zu seinem Poem »Die wilde Jagd« diente ihm das Bild »Nachtvolk« von Holger Much, ebenfalls im Buch zu finden. Der Vortrag, mit dem sich die Pforte zur Anderswelt öffnete, erklang gewohnt stimmgewaltig und wohlbetont.

Ihm folgte der einzige und anbetungswürdige Jasper Nicolaisen und Jasper besitzt eine wunderbar prägnante Erzählstimme, der ich stundenlang lauschen könnte.

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Jasper Nicolaisen

Er war froh, endlich wieder Phantastik bringen zu können, denn in letzter Zeit sei er gezwungen gewesen, ganze Bücher mit echten Menschen vollzuschreiben.
In »Schwarzbraun ist die Haselnuss« geht er darum auch ganz tief in die Schatten von Neukölln und erzählt von den Kleinen Leuten. Eine wunderbare Liebeserklärung an die Menschen, die jenseits normaler Lebensentwürfe in Berlin leben. Jasper kredenzte eine breite und bis in die tiefsten Poren liebenswerte urbane Märchenwelt. Wenn ihr einen einzigen Grund braucht, »Anderswelt« zu kaufen, dann solltet ihr in diese Geschichte hineinlesen. Berlin war schon lange nicht mehr so mythisch!

Sodann folgte Otherlander Simon Weinert, der in »Wo die Feen herkommen« eine Verbindung zwischen der Einsamkeit jugendlicher Dichter und der Geburt von mythischen Wesen herstellte.

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Seine Beschreibungen über das Großwerden in einem Dörfchen der Schwäbischen Alp zeugten von tiefen Verständnis jener Zeit, da Bücherleser mit drängenden Körpersäften fernab Gleichgesinnter ihre eigenen magischen Orte erschufen.
Das klang autobiographisch und war auch deshalb sehr amüsant.

Und um das Trio der ehemaligen Lesebühne »Schlotzen & Kloben« voll zu machen, folgte Jakob Schmidt.

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Jakob Schmidt

Vor der Pause teaserte er uns mit dem Beginn seiner Geschichte »Die Wechselbälger«, die auch die Anthologie eröffnet. Bei Jacob stehen ebenfalls seltsame kleine Leute im Mittelpunkt und zeigen durch ihre Andersartigkeit, wie komisch eigentlich das ist, was wir als normale Welt betrachten.

Dirk-Boris Rödel eröffnete nach der Meisterung des Podestbesteigens die zweite Lesungshälfte mit »Die Hexe«, einer Mischung aus Gedicht und alternativer Genesis.

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Dirk-Boris Rödel

Er war auch der erste mir unbekannte Autor des Abends und sah auf jeden Fall wie ein sehr ambitionierter Phantastikautor aus.

Zurück in die nüchterne Welt holte uns sodann Jenny-Mai Nuyen mit dem autobiografischen Text »Pascal entscheidet«.

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Jenny-Mai Nuyen

Sie las den Text wegen seiner Länge nur an, empfahl uns aber unbedingt die Lektüre der ganzen Geschichte, weil man hinterher entweder gläubig oder Atheist würde. Mir wäre es ja lieber, durch das Lesen phantastischer Geschichten gesund oder zumindest schlanker zu werden.

Isa Theobald entführte uns danach in die schottische Mythologie und in die Zeit kindlicher Offenheit und Freude an der magischen Natur der Welt.

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Isa Theobald

Isa erfüllte sich mit der Lesung einen Lebenstraum, nach dem sie vor ein, zwei Jahren via Facebook diesen merkwürdigen Buchladen auf der anderen Seite der Republik entdeckte. Sie nahm nun extra 800 Kilometer Weg in Kauf, um endlich im Otherland zu lesen.

Mit einer ganz besonderen Geschichte beschloss Tobias O. Meißner den Abend. »Den Wald vor lauter Bäumen nicht« versteht man nur in Kombination mit der Illustration von Ben, die sie deshalb auch mittels Beamer und Leinwand an passender Stelle einblendete.

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Tobias O. Meißner

Tobias bezeichnete sich als Leichtgewicht unter den Autoren, nachdem er mühelos das Podest erklommen hatte und stellte einen übernatürlichen Zusammenhang zwischen den Geschichten des Abends her. Mit ihm endete der Textteil und die Diashow mit Bildern der Anthologie leitete zum Kunst- und Partyteil über.

Ein reger Run auf die Künstlerschafft begann und es wurden noch fleißig Autogramme und Pläne ausgetauscht.

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Simon signiert strahlend

Ein schönes Buch, ein schöner Abend in schöner Gesellschaft – ein Hoch auf die Fantasie und all die kleinen Leute, die uns inspirieren und unsere offenen Ohren und Herzen verdienen.

Irgendwas mit Dampf und Zwergen

Zwerge in der Fantasy über auf mich einen enormen Reiz aus, dem ich selten widerstehen kann. Auch wenn meine Leidenschaft hauptsächlich den alten Warhammer-Dawi gilt, freut es mich doch hin und wieder, wenn ich sympathische Zwergenwelten in neuen Romanen finden kann. So ging es mir mit »Drúdir« von Swantje Niemann.
Ich war bei ihrer Buchpremiere dabei und traf sie dann auf der Buch Berlin und im Periplaneta Literaturcafé, da sie dort zwischenzeitlich ein Praktikum als Lektorin absolvierte.

Als Swantje ankündigte, im Periplaneta Literaturcafé aus »Drúdir« zu lesen, stand für mich sofort fest, dass ich das unmöglich versäumen kann, immerhin sollte ja Band 2, »Drúdir – Masken und Spiegel« irgendwann erscheinen.

Verleger Tom Manegold schwärmte in seiner Vorstellungsrede von Swantjes Arbeit für Periplaneta und versuchte mit seiner eZigarette den für eine Steampunklesung notwendigen Dampf zu erzeugen.

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Dampfgroßmeister Tom Manegold

Dann entführte uns She Goes North mit traumhaft gesungenen Songs in ihre lyrischen Welten und bereitete so eine fantastische Grundlage für Swantjes Lesung.

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She Goes North

Swantje begann auch zunächst mit dem Anfang und brachte uns mit mehreren kurzen Kapiteln auf Drúdirs Reise zu den Hintergründen der Ermordung seines alten Lehrmeisters.

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Swantje

Nach der Pause gab es dann auch tatsächlich die erhofften Auszüge aus Band 2. Drúdir besucht darin eine Menschenrepublik. Die Leute dort haben sich vor fünfzehn Jahren von einem absolutistischen König befreit und experimentieren mit der Demokratie. Was allerdings grad nicht so besonders gut klappt. Im Mittelpunkt steht eine jungen Maskenmacherin, deren Vater ermordet wurde und die hinter Drúdirs Besuch mehr vermutet.
Ich bin gespannt, was Swantje dieses Mal an Technik, Magie und Politik zusammenmischt.

Das Buch erscheint zur Leipziger Buchmesse und nicht bei Periplaneta, sondern wie auch Band 1 in der Edition Roter Drache. Swantje berichtete auch mit großem Stolz, dass sie sogar eine Lesung auf der LBM bestreiten darf, womit sich ein Traum ihrer Fan-Tage erfüllt.
Klar, dass das Buch auf der LBM erworben wird! Und auch auf den eMail-Verteilen von She Goes North haben wir uns gesetzt, damit wir auf keinen Fall das Erscheinen ihrer EP verpassen. Und auch wenn Tom ihre lyrischen Bilder durch das Heraufbeschwören von Umweltgefahren in Gefahr brachte, wird der nächste Sommer zu diesen Klängen episch.

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Froschkönige gehören ans Buch, nicht an die Wand

Ein Abend im Periplaneta Literaturcafé ist immer wieder ein zwergenreicherwärmendes Erlebnis, besonders wenn es Bier, Zwerge und himmlische Musik zu genießen gilt. Für Grungni!

Punkerknacker

Während sich Karl Nagel 1979 die gefärbten Haare steifseifte, biss ich eine Lehrerin, die mich zur Direktorin schleifen wollte. Im Grunde waren wir für einen kurzen Zeitraum im Punksein vereint. Nur wusste ich das damals nicht und heute auch erst seit ein paar Tagen. Denn jetzt habe ich Karl Nagels literarisches Spätwerk »Schlund« ergründet.
Er hatte mich wegen einer Rezension angeschrieben, weil Frank Böhmert meinte, ich sei »stets neugierig und gern am Besprechen«.

Bis dato sagten mir weder Karl Nagel noch Peter Altenburg etwas. Klar, von den Chaostagen hatte ich schon gehört, aber eher von deren destruktiven Seiten. Aber tatsächlich hatte mich das Anschreiben neugierig gemacht.

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Schlund von Karl Nagel

»Schlund« ist ein schräges Buch, da es autobiografische Erinnerungen mit Hintergründen zu Musik und Leuten der Punk-Hochzeit verquirrlt und auch noch eine abgefahrene Dystopie enthält. Ich erfuhr hier erstmals von der Existenz einer ganzen Menge deutscher Bands, die einst provozierten, Skandale auslösten oder einfach nur krachende Gigs ablieferten.
Meine musikalischen Punkabenteuer damals hatten mit Die Ärzte und Sabber von Billy Idol zu tun. Im noch kreuzbraven Friedrichshain bestand Punk für mich zumindest hauptsächlich aus speziellen Klamotten und Zubehör.

In »Schlund« erfährt man aus einer sehr subjektiven Sicht eine ganze Menge mehr darüber, was Punk sein konnte, was nicht und wohin sich das alles entwickelte oder verrottete. Es gibt einige Kapitel, die etwas auf der Stelle treten, aber das löst Karl Nagel durch das dystopische Ende noch ganz geschickt auf.
Wirklich großartig sind die vielen Foto-Collagen. Die verwildern das Buch auf eine schaurigschöne Weise, auch wenn das jetzt kitschig klingt, aber ich hab mich beim Umblättern immer auf das nächste Bild gefreut.

Vor einem Jahr las ich den letzten Teil von Mark Twains geheimer Autobiographie, dieses Jahr »Schlund« von Karl Nagel – ich denk, die beiden hätten sich prächtig verstanden.

Übrigens bekam der »Schlund«-Verleger Klaus Farin grad das Bundesverdienstkreuz.  Zumindest stand das überall im Netz. Auf der HP des Präsidenten ist man noch im Dezember. Das Dingens gab es nicht wegen »Schlund«, zumindest offiziell nicht. Wer weiß schon, wen die Punker von einst heute nicht alles unterwandert haben …

Zu meiner Rezi im Fantasyguide geht’s hier lang: Schlund von Karl Nagel

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