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Philip Krömer – Ymir oder: Aus der Hirnschale der Himmel

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Herein in die gute Stube, wenn‘s kein Schurke ist!

Thorsten Küper liebt die große Steampunkbühne und Dank widriger Umstände im Kriminaltheater konnte ich gestern doch noch an seinem Theaterstück Fäden weben im dunklen Netz in Second Live teilnehmen.

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Der Andrang überwältigte zum Glück nur die Veranstalter und nicht die Technik, ein paar Lags störten nicht weiter. Küper erwähnte, dass der Abend Teil der Veranstaltungen bei Steampunk Hands Around the World vom Airship Ambassador geworden sei und damit quasi ganz ganz großes Theater. Über 40 Avatare nutzen die Einladung in Barloks Hafen.

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So sah das komplette Szenbild von Oben aus

In den Hauptrollen fanden sich alte Bekannte: Küpers Frau Kirsten Riehl, Frederic Brake, Bernhard Giersche, Rubeus Helgerud, Markus Gersting und natürlich Thorsten selbst – als Verfasser hat man gewisse Rechte und Pflichten zu erfüllen.

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Die Themse, ein Kahn, ein U-Boot, Dampfmechs und London

Das phantastische Bühnenbild stammte von Barlok Barbosa, ergänzt um Zepeline und Flugmaschinen von Somehow Peccable.

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Blick auf die Zuschauerdrehscheibe

Ein schönes Stückchen viktorianisches Steampunk-London bildete somit eine bezaubernde Kulisse. Das Publikum saß an kleinen Café-Tischchen auf einer Art Drehscheibe, die sich jeweils zu den rundherum angeordneten Szenenbildern hindrehte. Was ziemlich cool war, da so vom Themse-Kahn zum Wohnhaus, von dort zu einer Straßenszene bis zum finalen Schauplatz alles schnell erreichbar war und wir uns nicht fortbewegen mussten.

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Was hat es mit dem hölzernen Kasten, Stube genannt, auf sich?

Die Geschichte war typisches Küperpunktheater. Es Mischung aus Krimi und Lovecraft-Horror. Also weniger Steampunk wie beim letzten Mal, aber nicht weniger unterhaltsam. Küper hat die bisher unveröffentlichte Story letzten Sommer geschrieben, berichtete er.

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Da, ein Schurke!

Im Zentrum standen eine seltsame Pflanze und die Möglichkeit, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen.

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Nicht für jeden strahlen die Blätter der Pflanze blau …

Nach finsteren Gesellen, ewiger Liebe und einigen Toten kannte der Applaus und die Begeisterung aller Anwesenden kaum irgendwelche Grenzen.

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Bad der Akteure im Applaus

Das Ganze macht ja nicht nur wegen der Kulissen so großen Spaß, sondern weil es eine sehr entspannte Live-Atmosphäre besitzt. Das Publikum ist sehr wohlwollend, die DarstellerInnen sympathisch semiprofessionell und der Stoff exakt auf meiner Wellenlänge.

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Da kommt man gerne wieder!

 

Mechanisches Musengeknutsche

Vermutlich haben wir im Fantasyguide bereits über die Geburt von Kai Meyer berichtet. Zumindest kommt es mir so vor, dass er und seine Werke seit Anbeginn unseres kleinen eZines dabei sind.

Allerdings habe ich daran wenig Anteil, bislang eigentlich nur im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit ASP.

Nun aber mischt Fischer TOR die phantastische Literaturszene auf und der Herr Meyer spendierte dem ersten Halbjahresprogramm seine allererste Space Opera. Als er in der phantastisch! # 65 auch noch ziemlich enthusiastisch über Die Krone der Sterne plauderte, stand mein Entschluss fest, ihm ins All zu folgen.

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Die Krone der Sterne von Kai Meyer, Cover: Jens Maria Weber

Da bot es sich an, die TOR-Party im Otherland zu nutzen, mir ein Exemplar des wunderschönen Buches zu besorgen. Ich verschlang es im Nu.

Kai Meyer kann erzählen, kann Welten erschaffen und verfügt über genügend Erfahrung, einer breiten Leserschaft spannende Unterhaltung zu liefern.

Zunächst packte er in Die Krone der Sterne alles hinein, was man da so erwartet. Die toughe Sternenprinzessin, ihr knuffiger Geliebter und der etwas angegraute, schlachtenerfahrene Söldner geraten in eine intergalaktische Intrige, deren Hintergründe sich langsam auf einem komplikationsreichen Weg enthüllen.

Es gibt Weltraumkämpfe, geheimnisvolle Artefakte und Wunder von universaler Schönheit. Ich hatte von Anfang an meinen Spaß beim Lesen, vor allem, weil die Hauptfiguren genau die richtige Mischung aus guten und schlechten Eigenschaften besitzen, durch die sich auch untereinander Konflikte und Kabbeleien ergeben. Eben der wichtige Soap-Anteil.

Gleich vier Frauenfiguren bilden den Kern der Geschichte – hat man ja auch nicht alle Tage und jede von ihnen ist komplett anders angelegt. Alleshändlerin Shara Bitterstern mit ihrem megacoolen, mondsichelförmigen Raumschiff, die Nachtwärts – was für ein Name! – wurde aber meine Favoritin.

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Fantasyguide Kolumnistin und Otherland-Buchhändlerin Charleen flippt mit ihrem Exemplar komplett aus

Es wäre wirklich schade, wenn dieser Roman ein Unikat im Meyerschen Wirken bliebe, denn die Welt von Tiamande mit der Gottkaiserin, den Hexen und den Hinterlassenschaften des Maschinenherrschers ist nach 461 Seiten längst noch nicht auserzählt. Da geht noch was. Da muss doch wenigstens ein Folgeband drin sein. Hoffentlich geht die Fangemeinde von Kai Meyer diese Reise mit und lässt auch sein SF-Abenteuer zu einem Erfolg werden. Denn es ist wohl verständlich, wenn der fleißige Autor seine Schreibzeit lieber für Bücher verwendet, die dann auch verkauft werden können.

Meine Rezi im Fantasyguide: Die Krone der Sterne von Kai Meyer

Herzen sind nicht immer rot

Im Laufe der Jahre sammeln sich auch bei einer eZine-Redaktion wie dem Fantasyguide diverse Presseagentur-Kontakte an. Da wir eher die langsamen GenießerInnen sind, die meist für die Backlist und weniger für hyperkurze Kampagnen aquirierbar sind, verlieren sich etliche bald wieder.

Gordeon Music Promotion jedoch versorgt mich seit Jahren mit News und toll ist es natürlich, wenn sich da etwas mit meinen Interessen deckt. Als die Mail mit dem Hinweis auf ein Konzert von The White Buffalo in Berlin eintrudelte, dachte ich gleich an den großen Musikliebhaber Frank Böhmert und in der Tat, brannte er gleich lichterloh für das Event und war sich sicher: Das ist was für Dich!

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Mein Musikexperte: Frank Böhmert im Brauhaus Südstern

Da ich eh meine neue Kamera testen wollte, besorgte ich uns Einträge auf der Gästeliste und einen Fotopass.

Wir glühten zünftig vor. Quasi fast neben Huxleys Neue Welt, harrt einer von Franks Lieblingsplätzen seiner Gäste: das Brauhaus Südstern. Im Sommer lockt ein friedlicher Biergarten im Hof, im Winter ultraleckeres Winterale. Neben Brauerei-Führungen gibt’s da auch Live-Musik. Und welch Zufall, just an diesem Abend spielte dort Jumpin‘ Pete, eine Art Urgestein der lokalen Rockszene, zu dessen Besetzung der streitbare Übersetzer Alan Carl Posener gehört – Frank kreuzte einst mit ihm die Klingen.

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Alan Carl Posener

Aber wir mussten vor Konzertbeginn gehen, denn The White Buffalo wartete.

Einheizen durfte aber zunächst Jarrod Dickinson, ein Texaner, der eine tolle Stimme, aber eher durchschnittliche Countrysongs dabei hatte. Muss schon cool sein, als Musiker aus der US-amerikanischen Provinz in einem doch recht großen Club aufzutreten, zumal in einer fernen Hauptstadt. Was würde ein Liedermacher aus Kyritz dafür geben, New York zu rocken?

The White Buffalo kam nach einer sehr kurzen Pause und blieb für gefühlte tausend Songs auf der Bühne. Mir riesiger Spielfreude, Lässigkeit und leidenschaftlicher Kraft rasten sie durch die komplette Bandbreit der Alben, inklusive des gerade erst veröffentlichten Love And The Death Of Damnation. Ich hab‘s nicht so mit Genre-Abgrenzungen, für mich war der Abend eine sehr tanzbare Mischung aus Rock, Country, Hillbilly und Blues. Dazu eine Stimme, der man so ziemliche jede Lebenserfahrung anhörte.

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The White Buffalo – Jake Smith

The White Buffalo ist Jake Smith. Für die Tour hatte er Matt Lynott am Schlagzeug und Tommy Andrews am Bass dabei, der auch ein kleines Keybord für zwei oder drei Songs nutze. Zudem gewann er meinen persönlichen Preis für bestes Basstanzen und Hüpfen seit John Deacon.

Im Publikum gab es etliche Fans, die besonders bei den Balladen mitsangen. Bestimmt kannten etliche von ihnen The White Buffalo aus der TV-Serie Sons of Anarchy. Einige männliche Gesangsparts klangen so, als ob die Songs ihnen direkt aus dem Herzen sprachen. Und die sind eben nicht nur rot, sondern auch black and blue.

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Es war ein großartiges Konzert, im Netz findet ihr massenhaft Videos samt Live-Aufnahmen von The White Buffalo, falls ihr mal reinschnuppern wollt. Und natürlich gibt’s im FG den Konzertbericht samt zusätzlicher Fotos: The White Buffalo am 27.01.2017 in der Berliner Huxleys Neue Welt

Versteinerungen

Ein Rundblick in das Tagesgeschehen zeigt eine erschreckende Anzahl von Entwicklungen, die mir nicht gefallen. Vor allem das Erstarken größenwahnsinniger Ideen an Regierungsspitzen macht mir Angst.

Das baut sich ja bereits über einige Jahre hinweg auf. Literatur fängt so etwas manchmal ein und auch wenn es Zufall ist, dass ich just zur Vereidigung des neuen US-Präsidenten zwei Bücher lese, die sich mit den Befindlichkeiten der Weltkriege befassen, scheint es mir doch die rechte Zeit dafür zu sein.

ymir oder aus der hirnschale der himmel von Philip Krömer blickte auf den Vorabend des zweiten Krieges. Frank Hebbens jüngste Novelle Im Nebel kein Wort berichtet aus dem Ersten Weltkrieg.

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Im Nebel kein Wort von Frank Hebben, Cover: Nikolaj Djatschenko

Aus einer alternativen Version des schrecklichen Gemetzels. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, die durch seltsame Kristalle verändert wurden, die sich in einer festgefahrenen, irgendwie versteinerten Zeit bewegen und in Kriegsvisionen das Schlachten miterleben müssen.

Die große poetische Kraft des Textes überfällt alle Sinne. Frank Hebben schreibt nicht einfach Science-Fiction, er formt das Leben aus Buchstaben, lässt Sätze direkt in den Adern pulsieren.

Weil ihm das Thema Erster Weltkrieg schon länger beschäftigt, gibt es in dem edlen Buch einen Anhang, der vier kürzere Texte wiederveröffentlicht, in denen er bereits durch den Schlamm und das Trauma robbt, an dem einst eine ganze Generation verlorenging.

Ein Wahnsinn, der sich aus Nationalismus nährte, aus Abgrenzungen und aus staatlicher Ignoranz. Mir scheint, man müsste noch viel mehre Texte gegen die Idiotie schreiben.

Wuchtige, feinfühlige Texte wie Im Nebel kein Wort von Frank Hebben

Im Schlund der Sprache

Vertrumpte Zeiten stehen an und es gibt einen literarischen Sound, der uns in die unbekannte Near-Future trägt, die sich anfühlt, als lebten wir 1914 oder 1939.

Vorabendgefühle.

Auf ymir oder aus der hirnschale der himmel von Philip Krömer stieß ich eher zufällig. Es gibt einen Bloggerliteraturpreis für Debüts und in der Shortlist 2016 fanden sich die Namen Jules Verne und Walter Moers als mögliche literarische Referenzen. Eine Rezensionsanfrage später bekam ich das wunderschön gestaltete Buch vom homunculus verlag.

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ymir oder aus der hirnschale der himmel von Philip Krömer

Philip Krömer ist Dichter und entsprechend gestaltet sich sein Prosa-Debüt auch sehr lyrisch. Es gibt einige Graphik- und Layout-Finessen, die nicht nur den Text in eine besondere Form gießen sondern auch der Handlungszeit mehr Leben einhauchen.

Darüber hinaus ist die Sprache voller fein ziselierter Sätze. Es wird mit Wagnerzitaten ebenso locker gespielt wie mit dem Ton nordischer Mythen oder dem von Nazi-Propaganda. Stets an die Handlung und dem Berichtspart des Erzählers angepasst. Womit wir beim Inhalt sind.

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs ist Deutschland ganz im arischen Germanentaumel. Man glorifiziert Wagner und sucht in den alten Göttersagen nach nationalsozialistischen Wurzeln. Wie schon bei Jules Vernes öffnet sich in Island das Tor in die Unterwelt. Doch unsere Expedition soll die Urarier finden und alsbald wird aus dem Abstieg ins Innere der Erde eine Reise in den steinernen Körper des mythologischen Riesen Ymirs.

Drei Männer lassen sich in den Schlund hinab. Karl der Erzähler ist der bildungsbürgerliche Schriftsteller. Er benennt seine Mitstreiter nach ihrer Erscheinung. Der SS-Schläger und Aufpasser von Auftraggeber Heinrich Himmler wird so zu Klein Heinrich, der adlige Wagnerianer und Hohlweltspezialist erhält den Kosenamen VonUndZu. Es gibt Konflikte, Begegnungen, Katastrophen.

ymir oder aus der hirnschale der himmel ist kein Abenteuerroman. Es ist eine Reise in die Gedankenwelt einer Epoche. Eine teilweise aggressive Reise.

Meine Rezension ymir oder aus der hirnschale der himmel von Philip Krömer ist kaum online, da folge ich gedanklich bereits dem nächsten Krieg oder besser dem vorherigen. Frank Hebbens Im Nebel kein Wort ist seine erneute, phantastische Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg.

Und es ist beängstigend, wie zeitnah sich beide Werke anfühlen. Als ob sich der Stoff der Wirklichkeit in die Gedanken und Worte der Autoren senkte und ihre Finger zu apokalyptischen Schreibwerkzeugen werden ließ. Präapokalypse.

Eine sehr gute Besprechung findet sich auch drüben bei Marc im seinem Blog Lesen macht glücklich: [Rezension][Das Debüt 2016]: Philip Krömer – Ymir oder aus der Hirnschale der Himmel

Schöne, alte Welt

Mein Einstieg in die epische »high« Fantasy erfolgte mit Shannara von Terry Brooks. Dass es sich dabei um einen Herr-der-Ringe-Klon handelte, erfuhr ich erst später.

Spätestens mit dem Rad der Zeit wurde mir klar, dass derartige Fantasy-Reihen letztlich generische Varianten einer einzigen Geschichte darstellen. Darum verfalle ich ihnen vielleicht nicht mehr so mit Haut und Haaren. George Martins Lied von Eis und Feuer etwa fand ich beim Lesen zwar spannend, aber auf Dauer konnte mich eine Fantasy Soap-Oper nicht fesseln.

Darum habe ich in letzter Zeit neue Fantasy-Reihen eher gemieden. Doch bei einem neuen Projekt der Edition Drachenfliege wurde ich wieder schwach.

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Die lautlose Woge von Aleš Pickar

Die lautlose Woge von Aleš Pickar ist der Auftaktband seiner Fantasy-Reihe Kalion und kann sich problemlos mit den genannten Reihen messen lassen. Pickar beschäftigt sich schon eine Weile mit Kalion; das kann man auf seinen diversen Internet-Auftritten nachlesen. Auch im Buch spürt man an vielen Stellen den großen Aufwand, den er in seinen Weltenbau steckte. Wie Tolkien legte er Wert auf kulturabhängige Sprachen, allerdings nicht unbedingt mit dem Ziel, seiner Heimat eine fehlende Mythologie zu ersetzen.

Was mich bei dieser Art von Fantasy immer wieder verwundert, ist das mittelalterliche Setting. Als Geschichtsfan kämen mir eine Reihe spannenderer Epochen in den Sinn, zumal es sich meist um romantische Zerrbilder der frühen Neuzeit handelt. Hauptsache keine Technik.

Aleš Pickar hat sich in seinem ausführlichen Essay Die Mechanik der Schändung mit diesem Thema ebenfalls beschäftigt und für sich Antworten auf die Mittelalter- und Gewalt-Problematik gefunden.In meinen Augen geht er in »Die lautlose Woge« keine neuen Wege, aber der Grad der Innovation hängt ja immer auch von den eigenen Erfahrungen ab. Und ich selbst habe auch keine Ideen, wie man ein realistisches Mittelalterfeeling und neue Stoffe verbinden kann. Für Saramee etwa habe ich auch kein befriedigendes Konzept und wandere auf den Pfaden der Beliebigkeit. Es ist schon schwer, kreativ zu werden, wenn man selbst nicht an das Potential glaubt.

Da hat es Aleš Pickar leichter und griff ganz unbefangen in sein eigenes Wunderhorn. Er schuf für den Eröffnungsband eine Reihe interessanter und recht unterschiedlicher Figuren, versetzte sie in dramatische Situationen, die ihr Leben verändern und lässt im Hintergrund eine weltweite Bedrohung dräuen. Alles spritzig und abwechslungsreich erzählt. Nun muss sich nur noch eine treue Fangemeinde finden, die auf allen neumedialen Wegen eine Fortsetzung fordert.

Mehr zum Inhalt des Buches schrieb ich in meiner Rezi: Die lautlose Woge von Aleš Pickar

Der Balken im eigenen Auge

Nach etwa 30 Seiten gab ich Ende der 90er die Lektüre von Roter Mars auf. Trotz überwältigender Langeweile kaufte ich die beiden Folgebände in der coolen Hardcoverausgabe von Heyne auch noch. Man weiß ja nie …

Es hat nun zwanzig Jahre gedauert, bis ich mich wieder an ein Buch von Kim Stanley Robinson wagte und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Mars-Trilogie weiterhin ungelesen im Regal stehen wird.

Das liegt gar nicht am mal Inhalt von Aurora.

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Aurora von Kim Stanley Robinson

KSR erzählt darin die Geschichte eines Generationsraumschiffs, das nach 160 Jahren den Zielstern erreicht um dort zu erkennen, wie lebensfeindlich die Fremde ist. Für Fremde.

Weite Teile des Anfangs haben mich stark an Andymon von den Steinmüllers erinnert, mein Lieblingsroman aus dem abgeschlossenen Sammelgebiet DDR-SF.

Bestimmte Probleme sind bei solchen Kolonisierungsprojekten einfach zu erwarten. Aber während bei Andymon die Menschen erst entsprechend vor der Ankunft von Inkubatoren geboren werden, leben bei KSR mehrere Generationen während der Reise auf dem Schiff und entwickeln so neue soziale Strukturen und ganze Kulturkreise. Das spielt zwar leider nach der Ankunft kaum noch eine Rolle, aber die Idee ist faszinierend.

Da man in Schiff verschiedene Biotope anlegte, mit denen versucht wurde, fast alle Klimatypen der Erde abzubilden, gibt es doch große Unterschiede zwischen den einzelnen Siedlungen. Die Menschen haben während der Reise an sich wenig mehr zu tun, als das Schiff bei der Wartung zu unterstützen und die maximal mögliche Bevölkerungsanzahl einzuhalten, was zu Problemen führt.

KSR beschäftigt sich intensiv mit diesen Problemen. Kann ein solches Schiff über diese Dauer überhaupt betrieben werden? Kann eine solche Gesellschaft funktionieren? Halten die Gene von Pflanzen, Tieren und Menschen das aus?

Letztlich scheint bei KSR alles im Universum gegen die Menschen zu arbeiten und ihnen zuzurufen: Euer Platz ist zu Hause, nur dort könnt ihr überleben und dort gibt’s es genug Dinge, um die ihr euch mal lieber vorrangig kümmern solltet.

Klingt erstmal alles auch ganz toll und überlegenswert, aber KSR hat mich über weite Strecken des Romans einfach nur gelangweilt mit endlosen Betrachtungen der Schiffs-KI, physikalischen Erklärungen und technischen Details. Hard-SF von seiner besten Seite, wie Fans meinen und von denen gibt es sehr, sehr viele. Vielleicht las ich das Buch auch einfach nur zur falschen Zeit. Oder der Lektüre-Background passte nicht optimal. Oder es war einfach Elfenwerk.

Falls es klappt, werde ich natürlich ins Otherland reisen, wenn KSR dort im März aufschlägt. Gespannt bin ich ja trotzdem auf diesen für mich so ambivalenten Autor. In echt sind sie ja selten langweilig.

In meiner Rezi hab ich versucht, dem Roman gerecht zu werden, ohne meine persönlichen Lektüre-Vorlieben in den Vordergrund zu stellen (so etwas mache ich nur hier im Blog): Aurora von Kim Stanley Robinson

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