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April, April, ich bin die falsche Prill!

Es ist Weihnachtszeit und Vorfreude steckt in allen Dingen. Seltsamerweise verdreht meine Umwelt schnell die Augen, wenn ich auf die Fragen nach meinen Wünschen mit Büchern antworte.

Okay, ich kann verstehen, wenn das für Schenkende inzwischen langweilig geworden ist und so kauf ich mir all die Bücher eben selbst. Vorfreuen kann ich mich ja trotzdem. Und mit etwas Geschick kann man das ewige Warten auf heißersehnte Bücher süß verkürzen, indem man etwa endlich mal eine Lektüre nachholt.

Bis also Der Kanon mechanischer Seelen an meine Brust gedrückt werden kann, hab ich ins Regal gegriffen und mir endlich Lord Gamma zu Gemüte geführt.

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Lord Gamma von Michael Marrak; Cover: Thomas Thiemeyer

Warum tat ich das nicht bereits früher? Der Roman wurde überall gelobt und empfohlen und gehypt und gepusht und getoptent – wahrscheinlich bin ich einfach ein oller Stiesel und will mit einer atypischen Lektüreauswahl bestechen.

Fakt ist: Mit Lord Gamma hat Michael Marrak einen sehr guten SF-Roman geschaffen. Die Idee ist cool, die Sprache zum Niederknien und ganz zum Schluss gibt es sogar eine für mich funktionierende Auflösung. Der Roman hat einen magischen Sound, fast lässig in seiner Epik und trotzdem berührend. Ein Buch, auf dessen zweite Lektüre man sich sofort freut.
Und ich liebe die Farbe des Covers von Thomas Thiemeyer!

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Bereits 2014 auf dem ElsterCon holte ich mir Michael Marraks Signatur in meinen Lord Gamma

Mehr in meiner Rezi: Lord Gamma von Michael Marrak

Aber, trotz aller Ablenkungsversuche: Der Kanon mechanischer Seelen ist bestellt und bezahlt, nun muss er nur noch den Weg durch das Winterland schaffen und frisch duftend zu mir gelangen. Was brauch ich da den Weihnachtsmann?
Äh, Stopp! Die Herr der Ringe Blu Rays bleiben im Sack!

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Wenn Ameisen mit Worten antworten

Am Krabbeln und Knistern wirst du sie erkennen und sie werden sich in Massen auf dich stürzen!

Ja, kreatürliche Ängste vor dem großen Krabbeln kannte wohl auch Herbert G. Wells. Der Urgroßpapa der modernen SF schrieb eine Reihe von Kurzgeschichten, in denen er bereits recht früh Fragen nachging, die wir noch heute nicht ordentlich beantworten können oder wollen.

Das Imperium der Ameisen geht der Frage nach, ob Ameisen in der Lage wären, den Menschen zu verdrängen. Oliver Döhring schnappte sich diese eher nicht so bekannte Geschichte von Wells für seine kleine Hörspielreihe bei Universal und transportierte sie in die Moderne.

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Das Imperium der Ameisen von Herbert George Wells

Dabei erweiterte er sie um eine kleine Rahmenhandlung, durch die es ihm möglich wurde, ein etwas spektakuläreres Finale zu inszenieren. Diese Modernisierung gefiel mir bei seiner Version von Die Zeitmaschine nicht so, aber hier hatte er das richtige Händchen, wie ich finde.

Es gibt ja immer wieder Geschichten, die von Möglichkeiten berichten, wie die Menschheit durch evolutionär fittere Spezies verdrängt werden. Ob Affen, Wale, Aliens oder eben Ameisen. Durch die schiere Masse allein schon erscheint es irgendwie vorstellbarer, dass Ameisen, würden sie ersteinmal die Menschen als Feinde erachten, kaum Probleme hätten, uns vom Planeten zu fegen. Das Hörspiel verdeutlicht das sehr fesselnd und legt seinen Fokus eindeutig auf den Abenteueraspekt.

Mir sind solche Hörspiele deutlich lieber als die auf Kunst und Experimente besessenen Produktionen, in denen psychedelische Klangwelten, wabernde Sprachschnipsel und mehrfach gebrochene Handlungsfragmente sich mühen, Schwächen in der Story zu verdecken.

Das Imperium der Ameisen wird wohl keinen DSFP erringen, aber Spaß bereiten.
Meine Rezi lauert im Fantasyguide: Das Imperium der Ameisen von Herbert George Wells

Es ist ein altes Geheimnis, das ich fand

Was für ein wunderbares Konzertjahr. Nach dem wunderbaren Konzert von Regina Spektor im August folgte gestern Anna Ternheim.

Die Alben der Schwedin gehört seit über zehn Jahren zum wichtigsten Bestandteil meiner Musiklisten. Bisher sah ich sie erst einmal live, im März 2007 in der Kalkscheune, als sie das Album Separation Road vorstellte. Das Konzert war magisch, doch auch furchtbar verqualmt und wir konnten leider nicht bis zum Schluss bleiben. Ihr erstes Konzert in der Passionskirche verpasste ich damals, weil ich krank wurde.

 

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Anna Ternheim in der Passionskirche – ausverkauft

Die Kirche steht quasi gegenüber vom Otherland. Das neuromanische Gebäude lebt im Inneren von verzierten, roten Ziegeln, dunklem Holz und weißen Wänden. Es wirkt wie der Vorraum einer Burg und ist nicht besonders groß, die Atmosphäre sehr intim. Ein perfekter Rahmen.

Anna wollte diese Tour minimalistisch gestalten und lud als Begleitung lediglich Martin Hederos ein, der bei Soundtrack Of Our Lives und Tonbruket spielte. Er meistert Geige, Akkordeon, Keyboard, Klavier mit unglaublichem Enthusiasmus, als wären Annas Lieder seine Passion. Die Songs wurden von ihm interpretiert und man spürte ein starkes kreatives Band zwischen den beiden auf der Bühne. Lediglich bei zwei Liedern gefiel mir seine etwas zu aufdringliche Orgel nicht.

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Martin Hederos und Anna

Von mir völlig unbemerkt hatte Anna ein neues Album im Gepäck: All the way to Rio, dessen Titelstück sie auch gleich spielte.

Das Besondere an Annas Stimme ist, dass sie in den tieferen Tönen eine raue Komponente hat, in den hören Tönen aber sehr klar wird. So vermischen sich Leidenschaft, Traurigkeit und Melancholie in den Liedern und man gewinnt ein großes Gefühl von Verletzlichkeit. Das strahlt Anna auch beim Singen immer wieder aus. Aber sie ist eben auch eine Musikerin, die härtere Klänge in ihre Kompositionen einbaut, fast rockig zum Teil. Da ist mehr als die Frau aus ihren Liedern.

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Intime Atmosphäre

Sie spielte sich durch alle Alben. Zu hören waren unter anderem: Still a beatiful Day, For the Young, My Heart still beats for you, Solitary Move, The longer the waiting, Lovers Dream, Today is a good Day, Somebody’s outside, My Secret und als zweite und letzte Zugabe stellte sie sich ganz allein in den Gang zwischen den Reihen des Gestühls und sang ohne Begleitung, ohne Micro A Voice To Calm You Down.
Mit den Zeilen

By the end who will give you answers
When you, man-senses fail

endete ein wunderbares, bezauberndes Konzert.

In langen Jahren erdacht, in wenigen Seiten zerstört

Phantastische Literatur lebt von dramatischen Konflikten. Oft werden hierfür die wunderbarsten Länder, Städte und Orte entworfen und dann zerstört. Im Blut des Krieges geschmiedet erheben sich Heldinnen und Helden und fahren am Ende den Sieg ein und in eine hoffnungsvolle Zukunft davon.

Die Kalion-Saga von Aleš Pickar, erschienen in der wunderbaren Edition Drachenfliege, macht hierbei keine Ausnahme. Im Gegenteil. Aleš Pickar legt bei seinem Weltenbau großen Wert auf Sprachen und Kultur, ganz in der Tradition von Meister Tolkien.

Bei ihm gibt es nicht nur die diversen Völker mit grundverschiedenen Lebensweisen, Sprachen und Traditionen, sie fußen auch auf einer wechselhaften Geschichte. Am deutlichsten wird das in der Gorkonai. Ein einst mächtiges Reich, dessen Armeen gefürchtet und dessen Wissenschaftler berühmt waren. Doch das hochentwickelte Land verdankte Reichtum und Fortschritt seinen Sklaven, die man aus einem benachbarten Reich stahl. Doch die versklavten Demenäer rebellierten und besiegten ihre Peiniger. Noch vor dem Beginn des ersten Bandes, Die lautlose Woge, ereignete sich dieser Herrschaftswechsel. Die Demenäer übernahmen das Land, besetzten Regierungsämter und führten Teile ihrer eigenen Kultur ein. Doch viele von ihnen sind in der Gorkonai geboren. Sie kennen die Kultur ihrer Sklavenhalter besser als die ihres Volkes – ein breites Spannungsfeld für einen neuen Staat. Hinzu kommt das Problem eines drohenden Krieges – immerhin befinden wir uns ja in einer Fantasy-Saga, in der es selten eine Chance auf eine ruhige Entwicklung gibt.

Den ersten Band las ich im Frühjahr recht zügig nach seinem Erscheinen, für den zweiten Band Die dunkle Wunde ließ ich mir etwas mehr Zeit, da mich epische Fantasy momentan nicht so reizt.

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Die dunkle Wunde von Aleš Pickar

Faszinierend an den Kalion-Bänden aber ist, dass Aleš Pickar eine Reihe ganz unterschiedlicher weibliche Figuren in den Mittelpunkt stellt. Da gibt es die unabhängige, impulsive Schwertmeisterin, eine verwöhnte Prinzessin die an einen fremden Königshof verheiratet wird, eine alte Intrigantin, die ihren Sohn auf den Thron des mächtigsten Reiches sehen will und über Leichen geht, eine Zofe auf der Flucht vor eben jener Intrigantin und eine junge Frau, die sich als Sprachrohr einer Göttin sieht.
Sie alle versuchen in einer Männerwelt zu überleben, leiden an ihr und weigern sich trotzdem, in einer Opferrolle gefangen zu sein. Das macht die Reihe in meinen Augen interessant, auch wenn die einzelnen Handlungsfäden selbst bisher auf den gewohnten Pfaden mittelalterlicher Fantasy wandern. Zwar enthält Band 2 eine coole Idee für etwas Phantastisches, das sich in der Welt ereignen kann, übrigens wieder verbunden mit einer faszinierenden Frauenfigur, aber noch handelt es sich eher um ein Magiemomentchen als um einen essentiellen Bestandteil des Weltenbaues.

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Aleš Pickar liest aus dem ersten Kalion-Band am 20.05.2017

Ich bin gespannt, wie sich die Reihe weiter entwickelt.

Meine Rezi findet sich wie gewohnt im Fantasyguide: Die dunkle Wunde von Aleš Pickar

Kann es gute Geschichten ohne SF-Bezug geben?

Das ist eine der Fragen, mit denen sich Michael K. Iwoleit beschäftigt. Und wenn er sich diesen Gedanken hingibt, nimmt er selten ein Blatt vor den Mund und ganz sicher schont er niemanden, dessen Dummheit eine aktive Leistung darstellt.

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Michael K. Iwoleit – offizielles Pressefoto

Schon vor ein Paar Jahren plante ich ein Interview mit ihm für den Fantasyguide, doch irgendwie stellte ich dann doch keine Fragen. Aber nun, 12 Jahre nachdem Michael Schmidt ihn befragte, wagte ich den Schritt und tat es!

Heraus kam ein sehr spannendes Interview. Manche mögen es für elitäres Geschwätz halten, aber ich finde, MKI hat eine Menge zu sagen, mit dem man sich durchaus konstruktiv auseinander setzen kann.

Also ran an die Tasten, wenn euch etwas einfällt zum: Gespräch mit Michael K. Iwoleit

Mein Bäumchen, dein Bäumchen

Erwartungen sind ja immer so ein unzuverlässiges Ding. Gerade, wenn man sich ein paar Jährchen auf das Erscheinen eines Buches freut, sammeln sich da immer größere Berge an und es wird ziemlich schwer für das dann endlich eintrudelnde Werk, jenen hohen Gipfel zu erklimmen.

Also eher alles meine eigene Schuld. Familienvater-typisch halt.

Nach der Klärung der Schuldfrage nun zum Thema. 2008 erschien der letzte Teil der Argona-Trilogie von Armin Rößler und schon schnell avancierte das Sticheln bezüglich des nächsten Argona-Romans im SFN zu einem Running Gag, den Armin alsbald überhaupt nicht mehr lustig fand.

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Armin Rößler mit seiner Nadir-Variante auf dem BuCon 2017

Trotz allem konnte Armin nun ganz stolz auf dem BuCon Die Nadir-Variante präsentieren und auch ich besorgte mir dort mein Exemplar.

Der Roman spielt im Argona-Universum zeitlich vor der Trilogie und verfügt mit Paz Nadir über eine auch dort vorkommende Figur. Wir erfahren, wo Nadir herkommt und welche tragischen Abenteuer ihn prägten. Verknüpft wird das mit einem kosmischen Rätsel um eine Lebensform, die eine große Bedeutung im Leben mehrerer Alien-Rassen besitzt.
Die Nadir-Variante ist ein plotgetriebener Roman, der zwar besonderen Wert auf die Ausarbeitung seiner Charaktere legt, mir aber in der Konstruktion nicht ganz schlüssig vorkam.

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Die Nadir-Variante von Armin Rößler, Cover: Slava Gerj

Auch wenn ich jetzt nicht so begeistert bin und mir etwas mehr versprochen hatte, soll euch das nicht daran hindern, Armins Roman eine Chance zu geben. Kauft euch das hübsche Buch und vertreibt den Novemberblues an Bord der Kiste!

Etwas mehr zum Werk in meiner Rezi: Die Nadir-Variante von Armin Rößler

Frühstücksfreuden

Letztes Wochenende rückte ich meinen SUBs zu Leibe. Ein neues Regal wurde an die Wand geschraubt, etwa neun neue Regalmeter. Neben den ungelesenen Büchern hatten sich auch schon einige Stapel mit gelesenen Büchern angesammelt, die ich mangels Platz nicht ordentlich einsortieren konnte.

Nun sind sie alle weg. Mein neuer SUB hat derzeit nur vierzehn Bücher, die anderen finde ich jetzt ganz easy im Regal. Beim Durchgucken der Bücher und dem Erstellen einer gewissen Dringlichkeitsrangliste ergab sich für die nächste Zeit ein gewisser Überschuss an Abenteuerbüchern aus SF und Fantasy. Das werde ich bestimmt nicht durchhalten und bald wieder umsortieren. Ohne Abwechslung geht das bei mir nicht.
Aber ich bin ja selbst Schuld und hole mir all diese Bücher, weil ich sie ja auch unbedingt lesen will.

So hab ich mich auch auf den siebten Band der SF-Reihe O.R.I.O.N. von Guido Krain gefreut. Vor kurzem las ich ja seinen Auftaktband zu Dystonia, in dem er ziemlich explizit Gewalt und Sex zusammenmischt.

Tja, Friedhof der Assassine ist davon nicht allzu weit entfernt. Zumindest was unseren Oberschweinigel Lorn anbelangt, der sich mit seinen Machsprüchen regelmäßig in die Nesseln setzt.

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Friedhof der Assassine von Guido Krain, Cover: Shikomo

Allerdings stehen im Zentrum des Romans diverse technische wie psychologische Schäden. Die EOS ist nach einem Notsprung zwar der Vernichtung durch die Zaquin entkommen, doch die Verluste sind bitter, das Schiff schwer beschädigt, der Hauptcomputer irreparabel beschädigt. Zwar kann unser blaues Wunder Pali daran etwas richten, doch der Verlust ihrer Mutter ist auch für sie kein Pappenstiel. Und dann bewegt sich der Roman immer mehr in Richtung Horror. Eigentlich bin ich ja kein Horror-Fan, aber Guidos Mischung aus Science-Fiction und Horror ist mehr als lesbar. Er macht das auch deutlich besser als das grottenschlechte War Trek von CBS.
Und im Gegensatz dazu werde ich O.R.I.O.N. auch zum achten Teil folgen.

Aber hier erst einmal der Link zur Rezi von Band 7: Friedhof der Assassine von Guido Krain

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