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Wir haben Hunger, Hunger, Hunger!

Eine Woche ist es nun schon wieder her, da weilte Tad Williams im Festsaal Kreuzberg und stellte nach Jahren der Abstinenz einen neuen Osten-Ard-Roman vor.

Festsaal

Heimeilig ist das Tor zur Festsaalwelt

Beim letzten Mal hab ich ihn verpasst, besser mein innerer Schweinehund, deshalb kaufte ich mir gleich nach Bekanntgabe der Lesetour-Daten ein Ticket.
Der Festsaal ist zwar nicht groß, dennoch konnten die Veranstalter nur etwa 40 Fans motivieren, was schon schade ist, jedoch waren sowohl Moderator Bernhard Robben, der deutsche Vorleser Detlef Bierstedt und Tad Williams selbst professionell genug, einen bezaubernden Abend hinzulegen.

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Detlef Bierstedt, Tad Williams und Bernhard Robben

Tad Williams selbst konnte nicht lesen, da er nicht nur sein Exemplar von The Witchwood Crown im Hotel vergaß, sondern gleich auch noch die Lesebrille. Auf deutsch heißt das Buch übrigens Die Hexenholzkrone.

So gab es zwei Lesungsblöcke von Detlef Bierstedt, der mit seiner markanten Stimme und der ganzen Kraft seiner Schauspielkunst keine Probleme hatte, das Publikum zurück nach Osten Ard zu locken.

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Detlef Bierstedt

Zumindest jene, die schon mal da waren. Bisher konnte ich mich noch nicht entschließen, diese Fantasyreihe zu goutieren. Mein Fantum gründet auf die Otherland-Reihe, deren ersten drei Bände ich einst verschlungen habe (Band 4 war damals noch nicht erschienen). Trotz der ca. 3000 Seiten gehört Otherland mit vielen prägnanten Erinnerungen immer noch zu meinen Lieblings-SF-Werken.
Allerdings scheue ich vor einem Reread zurück, es sind schon vier dicke Brocken. Aber immerhin ist Band 1 jetzt signiert! Da ich direkt von Arbeit kam, mussten die anderen Bände zu Hause bleiben.

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Tad signiert Otherland!

In der Fragerunde überzeugte Bernhard Robben durch eine gesunde Mischung aus Begeisterung und Wissensdurst. Er übersetzte ziemlich locker und fasste selbst längere Blöcke passend zusammen.

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Bernhard Robben

Die vorgetragenen Textteile erregten mich jetzt nicht so, jedoch die Vorstellung von hungergeplagten Leichenriesen hatte schon etwas. Aber falls ich mal die eisige Luft von Osten Ard schnuppern möchte, werde ich mit dem Drachenbeinthron beginnen, den ich leider bei einer oberflächlichen Suche am Vorabend nicht finden konnte. Elfenwerk!

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Tad Williams während der Fragerunde

Die Frau von Tad Williams war auch anwesend und beobachtete den Abend hinter ihrem Laptop um zu bloggen. Vermutlich stammen einige der Tweets und Retweets sogar von ihr, denn dort wird die Lesetour wirklich mustergültig begleitet und jede Meldung in den sozialen Netzwerken geteilt.
Seiner Frau kam auch eine große Rolle dabei zu, ihn wieder nach Osten Ard zu schicken, da sie ihn immer wieder frug, ob er denn nicht und so. Eines Nachts lag er dann im Bett und überlegte Gründe, warum nicht, als ihm eine Fortsetzung einfiel. So läuft das manchmal.

Das spielt nun also 30 Jahre später. Tad fand es ganz spannend, sich zu überlegen, was über einen so langen Zeitpunkt in der Welt von Osten Ard alles geschah und was aus den Figuren wurde. Als Anhaltspunkt nahm er sein eigenes Leben. Erfolg, zwei Frauen, Umzüge – da kommt etwas zusammen.

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Ein sehr famoser Kerl: Tad Williams

Ich gestehe, dass Tad genauso sprach, lachte und augfunkelte, wie ich es mir vorgestellt habe. Vermutlich hab ich mal irgendwo schon mal eine Aufzeichnung gesehen oder sein Wesen beherrschte den Text. Obwohl – bei einer Übersetzung wird das schon schwierig. Wie auch immer, es war ein toller Abend. Ich habe Tad Williams live erlebt, konnte der Stimme von William T. Riker lauschen und selbst die Öffis hatten mal keinerlei Probleme.

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Das zarte Knospen mechanischer Blumen

Natürlich hat mich die Autorin Swantje Niemann bei ihrer Lesung ihres Romans Drúdir im Bastelladen und Steampunk-Café mit Liebe selbstgemacht mühelos für sich eingenommen. So gedachte ich eines schönen Herbstnachmittags zum Glühwein und Spekulatiuskeksen ein wenig hineinzuschnuppern, da ich nicht mit meiner aktuellen Horror-Lektüre fortfahren wollte. Ihr versteht schon, ich wollte so eine warme Lesekuschelatmosphäre, ohne schon wieder zum Herrn der Ringe oder Harry Potter zu greifen.

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DRÚDIR VON SWANTJE NIEMANN, COVER: JÖRG SCHLONIES

Ich glaub, so schnell hat schon lange kein Büchlein mehr die SUB-Reihen verlassen, das kein Rezi-Exemplar war. Das Buch hat mich tatsächlich überrascht. Das liegt vor allem an den sehr unterschiedlichen Charakteren, die selten etwas mit Standard-Typen zu tun haben, obwohl man es denken könnte. Dann gibt es tatsächlich ein komplexes politisches System, was in der Lesung schon angesprochen wurde, aber in natura doch noch substantieller ist, als ich erwartet habe.

Überhaupt brach Swantje ständig meine Erwartungen. Man hat ja so Vorstellungen, wohin sich Szenen entwickeln, welche Konfrontationen sich in die Länge ziehen, welche Missverständnisse zu langen Fehden führen werden und so weiter. Hier hat mir Swantje mehrfach mit einem Dreh der Handlung gezeigt, dass man das auch anders schlüssig lösen kann. Sie hat da quasi meine Fantasie erweitert. Schöne Sache.

Steampunk allgemein ist nicht mein Ding, weil die technischen Details oft nur Zierde sind. Fliegerbrillen und Zahnräder überall. Punk ist sowieso selten zu finden, eher romantische Heldinnen. In Drúdir gibt es auch eine Romanze, aber die schwimmt im selben Meer wie Frankenstein und dichter daran, ein Punk zu sein als der Elf Phandrael, war schon lange kein Spitzohr mehr.
Ich kann euch nicht versprechen, dass es auch für eure Fantasyleseerfahrungen zutreffen wird, aber mit Drúdir könnt ihr nichts falsch machen. Es ist ein Debüt, dass auch euch überraschen wird, irgendwie, aber bestimmt stets im positiven Sinne.

Noch viel mehr Schwämerei gibt’s in meiner Rezension: Drúdir von Swantje Niemann

Party, Peace und Poesie

Bereits am Samstag ließ ich mich auf ein ganz besonders Event in den virtuellen Weiten des Second Life ein. Bisher besuchte ich nur die Lesungen und Aufführungen, die mich über Thorsten Küper, dem einzig wahren Kueperpunk, erreichten. Doch im Blog von Tante Nat erfuhr ich, dass sie aus Anlass ihres zehnjährigen SL-Lebens eine bunte Party plante.

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Tante Nat vor der Leinwand des Filmtempels

Zur Feier des Tages wurde der bereits vierundzwanzigste Machinima-Film gezeigt, den Nat mit Karima Hoisan zusammen erschuf. Nat kümmerte sich dabei um die Bilder, Karima lieferte das zugrundeliegende Gedicht und die Musik.

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Karima währender der sanften Lyriklesung

Vorab rezitierte Karima einige ihrer englischsprachigen Poems, während die Gäste meist als Hippies gewandet auf Decken im Gras lagen und bereitgestellte Getränke genießen konnten. Virtuelles Bier wird niemals schal!

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Mein Avatar lümmelte sich am Lagerfeuer hin und trank Bier

Der Filmtitel Derendered wies auch schon auf den Inhalt hin. Ein paar störende Dinge wurden aus der Welt entfernt. Die Bilder untermalten teils psychedelisch, teils fröhlich bunt das Gedicht von Karima und sorgten für eine ausgelassene Feierlaune.

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Derendered während der Aufführung

Nach Applaus, Lobes- und Dankesworte wurde die Beatbox angeworfen und die Avatare zum Abhotten gebracht. Ich bin ja immer noch SL-Laie und hätte das alleine nicht hinbekommen, aber zum Glück stand auf der Wiese ein Ball, dessen Berührung meine virtuelle Existenz zu einigen coolen Moves bewegte. Und mich daheim vorm PC überhaupt nicht ins Schwitzen brachten.

Zwischendurch erschienen unzählige Schmetterlinge und brachten zusätzliches Disco-Feeling. Nat verteilte dann noch Orka-Luftballons, die sich dann im Rhythmus der eigenen Tanzschritte über uns hin und her bewegten.

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Ein megacooler Moment

Eine ganz wunderbare Erfahrung. Ich hab zwar schon lustige Partys in WoW und Lotro besucht, aber dieser Abend hatte zudem noch diesen obercoolen Kunsteventcharakter. Da fühlt man sich gleich etwas hipper. Natürlich nix, was meinen Nachwuchs imponiert hat. Aber der hat einfach keine Ahnung von echter Hippigkeit.

Gib den Algorithmen was zu denken!

Letztes Jahr schon war ich überrascht, dass Horst Evers als radioerprobter Verfasser satirischer Texte sich der Science-Fiction zu wandte. Dieses Jahr folgt ihm Marc-Uwe Kling.

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QualityLand von Marc-Uwe Kling; Umschlaggestaltung: Roman Klein

Vor einigen Jahren verfolgte mich sein Vietcong-Känguru jeden Morgen unter die Dusche. Es war das kleine Zeitfenster im Bad, da ich auf die Nachrichten wartete, um über Wetter- und Verkehrslage informiert zu werden. Zwischen Shampoo und Zahnpasta erfuhr ich eine Menge über die komplexen Probleme, denen sich Marc-Uwe tagtäglich ausgesetzt sah. Ich fand’s selten lustig, aber ich hab es dann vermisst.

QualityLand spielt in einer anderen Liga, nutzt aber ähnliche Dialog-Sequenzen wie die zwischen Autor und Känguru. Auch hier werden Alltagsprobleme ausgewalzt, nur dass es Probleme einer nahen Zukunft sind, in denen Versandmonopol, Suchmaschine, Partnerbörse und Soziales Netzwerk längst den kompletten Alltag der Menschen bestimmen. Das gespeicherte Profil wird zur unumstößlichen Definition, denen sich die meisten bedingungslos unterwerfen. Man wird zu dem, was der Algorithmus dafür hält.

Kling packt das in eine unterhaltsame Story, die ihre literarischen Vorfahren kennt und auch teilweise benennt. Er bleibt seiner Polit-Kabarett-Heimat treu, es gibt einige coole Gags, aber mich hat das ganze Buch durch eine tiefgehende und sehr bittere Ernsthaftigkeit überrascht. Die Fallstricke der Technik sind da, sie halten uns schon längst bis zum Ersticken in ihren Spinnweben und QualityLand ist schon fast gar keine Dystopie mehr, sondern real.

Das Problem ist natürlich, dass der Kapitalismus nun mal so funktioniert. Der Profit kommt immer zuerst. Wenn die Welt untergeht, verkauft man eben bis zu Letzt Särge.

Vielleicht hilft es ja wie Peter Arbeitsloser die Algorithmen zu verwirren? Fotografiert euch bunt – vor rosa Delphindildos!

Und lest zur Ablenkung meine riesige Rezi im Fantasyguide: QualityLand von Marc-Uwe Kling

Und alles gar nicht wahr!

Eigentlich bin ich ja auch ein Cloudverächter. Meine heiligen Daten einem Operator from Hell anzuvertrauen – dafür hab ich wohl schon einfach zu lange selbst Anwenderdaten verwaltet.

Und nun das.

Da beginne ich die Rezi zu Uwe Posts zweitem Walpar-Roman zu schreiben und will nur schnell die ID der Rezi des ersten Romans raussuchen – kein Treffer.

Panik.

Ich habs doch aber gelesen! Gut. Weil ich mich an nichts mehr erinnern konnte, hab ichs ja extra grad vor dem zweiten Band erneut gelesen. Aber da muss doch damals eine Rezi geflossen sein …

Nein. Nicht auf der Festplatte, nicht im Netz. Als ob das ganze Gelese überhaupt nicht existiert hätte! Alles gar nicht mehr wahr! /dev/null …

Doch puh, ich fand etwas. Damals nahm ich am Lesezirkel im SFN teil. Grad noch so dem Nichts enronnen …

Doch warum um alles in der Welt schrieb ich damals keine Rezi? Ich starre auf das Avatar-Bild in dem sieben Jahre alten Thread und erwarte irgendwie, dass es mir aus der Vergangenheit etwas zuflüstert. Irgendein Fluch lastet wohl auf diesem Buch. Keine Erinnerung, keine Rezi …

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Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes von Uwe Post, Cover: Si-yü Steuber

Aber damit ist nun Schluss. Flux schrieb ich die fehlende Rezi zu Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes.

Jedoch ging es mir ja eigentlich um den zweiten Band, Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili.

Uwe Post ist bekannt für knackige SF-Kurzgeschichten in denen meist skurrile Figuren in wildgewordenen Realitäten seltsame Dinge erleben. Die Walpar-Romane sind etwas längere Formen davon. Walpar Tonnraffir ist ein Weltraumdetektiv, der diesmal durch Zufall über einen Außerirdischen stolpert. Der ist gerade auf der Flucht: Die ominösen Veranstalter haben ihn auserkoren, als Gewürz der Ursuppe eines Planeten zu dienen und obwohl er als Beamter begierig dafür sorgt, dass auf seinem Freudenmond alle Regeln eingehalten werden, zieht er das regelwidrige Überleben der Zerhäkselung vor. Hier nun kommt Walpar als Retter ins Spiel und damit erhält das Universum wieder einmal Gelegenheit, alles rasant durcheinander zu schütteln.

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Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili von Uwe Post, Cover: Si-yü Steuber

Das ist besonders ungesund für Banker auf Betriebsausflug oder Dealer in dunklen Gassen, aber zumindest haben Nera, Kerbil und ein bisschen auch Henriette, wieder ihren Spaß dabei. Und darum geht’s ja in erster Linie bei Uwe Post satirischem Tanz mit SF-Themen und Alltagsproblemen.

Uwe Post – das kleine bisschen Grauen vor der Zukunft für zwischendurch, präsentiert von ZischZitro.

Und damit mir das nicht wieder ein Elf aus dem Hirn brutzelt, meine Rezi in voller Hyperraumbreite wie (fast) immer im Fantasyguide: Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili von Uwe Post

Etwas beleidigte Leberwurst zur Pretzell

Politisches Kabarett ist keine leichte Sache. Da meine Witze eh kaum jemand versteht, versuche ich es erst gar nicht. Der Kueperpunk hingegen konnte sich eine treue Second Life Fangemeinde erarbeiten, vor der er immer wieder gerne auftritt und die ihn nicht einmal mit geschmacksneutralen, weil virtuellen Tomaten bewirft.

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Das offizielle Poster zur Show

Am Sonntag präsentierte er kurzfristig, aber aus gegebenem Anlass seine Show Der Gutmensch kehrt zurück im Theater der Brennenden Buchstaben. Es ging natürlich um die Wahl und das Problem mit Menschen, die es als Protest ansehen, Nazis zu wählen.

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Thorsten Küper ist einer der 87%

Das Motto »Ich bin 87%« prangte überall im Theater und es bezog sich auf den Anteil jener, die nicht Ultrarechts wählten.

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Auch alles 87%

Der Kueperpunk baute in seinen Text auch einen Blogbeitrag seiner holden Gattin ein und insgesamt stand der Abend nicht im Zeichen hoher Gagdichte, sondern einer pointierten und bitterbösen Abrechnung mit menschlicher Dummheit.

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Buk Tom Bloch spazierte mit einem Plakat herum und wies einige Male auf gegen ihn gerichtete Diskriminierung hin.

Sehr froh war ich auch, den Avatar von Bernhard Giersche zu sehen. Bernhard kämpft derzeit gegen Karl, wie er seinen Krebs nennt, und schreibt gegen ihn gerade mit aller Macht an. Am 05. November will er das fertige Buch in Second Live präsentieren – Monate nach dem ihm prognostizierten Ende. Ich werde im Publikum sitzen! Es war schön, dass er noch ein paar Worte nach Küpers Auftritt sprach. Meine Daumen bleiben gedrückt für ihn.

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Berhard Giersche im Gespräch mit dem Kueperpunk

Wer noch mehr bösen Rant zur Lage der Nation lesen möchte, dem empfehle ich die kleine Beitragsreihe Wo ich lebe von Uschi Zietsch auf ihrem Blog. Gerade heute, da sich PolitikerInnen wieder dafür auf die Schulter klopfen, irgendwann einen Vertrag unterschrieben zu haben, tut es Not darauf hinzuweisen, dass man in der BRD eine ganze Reihe von Dingen gar nicht wertschätzt. Etwa Sozialleistungen oder Kreativität. Es gibt heute nichts zu feiern.

Euch allen einen schönen freien Tag!

Kann mal ein Erwachsener übernehmen?

Wenn Zwerge im Spiel sind, werde ich weich. Kein Wunder also, dass ich mir eine ganz besondere Lesung dick im Kalender anstrich: Gestern stellte Swantje Niemann die Neuausgabe ihres Romans Drúdir im Bastelladen und Steampunk-Café mit Liebe selbstgemacht vor.

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mit Liebe selbstgemacht in der Greifswalder Straße 150

Der Roman erschien zunächst bei neobooks, aber auf der letzten Buch Berlin  sprach Swantje Holger Kliemannel von der Edition Roter Drache an und ein freier Programmslot später sowie nach einem guteingelegten Wort von Anja Bagus, liegt nun das dicke Taschenbuch mit neuem Cover vor uns.

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Drúdir von Swantje Niemann, Cover: Jörg Schlonies

Zum Glück musste ich nicht ganz allein in die Greifswalder Straße 150 fahren. TFA aus dem Forum des SF-Netzwerkes hatte schon länger einen Blick auf Buch und Autorin geworfen und schloss sich der Lesungsexpedition freudig an. Er kannte auch das alte Cover und lobte deren Vorzüge. Auf der Homepage von Swantje kann man ihre eigenen Skizzen betrachten, die dem neuen Cover als Vorlage dienten.
Es zeigt nun zwei wichtige Figuren des Buches. Zum einen die Automate, ein gefährliches Mischwesen aus Metall, Magie und Zwergenresten und natürlich Titelheld Drúdir selbst. Swantje erzählte von ihrer Befürchtungen, mit den Bildern die Fantasie ihrer Leserschaft zu sehr voreinzustellen, aber das ist nicht leicht vorherzusehen.

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Arne aus der Danksagung und Swantje vor der Lesung beim Tee

Zunächst konnten wir uns in dem schicken Laden umsehen. Der vordere Teil mit dem Café steht ganz im Zeichen des Steampunks und ist entsprechend geschmückt.

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Die Details sind wichtig

Im hinteren Teil befinden sich die Regale mit Bastelutensilien und ein Raum für Kreativkurse. Dort fand auch die Lesung statt. Sehr hübsch war die alte Schreibmaschine, die auf dem Lesungstisch stand und somit auch hier eine gediegene Steampunkatmosphäre verbreitete.

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Das Licht der Magie

Swantje hatte extra Kuchen gebacken und als besonderes Event eine Verlosung angekündigt für alle die in Steampunkkostümen auftauchten. Da ich so etwas nicht besitze, musste ich auf diesen Programmpunkt verzichten.

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Haben mehr Kalorien als eine Fantasy-Trilogie Seiten

Nachdem sich die Autorin noch mit einem stilistisch passendes Korsett umgab, begann die Lesung.

Zunächst erlebten wir Drúdirs Begegnung mit seinem toten Lehrer, Uhrmacher Fragar. Der junge Zwerg, kaum 40, hat nämlich eine ganz besondere Fähigkeit. In einer Zeit, da Magie schon seit vielen Jahrzehnten verschollen ist, spürt er ihre Netze und kann die Erinnerungen der Toten sehen. So erlebt er den Mord an Fragar mit.
In einer zweiten Szene lernen wir die Automate vom Titelbild kennen und zum Schluss gab es noch einen epischen Blick auf die unterirdische Seestadt Schwarzspiegel, die mir ganz besonders gut gefiel. Mal wieder eine richtig coole Zwergenmetropole.

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Swantje freute sich sehr über die Fragen

Die Fragerunde rettete ein junger Fan, der als erstes fragte, ob der Mörder ein Elf sein, was auch meine Vermutung war. Doch Swantje verriet nix.

Dann erkundigte er sich nach Band 2. In der Tat hat Swantje den zweiten Teil bereits fertig, da ihr Ende des Sommers einige zündende Ideen kamen und ein/zwei davon waren sogar gut. Nach einer weiteren Überarbeitung Ende des Jahres wird er an den Verlag gehen und planmäßig 2019 erscheinen. Einen Titel hat sie bisher noch nicht, sodass auch die Vorankündigung am Ende des ersten Bandes noch vage bleibt.
Einen dritten Band wird es wohl auch geben, da Duologien in der Fantasie unüblich sind und man eine Trilogie erwarten würde.

»Jetzt muss ich mir irgendwas einfallen lassen und behaupten, es sei von Anfang an geplant gewesen.«

Der zweite Band spielt dann weiter im Süden, nicht mehr in der Union mit ihren Zwergen, sondern bei den Menschen, die im ersten Band keine besondere Rolle einnehmen.
Drúdir wird weiterhin im Zentrum stehen und Swantje hat ein sehr klares Bild von ihm im Kopf:

»Er sieht sich selbst noch als sehr jung: Huch, ich hab mich grad erst an das Erwachsenwerden gewöhnt … und meine Magie … und oha, kann bitte ein Erwachsener übernehmen? Würde er selbst so nie sagen, aber er fühlt ein bisschen so.«

Spannend wurde dann die Diskussion, mit welchen Waffen die verschiedenen Rassen meucheln würden und ob ein Elf Nackenschmerzen bekäme, wenn er einem Zwerg versucht, die Kehle durchzuschneiden. Anatomisch korrekte Fantasy ist etwas Schönes!

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Sorgt sich um Elfennacken

Viele Gedanken hat sich Swantje auch um die politische Struktur ihrer Welt gemacht.
Die Zwerge konnten sich durch den Wegfall der Magie aus ihrer Unterdrückerrolle befreien und durch die Erfindung der Dampfmaschine eine industrielle Revolution einläuten. Eine dadurch beginnende Demokratisierung ist»eine Versuch- und Irrtumentwicklung und sie steuern gerade auf einen sehr großen Irrtum zu.«

Eine große Rolle spielt auch das Land der Elfen.

»Es gibt zwei Länder der Elfen, weil ich Problem mit monolithischen Kulturen in der Fantasy habe.«

Ganz klassisch geteilt in integrationswillige und in traditionell lebende Elfen. So kennt man die Spitzohren ja.

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Was schreibt man rein?

Für mich klingt das alles ganz spannend und das (natürlich signierte) Buch landet direkt auf meinem Nahzeit-SUB. Der Herbst ist lang, der Winter kommt und von irgendwas muss man ja leben.

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