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Alexandre Dumas – Der Graf von Monte Christo

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Unmenschlich sind nur Menschen

Storysammlungen sind ein schwieriges Format, ganz besonders in der deutschsprachigen Science-Fiction. Die Leserschaft ist klein, die Veröffentlichungsplattformen unbeständig, von ständigem Wandel betroffen und manche würde hinzufügen, dass auch die Anzahl veröffentlichungswürdiger Geschichten arg begrenzt ist.

Als mich Guido Seifert frug, ob ich nicht seinen Band Apatheia rezensieren wollte, hab ich spontan zugesagt, ohne wirklich zu wissen, warum. Mir war eigentlich nur im Gedächtnis, dass ich schon etwas von ihm gelesen, es aber weder gute noch schlechte Erinnerungen hinterlassen hatte. Also eine gute Voraussetzung, mich einmal intensiver mit ihm und seinen Geschichten zu beschäftigen.

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Apatheia von Guido Seifert, Cover von Harald Giersche

Der große Reiz einer Story-Sammlung besteht darin, dass man Entwicklungen im Schaffen der Autorin oder des Autors wahrnehmen kann. Oder dass man etwas Verbindendes in ihnen entdeckt, welches man über die Grenzen verschiedener Anthologien und Magazine kaum wahrnehmen kann, wenn man mein löchriges Gedächtnis besitzt.

Guido Seifert konnte seine Storys in den wichtigsten Magazinen des Genres unterbringen. c’t, Nova und Exodus sind schon Schwergewichte und stehen zumindest in der Mehrheit ihrer Auswahlen für hohen qualitativen Anspruch. Insofern besitzt der Name Guido Seifert ein gewisses Renommee, dachte ich mir, als ich mir zunächst die Veröffentlichungsnachweise der Geschichten ansah – lediglich zwei der dreizehn Texte sind Erstveröffentlichungen. Und ebenfalls zwei der Geschichten erkannte ich aus Nova-Ausgaben wieder.

Bei meiner Recherche für die Rezi fand ich dann auch eine Diskussion mit Guido, die wir zu Die silberne Dose No. 2 führten. Mir hatte die Story damals nicht gefallen und Guido hakte nach. Ich gestehe, mir war das völlig entfallen. Allerdings erinnerte ich mich beim Lesen an die Story und auch an meine damalige Einschätzung.

Aber nun kommt das Spannende: Etwas Grundlegendes war beim Zweitlesen anders – der Kontext.

Die gesamte Story-Sammlung erzählt nämlich eine Art Future-History. Guido Seifert befasst sich in seinen Geschichten mit einer Welt, in der sich künstliche Intelligenzen von dienstbaren Geistern zu einer eigenen Spezies entwickeln, dabei die menschliche Dominanz brechen, später die Menschen eher ignorieren und letztlich beide Spezies eins werden. Oder fast eins.

Schlaglichtartig berühren die Geschichten dabei Wendepunkte der Historie oder dienen als Beispiele für die prognostizierte Entwicklung. Dabei stellt Guido Fragen, die ich so noch nicht erörtert fand. Etwa, was passiert, wenn Künstliche Intelligenzen per Gesetz dem Menschen rechtlich gleichgestellt werden und von heute auf morgen, alle Persönlichkeitsrechte auch für sie gelten? In welche Richtung entwickelt sich die Politik freier KIn? Welche gesellschaftlichen Veränderungen könnte das bewirken?

Spannend fand ich auch die Fragen, die sich aus der KI-Dominanz ergeben. Macht es etwa wirklich Sinn wie in Matrix, die Menschen als Energielieferanten auszunutzen? Auf welche Art und Weise werden sich freie künstliche Intelligenzen überhaupt mit dem menschlichen Elend auseinandersetzen? Bis hin zu den ethischen Fragen nach Menschlichkeit von künstlicher Intelligenz und damit verbunden natürlich auch die Frage nach dem Bewertungsschema, mit dem das KI-Handeln daraufhin begutachtet wird. Kann eine KI unmenschlich sein, wo sie noch nicht einmal menschlich ist?

In diesem verbindenden Komplex an Fragestellungen und Ideen liest sich auch Die silberne Dose No. 2 etwas anders. Was ich als Mängel in der Figurenkonstellation empfand, was mir zu plakativ und vorhersehbar erschien, wird so zu Markern, zu Systembeispielen.

Diese Feststellung hat mich schon überrascht. Die Geschichte zählt auch weiterhin nicht zu meinen Lieblingen, aber sie hat in Apatheia ihre Bedeutung und präsentiert einen Zustand der Seifertschen Menschheitsgeschichte durchaus überzeugend.

Und es gibt ja genügend ganz und gar begeisternde Geschichten in dem Büchlein.

Puh, langer Text, aber manchmal fällt mir eben neben der Rezi noch so viel mehr zu quasseln ein. Aber der Link zu ihr soll nicht fehlen: Apatheia von Guido Seifert.

Wenn die Blätter fallen …

… wird es Zeit für Tee, Kuschelsessel und ein Buch.

Der Herbst berührt einen ja immer ganz unterschiedlich. Ein von Sonnenlicht gefluteter Wald voll bunten Laubes ist eine ganz andere Hausmarke als ein grau verregneter Abend. Da kann man sich entweder in die Arme der Melancholie werfen oder ein Freudentänzchen aufführen, je nachdem auch alles durcheinander, die blaue Fee ist ja recht wandelbar.

Jedenfalls hab ich für solch eine Stimmungslage ein paar Bücher und jüngst kam ein weiteres dazu. Der Name bringt das besagte Gefühl schon zum Klingen: Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen.

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Cover: Nicole Altenhoff

Diese kleine Novelle erzählt von der ersten Liebe, von der magischen Verwandlung toter Katzen und auch vom Entdecken der Erwachsenenwelt. Philipp Multhaupt nennt sein Werk einen Krimi, aber das ist in meinen Augen ziemlich weit hergeholt.

Vielleicht ist es auch für jede und jeden etwas ganz anderes, was man als den zentralen Punkt solch einer Geschichte empfindet. Ich konnte dieses Interesse für traurige Mädchen sehr nachvollziehen. Auch den Aspekt, dies aus dem Grunde zu tun, um trösten zu können. Zumindest mir kamen als 14-oder-so Jähriger ähnliche Wünsche in den Sinn. Mädchen sind halt faszinierend und verstörend zugleich und man hat kaum realistische Ideen, wie man solch ein seltsames Wesend erfolgversprechend kennenlernen kann, zumal das mit dem Erfolg auch noch recht verschwommene Konzepte betrifft.

Genau dieses Lavieren aus Jungssicht bringt Philipp Multhaupt ganz, ganz prima rüber. In seine Claudia hätte ich mich auch verliebt.

Ob ich nun tote Katze fotografiert hätte – da bin ich mir doch unsicher. Aber auf keinem Fall hätte ich je ein T-Shirt, was damals noch Niki genannt wurde, geopfert. Ich hatte ja auch nur drei, und der Verlust auch nur eines davon, wäre mir sicher ähnlich katastrophal erschienen, wie ein kaputter Kassettenrekorder.

Ha, schon wieder weht mir die Nostalgie ins Gesicht und bringt melancholische Schauer mit sich! Seid gewarnt, der Genuss jenes Buches kann Gefühle auslösen! Was aber bringt den Herbst schöner auf den Punkt?

Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen von Philipp Multhaupt

Das Blaue vom Himmel

Ich lebe in einer Gegend von Berlin, die von Einfamilienhäusern, Mietskasernen aus den 30ern und 50ern und sehr viel Grün geprägt ist. Es gibt drei Seniorenresidenzen, bestimmt fünf Physiotherapeuten, ein paar Supermärkte und einen libanesisch geführten Italiener, der wegen seiner moderaten Preise für Speisen meist gut besucht ist.

Die Polizei fährt bei uns durch, wenn sie zur Alten Försterei will. Streife dreht man hier mit dem Corsa. Die Wahrscheinlichkeit nach 23:00 Uhr einem Wildschwein oder Fuchs zu begegnen ist größer, als einem Menschen. Nachtschwärmer sind hier Insekten.

Es gibt keine Flüchtlingsheime und Kopftücher tragen alte Omas auf Fahrrad spazieren.

Unser Wahllokal befand sich im Zimmer der 3d. In diese Grundschule, die vom Aussehen her in jedes Brandenburger Dorf passt ohne aufzufallen, gingen all unsere Kinder und das größte Problem dort ist ein Mangel an Männern im Kollegium und übereifrige Eltern.

Trotzdem wählten 21 % die AFD. Ich hatte das schon befürchtet, als es im Wahllokal eine Schlange gab und man nicht nur die gewohnte Riege älterer Menschen sah.

Ja, man muss bei uns große Angst haben vor Überfremdung. Der gemeine Friedrichshainer benötigt keine zwanzig Minuten zu uns und auch die wilden Kulturschaffenden aus den Theatern der Stadt könnten in kaum einer halben Stunde hier einfallen und alles durcheinander bringen.

Wie schlecht es den Leuten geht, kann man am Wochenende auf dem Supermarktparkplatz oder auf dem nahen Recyclinghof der BSR sehen. Ja, es ist ein Drama. Nun haben sie es also der SPD und CDU gezeigt. Ein blauer Stadtrat darf nun die Geschicke von Köpenick mitbestimmen. Vielleicht bekommt er ja das Bauressort. In unserer Banlieue wird er sich da so richtig austoben können. Hoffentlich versteht er wenigstens einen der vielen Dialekte seiner Bauherren aus aller Herren Bundesländer.

Wird jetzt spannend, was das für die Bundestagswahl bedeutet. Der Worst-Case wäre wohl, dass Gabriel gegen Merkel antritt. Nichts dürfte die Deutschen mehr in die Arme der AFD treiben. Aber man sieht es ja an Wahlverlierer Müller: Nichts klebt besser, als Hintern an Sesseln. »Aber die anderen haben auch verloren!« Jap. So machen wir das in Berlin. Nur wer jammert, is jesund.

Lieber würd ich Wale wählen

Am Sonntag sind wieder einmal Wahlen in Berlin. Zeit, sich Gedanken zu machen, wo ich denn nun meine Kreuzchen mache, nach der Änderhaken auf dem Grund eines Sees aus Selbstzerstörung verrostet.

Mich selbst würde ich als linksliberal einschätzen. Guckt man ins Parteienspektrum fällt auf: Da ist nix an dieser Stelle. Nichts. absolut nichts.

Die Parteienlandschaft ist zwar in wildem Fluss, die einzelnen Farben mischen sich oder wechseln munter untereinander.

Traurig ist der Anblick der Wahlplakate. Da fordern die Regierungsparteien Dinge, die sie in den letzten Jahren nicht hinbekamen. Etwa irgendwas für Schule und Bildung zu tun, das nicht im Desaster kopfloser Experimentierlaune endete.

Das wunderbare an Berlin aber ist, dass uns die ganze Mischpoke egal ist und wir unser eigenes Ding machen.

Da passt ganz perfekt jenes kleine eBook hinein, das ich grad las. Ein Frühwerk von Gecko Neumke, der eine kleine Geschichte zu einer anarchistischen Kolonie erzählte.

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Der Chor der Anarchie von Gecko Neumcke und Stephan Strzoda, Cover von Lisa Naujack

Ein Kapitel Weltgeschichte, das mir unbekannt war. Der Spanische Bürgerkrieg wurde mir in der Schule als Kampf aufrechter Kommunisten gegen Faschisten erklärt, als Stellvertreterkrieg, als Waffentest der Reichswehr.

Dass die Spanier aber hauptsächlich eine anarchistische Gemeinde bilden wollten, wurde verschwiegen. Anarchie und Diktatur passen nicht gut zusammen.

Der Chor der Anarchie von Gecko Neumcke und Stephan Strzoda hat nun diese Wissenslücke gefüllt. Nicht mit Fakten und Zahlen, sondern mit Maronen, dem Geruch von Diesel, frisch geschlagenem Holz und einer großartigen Schneeballschlacht.

Und dieses Werk führt direkt zur ganz famosen Utopie ein totes im see’bolo.

Tja und dann guck ich wieder in die Wahlmöglichkeiten und bin am grübeln. Der Wahlomat brachte auch nicht viel, wenn dann Die Partei herauskommt. War so klar.

Ich glaub, am wichtigsten ist mir noch, dass die idiotische Stadtautobahn verhindert wird und obwohl sich die Grünen kaum noch mit Umweltthemen befassen und ihr Grün schon lange nicht mehr nach Frühling duftet, sondern mit all den schwarzen Flecken nach Herbstlaub in einem modrigen Wald, passt das dann doch noch am besten.

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Der Zustand der Grünen

Oh je.

Das Glück des Edmond Dantès

Neben den Drei Musketieren dürfte Der Graf von Monte Christo wohl der berühmteste Roman vom Alexandre Dumas dem Älteren sein.

Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wie ich den Stoff kennenlernte. Einige Verfilmungen habe ich gesehen und ich erinnere mich an eine Sammelbild-Serie entweder in der NBI oder vielleicht sogar in der Schlager-Süßtafel.
Ob ich aber den kompletten Roman in meiner Kindheit las, weiß ich nicht. An die Ausgabe im elterlichen Bücherregal erinnere ich mich nur, dass es sie gab, aber nicht daran, sie gelesen zu haben.

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Alte DDR-Ausgabe aus dem Jahre 1974 mit den Covern von Gerhard Preuß neben der dtv-Ausgabe

Als Oliver Naujoks letztens in seinen Blog von seiner Lektüre berichtete, überkam mich der unbändige Drang, das Werk wieder zu erobern. Für unseren Urlaub in Frankreich schien mir das Buch ideal und so besorgte ich mir eine vollständige Ausgabe.

Diese Klassiker-Edition des dtv gehört zu meinen Lieblingsreihen, vor allem weil sie meist ordentlich kommentiert sind und über Hintergrundinformationen verfügen.
Kommentare gab es zwar hier nicht, aber ein sachdienliches Nachwort.

Den Umfang des Romans unterschätzte ich deutlich. 1500 Seiten in einem Taschenbuch sehen auch gar nicht so viel aus. Der dtv gönnte dem Buch ein seidiges, sehr dünnes aber unglaublich strapazierfähiges Papier. Das Buch bog sich in der Hand mit einer an eine Flüssigkeit erinnernde Geschmeidigkeit, die perfekt zum eleganten Umgangston im Buch passte.

Dieses Spüren des Stoffes erhöhte meine Lust, dieses Werk zu genießen und es forderte auch seine eigene Lesezeit. Dumas schrieb ja eine Fortsetzungsgeschichte für das Feuilleton einer Zeitung und so kam es ihm nicht nur auf Masse an, sondern auch auf spannende Übergänge, damit die Leserinnen und Leser bei Laune blieben.
Darum gibt es sehr viele Nebengeschichten und ausführliche Beschreibungen, doch Dumas (und sein Co-Autor) versteht sich darauf, stets relevant zu bleiben. Wie Oliver es formulierte, fuhr er damit im Finale eine reiche Ernte ein. Durch die Breite der Erzählung bekommen auch die vielen Figuren und Schauplätze ein sehr tiefes und voluminöse Profil.
Auch wenn es viele Parallelen in der Charakterzeichnung gibt und wir mit wechselndem Fokus an ihrem Schicksal teilhaben, sprüht der Roman von Nähe und Lebendigkeit.

Was mir auch wieder auffiel, war die Ambivalenz von Edmond Dantès. Sein unstillbar scheinender Rachedurst, seine Grausamkeit mit der er die Konsequenzen hinnahm, die aus seinen Handlungsimpulsen folgten – sie stehen im starken Widerspruch zu seiner Großherzigkeit und seiner Liebe.
Dumas bringt von beiden Seiten viele Beispiele und offenbart uns so einen großartigen Charakter der mir ähnlich stark erscheint, wie Kapitän Nemo von Jules Verne.
Gibt es derartig fesselnde Figuren heute noch? Vielleicht Leibrand aus den Amerika-Plakaten von Richard Lorenz.
Aber ich bin auch nicht so der Kenner der nichtphantastischen Gegenwartsliteratur.

Ich schreibe das, während im Hintergrund der Fantasyguide umzieht, aber der Link zur Rezi sollte auch weiterhin funktionieren: Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas.

Es gibt immer wieder Bücher, die beim Lesen glücklich machen, wie traurig die Handlung auch gerade ist. Der Graf von Monte Christo gehört für mich unbedingt in diese Reihe von Glücksmomenten.

Wenn die Story nicht wär!

Dank Meister Hasenbrot konnte ich jetzt endlich in die vielgelobte Comic-Reihe Saga reinschnuppern.

Gezeichnet wird sie von Fiona Staples, für die Story ist Brian K. Vaughan verantwortlich.

Die Bilderwelten sind auch das eigentliche Highlight der Comics. Hier tobt sich die Fantasie von Fiona Staples aus und es gibt etliche beeindruckende Panels.

Allerdings auf eine sehr konservative Weise. Selten lyrisch oder experimentell und auch die Farben sind eher bieder.

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Saga von Fiona Staples und Brian K Vaughan

Der enttäuschende Teil ist jedoch die Story. Der sanfte Papa Teufel und die wilde Mama Engel bekommen ein Mischlingsbaby, das gegen die Widerstände des Universums auserkoren ist, Alles zu retten. Klein Hazel erzählt die Story selbst. Das kommt in einem flapsigen Ton daher, der mir durchaus gefallen hat. Aber wohin man auch etwas tiefer in die Geschichte dringt, wird es sehr, sehr dünn.

Da gibt es also diesen Krieg zwischen den Teufeln vom Mond und den Engeln vom Himmel, also dem Planeten um den der Höllenmond kreist. Weil man aber furchtbar klug ist, sah man ein, dass Krieg zu Hause blöd ist und so lässt man andere Völker auf anderen Planeten den Krieg austragen. Wie solch ein Humbug funktionieren soll, wird nicht näher erklärt. Dafür aber lässt man den Prinzen einer Roboterzivilisation auf die Jagd nach dem flüchtigen Traumpaar gehen, weil sich zwei Kopfgeldjäger irgendwie zu dämlich anstellen.

Wie nun die Beteiligten auf die Idee kommen, dass das flüchtige Paar eine Bedrohung sein könnte und für was überhaupt, blieb mir ein Rätsel.

Wobei mir die Frauenfiguren wirklich gefallen. Gerade Mama Alana und die Ghost-Babysitterin sind herrlich punkig, cool und kess.

Wahrscheinlich geht es auch mehr um die Reise, kommt man so doch zu den unwahrscheinlichsten Orten und lernt phantastische Wesen kennen. Von mir aus hätte man sich den kruden Überbau gleich ganz klemmen und sich auf die Odyssee konzentrieren können.

So aber schwelt da eine Messias-Geschichte im Hinter- und ein blöder Krieg im Vordergrund. Mir fehlt da wahrscheinlich der Ulk und der laszive Charme, der mir an Ythaq so gefällt.

Es war schön, in die Reihe reingeschnuppert zu haben, aber weiter verfolgen werd ich das erstmal nicht.

Immer der Nase nach

Mir bereitet es großes Vergnügen, im Urlaub auch auf literarischen Pfaden zu wandeln. Nachdem wir letztes Jahr unter anderem Agatha Christie einen Besuch abstatteten, gelang es dieses Jahr, ein ähnlich hübsches Anwesen zu besichtigen.

Der Dichter Edmond Rostand konnte sich vom Erfolg seines Stückes Cyrano de Bergerac ein hübsches Stück Land am Fuße der Pyrenäen kaufen und ließ sich dort ein recht großes Landhaus im baskischen Stil erbauen, samt Gartenanlage.
Er taufte das Anwesen Arnaga und es ist heute ein Museum. Zum Glück war es nicht so überlaufen wie die meisten anderen Sehenswürdigkeiten der Gegend und der Park begrüßte uns gleich mit einer Pracht riesiger Hortensien.

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Was für eine Begrüßung!

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Blick auf das Haus vom Garten aus

Das eigentliche Museum besteht aus den möblierten Zimmern und erzählt nebenbei nicht nur Geschichten über Rostand, sondern auch über seine Frauen und die KünstlerInnen, die für das Ambiente des Hause verantwortlich waren.

So gibt es riesige Wandgemälde zu bestaunen, deren farbenfrohe Ausführung viel zur fröhlichen Ausstrahlung der Räume beiträgt. Ganz besonders der große Saal wirkt durch die Bilder nach einem Gedicht von Victor Hugo, gemalt von Gaston de La Touche.

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Großartig auch durch seine Holzauskleidung, sowie den großen runden Fensteröffnungen wie eine Hobbithöhle. Ich war hin und weg.

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Bilbo hatte es auch nicht schöner

Natürlich reizte mich ganz besonders auch die Bibliothek. Neben uralten Büchern und diversen Cyrano-Büsten fallen ganz besonders die luftigen Gemälde von Hélène Dufau ins Auge, die etliche Bilder für Rostand anfertigte und die überall im Haus zu finden sind.

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Badende von Clémentine-Hélène Dufau

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Cyrano ist übarall im Haus präsent

Aber auch heute wird Kunst in Arnaga groß geschrieben. So hatte man in die Räume eine Sonderausstellung integriert. Daniel Ogier präsentierte Kostüme und Zeichnungen zu Rostands Chantecler, das in Frankreich ähnlich populär zu sein scheint, wie Cyrano.

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Auf der Internetseite des Museums gibt es eine interaktive Tour mit vielen Bildern und Informationen, wahlweise in Französisch, Englisch, Spanisch und natürlich Baskisch.

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Eine traumhafte Terrasse führt in den Garten

Der Garten ist zweigeteilt. Es gibt einen englischen Landschaftsgarten und eine verspielte, buntblühende Prachtanlage, die an Versailles erinnern soll. Neben den Büsten von Cervantes, Shakespeare und Hugo trafen wir hier auch gleich auf die nächste Kunstschau. Im gesamten Park verteilt fanden sich Skulpturen von Iñigo Arregi und Jesús Echevarria, in einem Pavillon zudem Gemälde von Antonio Sistiaga, sowie auch einen seiner Filme in der Garage.

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Von allen dreien hatte ich noch nie gehört und sie begeisterten mich auch nicht so wirklich. Aber die Verbindung mit dem wunderbaren Garten passte perfekt. Immerhin ist Rostand schon fast hundert Jahre tot – mit den aktuellen Kunstwerken jedoch, wird aus dem musealen Areal etwas Lebendiges, etwas Aktives. Diese Verbindung von historischem Erbe und pulsierender Kunstszene hat mich sehr beeindruckt.

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In der alten Garage fanden sich auch Fotos von Rostands Auto und seinem Rad

Museum und Park haben uns sehr beeindruckt. Falls ihr mal in der Gegend seid, von Bayonne aus sind es nur ein paar Minuten mit dem Auto.

Natürlich gibt es nun auch eine Rezension zum Cyrano de Bergerac im Fantasyguide.

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