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Der Balken im eigenen Auge

Nach etwa 30 Seiten gab ich Ende der 90er die Lektüre von Roter Mars auf. Trotz überwältigender Langeweile kaufte ich die beiden Folgebände in der coolen Hardcoverausgabe von Heyne auch noch. Man weiß ja nie …

Es hat nun zwanzig Jahre gedauert, bis ich mich wieder an ein Buch von Kim Stanley Robinson wagte und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Mars-Trilogie weiterhin ungelesen im Regal stehen wird.

Das liegt gar nicht am mal Inhalt von Aurora.

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Aurora von Kim Stanley Robinson

KSR erzählt darin die Geschichte eines Generationsraumschiffs, das nach 160 Jahren den Zielstern erreicht um dort zu erkennen, wie lebensfeindlich die Fremde ist. Für Fremde.

Weite Teile des Anfangs haben mich stark an Andymon von den Steinmüllers erinnert, mein Lieblingsroman aus dem abgeschlossenen Sammelgebiet DDR-SF.

Bestimmte Probleme sind bei solchen Kolonisierungsprojekten einfach zu erwarten. Aber während bei Andymon die Menschen erst entsprechend vor der Ankunft von Inkubatoren geboren werden, leben bei KSR mehrere Generationen während der Reise auf dem Schiff und entwickeln so neue soziale Strukturen und ganze Kulturkreise. Das spielt zwar leider nach der Ankunft kaum noch eine Rolle, aber die Idee ist faszinierend.

Da man in Schiff verschiedene Biotope anlegte, mit denen versucht wurde, fast alle Klimatypen der Erde abzubilden, gibt es doch große Unterschiede zwischen den einzelnen Siedlungen. Die Menschen haben während der Reise an sich wenig mehr zu tun, als das Schiff bei der Wartung zu unterstützen und die maximal mögliche Bevölkerungsanzahl einzuhalten, was zu Problemen führt.

KSR beschäftigt sich intensiv mit diesen Problemen. Kann ein solches Schiff über diese Dauer überhaupt betrieben werden? Kann eine solche Gesellschaft funktionieren? Halten die Gene von Pflanzen, Tieren und Menschen das aus?

Letztlich scheint bei KSR alles im Universum gegen die Menschen zu arbeiten und ihnen zuzurufen: Euer Platz ist zu Hause, nur dort könnt ihr überleben und dort gibt’s es genug Dinge, um die ihr euch mal lieber vorrangig kümmern solltet.

Klingt erstmal alles auch ganz toll und überlegenswert, aber KSR hat mich über weite Strecken des Romans einfach nur gelangweilt mit endlosen Betrachtungen der Schiffs-KI, physikalischen Erklärungen und technischen Details. Hard-SF von seiner besten Seite, wie Fans meinen und von denen gibt es sehr, sehr viele. Vielleicht las ich das Buch auch einfach nur zur falschen Zeit. Oder der Lektüre-Background passte nicht optimal. Oder es war einfach Elfenwerk.

Falls es klappt, werde ich natürlich ins Otherland reisen, wenn KSR dort im März aufschlägt. Gespannt bin ich ja trotzdem auf diesen für mich so ambivalenten Autor. In echt sind sie ja selten langweilig.

In meiner Rezi hab ich versucht, dem Roman gerecht zu werden, ohne meine persönlichen Lektüre-Vorlieben in den Vordergrund zu stellen (so etwas mache ich nur hier im Blog): Aurora von Kim Stanley Robinson

Missdeeding around the Busch

Als ich vom Verleger Hagen Tronje Grützmacher erfuhr, dass er für seinen Verlag Schwarze Ritter eine Zusammenarbeit mit Christian von Aster plane, dachte ich nicht, dass es auch gleichzeitig ein Wiedersehen mit den Zeichnungen von Rudolf Eizenhöfer würde.

Von dem stammen die beiden herzallerliebsten Kinderbilderbücher um den kleinen Ork, seinen Papa und seinem Goblinfreund.

Was kam bei solch grandioser Talentwürfelung heraus? Horrk & Grablakk – Eine Orkgeschichte in sieben Schandtaten.

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Horrk & Grablakk von Christian von Aster, Zeichnungen von Rudolf Eizenhöfer

Zunächst beginnt das Büchlein als deftige Hommage an Max und Moritz von Wilhelm Busch, wandelt sich aber bald in eine aberwitzige Parodie auf Gandalf, Artus und Orkgeschichten an sich.

Christian von Aster reimt gnadenlos und mit selbstbewusstem Metrum, so dass es eine chaotische Freude ist, ihm hinterherzuhopsen.
Das Buch ist klein, aber gemein und dreckig, besonders durch die skizzenhaft gehaltenen Zeichnungen. Es gibt auch in ihnen viele Busch-Zitate und kleine Gags am Rande.

Mir war es eine große Freude, Horrk und Grablakk auf ihrem Weg zu begleiten und tatsächlich macht das Ende Appetit auf mehr.

Mehr über Horrk & Grablakk von Christian von Aster in meiner Rezi im Fantasyguide.

PS: Gerüchte berichten, dass der kleine Ork bald auf Elfenwerk trifft!

Zwischen Kunst und Künstlichkeit

Über Klaus Nomi wurde ich auf Antony and The Johnsons aufmerksam. I’m a Bird now gehört zu meinen großen Lieblingsalben für bestimmte Stunden.

Keine Frage, dass ich mir auch das jüngste Werk, der sich inzwischen Anohni nennenden Künstlerin zulegte. Es ist elektronischer und auf den Text fokussierter. Gespannt war ich auf das Konzert gestern im Tempodrom.

Das Tempodrom ist eine fürchterliche Konzerthalle, eigentlich vermeide ich es, dorthin zu gehen. Die meisten Sitzplätzen verlangen einen verdrehten Körper, um auf der Bühne etwas zu sehen, die Getränke sind überteuert, aber zumindest sind die Toiletten okay, die man mangels Getränke aber nicht braucht.

Gut, dafür kann Anohni nix.

Das Konzert begann zwar nicht pünktlich aber ohne Vorband. Dafür mit Naomi Campbell.

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Naomi im Bunker

Sie spielte ja schon im Video zu Drone Bomb Me mit und offensichtlich von diesem Dreh durften wir uns zunächst über fünfzehn Minuten eine Schwarzweiß-Performance ansehen.

Eine Viertelstunde zu anschwellenden und abschwellenden Geräuschen wand sich die gute Frau, mal erfreut, mal etwas ernster blickend und zunehmend wurde es unruhig im Saal.

Dann blendete das Bild über in ein auf Zombie geschminktes Gesicht und Hopelessness begann.

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Hopelessness von und mit Anohni

Links und rechts einer Rampe ackerten sich zwei Männer an Laptops ab, während in der Mitte eine Burka-Getarnte Person ein Mikrofon herumtrug. Vielleicht war es Anohni, vielleicht auch ein Double, sicher konnte man sich nicht sein. Mit zunehmender Länge des Abends, was nicht so lang war, nahmen meine Zweifel zu, es mit einem Live-Konzert zu tun zu haben. Definitiv kamen diverse Stimmen vom Band, die Musik sowieso. Zwar sah man, dass sich die Gaze der schwarzen Gesichtsmaske bewegte und auch, dass dahinter jemand inbrünstig sang, aber sicher bin ich mir nicht.

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Hinter der Burka

Wenn Anohni tatsächlich solange fast unterbrechungsfrei glasklar durchsingen kann, gebührt ihr großer Respekt. Aber es gab keine persönlichen Worte, keine Begrüßung, keine Vorstellung der beiden Laptopper, überhaupt nichts weiter, nicht einmal eine Zugabe.

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Die Sängerin und ihre Augen

Dafür konnte man auf der Leinwand diverse Frauengesichter dabei beobachten, wie sie mit ganz unterschiedlichen Gefühlsausdrücken zu den Lyrics der Songs ihre Lippen bewegten. Es gab sogar Tränen, während davor die Burka sehr theatralisch performte.

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Performance, Art und Sound

Ganz zum Schluss redete uns eine alte, bronzefarbene Frau, wahrscheinlich eine Aborigine, riesengroß von der Leinwand herab ins Gewissen.

Was zum Album natürlich wunderbar passte. Aber auch extrem transzendent ist.

War das Kunst oder ein schlechtes Konzert, vielleicht sogar Betrug? Keine Ahnung. Auf jeden Fall werde ich für den Preis kein zweites Konzert von Anhoni besuchen.

Falt dich raus!

Ich hatte ja schon versprochen, etwas ausführlicher über die wunderbare Lesung von Karla Schmidt und Niklas Peinecke im Otherland zu berichten.

Als Niklas vor zwei Jahren mit seinem ersten D9E-Band in Berlin weilte, konnte ich leider nicht, drum freute ich mich schon riesig auf die Lesung.

Karla hatte ich bereits im Publikum einer Lesung im Brechthaus kennengelernt und als Bruder von Otherlander Jakob Schmidt sah ich sie dann immer mal wieder, aber bis zur Lektüre von Ein neuer Himmel für Kana kannte ich nur ihre SF-Kurzgeschichten.

René und ich waren wie immer zu früh, so hieß es kurz im warmen Kreuzberger Maisonnenschein warten.

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Der Lässige: René

Als wir hinein durften, folgten wir quasi Karla auf dem Fuß und erlebten stürmische Nichtenumarmungen mit, als Karlas Töchter ihren Onkel begrüßten. Die nächste Generation liest Kai Meyer und verfügt bereits über große Lektoratsmacht, wie Karla später preisgab.

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Der großartige Onkel: Jakob Schmidt

Zunächst aber musste ich Bücher kaufen, ich war ja im Otherland! Zur Vorbereitung auf die nächste Lesung erwarb ich von Horst Evers Alles außer irdisch und wie schon befürchtet, lag die neue Nova noch nicht vor. Aber auf das Magazin kann ich auch noch länger warten, ist ja nicht so, dass es mir an Lektüre mangelt.

Fabian verpflichtete derweil Karla und Niklas für das geplante Otherland-Video-Portal. Durch Fotoknipserei abgelenkt, bekam ich die Titel nicht mit, aber bestimmt waren es Baxter, McDonald oder Ericson, was gutes halt.

Vor der Lesung konnten wir noch kurz quatschen und Niklas erwies sich als Netter.

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Der Nette: Niklas Peinecke

Vielleicht aber auch nur, weil er Kopfschmerzen hatte und Mittelchen nehmen musste.

Nein. Der Mann ist wirklich so und sieht zudem 15 Jahre jünger aus. Erstaunlich, wie das Leben in der Provinz verjüngt. Aber gegen Karla kann er natürlich nur verlieren. Deshalb war sein Band # 10 auch erst Wochen nach Karlas # 11 fertig. Perfekte Übergänge bekommt man so natürlich viel besser hin. Karla benötigte aber auch nur drei Wochen für die Rohfassung. Es gibt eben auch disziplinierte Musterexemplare unter den Schreibenden.

 

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Die Perfekte: Karla Schmidt (dahinter übrigens Future Fooder Yip)

Bis dato kannte ich aber auch nur Karlas Roman, vor Niklas Beitrag hatte ich große Scheu, weil ich mit seinen ersten beiden D9E-Beiträgen unzufrieden war. Inzwischen hab ich das aber nachgeholt und Die Sonne der Seelen führt nicht nur diverse Handlungsbögen zu Ende, das Buch löst auch einige Versprechen ein. Der Niklas kann das also auch. 😀

Jedenfalls konnte beide in ihren Lesungen einen Eindruck ihrer Romane vermitteln und in der anschließenden Fragerunde wurden ne Menge(r) Räume gefaltet, Elfchen gebraten und Vielfache von Neun verworfen. Etwas ausführlicher hab ich das in meinem Bericht für den Fantasyguide wiedergegeben.

Anschließend gings noch in die bekannte Kneipe um die Ecke, deren Namen ich immer vergesse und weil’s Freitagabend war, drängte auch der Heimweg nicht so.

Jedoch hatten BVG und Bahn andere Pläne mit unserer Fahrt in die Peripherie, denn als wir auf dem Ringbahnsteig in Neukölln standen, fuhr gar keine Ringbahn. Die konfuse Ausschilderung des Ersatzverkehrs trieb uns in die Arme eines Taxi-Unternehmens. Fahren wir bis Adlershof und nehmen den Bus, planten wir froh. Naja, vielen Dank an meine Liebste, die uns dann da aufgabelte. So schee wirds nur mit BVG.

Aber was tut man nicht alles für einen phantastischen Abend mit Kultur und netten Leuten!

Elfchenbraten à la Drossel

So ein bisschen hatte ich ja die Neunte Expansion schon abgeschrieben. Mit einer Abo-Kündigung wollte ich jedoch noch warten, denn für den elften Band der Reihe war ein Roman von Karla Schmidt angekündigt.

Und weil nun auch noch eine Lesung im Otherland vor der Tür stand, griff ich mir Ein neuer Himmel für Kana jetzt endlich und wagte es erneut, mich mit den verelften Hondh zu befassen.

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Ein neuer Himmel für Kana von Karla Schmidt, Cover von Ernst Wurdack

 

Karla scheint auch gar keine neue Minireihe innerhalb der Serie starten zu wollen – zumindest wirkt der Roman auf mich abgeschlossen – und wie schon bei Nadine Boos Beitrag Der Schwarm der Trilobiten, funktioniert das für mich besser.

Auch bei Karla übrigens gibt es eine sehr exotische Alienrasse, deren Besonderheit (nicht die einzige!) eine spezielle Art des Sehens ist. Sie können nämlich nicht nur Licht empfangen, sondern auch senden. Das hat Karla ziemlich cool auf die gesamte Kultur ausgerollt und mit vielen Farbtupfern auf die Hintergrundwand gezaubert. Es gibt keine billige Action, vielmehr körperwarme Figuren, deren Schicksale man gern verfolgt.

Der Roman ist ein wenig das retardierende Moment in der Serie. Kurz denkt man sich, hier könnte endlich eine Waffe gegen die Hondh geschmiedet werden und dann …

Tja, das sollte man selbst lesen.

Es gibt natürlich auch noch einen trifftigeren Grund. Auf Kana liebt man Elfchenfleisch. Wenn das mal nicht herzallerliebst ist! Ich jedenfalls finde das großartig und freue mich jetzt noch mehr auf die morgige Lesung, bei der neben Karla auch Niklas Peinecke seine D9E-Welt vorstellen wird. Ich finde seine Kurzgeschichten zwar besser, aber ihn mal in natura kennenlernen wollte ich schon immer.

Wer also morgen Abend noch schnell mal in Kreuzberg Kultur kosten möchte, sollte ins Otherland kommen. Der Rest kann ja mal meine Rezi anklickern: Ein neuer Himmel für Kana von Karla Schmidt

Elfen helfen Türen öffnen

Hin und wieder trudeln bei mir ungefragt Rezensionsexemplare ein, die nicht leichtfertig ins Regal stelle. Ein wichtiges Kriterium ist für mich das bibliophile Sabbern, das ein schönes Buch auszulösen vermag, selbst wenn das Buch einen Titel ertragen muss wie Das Leben der Elfen.

Aber irgendwie sah das Buch toll aus und der Klappentext, den man bei dtv auch ernst nehmen darf, klang gar nicht einmal verkehrt.

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Das Leben der Elfen von Muriel Barbery

Und zunächst geriet ich auch in Verzückung. Muriel Barbery pflegt einen wunderschönen lyrischen Stil und einem quicklebendigen Mädchen durch eine blühende französische Landschaft zu rennen, auf ausladenden Eichen zu klettern, in Bächen zu planschen und geheimnisvollen magischen Wesen in den Wald zu folgen, gehört definitiv zu den verführerischsten Bücherstoffen.
Muriel Barbery erzählt parallel die Geschichten zweier Mädchen, die als Waisen in bäuerlicher Umgebung aufwachsen und jede für sich eine besondere Begabung besitzen.
Doch wie der Titel des Romans verrät, sind ihre Schicksale mit dem Leben der Elfen verknüpft und bei denen sieht es fürchterlich nach Krieg aus, der auch in die Welt der Menschen eindringt.
Während Muriel Barbery die Biografien der Mädchen und der Leute in den Dörfern samt einfacher Lebensweise farbenprächtig schildert, gelingt es ihr nicht, den Elfen eine ähnliche Tiefe und Bedeutung zu verleihen. Der ganze Konflikt besitzt keine nachvollziehbare Erklärung und damit stellte sich bei mir auch nie ein Verständnis für das Handeln der Figuren ein.
Hinzu kamen im Verlaufe der Handlung zu viele erstaunliche Öffnungen innerer Türen, Steigerungen der Sinne und magische Erfahrungen.
Zwar ist die Finale Schlacht ziemlich abgefahren, aber irgendwie auch wieder nur Selbstzweck und ihre Hintergründe nicht wirklich griffig.

Schade, das sprachliche Potential ist riesig aber es fehlte offenbar eine in sich schlüssige Geschichte, die all das Wunderbare miteinander verbindet, das die Autorin vor ihrem inneren Auge sah. Bestimmt versperrte ihr ein Elf die Sicht.
Die Rezi gibt’s wie gewohnt im Fantasyguide: Das Leben der Elfen von Muriel Barbery

Nachtrag: Ein sehr schöne Rezension gibts brandaktuell drüben bei den Leselebenszeichen, mit ähnlichem Tenor: Das Leben der Elfen

Hinfort, tumbes Schlachtgetümmel!

Einmal im Monat findet in meiner Lieblingsbuchhandlung Otherland das Lesetreffen Gatherland statt.

Trotz Kälte und Dschungelcamp überwand ich meine innere Trägheit und eilte gestern auf U-Bahngleisen nach Kreuzberg.

Zum Glück erinnerte ich mich rechtzeitig daran, dass mich Christian Kathan gebeten hatte, ihm Bescheid zu sagen, ginge ich mal wieder ins Otherland, man könne vorab etwas beim Österreicher quatschen.
Denn bei unserem Treffen Anfang Januar im Café Chagall saß er zu weit weg, um sinnvoll Sätze zu tauschen.
So kam es also im Felix Austria zu erquickenden Gesprächen über Superheldencomics, deren Verfilmungen und dem miesen Zustand der SF in deutschen Landen.

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Christian Kathan etwas später im Otherland

Während ich mir einen unfassbar vorzüglichen Hirschrücken mit Rosenkohl und Serviettenknödeln auf der Zunge zergehen ließ (ich fange gleich wieder an vor Wonne zu jauchzen), mussten wir auf Christians Obstknödel etwas warten, sodass wir leider nicht ganz pünktlich ins Otherland huschten – vom glücklichen Österreich zum unheilgebärenden Österreicher sind es nur wenige Schritte.

Denn im Otherland gab Daniel Westheide bereits eine Inhaltszusammenfassung von Norman Spinrads utopischer SF-Satire Der Stählerne Traum vor aufmerksam lauschendem Publikum zum Besten.

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Daniel Westheide

Wer das Skandalbuch nicht kennt: In einem Paralleluniversum ist Hitler SF-Autor und eines seiner Machwerke bildet den Haupteil des Buches. Abgerundet wird das Ganze durch eine fiktive Literaturkritik, die Werk und Autor in den Kontext der 50er Jahre (der Parallelwelt) einordnet.

Spinrads Werk erschien 1972, in deutscher Übersetzung allerdings erst 1981 und wurde bereits ein Jahr später indiziert. Der BGH kippte das Urteil 1987. Die Indizierung machte Spinrad und sein Werk in Deutschland überhaupt erst populär.
Daniel erzählte einiges zur Rezeption und bot eine Menge Zitate und Analysen auf, um die anschließende Diskussion zu unterfüttern.
Spinrad schrieb Iron Dream wohl hauptsächlich als Kritik an der damaligen SF, die mit ihren militärischen Themen und Heldengeschichten in eine Richtung gingen, die für ihn unerträglich war.

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Die aktuelle Ausge und darüber ein Alien Contact Sammelband von Hardy Kettlitz mit Interview und Essay von Norman Spinrad

Als LeserIn sollte man erkennen, dass sich Hitlers SF-Roman in nichts von Mainstream-SF unterscheidet und es gefährlich einfach ist, mit einem faschistoiden Helden mitzufiebern.
Wir kamen in der Diskussion auch auf vergleichbare aktuelle Tendenzen zu sprechen. Gerade in der Fantasy ist das blutige Schlachtengetümmel ein beliebter Standard und führt direkt zu einer Romantisierung von Krieg und Gewalt.
Das rennt bei mir ja offene Türen ein. Military SF und ultrabrutale Fantasy dominieren scheinbar das Genre und bieten kaum Luft für Romane, die sich mit echten Problemen und brennenden Themen beschäftigen. Lieber noch eine Space Opera mit 0815-Plot für den Markt.
Wolfgang Treß fragte als Buchhändler dann auch, ob die Käuferschaft das liest was die Verlage drucken oder ob die Verlage das schreiben lassen, was die Leserschaft haben will.

Mich jedenfalls fragt kein Verlag. Elfenwerk!

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