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Wir haben Hunger, Hunger, Hunger!

Eine Woche ist es nun schon wieder her, da weilte Tad Williams im Festsaal Kreuzberg und stellte nach Jahren der Abstinenz einen neuen Osten-Ard-Roman vor.

Festsaal

Heimeilig ist das Tor zur Festsaalwelt

Beim letzten Mal hab ich ihn verpasst, besser mein innerer Schweinehund, deshalb kaufte ich mir gleich nach Bekanntgabe der Lesetour-Daten ein Ticket.
Der Festsaal ist zwar nicht groß, dennoch konnten die Veranstalter nur etwa 40 Fans motivieren, was schon schade ist, jedoch waren sowohl Moderator Bernhard Robben, der deutsche Vorleser Detlef Bierstedt und Tad Williams selbst professionell genug, einen bezaubernden Abend hinzulegen.

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Detlef Bierstedt, Tad Williams und Bernhard Robben

Tad Williams selbst konnte nicht lesen, da er nicht nur sein Exemplar von The Witchwood Crown im Hotel vergaß, sondern gleich auch noch die Lesebrille. Auf deutsch heißt das Buch übrigens Die Hexenholzkrone.

So gab es zwei Lesungsblöcke von Detlef Bierstedt, der mit seiner markanten Stimme und der ganzen Kraft seiner Schauspielkunst keine Probleme hatte, das Publikum zurück nach Osten Ard zu locken.

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Detlef Bierstedt

Zumindest jene, die schon mal da waren. Bisher konnte ich mich noch nicht entschließen, diese Fantasyreihe zu goutieren. Mein Fantum gründet auf die Otherland-Reihe, deren ersten drei Bände ich einst verschlungen habe (Band 4 war damals noch nicht erschienen). Trotz der ca. 3000 Seiten gehört Otherland mit vielen prägnanten Erinnerungen immer noch zu meinen Lieblings-SF-Werken.
Allerdings scheue ich vor einem Reread zurück, es sind schon vier dicke Brocken. Aber immerhin ist Band 1 jetzt signiert! Da ich direkt von Arbeit kam, mussten die anderen Bände zu Hause bleiben.

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Tad signiert Otherland!

In der Fragerunde überzeugte Bernhard Robben durch eine gesunde Mischung aus Begeisterung und Wissensdurst. Er übersetzte ziemlich locker und fasste selbst längere Blöcke passend zusammen.

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Bernhard Robben

Die vorgetragenen Textteile erregten mich jetzt nicht so, jedoch die Vorstellung von hungergeplagten Leichenriesen hatte schon etwas. Aber falls ich mal die eisige Luft von Osten Ard schnuppern möchte, werde ich mit dem Drachenbeinthron beginnen, den ich leider bei einer oberflächlichen Suche am Vorabend nicht finden konnte. Elfenwerk!

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Tad Williams während der Fragerunde

Die Frau von Tad Williams war auch anwesend und beobachtete den Abend hinter ihrem Laptop um zu bloggen. Vermutlich stammen einige der Tweets und Retweets sogar von ihr, denn dort wird die Lesetour wirklich mustergültig begleitet und jede Meldung in den sozialen Netzwerken geteilt.
Seiner Frau kam auch eine große Rolle dabei zu, ihn wieder nach Osten Ard zu schicken, da sie ihn immer wieder frug, ob er denn nicht und so. Eines Nachts lag er dann im Bett und überlegte Gründe, warum nicht, als ihm eine Fortsetzung einfiel. So läuft das manchmal.

Das spielt nun also 30 Jahre später. Tad fand es ganz spannend, sich zu überlegen, was über einen so langen Zeitpunkt in der Welt von Osten Ard alles geschah und was aus den Figuren wurde. Als Anhaltspunkt nahm er sein eigenes Leben. Erfolg, zwei Frauen, Umzüge – da kommt etwas zusammen.

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Ein sehr famoser Kerl: Tad Williams

Ich gestehe, dass Tad genauso sprach, lachte und augfunkelte, wie ich es mir vorgestellt habe. Vermutlich hab ich mal irgendwo schon mal eine Aufzeichnung gesehen oder sein Wesen beherrschte den Text. Obwohl – bei einer Übersetzung wird das schon schwierig. Wie auch immer, es war ein toller Abend. Ich habe Tad Williams live erlebt, konnte der Stimme von William T. Riker lauschen und selbst die Öffis hatten mal keinerlei Probleme.

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Und alles gar nicht wahr!

Eigentlich bin ich ja auch ein Cloudverächter. Meine heiligen Daten einem Operator from Hell anzuvertrauen – dafür hab ich wohl schon einfach zu lange selbst Anwenderdaten verwaltet.

Und nun das.

Da beginne ich die Rezi zu Uwe Posts zweitem Walpar-Roman zu schreiben und will nur schnell die ID der Rezi des ersten Romans raussuchen – kein Treffer.

Panik.

Ich habs doch aber gelesen! Gut. Weil ich mich an nichts mehr erinnern konnte, hab ichs ja extra grad vor dem zweiten Band erneut gelesen. Aber da muss doch damals eine Rezi geflossen sein …

Nein. Nicht auf der Festplatte, nicht im Netz. Als ob das ganze Gelese überhaupt nicht existiert hätte! Alles gar nicht mehr wahr! /dev/null …

Doch puh, ich fand etwas. Damals nahm ich am Lesezirkel im SFN teil. Grad noch so dem Nichts enronnen …

Doch warum um alles in der Welt schrieb ich damals keine Rezi? Ich starre auf das Avatar-Bild in dem sieben Jahre alten Thread und erwarte irgendwie, dass es mir aus der Vergangenheit etwas zuflüstert. Irgendein Fluch lastet wohl auf diesem Buch. Keine Erinnerung, keine Rezi …

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Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes von Uwe Post, Cover: Si-yü Steuber

Aber damit ist nun Schluss. Flux schrieb ich die fehlende Rezi zu Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes.

Jedoch ging es mir ja eigentlich um den zweiten Band, Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili.

Uwe Post ist bekannt für knackige SF-Kurzgeschichten in denen meist skurrile Figuren in wildgewordenen Realitäten seltsame Dinge erleben. Die Walpar-Romane sind etwas längere Formen davon. Walpar Tonnraffir ist ein Weltraumdetektiv, der diesmal durch Zufall über einen Außerirdischen stolpert. Der ist gerade auf der Flucht: Die ominösen Veranstalter haben ihn auserkoren, als Gewürz der Ursuppe eines Planeten zu dienen und obwohl er als Beamter begierig dafür sorgt, dass auf seinem Freudenmond alle Regeln eingehalten werden, zieht er das regelwidrige Überleben der Zerhäkselung vor. Hier nun kommt Walpar als Retter ins Spiel und damit erhält das Universum wieder einmal Gelegenheit, alles rasant durcheinander zu schütteln.

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Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili von Uwe Post, Cover: Si-yü Steuber

Das ist besonders ungesund für Banker auf Betriebsausflug oder Dealer in dunklen Gassen, aber zumindest haben Nera, Kerbil und ein bisschen auch Henriette, wieder ihren Spaß dabei. Und darum geht’s ja in erster Linie bei Uwe Post satirischem Tanz mit SF-Themen und Alltagsproblemen.

Uwe Post – das kleine bisschen Grauen vor der Zukunft für zwischendurch, präsentiert von ZischZitro.

Und damit mir das nicht wieder ein Elf aus dem Hirn brutzelt, meine Rezi in voller Hyperraumbreite wie (fast) immer im Fantasyguide: Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili von Uwe Post

Lollis gab es keine

Vielleicht habt ihr schon das eine oder andere vom diesjährigen Lollapalooza in Hoppegarten gehört. Ein Musikfestival auf der Rennbahn nahe Berlin. Da das quasi bei uns um die Ecke ist, besorgten wir uns früh Karten.

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Das Lollapalooza in Hoppegarten

Die Veranstalter hatten dann irgendwann die Bomben-Idee, dass man die Karten nachträglich personalisieren müsse. Die entsprechende Mail hab ich natürlich zunächst ignoriert, hatte ich doch drei Karten ausgedruckt und fertig. So wie immer.

Pustekuchen.

Jedes Ticket musste einen Namen haben. Aber nicht nur das. Für jede Karte brauchte man auch einen eigenen Account und obendrein eine eigene Mail-Addy. Keine Ahnung, wie das bei anderen Familien ist, bei uns bin ich dafür zuständig und so durfte ich den Quatsch natürlich dreimal machen. Samt Fakeaddys um die Mails an mich weiterzuleiten. Ob das jetzt Terroristen abschreckt? Mich auf jeden Fall.

Nunja. Der Busshuttle zum Eingang klappte tadellos. Am Eingang bekam man sein Bändchen mit Überwachungschip, den man zum kostenlosen Bezahlen nutzen sollte. Dafür musste man Geld auf den Chip laden. Klappte vormittags problemlos, nachmittags fiel ein Großteil der Kassen aus. Epic Fail. Noch dämlicher ist es, dass man denen zwar Bargeld geben kann, sie aber Restguthaben nicht auszahlen.

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Elfenwerk

Service sieht anders aus. Die schmalbrüstigen Begründungen, warum bargeldlos so toll sei, glauben eh nur Manager die sich solche Systeme aufquatschen lassen. Lange Schlangen an Essensbuden und Getränkeständen gab es trotzdem, denn selten ist das Bezahlen der zeitaufwändige Part. Aber egal.

Es war ja trotzdem ein tolles Event. Das Festivalgelände bestand nicht nur aus kunterbunten Bühnen, es gab ein Riesenrad, Bespaßungsareale für Groß und Klein und Nahrungsmittel von gesundheitsschädlich bis ökovegan.

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Das Lolla-Gelände am sonnigen Sonntag

Der Samstag stand für uns ganz im Zeichen von EDMElectronic Dance Music. Von dieser Abkürzung hatte ich bis dato noch nichts gehört, aber Nachwuchs wollte sich das unbedingt geben. Unser erster Act war Filous, ein DJ, dem man seine zwanzig Lenze nicht ansieht und der sehr schüchtern wirkte, aber trotz Nieselregens die bereits sehr zahlreiche Menge in Tanzlaune versetzte.

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Filous

Die von ihm verarbeiteten Songs kannte ich nicht. Was vor allem daran liegt, dass sie für mich ähnlich ununterscheidbar sind wie die aktuellen Automodelle. Das ändert auch kein neuer Beat. Zwischendurch kam klei auf die Bühne und sang ein paar Songs, sehr enthusiastisch und hipp.

klei

klei

Überhaupt fiel mir auf, wie ausgelassen gerade auch die Mädchen abhotten und das mit Tanzbewegungen, die ich früher verwendete, um öde Songs zu veralbern. Es war nicht der letzte Moment des Tages, an dem ich mich vom Musikgeschmack abgehängt fühlte.

Sicherheitshalber hatte ich auf meinen neuen Fotoapparat verzichtet und die alte Kamera eingesteckt, da die auch in die Hosentasche passt. Lustigerweise konnte ich jetzt durch das Wissen über die Neue wesentlich mehr aus ihr herauskitzeln. Nur im Dunkeln zeigten sich ihre Beschränkungen und so gibt es hier nicht von allen Acts Bilderchen.

Aber weiter gings mit Drunken Masters, die noch mehr aufs Gaspedal traten und sogar ein/zwei Songs verwurstelten, die ich kannte.

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Drunken Masters

Dann aber verließen wir den hippen Teil mir unbekannter DJs und eilten zu Wanda.

Wanda

Wanda

Die Österreicher hatten keine Probleme, die Massen zum Toben und Mitsingen zu bewegen, exklusive Nachwuchs natürlich, der sich im falschen Film fühlte.

Weiter zu George Ezra.

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George Ezra

Immer noch mit jugendlichem Charme und Schüchternheit moderierte er jeden Song an und schloss erwartungsgemäß mit »Budapest«, was so ziemlich jeden in beschwingte Stimmung versetzte.

Der Tross zog zu den Beatsteaks weiter. Geile Band, viele geile Songs, Wahnsinns live Stimmung. Berliner eben.

Beatsteaks

Beatsteaks

Musikalisch aber auf dem Rückzug, wenn man mal so vergleicht zwischen ihren Alben von vor zehn Jahren und dem aktuellen Brocken.

Wir verließen die Hauptbühne etwas früher Richtung EDM, da Nachwuchs Yellow Claw sehen wollte.

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Yellow Claw

Für uns eine Stunde Folter. Ein paar Beats mehr und es wäre Techno gewesen, den ich schon in den 90ern hasste. Konsequenterweise ließen wir Nachwuchs dann dort, um sich Galantis alleine anzuhören, denn wir erhofften uns Erholung bei Mumford & Sons.

Galantis

Galantis

Dabei kamen wir natürlich noch in den Genuss einiger Materia-Songs, wie »Lila Wolken« und »Kids«, sowie eines Auftritts als Marsimoto. Marteria war so in Feierlaune, dass er mit seinen Fans vor der Bühne noch tanzte, als der Ton schon längst auf Bühne 1 lag und sich Mumford & Sons in harmonischen Gesängen wälzten. Das ist Gute-Laune-Mucke und versöhnte uns mit dem EDM-lastigen Tag. Da wir schon etliche Stunden in den Knochen hatten, blieben wir nicht bis zum Schluss, holten den Nachwuchs aus seiner Buller-Ecke ab und ließen uns nach Hause shutteln. Offensichtlich rechtzeitig genug, um dem Heimreise-Chaos zu entgehen, von dem wir erst am nächsten Morgen hörten.

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Die Sonne kam zum Untergehen

So aber waren wir noch rechtzeitig zu Hause, sodass wir die Last Night of the Proms noch sehen konnten. Ich mag dieses Event vor allem wegen der ausgelassenen Stimmung und wie die Britten hier nicht nur ihre Musiktradition feiern, sondern auch sich selbst. Es ist einfach tieftraurig, dass sie die EU verlassen.

Aber zurück zum Lolla. Nachwuchs wollte am zweiten Festivaltag nicht wieder mit, was uns das Musikprogramm etwas einfacher gestalten ließ.
Die Sonne begrüßte uns auf dem Feld und mit Bonaparte fing ein echter Festivaltag an.

Bonaparte

Bonaparte

Coole Mucke, witziges Tanztheater und schrille Kostüme – Bonapartes Auftritte sind einfach irre. Wir legten uns auf die Wiese und genossen das herrliche Wetter und die nackten Leiber auf den Leinwänden.

Anschließend schauten wir kurz zu Django Django, die uns aber weder bekannt waren, noch begeisterten, also folgen wir der Empfehlung des Nachwuchses, Alma eine Chance zu geben.

Alma

Alma

Die junge Dame performte mit ihrer Schwester, wobei es auch Schwester im Geiste gewesen sein kann, so genau habe ich es nicht verstanden. Sehr quirlig und kraftvoll, mich hat es vor allem auch interessiert, weil mir der Chorus von »Bonfire« im Ohr hängen geblieben war. Würde mir jetzt kein Album kaufen, aber unterhaltsam war es auf jeden Fall.

In Vorbereitung auf unser Highlight zogen wir vor die Hauptbühne. Dort sang Anne-Marie.

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Anne-Marie

Die junge Frau sah aus wie Madonna zu »Like a Virgin«-Zeiten, also wirklich süß, klang aber wie Miley Cyrus, gähn.

Während sich dann auf Bühne 2 Rudimental verausgabte, platzierten wir uns schön dicht vor der Hauptbühne und warteten auf AnnenMayKantereit. Und die waren großartig.

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AnnenMayKantereit

Völlig überwältigt von der Masse mitsingbereiter Fans, gaben sie alles. Henning May hüpfte immer wieder euphorisch herum, setzte ein spitzbübisches Lächeln auf und sah einfach megasympathisch aus.

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Für »Barfuß am Klavier« zog Henning auch die Socken aus

Unterstützung mit der Trompete erhielten sie erst von Ferdinand »Ferdi« Schwarz und später mit der Posaune von Julia Gruber, alles alte Bekannte der Band aus früheren Tagen.

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Ferdi und Julia Gruber

Das letzte Lied bestritten sie mit der Höchsten Eisenbahn: Zehntausende sangen mit ihnen »Du hast den Farbfilm vergessen«. Henning konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, als er sang »ich im Bikini«.

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Volle Bühne

Das war stimmungsmäßig definitiv der Höhepunkt für uns.

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Henning und Francesco Wilking

 

Da ich mir lieber London Grammar als Cro anhören wollte, eilten wir wieder zur alternativen Bühne.

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London Grammar

Die Sängerin Hannah Reid singt wie ein Engel und gibt sich auf der Bühne auch so. Keine Ahnung warum ich noch keine Platte von ihnen im Schrank habe. Extrem himmlisch. Allerdings verführte sie die Ohren meiner Liebsten nicht im selben Maße, sodass wir bald wieder zurück wanderten, um für die Foo Fighters ein hübsches Plätzchen zu suchen. Dabei sahen wir noch etwas von Cro.

Cro

Cro schwebte rechts etwas erhöht.

Ich find ihn eher langweilig, aber er tut auch keinem weh.

Dann krachte es, die Welt erbebte und ein Sturm beförderte den Brandenburger Sand ins Universum: Foo Fighters. Meine Liebste konnte ein brauchbares Handyfoto knipsen:

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Die Foo Fighters bliesen alles weg

Sie hatten viel vor und wollten jeden Shit von all ihren shitty Scheiben spielen und wahrscheinlich waren 80 % der Festivalbesucher nur wegen ihnen da, zumindest herrschten ihre Fan-Shirts deutlich vor. Kopfzertrümmernder Rock ist ein perfektes Festivalende.

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Uns hat‘s gefallen. Nächstes Jahr findet das Lollapalooza im tiefsten Westberlin statt und wahrscheinlich werden wir trotzdem hinreisen. Ich hoffe bloß, dass die Veranstalter das dämliche Ticketsystem ändern und wieder Bargeld zulassen. Man braucht nicht jeden neuen Rotz, wenn das Alte fehlerfrei funktioniert – denn im Mittelpunkt steht die Musik!
Lolla!

Der Balken im eigenen Auge

Nach etwa 30 Seiten gab ich Ende der 90er die Lektüre von Roter Mars auf. Trotz überwältigender Langeweile kaufte ich die beiden Folgebände in der coolen Hardcoverausgabe von Heyne auch noch. Man weiß ja nie …

Es hat nun zwanzig Jahre gedauert, bis ich mich wieder an ein Buch von Kim Stanley Robinson wagte und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Mars-Trilogie weiterhin ungelesen im Regal stehen wird.

Das liegt gar nicht am mal Inhalt von Aurora.

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Aurora von Kim Stanley Robinson

KSR erzählt darin die Geschichte eines Generationsraumschiffs, das nach 160 Jahren den Zielstern erreicht um dort zu erkennen, wie lebensfeindlich die Fremde ist. Für Fremde.

Weite Teile des Anfangs haben mich stark an Andymon von den Steinmüllers erinnert, mein Lieblingsroman aus dem abgeschlossenen Sammelgebiet DDR-SF.

Bestimmte Probleme sind bei solchen Kolonisierungsprojekten einfach zu erwarten. Aber während bei Andymon die Menschen erst entsprechend vor der Ankunft von Inkubatoren geboren werden, leben bei KSR mehrere Generationen während der Reise auf dem Schiff und entwickeln so neue soziale Strukturen und ganze Kulturkreise. Das spielt zwar leider nach der Ankunft kaum noch eine Rolle, aber die Idee ist faszinierend.

Da man in Schiff verschiedene Biotope anlegte, mit denen versucht wurde, fast alle Klimatypen der Erde abzubilden, gibt es doch große Unterschiede zwischen den einzelnen Siedlungen. Die Menschen haben während der Reise an sich wenig mehr zu tun, als das Schiff bei der Wartung zu unterstützen und die maximal mögliche Bevölkerungsanzahl einzuhalten, was zu Problemen führt.

KSR beschäftigt sich intensiv mit diesen Problemen. Kann ein solches Schiff über diese Dauer überhaupt betrieben werden? Kann eine solche Gesellschaft funktionieren? Halten die Gene von Pflanzen, Tieren und Menschen das aus?

Letztlich scheint bei KSR alles im Universum gegen die Menschen zu arbeiten und ihnen zuzurufen: Euer Platz ist zu Hause, nur dort könnt ihr überleben und dort gibt’s es genug Dinge, um die ihr euch mal lieber vorrangig kümmern solltet.

Klingt erstmal alles auch ganz toll und überlegenswert, aber KSR hat mich über weite Strecken des Romans einfach nur gelangweilt mit endlosen Betrachtungen der Schiffs-KI, physikalischen Erklärungen und technischen Details. Hard-SF von seiner besten Seite, wie Fans meinen und von denen gibt es sehr, sehr viele. Vielleicht las ich das Buch auch einfach nur zur falschen Zeit. Oder der Lektüre-Background passte nicht optimal. Oder es war einfach Elfenwerk.

Falls es klappt, werde ich natürlich ins Otherland reisen, wenn KSR dort im März aufschlägt. Gespannt bin ich ja trotzdem auf diesen für mich so ambivalenten Autor. In echt sind sie ja selten langweilig.

In meiner Rezi hab ich versucht, dem Roman gerecht zu werden, ohne meine persönlichen Lektüre-Vorlieben in den Vordergrund zu stellen (so etwas mache ich nur hier im Blog): Aurora von Kim Stanley Robinson

Missdeeding around the Busch

Als ich vom Verleger Hagen Tronje Grützmacher erfuhr, dass er für seinen Verlag Schwarze Ritter eine Zusammenarbeit mit Christian von Aster plane, dachte ich nicht, dass es auch gleichzeitig ein Wiedersehen mit den Zeichnungen von Rudolf Eizenhöfer würde.

Von dem stammen die beiden herzallerliebsten Kinderbilderbücher um den kleinen Ork, seinen Papa und seinem Goblinfreund.

Was kam bei solch grandioser Talentwürfelung heraus? Horrk & Grablakk – Eine Orkgeschichte in sieben Schandtaten.

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Horrk & Grablakk von Christian von Aster, Zeichnungen von Rudolf Eizenhöfer

Zunächst beginnt das Büchlein als deftige Hommage an Max und Moritz von Wilhelm Busch, wandelt sich aber bald in eine aberwitzige Parodie auf Gandalf, Artus und Orkgeschichten an sich.

Christian von Aster reimt gnadenlos und mit selbstbewusstem Metrum, so dass es eine chaotische Freude ist, ihm hinterherzuhopsen.
Das Buch ist klein, aber gemein und dreckig, besonders durch die skizzenhaft gehaltenen Zeichnungen. Es gibt auch in ihnen viele Busch-Zitate und kleine Gags am Rande.

Mir war es eine große Freude, Horrk und Grablakk auf ihrem Weg zu begleiten und tatsächlich macht das Ende Appetit auf mehr.

Mehr über Horrk & Grablakk von Christian von Aster in meiner Rezi im Fantasyguide.

PS: Gerüchte berichten, dass der kleine Ork bald auf Elfenwerk trifft!

Zwischen Kunst und Künstlichkeit

Über Klaus Nomi wurde ich auf Antony and The Johnsons aufmerksam. I’m a Bird now gehört zu meinen großen Lieblingsalben für bestimmte Stunden.

Keine Frage, dass ich mir auch das jüngste Werk, der sich inzwischen Anohni nennenden Künstlerin zulegte. Es ist elektronischer und auf den Text fokussierter. Gespannt war ich auf das Konzert gestern im Tempodrom.

Das Tempodrom ist eine fürchterliche Konzerthalle, eigentlich vermeide ich es, dorthin zu gehen. Die meisten Sitzplätzen verlangen einen verdrehten Körper, um auf der Bühne etwas zu sehen, die Getränke sind überteuert, aber zumindest sind die Toiletten okay, die man mangels Getränke aber nicht braucht.

Gut, dafür kann Anohni nix.

Das Konzert begann zwar nicht pünktlich aber ohne Vorband. Dafür mit Naomi Campbell.

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Naomi im Bunker

Sie spielte ja schon im Video zu Drone Bomb Me mit und offensichtlich von diesem Dreh durften wir uns zunächst über fünfzehn Minuten eine Schwarzweiß-Performance ansehen.

Eine Viertelstunde zu anschwellenden und abschwellenden Geräuschen wand sich die gute Frau, mal erfreut, mal etwas ernster blickend und zunehmend wurde es unruhig im Saal.

Dann blendete das Bild über in ein auf Zombie geschminktes Gesicht und Hopelessness begann.

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Hopelessness von und mit Anohni

Links und rechts einer Rampe ackerten sich zwei Männer an Laptops ab, während in der Mitte eine Burka-Getarnte Person ein Mikrofon herumtrug. Vielleicht war es Anohni, vielleicht auch ein Double, sicher konnte man sich nicht sein. Mit zunehmender Länge des Abends, was nicht so lang war, nahmen meine Zweifel zu, es mit einem Live-Konzert zu tun zu haben. Definitiv kamen diverse Stimmen vom Band, die Musik sowieso. Zwar sah man, dass sich die Gaze der schwarzen Gesichtsmaske bewegte und auch, dass dahinter jemand inbrünstig sang, aber sicher bin ich mir nicht.

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Hinter der Burka

Wenn Anohni tatsächlich solange fast unterbrechungsfrei glasklar durchsingen kann, gebührt ihr großer Respekt. Aber es gab keine persönlichen Worte, keine Begrüßung, keine Vorstellung der beiden Laptopper, überhaupt nichts weiter, nicht einmal eine Zugabe.

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Die Sängerin und ihre Augen

Dafür konnte man auf der Leinwand diverse Frauengesichter dabei beobachten, wie sie mit ganz unterschiedlichen Gefühlsausdrücken zu den Lyrics der Songs ihre Lippen bewegten. Es gab sogar Tränen, während davor die Burka sehr theatralisch performte.

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Performance, Art und Sound

Ganz zum Schluss redete uns eine alte, bronzefarbene Frau, wahrscheinlich eine Aborigine, riesengroß von der Leinwand herab ins Gewissen.

Was zum Album natürlich wunderbar passte. Aber auch extrem transzendent ist.

War das Kunst oder ein schlechtes Konzert, vielleicht sogar Betrug? Keine Ahnung. Auf jeden Fall werde ich für den Preis kein zweites Konzert von Anhoni besuchen.

Falt dich raus!

Ich hatte ja schon versprochen, etwas ausführlicher über die wunderbare Lesung von Karla Schmidt und Niklas Peinecke im Otherland zu berichten.

Als Niklas vor zwei Jahren mit seinem ersten D9E-Band in Berlin weilte, konnte ich leider nicht, drum freute ich mich schon riesig auf die Lesung.

Karla hatte ich bereits im Publikum einer Lesung im Brechthaus kennengelernt und als Bruder von Otherlander Jakob Schmidt sah ich sie dann immer mal wieder, aber bis zur Lektüre von Ein neuer Himmel für Kana kannte ich nur ihre SF-Kurzgeschichten.

René und ich waren wie immer zu früh, so hieß es kurz im warmen Kreuzberger Maisonnenschein warten.

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Der Lässige: René

Als wir hinein durften, folgten wir quasi Karla auf dem Fuß und erlebten stürmische Nichtenumarmungen mit, als Karlas Töchter ihren Onkel begrüßten. Die nächste Generation liest Kai Meyer und verfügt bereits über große Lektoratsmacht, wie Karla später preisgab.

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Der großartige Onkel: Jakob Schmidt

Zunächst aber musste ich Bücher kaufen, ich war ja im Otherland! Zur Vorbereitung auf die nächste Lesung erwarb ich von Horst Evers Alles außer irdisch und wie schon befürchtet, lag die neue Nova noch nicht vor. Aber auf das Magazin kann ich auch noch länger warten, ist ja nicht so, dass es mir an Lektüre mangelt.

Fabian verpflichtete derweil Karla und Niklas für das geplante Otherland-Video-Portal. Durch Fotoknipserei abgelenkt, bekam ich die Titel nicht mit, aber bestimmt waren es Baxter, McDonald oder Ericson, was gutes halt.

Vor der Lesung konnten wir noch kurz quatschen und Niklas erwies sich als Netter.

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Der Nette: Niklas Peinecke

Vielleicht aber auch nur, weil er Kopfschmerzen hatte und Mittelchen nehmen musste.

Nein. Der Mann ist wirklich so und sieht zudem 15 Jahre jünger aus. Erstaunlich, wie das Leben in der Provinz verjüngt. Aber gegen Karla kann er natürlich nur verlieren. Deshalb war sein Band # 10 auch erst Wochen nach Karlas # 11 fertig. Perfekte Übergänge bekommt man so natürlich viel besser hin. Karla benötigte aber auch nur drei Wochen für die Rohfassung. Es gibt eben auch disziplinierte Musterexemplare unter den Schreibenden.

 

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Die Perfekte: Karla Schmidt (dahinter übrigens Future Fooder Yip)

Bis dato kannte ich aber auch nur Karlas Roman, vor Niklas Beitrag hatte ich große Scheu, weil ich mit seinen ersten beiden D9E-Beiträgen unzufrieden war. Inzwischen hab ich das aber nachgeholt und Die Sonne der Seelen führt nicht nur diverse Handlungsbögen zu Ende, das Buch löst auch einige Versprechen ein. Der Niklas kann das also auch. 😀

Jedenfalls konnte beide in ihren Lesungen einen Eindruck ihrer Romane vermitteln und in der anschließenden Fragerunde wurden ne Menge(r) Räume gefaltet, Elfchen gebraten und Vielfache von Neun verworfen. Etwas ausführlicher hab ich das in meinem Bericht für den Fantasyguide wiedergegeben.

Anschließend gings noch in die bekannte Kneipe um die Ecke, deren Namen ich immer vergesse und weil’s Freitagabend war, drängte auch der Heimweg nicht so.

Jedoch hatten BVG und Bahn andere Pläne mit unserer Fahrt in die Peripherie, denn als wir auf dem Ringbahnsteig in Neukölln standen, fuhr gar keine Ringbahn. Die konfuse Ausschilderung des Ersatzverkehrs trieb uns in die Arme eines Taxi-Unternehmens. Fahren wir bis Adlershof und nehmen den Bus, planten wir froh. Naja, vielen Dank an meine Liebste, die uns dann da aufgabelte. So schee wirds nur mit BVG.

Aber was tut man nicht alles für einen phantastischen Abend mit Kultur und netten Leuten!

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