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Jahresrückblick 2019

Das Jahr begann mit einer arbeitsbedingten Erkrankung und steigerte sich im Herbst mit einer Bauch-OP. Da fehlten mir etliche S-Bahnfahrten zum Lesen, zudem gab es einige Brocken, deren Lektüre sich hinzog und sogar noch hinzieht. Nur 37 Bücher konnte ich daher auslesen, seit langer Zeit befand sich kein Sachbuch darunter.

Mit 26 Werken führte die Science-Fiction mein Interesse an, dem folgten sechs Fantasy-Werke, zwei allgemein phantastische und drei nicht phantastische Bücher.

Darunter befanden sich acht Anthologien bzw. Sammlungen mit Kurzgeschichten oder Gedichten.

23 Bücher wurden mir geschenkt oder habe ich mir selbst gekauft, 14 kamen als Rezensionsexemplare.

Die Verteilung der Geschlechter ist fast paritätisch, 14 Autorinnen zu 17 Autoren, wobei die Anthologien hierbei unberücksichtigt bleiben.

Speziell in der SF gab es eine 11 zu 11 Verteilung, quasi Doppelelfenwerk, wobei ich dieses Jahr großen Wert darauf legte, mir speziell Bücher von SF-Autorinnen zu holen. Hierzu plane ich noch einen gesonderten Artikel.

Was waren nun meine Highlights?

Zunächst zwei SF-Klassiker Ursula K. Le Guins »The Word for World is Forest«, das ich im Original las und Margaret Atwoods »Der Report der Magd«. Beides sehr politische und hochaktuelle Werke, die völlig zu Recht als Meisterwerke gelten.

Zwei andere Klassiker kannte ich vorher nicht: Guy Endores »Der Werwolf von Paris« ist in den USA der Werwolf-Klassiker schlechthin und überraschte mich durch seine Verzahnung mit der französischen Geschichte. Hermann Melvilles »Mardi und eine Reise dorthin« kostete mich etliche Wochen, bleibt aber durch seine Struktur und Fülle an bizarren Gesellschaftsformen bisher noch sehr präsent.

Bei den aktuellen SF-Romanen konnten mich vor allem Autorinnen überzeugen: Emma Braslavskys »Die Nach war bleich, die Lichter blinkten« konnte ich via Lesung und Rezension im Feuilleton kennenlernen und obwohl der Roman mit bekannten Themen jongliert, gefielen mir Schreibstil und Erzählperspektive sehr.

Der für mich beste neue SF-Roman 2019 kommt von Melanie Vogltanz. »Shape Me« ist so ziemlich alles, was ich mir von deutschsprachiger SF wünsche. Knackig, gut geschrieben, hart aber nicht Gewalt zelebrierend, politisch und utopisch.

Das gelang Sibylle Berg mit »GRM« leider nicht. So sehr ich die Autorin als bohrende Fingerspitze mag, ihr Roman suhlte sich zu sehr in den Anprangerungen und Bloßlegungen. Wie auch bei Dietmar Dath habe ich die Befürchtungen, dass hier das Lektorat zu zahm wurde.

Zwei Werke am Rande der SF und beides quasi Debüts, faszinierten mich: Karl Nagels »Schlund« über Punk in der BRD machte mich schlau, rau und grau. Eine kunterbunte Erfahrung.

Von René Frauchinger erwarte ich Zukunft noch mehr tolle Texte. »Riesen sind nur große Menschen« ist für mich neben »Shape me« die Entdeckung des Jahres jenseits der Massenverlage.

Ältere phantastische Geschichten von Menschen zu lesen, die man irgendwie ein bisschen zu kennen meint, sind auch eine intime Leseerfahrung und daher gehörten Michael Marraks »Quo vadis, Armageddon?« und Frank Duwalds »Die grünen Frauen« zu den schönsten Lesereisen des Jahres.

Jo Baker – »Ein Ire in Paris« über Samuel Becketts Erlebnisse im zweiten Weltkrieg bewegte mich sehr. Vom SUB gegriffen und schnell verschlungen, ein Literatur-Roman, wie ich gern öfter welche lesen möchte.

Das wohl skurrilste Buch des Jahres stammt von Jasper Nicolaisen. »Erwachsen« ist lustig, traurig, queer, wild und vor allem ein echter Nicolaisen. Von seinem ersten Lesebühnentext an, mochte ich diese Art des Erzählens, der Warmherzigkeit für die Figuren, denen er trotzdem ohne mit der Wimper zu zucken, schlümme Dinge in das Leben wirft – ich bin ein Fanboy. Der Mann schreibt zu wenig.

Das neue Jahr sieht mich bereits im Rückstand mit etlichen Rezensionsprojekten und ich habe auch noch diverse Bücher auf den SUBs, die ich letztes Jahr mit der festen Absicht erwarb, sie sofort zu lesen. Ich sollte einfach keine Rezi-Exemplare mehr annehmen.

Aber eher schaffe ich es wohl, an Gewicht, als an Lektüre abzunehmen.

Hier die Liste der Bücher aus 2019 in der Reihenfolge meiner Lektüre:

Ursula K. Le Guin – The Word for World is Forest

Karl Nagel – Schlund

Nova 25

Philip Reeve – Krieg der Städte

Margaret Atwood – Der Report der Magd

Guy Endore – Der Werwolf von Paris

Frank Hebben – Vampirnovelle

Judith Vogt – Roma Nova

Hans-Arthur Marsiske – Die letzte Crew des Wandersterns

Michael Marrak – Quo vadis, Armageddon?

Michael Marrak – Im Garten des Uroboros

Sibylle Berg – GRM

Angela und Karlheinz Steinmüller – Sphärenklänge

Elvis hat das Gebäude verlassen

Schatten über Camotea

Frank Duwald – Die grünen Frauen

C. C. Holister – Inferno für Anfänger

T. S. Orgel – Terra

Hermann Melville – Mardi und eine Reise dorthin

Swantje Nieman – Masken und Spiegel

Stefan Goebels – Käsablanca

René Frauchinger – Riesen sind nur große Menschen

Aleš Pickar – Die zwölf Kronen

Jo Baker – Ein Ire in Paris

Emma Braslavsky – Die Nach war bleich, die Lichter blinkten

Philipp Multhaupt – Herrn Murmelsams Trinklieder

Guido Krain – Ingenium

Jasper Nicolaisen – Erwachsen

Nova 26

Xeno-Punk

Theresa Hannig – Die Unvollkommenen

James Tiptree Jr. – Helligkeit fällt vom Himmel

Caroline Hofstätter – Das Ewigkeitsprojekt

Sabrina Železný – Feuerschwingen

Dietmar Dath – Neptunation

Philip K. Dick – Der galaktische Topfheiler

Melanie Vogltanz – Shape Me

Projekt Buchpreis – Teil 5

Da ich beim Gott der Barbaren die Hälfte überschritten habe (und das Buch ist immer noch top!), beschloss ich gestern, auf die Jagd nach dem nächsten Buch zu gehen.

Ich erwählte die Kiezbuchhandlung BUCHBOX! in der Grünberger Straße in Friedrichshain.

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Zwischen Bar und Currywurst:  Kiezbuchhandlung BUCHBOX!

Als ich durch die Straßen eilte, bemerkte ich, dass dieser kleene Stadtbezirk trotz all der Veränderungen – neue Gebäude, neue Leute – immer noch meine Heimat ist. Hier laufe ich ganz anders. Also rein gefühlsmäßig. Es ist, als ob das alles einfach immer noch zu mir gehört. Egal ob Altbaukiez an der Simon-Dach oder Plattenbauten am Ostbahnhof.

Die BUCHBOX! als Laden gab es noch nicht, als wir 99 wegzogen, aber fußläufig existierten damals zwei Buchhandlungen, eine stammte sogar noch aus DDR-Zeiten. Aber immerhin erinnere ich mich an den Buchstand der BUCHBOX! auf dem Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz. Das war vor tausenden von Jahren. Seufz.
Mein erster Besuch fand übrigens 2012 zum Gratis Comic Tag statt. Damals bestand der Laden nur aus einem klitzekleinen Raum. Heute erstreckt er sich noch weit nach hinten in den Seitenflügel.
Ich hatte ja gehofft, den Linus vom Blog Buzzaldrins Bücher im Laden zu treffen, aber leider ist er krank. Schade.
Aber dafür gab es in der gut sortierten Buchhandlung den Vogelgott! Ja, die zweite Auflage hat endlich die Buchläden erreicht. Klar hätte ich gern eine Erstausgabe gehabt, aber das Elfenwerk steckt halt überall.

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Ein hübscher Stapel Vogelgötter

Natürlich frug ich die nette Buchhändlerin wieder über die Bedeutung des Buchpreises für ihren Laden aus. Es gäbe zwar Nachfragen, aber eigentlich haben sie ihre eigenen Vorschläge für gute Bücher.
Vermutlich würde ich als Buchhändler auch etwas gegen Listen haben, die mir von außen aufgedrückt werden. Aber ich würde ja einen Buchladen auch nur dann aufmachen, wenn ich nicht davon leben müsste.

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Der Vogelgott von Susanne Röckel

Wann die Lektüre des Buches genau startet, weiß ich noch nicht, da wir im SFN darauf warten, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des offenen Lesezirkels das Buch bekommen haben. Dürfte aber jetzt nicht mehr lange dauern und ich werde es auch parallel zum Barbarengott lesen.
Ich merke gerade, dass mir dieses Projekt eine Menge Spaß bereitet.

Marc vom Blog Lesen macht glücklich hat jetzt übrigens auch einen Beitrag zur Shortlist verfasst. Er kommt eher aus der Belletristik und von daher sieht er die Bücher aus einem ganz anderen Blickwinkel und ihm sagen die Autorinnen und Autoren deutlich mehr als mir, der ich ja niemanden kannte.

Schneetrolle, Urlaubszwerge und eine Elfenprinzessin

Es ist recht warm und da hilft jedes bisschen Abkühlung, die man bekommen kann.
Also schwitzt nicht lange im eigenen Saft, rennt in die Buchhandlung eures Vertrauens und holt euch etwas Kühles! Mein Tipp: Orkpapa & die Zwerge von Rudolf Eizenhöfer.

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Orkpapa & die Zwerge von Rudolf Eizenhöfer

Es ist bereits das vierte Kinderbuchabenteuer um den kleinen Ork und seinen Papa. Diesmal treiben es ein paar Urlaubsreife Zwerge ziemlich bunt in den winterlichen Bergen der Orks.
Und Orkpapa hat da noch etwas cooles im Keller …

Endlich wieder Zwerge und allein schon deshalb großartig. Ich hab’ mich riesig gefreut, als mir der Verlag Schwarze Ritter das Büchlein in meine Höhle sandte.

Und was musste ich dann mit Entsetzen feststellen? Ich hatte komplett vergessen, den dritten Band Orkpapa & Elfenprinzessin zu besprechen.
Seltsam, oder?

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Orkpapa & Elfenprinzessin von Rudolf Eizenhöfer

Dabei ist auch dieser Band bezaubernd. Der kleine Ork lernt eine Elfenprinzessin kennen, die von zu Hause ausgebüchst ist, weil ihr Papa sich nicht um sie kümmert. Keine Frage, dass Orkpapa das spitzohrige Wesen schnellstens wieder loswerden möchte.

Wer sich aktiv gegen Vorurteile und Rassendiskriminierung in Fantasy und Kinderzimmer einsetzen möchte, kommt an diesem wichtigen Werk der Fantasypädagogik nicht vorbei. Wahre Heldeneltern kaufen eh und sowieso alle vier Bücher.

Noch ein paar Sätze mehr gibt es wie gewohnt drüben im Fantasyguide: Orkpapa & Elfenprinzessin und Orkpapa & die Zwerge von Rudolf Eizenhöfer.

Unsre kleine Gärtnerei

Mit christlicher Religion hab ichs nicht so, von daher hat mich eine eingehende Betrachtung mittelalterlicher Gemälde mit religiösen Motiven nie sonderlich interessiert.

Nun hat sich aber Christian von Aster einem jener Werke gewidmet und da mich jener Wortmeister fasziniert, überwand ich alle kulturelle Schranken und fuhr in die Z-Bar. Denn dort präsentierte Herr von Aster Boschs Vermächtnis: Eine phantastische Anthologie für deren Geschichten die Beteiligten Bildausschnitte des Gemälde-Triptychons Garten der Lüste von Hieronymus Bosch als Inspirationsquelle bekamen.

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Boschs Vermächtnis, Cover und Herausgeber: Christian von Aster

Mit großer Freude, die alte Wirkstätte des StirnhirnhinterZimmers wieder zu betreten, präsentierte Christian das dicke Büchlein. Neben ihm waren eine Autorin und fünf Autoren nach Berlin geeilt, uns das gärtnerische Erbe zu vermachen.

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Lauschet dem Meister Christian von Aster!

Allen voran erzählte Luci van Org in Vogeltränke ein durchaus glaubwürdige Variante des christlichen Schöpfungsmythos, deren Witz sich zum Finale hin immer weiter steigerte.

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Luci van Org

Sie las das mit genau der richtigen Mischung aus komödiantischem Ernst und schalkhafter Klamotte.

Ulf Torreck ist mit der Geschichte Damenwahl unter dem Pseudonym David Gray in der Antho vertreten.

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Ulf Torreck

Er teaserte seine Geschichte nur an, die zumindest eine interessante Datingkatastrophe versprach. Der große Mann ließ irgendwann seine rechte Hand frei und sie agierte fortan als munter wuseltrommelnde Untermalung der Geschichte.

Sascha Dinse kannte ich schon von einigen Texten und seinem Blog. Auf seinen Auftritt war ich sehr gespannt. Ruhig, fast schüchtern im Auftreten bot er die perfekte Untermalung seiner düsteren, apokalyptischen Rachegeschichte Lisbeth, die so ziemlich alles zusammenfasst, was man sich unter dem finsteren Mitteleuropamittelalter vorstellt.

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Sascha Dinse

Ob man nun eine Stunde alte Cure-Platten (also die wirklich alten) hört oder Sascha Dinse lauscht – stimmungstechnisch kann es nicht trüber werden.
Zum Glück kam dann die Pause und hellte meine Laune mit Schwarzbier auf.

Nach der kurzen Reise in die Helligkeit stürmte Michael Marrak die Bühne.

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Michael Marrak

Wie Christian anmoderierte, ebenfalls Seraph-Preisträger und das, man kann es nie oft genug sagen, völlig zu Recht für den grandiosen Kanon mechanischer Seelen.
Doch zunächst quälte er sich mit den Tücken platzsparenden Buchsatzes. Die Parabel vom Zwielicht ist passenderweise als Triptychon gehalten und Micha wollte eigentlich einen kursiv gesetzten Part vorlesen, jedoch schwenkte er dann später auf einen anderen Teil um. Elfenwerk steckt in jedem Detail.

So konnte Daniel Illger zwar nicht sein Bier austrinken, sprang aber gern zu einem Schäferstündchen herbei.

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Daniel Illger

Wer sich in Illgers phantastischem Werk auskennt, wird keine fröhliche Unterhaltung erwarten. Und er blieb sich in Der Schäfer treu. Ich hatte ihn 2016 auf der Leipziger Buchmesse das erste Mal lesen gehört, als er aus seinem Debüt Skargat vorlas – Seraph prämiert, wie ein stolzer Gastgeber und Mitpreisträger erwähnte.
Daniels Vortragsweise hat sich mächtig weiter entwickelt und überraschte mich durch seine hintergründige Düsternis.

Hingegen wieder unbekannt war mir Bernhard Stäber.

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Bernhard Stäber

In der Antho ist er unter dem Pseudonym Robin Gates vertreten. Nachtmahr behandelt eine walisische Silvestertradition, Mari Lwyd, und verfügt über genau jenen sich langsam aufschaukelnden Grauen um das Unglück eines Familienmitgliedes, das ich überhaupt nicht gern ertrage.
Das ist einfach nix für mein Darth Vaterherz. Toll war der Teil der Geschichte, den wir hörten, aber trotzdem.

Christian von Aster hatte uns sehr unterschiedliche Geschichten versprochen, und die bekamen wir auch.

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Der Nachlassverwalter: von Aster

Er ließ den Abend dann noch mit einem typisch Asteroiden Vortrag seines Vorworts ausklingen.

Der Garten der Lüste erscheint einem nach solch einer Lesenacht in gänzlich anderem Licht. Bosch hat da wieder einmal ziemlich finstere Gestalten unter seinen Erben gefunden und ich feiere das! Möge Boschs Vermächtnis die Runde machen und die Dunkle Seite mächtiger. Ihr wisst schon, die haben die Kekse.

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Lustvoll im Garten der Fantasie: Sascha Dinse, Michael Marrak, Ulf Torreck, Bernhard Stäber, Luci van Org, Daniel Illger und Christian von Aster

Der Winter, aber keine Bahn wird kommen

Letzten Samstag waren wir auf der Leipziger Buchmesse. Ja, trotz Schnee und Minusgrade fanden wir hin.

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LBM 2018

Zwar anderthalb Stunden später als geplant, aber immerhin hatten wir mehr Glück als viele Tausende andere.

In einer gerechten Welt würden jetzt Bahnmanager arbeitslos sein, in der Bundesrepublik werden ihnen die Kronerbschen von Mutter Merkel persönlich gepudert.

Aber weg vom ewigen Grauen, die Buchmesse zelebrierte das Buch und logischerweise widmete ich mich vor allem der Phantastik. Die wenigen Stunden vor Ort nutzte ich weidlich aus, eilte von Programmpunkt zu Programmpunkt und knipste ein paar Bilder.

Und die ganze letzte Woche kam ich zu nix, das ist auch der Grund, warum erst heute mein Messebericht im Fantasyguide online ging.

Darum auch hier kein großes Gerede, der Bericht enthielt all die vielen Bilder und um es kurz zu machen: Wir hatten Spaß und haben reiche Beute gemacht:

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Mein schrecklicher Tod im Taschenbuch

Als dilettierender Lektorenbanause bekommt man leicht den individuellen Zorn der Autoren zu spüren. So bin schon zweimal literarisch ermordet worden. Doch ich werde nicht aufhören zu dilettieren!

Spaß hat’s ja doch gemacht, als ich mich auf der Richtstatt des Marktplatzes von Saramee wiederfand und während Kronn – der Held der Geschichte, vom Richtblock gerettet wurde, erging es einem gewissen Stain Bärg’Er schlecht.

Nun hatte der Erfinder von Saramee, Chris Weidler, die Idee, der Fantasy-Reihe neues Leben einzuhauchen und alle Kronn-Geschichten in einem Sammelband als Taschenbuch herauszugeben. Jedoch ist das Material recht umfangreich, sodass uns bald klar wurde, für einen Preis unter zehn Euro werden wir wohl zwei Bände daraus machen.

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Cronn und der Atem des Todesvon Markus K. Korb und Martin Hoyer; Cover: Chris Schlicht

Obwohl ich die Geschichten, die jetzt im Sammelband »Kronn und der Atem des Todes« zu finden sind, alle bereits gründlich durchsah als ich vor ein paar Jahren die eBooks erstellte, fanden sich erneut ein paar Fehler. Es ist unglaublich, wie schwer es ist, fehlerfreie Texte zu erzeugen. Elfenwerk!

Wir haben uns entschieden, das Taschenbuch via amazons KDP zu veröffentlichen. Das klappte eigentlich ganz gut, jedoch lieferte die automatische eBook-Generation aus dem Layout-PDF ein grausames Ergebnis, sodass ich dann doch wieder zu Fuß das eBook via HTML-Seiten erstellte.

Für den zweiten Kronn-Sammelband sind wir dann gewappnet. Markus K. Korb hat für diesen dann auch extra ein neues Kronn-Abenteuer geschrieben, das sich gerade bei mir zur Sarameeisierung befindet. Die ersten Artikel in der Saramee-Wiki sind bereits ergänzt und einige neu erstellt worden. Da weht tatsächlich so etwas wie ein frischer Wind durch das Projekt.
Mal sehen, ob das Taschenbuch eine dauerhafte Belebung mit sich bringt, alleine kann man das jedenfalls nicht stemmen.

Wir haben Hunger, Hunger, Hunger!

Eine Woche ist es nun schon wieder her, da weilte Tad Williams im Festsaal Kreuzberg und stellte nach Jahren der Abstinenz einen neuen Osten-Ard-Roman vor.

Festsaal

Heimeilig ist das Tor zur Festsaalwelt

Beim letzten Mal hab ich ihn verpasst, besser mein innerer Schweinehund, deshalb kaufte ich mir gleich nach Bekanntgabe der Lesetour-Daten ein Ticket.
Der Festsaal ist zwar nicht groß, dennoch konnten die Veranstalter nur etwa 40 Fans motivieren, was schon schade ist, jedoch waren sowohl Moderator Bernhard Robben, der deutsche Vorleser Detlef Bierstedt und Tad Williams selbst professionell genug, einen bezaubernden Abend hinzulegen.

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Detlef Bierstedt, Tad Williams und Bernhard Robben

Tad Williams selbst konnte nicht lesen, da er nicht nur sein Exemplar von The Witchwood Crown im Hotel vergaß, sondern gleich auch noch die Lesebrille. Auf deutsch heißt das Buch übrigens Die Hexenholzkrone.

So gab es zwei Lesungsblöcke von Detlef Bierstedt, der mit seiner markanten Stimme und der ganzen Kraft seiner Schauspielkunst keine Probleme hatte, das Publikum zurück nach Osten Ard zu locken.

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Detlef Bierstedt

Zumindest jene, die schon mal da waren. Bisher konnte ich mich noch nicht entschließen, diese Fantasyreihe zu goutieren. Mein Fantum gründet auf die Otherland-Reihe, deren ersten drei Bände ich einst verschlungen habe (Band 4 war damals noch nicht erschienen). Trotz der ca. 3000 Seiten gehört Otherland mit vielen prägnanten Erinnerungen immer noch zu meinen Lieblings-SF-Werken.
Allerdings scheue ich vor einem Reread zurück, es sind schon vier dicke Brocken. Aber immerhin ist Band 1 jetzt signiert! Da ich direkt von Arbeit kam, mussten die anderen Bände zu Hause bleiben.

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Tad signiert Otherland!

In der Fragerunde überzeugte Bernhard Robben durch eine gesunde Mischung aus Begeisterung und Wissensdurst. Er übersetzte ziemlich locker und fasste selbst längere Blöcke passend zusammen.

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Bernhard Robben

Die vorgetragenen Textteile erregten mich jetzt nicht so, jedoch die Vorstellung von hungergeplagten Leichenriesen hatte schon etwas. Aber falls ich mal die eisige Luft von Osten Ard schnuppern möchte, werde ich mit dem Drachenbeinthron beginnen, den ich leider bei einer oberflächlichen Suche am Vorabend nicht finden konnte. Elfenwerk!

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Tad Williams während der Fragerunde

Die Frau von Tad Williams war auch anwesend und beobachtete den Abend hinter ihrem Laptop um zu bloggen. Vermutlich stammen einige der Tweets und Retweets sogar von ihr, denn dort wird die Lesetour wirklich mustergültig begleitet und jede Meldung in den sozialen Netzwerken geteilt.
Seiner Frau kam auch eine große Rolle dabei zu, ihn wieder nach Osten Ard zu schicken, da sie ihn immer wieder frug, ob er denn nicht und so. Eines Nachts lag er dann im Bett und überlegte Gründe, warum nicht, als ihm eine Fortsetzung einfiel. So läuft das manchmal.

Das spielt nun also 30 Jahre später. Tad fand es ganz spannend, sich zu überlegen, was über einen so langen Zeitpunkt in der Welt von Osten Ard alles geschah und was aus den Figuren wurde. Als Anhaltspunkt nahm er sein eigenes Leben. Erfolg, zwei Frauen, Umzüge – da kommt etwas zusammen.

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Ein sehr famoser Kerl: Tad Williams

Ich gestehe, dass Tad genauso sprach, lachte und augfunkelte, wie ich es mir vorgestellt habe. Vermutlich hab ich mal irgendwo schon mal eine Aufzeichnung gesehen oder sein Wesen beherrschte den Text. Obwohl – bei einer Übersetzung wird das schon schwierig. Wie auch immer, es war ein toller Abend. Ich habe Tad Williams live erlebt, konnte der Stimme von William T. Riker lauschen und selbst die Öffis hatten mal keinerlei Probleme.

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