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Bis zum Ende der Unsterblichkeit

Eigentlich mag ich überhaupt keine Dystopien und doch stolpere ich dieses Jahr andauernd über sie. Völlig ungeplant natürlich.

Marc Spänis Westlake Haven Projekt kannte ich bereits durch seine Lesung in Second Life beim 2016 eBook-Event der Brennenden Buchstaben und als er dann in einer Rundmail das Erscheinen des Buches ankündigte, rief ich instinktiv »Hier!«.
Und Dank einer sturmverzögerten Heimreise konnte ich die Lektüre auch recht flink beenden.

WestlakeHaven

Westlake Haven von Marc Späni

Westlake Haven ist ein Episodenroman geworden, der in neun Kapiteln den Lebenszyklus einer Welt beschreibt, die sich der Virtualisierung hingibt. Als MMO-Spieler und Nutzer virtueller Events im Second Life ist eine virtualisierte Gesellschaft für mich nicht nur vorstellbar, sondern auch zu einem guten Stück real. Insofern hatte ich keine Schwierigkeiten Marcs Gedanken zu folgen.

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Marc mit einer Vorschau ins Buch 2016 in Second Life

Spannend waren für mich vor allem die Passagen, in denen es um das Sterben ging. War es ja früher noch üblich, dass eine Spielfigur starb und man von vorne beginnen musste, bieten die meisten Spiele heute die Möglichkeit, die Figur so gut wie verlustfrei weiter zu spielen. Überträgt man das auf einen Menschen, der nur noch als virtuelles Bewusstsein existiert, stellt sich bald die Frage, wie das mit dem Tod laufen sollte.

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Bereits 2015 präsentierte Marc den »West Lake Blues« in SL

Das Hochladen auf einem Computer wird ja oft mit der Motivation verknüpft, dem Tod zu entgehen. Ist man dann aber zur Software geworden, könnte man unsterblich sein. Wenn die virtuelle Umgebung das Sterben nicht zulässt, hat kein hochgeladenes Bewusstsein die Chance, sein Leben selbst zu beenden. Bei Marc kommen Suizid-Anbieter ins Spiel, quasi Softwareanbieter mit einem Tool, der den Menschen löscht.
Doch Marc zieht seine Dystopie konsequent durch. Welche Auswirkungen hat es auf die reale Gesellschaft, wenn immer mehr ins virtuelle Leben wechselt?

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Erst jüngst beim Ersten Virtuellen Literaturcon stellte er das fertige Buch vor

Das bearbeitet er ziemlich faszinierend und wer sich das großformatige Buch nicht kaufen möchte, kann sich bei Marc das kostenlose PDF holen. Eine feine Sache, wie ich finde.

Das ungewöhnliche Format ist den Bildern geschuldet, die Marc mit Bleistift und viel Geschick anfertigte und die nicht etwa normale Illustrationen sind, sondern Werbetexte, Zeitungsartikel, Fotos bis hin zu fiktiven Wiki-Einträgen – alles handgezeichnet. Ein Buch, mit etlichen Litern Herzblut genährt.

Eine Rezi gibt’s wie gewohnt drüben in den virtuellen Weiten des Fantasyguides: Westlake Haven von Marc Späni.

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Gebt dem Mann im Labor noch ein Bier!

Seit einigen Jahren höre ich Podcasts. Eigentlich nur noch eines seit Viva Britannia schweigt.

Methodisch Inkorrekt ist ein Physik-Podcast von Nicolas Wöhrl und Reinhard Remfort. Als ich es für mich entdeckte, hatte ich den Plan, alles von Anfang an zu hören. Damals erschien gerade Folge 60. Doch schnell gab ich es auf. Ich schnalle mir die Kopfhörer eigentlich nur um auf dem kurzen Stück von zu Hause bis zur S-Bahn und zurück. Jeweils etwa 15 Minuten Fußmarsch und das reicht bei weitem nicht aus, um in zwei Wochen eine Folge MinKorrekt zu hören. Meist hat die Folge am Ende der ersten Woche noch nicht mal richtig begonnen. Die beiden Herren Physiker sind ausgelassene Plauderer.

Inzwischen lade ich mir immer die neueste Folge, wenn ich eine beendet habe, sodass ich meist zwei oder drei überspringe.

Aber ich bin großer Fan ihrer Physikerklärungen, mag die Themen und freue mich jedes Jahr auf die Sondersendung zu den Nobelpreisen. Und nun gab es per Twitter den Hinweis, dass sich jemand gefunden hätte um Reinhard eine Bühne in Berlin zu bieten, auf dass er dort sein Buch vorstellen möge.

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Das c-base ist ein Raumschiff unter Berlin

Ein Hackerclub an der Jannowitzbrücke, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Das c-base enthält auch Seminarräume, eine coole Bar und jede Menge technisches Interieur. Man fühlt sich sofort heimisch. Noch nie sah ich bei einer Lesung überhaupt jemanden, der nebenbei am Laptop arbeitete, hier war es der Normalfall. Und ich deutlich über dem Durchschnittsalter.

Reinhard war schon anwesend und plauderte munter mit den c-base Leuten, was mir Zeit ließ, ein Bierchen zu holen und einen guten Platz zu besetzen.

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Reinhard bleibt locker

Wenn man die Stimme und das Bild eines Autoren bereits kennt, ist die Überraschung bei einer Lesung nicht so groß, zumal ich den eigentlichen Schock schon vor Jahren überwunden hatte, da ich nach dem reinen Hören, die Bilder der beiden Podcaster jeweils dem anderen zugeordnet hätte.

Aber Reinhard ist durch Science-Slams und Studentenknechten zum Leseprofi geworden und so strahlte er vom ersten Moment an goldige Ruhe aus.

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Er kann es methodisch korrekt!

Sein Buch heißt Methodisch korrektes Biertrinken und liefert eine witzige Rahmenhandlung: Das Geschehen in einer WG an einem Silvesterabend.

Es bietet jede Menge Gelegenheit für physikalische Phänomene im Zusammenhang mit Bier und Reinhard widmet sich dann auch stets sehr lesbar den Erklärungen. Das tat er auch in der Lesung samt life vorgeführten Experimenten. So erfuhren wir etwas über Tränen in Weingläsern oder Geschwindigkeiten geschüttelter Bierdosen.

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Das Experiment der Woche

Höhepunkt war natürlich die Schlacht zwischen zwei WGs und der besonderen Verwendung einer schwedischen Fischdelikatesse inklusiver kurzer Einführung in Raketentechnik.

Definitiv ein Heidenspaß und wie immer sehr lehrreich. Und was hab ich gelernt? Natürlich methodisch korrekt Bier zu trinken und Pressefotos von Physiklaboren zu misstrauen.

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Hatte Spass: Reinhard in Berlin

Es funktioniert!

Kein Mitleid für Karl!

Dass es kein einfacher Abend werden würde, war mir von Anfang an klar.

Am Sonntag las Bernhard Giersche aus seinem Buch Kampf dem Karl

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Karl ist der Krebs, der ihm im August diagnostiziert wurde und dem er nun Monat für Monat Lebenszeit abringt. Dass Bernhard darüber schreiben kann, ist ein großes Glück für Betroffene, für uns alle.

Das Bühnenbild passte Miara Lubitsch exakt nach Bernhards Wünschen an, Kirsten und Thorsten Küper fuhren selbst nach Lippstadt und führten die Lesung direkt aus Giselas und Bernhards Wohnzimmer durch.

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Bernhard Giersche

Seraph Nirvana und die Villa unterstützten den Abend durch einen Livestream bei Youtube.

Bernhard verlor zunächst ein paar Worte zum Bühnenbild. Es geht um Tod, Sterben, Krebs. Der Tod ist integraler Teil des Lebens, ist überall, kann uns jederzeit treffen. Das alles symbolisiert das Bühnenbild mit den schwarzen Schemen und den vielen rumwuselnden Krebsen.

Natürlich stand die Frage im Raum: Wie geht’s Bernhard? Jetzt ganz gut, erklärte er. Nervös wegen der Lesung, vor allem weil er der Protagonist ist. Bernhard war erstaunt über die Anzahl der Interessierten – mit ihm waren 28 Avatare anwesend, über hundert verfolgten den Live-Stream.

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Die Schmerzen sind im Griff, aber die Krankheit ist eine Achterbahnfahrt.

Die Lesung stellt etwas Besonderes dar. Bernhard hat sehr früh via Facebook gepostet und dort über seine Krankheit berichtet.

Sein Bericht vom ersten Tag, vom Weg aus der Praxis nach Hause mit dem irrsinnig erscheinenden Umweg über die Tanke um Brötchen und Zigaretten zu kaufen – ein Alptraumtag.

Bernhard suchte die Öffentlichkeit, weil er den Schwätzern Wind aus den Segeln nehmen wollte. Er hat’s nicht bereut, auch wenn ihm nicht klar war, was er damit losschlug. Es ist ein Ventil für ihn, über Dinge zu schreiben, die einen belasten. Eine Möglichkeit, Dinge die einem passieren Revue passieren zu lassen. Aber Reaktionen in diesem Umfang hatte er nicht erwartet.

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Und was bewirkt das Buch? Er stellte fest, dass solche Themen tabuisiert werden, selbst Betroffene hadern damit. Bernhard hat die Hoffnung, etwas in Gang gesetzt zu haben, im Kleinen, dass die Betroffenen sprechen können.

Aus den Einträgen bei Facebook, aus der ganzen Scheiße ist sein drittes Buch entstanden: Kampf dem Karl.

Bernhard las uns zunächst die ersten beiden Einträge vor, reine Tagebucheinträge, in Form gebracht von Heidi Christina Jaax, der Herausgeberin des Buches. Thorsten Küper präsentierte dann noch eine erste Pressemeldung, bevor Bernhard weiterlas.

Es gibt schon einen zweiten Band, ein dritter ist ein Wunschtraum.

Wer Bernhard life erleben möchte, kann das am 15.11.2017 im Kulturhospital Atelier Udo Tschorn, Hospitalstraße 8, in Lippstadt tun.

Karl ist kein leichter Gegner, aber er bekommt bis zu Letzt Gegenwind.

Es war ein schwerer Abend, man denkt schnell an all die eigenen Verluste, erinnert sich an all die anderen Kämpfe. Aber das Zuhören ist wichtig. Niemand sollte allein kämpfen müssen.

Die Unausweichlichkeit des Scheiterns

Junktown von Matthias Oden hatte mich im Mai total überrascht. Ein hochklassiges SF-Debüt voller Anspielungen, Wortwitz und trotz düsterster Dystopie sehr unterhaltsam.

So in etwa steht’s auch in meiner Rezi.

Da Matthias einst auch ein paar Rezensionen für den Fantasyguide verfasste, bot es sich an, die Sache mit einem Interview zu vertiefen. Die Fragen hatte ich schnell zusammen.

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Matthias Oden, Foto von Sarah El-Wassimy

Doch dem Matthias kamen immer ein paar Dinge dazwischen, sodass erst jetzt die Antworten ihre Fragen fanden und sich jetzt im Fantasyguide befinden.

Große Klasse fand ich, dass er sich auch vor schwierigen Fragen nicht drückte und sich ihrer zumindest aus meiner Sicht befriedigend entledigte.

Es ist immer toll, ein längerfristiges Projekt zu beenden, zumal sich derzeit wieder so einiges bei mir häuft. Aber besser als Langeweile zu schieben.

Wir haben Hunger, Hunger, Hunger!

Eine Woche ist es nun schon wieder her, da weilte Tad Williams im Festsaal Kreuzberg und stellte nach Jahren der Abstinenz einen neuen Osten-Ard-Roman vor.

Festsaal

Heimeilig ist das Tor zur Festsaalwelt

Beim letzten Mal hab ich ihn verpasst, besser mein innerer Schweinehund, deshalb kaufte ich mir gleich nach Bekanntgabe der Lesetour-Daten ein Ticket.
Der Festsaal ist zwar nicht groß, dennoch konnten die Veranstalter nur etwa 40 Fans motivieren, was schon schade ist, jedoch waren sowohl Moderator Bernhard Robben, der deutsche Vorleser Detlef Bierstedt und Tad Williams selbst professionell genug, einen bezaubernden Abend hinzulegen.

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Detlef Bierstedt, Tad Williams und Bernhard Robben

Tad Williams selbst konnte nicht lesen, da er nicht nur sein Exemplar von The Witchwood Crown im Hotel vergaß, sondern gleich auch noch die Lesebrille. Auf deutsch heißt das Buch übrigens Die Hexenholzkrone.

So gab es zwei Lesungsblöcke von Detlef Bierstedt, der mit seiner markanten Stimme und der ganzen Kraft seiner Schauspielkunst keine Probleme hatte, das Publikum zurück nach Osten Ard zu locken.

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Detlef Bierstedt

Zumindest jene, die schon mal da waren. Bisher konnte ich mich noch nicht entschließen, diese Fantasyreihe zu goutieren. Mein Fantum gründet auf die Otherland-Reihe, deren ersten drei Bände ich einst verschlungen habe (Band 4 war damals noch nicht erschienen). Trotz der ca. 3000 Seiten gehört Otherland mit vielen prägnanten Erinnerungen immer noch zu meinen Lieblings-SF-Werken.
Allerdings scheue ich vor einem Reread zurück, es sind schon vier dicke Brocken. Aber immerhin ist Band 1 jetzt signiert! Da ich direkt von Arbeit kam, mussten die anderen Bände zu Hause bleiben.

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Tad signiert Otherland!

In der Fragerunde überzeugte Bernhard Robben durch eine gesunde Mischung aus Begeisterung und Wissensdurst. Er übersetzte ziemlich locker und fasste selbst längere Blöcke passend zusammen.

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Bernhard Robben

Die vorgetragenen Textteile erregten mich jetzt nicht so, jedoch die Vorstellung von hungergeplagten Leichenriesen hatte schon etwas. Aber falls ich mal die eisige Luft von Osten Ard schnuppern möchte, werde ich mit dem Drachenbeinthron beginnen, den ich leider bei einer oberflächlichen Suche am Vorabend nicht finden konnte. Elfenwerk!

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Tad Williams während der Fragerunde

Die Frau von Tad Williams war auch anwesend und beobachtete den Abend hinter ihrem Laptop um zu bloggen. Vermutlich stammen einige der Tweets und Retweets sogar von ihr, denn dort wird die Lesetour wirklich mustergültig begleitet und jede Meldung in den sozialen Netzwerken geteilt.
Seiner Frau kam auch eine große Rolle dabei zu, ihn wieder nach Osten Ard zu schicken, da sie ihn immer wieder frug, ob er denn nicht und so. Eines Nachts lag er dann im Bett und überlegte Gründe, warum nicht, als ihm eine Fortsetzung einfiel. So läuft das manchmal.

Das spielt nun also 30 Jahre später. Tad fand es ganz spannend, sich zu überlegen, was über einen so langen Zeitpunkt in der Welt von Osten Ard alles geschah und was aus den Figuren wurde. Als Anhaltspunkt nahm er sein eigenes Leben. Erfolg, zwei Frauen, Umzüge – da kommt etwas zusammen.

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Ein sehr famoser Kerl: Tad Williams

Ich gestehe, dass Tad genauso sprach, lachte und augfunkelte, wie ich es mir vorgestellt habe. Vermutlich hab ich mal irgendwo schon mal eine Aufzeichnung gesehen oder sein Wesen beherrschte den Text. Obwohl – bei einer Übersetzung wird das schon schwierig. Wie auch immer, es war ein toller Abend. Ich habe Tad Williams live erlebt, konnte der Stimme von William T. Riker lauschen und selbst die Öffis hatten mal keinerlei Probleme.

Das zarte Knospen mechanischer Blumen

Natürlich hat mich die Autorin Swantje Niemann bei ihrer Lesung ihres Romans Drúdir im Bastelladen und Steampunk-Café mit Liebe selbstgemacht mühelos für sich eingenommen. So gedachte ich eines schönen Herbstnachmittags zum Glühwein und Spekulatiuskeksen ein wenig hineinzuschnuppern, da ich nicht mit meiner aktuellen Horror-Lektüre fortfahren wollte. Ihr versteht schon, ich wollte so eine warme Lesekuschelatmosphäre, ohne schon wieder zum Herrn der Ringe oder Harry Potter zu greifen.

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DRÚDIR VON SWANTJE NIEMANN, COVER: JÖRG SCHLONIES

Ich glaub, so schnell hat schon lange kein Büchlein mehr die SUB-Reihen verlassen, das kein Rezi-Exemplar war. Das Buch hat mich tatsächlich überrascht. Das liegt vor allem an den sehr unterschiedlichen Charakteren, die selten etwas mit Standard-Typen zu tun haben, obwohl man es denken könnte. Dann gibt es tatsächlich ein komplexes politisches System, was in der Lesung schon angesprochen wurde, aber in natura doch noch substantieller ist, als ich erwartet habe.

Überhaupt brach Swantje ständig meine Erwartungen. Man hat ja so Vorstellungen, wohin sich Szenen entwickeln, welche Konfrontationen sich in die Länge ziehen, welche Missverständnisse zu langen Fehden führen werden und so weiter. Hier hat mir Swantje mehrfach mit einem Dreh der Handlung gezeigt, dass man das auch anders schlüssig lösen kann. Sie hat da quasi meine Fantasie erweitert. Schöne Sache.

Steampunk allgemein ist nicht mein Ding, weil die technischen Details oft nur Zierde sind. Fliegerbrillen und Zahnräder überall. Punk ist sowieso selten zu finden, eher romantische Heldinnen. In Drúdir gibt es auch eine Romanze, aber die schwimmt im selben Meer wie Frankenstein und dichter daran, ein Punk zu sein als der Elf Phandrael, war schon lange kein Spitzohr mehr.
Ich kann euch nicht versprechen, dass es auch für eure Fantasyleseerfahrungen zutreffen wird, aber mit Drúdir könnt ihr nichts falsch machen. Es ist ein Debüt, dass auch euch überraschen wird, irgendwie, aber bestimmt stets im positiven Sinne.

Noch viel mehr Schwämerei gibt’s in meiner Rezension: Drúdir von Swantje Niemann

Party, Peace und Poesie

Bereits am Samstag ließ ich mich auf ein ganz besonders Event in den virtuellen Weiten des Second Life ein. Bisher besuchte ich nur die Lesungen und Aufführungen, die mich über Thorsten Küper, dem einzig wahren Kueperpunk, erreichten. Doch im Blog von Tante Nat erfuhr ich, dass sie aus Anlass ihres zehnjährigen SL-Lebens eine bunte Party plante.

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Tante Nat vor der Leinwand des Filmtempels

Zur Feier des Tages wurde der bereits vierundzwanzigste Machinima-Film gezeigt, den Nat mit Karima Hoisan zusammen erschuf. Nat kümmerte sich dabei um die Bilder, Karima lieferte das zugrundeliegende Gedicht und die Musik.

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Karima währender der sanften Lyriklesung

Vorab rezitierte Karima einige ihrer englischsprachigen Poems, während die Gäste meist als Hippies gewandet auf Decken im Gras lagen und bereitgestellte Getränke genießen konnten. Virtuelles Bier wird niemals schal!

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Mein Avatar lümmelte sich am Lagerfeuer hin und trank Bier

Der Filmtitel Derendered wies auch schon auf den Inhalt hin. Ein paar störende Dinge wurden aus der Welt entfernt. Die Bilder untermalten teils psychedelisch, teils fröhlich bunt das Gedicht von Karima und sorgten für eine ausgelassene Feierlaune.

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Derendered während der Aufführung

Nach Applaus, Lobes- und Dankesworte wurde die Beatbox angeworfen und die Avatare zum Abhotten gebracht. Ich bin ja immer noch SL-Laie und hätte das alleine nicht hinbekommen, aber zum Glück stand auf der Wiese ein Ball, dessen Berührung meine virtuelle Existenz zu einigen coolen Moves bewegte. Und mich daheim vorm PC überhaupt nicht ins Schwitzen brachten.

Zwischendurch erschienen unzählige Schmetterlinge und brachten zusätzliches Disco-Feeling. Nat verteilte dann noch Orka-Luftballons, die sich dann im Rhythmus der eigenen Tanzschritte über uns hin und her bewegten.

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Ein megacooler Moment

Eine ganz wunderbare Erfahrung. Ich hab zwar schon lustige Partys in WoW und Lotro besucht, aber dieser Abend hatte zudem noch diesen obercoolen Kunsteventcharakter. Da fühlt man sich gleich etwas hipper. Natürlich nix, was meinen Nachwuchs imponiert hat. Aber der hat einfach keine Ahnung von echter Hippigkeit.

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