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Wir haben Hunger, Hunger, Hunger!

Eine Woche ist es nun schon wieder her, da weilte Tad Williams im Festsaal Kreuzberg und stellte nach Jahren der Abstinenz einen neuen Osten-Ard-Roman vor.

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Heimeilig ist das Tor zur Festsaalwelt

Beim letzten Mal hab ich ihn verpasst, besser mein innerer Schweinehund, deshalb kaufte ich mir gleich nach Bekanntgabe der Lesetour-Daten ein Ticket.
Der Festsaal ist zwar nicht groß, dennoch konnten die Veranstalter nur etwa 40 Fans motivieren, was schon schade ist, jedoch waren sowohl Moderator Bernhard Robben, der deutsche Vorleser Detlef Bierstedt und Tad Williams selbst professionell genug, einen bezaubernden Abend hinzulegen.

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Detlef Bierstedt, Tad Williams und Bernhard Robben

Tad Williams selbst konnte nicht lesen, da er nicht nur sein Exemplar von The Witchwood Crown im Hotel vergaß, sondern gleich auch noch die Lesebrille. Auf deutsch heißt das Buch übrigens Die Hexenholzkrone.

So gab es zwei Lesungsblöcke von Detlef Bierstedt, der mit seiner markanten Stimme und der ganzen Kraft seiner Schauspielkunst keine Probleme hatte, das Publikum zurück nach Osten Ard zu locken.

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Detlef Bierstedt

Zumindest jene, die schon mal da waren. Bisher konnte ich mich noch nicht entschließen, diese Fantasyreihe zu goutieren. Mein Fantum gründet auf die Otherland-Reihe, deren ersten drei Bände ich einst verschlungen habe (Band 4 war damals noch nicht erschienen). Trotz der ca. 3000 Seiten gehört Otherland mit vielen prägnanten Erinnerungen immer noch zu meinen Lieblings-SF-Werken.
Allerdings scheue ich vor einem Reread zurück, es sind schon vier dicke Brocken. Aber immerhin ist Band 1 jetzt signiert! Da ich direkt von Arbeit kam, mussten die anderen Bände zu Hause bleiben.

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Tad signiert Otherland!

In der Fragerunde überzeugte Bernhard Robben durch eine gesunde Mischung aus Begeisterung und Wissensdurst. Er übersetzte ziemlich locker und fasste selbst längere Blöcke passend zusammen.

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Bernhard Robben

Die vorgetragenen Textteile erregten mich jetzt nicht so, jedoch die Vorstellung von hungergeplagten Leichenriesen hatte schon etwas. Aber falls ich mal die eisige Luft von Osten Ard schnuppern möchte, werde ich mit dem Drachenbeinthron beginnen, den ich leider bei einer oberflächlichen Suche am Vorabend nicht finden konnte. Elfenwerk!

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Tad Williams während der Fragerunde

Die Frau von Tad Williams war auch anwesend und beobachtete den Abend hinter ihrem Laptop um zu bloggen. Vermutlich stammen einige der Tweets und Retweets sogar von ihr, denn dort wird die Lesetour wirklich mustergültig begleitet und jede Meldung in den sozialen Netzwerken geteilt.
Seiner Frau kam auch eine große Rolle dabei zu, ihn wieder nach Osten Ard zu schicken, da sie ihn immer wieder frug, ob er denn nicht und so. Eines Nachts lag er dann im Bett und überlegte Gründe, warum nicht, als ihm eine Fortsetzung einfiel. So läuft das manchmal.

Das spielt nun also 30 Jahre später. Tad fand es ganz spannend, sich zu überlegen, was über einen so langen Zeitpunkt in der Welt von Osten Ard alles geschah und was aus den Figuren wurde. Als Anhaltspunkt nahm er sein eigenes Leben. Erfolg, zwei Frauen, Umzüge – da kommt etwas zusammen.

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Ein sehr famoser Kerl: Tad Williams

Ich gestehe, dass Tad genauso sprach, lachte und augfunkelte, wie ich es mir vorgestellt habe. Vermutlich hab ich mal irgendwo schon mal eine Aufzeichnung gesehen oder sein Wesen beherrschte den Text. Obwohl – bei einer Übersetzung wird das schon schwierig. Wie auch immer, es war ein toller Abend. Ich habe Tad Williams live erlebt, konnte der Stimme von William T. Riker lauschen und selbst die Öffis hatten mal keinerlei Probleme.

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Party, Peace und Poesie

Bereits am Samstag ließ ich mich auf ein ganz besonders Event in den virtuellen Weiten des Second Life ein. Bisher besuchte ich nur die Lesungen und Aufführungen, die mich über Thorsten Küper, dem einzig wahren Kueperpunk, erreichten. Doch im Blog von Tante Nat erfuhr ich, dass sie aus Anlass ihres zehnjährigen SL-Lebens eine bunte Party plante.

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Tante Nat vor der Leinwand des Filmtempels

Zur Feier des Tages wurde der bereits vierundzwanzigste Machinima-Film gezeigt, den Nat mit Karima Hoisan zusammen erschuf. Nat kümmerte sich dabei um die Bilder, Karima lieferte das zugrundeliegende Gedicht und die Musik.

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Karima währender der sanften Lyriklesung

Vorab rezitierte Karima einige ihrer englischsprachigen Poems, während die Gäste meist als Hippies gewandet auf Decken im Gras lagen und bereitgestellte Getränke genießen konnten. Virtuelles Bier wird niemals schal!

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Mein Avatar lümmelte sich am Lagerfeuer hin und trank Bier

Der Filmtitel Derendered wies auch schon auf den Inhalt hin. Ein paar störende Dinge wurden aus der Welt entfernt. Die Bilder untermalten teils psychedelisch, teils fröhlich bunt das Gedicht von Karima und sorgten für eine ausgelassene Feierlaune.

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Derendered während der Aufführung

Nach Applaus, Lobes- und Dankesworte wurde die Beatbox angeworfen und die Avatare zum Abhotten gebracht. Ich bin ja immer noch SL-Laie und hätte das alleine nicht hinbekommen, aber zum Glück stand auf der Wiese ein Ball, dessen Berührung meine virtuelle Existenz zu einigen coolen Moves bewegte. Und mich daheim vorm PC überhaupt nicht ins Schwitzen brachten.

Zwischendurch erschienen unzählige Schmetterlinge und brachten zusätzliches Disco-Feeling. Nat verteilte dann noch Orka-Luftballons, die sich dann im Rhythmus der eigenen Tanzschritte über uns hin und her bewegten.

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Ein megacooler Moment

Eine ganz wunderbare Erfahrung. Ich hab zwar schon lustige Partys in WoW und Lotro besucht, aber dieser Abend hatte zudem noch diesen obercoolen Kunsteventcharakter. Da fühlt man sich gleich etwas hipper. Natürlich nix, was meinen Nachwuchs imponiert hat. Aber der hat einfach keine Ahnung von echter Hippigkeit.

Etwas beleidigte Leberwurst zur Pretzell

Politisches Kabarett ist keine leichte Sache. Da meine Witze eh kaum jemand versteht, versuche ich es erst gar nicht. Der Kueperpunk hingegen konnte sich eine treue Second Life Fangemeinde erarbeiten, vor der er immer wieder gerne auftritt und die ihn nicht einmal mit geschmacksneutralen, weil virtuellen Tomaten bewirft.

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Das offizielle Poster zur Show

Am Sonntag präsentierte er kurzfristig, aber aus gegebenem Anlass seine Show Der Gutmensch kehrt zurück im Theater der Brennenden Buchstaben. Es ging natürlich um die Wahl und das Problem mit Menschen, die es als Protest ansehen, Nazis zu wählen.

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Thorsten Küper ist einer der 87%

Das Motto »Ich bin 87%« prangte überall im Theater und es bezog sich auf den Anteil jener, die nicht Ultrarechts wählten.

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Auch alles 87%

Der Kueperpunk baute in seinen Text auch einen Blogbeitrag seiner holden Gattin ein und insgesamt stand der Abend nicht im Zeichen hoher Gagdichte, sondern einer pointierten und bitterbösen Abrechnung mit menschlicher Dummheit.

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Buk Tom Bloch spazierte mit einem Plakat herum und wies einige Male auf gegen ihn gerichtete Diskriminierung hin.

Sehr froh war ich auch, den Avatar von Bernhard Giersche zu sehen. Bernhard kämpft derzeit gegen Karl, wie er seinen Krebs nennt, und schreibt gegen ihn gerade mit aller Macht an. Am 05. November will er das fertige Buch in Second Live präsentieren – Monate nach dem ihm prognostizierten Ende. Ich werde im Publikum sitzen! Es war schön, dass er noch ein paar Worte nach Küpers Auftritt sprach. Meine Daumen bleiben gedrückt für ihn.

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Berhard Giersche im Gespräch mit dem Kueperpunk

Wer noch mehr bösen Rant zur Lage der Nation lesen möchte, dem empfehle ich die kleine Beitragsreihe Wo ich lebe von Uschi Zietsch auf ihrem Blog. Gerade heute, da sich PolitikerInnen wieder dafür auf die Schulter klopfen, irgendwann einen Vertrag unterschrieben zu haben, tut es Not darauf hinzuweisen, dass man in der BRD eine ganze Reihe von Dingen gar nicht wertschätzt. Etwa Sozialleistungen oder Kreativität. Es gibt heute nichts zu feiern.

Euch allen einen schönen freien Tag!

Kann mal ein Erwachsener übernehmen?

Wenn Zwerge im Spiel sind, werde ich weich. Kein Wunder also, dass ich mir eine ganz besondere Lesung dick im Kalender anstrich: Gestern stellte Swantje Niemann die Neuausgabe ihres Romans Drúdir im Bastelladen und Steampunk-Café mit Liebe selbstgemacht vor.

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mit Liebe selbstgemacht in der Greifswalder Straße 150

Der Roman erschien zunächst bei neobooks, aber auf der letzten Buch Berlin  sprach Swantje Holger Kliemannel von der Edition Roter Drache an und ein freier Programmslot später sowie nach einem guteingelegten Wort von Anja Bagus, liegt nun das dicke Taschenbuch mit neuem Cover vor uns.

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Drúdir von Swantje Niemann, Cover: Jörg Schlonies

Zum Glück musste ich nicht ganz allein in die Greifswalder Straße 150 fahren. TFA aus dem Forum des SF-Netzwerkes hatte schon länger einen Blick auf Buch und Autorin geworfen und schloss sich der Lesungsexpedition freudig an. Er kannte auch das alte Cover und lobte deren Vorzüge. Auf der Homepage von Swantje kann man ihre eigenen Skizzen betrachten, die dem neuen Cover als Vorlage dienten.
Es zeigt nun zwei wichtige Figuren des Buches. Zum einen die Automate, ein gefährliches Mischwesen aus Metall, Magie und Zwergenresten und natürlich Titelheld Drúdir selbst. Swantje erzählte von ihrer Befürchtungen, mit den Bildern die Fantasie ihrer Leserschaft zu sehr voreinzustellen, aber das ist nicht leicht vorherzusehen.

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Arne aus der Danksagung und Swantje vor der Lesung beim Tee

Zunächst konnten wir uns in dem schicken Laden umsehen. Der vordere Teil mit dem Café steht ganz im Zeichen des Steampunks und ist entsprechend geschmückt.

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Die Details sind wichtig

Im hinteren Teil befinden sich die Regale mit Bastelutensilien und ein Raum für Kreativkurse. Dort fand auch die Lesung statt. Sehr hübsch war die alte Schreibmaschine, die auf dem Lesungstisch stand und somit auch hier eine gediegene Steampunkatmosphäre verbreitete.

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Das Licht der Magie

Swantje hatte extra Kuchen gebacken und als besonderes Event eine Verlosung angekündigt für alle die in Steampunkkostümen auftauchten. Da ich so etwas nicht besitze, musste ich auf diesen Programmpunkt verzichten.

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Haben mehr Kalorien als eine Fantasy-Trilogie Seiten

Nachdem sich die Autorin noch mit einem stilistisch passendes Korsett umgab, begann die Lesung.

Zunächst erlebten wir Drúdirs Begegnung mit seinem toten Lehrer, Uhrmacher Fragar. Der junge Zwerg, kaum 40, hat nämlich eine ganz besondere Fähigkeit. In einer Zeit, da Magie schon seit vielen Jahrzehnten verschollen ist, spürt er ihre Netze und kann die Erinnerungen der Toten sehen. So erlebt er den Mord an Fragar mit.
In einer zweiten Szene lernen wir die Automate vom Titelbild kennen und zum Schluss gab es noch einen epischen Blick auf die unterirdische Seestadt Schwarzspiegel, die mir ganz besonders gut gefiel. Mal wieder eine richtig coole Zwergenmetropole.

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Swantje freute sich sehr über die Fragen

Die Fragerunde rettete ein junger Fan, der als erstes fragte, ob der Mörder ein Elf sein, was auch meine Vermutung war. Doch Swantje verriet nix.

Dann erkundigte er sich nach Band 2. In der Tat hat Swantje den zweiten Teil bereits fertig, da ihr Ende des Sommers einige zündende Ideen kamen und ein/zwei davon waren sogar gut. Nach einer weiteren Überarbeitung Ende des Jahres wird er an den Verlag gehen und planmäßig 2019 erscheinen. Einen Titel hat sie bisher noch nicht, sodass auch die Vorankündigung am Ende des ersten Bandes noch vage bleibt.
Einen dritten Band wird es wohl auch geben, da Duologien in der Fantasie unüblich sind und man eine Trilogie erwarten würde.

»Jetzt muss ich mir irgendwas einfallen lassen und behaupten, es sei von Anfang an geplant gewesen.«

Der zweite Band spielt dann weiter im Süden, nicht mehr in der Union mit ihren Zwergen, sondern bei den Menschen, die im ersten Band keine besondere Rolle einnehmen.
Drúdir wird weiterhin im Zentrum stehen und Swantje hat ein sehr klares Bild von ihm im Kopf:

»Er sieht sich selbst noch als sehr jung: Huch, ich hab mich grad erst an das Erwachsenwerden gewöhnt … und meine Magie … und oha, kann bitte ein Erwachsener übernehmen? Würde er selbst so nie sagen, aber er fühlt ein bisschen so.«

Spannend wurde dann die Diskussion, mit welchen Waffen die verschiedenen Rassen meucheln würden und ob ein Elf Nackenschmerzen bekäme, wenn er einem Zwerg versucht, die Kehle durchzuschneiden. Anatomisch korrekte Fantasy ist etwas Schönes!

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Sorgt sich um Elfennacken

Viele Gedanken hat sich Swantje auch um die politische Struktur ihrer Welt gemacht.
Die Zwerge konnten sich durch den Wegfall der Magie aus ihrer Unterdrückerrolle befreien und durch die Erfindung der Dampfmaschine eine industrielle Revolution einläuten. Eine dadurch beginnende Demokratisierung ist»eine Versuch- und Irrtumentwicklung und sie steuern gerade auf einen sehr großen Irrtum zu.«

Eine große Rolle spielt auch das Land der Elfen.

»Es gibt zwei Länder der Elfen, weil ich Problem mit monolithischen Kulturen in der Fantasy habe.«

Ganz klassisch geteilt in integrationswillige und in traditionell lebende Elfen. So kennt man die Spitzohren ja.

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Was schreibt man rein?

Für mich klingt das alles ganz spannend und das (natürlich signierte) Buch landet direkt auf meinem Nahzeit-SUB. Der Herbst ist lang, der Winter kommt und von irgendwas muss man ja leben.

Von der Mauer segelt ein unbeschriebenes Blatt

Das Literarische Colloquium Berlin verführt mich immer wieder mal, mich mit Künstlern zu beschäftigen, von denen ich kaum mehr kenne, als ihren Namen.
Und Durs Grünbein ist schon ein beachtlicher Name, ein unvergesslicher Name.
Ich wusste, dass er Dichter ist und vermutlich las ich in der fernsten Jugendzeit auch einen Text von ihm, jedoch seit ich Lyrik eher im Netz verfolge, geschieht es selten, dass mir ein Analoger begegnet.
Diese Begegnungen im LCB sind dann auch ehrwürdig, ehrfürchtig sogar und hoch interessant.

Durs Grünbein präsentierte zum Herbstanfang seinen jüngsten Gedichtband Zündkerzen.

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Zündkerzen von Durs Grünbein, Cover: Regina Göllner und Hermann Michels

»Sowas kommt alle fünf bis sechs Jahre vor, dann kann man wieder eine Ernte halten.«

Er hatte sich als Gesprächspartner Cord Riechelmann gewünscht. Ein Biologe, der neben seiner Forschung auch journalistische Texte zu Tieren in Stadträumen schreibt, etwa für die faz.

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Cord Riechelmann und Durs Grünbein

Das passte sehr gut zusammen, da Durs Grünbein viel über Spatzen und Mauersegler zu berichten und Cord Riechelmann diese Themen in der Lyrik zu schätzen weiß.
Das Gespräch war dementsprechend auch sehr entspannt und freundschaftlich.
Ich hatte das Vergnügen, hinter mir offenbar Tochter und Frau von Durs Grünbein beim intensiven Auswerten des Abends erleben zu dürfen, was zur lockeren Atmosphäre eine familiäre Note hinzufügte. das ist natürlich unfair, weil man gar nicht schlechtgelaunt sein konnte.

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Durs Grünbein im Gespräch

Die vorgetragenen Gedichte berührten mehrere Komplexe. Zunächst ging es um den kleinen Wunsch, noch einmal ein unbeschriebenes Blatt sein zu können. Diverse Piniengedichte untersuchten sprachliche Assoziationen von Pin bis Pinguin und bogen mühelos in politische und soziale Nebenstraßen ab.
Zum Schluss ging es dann um Primaten, ihr Lebensgefängnis im Zoo, was man daraus für uns Menschen ableiten kann und wie es kleine Vögel schaffen, Forscher zum Fröhlichsein zu bewegen, die eigentlich nach Wegen suchen, Soldaten zu effizienteren Kriegern zu schmieden.

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Ich ließ mir meine Zündkerzen signieren, in Bunt!

Die Lyrik von Durs Grünbein liegt schon ziemlich auf meiner Linie und es war mir ein großes Vergnügen, beide kennen gelernt zu haben.

Und bist Du nicht willig, dann dicht’ ich!

Die Lektüre von Marion Alexa Müllers Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren hatte ich große Lust, sie wieder einmal live zu erleben und anstatt mir ein Politikdiskussion in einem aussterbenden Medium anzuschauen, besuchte ich also die Lesebühne Vision und Wahn im Periplaneta Literaturcafé.

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In der Bornholmer Straße

Die Lesebühne feierte das Erscheinen ihrer vierten Anthologie mit dem hübschen Namen Die Einsamkeit des Hurenkindes und fünf der darin vertretenen Künstlerinnen und Künstler gaben einen kleinen Einblick in das Wesen dieser literarischen Darreichungsform.

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Man zahlt, um zu gehen in die Künstlerkassenkanne ein

Thomas Manegold moderierte den bunten Abend mit präsenter Lässigkeit und eröffnete ihn mit der Präambel des Hurenkindes, in der es um das tragische Schicksal eines Hardcovers ging, und erklärte auch für alle Satzfehlerunwissenden, worin der Charme eines Hurenkindes läge.

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Hackerversteher Tom

Tom durfte dann auch in seiner Anmoderation von DerJesko auf den hübschen Artikel im Künstlernamen von Jesko Habert hinweisen, der uns sodann eine Kostprobe seiner Slampoetry bot.

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DerJesko

Im Anschluss kredenzte Marry dann tatsächlich einen Text aus Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren, der quasi einem Schwein gewidmet ist und natürlich gewohnt böse endet. Übrigens merkte sie an, dass man ihrem Text ein Hurenkind versagte. Wer hat da wieder nicht aufgepasst?

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Nicht mal ein klitzekleines Hurenkindlein für die Cheffin

Als Stimmungsaufheller angekündigt, berichtete Robert Rescue knochentrocken aus dem Alltag einer verschwundenen Kulturinstitution, der DVD-Theke.

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Robert Rescue lieh sich einst DVDs

In die Pause säuselte uns wieder einmal Josias Ender, dessen zweite EP nun endlich erhältlich ist.

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Zurück aus den Wäldern – Josias Ender

Voller Neugierde stürzte ich mich, kaum dass die Tore wieder offenstanden, auf Robert Rescue, da ich mir Neuigkeiten zum Intimitätendieb 2 erhoffte. Jedoch steht das nun nicht auf seiner Projektliste ganz oben. Zunächst wird im Herbst ein weiterer Band mit skurrilen Wedding-Geschichten erscheinen. Aber der Phantastik bleibt er hold verbunden und arbeitet auch schon an einem neuen Roman. Thema wird eine komplizierte Art der Unsterblichkeit sein. Sein Hauptfokus liegt aber auf einer Reihe Geschichten um einen phantastischen Ermittler mit Technologiebezug. Die erste Episode wird es wahrscheinlich zur nächsten Drachenfliege Fantasynacht am 28.10.2017 geben und ich hoffe sehr, dass ich diesen Termin mal nicht verpasse.

Marry brach gleich nach der Pause eine feine Lanze für die Lyrik. Sadismus in der Buchbranche erschien bereits auf ihrem Blog und ich finde ihren Kampf für die Verbreitung von Lyrikbändchen heldenhaft, mutig und unbedingt fortführenswert. Ich hätte da auch noch ein paar hundert Gedichte …

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Muse Marry

DerJesko erdete uns danach aber nicht, sondern entführte uns erneut in seine Welt entschwindender Regentropfen. Um das nochmal nachlesen zu können, lohnt sich der Kauf der Einsamkeit des Hurenkindes unbedingt, auch wenn solch Text in der ganz besonderen Vortragsweise, die immer wieder in einen schnellen Rap rutscht, auf jeden Fall ein Erlebnis ist.

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Elogien mit Beat – DerJesko

Sarah Strehle fing vor einigen Jahren als Praktikantin bei Periplaneta an und wünschte sich einen Job als Lektorin. Da man aber bei Periplaneta unbedingt auch schreiben muss, stand sie bald selbst auf der Bühne. Nun präsentierte sie uns ihren allerersten Text und der war ein todtrauriges Mahnmal gegen Gewalt.

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Leg Dich nie mit der Lektorin an: Sarah Strehle

Nach  dieser harten Story irritierte Tom sein Publikum kurz, als er sich über den letzten Tatort verwundert zeigte, der sich erst nach einer Stunde als TV-Duell zu erkennen gab. Passender Weise trug er denn auch einen Text vor, der zur letzten Bundestagswahl entstanden war und sich zu seinem Grauen mit wenigen Änderungen aktualisieren ließ. Toms Ärger wurde mit jeder Zeile deutlicher.

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Wahltag ist immer noch Zahltag

Tja, er hat schon Recht, am Wahltag versenken wir unsere Stimme in einer Urne. Wenn das kein trübes Bild ist. Übrigens gab Tom auch eine Empfehlung zum Flughafen Tegel ab. Oder auch nicht.

Klar, dass nun Robert Rescue gefragt war. Mit radikaler Freundlichkeit erfüllte er sein Amt und brachte die Helligkeit zurück. Natürlich sind seine bangen Air-Berlin-Ängste auch eher tragischer Natur, aber eben sehr erhellend.

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Hätte gern Schokoherzen gehortet.

Dann war auch schon wieder Zeit, dass Josias uns federleicht in die Nacht entließ.

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Der sanfte Ausklang des Abends

Zwischen Hustenbonbons, Hirnkuchen und Bier passt immer auch noch Literatur. Das Ergebnis sind Visionen und Wahn. Eine phantastische Mischung! Das Periplaneta-Jubiläumsjahr ist aber noch nicht zu Ende: Am 15.09. wird das Zehnjährige gehörig gefeiert und wer das Buch zum Bier zu schätzen weiß, sollte vorbeischauen!

Am Ende des Gemetzels sollst du ihn lieben

Ann Leckie weilte gestern im Otherland und da ich schon fast auf dem Flug in den Süden bin, hier nur ganz kurz ein kleiner Bericht mit ein paar Bilderlein.

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Wolfgang Tress, Simon Weinert und Ann Leckie

Wolfgang und Simon waren stolz wie Bolle, Ann Leckie in ihrer proppevollen Buchhandlung begrüßen zu dürfen. Ann kam via München aus Spanien und zeigte sich vom Wetter unbeeindruckt.

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Ann Leckie

Sie ist eine sehr freundliche, offene Frau mit klaren Worten und feiner Selbstironie, die gern lacht.

Aus ihrem jüngsten Buch las sie nicht vor, das entsprechende Kapitel war wohl zu lang, dafür gab es einen witzigen Auszug aus Band Drei ihrer Imperial Radch Trilogie, in der es um Translator-Identifikationsprobleme ging. Das las Ann mehr als passabel und schlussendlich überzeugte sie mich, die Trilogie nun doch noch komplett zu lesen.

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Ann las aus »Ancillary Mercy«

Der Frageteil hatte es in sich. Neben Fragen zum Schreiben, Lieblingsfiguren und Erfolgskonzepten ging es auch um die Genderproblematik. Passenderweise befand sich ihr deutscher Übersetzer Bernhard Kempen im Publikum, sodass es hier kompetente Auskünfte gab.

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Bernhard Kempen

Sehr spannend fand ich ihre Anekdote um die dramatische Tempelszene, deren Bedeutung für die Liebesgeschichte definitiv davon abhängt, an welcher Stelle sie sich im Roman befindet. Zum Glück war sie durch ein Hinweis während des Probelesens vorgewarnt und konnte dem Lektor ausreden, diese Szene an den Anfang des Romans zu stellen.

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Margaret Atwood und Ian M. Banks schauten ihr über die Schulter

Es war ein wunderbarer Abend und ich ließ mir mein Exemplar von Die Maschinen nicht nur von Ann sondern auch von Bernhard signieren.

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Ann beim Signieren

Die Crew des Otherlands ist einfach großartig im Organisieren sensationeller Buch-Events. Morgen, wenn Marko Kloos wieder einmal dort aufschlägt, bin ich aber bereits außer Landes.

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Bernhard kam auch nicht drumherum

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