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Wenn Ameisen mit Worten antworten

Am Krabbeln und Knistern wirst du sie erkennen und sie werden sich in Massen auf dich stürzen!

Ja, kreatürliche Ängste vor dem großen Krabbeln kannte wohl auch Herbert G. Wells. Der Urgroßpapa der modernen SF schrieb eine Reihe von Kurzgeschichten, in denen er bereits recht früh Fragen nachging, die wir noch heute nicht ordentlich beantworten können oder wollen.

Das Imperium der Ameisen geht der Frage nach, ob Ameisen in der Lage wären, den Menschen zu verdrängen. Oliver Döhring schnappte sich diese eher nicht so bekannte Geschichte von Wells für seine kleine Hörspielreihe bei Universal und transportierte sie in die Moderne.

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Das Imperium der Ameisen von Herbert George Wells

Dabei erweiterte er sie um eine kleine Rahmenhandlung, durch die es ihm möglich wurde, ein etwas spektakuläreres Finale zu inszenieren. Diese Modernisierung gefiel mir bei seiner Version von Die Zeitmaschine nicht so, aber hier hatte er das richtige Händchen, wie ich finde.

Es gibt ja immer wieder Geschichten, die von Möglichkeiten berichten, wie die Menschheit durch evolutionär fittere Spezies verdrängt werden. Ob Affen, Wale, Aliens oder eben Ameisen. Durch die schiere Masse allein schon erscheint es irgendwie vorstellbarer, dass Ameisen, würden sie ersteinmal die Menschen als Feinde erachten, kaum Probleme hätten, uns vom Planeten zu fegen. Das Hörspiel verdeutlicht das sehr fesselnd und legt seinen Fokus eindeutig auf den Abenteueraspekt.

Mir sind solche Hörspiele deutlich lieber als die auf Kunst und Experimente besessenen Produktionen, in denen psychedelische Klangwelten, wabernde Sprachschnipsel und mehrfach gebrochene Handlungsfragmente sich mühen, Schwächen in der Story zu verdecken.

Das Imperium der Ameisen wird wohl keinen DSFP erringen, aber Spaß bereiten.
Meine Rezi lauert im Fantasyguide: Das Imperium der Ameisen von Herbert George Wells

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Zweimal schwach ist traurig

Die blühende Landschaft deutscher Phantastikpreise ist bunt. Während ich wenig zur Fantasy und zum Horror sagen kann, fällt mir zur Science Fiction schon mehr ein.

Preise sind Geschmackssache, daher ist es völlig in Ordnung, wenn ich mit meiner Meinung allein da stehe. Niemand muss sie teilen und der folgende Text soll niemand angreifen, kleinreden oder gar beleidigen.

Jedenfalls ist das Ergebnis der diesjährigen Runde zum Deutschen Science Fiction Preis und zum Kurd Laßwitz Preis in den Kategorien deutschsprachige SF-Romane und SF-Kurzgeschichten in meinen Augen schwach.

Ich gönne der Siegerin Gabi Behrend und den Siegern Dirk van den Boom, Andreas Brandhorst und Michael K. Iwoleit ihre Preise, alle vier habe ich schon persönlich getroffen oder zumindest live erlebt und alle sind nett, wenn man mit MKI auch trefflich streiten kann. Alle vier schreiben auch gar keinen Mist und haben zum Teil sogar ganz Großartiges verfasst.

Was mich aber stört ist, dass sowohl beim DSFP als auch beim KLP erneut solider Mainstream gewonnen hat, vermutlich sogar eher die Menschen als ihre Werke.

Schaut man sich etwa die Punkteverteilung für die Romane beim KLP an, konnte der Gewinner Andreas Brandhorst mehr als doppelt so viele Punkte erringen wie Frank Hebben. Selbst Thomas Thiemeyer und Horst Evers landeten vor der Novelle Im Nebel kein Wort. Vielleicht lag es auch an der Entscheidung, sie nicht bei den Kurzgeschichten zu listen, aber dass die deutschen SF-Schaffenden in so eklatant deutlichen Zahlen den Standardroman feiern, enttäuscht mich doch. Ich befürchte, dass derartige Zeichen weder Experimentierfreude noch literarische Kreativität fördern helfen.

Ich beobachte seit Jahren, dass in dem von mir besuchten Teil des Fandoms, ein gewaltiger Tellerrand entstanden ist, der nur ganz selten überklettert wird. Kaum eines der für mich spannenden SF-Werke der letzten Jahre fand dort Beachtung oder LeserInnen. Falls doch mal ein Werk gelesen wurde, zeigte sich schnell eine fast intuitive Ablehnung von Sprache und Themen jenseits des Gewohnten. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass oft jene Texte begehrt sind, die an Werke erinnern, mit denen die eigene SF-Begeisterung begann. Das ist an sich völlig in Ordnung, aber letztlich ein Schmoren im eigenen Saft. Und vor allem stinklangweilig.

Spannende Abenteuerromane lese ich sehr gerne, doch von einem Buch des Jahres erwarte ich mehr. Ich find die Ergebnisse für die deutsche SF bedauerlich, beglückwünsche aber natürlich sowohl Gabi, als auch die die drei Herren. Möge sie das Wort nie verlassen!

Wurde aber auch Zeit!

Zweimal kulinarisches Future-Food-Treffen in einem Monat – kein Wunder, dass mein Lieblingsshirt ganz gespannt in die Zukunft blickt.
Nachdem wir Anfang des Monats Dirk van den Boom von einem erschöpfenden Seminar ablenken konnten, gab es gleich noch mehr zu feiern.

Frank Böhmert schrieb vor kurzem in seinem Blog über sein allererstes Hörspiel, das nun gänzlich umsonst zum Hören angeboten würde und spontan beschlossen wir, dieses Stück schweizerischer Schreckmümpfeli-Audiokultur gemeinsam wegzulauschen.

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Mit leckerem Sekt in der Hand erzählte Frank den Hintergrund zu »Brüderlein und Schwesterlein«

Und prompt wurde aus der kleinen Terrassenparty noch eine Jubelstunde, denn der ewige Geheimtipp Frank Böhmert ist nun ein gepriesener SF-Autor.
Da man nicht alle Tage den DSFP gewinnt, gabs eine ordentliche Flasche Rum von uns gratis dazu.

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Es stand in der phantastisch!»Operation Gnadenakt« 

Gegrilltes, Hörspiel, Lagerfeuer und BVG-Abenteuer – es war ein wunderbarer Mai-Abend, herzerwärmend perfekt wie die Bohemian Rhapsody.

Jetzt müssen wir das Niveau nur noch halten …

Das kurze Grinsen

Alle Jahre wieder trudeln die Literatur-Preise den Wörterberg hinunter und meist verfolgt man nur ein paar von ihnen, so groß ist ihre Anzahl.
Mich interessieren die Phantastik-Preise und von den anderen nur die, in denen phantastische Werke nominiert werden.
Ab und zu richte ich auch meine Lektüre danach aus. So stellte ich nach den Nominierungen zu DSFP und KLP fest, dass ich bei den Kurzgeschichten 2015 doch einige Lücken besaß. Zumindest eine konnte ich nun schließen.

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Das Amt für versäumte Ausgaben von Uwe Hermann, Cover: Ernst Wurdack

Uwe Hermann frug quasi parallel zum Lektürefortschritt von Micha Schmidt bei mir an, ob ich nicht seinen aktuellen und immerhin schon vierten Sammelband Das Amt für versäumte Ausgaben rezensieren wollte. Es enthält mit Der heilige Wasserabsperrhahn und Versuchsreihe 13 – Die Infektion zwei Kurzgeschichten, die jeweils für einen der beiden SF-Preise nominiert wurden und von daher ließ ich mich gern bequatschen.

Von den zehn Geschichten gefielen mir letztlich nur drei wirklich gut, der Rest ist okay. Zumindest konnte ich Versuchsreihe 13 – Die Infektion als rechtmäßige Nominierung bestätigen und hab nun etwas zum Grübeln für meine KLP-Abstimmung.
Konkreter auf die Geschichten gehe ich in meiner Rezi ein: Das Amt für versäumte Ausgaben von Uwe Hermann

Der DSFP ist übrigens seit Anfang der Woche gelaufen. Erwartungsgemäß gewann bei den Romanen Andreas Brandhorst mit Das Schiff. Ich kenne das Buch nicht, aber den Lesegeschmack einige Jurymitglieder und enthusiastische Äußerungen im Vorfeld ließen wenig Zweifel an der Tendenz einer Entscheidung. Glückwunsch, Andreas!

Große Freude bereite mir natürlich der Sieg von Frank Böhmerts Story Operation Gnadenakt. Es ist eine kleine, böse und hintersinnige Pointengeschichte. Kurz und auf den Punkt geschrieben, wie es sich für einen echten Böhmert gehört und trotzdem haut sie dir ganz große menschliche Themen um die Ohren. Das nächste Future Food wird also nicht nur seinem Hörspielklassiker gewidmet sein, sondern auch das Ende eines Ewigen Geheimtipps feiern. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.

Also werd ich mal brav aufessen.

Schlussstrich

So, ich habe mich aus dem DSFP-Komitee verabschiedet.

In den letzten Tage bin ich nur voller Wut im Bauch herumgelaufen und gar nicht mehr runtergekommen. Sowas ist Quatsch.

Auf der Dunklen Seite

Ich bin immer noch wütend über die Preise für Dschiheads. Das hat weniger damit zu tun, dass ein bestenfalls mittelmäßiger Text ausgezeichnet wurde, als vielmehr damit, dass niemanden zu stören scheint, welch billiger Mittel sich Jeschke bedient, um seine Dschiheads zu charakterisieren.

Etliche positive Stimme gehen gleich ganz davon aus, dass Religion nur ein Randthema des Romans sei. Was ich zusätzlich erschreckend finde.

Aber dass ein Autor nicht dafür gerügt wird, seine Bösewichter aus der untersten Klischee-Schublade geholt zu haben und sich dabei nicht scheut, alte Diskriminierungsmodelle aufzuwärmen, bringt mich zum Kochen.

Wenn es wenigstens im Roman eine Handlungsnotwendigkeit gegeben hätte, Übergewicht und Homosexualität als Wesensmerkmale der Dschihead-Elite einzusetzen, könnte ich damit problemlos leben. Aber nein, nicht einmal die Pädophilie des Sekten-Gurus hat irgendeine Verbindung zum Rest der Geschichte.
Jeschke ging es offenbar nur darum, irgendwelche Dinge an seine Figuren anzuheften, die er als negativ empfindet.

In die Laudatio zum DSFP hätte ich gern einen Passus aufgenommen, dass sich das Komitee wenigstens grundsätzlich von Diskriminierung distanziert. Die Hoffnung besteht, dass in der Laudatio auch die kritischen Stimmen der Jury zu Wort kommen, ich war ja nicht alleine mit meiner Kritik.

Das lindert die Wut aber nicht. Und Wut ist der Weg zur Dunklen Seite …

Wo haben die Milchbärte ihre Laserschwerter nur versteckt. Chaos, deine Geburtstätte heißt Kinderzimmer.

Delany hat wahrscheinlich gar kein so gutes Gedächtnis, sondern Notizbücher. Für so etwas müsste ich mir aber erst einmal eine lesbare Handschrift zulegen.

Wohin man auch blickt, überall nur Elfenwerk!

Zeitgereist und parallel

Im p.machinery Verlag von Michael Haitel sind letztes Jahr jede Menge Story-Sammlungen erschienen, viele in der vom SFCD unterstützten Reihe AnfroSF.

Die Science-Fiction Kurzgeschichte hat es in Deutschland momentan nicht gerade leicht. Der Markt ist schwach, mit Storys ist kein gesichertes Einkommen zu erreichen.
Immerhin kann sich Axel Kruse nun über den Gewinn des DSFPs für die beste Kurzgeschichte des Jahres 2013 und der damit verbundenen Euronenschwemme freuen. Die Lorbeeren wird er auch nicht verachten, er soll ein Netter sein. :wave:

Ich fand die nominierte Story nun nicht gar so superduper, aber mein Favorit war ja eh nur Teil einer größeren Story und kommt zudem bald als Gesamtpaket heraus, neue Chance für Michael Marrak. Es müsste ihn schon arg durchelfen, wenn er da noch etwas vermasseln würde. Hoffentlich ist die Wartezeit auf Der Kanon mechanischer Seelen nicht zu lang.

Im Fantasyguide findet sich die Rezension zur Storysammlung von Axel Kruse – Seitwärts in die Zeit.

Axel Kruse – Seitwärts in die Zeit (Cover von Crossvalley Smith)Axel Kruse – Seitwärts in die Zeit (Cover von Crossvalley Smith)

Auf jeden Fall lesenswert. Themenspezifische Bände haben ihren ganz eigenen Reiz.

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