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Goldige Zeiten

Das Ergebnis eines Kickstarterprojektes einer kalifornischen Autorin erwartet man nicht unbedingt in der Liste von Neuerscheinungen eines deutschen Verlages.

Doch zum Glück reden wir hier von FISCHER Tor. Mit der geballten Macht des US-amerikanischen Mutterhauses kann man auch so etwas Unwahrscheinliches wie Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers in die hungrigen SF-Regale bringen.

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Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers

Markus Mäurer stellte den Roman vor einiger Zeit auf seinem Blog vor und spendierte die Rezi auch dem Fantasyguide. Er schreibt darin eigentlich schon alles, sodass ich mir diesmal eine eigene Rezi dort erspare und hier im Blog nur ein paar klitze Kleinigkeiten ergänzen will.

Was Dietmar Dath in 20 Seiten rausballert, nämlich intensive Figuren-Biographien, lässt Becky Chambers in der deutschen Übertragung von Karin Will, über 539 Seiten langsam in die Handlung einfließen. Dabei geht es »für praktisch alle Figuren auch ans Eingemachte«, wie Frank Böhmert schrieb.

Trotz einiger dunkler Momente ist der Flug der Wayfarer reinste Wohlfühl-SF. Jetzt nicht, weil alles superduper ist, sondern weil die Mischung für mich stimmt.

Becky Chambers erzählt sehr warmherzig. Man spürt ihre Liebe zur Science-Fiction, zu cooler Technik und fremdartigen Aliens samt ihrer Soziologie, die ja sonst viel zu oft außen vor bleibt. Ihr Weltenbau bietet Platz für Konflikte, Utopien und technische Voraussagen. Sogar Essen und (unkonventioneller) Sex kommen nicht zu kurz. Wohldosiert, ohne jegliche verklemmte oder pornographische Peinlichkeit.

Ein sehr entspanntes Büchlein.

Leider bin ich Gott

Als Ungläubiger ist Religion ja immer etwas, dem man sich intellektuell nur annähern kann. Komplett verstehen werd ich das wohl nie.

Aber da ich mir viele Dinge vorstellen kann, käme es auch in Betracht, dass etwa meine Bartstoppeln religiös sind und ich jenes Überwesen darstelle, das sie regelmäßig zurechtstutzen muss.

Tut mir Leid, Jungs, aber dem Zusammenleben mit einer Göttin muss auch ich Opfer darbringen.

Warum sich nun Dietmar Dath mit Religion befasst hat, weiß ich nicht, aber sein kurzzeitig jüngster Roman, Leider bin ich tot, setzt sich intensiv damit auseinander und das über weite Strecken außerhalb meiner Verständnismöglichkeiten.

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Leider bin ich tot von Dietmar Dath, Cover von Oliver Scheibler

Zumindest aber die Anfänge seiner Gedankenspiele leuchten mir ein. Dass sich komplexe Systeme zu Bewusstsein aufschwingen können, beweisen wir Kohlenstoffverbindungen schon zur Genüge, warum also nicht auch der Wind, oder der Geldfluss.

Dath baut in seinen Roman auf der metaphysischen Ebene dann aber noch Kain und Abel ein, mit denen ich gar nichts anzufangen weiß, außer dass einer den anderen umbrachte und dieser Brudermord für die Christen von Bedeutung ist.

Im Buch geht das hin und her, Zeitebenen wechseln, sind veränderbar wie Kain selbst, der auch eine Frau sein kann. Metawelten existieren nur einen Spiegelblick entfernt und so weiter.

Alles sehr verworren. Das bekam ich dann nicht mehr mit dem denkenden Wind oder Gräsern verknüpft.

Spannend an Leider bin ich tot ist aber viel mehr der bunte Gegenwartsmix. Ein Großteil der Handlung spielt in 2012 und Dath dokumentiert quasi einen bestimmten Zustand der Bundesrepublik anhand grandios erzählter Lebenswege. Dem Mann fließen farbenprächtige Figurenarchetypen nur so aus den Fingern. Obwohl ich Gegenwartsliteratur gar nicht mag, muss ich zugeben, das hier mit Spannung verfolgt zu haben.

Keine Empfehlung als Gesamtpaket, außer man ist philosophisch versiert genug, aber eine lohnenswerte Kostprobe dathscher Stilistik bietet sich darin allemal.

Mehr dazu in meiner Rezi: Leider bin ich tot von Dietmar Dath

Apropos Gottsein. Die Abstimmungsbögen zum KLP sind angekommen. Frank Böhmert hat sich grad zu seinen Favoriten geäußert. Ich muss mich da jetzt entscheiden, ob ich Frank Hebbens Erzählung Algorithmus des Meeres oder Daths Venus siegt bevorzuge. Verdammt schwere Sache für einen Preisgott wie mich. Vielleicht muss ich den Würfelgottjob übernehmen.

Es ist echt nicht leicht, ein Gott zu sein.

Na dann macht mal Krach!

Literturzeitschriften gibt es bestimmt sehr viele und darum wunderte es mich nicht, als im Horror-Forum das Magazin Krachkultur beworben wurde, und ich noch nie etwas davon gehört hatte. Das gibt’s immerhin schon seit 1993.

Aber bisher war ich wohl auch nicht Zielgruppe, aber eine Ausgabe zum Thema Phantastik trifft mich direkt zwischen den Augen.

Krachkultur 17/2015, Cover von Yanko Tsvetkov

Krachkultur 17/2015, Cover von Yanko Tsvetkov

Warum ich es aber sofort haben musste, waren die Namen Dietmar Dath, Anja Kümmel und Leif Randt.

Daths SF ist meiner Meinung nach im Augenblick das Beste, was in deutscher Sprache zu bekommen ist und in die Krachkultur semmelt er auch gleich ein wortgewaltiges Manifest. Darin geht es um das Selbstverständnis der Phantastik und um dumme Literaturkritik. Man spürt seine Wut und Frustration, dass es so viele abwertende Meinungen zu phantastischen Werken gibt, die weder verstehen, wie phantastische Werke funktionieren, noch genügend Erfahrungen im Genre haben, um tatsächlich fundiert urteilen zu können.

Über Daths Messlatte würde ich es auch nicht schaffen und zudem habe ich auch keine Hemmungen gnadenlos über nichtphantastische Werke zu lästern. Falls ich so etwas lesen sollte.

Anja Kümmels Roman Träume digitaler Schäfer habe ich vor Jahren gelesen. Der Roman war vielschichtig, seine historischen Kapitel sehr düster, traurig und sehr feministisch, auf eine böse-kämpferische Art. Der SF-Teil war großartig. Ein ausgeklügeltes Genderproblem, sprachlich faszinierend und tatsächlich für die Handlung bedeutsam.

Nach der Rezi konnte ich sie dann auch noch für ein Interview gewinnen und das wurde über einige Jahre zum absoluten Zugriffsmonster im Fantasyguide. Teilweise 7000 Aufrufe. Einsamer Ausreißer.

Darum war ich auch gespannt auf den Romanauszug zu ihrem nächsten Roman und er verspricht tatsächlich wieder eine ungewohnte Lese-Erfahrung.

Leif Randt konnte in der Krachkultur einen älteren Text unterbringen, mit dem er 2006 den openMike gewann. Der Ton erinnert an seinen Roman Planet Magnon, den ich vor kurzem erst mit Faszination las, vor allem, weil er eine Zukunft aus einem ganz anderen Umfeld entwickelt. Aus ihm sprechen die sich selbstverwirklichenden Bionade-Hippster und diese Tonart hatte ich bisher in deutschsprachiger SF noch nicht vernommen.

Also SF-seitig war die Krachkultur ein Pflichtkauf. Horror ist nicht so mein Ding, aber gut erzählte Schauergeschichten weiß ich zu würdigen. Leider bot das Magazin hier keine Höhepunkte, selbst Tobias O. Meißners Geschichte war mir zu gewöhnlich. Die Texte sind alle toll geschrieben und auch super übersetzt, aber im Vergleich zur Experimentierfreude ihrer SF-KollegInnen gab sich das Horror-Team etwas unkreativ.

Und was ist mit der Fantasy? Tja, die hat sich wohl mit den Herausgebern verkracht.

Aber nichtsdestotrotz, das Magazin fand ich lesenswert, und in meiner Rezi geh ich auf alle Texte etwas näher ein: Krachkultur 17/2015 hrsg. von Alexander Behrmann und Martin Brinkmann

Gekaufte Utopien

Gelegentlich grüble ich darüber nach, warum mich Gegenwartsliteratur völlig kalt lässt. So genau kann ich das gar nicht begründen. Letztlich liegt es ja auch an den erzählten Geschichten. Aber irgendwie reizen mich die meisten Buchbeschreibungen überhaupt nicht.
Deutsche Demokratische Rechnung hätte ich nie angefasst, wäre sie nicht von Dietmar Dath gewesen.
Zu Beginn des Lesens war ich überrascht, wie interessant man dann doch über 2014 in der BRD schreiben kann. Ruckzuck steckte ich in der Geschichte und folgte Vera durch ihr verwirbeltes Leben. Stand ich plötzlich doch auf Gegenwartsliteratur?
Und dann sagte Dath auf der Lesung im Brechthaus, selbstverständlich sei das Buch SF.
War ja so klar.

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Andreas Platthaus kann Dietmar Dath das Wasser reichen. Deutsche Demokratische Rechnung im Brechthaus am 29.05.2015

Das letzte Mal, als mich aktuelle Literatur brennend interessierte, war zum Ende der DDR hin und hat vermutlich auch mit dem Erwachsenwerden zu tun. Vielleicht auch am Mangel an SF im Regal meiner Bibliothek.
Aber dieses Lechzen nach versteckten Wahrheiten gehörte irgendwie dazu. Im Vergleich zudem, was damals an neuen Gedanken auf mich einprasselte, gerade aus der jungen Sowjetliteratur, ist heute irgendwie die Luft raus. So scheint es mir zumindest. Aber ich suche auch nicht wirklich.
Im Gegenzug fehlt mir gerade in der deutschsprachigen SF das Interesse an Stoffen, die sich an der Gegenwart reiben. Politische SF ist Mangelware. Neben Dath fällt mir spontan nur noch Uwe Post ein.

Das mag etwas mit dem verstärkten Unterhaltungsanspruch in der Literatur zu tun haben. Dieses Schreiben für den Markt. Man muss ja davon leben können. So entstehen gekaufte Utopien.
Passend zum Thema fand ich heute in der FAZ online die Rede Erst verschwinden die Dörfer, dann wir von Norbert Niemann. Nachdenklich stimmender Text.
Wobei natürlich der Blick auf das professionelle Lage notwendiger Weise mehr Marktabhängigkeit offenbart. Unabhängige KünstlerInnen, auch in der Literatur, gibt es bestimmt weitaus mehr.
Tja und wäre es ohne Markt besser? Vielleicht. Man müsste, und da sind wie wieder bei Daths Deutscher Demokratischer Rechnung, aus den Fehlern des Scheiterns lernen.

Deutsche Demokratische Rechnung von Dietmar DathDeutsche Demokratische Rechnung von Dietmar Dath

Und was im sozialistischen Literaturwesen alles schieflief, erkundet gerade Gesine von Prittwitz auf ihrem SteglitzMind-Blog in der sehr lesenswerten Artikelreihe Das ungelöste Verhältnis von Politik und Ökonomie. – Buchhandel in der DDR.
Kaum vorstellbar, aber auch ich bin eine Zeitlang jeden Tag in die Karl-Marx-Buchhandlung gerannt, um ja keine spannende Neuerscheinung zu verpassen. Denn die Exemplare waren abgezählt. Seltsame Zeiten.

Aber ganz aktuell ist meine Rezi:
Deutsche Demokratische Rechnung von Dietmar Dath

Die richtigen Fragen

Während ich noch mit den richtigen Worten für die Rezi zu Verrückt nach Kafka von Anatole Broyard hadere, das mir Frank Böhmert kürzlich in die Hände drückte, kämpfe ich auch schon mit einer Meinung zum nächsten Buch, Dietmar Daths Deutsche Demokratische Rechnung.
Er selbst bezeichnet es als SF und das stimmt auch so ein bisschen aber vielmehr noch ist es ein ofenheißer Gegenwartsroman. Innensicht einer linken Szene, die mir vollkommen fremd ist.
Daran, wie es in mir grummelt und gärt, merke ich, dass Dath da die richtigen Fragen stellt und ich seine Antworten nicht mag, dass ich da noch werde nachdenken müssen.

Und was mach ein Dichter, wenn der Bauch und das Hirn in unterschiedlich dicken Suppen blubbern? Er schreibt ein Gedicht.

Wo die Kugel ihren Käfig berührt

An der Mauer stehen neue Parolen
frischer als jene
Wählt Liste 3, KPD!

unendliche Übermalungen
was einst Geschichte sein sollte
an der Friedhofsecke
wo der Geist meines Vaters den Vögeln lauscht
und alle Blumensträuße
in Baumeskühle länger überleben
geköpft und ins Wasser gestellt

nur eine Ecke weiter
gabs Molle mit Korn

frag mich nach Wunden
aus diesen Jahren
und keine wird politisch sein
nicht direkt
denn es gab fast nur
die ganze Welt in dem halben Land
das nicht klein sein durfte
und doch an Kleinmut zerbrach
und am Fluch jeder Diktatur

es gibt keinen Kit
für gebrochene Herzen
in verwesten Kadavern
am Ende bezahlt
jeder selbst seine
Deutsche Demokratische Rechnung
packt Trinkgeld dazu
oder gleicht bis auf den letzten Pfennig
die Schuld oder blinde Flecken aus

versuchen wir das nochmal
oder war es das jetzt
mit dem gerechten Leben
Zeit wird es doch
die Technik ist soweit
und jeder nach seinen Bedürfnissen
und jede erst recht

und mitten im bösen Kleinklein
guckt man hinaus in das lichte Morgen
dort winkt schon ein Banner
mit frohen Visionen
und weiteren Sprüchen
dazwischen das Nichts eines Abschnittswechsels
der nur für eine Maschine aus Zeichen besteht
damit sich der Schlitten bewegt
mit reichlich Klingklang
dem Schellen der Narrenkappe abgehört
doch er meint das alles ernst
in den sich verzweigenden Zeiten
mit veränderlicher Vergangenheit
und dem Achsoguten im Untergang
oder davor gewiss

bei all den Graffitis
die graue Wände lebendiger machen
oder rote Ziegelsteine
werde ich farblos bleiben

Entropie und Utopie

Nach drei Büchern und zwei Lesungen bin ich schon lange nicht mehr unvoreingenommen, wenn es um Dietmar Dath geht.
Meist begeistert mich ja eher das Werk bereits verblichener Autorinnen und Autoren, aber mit dem Dath kann ich wirklich etwas anfangen.

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Brecht schmult immer irgendwo hervor

Besonders reizt mich, dass er mich geistig herausfordert, Selten verstehe ich alles und ich muss oft genug über Sätze, Konzepte und Handlungsstrukturen nachgrübeln.

Daher ist es immer spannend, wenn er es selbst erklärt. Wie Freitag Abend im Brechthaus.

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Als Gesprächspartner, bzw. ein paar Fragen-Steller fungierte FAZ-Kollege Andreas Platthaus.

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Andreas Platthaus und Dietmar Dath sind Kollegen

Der stellte auch gleich den Abend unter den Eindruck eines anderen Kollegen, nämlich Dieter Bartetzko, den sie am Vormittag zu Grabe getragen hatten.

Dietmar ging später wiederholt auf ihn ein, eine vor allem kraftvolle Erinnerung an den Freund.

Es wurden die beiden Bücher vorgestellt, die im Frühjahr erschienen sind. Venus siegt, die Parabel über Stalinismus transferiert auf eine zukünftige Venus und Deutsche Demokratische Rechnung, eine Art Parallelweltgeschichte, die sich mit den Gründen für das Scheitern der DDR auseinandersetzt. Grob gesagt.
Beide Bücher lohnen sich, sie zu lesen und dann entdeckt man noch viel mehr darin.

Einige Geheimnisse verriet Dath am Ende seiner Lesereise, zumindest sagte er das.
Darunter auch, dass es sich bei Deutsche Demokratische Rechnung um einen SF-Roman handele, er könne auch gar nichts anderes schreiben.

Ich hatte mir das Buch am Vortag gekauft und schon bereits angelesen. Und tatsächlich wunderte ich mich, warum mir plötzlich ein Gegenwartsroman gefällt. Er spielt in 2014, BRD, Erde. Jetzt ist die Empathie erklärbar, SF, what else?

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Es stecken mehr als ein paar Worte in einem Buch von Dietmar Dath.

Auch wenn sehr vieles realistisch ist, gab Dath doch einige Beispiele, wo man diesen Realismus ruhig in Frage stellen sollte. Das betrifft zum Teil höhere Mathematik, wo man mir eh alles erzählen kann und ich hielte es für Phantastik.

Zu Venus siegt wusste Dath logischerweise noch mehr historische Figuren zu benennen, die darinnen zu finden sind. Funktionäre interessierten mich nie besonders. Da es in meiner Jugend zu viele von ihnen gab, musste ich etwa Bucharin googeln.
Mich wird das wahrscheinlich nie so faszinieren können, wie jemanden der im Westen nach Osten mit großen Augen sah.

Den Büchertisch bestückte übrigens die Otherland-Buchhandlung. Ich sah Simon Weinert da sitzen und just heute las ich im Newsletter, dass er am 14. Juli endlich die gedruckte Version von Tassilo – Der Mumienabrichter präsentieren kann.

Eine Sache berührte mich, weil sie so ein bisschen nach dem aussah, wie meine Zukunft sein könnte. Neben mich setzte sich ein alter Mann, der stolz erklärte, zur alten Garde zu gehören. Wie berühmt das Brechthaus schon vor dem Mauerfall war. Biermann in der Nähe und aus Westberlin seien sie gekommen. Ich vermutete, er hätte Deutsche Demokratische Rechnung nur gelesen und gekauft, der DDR wegen.
Und im Buch gibt es ja auch so eine feine Melancholie, die ich nicht mitempfinden kann. Auch mit Honecker habe ich kein Mitleid und mir ist es egal, wie zynisch es war, ihn im selben Knast festzusetzen, wie schon die Nazis.
Aber, ich finde es äußerst interessant. Entropie hat ihre Grenzen aber eben auch Potential.

Im Sog der Utopien

Wer zum Hugogate alle Hintergründe wissen will, kann sich in Christoph Jaroschs Blog Lake Hermanstadt umfassend informieren lassen.
Zum Hugo selbst gibt es ein cooles Nachschlagewerk, das Hardy Kettlitz in seinem Neuen Verlag MEMORANDA herausbrachte, einem Imprint des Golkonda Verlages, für den er in den letzten Jahren einiges an Setzerarbeiten leistete und somit wesentlich an der Qualität der dort erschienen Bücher Anteil hat.

Die Hugo Awards 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz, Cover von s.BenesDie Hugo Awards 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz, Cover von s.BENes

Die Hugo Awards 1953 – 1984 enthalten nicht nur sämtliche PreisträgerInnen, die Platzierten und Hintergründe zu den einzelnen Worldcons auf denen die Hugos jeweils verliehen wurden, Hardy ordnet viele Werke auch gleich in seinen ganz speziellen Experten-Kosmos ein. Für mich ein durchaus nützlicher Maßstab, da ich seine Meinung sehr schätze.
Damit ist das Buch auch eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema und verhindert, dass Zahlen und Infos die LeserInnen erschlagen.
Teil 2 wird dann bis 2015 reichen und es ist zu vermuten, dass dann auch die Sad Puppies Erwähnung finden werden.
Meine Rezi: Die Hugo Awards 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz im Fantasyguide.

Ein ganz anderer trauriger Welpe ist der Protagonist in Dietmar Daths diesjährigen SF-Kracher: Venus siegt.

Venus siegt von Dietmar DathVenus siegt von Dietmar Dath

Der Aufbau einer freien Gesellschaft, in der intelligente Roboter, Menschen und künstliche Intelligenzen zusammenleben, muss sich mit Bürgerkrieg, Invasion und Zusammenbruch auseinandersetzen. Die Geschichte der zukünftigen Venusgesellschaft ist dabei ein Spiegelbild der Sowjetunion von der Oktoberrevolution über den Stalinterror und Totalitarismus bis hin zum Weltkrieg und seinen Umbrüchen.
Es gibt Figuren, die Lenin, Stalin oder Trotzki nachempfunden wurden. Mathematik spielt eine hohe und wichtige Rolle, was mich allerdings immer wieder abhängte, da mit höhere mathematische Konzepte nicht in den Kopf gehen, aber das stört bei einem ansonsten sehr lesbaren Science Fiction Roman kaum.
Mich hat der neue Dath jedenfalls nicht enttäuscht. Der dritte überdurchschnittliche Roman in Folge, den ich von ihm las – meiner Meinung nach ist Dath der aufregendste deutschsprachige SF-Autor.
Live davon überzeugen kann man sich übrigens am Freitag, dem 29.05.2015 ab 20:00 Uhr bei Lesung und Gespräch im Brecht-Haus. In meinem Kalender stehts schon drin!
Meine Meinung zum Buch habe ich auch in eine Rezi gegossen:
Venus siegt von Dietmar Dath

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