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Bis zum bitteren Ende

Es ist geschafft. Nach Band 1 2015, Band 2 in 2016 habe ich nun den dritten Band der Geheimen Autobiographie von Mark Twain beendet.

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Meine geheime Autobiographie von Mark Twain

Er schrieb sie, um ihren Inhalt gleichmäßig auf seine Werke zu verteilen und damit die Schutzfrist des Urheberrechts zu verlängern. Samuel Clemens wollte so seinen Töchtern ein Einkommen verschaffen.
Im letzten Diktat erfährt man, warum der Plan umgestoßen wurde. Es beginnt mit: Jean ist tot!
Es gibt viele traurige Stellen in den drei Bänden, aber dieser letzte Eintrag ist in seiner zu Tränen rührenden Traurigkeit kaum zu überbieten. Jean ist die jüngste seiner Töchter. Sie litt an Epilepsie und starb Heiligabend 1909 nach einem Anfall in ihrem Badezimmer.
Im Herbst hatte Clara Clemens geheiratet und Twain lebte nun zusammen mit Jean allein im Haus (das Personal nicht mitgerechnet). Während er das Gesicht seiner toten Tochter betrachtet schreibt er sich die Tränen aus dem Herzen, erinnert sich an all die letzten Kleinigkeiten der Vortage, die nun für ihn zu Kostbarkeiten werden. Mit ihrem Tod gab es für ihn keine Notwendigkeit mehr, die Diktate fortzusetzen.
Und um diesen letzten Band der Autobiographie noch deprimierender enden zu lassen, fügten die Herausgeber noch ein Manuskript an, das von Twain nicht als Bestandteil der Autobiographie bestimmt wurde. In diesem Text, der als Brief an einen langjährigen Freund verfasst wurde, analysiert er die Umstände und Begebenheiten durch die ihn seine Sekretärin und dessen Freund über Jahre hinweg betrogen hatten und ihn fast enteignet hätten. Diese Ereignisse überschatteten 1909 und es würde mich nicht überraschen, wenn ihn dies so sehr schwächte, dass er der Krankheit im April 1910 erlag.
Ja, mit diesem Schluss hatte ich nicht gerechnet. Aber er vermiest mir natürlich nicht den Gesamteindruck.

Neben einer Vielzahl von Anekdoten und Geschichten über Personen die er kannte, mochte oder hasste gab es mehrere große Themen in seiner Autobiographie.

Natürlich ganz oben stand seine Familie. Sam Clemens beschreibt sie mit großer Herzenswärme und trotz etlicher trauriger Momente stets auch mit einem lustigen Funkeln in den Ecken seiner Sätze.

Damit verbunden ist sein Kampf für eine Verbesserung des Urheberrechts. Sein Wunsch, die Töchter zu versorgen ist verständlich, wenn auch stark mit der Idee verknüpft, dass Frauen in seiner Gesellschaftsschicht nicht für ihren Unterhalt arbeiten bräuchten, denn das sein Männersache. Er kam gar nicht auf die Idee, diese Abhängigkeit als unfair zu betrachten.

Sehr spannend fand ich seine Meinung zu zwei US-Präsidenten. Große Stücke hielt er von Ulysses S. Grant. Der ehemalige Bürgerkriegsgeneral hat Clemens so sehr beeindruckt, dass er dessen Autobiographie herausgab. Ein Werk, das ich durchaus gern lesen würde. Leider fehlt da eine preiswerte deutschsprachige Neuausgabe.
Ganz und gar nicht mochte er hingegen Theodore Roosevelt. Die Passagen über die Fehlpässe des Präsidenten lesen sich, wie heutige Beschreibungen von Donald Trump. In der deutschsprachigen Wikipedia findet sich zu Roosevelt nichts Negatives. Weder über Wahlmanipulation noch über dumme Aktionen. Vielleicht ging Mark Twain hier absichtlich mit harten Bandagen gegen einen unliebsamen Politiker vor und versuchte, ihm nach seinem Tod noch zu schaden, oder aber die Welt ist wirklich so vergesslich.
Vieles spricht dafür, dass Bösewichter nachträglich zu den Guten werden. Werden wir also Trump dereinst als normalen Präsidenten bezeichnen?
Twains Auslassungen über Roosevelt sind auf jeden Fall ein köstliches Stück politischer Satire.

Im dritten Band tauchte ein Thema auf, dass aus heutiger Sicht höchst seltsam anmutet. Der Siebzigjährige umgab sich gern mit jungen Mädchen, Teenies allesamt. »Unschuldige Dinger«. Er lieh sie sich von ihren Gouvernanten oder Müttern aus, um mit ihnen zu Dinners zu gehen, die ihn sonst angeödet hätten, oder bat sie, ihn auf Urlaubsausflügen zu begleiten. Für ihn wohl ein Ersatz für Enkelkinder.
Heute würde so etwas schon zuallererst an den Mädchen selbst scheitern. Mir fielen jedenfalls nur wenige Vierzehnjährige ein, die freiwillig einen alten Sack zu einem Treffen alter Säcke begleiten würden, um einen schönen Nachmittag zu verbringen.
Aber um 1900 schien das gesellschaftlich normal und individuell unbelastet zu sein.

Womit sich Sam Clemens sehr selbstironisch auseinandersetzte, waren seine Gutgläubigkeit und sein Talent, in Luftschlösser zu investieren. Was der Mann an Geld verloren hat durch dubiose Aktiengeschäfte, seltsame Erfindungen oder Trickbetrüger, ist schier unglaublich. Wohlstand war ihm wichtig, Geld jedoch nicht. Das handhabte er Ur-US-amerikanisch – es musste arbeiten. Verluste gehören dazu und verhindern nicht, es wieder zu versuchen.

Ebenso typisch für einen US-Bürger gab sich Sam Clemens als standfester Verteidiger der Demokratie. Ob er gegen undemokratische Methoden Roosevelts wetterte, seiner Befürchtung Ausdruck verlieh, die USA könne in die Monarchie zurückfallen oder er aus Prinzip den unterlegenen Kandidaten wählte, egal welcher Partei er angehörte, nur um die Wahl demokratischer werden zu lassen – sein Herz schlug für die USA, für die Demokratie und für die Freiheit. Und das bedeutete für ihn auch, das Handeln der gewählten Volksvertreter kritisch zu betrachten. Besonders deutlich wird das in der harschen Kritik am Massaker an den Moros auf den Philippinen 1906. Schlimmer kam wohl bei ihm nur der Belgische Schlächterkönig Leopold II. weg.

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Eine wunderbare Edition

So reihten sich für mich bei der Lektüre geschichtliche, private, literarische und gesellschaftliche Themen aneinander, dargereicht von einem der charmantesten, bissigsten, großzügigsten Erzähler, der mir bisher vor die Äuglein kam. Drei ganz wunderbare Bände, die mich nun insgesamt über vier Jahre begleitet haben. Es fühlt sich ein wenig wie ein Abschied an, obwohl ich die Bücher ja nicht weggebe. Ich sollte mir wohl alsbald das nächste Werk von Mark Twain vorknöpfen.

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Traurig, aber lustig

Manchmal bin ich völlig unerklärlicherweise sentimental. Dann gucke ich Queen-Videos. Die Verbindung liegt für mich nahe, weil ich es auf der einen Seite zutiefst bedauere, das Freddie Mercury tot ist, auf der anderen Seite kann ich ja jederzeit in Queen-Songs baden.

So ähnlich geht es mir auch mit Douglas Adams. Fällt der Name, bekomme ich feuchte Augen und gleichzeitig trudeln in meinem Hirn tausend großartige Dinge herum, die er ins Universum einbrachte.

Jedoch hab ich weder alle Queensongs gehört, noch alles von Douglas Adams gelesen. Da traf es sich ganz gut, dass Netflix zusammen mit BBC America  Dirk Gentlys holistische Detektei als Serie verfilmte.

Die erste Staffel war großartig, die zweite immer noch gut und wird wohl leider auch die letzte bleiben.

Elijah Wood konnte mich tatsächlich dazu bringen, ihn nicht nur als Frodo zu sehen. Samuel Barnett gab seinem Dirk eine wunderbare Mischung aus Blasiertheit, kindlicher Freude und naiver Entdeckungslust. Gleichrangig daneben agierten die unfassbar punkige Hannah Marks als Todds Schwester, Jade Eshete als etwas glücklose Kämpferin und fast in einer anderen Welt spielte Fiona Dourif als Tod bringender universaler Faktor.

Am Ende der zweiten Staffel stand für mich fest: Ich muss die Bücher lesen! Als Douglas Adams dann in meiner Liste literarischer Sehenswürdigkeiten für unseren Sommerurlaub auftauchte, flog der erste Band quasi von ganz alleine in meine Hand.

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Der elektrische Mönch von Douglas Adams, Cover: Hendrik Dorgathen

Ich war sehr überrascht, dass der erste Band, Der elektrische Mönch, eigentlich kaum etwas mit der Serie zu tun hat. Weder der Fall noch die Nebenfiguren fanden sich in der Verfilmung wieder.

Dabei ist der Stoff ähnlich schräg und verwoben, besser als der Fantasy-Plot der zweiten Staffel auf jeden Fall.

Und Douglas Adams ist so schnuckelig britisch! Hach ja, es ist eine große Freude, ihn zu lesen! Mal gucken, welche Spuren wir im Sommer von ihm finden.

Natürlich gibt’s im Fantasyguide eine kleine Rezi: Der elektrische Mönch von Douglas Adams

Und nicht vergessen: Am 25.05. ist wieder Handtuchtag!

Verschone die Handwerker!

Ich mag das Grauen sein, lese aber ungern Horror. Doch als großer Phantastikfan interessiere ich mich natürlich auch für dieses Teilgenre und verfolge zumindest das literarische Geschehen aus sicherer Ferne.

So ist mir das Romanprojekt Hiobs Spiel von Tobias O. Meißner nicht unbekannt geblieben.

Hiobs Spiel löst bei den Genusswurzeln der Szene stets ein Raunen aus. Es ist der Alte Weidenmann unter den Horrorwerken, der alle Äonen erwacht und sorglose Wanderer verschlingen wird.

Zumindest wusste ich also ungefähr was mich erwartete, als ich am Freitag die Fährnisse des ÖPNV stürzte, den Baranduin überwand, den Alten Wald von Kreuzberg betrat und mich auf der Lichtung von Otherlands Hütte niederließ. Im eisigen Hauch der Hügelgräber erwartete ich das Schlimmste.

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Eine Spur abseits der Wege

Ihr merkt schon, es wurde ein epischer Abend!

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Mehr als nur ein Spiel

Nach der extrem kurzen Vorstellung durch die drei Hobbits vom Otherland teilten sich die Schatten und Tobias begann.

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Jakob Schmidt, Simon Weinert und Wolfgang Tress

Erstaunlicherweise las er zunächst nur Lustiges.

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Mehr als nur der Hauch eines Lächelns lag in der Luft …

Auf dem Holzpodest hätte auch Horst Evers sitzen können, nur ist der Stil von Tobias weitaus geschliffener. Groß im Wortschatz, präzise in der Wortwahl und verdammt gut darin, die Worte auch bedeutsam erklingen zu lassen. Es ist durchaus nicht üblich, dass ein Autor wirklich zu lesen vermag, Tobias O, Meißner ist ein Meister-Vorleser!

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Magische Symbiose: Wenn Worte lebendig werden …

Geholfen hat ihm dabei bestimmt auch, dass er Selbsterlebtes in die Handlung einfließen ließ – was auch erklärt, dass er die Handwerker weder zu Gesicht bekam noch umbrachte.

Man will ja nicht als der Autor gelten, der Handwerker nicht mag.

Golkonda-Verlagsleiter Michael Görden träumte auch gleich von Hörbüchern. Dann könnte man sich den Tobias überall in die Ohren holen.

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Die Macht der Valar durchfließt seinen Verlag: Michael Görden

Tobias beschloss die Lesung mit einem krassen Kapitel, in dem es Hiob Montag mit der Grausamkeit von illegalen Flüchtlingstransporten zu tun bekommt. Genau das ist der Kern seines Chronikprojektes. In manche Wunden muss man mehr als nur einen Finger rammen.

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Niemand verließ den Raum trotz Warnung

Der Abend bewies mir, dass man gar nicht oft genug auf Hiobs Spiel hinweisen kann und ich hoffe inständig, dass es Tobias vermag, dieses Projekt durchzuziehen. Er hat selbst angemerkt, dass sich mit den Jahren auch seine Art den Chronistenjob wahrzunehmen verändert. Dass Splatter mehr dem 25jährigen entsprach und derzeit mehr Humor in seine Prosa Einzug hält; für das hohe Alter sieht er schon Fürchterliches auf seine Leserschaft zukommen.

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Tobias O. Meißner

Doch raus aus den Hügelgräbern, irgendwo im Südosten wartet das letzte heimelige Haus auf uns!

Der Winter, aber keine Bahn wird kommen

Letzten Samstag waren wir auf der Leipziger Buchmesse. Ja, trotz Schnee und Minusgrade fanden wir hin.

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LBM 2018

Zwar anderthalb Stunden später als geplant, aber immerhin hatten wir mehr Glück als viele Tausende andere.

In einer gerechten Welt würden jetzt Bahnmanager arbeitslos sein, in der Bundesrepublik werden ihnen die Kronerbschen von Mutter Merkel persönlich gepudert.

Aber weg vom ewigen Grauen, die Buchmesse zelebrierte das Buch und logischerweise widmete ich mich vor allem der Phantastik. Die wenigen Stunden vor Ort nutzte ich weidlich aus, eilte von Programmpunkt zu Programmpunkt und knipste ein paar Bilder.

Und die ganze letzte Woche kam ich zu nix, das ist auch der Grund, warum erst heute mein Messebericht im Fantasyguide online ging.

Darum auch hier kein großes Gerede, der Bericht enthielt all die vielen Bilder und um es kurz zu machen: Wir hatten Spaß und haben reiche Beute gemacht:

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Am Rande der Wahrnehmung

Die Buchmesse in Leipzig beginnt diese Woche und schon seit einiger Zeit füllen sich Postfach und Briefkasten mit dezenten Hinweisen auf Neuerscheinungen. Da ich mit dem dritten Band von Mark Twains Autobiographie leidlich ausgelastet bin, hielt ich mich dieses Jahr sehr zurück.

Nur bei einem konnte ich nicht Nein sagen. Der homunculus verlag hat mit einigen Phantastik-Veröffentlichungen mein Herz erobert und so orderte ich spontan ein Rezi-Exemplar für die dritte Seitenstechen–Ausgabe.

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Menschenfresser der Liebe herausgegeben von Joseph Felix Ernst und Philip Krömer; Cover: Joseph Felix Ernst

Es handelt sich dabei um ein Literatur-Magazin in Taschenbuchformat wie Zwielicht, wobei der Fokus auf Lyrik und experimenteller Literatur liegt. Als Thema wählten die beiden Herausgeber Joseph Felix Ernst und Philip Krömer Menschenfresser der Liebe. Die bunte Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Texten kreiste deshalb auch um Liebe und Kannibalismus. Bei den Klassikern fanden sich vom Kamasutra über Goethe, Dante bis zu Swift eine Menge Altbekannter wieder, wobei sich Swifts bitterböses Pamphlet über eine Möglichkeit mit der irischen Armut fertig zu werden, erschreckend aktuell las.

Am spannendsten fand ich jedoch die breite Lyrik-Auswahl. Es gibt im deutschsprachigen Raum zwei weitestgehend streng voneinander getrennte Lyrikwelten. Die eine findet online in unzähligen Plattformen statt, verfügt über eine große Anzahl von DichterInnen und auch über ein entsprechend großes Klientel an Leserschaft. Die andere Lyrikwelt erstreckt sich auf Publikumsverlage, staatlich geförderten Literaturwettbewerben und Feuilleton-Seiten.

Seitenstechen 3 bot mir nun wieder einmal einen Blick in diese zweite Welt und wie zu erwarten, ist auch hier von genial bis schwach alles vertreten. Auf meine Beobachtungsliste wanderte nun Ulrich Koch, dessen Texte das Magazin eröffneten und mich schwer begeisterten.

Auf der Leipziger Buchmesse wird es eine Lesung zu Menschenfresser der Liebe geben und sie steht schon auf meinem Plan. Bin gespannt, wie man ein solches Literatur-Magazin vorstellt.

In meiner Rezi drüben im Fantasyguide gehe ich auf ein paar Texte mehr näher ein: Menschenfresser der Liebe herausgegeben von Joseph Felix Ernst und Philip Krömer

Bohr mir ein schwarzes Loch in den Dreck der Zukunft!

Wenn ich Anthologie-Rezensionen für den Fantasyguide einpflege, versuche ich auch immer Seiten für die beteiligten Autorinnen und Autoren anzulegen. Als ich letztens die Rezi von Ellen Norten zu Parasitengeflüster herausgegeben von Marianne Labisch und Sven Klöpping einbaute, stieß ich auf den Schweizer Autor Tom Turtschi, der recht spät mit dem Schreiben von SF-Kurzgeschichten begann und just einen Sammlungsband herausbrachte: ENIWETOK. Die Flucht.

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ENIWETOK. Die Flucht von Tom Turtschi

 

Ich war versucht. Doch mein SUB ist schon wieder enorm und so bezwang ich meine Gier, zumal ich weiß, wie teuer Porto aus der Schweiz nach Deutschland ist.

Doch plötzlich tauchte Tom nicht nur im SFN auf, er frug mich auch per Mail, ob ich sein Buch nicht rezensieren mag. Als ich dann den Klappentext las, wurde mir auch klar, von wem da Tipps geliefert wurde, oder Marianne? Selbstredend, dass ich meine strengen Vorsätze niederrang und mich der Situation ergab.

Jedenfalls kam das Buch mit unglaublichen Briefmarkenzahlen bei mir an und wurde im Februar gelesen.
Das Buch selbst, ich bekam eine gebundene Ausgabe, ist sehr cool aufgemacht. Tom ist Gestalter und das lässt er direkt einfließen. Es gibt zweiseitige schwarzweiß Fotoarbeiten zwischen den Texten und hilfreiche Marker am Seitenrand für die einzelnen Storys, samt elegantem Lesezeichen seines Seins-Fiction Verlages. Eine coole Sache!

Toms Geschichten drehen sich um typische SF-Themen, Zeitreise, Erstkontakt, KI, eDead etc.
Mir gefielen vor allem jene Texte, in denen er bitterböse Dinge geschehen ließ, sie mit horrorartigen Einfällen versüßte und damit von den bekannten Plotpfaden abwich. Das ist auf jeden Fall der Typus an SF aus Toms Feder, den ich am spannendsten fand. Er hinterließ bei mir auf jeden Fall den Eindruck, so richtig aktiv in die Science Fiction einsteigen zu wollen und sich gerade umzugucken, was da so geht. Bin gespannt, wohin ihn seine Reise führt.

In meiner Rezi gehe ich näher auf die einzelnen SF-Erzählungen ein: ENIWETOK. Die Flucht von Tom Turtschi

Das Funkeln schwarzer Perlen im dunklen All

Neues Jahr, neue Preise! Die Nominierungen für den Kurd Laßwitz Preis stehen an und da ich ja gerade erst meine Lektüreliste 2017 durchforstet habe, bietet es sich an, auch gleich nach Nominierungswürdigem zu buddeln. Wobei ich mit dem Absenden noch warten werde, denn Der Kanon mechanischer Seelen von Michael Marrak ist offiziell 2017 erschienen und ich vermute, dass dieser Roman relevant sein wird.

Für die Kategorie Bester SF-Roman des Jahres 2017 stehen zwölf Werke zur Auswahl und wie jedes Jahr zerbreche ich mir den Kopf, was für mich an einem Roman nominierungswürdig ist. Das Feld ist extrem unterschiedlich und reicht vom heißen Sexabenteuer bis zur Mathe lastigen Hard-SF.

Hat eines der Bücher Potential, ein Genre-Klassiker zu werden? Schwer zu sagen. Die Wurmloch-Odyssee ist zwar in dieser Form eine Neuerscheinung, aber durch ihre lange Editionsgeschichte schon irgendwie ein Klassiker. Sowohl sprachlich als auch von der Ideenverarbeitung her gehört der Episodenroman definitiv an die Spitze der Liste, doch ich befürchte stark, dass er nicht zugelassen wird. Werkausgabe und so.

Wie nun weiter auf der Werkeleiter? Vergleichen wir mal die Postapokalypsen.
Da es keine Extra-Kategorie für Debüts gibt, muss sich Junktown brav einreihen und im direkten Vergleich zu Qualityland steckt der Roman von Matthias Oden zurück. Westlake Haven ist von den dreien wohl das technisch interessanteste SF-Werk und bot neben den bereits bekannten Schrecken unserer digitalen Zukunft mir zumindest noch weitere Themenbereiche an.

Kommen wir zur Space Opera. Kai Meyer lieferte mit Die Krone der Sterne ein spannendes und unterhaltsames SF-Debüt. O.R.I.O.N entwickelte sich in diesem Jahr mit den Bänden 6 und 7 deutlich weiter in Richtung Horror. Alle drei Romane sind gute Unterhaltung, gehören aber nicht auf eine Nominierungsliste. Die Nadir-Variante bildet leider den letzten Platz in diesem Subgenre, da hier für mich einfach zu wenig passte.

Uwe Posts SF-Satire um den Weltraumdetektiv Walpar las sich genauso vergnüglich wie das Robotermärchen Knallmasse von Ulrich Holbein, jedoch fand ich die liebenswürdige Reise des Roboters insgesamt charmanter. Ob aber eine überarbeitete Neuasgabe für den KLP akzeptiert wird, wage ich zu bezweifeln.

Was mach ich nun mit dem neuen Dath? Im Nachhinein betrachtet fehlt dem Roman einfach das gewisse Extra für einen Spitzenplatz. Tolle Figurenkonstellation, raffinierte Szenen und ein wissenschaftlicher Unterbau, aber Daths Poesie ist mir zu kühl geblieben, der Matheanteil zu trocken.

Bleibt das Sexabenteuerchen von Guido Krain. Ich glaub, es hat sich den zwölften Platz redlich verdient. Egal wie finster mich Herr Hammer jetzt auch anstarrt.

Somit hätten wir, tada!, eine vorläufige Nominierungsliste. Die ersten drei werden weiterkommen und ich werde Udo Klotz Ersatzkandidaten anbieten müssen.
Sind jetzt nun die großen Kracher dabei gewesen? Nein. Kann sein, dass ich ihn bisher einfach verpasst habe, in der Liste von sf-lit.de finden sich immerhin knapp hundert Titel. Aber man kann ja nie alles lesen.

Meine Nominierungskanditatentopzwölf für die KLP-Kategorie Bester SF-Roman 2017:
01. Angela Steinmüller, Erik Simon und Karlheinz Steinmüller – Die Wurmloch-Odyssee
02. Marc Späni – Westlake Haven
03. Ulrich Holbein – Knallmasse
04. Marc-Uwe Kling – Qualityland
05. Matthias Oden – Junktown
06. Dietmar Dath – Der Schnitt durch die Sonne
07. Uwe Post – Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili
08. Guido Krain – Friedhof der Assassine
09. Kai Meyer – Die Krone der Sterne
10. Norma Feye – Himmelfahrt
11. Armin Rößler – Die Nadir-Variante
12. Guido Krain – Hammer & Söckchen

Zu den restlichen Kategorien werde ich mich vielleicht gesondert äußern.

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