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Projekt Buchpreis – Teil 8

Anderthalb Monate ist es her, dass ich etwas über dieses Projekt berichtete und es lebt tatsächlich noch!

Am Donnerstag kaufte ich mir endlich das Gewinnerwerk Archipel von Inger-Maria Mahlke wie versprochen in der Buchhandlung Kommedia in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg, vis-à-vis des Otherlands.

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Archipel von Inger-Maria Mahlke

Zurzeit lese ich noch eine Fantasy-Anthologie, aber direkt danach geht’s los.

Wenn alles klappt, werde ich am 12.12. dann auch noch zur Lesung von Nino Haratischwili ins Literarische Colloquium fahren und somit dann doch noch auch Die Katze und der General ins Projektteam holen, allerdings ohne Garantie, es auch zu lesen.
In den letzten Wochen haben sich ein paar andere Autorinnen und Werke vorgedrängelt, die zu lesen ich sehr große Lust verspüre.

Zudem wird mir die Original-Lektüre von The Word for World Is Forest von Ursula K. Le Guin für den Klassikerlesezirkel im SFN einiges abverlangen, aber ich freue mich schon sehr darauf, endlich mal wieder ein Buch in Englisch anzugehen.

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Was wächst da unterm Turm aus Elfenbein?

Ich hatte ja schon angesprochen, dass ich überlege, etwas gegen meine Vorurteile bezüglich deutschsprachiger Gegenwartsliteratur zu unternehmen, die ein bisschen auch gegen eine Literatur-Szene gerichtet sind, die von selbst nie über Tellerränder blickt.
Als Genre-Leser wundert es mich zum Beispiel, wenn die Literaturbeilage des Spiegels die neuesten Krimitrends vorstellt, zur Phantastik aber nix zu schreiben hat.

Nun ist die Shortlist des Deutschen Buchpreises draußen:
María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten, 528 Seiten, ISBN-13: 978-3103972894
Maxim Biller: Sechs Koffer, 208 Seiten, ISBN-13: 978-3462050868
Nino Haratischwili: Die Katze und der General, 750 Seiten, ISBN-13: 978-3627002541
Inger-Maria Mahlke: Archipel, 432 Seiten, ISBN-13: 978-3498042240
Susanne Röckel: Der Vogelgott, 272 Seiten, ISBN-13: 978-3990272145
Stephan Thome: Gott der Barbaren, 719 Seiten, ISBN-13: 978-3518428252

Meine Idee war ja, den Berg zu kaufen und dann zu lesen zu versuchen. Das ist mit 140 Euronen aber nun überhaupt kein Schnäppchen.

Ich grübel, ob mir das zu teuer ist. Sind auch drei Brocken dabei. Aber ich will auch keine Rezi-Exemplare anfordern, da ich ja nicht weiß, ob die Bücher lesbar sind.

Vielleicht sollte ich das Projekt Stück für Stück angehen und erst einmal nur eines kaufen. Mir sind alle Autorinnen und Autoren gänzlich unbekannt. Die Sechs Koffer sah ich schon einem der von mir verfolgten Buchblogs auftauchen, aber den Artikel selbst las ich nicht. Werde auch vorab weder die Klappentexte noch Berichte darüber lesen, damit meine Lektüre unbeeinflusst bleibt. Von den Nominierten scheint auch niemand eine Homepage zu betreiben. Ich welche Parallelwelt gerate ich da?

Fehlt nur noch die Buchhandlung. Klar, die vom Otherland können alles besorgen, aber Berlin hat viele hungrige Buchläden und so könnte ich ein paar Nichtphantastik-Bücher auch abseits der normalen Pfade kaufen. Wobei ich allerdings gar nicht weiß, ob in der Shortlist Phantastik schlummert. Ah, das wäre natürlich ein Traum.

Mhm. Ich überleg mir das.

Wo einst der Schutt die Sicht verdarb

Das zweite literarische Highlight unseres Sommerurlaubs in Südengland bildete der Besuch von Hardy’s Cottage in der Nähe von Dorchester.

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Die Anlage liegt mitten in einem Park

Thomas Hardy entdeckte ich erst spät. Für unseren letzten Besuch in Südengland 2015 packte ich Am grünen Rand der Welt ins Lesegepäck und der Roman gefiel mir ganz gut. Den Film hab ich aber immer noch nicht gesehen.

Dieses Jahr stand schnell fest, dass wir Dorchester besichtigen würden und so las ich in Vorbereitung darauf Herzen im Aufruhr, seinen letzten Roman.
Es gibt zwei wichtige Hardy-Stätten in der Nähe von Dorchester zu besichtigen. Wir waren in Hardy’s Cottage, seinem Geburtshaus. Erbaut von seinem Vater, einem Bauunternehmer, stellte es den Lebensmittelpunkt der Familie dar. Im Garten lagerten Baumaterialen, in einem Anbau wohnte Hardys Granny. Nach ihrem Tod bekam er ihr Zimmer und schrieb dort an einem kleinen Tisch mit Blick auf den Garten seine ersten Romane Under the Greenwood Tree und eben Far From the Madding Crowd.

Verwaltet wird die Anlage vom National Trust und entsprechend liebevoll präsentieren sich Besucherzentrum, Park und das Cottage selbst.
Im Besucherzentrum gibt es neben einem netten Café auch eine Möglichkeit Vögel zu besuchen. Über einen kleinen Waldwanderweg gelangt man zum Cottage, das sich schon von weitem als wunderbar romantische Perle erweist.

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Eine kleine Idylle

Hardy besuchte das Haus täglich, selbst als er hier nicht mehr wohnte. So ist die Erhaltung als Sehenswürdigkeit dem Autor selbst zu verdanken.

Der Garten ist heute ein kleines Landgartenparadies, von Baumaterialen keine Spur mehr. Viele Pflanzen sind beschriftet und wie in eigentlich allen englischen Gärten, kann man auch hier diverse Gärtnerutensilien erwerben.

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Du und Dein Garten …

Sehr lauschig fanden wir die Möglichkeit, an einem kleinen Tisch vor dem Cottage mit dem Lesen von Hardys Werken die Zeit zu vertreiben, falls der Andrang auf das Häuschen zu groß ist. Mehr als fünfzehn Menschen werden wohl nicht gleichzeitig hineinpassen. Es ist wirklich klein.

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Running a bit early?

In der Küche der Großmutter erzählte ein Mitarbeiter des National Trust über die Granny und vermittelte Wissenswertes über das Kochen und Heizen im 19. Jahrhundert.
Im Wohnzimmer mussten wir uns gleich hinsetzen und erfuhren von einer leidenschaftlichen Hardy-Leserin, wie die Familie hier die Abende verbrachte.

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Am Kamin wurde auch musiziert

Wir kamen ins Gespräch über die Bücher von Hardy, die ich kannte und von Herzen im Aufruhr hielt sie gar nichts. Mir schien, sie mochte eher die netteren Frauenfiguren von Hardy. Sie empfahl mir auch dringend, Under the Greenwood Tree zu lesen, immerhin Hardys einziger Roman mit einem Happy End.

Im Nebenraum befand sich das Büro von Hardys Vater. Auch hier gab ein Mitarbeiter Auskunft zu den ausgestellten Gegenständen und versorgte uns mit Lesematerial für das Obergeschoss.

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Die Familie las die Romane jener Zeit

Dort liegen die Schlafzimmer. Alles recht sparsam, aber durchaus gemütlich eingerichtet. Am spannendsten war natürlich das Zimmer von Hardy mit dem Schreibtisch.

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Lädt zum Schreiben ein: Hardys Schreibplatz

In einem Wandschrank fand sich eine kleine Sammlung von Tierschädeln und anderem Kram, den man als abenteuerlustiges Kind so einsammelt. Vermutlich hätte ich mich mit Klein-Thomas sofort verstanden. Es muss ja nicht immer ein Laserschwert sein.

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Hätte auch mein Schrank sein können

Anschließend schlenderten wir noch durch den Garten und fuhren nach einem notwendigen Cream Tea im Besucherzentrum, weiter nach Dorchester.

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Ein wirklich lauschiges Plätzchen

Die Stadt selbst fanden wir nun nicht so interessant. Es gibt da römische Mauerreste, ein Militärmuseum und eine Mustersiedlung von Prinz Charles, aber nachdem wir das Hardy-Denkmal gefunden hatten, verabschiedeten wir uns auch schon von der Stadt.

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Das Hardy-Denkmal in Dorchester

Den Besuch von Hardys selbst entworfenem Haus Max Gate hoben wir uns für einen weiteren Englandbesuch auf. Möge der Brexit das nicht verhindern.

Zum Cream Tea im Lamb House

Letztes Jahr schrieb ich für das Horror-Magazin Zwielicht einen Artikel zur Geistergeschichte The Turn of the Screw von Henry James und gern hätte ich auch dort mehr über Lamb House geschrieben.

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Gedenktafel am Lamb House in Rye

In das Anwesen in Rye hatte sich James 1897 verliebt, als er es zum Schreiben über die Sommermonate mietete. Unter anderem vom finanziellen Erfolg von The Turn of the Screw konnte er es sich zwei Jahre später leisten, Lamb House zu kaufen.

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Blick aus dem Lamb House auf das Städchen Rye

Nach seinem Tod lebte hier Edward Frederic Benson, der sich auch als Phantastik-Autor einen Namen machte, mir jedoch bisher komplett unbekannt war.

Als wir nun dieses Jahr Urlaub in Dorset planten, war für mich sofort klar, dass wir auf dem Weg dahin unbedingt einen Abstecher ins Lamb House machen mussten.

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Foto von Henry James im Lamb House

Das Lamb House wird inzwischen vom National Trust verwaltet, dessen Mitglieder wir nun schon einige Jahre sind und es liegt in einem der schönsten südenglischen Städtchen: Rye. Mit kleinen verwinkelten Gassen, vielen Kunstgeschäften und uralten Häuschen ist es ein idealer Ort, die englische Liebe für alles Alte zu begreifen. In nullkommanix ist man in Urlaubsstimmung.

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Lamb House vom Garten aus fotografiert

Lamb House selbst ist nur spärlich möbliert, es erhielt sich nicht sonderlich viel aus dem Nachlass von James, ein Nebengebäude wurde im Krieg auch von deutschen Bomben vernichtet, aber der Trust hat Haus und Garten trotzdem zu einem informativen Ort gemacht. Wie gewohnt stehen liebenswerte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit bereit, Fragen zu den beiden Autoren und ihren Werken zu beantworten.

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Ein kleines, gemütliches Museum

James empfing hier jede Menge befreundeter Autoren, an die man durch Visitenkarten erinnert wird.

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Hätte ich auch gern alle mal getroffen …

Der Garten ist typisch englisch und wird natürlich auch heute noch sorgfältig gepflegt.

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Der Garten

Ganz besonders wichtig ist natürlich ein Gartenhaus mit der Möglichkeit, sich zu stärken. Ganz klassisch nutzten wir das Angebot und genossen Cream Tea. Das ist eine Mahlzeit bestehend aus Tee und Scones, die mit Marmelade und Clottered Creme dargereicht werden. Der Scone ist ein nahrhaftes Gebäck, meist mit Rosinen. Man schneidet ihn der Länge auf und bestreicht ihn dick mit der süßen Creme und der Marmelade. In Verbindung mit einem guten Earl Grey ein Gedicht. Hält dann auch mehrere Stunden vor.

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Stilvoll selbst in Details

Eine ideale Möglichkeit, sich während einer Wanderung mit der nötigen Energie zu versorgen ohne ein komplettes Mittagessen zu sich zu nehmen, zumal die meisten Restaurants mittags nur von zwölf bis zwei Essen anbieten. Cream Tea aber findet sich eigentlich fast überall und jederzeit.

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Das Grinsen kommt von ganz alleine.

Für mich war es ein großes Vergnügen, auf den Spuren von Henry James zu wandeln und etwa seine berühmte Schreibmaschine zu sehen.

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Die Schreibmaschine änderte seine Arbeitsweise massiv.

Interessanterweise ist James auch in England heute nahezu unbekannt. Wenn wir erzählten, dass wir in Rye wegen Henry James waren, goutierte man zwar den Besuch der schönen Stadt, aber von James hatte nie jemand gehört.

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Bitte lest mehr von Henry James!

Ganz im Gegensatz zu Thomas Hardy, dessen Geburtshaus nahe Dorchester wir auch noch besuchten, aber davon ein andermal.

Bis zum bitteren Ende

Es ist geschafft. Nach Band 1 2015, Band 2 in 2016 habe ich nun den dritten Band der Geheimen Autobiographie von Mark Twain beendet.

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Meine geheime Autobiographie von Mark Twain

Er schrieb sie, um ihren Inhalt gleichmäßig auf seine Werke zu verteilen und damit die Schutzfrist des Urheberrechts zu verlängern. Samuel Clemens wollte so seinen Töchtern ein Einkommen verschaffen.
Im letzten Diktat erfährt man, warum der Plan umgestoßen wurde. Es beginnt mit: Jean ist tot!
Es gibt viele traurige Stellen in den drei Bänden, aber dieser letzte Eintrag ist in seiner zu Tränen rührenden Traurigkeit kaum zu überbieten. Jean ist die jüngste seiner Töchter. Sie litt an Epilepsie und starb Heiligabend 1909 nach einem Anfall in ihrem Badezimmer.
Im Herbst hatte Clara Clemens geheiratet und Twain lebte nun zusammen mit Jean allein im Haus (das Personal nicht mitgerechnet). Während er das Gesicht seiner toten Tochter betrachtet schreibt er sich die Tränen aus dem Herzen, erinnert sich an all die letzten Kleinigkeiten der Vortage, die nun für ihn zu Kostbarkeiten werden. Mit ihrem Tod gab es für ihn keine Notwendigkeit mehr, die Diktate fortzusetzen.
Und um diesen letzten Band der Autobiographie noch deprimierender enden zu lassen, fügten die Herausgeber noch ein Manuskript an, das von Twain nicht als Bestandteil der Autobiographie bestimmt wurde. In diesem Text, der als Brief an einen langjährigen Freund verfasst wurde, analysiert er die Umstände und Begebenheiten durch die ihn seine Sekretärin und dessen Freund über Jahre hinweg betrogen hatten und ihn fast enteignet hätten. Diese Ereignisse überschatteten 1909 und es würde mich nicht überraschen, wenn ihn dies so sehr schwächte, dass er der Krankheit im April 1910 erlag.
Ja, mit diesem Schluss hatte ich nicht gerechnet. Aber er vermiest mir natürlich nicht den Gesamteindruck.

Neben einer Vielzahl von Anekdoten und Geschichten über Personen die er kannte, mochte oder hasste gab es mehrere große Themen in seiner Autobiographie.

Natürlich ganz oben stand seine Familie. Sam Clemens beschreibt sie mit großer Herzenswärme und trotz etlicher trauriger Momente stets auch mit einem lustigen Funkeln in den Ecken seiner Sätze.

Damit verbunden ist sein Kampf für eine Verbesserung des Urheberrechts. Sein Wunsch, die Töchter zu versorgen ist verständlich, wenn auch stark mit der Idee verknüpft, dass Frauen in seiner Gesellschaftsschicht nicht für ihren Unterhalt arbeiten bräuchten, denn das sein Männersache. Er kam gar nicht auf die Idee, diese Abhängigkeit als unfair zu betrachten.

Sehr spannend fand ich seine Meinung zu zwei US-Präsidenten. Große Stücke hielt er von Ulysses S. Grant. Der ehemalige Bürgerkriegsgeneral hat Clemens so sehr beeindruckt, dass er dessen Autobiographie herausgab. Ein Werk, das ich durchaus gern lesen würde. Leider fehlt da eine preiswerte deutschsprachige Neuausgabe.
Ganz und gar nicht mochte er hingegen Theodore Roosevelt. Die Passagen über die Fehlpässe des Präsidenten lesen sich, wie heutige Beschreibungen von Donald Trump. In der deutschsprachigen Wikipedia findet sich zu Roosevelt nichts Negatives. Weder über Wahlmanipulation noch über dumme Aktionen. Vielleicht ging Mark Twain hier absichtlich mit harten Bandagen gegen einen unliebsamen Politiker vor und versuchte, ihm nach seinem Tod noch zu schaden, oder aber die Welt ist wirklich so vergesslich.
Vieles spricht dafür, dass Bösewichter nachträglich zu den Guten werden. Werden wir also Trump dereinst als normalen Präsidenten bezeichnen?
Twains Auslassungen über Roosevelt sind auf jeden Fall ein köstliches Stück politischer Satire.

Im dritten Band tauchte ein Thema auf, dass aus heutiger Sicht höchst seltsam anmutet. Der Siebzigjährige umgab sich gern mit jungen Mädchen, Teenies allesamt. »Unschuldige Dinger«. Er lieh sie sich von ihren Gouvernanten oder Müttern aus, um mit ihnen zu Dinners zu gehen, die ihn sonst angeödet hätten, oder bat sie, ihn auf Urlaubsausflügen zu begleiten. Für ihn wohl ein Ersatz für Enkelkinder.
Heute würde so etwas schon zuallererst an den Mädchen selbst scheitern. Mir fielen jedenfalls nur wenige Vierzehnjährige ein, die freiwillig einen alten Sack zu einem Treffen alter Säcke begleiten würden, um einen schönen Nachmittag zu verbringen.
Aber um 1900 schien das gesellschaftlich normal und individuell unbelastet zu sein.

Womit sich Sam Clemens sehr selbstironisch auseinandersetzte, waren seine Gutgläubigkeit und sein Talent, in Luftschlösser zu investieren. Was der Mann an Geld verloren hat durch dubiose Aktiengeschäfte, seltsame Erfindungen oder Trickbetrüger, ist schier unglaublich. Wohlstand war ihm wichtig, Geld jedoch nicht. Das handhabte er Ur-US-amerikanisch – es musste arbeiten. Verluste gehören dazu und verhindern nicht, es wieder zu versuchen.

Ebenso typisch für einen US-Bürger gab sich Sam Clemens als standfester Verteidiger der Demokratie. Ob er gegen undemokratische Methoden Roosevelts wetterte, seiner Befürchtung Ausdruck verlieh, die USA könne in die Monarchie zurückfallen oder er aus Prinzip den unterlegenen Kandidaten wählte, egal welcher Partei er angehörte, nur um die Wahl demokratischer werden zu lassen – sein Herz schlug für die USA, für die Demokratie und für die Freiheit. Und das bedeutete für ihn auch, das Handeln der gewählten Volksvertreter kritisch zu betrachten. Besonders deutlich wird das in der harschen Kritik am Massaker an den Moros auf den Philippinen 1906. Schlimmer kam wohl bei ihm nur der Belgische Schlächterkönig Leopold II. weg.

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Eine wunderbare Edition

So reihten sich für mich bei der Lektüre geschichtliche, private, literarische und gesellschaftliche Themen aneinander, dargereicht von einem der charmantesten, bissigsten, großzügigsten Erzähler, der mir bisher vor die Äuglein kam. Drei ganz wunderbare Bände, die mich nun insgesamt über vier Jahre begleitet haben. Es fühlt sich ein wenig wie ein Abschied an, obwohl ich die Bücher ja nicht weggebe. Ich sollte mir wohl alsbald das nächste Werk von Mark Twain vorknöpfen.

Traurig, aber lustig

Manchmal bin ich völlig unerklärlicherweise sentimental. Dann gucke ich Queen-Videos. Die Verbindung liegt für mich nahe, weil ich es auf der einen Seite zutiefst bedauere, das Freddie Mercury tot ist, auf der anderen Seite kann ich ja jederzeit in Queen-Songs baden.

So ähnlich geht es mir auch mit Douglas Adams. Fällt der Name, bekomme ich feuchte Augen und gleichzeitig trudeln in meinem Hirn tausend großartige Dinge herum, die er ins Universum einbrachte.

Jedoch hab ich weder alle Queensongs gehört, noch alles von Douglas Adams gelesen. Da traf es sich ganz gut, dass Netflix zusammen mit BBC America  Dirk Gentlys holistische Detektei als Serie verfilmte.

Die erste Staffel war großartig, die zweite immer noch gut und wird wohl leider auch die letzte bleiben.

Elijah Wood konnte mich tatsächlich dazu bringen, ihn nicht nur als Frodo zu sehen. Samuel Barnett gab seinem Dirk eine wunderbare Mischung aus Blasiertheit, kindlicher Freude und naiver Entdeckungslust. Gleichrangig daneben agierten die unfassbar punkige Hannah Marks als Todds Schwester, Jade Eshete als etwas glücklose Kämpferin und fast in einer anderen Welt spielte Fiona Dourif als Tod bringender universaler Faktor.

Am Ende der zweiten Staffel stand für mich fest: Ich muss die Bücher lesen! Als Douglas Adams dann in meiner Liste literarischer Sehenswürdigkeiten für unseren Sommerurlaub auftauchte, flog der erste Band quasi von ganz alleine in meine Hand.

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Der elektrische Mönch von Douglas Adams, Cover: Hendrik Dorgathen

Ich war sehr überrascht, dass der erste Band, Der elektrische Mönch, eigentlich kaum etwas mit der Serie zu tun hat. Weder der Fall noch die Nebenfiguren fanden sich in der Verfilmung wieder.

Dabei ist der Stoff ähnlich schräg und verwoben, besser als der Fantasy-Plot der zweiten Staffel auf jeden Fall.

Und Douglas Adams ist so schnuckelig britisch! Hach ja, es ist eine große Freude, ihn zu lesen! Mal gucken, welche Spuren wir im Sommer von ihm finden.

Natürlich gibt’s im Fantasyguide eine kleine Rezi: Der elektrische Mönch von Douglas Adams

Und nicht vergessen: Am 25.05. ist wieder Handtuchtag!

Verschone die Handwerker!

Ich mag das Grauen sein, lese aber ungern Horror. Doch als großer Phantastikfan interessiere ich mich natürlich auch für dieses Teilgenre und verfolge zumindest das literarische Geschehen aus sicherer Ferne.

So ist mir das Romanprojekt Hiobs Spiel von Tobias O. Meißner nicht unbekannt geblieben.

Hiobs Spiel löst bei den Genusswurzeln der Szene stets ein Raunen aus. Es ist der Alte Weidenmann unter den Horrorwerken, der alle Äonen erwacht und sorglose Wanderer verschlingen wird.

Zumindest wusste ich also ungefähr was mich erwartete, als ich am Freitag die Fährnisse des ÖPNV stürzte, den Baranduin überwand, den Alten Wald von Kreuzberg betrat und mich auf der Lichtung von Otherlands Hütte niederließ. Im eisigen Hauch der Hügelgräber erwartete ich das Schlimmste.

Poster

Eine Spur abseits der Wege

Ihr merkt schon, es wurde ein epischer Abend!

BookTable

Mehr als nur ein Spiel

Nach der extrem kurzen Vorstellung durch die drei Hobbits vom Otherland teilten sich die Schatten und Tobias begann.

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Jakob Schmidt, Simon Weinert und Wolfgang Tress

Erstaunlicherweise las er zunächst nur Lustiges.

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Mehr als nur der Hauch eines Lächelns lag in der Luft …

Auf dem Holzpodest hätte auch Horst Evers sitzen können, nur ist der Stil von Tobias weitaus geschliffener. Groß im Wortschatz, präzise in der Wortwahl und verdammt gut darin, die Worte auch bedeutsam erklingen zu lassen. Es ist durchaus nicht üblich, dass ein Autor wirklich zu lesen vermag, Tobias O, Meißner ist ein Meister-Vorleser!

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Magische Symbiose: Wenn Worte lebendig werden …

Geholfen hat ihm dabei bestimmt auch, dass er Selbsterlebtes in die Handlung einfließen ließ – was auch erklärt, dass er die Handwerker weder zu Gesicht bekam noch umbrachte.

Man will ja nicht als der Autor gelten, der Handwerker nicht mag.

Golkonda-Verlagsleiter Michael Görden träumte auch gleich von Hörbüchern. Dann könnte man sich den Tobias überall in die Ohren holen.

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Die Macht der Valar durchfließt seinen Verlag: Michael Görden

Tobias beschloss die Lesung mit einem krassen Kapitel, in dem es Hiob Montag mit der Grausamkeit von illegalen Flüchtlingstransporten zu tun bekommt. Genau das ist der Kern seines Chronikprojektes. In manche Wunden muss man mehr als nur einen Finger rammen.

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Niemand verließ den Raum trotz Warnung

Der Abend bewies mir, dass man gar nicht oft genug auf Hiobs Spiel hinweisen kann und ich hoffe inständig, dass es Tobias vermag, dieses Projekt durchzuziehen. Er hat selbst angemerkt, dass sich mit den Jahren auch seine Art den Chronistenjob wahrzunehmen verändert. Dass Splatter mehr dem 25jährigen entsprach und derzeit mehr Humor in seine Prosa Einzug hält; für das hohe Alter sieht er schon Fürchterliches auf seine Leserschaft zukommen.

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Tobias O. Meißner

Doch raus aus den Hügelgräbern, irgendwo im Südosten wartet das letzte heimelige Haus auf uns!

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