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Schlagwort-Archive: Wolfgang Neuhaus

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Die coolste Reflektion der Fantasie ist Cyberpunk

Interviews mit spannenden Menschen über tolle Bücher mag ich gern und führe sie auch selbst in lockerer Regelmäßigkeit, jedoch am liebsten schriftlich. Aus gutem Grund. Mein Einfingersuchsystem zum Schreiben passt eher suboptimal zum Transkribieren langer Interviewaufzeichnungen.
Aber manchmal geht es nicht anders. Bei Wolfgang Neuhaus war ich mir gleich sicher, dass ich ihn in persona treffen musste, da er es mit der Wortwahl und Wortbedeutungen sehr genau nimmt und eine Frage in einer Mail viel zu ungenau formuliert sein könnte.

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Wolfgang Neuhaus und sein Buch »Die Überschreitung der Gegenwart«

Ich hatte seinen Essay-Band »Die Überschreitung der Gegenwart« von Memoranda-Chef Hardy Kettlitz bekommen und mit viel Freude gelesen. Vor allem weil es dort nicht nur um SF-Werke ging, sondern auch um die Bedeutung bestimmter dort beschriebener Ideen für die Weiterentwicklung der Menschheit beziehungsweise unserer Art des Zusammenlebens. Es ging um Cyberpunk und damit verknüpft um Posthumanismus. Was ja erst einmal nur Schlagworte sind, bei Wolfgang aber schnell zu Lebenskonzepten werden.

Das interessierte mich und so wollte ich mehr wissen. Oberflächlich kannte ich ihn von den Gatherlands im Otherland, wo er etwa über Lem referierte. Aber ihn in seinem Büro zu sprechen, war dann doch eine andere Hausnummer. Fast zwei Stunden dauerte unser Gespräch und ich saß mehrere Wochen immer wieder an der Transkribierung. Doch am Ende, nach einer großen Endorphinausschüttung konnte ich das Manuskript zur Abnahme verschicken und nun endlich ist das umfangreiche Interview im Fantasyguide online.
Es brachte mich unter anderem dazu, bei Youtube nach »Max Headroom«-Folgen zu suchen und ich erlag schnell dem 80er Jahre Charme der Serie.

Nehmt euch etwas Zeit. Ihr lernt einen interessanten Denker und SF-Fan kennen, der es sich nie leicht macht mit dem Antworten, dafür aber auch etwas zu sagen und zu erzählen hat. Und vielleicht regt es an, mal in den SF-Jahren oder in Wolfgangs Essay-Band zu schmökern: Interview mit Wolfgang Neuhaus

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Lemologen sagen: Lem hat nicht gelogen!

Erneut ein Titel aus der unendlichen Weite platter Kalauer.
:wave:

Aber der Anlass ist ein guter und die Absichten noch besser. Denn es geht um Stanislaw Lem.
Im Otherland fand das Gatherland dieses Mal unter der Ägide von Peter Kempin und Wolfgang Neuhaus statt.

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Der futorologische Planet – das Otherland

Beide sind Streiter für Lemsche Andenken und haben in Dialog artigen Texten im Heyne SF-Jahr bereits dafür gestritten. Ein Titel wie

Testament für die Technoevolution
Ein Report vom I. Inter-Intelligenz-Symposium zur Lemologie im
Jahr 2164 – von Randu Serenios, Knowledge Operator

sagt eigentlich alles über die Kompetenz der beiden.

Das von Michael Szameit so verehrte Summa technologiae spielte eine große Rolle, ebenso Also sprach GOLEM – beides einzigartige Sachbücher, wie Wolfgang Neuhaus mit ähnlicher Begeisterung referierte.
Eigentlich bin ich bereits angefixt, aber »Summa« ist wirklich dick. Ich habe schon einige der theoretischen Texte Lems verkostet und eine leichte Vorspeise waren sie nie.

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Wolfgang Neuhaus und Peter Kempin

Der Abend entwickelte sich aber tatsächlich zu einem sehr informativen Austausch über Lem als Autor, seine Prosa-Texte, aber auch über seine philosophischen Ansichten. Im Zentrum stand dabei vor allem Lems Gedanke, dass der Mensch sein intelligentes Dasein einer extremen Zufälligkeit verdanke und Stolzsein darauf recht unangemessen sei.
So habe ich das zumindest verstanden. Lem war für mich ja immer dann gut, wenn er seinen philosophischen Ansatz in knackige SF packte.
Die Rezeption von Lems Technologie- und Gesellschaftskonzeptionellen Werken ist mager, wie die beiden Lemologen bedauernd feststellten. Ein Dilemma.
Aber es ist ja schon ein Trost, wenn sich zwanzig LeserInnen des Nachts in Kreuzberg treffen und ihrem inneren Lexikon neue Weisheiten unter dem Lemma Lem notieren.

Da der gestrige Abend auch so ein kleines Future Food-Treffen war, gibt es einen Bericht von Frank Böhmert über den Abend in seinem Hasenbrot-Blog. Lem bei Eco? – tatsächlich eine spannende Frage.

Eigentlich müsste man nach solch einem anregenden Abend einen kleinen Ausflug in eine Zeitblase machen und die erwähnte Werke in aller Ruhe lesen, während draußen keine Zeit vergeht.
Jedoch, sie vergeht. :yes:

Und wusch, kommt das nächste Gatherland. Mit Charles Stross, Frisch und in Farbe!

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