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Tot bist Du noch lange nicht!

Wenn man über die Jahrzehnte einem erfolgversprechenden Jungautoren folgt, erwartet man ja immer, dass die ganze Welt genauso begeistert ist, wie man selbst. Ja, Jahrzehnte klingt lang für einen kometenhaften Aufstieg, aber ist es nicht das Ding der Kometen, ewiglang unentdeckt durchs All zu ziehen und dann plötzlich mit einem riesigen Impact die Welt zu erschüttern?

Uwe Post wird jetzt vielleicht nicht die deutsche Literatur erneuern, aber für mich gehört er mit seinen Werken schon zum Kanon der aktuellen deutschsprachigen Phantastik und sollte explizit in der SF deutlich geläufiger sein. Aber man kann sich seine Leserschaft nicht basteln und ich denke, dass Uwe Post da schon ein wenig dran verzweifelt. Er schreibt pointierte Kurzgeschichten, die SF-Themen mit gesellschaftlichen Missständen kreuzen, dehnt das in Roman-Form aus, lässt die Satire weg, versucht’s mit Fantasy, mit Retro-Charme und dann ist doch ein Känguru-Freund in den Bestsellerlisten – mit fast identischen Geschichten und Worten.

Ich versteh’s auch nicht. Und natürlich liegt’s auch nicht an mir, denn mit jeden neuen Buch von Uwe spring ich in die Bresche und betone meine Freude an der Lektüre, an der Wahl der Themen und dem Wohlklang der Worte. Okay, letzteres ist etwas übertrieben.

E-TOT von Uwe Post, Cover: licarto

Mit seinem jüngsten Roman »E-TOT« hat Uwe nun Ideen aus einigen Kurzgeschichten in Romanform umgesetzt und bebildert das Leben nach dem Upload, vor allem der Tücken, die man quasi zwangsläufig damit haben wird, wenn man sich an den heutigen Stand der Technik, ihre Missbrauchsmöglichkeiten und dem desolaten Zustand unserer Zivilisation ausrichtet.

Eine fein gesponnene Dystopie mit typisch Post’schen Sinn fürs Groteske und wenn er das ganze noch etwas fokussierter auf den Punkt bringen, den Figuren etwas mehr Charakter verpassen könnte, müsste das mit dem Bestseller auch mal klappen. Ich fand das Buch gut und etwas mehr berichte ich in meiner Rezi: E-TOT von Uwe Post

Grüße aus der Post-Computerära

Ich erinnere mich an eine Schulstunde, da stellten zwei der schulisch schlechtesten Jungs die Programmiersprache Basic vor. In einer perfekten Welt hätte man das Interesse der beiden nutzen und weiter entwickeln können. Nun ja, wir wissen, die DDR war das Gegenteil von perfekt und beide konnten bis zum Ende der Zehnten nicht fließend lesen.
Mir gaben diesen seltsamen Zeilen überhaupt nichts. Mein Verständnis von Logik und Abläufen beschränkte sich im Wesentlichen auf das Umblättern von Seiten in Büchern und dem Fortgang antiker Geschichte.
Heute bin ich Anwendungsentwickler und Logik ist mir fremd wie eh und je.

Uwe Post nahm da einen anderen Weg und an seinen Jugenderinnerungen dürfen wir nun in Form der kleinen Flunkerei »für immer 8 BIT« teilhaben.

für immer 8 BIT

für immer 8 BIT von Uwe Post

Der Uwe-ähnliche Erzähler ist 16, ein Computerfreak und in Anna verschossen. Als er sie mit einem Fahrrad-Platten trifft und ihr seine Pumpe leiht, hat er den rettenden Einfall, ihr einen Nachhilfetausch vorzuschlagen. Er hilft ihr bei Mathe, sie ihm in Englisch. Anna ist einverstanden. Beim ersten Mathenachmittag entdeckt unser schüchterner Teenie den ungenutzten Atari von Annas Vater. Schon bald stecken die beiden nicht nur unter einer Decke sondern mitten in heißer Software-Produktion …

Ich hatte beim Lesen ständig ein Grinsen im Gesicht. Das lag vor allem daran, dass ich mich an meine eigenen Probleme mit den ersten peinlichen und peinvollen Kontaktversuchen zu Mädchen erinnerte und Uwe Post das mit einer herzerwärmenden Lockerheit erzählt. Er ist ein Humorist und hat daher keinerlei Mühe, selbst die komplizierteste Szene zwischen zwei jungen Menschen charmant und witzig darzustellen.

Etwas schwierig wurde es, als ich mich entscheiden musste, wir die Handlung weitergeht und selbst das Ende besteht aus diversen Abzweigungen. Mein Favorit ist Diskette 8 und was das bedeutet findet ihr nur heraus, wenn ihr das kleene Büchlein selber lest.

Mein Spaß daran war jedenfalls groß und ein klein wenig mehr darüber verrate ich in meiner Fantasyguide-Rezi: für immer 8 BIT von Uwe Post

Und alles gar nicht wahr!

Eigentlich bin ich ja auch ein Cloudverächter. Meine heiligen Daten einem Operator from Hell anzuvertrauen – dafür hab ich wohl schon einfach zu lange selbst Anwenderdaten verwaltet.

Und nun das.

Da beginne ich die Rezi zu Uwe Posts zweitem Walpar-Roman zu schreiben und will nur schnell die ID der Rezi des ersten Romans raussuchen – kein Treffer.

Panik.

Ich habs doch aber gelesen! Gut. Weil ich mich an nichts mehr erinnern konnte, hab ichs ja extra grad vor dem zweiten Band erneut gelesen. Aber da muss doch damals eine Rezi geflossen sein …

Nein. Nicht auf der Festplatte, nicht im Netz. Als ob das ganze Gelese überhaupt nicht existiert hätte! Alles gar nicht mehr wahr! /dev/null …

Doch puh, ich fand etwas. Damals nahm ich am Lesezirkel im SFN teil. Grad noch so dem Nichts enronnen …

Doch warum um alles in der Welt schrieb ich damals keine Rezi? Ich starre auf das Avatar-Bild in dem sieben Jahre alten Thread und erwarte irgendwie, dass es mir aus der Vergangenheit etwas zuflüstert. Irgendein Fluch lastet wohl auf diesem Buch. Keine Erinnerung, keine Rezi …

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Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes von Uwe Post, Cover: Si-yü Steuber

Aber damit ist nun Schluss. Flux schrieb ich die fehlende Rezi zu Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes.

Jedoch ging es mir ja eigentlich um den zweiten Band, Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili.

Uwe Post ist bekannt für knackige SF-Kurzgeschichten in denen meist skurrile Figuren in wildgewordenen Realitäten seltsame Dinge erleben. Die Walpar-Romane sind etwas längere Formen davon. Walpar Tonnraffir ist ein Weltraumdetektiv, der diesmal durch Zufall über einen Außerirdischen stolpert. Der ist gerade auf der Flucht: Die ominösen Veranstalter haben ihn auserkoren, als Gewürz der Ursuppe eines Planeten zu dienen und obwohl er als Beamter begierig dafür sorgt, dass auf seinem Freudenmond alle Regeln eingehalten werden, zieht er das regelwidrige Überleben der Zerhäkselung vor. Hier nun kommt Walpar als Retter ins Spiel und damit erhält das Universum wieder einmal Gelegenheit, alles rasant durcheinander zu schütteln.

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Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili von Uwe Post, Cover: Si-yü Steuber

Das ist besonders ungesund für Banker auf Betriebsausflug oder Dealer in dunklen Gassen, aber zumindest haben Nera, Kerbil und ein bisschen auch Henriette, wieder ihren Spaß dabei. Und darum geht’s ja in erster Linie bei Uwe Post satirischem Tanz mit SF-Themen und Alltagsproblemen.

Uwe Post – das kleine bisschen Grauen vor der Zukunft für zwischendurch, präsentiert von ZischZitro.

Und damit mir das nicht wieder ein Elf aus dem Hirn brutzelt, meine Rezi in voller Hyperraumbreite wie (fast) immer im Fantasyguide: Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili von Uwe Post

Postfaktisches

Der erste Postfakt ist, dass man Uwe Post mal live erlebt haben sollte, dann klappt das nämlich auch mit dem Spaßdranhaben.

Denn, so der zweite Postfakt, vorher fand ich seine Geschichten nicht so dolle.

Heute, Postfakt Nummer Drei, kaufe ich alles von ihm. Und nur seinen zweiten Zentaurenband hab ich noch ungelesen hier rumliegen: Postfakt Fünf.

Okay, genug über den Fumpfbackenverein gelästert, der von Deutsch keine Ahnung hat.

Als Uwe verkündete, eine Auswahl seiner c‘t-Kurzgeschichten gesammelt in einem Büchlein herauszugeben, war meine Freude groß aber kurz, denn eBook-only.

Zum Glück riss sich Michael Haitel darum, das Konglomerat in seinem p.machinery Verlag herauszubringen und so kam das Ganze dann doch noch als richtiges Büchlein zu mir, post-eBook sozusagen.

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Oben auf dem Postbuchberg: Petware – das Cover ist auch von Uwe Post

Petware und andere Storys versammelt Elf Kurzgeschichten von 1999 bis 2016, Ausflugraumschiff Pflaume ist im Buch sogar als Bonustrack gelistet.

Obwohl Uwe wie erwartet jede Menge Satire, Ironie und schrägen Humor unterbringt, sind sehr viele ernste Töne enthalten, die sich aus den Überspitzungen der Realität einfach ergeben.
Seine Figuren scheitern meist, ohne sich dessen bewusst zu sein. Irgendwie ist das Universum gegen sie, oder eine Frau, was aber auf dasselbe hinausläuft, und dann sind sie plötzlich tot, hilflos oder verschollen.

Darüber hinaus untersucht Uwe auf seine charmante Art die Zukunft der Dinge. Was macht etwa so ein eingepflanzter Chip aus Haustieren oder wie kommt ein robotischer Kindergartenpraktikant mit Eltern in Extremsituationen klar, von gehackten Robotrichtern gleich ganz abgesehen.

Sehr schön fand ich das Wiedersehen mit der eDead-Welt, denn dort traf ich Uwe zum ersten Mal.

Ja, ich bin heute nicht mehr ganz objektiv, wenn ich Uwes Geschichte lese, mir gefallen sie fast alle und ich kann mich darob beömmeln. Aber immer nur deshalb, weil ich ganz fest davon überzeugt bin, dass mir soetwas nie geschehen könnte und die Welt auf gar keinen Fall zu einer Post-Apokalypse wird.

Es gab übrigens keine einzige Zisch Zitro. Und das prangere ich an!

Ausführlicher zu den ganzen Post-Storys in meiner Rezi: Petware und andere Storys von Uwe Post

Was braucht denn nun die Deutsche Science-Fiction?

Obwohl ich ja eigentlich ganz was anderes lesen will, rutscht in meinen Lektürestapel beständig deutschsprachige SF. Da dies ein ziemlich kleines Segment der deutschsprachigen Belletristik ist und entsprechend wenig breite Öffentlichkeit erringt, stellt sich regelmäßig im Fandom, bei den SF-Schaffenden und auch bei den Verlagen die Frage, wie man das ändern kann, beziehungsweise woran es denn liegt, dass dieses Segment so lütt ist.

Für Verlage sind die Messgrößen recht einfach. Was sich nicht verkauft, trifft offenbar nicht den Geschmack der Leserschaft und passende Manuskripte kann man sich nicht aus den Rippen schnetzeln.

Darum starten regelmäßig Projekte, die den Versuch wagen, eigenen künstlerischen Anspruch und Lesevorlieben zu verbinden. So etwas reizt natürlich meine Neugierde und weil man ja in dem überschaubaren Bereich quasi fast alle Agierenden kennt, ist es stets auch eine Übung in diplomatischem Rezensionverfassen. Ich will je weder an Kritik sparen, noch die eh schon fragilen Karrierekeime knicken oder auf dem BuCon alleine sitzen.

Als damals Die Neunte Expansion aus der Taufe gehoben wurde, die inzwischen recht erfolgreich bei Wurdack läuft, sprang der spitzzüngige Uwe Post alsbald auf einen eigenen Zug auf: Geheimprojekt B.

Das startete dann deutlich nach D9E als eBook-Episoden-Dingens unter dem Namen BiomAlpha und vielleicht hätte ich mir die erste Episode auch als Datei geholt, wenn nicht von Anfang an die Rede davon gewesen wäre, dass es nach der dritten Episode, also nur wenige Monate später, einen Sammelband als richtiges Buch geben würde. Da warte ich doch lieber auf etwas Handfestes, egal wie viele Fehlregale ich auch habe (oder eben nicht, oder so).

Doch vielleichten dachten Viele, der eh schon nicht so üppig umfangreichen, potentiellen Leserschaft ganz ähnlich – die eBooks waren für Ernst Wurdack ein Flop und er stieg aus.

Auf eine SF-eBookreihe schien niemand gewartet zu haben.

Doch die sieben Autoren der Reihe, eine Frau ist tatsächlich bisher nicht an Bord, schubsten das Taschenbuch in Eigenregie in die Welt und wie versprochen, kaufte ich es mir.

 

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Die Ankunft, BiomAlpha Sammelband 1, Cover von Frank Lauenroth

Betrachtet man Die Ankunft, den ersten Sammelband der Reihe BiomAlpha unter dem Aspekt, dass man damit eigentlich die deutschsprachige SF pushen und vielleicht auch einzigartige Nuancen kreieren wollte, kann man von einem Gelingen bisher noch nicht wirklich schreiben.

Der tatsächlich faszinierende Teil der Geschichte, nämlich der exotische Alienpart samt Vielvölkergemisch, biologischer Technik und anarchistischen Schwarmstrukturen dominiert leider nicht und wird von doch eher enttäuschend profanen Thrillerelementen und unspektakulären terrestrischen Figuren immer wieder verschattet.

Klar, jeder Autor wollte seinen eigenen Storybogen, eigene Figuren und Elemente, aber anstatt sich zu ergänzen, blockieren sie sich und passen qualitativ nicht ganz zusammen.

Uwe Post, Frank Lauenroth, Niklas Peinecke, Frederic Brake, Merlin Thomas, Uwe Hermann und Christian Weis sind allesamt gestandene SF-Autoren, von allen hab ich schon einige Storys und Romane gelesen und mit dreien auch schon persönlich geplauscht.

Den Spaß, zu erraten, wer von ihnen nun welche Plot-Linie verfasste, hab ich mir auch gemacht, liege aber bestimmt oft genug weit daneben. Aber Astronomie, Hamburg und Biopunkpflanzen könnten nützliche Indikatoren sein.

Potential ist ohne Zweifel vorhanden. Der Sammelband endet mit anderthalb spannenden Plotfäden, deren Fortführung ich mir unbedingt wünsche.

Also obwohl auch BiomAlpha meine (über)großen Erwartungen an die neue deutschsprachige SF nicht erfüllen konnte, bleib ich am Ball, die nächsten Titel auf dem SUB könnten ja daran vielleicht etwas ändern …

In meiner Rezi im Fantasyguide gehe ich übrigens etwas mehr auf die Inhalte ein: Die Ankunft von Uwe Post, Frank Lauenroth, Niklas Peinecke, Frederic Brake, Merlin Thomas, Uwe Hermann und Christian Weis

Was braucht die deutschsprachige SF nun also?

Sammelband 2 von BiomAlpha. So zum Anfang.

Das Zucken des Schnauzbarts

Humor ist eine schwierige Sache. Gerade als Berliner stoße ich da immer wieder auf Probleme. Mach ich Witze, versteht sie niemand und mit einem Großteil von Witzen etwa aus Fernsehsendungen verbinde ich Qualen. Ja, auch mit Mario Barth.

Deshalb lese ich auch eher weniger Satiren und mir ist es tatsächlich lieber, wenn ich die scherzhaft Schreibenden einmal live erlebt habe. Nur so etwa konnte ich Zugang zu den Texten von Uwe Post finden, der inzwischen so etwas wie der SF-Satire-Superstar ist. Ich kauf alles von ihm und les das dann auch.

Hingegen lasse ich Bücher von normalen SatirikerInnen elegant links liegen. Außer sie schreiben einen Science Fiction Roman.

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Alles außer irdisch von Horst Evers

Aufmerksam wurde ich auf Alles außer irdisch von Horst Evers durch eine Sendung bei Radio Eins. Dort hörte ich Evers aus dem Roman vorlesen und wusste sofort, das Buch brauch ich.

Gekauft hab ichs dann aber erst, als sich mir durch Zufall die Gelegenheit eines Lesungsbesuchs bot und ich schaffte es auch fast, das Buch bis dahin auszulesen.

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Horst Evers

Aber er las dann gestern doch ganz andere Texte. Was nicht verwunderte, denn die Lesung hatte der Freundeskreis des Bethel-Hospiz in Lichtenberg organisiert.

Dort starb Weihnachten 2014 mein Vater und zusammen mit meiner Mutter besuchen wir seither hin und wieder die angebotenen Veranstaltungen, wie etwa die Lesung von Abini Zöllner, über die dann auch die gestrige Lesung vermittelt wurde.

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In der Danksagung zu Alles außer irdisch steht sie als Expertin für korrektes Berlinern drin und selbstverständlich fand sie sich gestern unter den begeisterten ZuhöreInnen.

Der Saal war gerappelt voll, ein wunderbare Erfolg für die Stiftung und ich hoffe, es kamen auch entsprechend Spenden zusammen. Horst Evers jedenfalls gab sein Bestes und unterhielt das Publikum mit pointierten Texten. In der Tat ein sehr witzige Angelegenheit. Die Kurzform scheint er perfekt zu beherrschen. Im Roman spürt man diese Szenenorientiertheit und vor allem das etwas lockere Verknüpfen der Gags.

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Natürlich holte ich mir eine Signatur!

Der Roman bleibt zwar trotzdem sehr amüsant, stottert aber manchmal. Ich vermute, dass die entsprechenden Stellen für jede oder jeden woanders liegen werden.

Auf jeden Fall scheint Horst Evers ein großer SF-Fan zu sein und konnte das jetzt endlich einmal so richtig ausleben. Ein paar Sätze mehr gibt es in meiner Rezi: Alles außer irdisch von Horst Evers

Und das Zucken des Schnauzbarts? Lasst euch am besten nichts anmerken, wenn ihr einmal in eine Polizeikontrolle geratet und stimmliche Erscheinung nicht zur Körperlichkeit passen. BauchrednerInnen sind in der Polizei selten, meint Horst Evers und ich glaub ihm das jetzt einfach einmal.

Phantastische Pferde und masturbationsgestörte Männer

Würfelt man beides zusammen, erhält man Die Zentauren von Uwe Post.

Okay, das ist arg verkürzt, aber bei postscher Phantastik erwartet man ja immer etwas hintersinnigen Humor und augenzwinkerndes Klamauk.

So ein klein wenig davon findet sich auch in Zentaurenblut, der ersten Episode der Zentauren.

zentaurenblut

Zentaurenblut von Uwe Post, Cover von Timo Kümmel

Wer sein Fantasyvolk damit straft, deutlichen Männerüberschuss bei unmöglicher manueller Selbstentlastung aufzuweisen, mag definitiv skurrile Schwierigkeiten.

Ich hab den Auftaktband in meine Lektürepläne zwischengeschoben, da ich einen dünnen Band für die Bahn brauchte und Uwe gerade gar nicht so glücklich mit der literarischen Allgemeinsituation zu sein scheint. Sein Prestigeprojekt Biom Alpha verlor seinen Verlagsplatz, bevor es überhaupt richtig losgehen konnte.

So sollte wenigstens sein lang vorbereiteter Abstecher in die Hardcore-Fantasy positives Feeling generieren.

Ich würde es der Reihe gönnen, sie hat diverse Potentiale. Gerade die körperlichen Besonderheiten von Zentauren können noch einige spannende Geschichten generieren und Uwes Figuren sind durchaus sperrig und bunt angelegt genug, um etwas tiefgründige Fantasy zu erwarten.

Falls der Autor das so will.

Als Fan seiner SF-Geschichten bin ich aber schon sehr zwiegespalten. Selbst seine witzigen Fantasy-Kurzgeschichten kitzeln meine Nerven mehr als die typischen Fantasy-Settings, so sehr Uwe da auch dran schraubt. Wenn ich da an seine WoW-Veralberung denke …

Die leider sehr schlechte editorische Qualität des Büchleins hindert hoffentlich nicht am Erfolg. Aber auch Kleinverlage müssen dem Zeitdruck widerstehen können. Schnellschüsse mit deutlichen Fehlern darf man sich nicht leisten. Bei aller Sympathie für kleine Verlage wie Amrûn, die Möglichkeit, Satzfehler in einer Nachauflage ausbessern zu können, wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bieten. Der erste Wurf muss treffen!

Das Cover stammt übrigens vom darauf sehr stolzen Timo Kümmel. Allerdings dürfte sein Zentaur keine Schwierigkeiten haben, handgreiflich zu werden. Wäre in seiner Situation aber auch schon wieder egal. 😀

Mehr zum Roman in meiner Rezi: Zentaurenblut von Uwe Post

Post in Space

Raumfliegende Briefträger sind nicht gemeint, sondern wieder einmal der großartige Uwe Post, seines Zeichens Bio-Punker und Meister der dezenten Raumfahrtsatire.

Sein nunmehr vierter Roman, Sterne in Asche, erschien bereits im Herbst letzten Jahres und irgendwie hatte ich großen Bammel davor, ihn zu lesen.

Warum? Nun, ich mag den Uwe sehr, seit ich ihn live erlebt habe und die Vorankündigungen zu Sterne in Asche klangen beängstigend.

Ich verrate euch was. Das ist mein erster Roman, der in die mit »Space Opera« beschriftete Schublade passt.
Ich bin wahnsinnig gespannt, wie er ankommt.

Eine Schublade? Wenn das nicht nach Elfenwerk klingt!

Während für Josefson vom Standard das Buch nicht recht im Lot war, hat mich vor allem eines stark überrascht. Der Roman dreht sich am Ende zu einem todtraurigen und bitterbösen Drama. Post verlässt die Welt der zumindest freundlichen Romanenden.

Sterne in Asche von Uwe Post, Cover von Mark FreierSterne in Asche von Uwe Post, Cover von Mark Freier

Oder ganz unbewusst ist Sterne in Asche schon immer ein erster Band gewesen? Denn auch wenn Uwe ganz überrascht tut, dass nun alle von einer Fortsetzung ausgehen, muss man nach den 190 Seiten einfach fragen: Und wo ist der ganze Rest?
Da baut er mit viel Schmackes eine kunterbuntes, wenn auch untergehendes Universum auf und dann wendet er sich einfach so etwas anderem zu? Nee, nee, nee!

Jedenfalls solltet ihr beim Lesen meiner Rezi nicht vergessen, dass ich Fanboy bin. Langenoch!

Sterne in Asche von Uwe Post

Interview mit Uwe Post

Passend zur Rezi seines neuesten Romans SchrottT konnte ich mit Uwe Post ein Interview führen. Witzigerweise via Chat, was für mich ein Novum darstellte.

Uwe empfahl dafür Jabber mit einem Account über einen Server des Chaos Computer Clubs. Irgendwie hab ich es geschafft, mich durchzupfriemeln. Nicht simpel, aber schaffbar. Für die Accountgenerierung musste ich kurzzeitig einen anderen Jabber-Client installieren, da ich es mit Pidgin nicht hinbekam.

Jedenfalls schlugen wir so der NSA ein Schnippchen. Nun müssen sie unser Gespräch, wie alle anderen auch, direkt im Fantasyguide nachlesen.
Das ganze und riesige Interview mit Uwe Post.

Rezi online: SchrottT von Uwe Post

Der Titel ist cool, wird aber nicht Schrotty ausgesprochen, sondern Schrot-te-te ausgesprochen.

SchrottT von Uwe Post

Mit der Bewertung des Buches tat ich mich reichlich schwer. Das liegt vor allem daran, dass ich den Uwe Post mag. Ich konnte ihn auf einigen Lesungen live erleben und danach liest man seine Texte einfach ganz anders. Das mag auch daran liegen, dass seine Art Humor für mich Berliner nicht so offensichtlich ist.
Bei SchrottT gefiel mir die Idee zwar, beim Lesen jedoch fiel ich in ein uncanny valley, irgendwie fand ich die dargestellte Zukunft nicht glaubwürdig. Mann kann sich auf eine extreme Verzerrung der Realität eher einlassen, als auf eine zu geringe.

Wie dem auch sei, grundsätzlich finde ich es gut, wenn politische SF erscheint und tatsächlich enthält der Roman auch jede Menge witziger Szenen, ist also in gewisser Hinsicht immer noch ein echter Post.

Die Rezi gibt es im Fantasyguide, wie gewohnt: SchrottT von Uwe Post

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