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Die Liebe im Winter

Bereits im Februar las ich im Lesezirkel des SFN Ursula K. LeGuins Winterplanet.

Das Buch stand schon lange bei mir im Regal und als es ausgewählt wurde, nutzte ich die Chance, es endlich zu lesen.

Winterplanet von Ursula K. LeGuin; Cover von C. A, M. Thole

Das Buch beeindruckt vor allem durch die Idee einer Gesellschaft, in der sich Geschlechtlichkeit nur einmal im Monat für ein paar Tage zeigt und zufällig auf weiblich oder männlich fällt. Das verändert das zusammenleben der Menschen stark, da es weder eine Diskriminierung des Geschlechts wegen gibt, sexuelle Gewalt unbekannt ist und quasi jede Person in der Lage versetzt werden kann, sowohl Mutter als auch Vater zu sein.

In der eigentlichen Handlung geht es um einen Abgesandten der Ökumene, der zu erreichen versucht, dass sich der Planet ihnen anschließt. Wegen der klimatischen Bedingungen heißt der Planet Winter und der Höhepunkt des Romans ist eine lange Flucht über einen Gletscher. Der Abgesandte lernt dabei eine andere Form der Liebe kennen, grob gesagt.

Sprachlich wie inhaltlich ist LeGuin hier eine Meisterin, der Roman, im Original »The Left Hand of Darkness«, aus dem Jahre 1969 machte sie als SF-Autorin zu Recht berühmt.

Die Welt dreht sich einfach nicht weiter

Trotz Internet und GPS habe ich oft das Gefühl, wir als Menschheit kommen keinen wichtigen Schritt voran. Für schnellen Profit wird die Umwelt zerstört, werden andere Menschen ausgebeutet und ermordet. Wie man an den Dieselbetrügern und Monsanto sieht, auch völlig straffrei.

Erschreckend zu sehen, dass bestimmte Idiotien immer wieder kehren, egal wie oft man dagegen ankämpft.

»The Word for World is Forest« von Ursula K. Le Guin ist so ein aufrüttelndes Zeichen gegen Rassismus, Umweltzerstörung und Diskriminierung.

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The Word for World is Forest von Ursula K. Le Guin, Cover: Darell Gulin und Jamie Stafford-Hill

1972 erschienen und Hugo-prämiert, gehört es zu den bekanntesten Werken der im letzten Jahr verstorbenen Autorin und ein Lesezirkel im SFN bot mir die Gelegenheit, diese Lücke endlich zu schließen. Da es keine aktuelle deutsche Ausgabe des Werkes gibt (von Plänen dafür habe ich unken hören), erwarb ich im Otherland eine englischsprachige Ausgabe von 2010.

Während der Lektüre verstärkte sich mein Eindruck immer mehr, dass Le Guin da eine Entwicklung beschreibt, die sich leider genauso auch gerade auf unserem Planeten abspielt. Für Holz und Drogen wird Urwald gerodet und Eingeborene ermordet. Auch die Verachtung gegenüber Frauen und Nichtweiße findet sich gefühlt genauso auch heute. Immer noch.

Ziemlich erschreckend und deprimierend. Wo bleibt unsere Liga der Intelligenz, dies zu ächten und verbieten?

Nichtsdestotrotz war es eine lohnenswerte Lektüre für mich. Ich konnte zudem endlich einmal wieder ein Buch im englischen Original lesen und es ging sogar erstaunlich gut. An wichtigen Stellen musste ich schon gründlich nachdenken, aber insgesamt konnte ich das Buch flüssig lesen. Le Guin zählt zu Recht zu den wichtigen literarischen Stimmen, und vielleicht bewirken ihre Werke ja doch irgendwann etwas.

Wie gewohnt, gibt es eine etwas ausführlichere Besprechung drüben im Fantasyguide: The Word for World is Forest von Ursula K. Le Guin

Die freien Geister von Erdsee

Am 29.11. lud der Verein Weltlesebühne ins Otherland. Im Zentrum stand Karen Nölle als Übersetzerin der »Erdsee«-Prachtausgabe sowie der »The Dispossessed«-Ausgabe »Freie Geister« bei Tor.

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Karen Nölle und Nadine Püschel

Da ich den Prachtband ganz unverhofft im Briefkasten vorfand und seither abends ab und zu in dem zwar wunderschönen, aber echt schweren Band lese und auch irgendwann bespreche, freute ich mich sehr auf die Gelegenheit, die Übersetzerin kennenzulernen.

Sie übersetzte nicht alles, Band 4 wurde von ihrem Mann, Hans-Ulrich Möhring, ins Deutsche übertragen, der auch im Publikum saß.

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Hans-Ulrich Möhring

Grandioserweise, denn er ist der »Otherland«-Übersetzer! Unter uns befand sich dann auch noch Anne-Marie Wachs, die für Golkonda den Essay-Band »Keine Zeit verlieren: Über Alter, Kunst, Kultur und Katzen« übersetzte.

Da auch Hannes Riffel und Hardy Kettlitz anwesend waren, überschlugen sich Wissensvermittlung, Insiderwissen und Literaturbegeisterung in stimmungsvollen und gewaltigen Saltos.

Die Moderation übernahm die Übersetzerin Nadine Püschel mit angenehm fröhlicher Begeisterung und stellte Karen, die Werke und auch das Besondere an Ursula K. Le Guin vor.

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Nadine Püschel

Zwar setzte sie ihre Bedeutung in Deutschland etwas weniger hoch an, als wohl der Großteil der anwesenden Fans, aber das schmälerte die gemeinsame Freude am Werk der großen Schriftstellerin nicht im Geringsten.

Karen konnte Ursula K. Le Guin noch persönlich treffen, sie starb ja im Frühjahr, und berichtete über das starke Interesse der Autorin an einer ordentlichen Übersetzung der Namen, sie hatte da wohl böse Erfahrungen mit einem bulgarischen Übersetzer gemacht.

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Schwere Lektüre

In der Welt von »Erdsee« ist Sprache sehr wichtig und in der deutschen Übersetzung wären englische Namen Fremdkörper.

Wir hörten Ausschnitte aus den beiden ersten Erdsee-Geschichten von Karen, während Hans-Ulrich Möhring vom Blatt etwas aus dem vierten Band vortrug. Dreimal stolperte er dabei über Schreibfehler und bat ganz burschikos grinsend seine Frau, im Buch nach zu sehen, ob sie es ins Buch geschafft hätten, jedoch Hannes hatte alle gnadenlos gekillt.

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Frisch aus dem Drucker

Das Bild des sich am Frühstückstisch abstimmenden Übersetzerpärchens flimmerte durch den Raum und man konnte auch spüren, dass die beiden sich und ihr Leben ganz wunderbar finden.

Die beiden fuhren auch auf den Spuren der Handlungsschauplätze in die USA und besuchten das Steens Mountain Country. Hier her kam Le Guin nicht nur 50 Jahre lang, Licht und Klima bestimmen ihre beiden Werke sehr stark.  Karen konnte hier das Gefühl für die Landschaft entwickeln, ohne das ihr die Übersetzung nicht gelingen wollte.

»The Dispossessed« ist für SF-Fans ähnlich bedeutsam wie »Earthsea« für Fantasy-Fans und das Buch erhielt mit »Freie Geister« nun bereits den dritten deutschen Titel.

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Karen las uns eine eine ungewöhliche Hotelszene vor.

Hannes erklärte dann auch, wie er dazu kam. »The Dispossessed« war für Le Guin auch eine Reminiszenz an Dostojewskis »Бесы«, im englischen »The Possessed«. Da bei Fischer die Übersetzung von Swetlana Geier »Böse Geister« heißt, fand er es nur passend, wenn nun Le Guins Werk »Freie Geister« benannt wurde. So wäre Dostojewski wieder im Spiel, das Wort Freigeist klingt an mit dem Bezug zum Anarchismus und der Antagonismus zum Besessen sein wird auch noch deutlich.

Solche kleinen Schwenker machen die Abende im Otherland zu etwas besonderem.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich mir The Word for World is Forest von Le Guin an diesem Abend kaufte und als Sahnehäubchen hörte ich es Raunen, dass in einigen Jahren der Bedarf an einer Neuübersetzung gestillt werden könnte.

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Nicht nur Karen und Nadine hatten ihren Spaß

Doch bis dahin gibt es noch genug zu lesen, Bücher auf und ab in ferne Welten, other lands und fremde Betten!

Projekt Buchpreis – Teil 8

Anderthalb Monate ist es her, dass ich etwas über dieses Projekt berichtete und es lebt tatsächlich noch!

Am Donnerstag kaufte ich mir endlich das Gewinnerwerk Archipel von Inger-Maria Mahlke wie versprochen in der Buchhandlung Kommedia in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg, vis-à-vis des Otherlands.

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Archipel von Inger-Maria Mahlke

Zurzeit lese ich noch eine Fantasy-Anthologie, aber direkt danach geht’s los.

Wenn alles klappt, werde ich am 12.12. dann auch noch zur Lesung von Nino Haratischwili ins Literarische Colloquium fahren und somit dann doch noch auch Die Katze und der General ins Projektteam holen, allerdings ohne Garantie, es auch zu lesen.
In den letzten Wochen haben sich ein paar andere Autorinnen und Werke vorgedrängelt, die zu lesen ich sehr große Lust verspüre.

Zudem wird mir die Original-Lektüre von The Word for World Is Forest von Ursula K. Le Guin für den Klassikerlesezirkel im SFN einiges abverlangen, aber ich freue mich schon sehr darauf, endlich mal wieder ein Buch in Englisch anzugehen.

Projekt Buchpreis 2018 – Teil 2

Das erste Buch, Sechs Koffer von Maxim Biller, liegt hinter mir. Da wir im SFN einen offenen Lesezirkel dazu veranstalten, warte ich noch mit einer Rezi. Aber schon mal vorab: Gute Unterhaltung liefert das Buch, preiswürdig ist es nicht.

Gestern nutzte ich die Mittagspause und besuchte die Charlottenburger Buchhandlung Der Divan in der Reichsstrasse 104, nahe dem Theodor-Heuss-Platz.

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Der Divan in Charlottenburg

Der Laden wirkt extrem aufgeräumt und luftig, eher edelchick als typisch vollgestopft mit Büchern. Hier gibt es einen extra Tisch mit den Nominierten der Shortlist und ich sah gleich auf den ersten Blick, dass Der Vogelgott, den ich mir als nächstes kaufen wollte, nicht dabei lag.

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Der Buchpreistisch. Sechs Koffer und Der Vogelgott waren ausverkauft.

Die nette Buchhändlerin erklärte mir, das Buch sei momentan nicht lieferbar. Der Verlag Jung und Jung dürfte von der Buchpreisnominierung also deutlich profitieren, wenn er jetzt schon nachdrucken lassen muss.
Ich frug natürlich auch, wie sich der Buchpreis bei ihnen auswirke und sie schien ganz begeistert. Zumindest die Bücher der Shortlist werden gut gekauft und auch von den Kundinnen und Kunden explizit nachgefragt. In ihrer Gegend ist der Buchpreis also tatsächlich ein Erfolg. Man könnte denken, dass die Gegend etwas nobler sei, als Friedrichshagen. Nunja, direkt neben der Buchhandlung findet sich ein Kasino. Mein ganz persönlicher Indikator für eine eher heruntergekommene Gegend.

Kein Buchladenbesuch ohne Buchkauf, daher nahm ich den Gott der Barbaren mit.

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Gott der Barbaren von Stephan Thome

Ich weiß zwar nicht, wann ich dazu kommen werde, es zu lesen, da ich gerade an zwei Rezi-Exemplaren dran bin, darunter die unverhofft eingetrudelte Prachtausgabe von Ursula K. Le Guins Erdsee und ich lieber zunächst den Vogelgott lesen würde.
Aber letztlich isses mir ja wurscht, welcher Gott welchem folgt.

So sindse, die Agnostiker.

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