Montbron

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Thomas Manegold'

Schlagwort-Archive: Thomas Manegold

Bis der Chef ans Mikro drängt

Bereits am Freitag fand die zehnte »Nacht der Drachenfliege« im Literaturcafé Periplaneta statt.

In lauer Drachenfliegensommernacht

Obwohl ich da eigentlich immer hingehen will, klappte es erst zum zweiten Mal. Die Lesungsreihe steht ganz im Zeichen der Drachenfliege, denn die Libelle ist das Maskottchen der »Edition Drachenfliege« des periplaneta Verlags, der in ihr vor allem Phantastisches veröffentlicht. Meist schräges Zeug zwischen Urban Fantasy und Märchen – ich denke, seit dem Start der Edition hab ich so ziemlich alles gelesen, was in ihr erschien.

periplaneta-Lektorin Sarah Strehle wartet auf den Beginn der Nacht

Am Freitag standen deshalb auch keine Unbekannten im Scheinwerferlicht, zumindest für mich nicht.

Verleger Tom Manegold eröffnete den Abend gewohnt charmant lavierend und machte dem Publikum den Ausfall der musikalischen Begleitung schmackhaft.

Tom Manegold

Mitten in seine Begrüßung platzte der wahre Chef des Verlages auf den Armen seiner Mutter, der Autorin und Verlegerin Marion Alexa Müller, herein.

Marry hat DEN Chef fest im Blick

Konstantin heißt der Knirps und durfte nach der Pause auch ins Bettchen gehen, jedoch nicht ohne seine Künste am Mikro präsentiert zu haben.

Den Anfang des kulturellen Teils bestritt Jesko Habert. »Tiefsommer« gehörte zu meinen großen 2018er SF-Freuden und das dürfte jetzt der vierte Abend gewesen sein, an dem ich Auszüge aus dem Roman lauschte. Er las zunächst aus dem Fantasy-Teil des Romans und nach der Pause aus dem anderen, etwas anderen Teil. Ohne zu spoilern kann man da leider nichts weiter verraten.

Jesko Habert

Ans Mikro trat dann Swantje Niemann. Die junge Autorin arbeitete als Assistentin im Verlag, ihre High-Fantasy Trilogie »Drúdir« erscheint aber nicht dort, sondern in der »Edition Roter Drache«. Drúdir 2, »Masken und Spiegel«, erwarb ich schon auf der LBM und extra für den Abend hab ich’s auch endlich zu lesen begonnen.

Swantje Niemann

Allerdings nutzt Swantje die »Nacht der Drachenfliege« lieber zur Vorstellung von nicht so ernsten Texten und trug deshalb eine weitere Story um ihre lebendig gewordene Comicfigur vor, die mit den Entscheidungen ihres Zeichners nicht immer zufrieden ist. Ob ihr aber bei ihrer Rache der Cyber-Hoodie eines seltsamen jungen Pubertierenden helfen wird?

Aus dem fernen Wedding bei Moabit reiste Brauseboy Robert Rescue an. Ein Lesebühnenveteran, der mit dem »Intimitätendieb« vor einigen Jahren einen recht coolen Urban-Fantasy-Roman in der »Edition Drachenfliege« unterbringen konnte.

Robert Rescue

Er deutete an, dass sich das Ganze zu einer Serie um den Geisterjäger aus dem Wedding ausgewachsen hat, die er exklusiv für die »Edition Drachenfliege« verfasst. Die neueste Folge wurde durch die TV-Serie »Good Omens« inspiriert und handelt vom Besuch Klaus Pelzers in der WG der vier apokalyptischen Reiter. Die logischerweise im Wedding wohnen und mit Umweltverschmutzung, der ehemaligen Pest, ihre Nöte haben.

Ein weiterer, herrlich schräger Text, der hoffentlich auch einmal gedruckt erscheint.

Als Stargast des Abends und literarisches Finale des ersten Teiles wurde André Ziegenmeyer eingeführt. Sein quadratisches Bändchen »Igor Mortis« dürfte eines der ersten, oder sogar das erste Werk der »Edition Drachenfliege« gewesen sein, dass ich rezensierte. Aus heutiger Sicht sehr martialisch rezensierte.

André Ziegenmeyer

Seither gab es diverse kleine Bände mit Texten und Gedichten im periplaneta Verlag, jedoch landete bisher keiner davon in meinen Händen. Es sind auch eher Anekdoten und typische Lesebühnentexte. Witzig und pointenreich, aber in life natürlich wesentlich vergnüglicher, denn der Mann ist ein großartiger Vortragskünstler und Quatschmacher. Ein wichtiges Utensil wartete bereits den ganzen Abend auf seinen Einsatz.

Assistent Tom, im Vordergrund Hermann

Eine Art Dampfradio mit Nebelgenerator und Blitzkugel, aus dem er mittels Tastatureingabe kleine Sound- und Teaserschnipsel unters Volk brachte und das unter dem Namen Hermann, die Geschichtenmaschine berühmt werden dürfte. Quasi das Tool für ein Live-Hörspiel. Als Kaffeemühlenpraktikant zum Ankurbeln der Maschine fundierte Tom.

Nach einem kurzen Einblick in das Gehirn André Ziegenmeyers, wo ein Kopfgnomkumpel mit Quietschehammer hämmert, konnte André als noch gar nicht so alter Papa zudem auf einen großen Fundus lustiger autobiografischer Geschichten um seine Tochter Mathilda zurückgreifen, die auch in seinem jüngsten Quadrat »Der auf der Kuh surft« zu finden sind. Da ging es etwa um die Keksgeldkrise.

Ein Buch mit Kuh

Mit Hilfe Hermanns konnten wir dann in die Tiefen der Bollywoodbegeisterung des Autors eintauchen, was uns alle pausenreif glücklich machte.

Frisch gestärkt überredete Tom dann sein Apfelbrett, einen Kurzfilm zu zeigen, der eigentlich als Einstimmung für Andrés ersten Part gedacht war, weil darin eine Kuh mitspielt. »Mobile« von Verena Fels ist ungemein knuffig und sollte unbedingt weggeguckt werden!

Während sich DER Chef endgültig verabschiedete, durfte Jeskos seinen zweiten Lesungsteil begehen.

Eine Tiefsommernacht

Wie gesagt, ohne zu spoilern, ist darüber nichts zu berichten, außer, dass das Buch lesenswert ist und Jesko das atmosphärisch vortrug.

Tom stellte dann noch kurz das aktuelle Programm der »Edition Drachenfliege« vor, von dem ich bereits »Inferno für Anfänger« von C. C. Holister gelesen und auch schon rezensiert habe. Auf dem SUB liegen noch Philipp Multhaupts zweiter Erzählungsband »Herrn Murmelsams Trinklieder« und »Käsablanca« von Stefan Goebels, das ich sofort nach »Drúdir 2« wegknuspern werde.

Im Hintergrund ein Cover von Nicole Altenhoff

Slawische Mythologie aus einem Youtube-Video inspirierte Swantje zu ihrer zweiten Geschichte. Der Klimawandel hat Berlin zu einer Küstenstadt gemacht und die Welt führt einen unbarmherzigen Klima-Krieg.

Mythische Einblicke

Robert berichtete dann von seinen Erfahrungen mit Let’s Play-Videos und was ihn daran stört. Vor Schrott muss man eben wütend warnen. Seine fein ziselierten Ausführungen sprachen mir aus der traurigen Erfahrungstiefe. Tom fand es gruselig, wie viele aus dem Publikum an bestimmten Stellen lachen konnten. Ja, es gibt spezielle Probleme jenseits der Klimakrise …

Wartet auf die Ostsee in der Seestraße: Robert Rescue

Tom nutzte die Gelegenheit, um Bilder des Grafikers Holger Much vorzustellen, der auch für das Cover des »Intimitätendiebes« verantwortlich zeichnete.

Ein typisches Motiv von Holger Much

Danach sprang André auf den Zug des Erfolges und fuhr mit einen Mathilda-Geschichten fort. »The Walking Dead« behandelt die Probleme des väterlichen Biorhythmus’ in der Elternzeit, »Die schönste Geschichte der Welt« und »Sternenzicklein« vertieften unsere Bekanntschaft mit der fantasievollen Welt Mathildas und der beiden Ziegen Alice und Cooper.

Walking Dad André

Zum Abschluss gab es noch eine Story aus »Ententanz und Armageddon«, mit der wir eine Apokalypse, verkündet im Supermarkt, als Live-Hörspiel begleiten durften.

Es war erneut ein großartiger Abend der Phantastik, ich kaufte Bücher, trank gutes Bier und lauschte magischen Geschichten. Ob ich es zur Elften »Nacht der Drachenfliege« in den Prenzlauer Berg schaffe? Bisher spricht nichts dagegen. Möge kein Elfenwerk zwischen uns geraten!

Orange in the Sky with Cucumber

Endlich bot sich wieder einmal die Gelegenheit in das Periplaneta Literaturcafé in der Bornholmer Straße zu gehen.
Jesko Habert feierte dort die Buchpremiere von Tiefsommer, das ich ja schon vorab lesen konnte und auch besprach.

periplaneta_28092018

Das Literaturcafé Periplaneta

Da ich über pünktlich war, konnte einige Worte mit Swantje Niemann wechseln. Die Autorin arbeitet gerade die letzten Tage der Semesterferien im Periplaneta Verlag und erzählte mir ganz begeistert von ihrem Studium und wie es mit ihrer Steampunk-Trilogie um Drúdir weitergeht. Auf Band 2, der im Frühjahr 2019 erscheinen soll, freu ich mich schon. Allerdings versprach Swantje, dass er etwas andere Schauplätze beinhalten würde und sie erst im dritten Band (2020) zu Themen des ersten Bandes zurückkehren wird.

SwantjeNiemann_2018_02

Swantje Niemann

Dann entspann sich eine kurze Diskussion mit Swantje und Verleger Tom Manegold über die Meinungsschwemme in den sozialen Netzwerken, angeregt durch einen Blogbeitrag von Philipp Multhaupt.

Jesko Habert wartete da schon auf seinen Einsatz. Die Bühne glühte in einem herrlichen Orange, um den Himmel in Tiefsommer darzustellen. Tom hoffte auch, das weiche Licht verdecke Falten. Cleverer Schachzug.

Tom_Manegold_2018_02

Faltenfrei: Tom Manegold

Leider konnte die Coverzeichnerin Nicole Altenhoff nicht anwesend sein, aber wir erfuhren, welche Diskussion die spezielle Gurkenform des Zeppelins auf dem Cover auslöste.

TiefsommerPostkarte

Die Cover-Postkarte von Nicole Altenhoff zu Tiefsommer

Als musikalische Begleitung hatte sich Jesko den Sänger Arnold »Juri« Meijer von der Band Unknown In August eingeladen, der mit kraftvoller Stimme zarte Songs präsentierte.

JuriMeijer_01

Arnold »Juri« Meijer

Dazwischen las Jesko zunächst Passagen aus dem ersten Teil von Tiefsommer vor.

JeskoHabert_01

Jesko Habert

Später sogar in lyrisch bearbeiteter Form, da er demnächst mit der Gruppe Sommertag eine Tour starten will, auf der unter dem Namen Tiefsommertag vertonte Texte des Romans aufgeführt werden. Dadurch ergaben sich ganz neue, intensive Texte, die mehr das Innenleben der Figuren betonten.
Als letzten Text präsentierte er eine solcherart veränderte Passage aus dem zweiten Teil, was dann doch einige Überraschungen auslöste.

Zwischendurch plauderte Jesko auch über die Entstehung des Romans. So beruhen die Figuren auf Märchen, die er den beiden Töchtern seiner Cousine erzählte. Eines davon wurde sogar veröffentlicht: Pepe und der Pups-Roboter. Als er auf einem Wanderurlaub einen Freund von diesen Geschichten erzählte, deren Hintergrund auch ökologische und soziale Probleme sind, fragte der Freund ihn, was die Kinder aus den Geschichten wohl in 15 Jahren machen würden. Eine Guerilla-Truppe gründen? So wurde die Idee zu Tiefsommer geboren.

JeskoHabert_02

Jesko in Plauderlaune

Im Frageteil stellte Jesko fest, dass er am liebsten in der Hängematte schreibt, eine Fortsetzung von Tiefsommer nicht geplant ist und der Verleger jetzt zum ersten Mal erfahren darf, dass ein neuer Roman fast fertig sei.

Zum Abschluss verabschiede Tom im Namen des Verlages Swantje, die als Lektorin und Projektleiterin nicht geringen Anteil an Tiefsommer hat.

SwantjeNiemann_2018_01

Swantje im Jubelsturm

Nach der Lesung kam ich ins Gespräch mit jener Cousine, deren Töchter Muse und Anregung der Tiefsommer-Figuren waren und erfuhr den Inhalt der anderen Märchen. Erstaunt stellte ich fest, dass viele der Details im Buch, die mir seltsam unbenutzt erschienen, plötzlich ihren Sinn bekamen. Es waren Bestandteile der alten Kindergeschichten und darum gibt es etwa die Lichterzwerge, die Lucio zur Seite stehen.
Wenn Willegoos die noch unveröffentlichten Kindergeschichten nicht bringen mag, könnte Periplaneta einspringen. Interessant wäre es schon. Über den Inhalt werde ich solange schweigen.
Zum Signieren ließ sich Jesko viel Zeit und verwendete ganz Stilvoll einen Füllfederhalter.

Dieser zusätzliche Schub an Hintergrundinfos, eine tolle Lesung, schöne Musik und die Gespräche mit Swantje bescherten mir einen ganz exorbitant schönen Abend.

Tom_Manegold_2018_01

Man zahlt, um zu gehen, in die Künstlerkanne

Und bist Du nicht willig, dann dicht’ ich!

Die Lektüre von Marion Alexa Müllers Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren hatte ich große Lust, sie wieder einmal live zu erleben und anstatt mir ein Politikdiskussion in einem aussterbenden Medium anzuschauen, besuchte ich also die Lesebühne Vision und Wahn im Periplaneta Literaturcafé.

VW_1

In der Bornholmer Straße

Die Lesebühne feierte das Erscheinen ihrer vierten Anthologie mit dem hübschen Namen Die Einsamkeit des Hurenkindes und fünf der darin vertretenen Künstlerinnen und Künstler gaben einen kleinen Einblick in das Wesen dieser literarischen Darreichungsform.

VW_2

Man zahlt, um zu gehen in die Künstlerkassenkanne ein

Thomas Manegold moderierte den bunten Abend mit präsenter Lässigkeit und eröffnete ihn mit der Präambel des Hurenkindes, in der es um das tragische Schicksal eines Hardcovers ging, und erklärte auch für alle Satzfehlerunwissenden, worin der Charme eines Hurenkindes läge.

Tom_1

Hackerversteher Tom

Tom durfte dann auch in seiner Anmoderation von DerJesko auf den hübschen Artikel im Künstlernamen von Jesko Habert hinweisen, der uns sodann eine Kostprobe seiner Slampoetry bot.

DerJesker_1

DerJesko

Im Anschluss kredenzte Marry dann tatsächlich einen Text aus Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren, der quasi einem Schwein gewidmet ist und natürlich gewohnt böse endet. Übrigens merkte sie an, dass man ihrem Text ein Hurenkind versagte. Wer hat da wieder nicht aufgepasst?

marry_1

Nicht mal ein klitzekleines Hurenkindlein für die Cheffin

Als Stimmungsaufheller angekündigt, berichtete Robert Rescue knochentrocken aus dem Alltag einer verschwundenen Kulturinstitution, der DVD-Theke.

robert_1

Robert Rescue lieh sich einst DVDs

In die Pause säuselte uns wieder einmal Josias Ender, dessen zweite EP nun endlich erhältlich ist.

josias_1

Zurück aus den Wäldern – Josias Ender

Voller Neugierde stürzte ich mich, kaum dass die Tore wieder offenstanden, auf Robert Rescue, da ich mir Neuigkeiten zum Intimitätendieb 2 erhoffte. Jedoch steht das nun nicht auf seiner Projektliste ganz oben. Zunächst wird im Herbst ein weiterer Band mit skurrilen Wedding-Geschichten erscheinen. Aber der Phantastik bleibt er hold verbunden und arbeitet auch schon an einem neuen Roman. Thema wird eine komplizierte Art der Unsterblichkeit sein. Sein Hauptfokus liegt aber auf einer Reihe Geschichten um einen phantastischen Ermittler mit Technologiebezug. Die erste Episode wird es wahrscheinlich zur nächsten Drachenfliege Fantasynacht am 28.10.2017 geben und ich hoffe sehr, dass ich diesen Termin mal nicht verpasse.

Marry brach gleich nach der Pause eine feine Lanze für die Lyrik. Sadismus in der Buchbranche erschien bereits auf ihrem Blog und ich finde ihren Kampf für die Verbreitung von Lyrikbändchen heldenhaft, mutig und unbedingt fortführenswert. Ich hätte da auch noch ein paar hundert Gedichte …

marry_2

Muse Marry

DerJesko erdete uns danach aber nicht, sondern entführte uns erneut in seine Welt entschwindender Regentropfen. Um das nochmal nachlesen zu können, lohnt sich der Kauf der Einsamkeit des Hurenkindes unbedingt, auch wenn solch Text in der ganz besonderen Vortragsweise, die immer wieder in einen schnellen Rap rutscht, auf jeden Fall ein Erlebnis ist.

DerJesker_2

Elogien mit Beat – DerJesko

Sarah Strehle fing vor einigen Jahren als Praktikantin bei Periplaneta an und wünschte sich einen Job als Lektorin. Da man aber bei Periplaneta unbedingt auch schreiben muss, stand sie bald selbst auf der Bühne. Nun präsentierte sie uns ihren allerersten Text und der war ein todtrauriges Mahnmal gegen Gewalt.

sarah_1

Leg Dich nie mit der Lektorin an: Sarah Strehle

Nach  dieser harten Story irritierte Tom sein Publikum kurz, als er sich über den letzten Tatort verwundert zeigte, der sich erst nach einer Stunde als TV-Duell zu erkennen gab. Passender Weise trug er denn auch einen Text vor, der zur letzten Bundestagswahl entstanden war und sich zu seinem Grauen mit wenigen Änderungen aktualisieren ließ. Toms Ärger wurde mit jeder Zeile deutlicher.

tom_2

Wahltag ist immer noch Zahltag

Tja, er hat schon Recht, am Wahltag versenken wir unsere Stimme in einer Urne. Wenn das kein trübes Bild ist. Übrigens gab Tom auch eine Empfehlung zum Flughafen Tegel ab. Oder auch nicht.

Klar, dass nun Robert Rescue gefragt war. Mit radikaler Freundlichkeit erfüllte er sein Amt und brachte die Helligkeit zurück. Natürlich sind seine bangen Air-Berlin-Ängste auch eher tragischer Natur, aber eben sehr erhellend.

Robert_2

Hätte gern Schokoherzen gehortet.

Dann war auch schon wieder Zeit, dass Josias uns federleicht in die Nacht entließ.

josias_2

Der sanfte Ausklang des Abends

Zwischen Hustenbonbons, Hirnkuchen und Bier passt immer auch noch Literatur. Das Ergebnis sind Visionen und Wahn. Eine phantastische Mischung! Das Periplaneta-Jubiläumsjahr ist aber noch nicht zu Ende: Am 15.09. wird das Zehnjährige gehörig gefeiert und wer das Buch zum Bier zu schätzen weiß, sollte vorbeischauen!

Drachenfliege auf Trolljagd

Schon lange wollte ich dem Literaturcafé des Periplaneta-Verlages einen weiteren Besuch abstatten und so traf es sich ganz gut, dass der phantastische Verlag für seine Edition Drachenfliege am Samstag eine neue Lesereihe einführte: Die Fantasy-Lesenacht aka Drachen-Fliege-Nacht.

170520_drachenfliege-784x441

Logo der ersten Drachen-Fliege-Nacht

Das Literaturcafé liegt ganz romantisch an der Bornholmer Straße und somit nicht ganz im größten Rummel Prenzlbergs.

cafe_1

Das Literaturcafé

Es gibt fränkisches Bier, da die Cheffin Marion Alexa Müller aus jenen südlichen Gefilden stammt. Neben Marry gab noch Thomas Manegold den Gastgeber und Steve-Bürk-Ersatz, denn aus unbekannten Gründen war der zweite Autor des Abends nicht erschienen.

Doch die Lesebühnen erprobte Periplaneta-Mannschaft hatte alles fest in Elfenhänden und glich den Mangel mehr als aus.

Während Toms historischer Eingangsrede versuchten ein paar Bergtrolle die Veranstaltung zu sprengen und so musste Ritter Tom hinaus in die Nacht, derweil Jungfer Marry die Einführung fortsetzte und als sei es inszeniert, griff der siegreich heimgekehrte Recke die Mär vom Reich Periplaneta exakt an jener Stelle auf, da die holde Marry sie fallengelassen hatte.

tom_2

Tom im Nebel der Erkenntnis

Tom las sodann, von atmosphärischen Zügen aus der eZigarrette begleitet, aus dem schrägen Urban-Fantasyroman Die Unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B. die Eingangsszene vor, in der wir nicht nur Zeuge der Erleuchtung selbst werden, sondern auch von für Felix viel zu tief gehenden Erkenntnissen über seine Beziehung erfahren.

bürk_1

Felix, Lin-Lin und Tom

Der Text wirkt vorgelesen noch deutlich witziger als morgens halb sieben in einer stinkenden Ringbahn.

Marry übernahm danach das Zepter für eine Lesung aus ihrem Erzählband Evasapfel, der demnächst endlich wieder in einer neuen Ausgabe verfügbar sein wird.

mary_1

Marion Alexa Müller

Marilyn ist eine SF-Geschichte, deren ironische Behandlung von Schönheitswahn und Bodyshaming irre aktuell ist.

Mit Die lautlose Woge startete im Januar die Highfantasy-Saga Kalion von Aleš Pickar in der Edition Drachenfliege und Marry erklärte kurz, warum ihr gerade dieses Manuskript so zusagte. Letztlich beeindruckte sie das Faltblatt mit dem geplanten Handlungsverlauf der Saga. Solch einem strukturiert arbeitenden Autor traute sie eine erfolgreiche Beendigung der Arbeit zu. (Aleš Pickars Frau schüttelte bei »strukturiert« energisch den Kopf).

Aleš hat bereits eine ausgedehnte Lesereise hinter sich und war dadurch bestens präpariert. Seine kurzen Auszüge aus dem ersten Band gaben einen Einblick in die unterschiedlichen Handlungsstränge, aber auch in die Stimmungen, die von Wut über Trauer bis hin zu Klamauk und Horror gehen.

Ales_2

Humor gabs auch

In der Pause konnte ich kurz mit ihm über die Entstehung reden und erfuhr, warum mir so ein bisschen der Höhepunkt fehlte. Eigentlich war der erste Band nämlich deutlich dicker. Und er versprach, dass im zweiten Band exakt dieser Höhepunkt mit Macht käme. Es war interessant, ihm zuzuhören, welches Feedback auf er auf den Roman bisher bekommen hätte, wie verteilt die Sympathien für die Figuren seien und welchen Diskurs es zu Neleis »Abenteuer« im Kloster gab. Dieses Kapitel ist in der Tat sehr außergewöhnlich und bewegt sich nicht auf gewohnten High-Fantasypfaden.

Als musikalische Nacht-Nuance gab der Liedermacher Josias Ender (der Link führt zu Facebook) Kostproben aus seinen gefühlvollen Liedern, deren Texte lyrisch schwebend zur phantastischen Drachen-Fliege-Nacht passten.

josias_ender

Josias Ender

Seine erste CD Aus den Wäldern in die Städte konnte ich vor Ort erwerben, Lieder von der demnächst erscheinenden zweiten Scheibe hatte er im Gepäck, sodass sich Kauf und Zuhören im Doppelpack lohnten.

Nach der Pause gab es eine noch unveröffentlichte Story von Marry, in der es um die Macht der Religion und die Ehre geht, der Wächter der steinernen Eichel zu sein. Tom unterstütze die Lesung als alterndes Eichhörnchen ohne Haare.

mary_tom

In Odins Namen: Marry und Tom

Das große Finale durfte dann wieder Aleš bestreiten, der uns zwei der witzigen Nebenfiguren aus Die lautlose Woge vorstellte.

mary_ales

Im Hintergrund die Karte von Neroê

Zum Ausklang der Blauen Stunde griff Tom noch weit in die Vergangenheit und las einen Text aus dem Nautilus-Projekt vor, in dem er als Projektleiter nicht nur AutorInnen zusammenbringen musste, sondern auch noch die Band The Sycamore Tree.

tom

Tom Manegold’s Blues

In die Nacht entließen uns dann zum Schluss weitere magische Songs von Josias Ender.

Für Mitte August ist bereits die nächste Fantasy-Nacht avisiert und nach dieser tollen Premiere habe ich große Lust, wiederzukommen. Marry deutete auch an, dass bis dahin Neues aus dem Reich der urbanen Fantasy gereicht werden kann.

marry

Ein strahlender Blick in die Zukunft

Lassen wir uns überraschen!

%d Bloggern gefällt das: