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Die Nacht der Kleinen Leute

Es war zu erwarten, dass zur Vorstellung einer Anthologie, deren Mitwirkende die phantastische Literatur hierzulande seit Jahren prägen, jede Menge Feenvolk und auch genügend Trolle und Zwerge in das Kreuzberger Otherland wandern würden.
So gut gefüllt sah man die buchgewaltigen Hallen selten. Das Ziel des phantastischen Volkes war die »Anderswelt«. Eine Anthologie, herausgegeben von benSwerk und Holger Much.

Ben dürfte als Coverkünstlerin vielen bekannt sein, schuf sie doch unzählige Designs für die Golkonda-Bücher und so wundert es nicht, dass auch neun Bildkünstlerinnen und Bildkünstler mit ihren Zeichnungen, Gemälden und Illustrationen in »Anderswelt« vertreten sind.

Das Otherland war also gerappelt voll, man sah die, die immer hier sind und auch die, die man stets hier und dort antrifft.

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Die stolze Herausgeberin: Ben

Pünktlichst begann der Lesungsteil. Ben freute sich, die »Anderswelt« im Otherland zu präsentieren, dem Ort, an dem nach ihren eigenen Worten Realität magisch wird und Fantasie real. Oder wie die Otherlander es formulierten: Phantastik wahr wird und Realität magisch.

Nach Bens kleiner Projektvorstellung bestieg als Erster Zauberer Christian von Aster das gefährliche Podest der Poesie und eröffnete mit dieser sportlichen Höchstleistung den Reigen lustiger Podestpossierlichkeiten, denn das mühevolle Erklimmen der Lesebühne machte das Podium für Christian zum Symbol für den Balanceakt zwischen Realität und Phantastik.

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Christian von Aster

In Anbetracht fehlender Zeit für eine Geschichte war er ganz froh, dass man ihm die Möglichkeit gab, mit einem Gedicht in der »Anderswelt« vertreten sein zu dürfen. Als Inspiration zu seinem Poem »Die wilde Jagd« diente ihm das Bild »Nachtvolk« von Holger Much, ebenfalls im Buch zu finden. Der Vortrag, mit dem sich die Pforte zur Anderswelt öffnete, erklang gewohnt stimmgewaltig und wohlbetont.

Ihm folgte der einzige und anbetungswürdige Jasper Nicolaisen und Jasper besitzt eine wunderbar prägnante Erzählstimme, der ich stundenlang lauschen könnte.

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Jasper Nicolaisen

Er war froh, endlich wieder Phantastik bringen zu können, denn in letzter Zeit sei er gezwungen gewesen, ganze Bücher mit echten Menschen vollzuschreiben.
In »Schwarzbraun ist die Haselnuss« geht er darum auch ganz tief in die Schatten von Neukölln und erzählt von den Kleinen Leuten. Eine wunderbare Liebeserklärung an die Menschen, die jenseits normaler Lebensentwürfe in Berlin leben. Jasper kredenzte eine breite und bis in die tiefsten Poren liebenswerte urbane Märchenwelt. Wenn ihr einen einzigen Grund braucht, »Anderswelt« zu kaufen, dann solltet ihr in diese Geschichte hineinlesen. Berlin war schon lange nicht mehr so mythisch!

Sodann folgte Otherlander Simon Weinert, der in »Wo die Feen herkommen« eine Verbindung zwischen der Einsamkeit jugendlicher Dichter und der Geburt von mythischen Wesen herstellte.

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Seine Beschreibungen über das Großwerden in einem Dörfchen der Schwäbischen Alp zeugten von tiefen Verständnis jener Zeit, da Bücherleser mit drängenden Körpersäften fernab Gleichgesinnter ihre eigenen magischen Orte erschufen.
Das klang autobiographisch und war auch deshalb sehr amüsant.

Und um das Trio der ehemaligen Lesebühne »Schlotzen & Kloben« voll zu machen, folgte Jakob Schmidt.

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Jakob Schmidt

Vor der Pause teaserte er uns mit dem Beginn seiner Geschichte »Die Wechselbälger«, die auch die Anthologie eröffnet. Bei Jacob stehen ebenfalls seltsame kleine Leute im Mittelpunkt und zeigen durch ihre Andersartigkeit, wie komisch eigentlich das ist, was wir als normale Welt betrachten.

Dirk-Boris Rödel eröffnete nach der Meisterung des Podestbesteigens die zweite Lesungshälfte mit »Die Hexe«, einer Mischung aus Gedicht und alternativer Genesis.

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Dirk-Boris Rödel

Er war auch der erste mir unbekannte Autor des Abends und sah auf jeden Fall wie ein sehr ambitionierter Phantastikautor aus.

Zurück in die nüchterne Welt holte uns sodann Jenny-Mai Nuyen mit dem autobiografischen Text »Pascal entscheidet«.

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Jenny-Mai Nuyen

Sie las den Text wegen seiner Länge nur an, empfahl uns aber unbedingt die Lektüre der ganzen Geschichte, weil man hinterher entweder gläubig oder Atheist würde. Mir wäre es ja lieber, durch das Lesen phantastischer Geschichten gesund oder zumindest schlanker zu werden.

Isa Theobald entführte uns danach in die schottische Mythologie und in die Zeit kindlicher Offenheit und Freude an der magischen Natur der Welt.

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Isa Theobald

Isa erfüllte sich mit der Lesung einen Lebenstraum, nach dem sie vor ein, zwei Jahren via Facebook diesen merkwürdigen Buchladen auf der anderen Seite der Republik entdeckte. Sie nahm nun extra 800 Kilometer Weg in Kauf, um endlich im Otherland zu lesen.

Mit einer ganz besonderen Geschichte beschloss Tobias O. Meißner den Abend. »Den Wald vor lauter Bäumen nicht« versteht man nur in Kombination mit der Illustration von Ben, die sie deshalb auch mittels Beamer und Leinwand an passender Stelle einblendete.

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Tobias O. Meißner

Tobias bezeichnete sich als Leichtgewicht unter den Autoren, nachdem er mühelos das Podest erklommen hatte und stellte einen übernatürlichen Zusammenhang zwischen den Geschichten des Abends her. Mit ihm endete der Textteil und die Diashow mit Bildern der Anthologie leitete zum Kunst- und Partyteil über.

Ein reger Run auf die Künstlerschafft begann und es wurden noch fleißig Autogramme und Pläne ausgetauscht.

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Simon signiert strahlend

Ein schönes Buch, ein schöner Abend in schöner Gesellschaft – ein Hoch auf die Fantasie und all die kleinen Leute, die uns inspirieren und unsere offenen Ohren und Herzen verdienen.

Das Zombiezünglein an der Waage

Als die Otherlander ihren letzten Stargast für das Jahr 2018 ankündigten, klingelte bei mir nichts: Nate Crowley.
Noch nie gehört.

Aber egal, wer ins Otherland kommt, hat Publikum verdient!

Als ich ankam, sah ich einen Mann mit Baby auf dem Arm und es gab keinen Zweifel für mich: Das muss Nate sein!
Exakt. Die junge Dame auf seinem Arm, war seine Tochter und ihr Name hat etwas mit Wasser zu tun, aber ich verstand ihn nicht genau. Während wir später ihren Vater in Beschlag nahmen, wurde sie im Hintergrund von ihrer Mutter gestillt. Ein unvergesslicher und auch wieder ganz typischer Otherland-Moment.

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Nate und seine Frauen

Wer ist nun aber Nate und was macht er im Otherland?

Die beste Buchhandlung der Welt zieht jede Menge Phantastik-Fans an, die lieber englische Originale lesen und so bildete sich der Speculative Fiction Book Club, der sich einmal im Monat trifft und jeweils ein Buch diskutiert, das man beim letzten Treffen auswählte.
Und hier schlug »The Death and Life of Schneider Wrack« von Nate ein wie eine Bombe. Inci schrieb darüber nicht nur begeistert im Otherland-Blog, sie kontaktierte auch gleich Nate und schwups dachte er sich, diese Fans guck ich mir mal an. Und zur Sicherheit brachte er seine beide Frauen mit. Als Rückendeckung, wie der Abend ja zeigte.

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Nate und Inci, im Hintergrund scherzt René mit Nates Tochter

Ich muss gestehen, dass mein Englisch bei weitem nicht ausreichte, mehr als Grundzüge der Diskussion über das Buch zu verstehen, aber Nate las sehr lustig vor und ein, zwei Gags bekam sogar ich mit.
Er hatte auch ein Exemplar seines Buches »100 Best Video Games (that never existed)« dabei und seine Kostproben daraus brachten auch mich zum Lachen.

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Dust ist das Lieblingsmonster seiner Frau

Nate hat in jungen Jahren in einem Aquarium-Laden gearbeitet und seither ein gespaltenes Verhältnis zu Fischen, was direkte Auswirkungen auf den Horror in »Schneider Wrack« hat. Und auch bei den »Video-Games« deutlich zu spüren war.

Es machte großen Spaß, die Book Club Leute vom Buch schwärmen zu hören und dabei konnte ich immer deutlicher erkennen, dass ich das Buch wohl unbedingt lesen muss. Gerade bin ich ja mitten in einem englischsprachigen Buch und eigentlich sollte das passen. Ich muss ja hinterher keine Klausur zum Inhalt schreiben.

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Beantworte alle Fragen: Nate

Ein toller, erinnerungswürdiger Abend, wie ich ihn liebe. Ich habe etwas völlig Neues kennengelernt und die Lesung war wahrlich familiär. Etwas ähnliches gab es schon mal, als nämlich Dan Wells mit seiner Großfamilie im Laden weilte und las. Ich fiel ja aus den Socken als Simon mir verklickerte, dass jener Abend bereits 2014 stattfand. Boah, soweit zurück hätte ich das nicht geschätzt.

Apropos Simon Weinert! Sein fulminanter und gewiefter Bösewichtroman »Tassilo, der Mumienabrichter« erschien einst als eBook und limitierte Taschenbuchausgabe, die man nur im Otherland erwerben konnte. Nun verkündete mir Simon stolz, dass es eine Neuauflage bei Golkonda im Frühjahr geben wird!
Hoffentlich wird das Buch jetzt endlich zum Megaseller, denn Simon reist so gern durch Amerika …

Und es gibt ein neues Cover! An mir wird’s nicht liegen!

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Simon Weinert mit dem Golkonda-Frühjahrsprogramm

So, für diese Woche kann ich zufrieden mit mir sein: Zweimal den inneren Elf besiegt und zu Lesungen gegangen. Nimm das, dunkler Winter!

Dann ist es einfach nur gut

Wenn Aliens uns im dunklen Wald nicht finden, bietet es zumindest die Möglichkeit, coole Lesungen zu besuchen. Besser als eventuell zu Babybrei zerhäckselt zu werden.

Weil wir trotzdem ins All funken, geh ich also lieber gleich in die Stadt und erlebe was.

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Die Heilig-Kreuz-Kirche

Die Lesung von Cixin Liu (eigentlich Liu Cixin, aber weil Liu der Nachname ist, schreibt mans meist andersrum) am vergangen Mittwoch stand deshalb auch dick in meinem Kalender. Das Otherland fungierte als Gastgeber der Lesereisekarawane in Berlin. Man mietete die Heilig-Kreuz-Kirche am anderen Ende der Zossener Straße und trotz Eintritt, füllte sich die Kirche bis zum überletzten Platz. Die Crew war sichtlich aus dem Häuschen und zappelte sehr nervös durch das Gemäuer.

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Simon Weinert, Jakob Schmidt und Wolfgang Tress

Auf die Bühne kamen dann neben Cixin Liu, die Übersetzerin Dr. Jing Bartz, Moderator Dietmar Dath und als Vorleser Mark Bremer.

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Dietmar Dath, Jing Bartz und Cixin Liu

Dietmar Dath trank Tee und zeigte trotzdem Nerven. Der Mann gehört zu den besten deutschsprachigen SF-Autoren, ist ein mehr als streitbarer Kritiker und denkbar bestens geeignet, einen solchen Abend zu moderieren. Man sah ihm an, wie die Gedanken und Ideen in ihm arbeiteten und dann fertigte er sich mit enthusiastischen Schwung Notizen an. Kam diesjahr übrinx immer noch kein Buch von ihm raus. Kommt wohl gar nicht mehr zum Bücherschreiben.

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Noch schnell ein Universum erschaffen …

Die Trisolaris-Trilogie ist nicht nur weltweit sehr erfolgreiche Hard-SF, sie brachte der westlichen Welt überhaupt erst einen Blick auf die chinesische Science-Fiction. Im zweiten Band, Der Dunkle Wald, der gerade erst im Frühjahr auf Deutsch erschien, befasste sich Liu mit dem Fermi-Paradoxon und beantwortete es mit einer so simplen wie einleuchtenden Erklärung. Da draußen sind lauter verborgene Raubtiere und wer im dunklen Wald seine Taschenlampe anmacht, hat sich auszivilisiert. Darum hört man von anderen Rassen immer nur einmal.

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Cixin Liu

Um diese unschöne Zukunftsvision ging es dann auch in einer der Fragerunden. Neben weiteren Hard-SF Themen wie etwa der Endlichkeit von Erkenntnis und dem Moment, wenn alle Probleme gelöst sind und es einfach nur gut sein wird.

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Mark Bremer

Mark Bremer las insgesamt zwei Stellen aus dem Buch vor. Dazwischen und davor stellte Dietmar seine drei Fragen und im Anschluss wurden noch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Vermutlich die Hälfte der Anwesenden stammten direkt aus China oder haben Chinesisch im Elternhaus gelernt, was den Abend zu einer Art Heimspiel für Cixin Liu machte.

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Jing Bartz und Cixin Liu

Die Übersetzerin Jing Bartz – sie hat nicht das Buch ins Deutsche übertragen – bezauberte durch ihr Eingeständnis, die physikalischen Details nicht zu verstehen, lieferte uns aber eine sehr sympathische Übersetzung der Fragen und Antworten.

Auch Mark Bremer begeisterte durch eine ausgereifte und sprachlich detaillierte Lesung. Vielleicht hätte man auch Cixin Liu etwas lesen lassen sollen, bei so vielen, die ihn verstanden haben.

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Nur echt mit ExLibris und Signatur

Die Schlange zum Signieren zog sich dann durch das gesamte Kirchenschiff und auch wenn man nur drei Bücher signieren lassen durfte, wird sich das Ganze noch eine Weile hingezogen haben. Zum Glück saß ich in der zweiten Reihe und schaffte es daher schnell nach vorne. Und mehr als drei Bücher hab ich auch gar nicht von Cixin Liu. Band 2 werde ich aber bestimmt nicht vor dem Erscheinen von Band 3 im nächsten Frühjahr schaffen.

Die Lesung war großartig und das bleibt sie und nun können diese Aliens kommen.

Other Xmas

In meinem Lieblingsbuchladen, dem Otherland, findet jeden dritten Donnerstag im Monat das Gatherland statt, ein Austauschabend über aktelle Lektüre und brennende Themen.

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Weihnachtsdeko

Das letzte Gatherland im Jahr dient als Weihnachtsfeier und auch dieses Jahr klappte es bei mir.

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René hatte Glück und angelte sich das allerletzte Exemplar der Drei Sonnen

Leider gab es keine Geschichten dafür aber Plätzchen, selbstgebackene Kuchen, Glühwein und phantastische Gespräche.

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Ich will hier nicht viel plappern, die Fotos sollen reichen, aber auf jeden Fall möchte ich mich hier ganz doll bei Simon, Wolfgang und Jakob, sowie allen fleißigen HelferInnen des Ladens bedanken.

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Jakob, Wolf und Simon

Ihr seid ein toller Haufen und ich freu mich jedes Mal auf eure Events, die viel zu vielen Bücher und das riesige Fachwissen.

Ein schönes neues Jahr und ruhige Feiertage allen Othergelandeten!

Oxmas

Eine Weihnachtsfeier in der besten Buchhandlung der Welt und ich konnte hingehen! Das Otherland lud zum letzten Gatherland des Jahres und kredenzte Glühwein, Kekse und ein Wiedersehen mit der verschollen geglaubten Lesebühne Schlotzen und Kloben.

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Der phantastische Weihnachtsbaum

Praktischerweise sind Jakob und Simon als Mitbetreiber des Otherlands sowieso gebucht worden, sodass man nur Jasper herbeizitieren musste.

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Das Otherland-Team: Simon Weinert, Jakob Schmidt und Wolfgang Tress

Die drei wagten sogar ihren Trailergesang und nutzten zur Generierung von Weihnachtsstimmung entsprechende Mützchen. Entsprechend passgenau dann auch die ersten beiden Geschichten.

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Jasper konnte gar nix hören

Simon jagte seinen Protagonisten in ein weihnachtliches Kaufhaus. Dort bekam er auch die letzten Geschenke, seinen Braten und phantastischen Sex, nur eines nicht: Eine Chanukka-Lampe, denn Weihnachten und Chanukka fielen in diesem Jahr, 2000eppes, auf denselben Termin und ohne Lampe Chanukka feiern, ist geradezu undenkbar.
Wir durften sogar Simons gigantischen Gesangeskünsten lauschen!

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Der Weihnachtsmann heißt Jasper Nicolaisen – und das ist die Wahrheit!

Die Weihnachtsgeschichte, die wahre, lieferte uns sodann Jasper. Es ging um Kreativität sprechender Eselinnen, multiple Persönlichkeiten und Migrationshintergründe.

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Jakob im Fokus ungeteilter Aufmerksamkeit.

Seltsamerweise fiel mir der Inhalt von Jakobs Geschichte nicht mehr ein. Lag es am Glühwein oder am fehlenden Weihnachtsbezug? Lustig war sie auch und gut und mitreißend erzählt. Aber sie schaffte es nicht in mein Langzeitgedächtnis. Elfenwerk!

Zum Glück erinnerte sich René an sie. Es ging um zwei Kühe, die sich existentiellen Fragen stellen mussten. Gibt es die Matrix?

Nichtsdesttrotz hatten wir eine Menge Spaß in unserer Lieblingsbuchhandlung und das nehme ich zum Anlass, Danke zu sagen. Für all die schönen Abende hier, für die exquisite Buchversorgung und die kulturpolitischen Gründe, das wilde Kreuzberg zu besuchen.

Danke!

Das große Heulen

Ab heute also nur noch WordPress.com
Würde blog.de nicht zum Ende des Jahres dicht machen, hätte es keinen Umzugsgrund gegeben. Diesbezüglich bin ich sehr konservativ, ohne Grund ändere ich keine Software und kein Design.

Ganz anders natürlich die Figuren in Simon Weinerts Barockpunk-Roman Tassilo, der Mumienabrichter. Dort spielen Schminke, Kleider und bunte Perrücken eine große Rolle.
Auch die Software ändert sich dort recht schnell, Tassilo programmiert nämlich Affenmumien, indem er ihnen mit einer Nadel Bewegungsfolgen in die Kopfhaut sticht.
Selbst seine eigene fiese Brainware unterliegt einigen eruptiven Veränderungen.

Ich hatte ja versprochen, einen längeren Bericht zur Buchpremiere nachzureichen und hab das auch erledigt. Ebenfalls ist nun die Rezension online gegangen.

Tassilo, der Mumienabrichter von Simon Weinert, Cover von Gustavo Barroni

Tassilo, der Mumienabrichter von Simon Weinert, Cover von Gustavo Barroni

Das Buch ist ziemlich schräg. Simon müht sich sehr erfolgreich, den barocken Lebensstil in Wort und Bild lebendig zu machen. Ich glaube, seit Diderots Geschwätzigen Kleinoden habe ich kein Buch mehr gelesen, das so von Zoten und vulgären Sprüchen überquoll.
Dazu kommt noch die eklatante Blödheit Tassilos, der als dekadentes Arschloch nicht nur jedes Fettnäpfchen mitnimmt, sondern auch in eitler Arroganz, Leichtfertigkeit und blasiertem Unwissen eine ganze Menge unmenschliche Dinge anstellt.
Kein Held zum Verlieben und dennoch schafft es der Simon, dass man den Knilch irgendwie mag. Wahrscheinlich, weil er einfach nur ein Produkt seiner Umstände ist.

Die sich der Simon ausdachte. Den Mann seh ich jetzt mit ganz anderen, wachsamen Augen! Wer weiß, was da alles unter dem Wuschelhaar vor sich geht. Welche Abgründe und zuckende Echsenschwänze!

Schnupfwürmchenalarm

Gestern stand das Berliner Otherland, beste Buchhandlung des Planeten, ganz im Zeichen des Barock-Punk. Mitinhaber und Autor skurriler Phantastik, Simon Weinert, feierte die Buch-Release-Party von Tassilo – Der Mumienabrichter.

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Simon Weinert mit standesgemäßer Schminkerei

Es gab eine Lesung von zwei Kapiteln aus dem ersten Teil des Buches, das unseren kleinen Angsthasen als elfjährigen beschreibt und so ganz nebenbei die ganze Verkommenheit und barocke Dekadenz der Lagunenstadt Elon präsentiert. Als Lesebühnenprofi fiel es Simon leicht, uns zum Lachen zu bringen, jedoch, wies Jasper Nicolaisen im anschließenden Gespräch hin, besteht die tragische Geschichte nicht nur aus Spaß.
Simon benannte als Referenz für den Punkaspekt auch explizit den Film Kids von Larry Clark, also nix mit Kuschelsteampunk.
Dekadenz, blasierte Unmenschlichkeit und ein Coming of Age – Tassilo wird wohl eher ein kleines Arschloch als ein sympathischer Held sein.
Da ich Joanna Russ’ Eine Weile entfernt just gestern zu Ende las, bin ich auch schon mitten in den ersten Kapiteln des Buches und was soll ich sagen: Es funkelt da einige Brillanz in phantastischer Scheiße. :))

Irgendwann wird auch ein ausführlicher Berichts des Abends im Fantasyguide folgen, bei dem auch der begeisterte Coverkünstler Gustavo Barroni zugegen war und es leckere Drinks aus der Voima-Bar gab, aber Zeugnisse und Ferien reißen gerade Lücken in mein Zeitmanagement.

Tassilo – Der Mumienabrichter ist exklusiv im Otherland erhältlich und kann auch versandkostenfrei telefonisch oder per mail bestellt werden.

Nachtrag 23.07.2015:
Der Bericht über die Lesung ist im Fantasyguide online:
Lesung von Simon Weinert

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