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Konter mal Container

Tom und Stephan Orgel sind mir schon lange ein Begriff, weil sie dereinst über Zwerge schrieben und sie regelmäßig den BuCon besuchen. Aber was von ihnen zu lesen, fiel mir bislang nicht ein, vor allem, weil sich meine Fantasy-Interessen in Grenzen halten.

Nun aber brachten sie Ende letzten Jahres mit »Terra« einen SF-Roman heraus und weckten meine Neugierde, der ich Anfang des Monats ganz spontan nachging und das Buch kaufte.

»Terra« von T. S. Orgel, Cover: Das ILLUSTRAT

Für ein Heyne-Buch ist es auch recht hübsch geraten. Der gelbe Seitenschnitt bietet einen coolen Kontrast zum grauen Cover. Mit solchen Design-Gimmicks kann man mich ganz leicht glücklich machen.

Ich habe eigentlich nicht viel erwartet, da ich ja bisher nix von den Brüdern gelesen hatte und ich war sehr überrascht, dass sie keine Space-Opera sondern einen Hard-SF-Thriller ablieferten, der mich von Anfang bis Ende fesselte. Da ich einige mega-anstrengende Lektüren hinter mir hab, war das eine schöne Abwechslung. Manchmal will ich einfach nur ein locker flockig zu lesendes Abenteuer haben.

Es geht um einer Frachterkonvoi, der Erz vom Mars zur Erde bringen soll. Einer der Piloten entdeckt in einem seiner Container Terraforming-Sonden, die eigentlich längst ihre Mission auf dem Mars hätten erledigen sollen und mit denen man auch schlimme Dinge veranstalten kann. Und genau das vermutet Jak, da die Sensoren seines Schiffes ganz offensichtlich so manipuliert wurden, dass die brisante Fracht unbemerkt bleibt. Ruckzuck steckt er inmitten einer üblen Verschwörung.

Das Buch machte großen Spaß, es gab ein paar Überraschungen und ein passendes Ende ohne Flausch. Abzüge geb’ ich für die doch etwas statischen Figuren, dafür gibt es einen Daumen nach Oben für die Implementierung aktueller Probleme und Entwicklungen. Bei ihrem nächsten SF-Buch werde ich bedenkenlos zugreifen.

Ein paar Sätze mehr gibt es meiner Rezi für den Fantasyguide: »Terra« von T. S. Orgel

OMG – zum Teufel mit der Zukunft

Oliver Plaschka überlegte jüngst in seinem Blogbeitrag Perry und der Priester, warum die Behandlung religiöser Themen in der SF so schnell Kontroversen hervorriefen. Ihm wurde gar missionarischer Eifer vorgeworfen, obwohl er sich gar nicht religiös fühlt.

Der ganze Beitrag ist sehr persönlich und Oliver erklärt recht anschaulich, warum er einen Priester als Figur spannend findet.

Ich muss zugeben, dass es mir grundsätzlich schwerfällt, Religion und Zukunft in einem Zusammenhang zu sehen. Für mich ist Glaube etwas, dass die Moderne eigentlich als überholt erwiesen hat. Nun ist Glaube aber etwas sehr persönliches und jeder Mensch soll privat das denken können, was er will.

Wenn ich aber an das lichte Morgen denke, spielt Religion dort keine Rolle. Aus dem Grunde finde ich SF-Bücher mit religiösem Bezug auch meist uninteressant, da unglaubwürdig (nettes Wortspiel). Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa Mary Doria Russells Romane Sperling und Gottes Kinder.
Ganz schlimm für mich wird es, wenn die Story einem religiösem Sendungsbewusstsein geopfert wird, wie in Battlestar Galactica. Mir wird regelmäßig übel, wenn ich an diese zwar technisch astreine, aber ideologisch meinen Verstand beleidigende TV-Serie denke.

Wenn man mit bestimmten SF-Fans über das Thema Religion und SF redet, kommt oft die Hinweis, dass man ja in einer christlichen Kultur lebe und entsprechende Stoffe aufzubereiten doch nur logisch sei.

Tja, ich bin 1971 in der DDR geboren. In meinem Leben spielte weder Kirche noch Religion irgendeine Rolle. Wenn ich überhaupt intensiver Berührung damit hatte, dann zur griechischen und römischen Antike. Noch heute kenne ich mich dort besser aus als in christlicher Mythologie. Und was ich bisher davon kennengelernt habe, macht keine Lust auf eine Vertiefung.

Sicher helfen Kenntnisse christlicher Motive bei der Entschlüsselung bestimmter Topoi in der Literatur. Doch oft genug verweisen sie auf Themen, die mich eher langweilen. Sühne, Schuld, Erlösung und der Ganze Pantheon christlicher Disziplinierungswerkzeuge geben mir nichts. Der Versuch, Figurenmotivation darüber zu begründen, mag historisch interessant sein. Intellektuell aber ist es wenig reizvoll.

Aliens, die Raumschiffe fliegen und Götter anbeten – da greif ich doch lieber gleich zu einem Scheibenwelt-Roman.

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