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Eisiger Spiegel der Gewalt

Lesezirkel sind sehr oft eine grandiose Quelle, AutorInnen und Werke kennenzulernen, von denen man noch nie gehört hat. So ging es mir mit dem Buch des August-Klassikerlesezirkels im SFN.

Weder sagte mir der Name Anna Kavan, noch der Titel ihres laut Wikipedia berühmtesten Romans »Eis« etwas. Der Klappentext klang verführerisch und ich hätte das Buch auch gelesen, wenn es nicht ausgewählt worden wäre.

Geschrieben hat es Anna Kavan 1967, ein Jahr vor ihrem Tod, und jetzt wurde es vom schweizerischen Verlag Diaphanes in der Reihe »Forward Fiction« erstmals auf Deutsch publiziert. Ich finde solche literatur-archäologischen Projekte bewundernswert. Die Reihe hat auf der Homepage des Verlages bisher keine eigene Seite, aber ich hoffe sehr, dass da noch mehr passieren wird. In der Vorschau findet sich schon einmal einen Ballard – das muss ich mir merken.

Eos von Anna Kavan

»Eis« ist kein normaler Roman, vielmehr muss man sich durch teilweise sehr verwirrende Sprünge in Zeit, Ort und Figurenperspektive kämpfen. Der männliche Protagonist begibt sich in einer postapokalyptischen Welt, die auf eine Eiszeit zu steuert, auf die Suche nach einem Mädchen, das er seit seiner Kindheit kennt. Sobald er sie findet, wird er brutal zu ihr – es wird angedeutet, dass er gegen ihren Willen mit ihr schläft – und verlässt sie wieder, überlässt sie einem anderen oder flieht vor dem Eis, um sich sofort wieder auf die Suche nach ihr zu machen. Das ist verstörend und sehr bizarr, es gibt keine wirklichen Zusammenhänge der Motivationen, für mich fand ich irgendwann die Erklärung, dass alle Figuren Teile der selben Persönlichkeit sind. Ein schrecklicher innerer Kampf mit vielen Selbstverletzungen, vielleicht Ausdruck von Verletzungen, die in der äußeren Welt stattfanden.

Aber trotz der vielen visualisierten Gewalt und der Zerstörungen, der Kälte, las sich »Eis« erstaunlich gut. Ich wurde hineingezogen in diese mäandrierende und repetitive Suche, denn die Sprache des Buches ist toll. Ein berauschendes Buch, dessen Lektüre ich nicht so einfach Genuss nennen möchte, aber es hat mich beeindruckt.

Ein paar Worte mehr gibt’s in meiner Rezi: »Eis« von Anna Kavan

Regeln sind zum Brechen da

Ab und zu breche ich meine eigene Regel, weniger Rezensionsexemplare zu ordern und schwupps bringt die post mir einen Ziegelstein, der mich die Entscheidung spontan bereuen lässt. Wegen der Dicke. Aber zum Glück trog der Schein dieses Mal, denn »Die letzte Astronautin« von David Wellington wurde von Piper mit dickem Papier, großer Schrift und breiten Rändern ganz schön aufgepustet. Außerdem las sich der Roman doch recht flott – eine schöne Abwechslung zum megaschweren Lesezirkelbuch, aber zu dem dann demnächst mehr.

Die letzte Astronautin von David Wellington; Cover: Lauren Panepinto

Das Weltraumabenteuer entstand in Folge der 2017er Aufregung um den Zigarren-förmigen Asteroid 1I/’Oumuamua und spielt im Jahr 2055. Ein ähnliches Objekt wird gesichtet und diesmal weisen Kurskorrekturen auf ein Raumschiff hin. Sowohl die NASA als auch eine private Firma starten Erkundungsmissionen, denn so ein großer Brocken könnte die Erde auslöschen.

Die NASA-Mission leitet die letzte Astronautin, Sally Jansen, mit Schuldkomplexen beladen, weil nach einem Unfall auf ihrer Mars-Mission einige Jahre zuvor, das Astronauten-Programm eingestellt wurde.

In der Folge entwickelt der Autor eine spannende Handlung um das Rätsel des Objektes, verbunden mit jeder Menge Konflikten zwischen den Figuren. Das meiste davon fand ich sehr US-amerikanisch. Konkurrenzdenken, militärisches Säbelrasseln und die völlig an den Haaren herbeigezogenen und mit Hass aufgeladenen Vorwürfe gegenüber Sally Jansen, die eigentlich nur die Notfallregeln befolgte, die ein ganzes Heer von NASA-Fachleuten für den Fall eines Unfalls festlegten. Insofern stand für mich die Figuren-Motivation auf sehr tönernen Füßen, zumal die eigentliche Handlung das gar nicht nötig gehabt hätte. Aber vielleicht wollte David Wellington kein einfaches Creature-Horror-Weltraumabenteuer verfassen.

Letztlich empfand ich das Ganze als sehr solide erzählt, aber auch nicht sonderlich inspirierend: Die letzte Astronautin von David Wellington

Spulmaschinenabenteuer

Bevor ich auch nur eine Zeile von »Tagebuch eines Killerbots« las, wurde mir das Werk bereits dringendst ans Herz gelegt, denn der Übersetzer Frank Böhmert plauderte während einer unserer Treffen nicht nur über den Spaß an der Sprache des mörderischen Bots, er beschrieb auch die Tricks, die er verwenden musste, um Problem zu lösen, die im Englischen kaum bestehen.

Tagebuch eines Killerbots von Martha Wells, Cover: Jaime Jones

So ergibt sich im Original aus der Icherzählung des Protagonisten erst einmal nicht, welches Geschlecht Killerbot hat. Das lässt sich im Deutschen nicht ganz so einfach darstellen, da diverse Artikel und Personalpronomen in eine Denkrichtung weisen. Die SecUnit, der Killerbot, die Kampfmaschine und so weiter. Und obwohl ich mir also der Thematik bewusst war, stellte ich mir Killerbot von Anfang an eher als weiblich vor. Was bei der Maschine und erst recht, wenn man die Handlung dann kennt, Quark ist, aber ich konnte diese Prägung bei mir beobachten. Was eigentlich nur wieder bestätigt, dass der Mythos vom generischen Maskulin ebenfalls Quark ist. Das Geschlecht von Wörtern beeinflusst sehr wohl das projizierte Geschlecht.

Allerdings ist mir das bei Martha Wells Roman gar nicht wichtig gewesen, denn auch als geschlechtslose Maschine wuchs mir Killerbot sofort ans Herz. Die nach außen hin distanziert und professionell auftretende Security-Einheit brodelt innerlich wie ein Sonnencluster, flucht vom Feinsten und hat ganz eigene Strategien, nervige Menschen-Dinge zu ignorieren. Wenn’s mal wieder langweilig sein sollte, wird einfach eine Unterhaltungsserie gestreamt, zur Not kann man ja die Aufzeichnung des äußeren Geschehens zurückspulen. Was einige Male passiert, oft genug von panischen Verwünschungen begleitet.

Die vier Novellen sind klassische SF-Abenteuergeschichten, wobei Killerbot stets ein paar Menschen retten und dabei andere Technik und böse Menschenfirmen bezwingen muss.

Das ist durchwegs unterhaltsam, amüsant und auch immer wieder sehr berührend, denn Killerbot hat ein paar Dinge, an denen das virtuelle KI-Herz hängt. Und ich hing dann da auch dran.

Klar, an ganz vielen Stellen hatte ich Franks diebisch vergnügtes Gesicht vor Augen, wenn er Killerbot wieder etwas mit Schmackes auf die Zunge legen konnte und letztlich steckt nun in Killerbot auch ein wenig seiner Mentalität. Er war quasi die ganze Zeit beim Lesen als Vorleser dabei. Was so ein klein wenig darüber hinwegtröstete, dass wir uns Corona-bedingt schon so ewig nicht mehr in natura sehen konnten.

Ein vergnügliches Buch, dass zwar keine innovativen SF-Momente bietet, aber sicher einen der coolsten Handlungsträger, denen ich in der SF bisher begegnete: Tagebuch eines Killerbots von Martha Wells

Das bisschen Zukunft

Die Pandemie hat ein klein wenig die Klimaerwärmung aus den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, aber wie auch das Virus, verschwindet die Klimakrise nicht durchs Weggucken. Darum stand es für mich fest, dass ich mir das Anthologie-Projekt der Exodus-Redaktion »Der grüne Planet – Zukunft im Klimawandel« ansehen würde.

Der Band ist editorisch eine Pracht. Eine schön gestaltete Hardcover-Ausgabe mit Farbcollagen zu jedem der 23 Texten – allein das mach das Buch schon liebenswert.

Der grüne Planet herausgegeben von Hans Jürgen Kugler und René Moreau; Cover: benSwerk

Inhaltlich glänzt das Buch jedoch nicht im selben Umfang. Mir waren sehr viele der Beiträge einfach zu wenig Erzählung, zu wenig innovative Science-Fiction. Vielen Autorinnen und Autoren ging es darum, eine mögliche Zukunft unter den Eindrücken der Klimakatastrophe mit fiktiven geschichtlichen Daten anzureichern. Dadurch ergaben sich im Laufe des Bandes jede Menge dieser »Future-Histories«, die sich kaum unterschieden, nur die Jahreszahlen und Schauplätze variierten; in Summe so uninteressant wie belanglos. Denn jedes dieser prognostizierten Ereignisse hätte eine Geschichte sein können. Das Runterrasseln von Datümern ist es für mich aber nicht.

Als ich mich beim Einpflegen der Rezension mit den Hintergründen der Autorinnen und Autoren befasste, fiel mir auf, dass der Großteil der Beteiligten (21) älter sind als ich. Das verblüffte mich, weil ich das Thema primär im Kontext der »Fridays for Future«-Bewegung als Aufbegehren der Jugend erlebe, die hier nur mit Tino Falke und Christian Endres vertreten ist. In erster Linie also finden sich in »Der grüne Planet« Stimmen wieder, die mit Saurem Regen und Smog aufwuchsen. Vielleicht erklärt das die Wahl der Herangehensweise an das Thema. Das Ausmalen der Postapokalypse, die düsteren Zukunftsvisionen und Prophezeiungen und viele melancholische Rückblicke auf unsere, die Zukunft verprassende Gegenwart.

Ich tat mich schwer mit einem Großteil der Texte. Vielleicht bin ich bestimmte Textarten nicht mehr gewohnt und zu sehr im »show, don’t tell« gefangen oder erwarte einfach mehr Kreativität in Stil, Form und Science-Fiction, »Der grüne Planet – Zukunft im Klimawandel« bot mir davon nur ganz kleine Bröckchen, die ich etwas mehr drüben im Fantasyguide benenne: Der grüne Planet herausgegeben von Hans Jürgen Kugler und René Moreau

Das Wimmeln im Tank

Bereits im Klassikerlesezirkel des Monats April lasen wir im SFN »Das seltsame Tier aus dem Norden« von Lars Gustafsson. Aus diversen Gründen dauerte es einen Monat, ehe ich mich an die Rezension machte und erstaunlicherweise bemerkte ich beim Durchblättern für die Besprechung, dass mir das ganze im Nachhinein doch wesentlich besser gefällt, als während des Lesens im Zirkel.

Das seltsame Tier aus dem Norden von Lars Gustafsson; Cover: Claus Seitz und Franco Maria Ricci

Das Buch ist im besten Sinne Ideen-Literatur, unter phantastischen Gesichtspunkt eng an Lem angelehnt, von ihm stand auch die Idee einer Schwarmintelligenz von Mikrolebewesen in einem Tank. Bei Gustafsson ist diese Intelligenz der Lenker eines Sonnenseglers und vertreibt sich die Zeit damit, sich selbst Geschichten zu erzählen. Dabei bedient er sich unterschiedlicher erzählerischer Methoden. Mal gibt er nur eine Parabel zum besten, mal skizziert die Handlung nur und dann folgt gleich darauf eine komplett auserzählte Story. Eine Methode, die sich heute noch in den Geschichten von Erik Simon finden lässt.

Schwierig waren für mich die philosophischen Einschübe, da hier doch recht komplexe Gedanken gewälzt wurden, denen ich nicht folgen konnte. Meist sehe ich bei solchen Themen das Problem nicht. Aber das kann man ja Gustafsson nun nicht zur Last legen.

Es war also wirklich gut, das Buch nach der Lektüre etwas ruhen zu lassen und sich beim Schreiben mit dem zu befassen, was man dann als Nachhall in sich findet.

Deshalb ist die Rezi auch recht umfangreich geworden, weil ich auf jede Geschichte eingehen wollte: »Das seltsame Tier aus dem Norden« von Lars Gustafsson

Ein Kuss nur bis zur Sterblichkeit

Es gibt Menschen im Leben, die begleiten einen nur ein paar Augenblicke im Leben, sind aber aus unerfindlichen Gründen für immer fest eingebrannt in das Denken und Befinden.

So geht es mir mit Blaustrumpf. Die wortgewandte und streitfreudige Dichterin lernte ich in der leselupe kennen und ruckzuck wurden wir Geistesverwandte. Wir hatten dasselbe Blödellevel und verabscheuten dieselben Werke und auch dieselben Lupinen. Einmal trafen wir uns sogar in Berlin und meine Begeisterung wurde noch größer, leider huschte sie virtuell in andere Gefilde und da sie ihr Privatleben streng schützt, verlor sich jeglicher Kontakt. Jedoch hab ich einige ihrer Hinweise und Tipps befolgt. Durch sie lernte ich Gösta Berling und Jeanette Winterson kennen.

Frankissstein von Jeanette Winterson; Cover: Maurice Ettlin

Wegen Blaustrumpf hatte ich auch keinerlei Bedenken, mich in das neueste Werk von Jeanette Winterson zu stürzen und ich bin hellauf begeistert. Der Roman ist eine geniale Verknüpfung von Mary Shelleys »Frankenstein« und den großen Themen künstliche KI und Diversität. Schöpfungen auf unterschiedlichsten Ebenen und ethischen Kreisen verbinden sich zu einem großartig geschriebenen und wunderbar konstruierten Roman, vor dem man auf die Knie fallen möchte. Solche Bücher machen, trotz einiger sehr heftiger Szenen und Gedanken, glücklich.

Eine ausführliche Rezi gibt’s wieder drüben im Fantasyguide: »Frankissstein« von Jeanette Winterson

Tausend Jahre nach der Krise

Die Zerbröselung der Normalität macht auch mir zu schaffen. Irgendwie ist es schwer, sich profanen Dingen zu widmen, wie den Erstellen von Rezis oder Blogeinträgen, die doch aus einer Zeit stammen, die so unvorstellbar weit weg scheint. Aber das ist wohl nur der Elf in mir. Irgendwann wird das Bergwerk wieder eröffnet, sagt der Zwerg in mir und darum geht’s jetzt wieder weiter.

Und gleich megapassend, denn ich rezensierte einen SF-Roman aus Ungarn. 1974 veröffentlichte Klára Fehér ihren SF-Umweltroman »Oxygenien«, in dem ein junger Mann von der Erde während der Hochzeitsreise auf einem seltsamen Planeten strandet. Während seine Frau im Orbit versucht, Kontakt zu ihm zu bekommen, lernt er eine Welt kennen, in der die Menschen tausend Jahre nach dem Umweltgau gezwungen sind, mit Sauerstoffmasken zu leben.

Oxygenien von Klára Fehér; Cover: Gyula Feledy

Sie arbeiten für Sauerstoff, schlafen in riesigen Sälen, essen in öffentlichen Kantinen und träumen vom großen Frühlingsfest. Keine Individualität, keine Kultur, alles steril und streng getaktet. Zum Glück stößt Peter auf einen jungen Mann, der anders ist und bald lernt er weitere Seiten Oxygeniens kennen …

Was passiert, wenn eine globale Krise die Staaten und Wirtschaften zusammenbrechen lässt? Wenn jemand eine rettende Lösung findet, dafür aber die Menschen mit Notstandsgesetzen in ihren Rechten einschränkt, alles unter der Ägide, sonst würden alle sterben?

Ja, die Krisen ähneln sich. Und es ist eine ungarische Autorin, die vor den Folgen oligarchischer Willkür warnt. Heute schafft sich das ungarische Parlament selbst ab. So wenig Bock hat man dort auf Demokratie, dass man eines der wichtigsten Bestandteile wegwirft. Notstandsgesetze, Dekrete ohne Kontrollinstanz und plötzlich lebt man in Bedienerstädten wie in Oxygenien nur einen Fehler von der Lobotomie entfernt.

Klára Fehér hat es beschrieben

Als Jugendlicher las ich den Roman in einer umschlaglosen Taschenbuchausgabe, später kaufte ich mir die Romanzeitungsversion und war sehr glücklich, die gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag in einwandfreiem Zustand auf der Buch Berlin in einer Krabbelbox zu sehen. Natürlich habe ich das Buch sofort gekauft und beschlossen, es zeitnah zu lesen.

Cover: Klaus Müller

Da dachte ich noch, einfach einen Klassiker wieder zu lesen. Und nun ist das Buch so radikal aktuell, dass es mich schier umhaut. Oxygenien von Klára Fehér

Im Universum hört dich keiner husten

Was liegt in Zeiten wie diesen näher, als eine virtuelle Lesung zu besuchen? Viele Kunstschaffende treibt es derzeit in die virtuellen Welten auf der Suche, die zerstörerische Kraft des kulturellen Herunterfahrens irgendwie abzufedern.

Die Lesungen in Second Life sind nun keine neue Erfindung, aber vielleicht erleben sie gerade jetzt einen besonderen Boom.

Offizielles Lesungsplakat

André Nagerski stellte hier bereits vor zwei Jahren seinen Roman »Roboter weinen heimlich« vor und gestern gab er uns in einer Doppellesung Einblicke in die beiden Nachfolger.

Für »Selfies vom Mond« gestaltete Barlok Barbosa eine grandiose SF-Kulisse. Die ausrangierte Kommandozentrale eines ausgeschlachteten Raumschiffes barg den Lesungsort und stimmte, sehr zur Freude des Autors, perfekt zur Beschreibung im Roman.

Das großartige Bühnenbild von Barlok

André Nagerski ist stolzer Familienvater und zu Beginn wuselten noch einige Mitglieder seines Haushalts im Äther herum, später verdrängte die leidenschaftliche Stimme des Autors jegliche Störquelle.

Mit vollem Einsatz: der Avatar von André Nagerski

Die »Bop-Saga« ist humoristische Science-Fiction. Bop heißt der Planet, auf dem alles begann. Im Jahr 220221 nerven ausgestoßene Roboter die Einheimischen Lebewesen von Bop, denn seit ein Roboterprophet Bop als Ort der Erleuchtung benannte, zogen Roboter aus allen Teilen des Universums hierhin und machen seither den Bewohnern das Leben zur Hölle.

Wir waren mitten drin …

In »Selfies auf dem Mond« spielt der Mond auch tatsächlich eine gewisse Rolle, aber André verwies dafür auf die Eigenlektüre, in der Lesung wollte er mehr dazu nicht verraten.

Die sehr coolen Cover der drei im Selbstverlag erschienenen Bände schuf ein guter Freund aus München, Stefan Kolmsperger, erzählte André auf Nachfrage des Gastgebers Thorsten Küper.

Auf die Frage, wie lange er an der Saga geschrieben hätte, antwortete André, dass er vielleicht vor zehn, fünfzehn Jahren damit begonnen habe, durchbrochen von den vier Kindern. Irgendwann sagte er sich: Gib mal Gas! Band Drei ging dann schon in drei, vier Jahren über die Bühne.

Aber zum Inhalt von Band 2: Die Truppe an Helden hat Bop verlassen, da sie von einem Alien die Aufgabe bekamen, das Universum zu retten. Dafür müssen sie den Planeten »Anyway« suchen, da dort Wegweiser leben, die ihnen den Weg zeigen können. Ort der Lesungshandlung ist der Komet Kieselschweif, hart umkämpft, da es dort Mineralien und Artefakte gibt. Die Exflamme unseres Protagonisten Ted nimmt ihn mit auf die Station, wo wir als Publikum dem Kapitel 31 lauschten.

Wir blieben alle drinnen

André las mit vollem Einsatz und verstellten Stimmen, wodurch die vielen Sprachspiele und Zweideutigkeiten gut zur Geltung kamen. Und die Lesung quoll davon förmlich über.

Für den zweiten Teil der Lesung wechselten wir in die Sim von BukTom Bloch. Dort gab es Kostproben aus »Warp-Life-Balance« und in in den Kulissen versteckt, jede Menge Anspielungen auf die Bücher. Wer welche erkannte, konnte an einem Gewinnspiel teilnehmen und bekam 42 Lindendollar, am besten für charitative Spenden auszugeben.

Erstaunlich viele Menschen nutzten die Lesung als Alternative zu Corona, allein in Second Life sah ich über 30, dazu kamen noch etliche HörerInnen des Radios Rote Dora und des Discord Voice-Chats, die ja für die Lesung nicht unbedingt in SL einloggen mussten.

André im Rampenlicht

Ein phantastischer Science-Fiction Abend mit Humor und genau das brauchte ich an so einem verseuchten Abend im März. Bleibt gesund!

Wir schwebten im Universum

Gewalt und Göttlichkeit

Die Regenbogen-Ausgabe der Werke von Philip K. Dick gehört zu meinen Highlights im SF-Regal. Als Heyne Anfang der 2000er begann, die »Große Werkausgabe« herauszubringen, nutzte ich die Gelegenheit, meine Lücken in der klassischen US-SF zu füllen. Ich erwarb alle Bücher sofort nach Erscheinen, nur las ich davon die wenigsten.

vollständig, aber lückenhaft mit Eumel: Der Dick-Regenbogen

Kurzes Zwischenspiel für alle Dick-Heyne-Verwirrten: »Wie man ein Universum baut« und »Auf dem Alphamond« sind, trotz Ankündigung, nie in dieser Reihe erschienen! Man findet zwar die Cover im Netz, aber leider ändert es nichts an der Tatsache, dass dem Verlag damals Geld und Puste ausging für die Vervollständigung der Reihe. Die Anzahl der Interessierten war wohl doch nicht so groß.

Zum Glück gibt es ja Lesezirkel, die mich regelmäßig anspornen, Bücher aus den inzwischen sehr gut gefüllten Regalen aufzuwecken. Nach dem »Galaktischen Topfheiler« im Dezember wurde nun »Irrgarten des Todes« im SFN erwählt. Hier gibt es zwar inzwischen auch eine Neuausgabe bei Fischer, aber dieses Mal nahm ich die inzwischen vergilbte Heyne-Ausgabe zur Hand.

Irrgarten des Todes von Philip K. Dick

»Irrgarten des Todes« handelt von einer Gruppe Menschen, die sich auf einen fernen galaktischen Außenposten versetzen ließen und in einer Welt mit realem Gott allmählich an der Realität zweifeln oder besser: an ihr verzweifeln.

Ein sehr typischer Dick-Stoff. Es geht im Subtext natürlich um die US-amerikanische Gesellschaft nach dem Ende der 60er, um Trost- und Hoffnungslosigkeit. Fluffig erzählt, mit etlichen Morden, Wendungen und einem interpretierfreudigen Ende. Sehr gute Unterhaltung, aber eher kein Klassiker. Es gibt keine Sympathieträger, kein wirkliches Handlungsziel und die Auflösung ist zu mehrdeutig, um das Buch gut abzuschließen.

In meiner Rezi gehe ich etwas genauer auf die Handlung ein: Irrgarten des Todes von Philip K. Dick

Das Schneekugelproblem

Selbst wenn ich in Büchern versinke, kann ich der Versuchung nicht widerstehen und erliege hin und wieder den süßen Lockrufen aus tausendundeiner Verlagsrundmail.

So kam »Kryonium« von Matthias A. K. Zimmermann aus dem Kadmos Verlag ins Haus.

»Kryonium« von Matthias A. K. Zimmermann

Der Klappentext las sich vielversprechend. Ein geheimnisvolles Schloss, ein Erzähler ohne Erinnerungen schmiedet Fluchtpläne, ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt … Ich erwartete einen coolen phantastischen oder SF-Roman.

Nun weisen in letzter Zeit etliche meiner Lektüre-Kandidaten die Eigenschaft auf, gegen Ende hin Genre und Bedeutung zu wechseln, sodass ein spoilerfreies Berichten über alles Aspekte der Bücher nicht möglich ist. So auch hier.

Zwar wird der Märchen bzw. Fantasy-Teil recht schnell surreal und als geübter Leser erkennt man die Tricks der Traumweltverschleierung bald, Matthias A. K. Zimmermann liebt Modelle phantastischer Welten und diese Liebe weht kräftig durch »Kryonium«. Wie sich das alles aber dreht, soll hier nicht verraten werden.

Bis zur finalen Auflösung ergeben sich sehr viele spannende Momente und ich war gern mit dem Ich-Erzähler unterwegs, um die Rätsel hinter den Schneekugeln zu knacken. Leider bricht der Schluss gehörig ein. Mir ist der Sinn des Ganzen klar und ich verstehe, warum der Autor sich gerade für dieses Ende entschied, aber es ist literarisch kein raffiniertes oder gar aufregendes Ende.

Und gerade im letzten Teil haderte ich auch mit dem Stil. Hielt ich den Sachbuchton zunächst für eine besonders dargestellte Eigenschaft des Erzähler und ihn für einen rational-analysierenden Wissenschaftler, wird spätestens mit dem Wechsel der Erzählperspektive klar, dass mir hier eher die Schreibart des Autors im Allgemeinen nicht lag. Das trübt dann im Nachhinein auch die phantastische Aura der ersten beiden Teile, weil ich mir dann denke, dass die Figur einfach nicht wirklich gut geschrieben ist.

Aber das betrifft nicht den gedanklichen Teil des Buches, denn hier gibt es jede Menge Überlegenswertes, sehr viel Informationen und durchaus jede Menge Wissensvermittlung. Insofern fand ich »Kryonium« insgesamt lesenswert und als Science-Fantasy okay. Immerhin ist es das Debüt des Autors, das kann alles noch eleganter werden.

Ein paar Sätze mehr drüben in meiner Rezi für den Fantasyguide: »Kryonium« von Matthias A. K. Zimmermann

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