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Bitte lass mich nicht hier

»Nimm mich mit! Bitte lass mich nicht hier!«, heißt es bei Keimzeit in Flugzeuge

»Zur Nachtvorstellung der Verrückten, zum Irrespätprogramm.
Der Komödianten und Entzückten.«

Es steckt eine traurige Melancholie in den alten Keimzeit-Songs. Sie schwingen auf eine ähnliche Weise wie das neue Buch von Richard Lorenz.

frost

Frost, Erna Piaf und der Heilige von Richard Lorenz, Cover: Joachim Körber

Ich hatte große Angst, dass Frost, Erna Piaf und der Heilige so ganz anders wird als die zauberhaften Amerika-Plakate, dass eben dieser Zauber fehlt.

Und das Buch ist ganz anders. Es ist dunkler und auf eine beruhigende Art auch wieder ähnlich. Denn Richard Lorenz hat seine Themen und auch, wenn er sich ihnen auf anderen Pfaden nähert, bleibt diese Reise genauso magisch.

Die Würde des Todes und Liebe im Erkennen durchziehen den Roman. Ganz überrascht war ich, als zu Beginn tote Katzen und ihre weihevolle Bestattung durch einen Jungen das besondere Verhältnis zum Sterben bebilderte.
Ging es doch darum auch in Philipp Multhaupts Roman Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen.

Bei Richard Lorenz findet die Erste Liebe aber wesentlich später statt. Balthasar Frost berührt als Jugendlicher mit seinen Gedichten die Sterbenden auf eine so sanfte Weise, dass sie beruhigt sterben können. Und obwohl er sich auch als Erwachsener in den Dienst sterbender Menschen stellt und in einem Hospiz für die Ärmsten, Obdachlose und Verrückte arbeitet, hat er die Macht seiner Gedichte verloren.
Doch in die ins Abseits gestellte Welt der Verlorenen heilt ihn. Die Liebe, Musik und Paris.

Bewundernswert, wie warmherzig Richard Lorenz über diese Menschen schreibt, die als unbeachtete Penner in den Augenwinkeln unserer Städte leben.
Das macht ein schlechtes Gewissen und lenkt den Blick wieder hin zu diesen ganz eigenen Persönlichkeiten.

Ein Buch, das piekt, wärmt, berührt und traurig stimmt. Meine Angst war ganz umsonst: Frost, Erna Piaf und der Heilige von Richard Lorenz

Subjekttiefe

Der literarische Überhit des Jahres 2014 war für mich Amerika-Plakate von Richard Lorenz.
Das ist eine rein subjetive Einschätzung, die jedoch zumindest von einigen Leuten geteilt wird, deren phantastische Beurteilung ich wert schätze.
Jüngst zog nun auch Michael E. Perkampus auf seinem Blog GrammaTau nach und badete das Werk in warmen Lob.

Amerika-Plakate von Richard LorenzAmerika-Plakate von Richard Lorenz

Schade, dass es das Buch nicht auf die Longlist des Seraph geschafft hat. Nun ist dieser Preis eher ein Handels- als ein Literaturpreis, außerdem muss man als Verlag seine Bücher einreichen. Insofern ist der Kreis möglicher Kandidaten von vornherein eingeschränkt und das Fehlen der Amerika-Plakate zumindest erklärbar.

Doch dereinst, wenn die Subjekte der Phantastik in die Tiefe des Vergessens gesunken sind und keiner sich mehr an den Seraph 2015 erinnert, werden die Amerika-Plakate immer noch da sein und als geniales Debüt eines der ganz großen deutschen Phantasten gelten.
Da bin ich mir ganz sicher! Rein subjektiv natürlich.
Noch könnt ihr von Anfang an dabeigewesen sein und alles genauso besser gewusst haben wie ich. :wave:

Apropos Seraph. Natürlich plane ich auch dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse zu fahren, soweit meine Ohren dass dann wieder erlauben. Man will ja auch hören, was da so spannendes vorgelesen wird!

Wenn Leibrand fällt

Als Frank Duwald in seinem Blog dandelion von den Amerika-Plakaten zu schwärmen begann, fing ich schnell Feuer. Frank ist so einer, dessen Artikeln zu Büchern ich selbst dann gefesselt studiere, wenn ich weder Titel noch VerfasserIn kenne. Was er zu mir Bekanntem schrieb, festigte meine hohe Meinung und machte mir klar, dass er zwar nicht vielleicht die selben Themen mag, aber dieselbe Art des Stiles, des Geschichtenerzählens, der literarischen Kunstfertigkeit.

Von daher stand der Kauf bald fest. Im Otherland telefonisch bestellt und bei der Abholung die Leute dort verwirrt, weil ich als Titel Amerika-Gebete nannte.
Mit dieser Verwechslung ist es natürlich vorbei, sobald man das Buch liest, denn Leibrands Amerika-Plakate sind im ganzen Buch verstreute Fußstapfen.

Ich schrieb es schon, dass Amerika-Plakate eine jener seltenen kostbaren Leseglückseligkeiten spendiert, die nicht aus einer glückvollen Handlung resultiert, sondern aus literarischer Magie. Wenn alles perfekt zusammenpasst und man sich einkuscheln will.

Amerika-Plakate von Richard LorenzAmerika-Plakate von Richard Lorenz

Der Roman steckt voller Kulturbezüge und es lohnt sich, sie zu verfolgen. Ganz besonders natürlich Leonard Cohens Suzanne. Es gibt viele Aufnahmen im Netz von diesem Song. Im Buch bittet Leibrand den Sänger, von ihr zu erzählen. Was natürlich sehr raffiniert von Richard Lorenz ist. Nie wieder werde ich das Lied hören, ohne an Leibrand zu denken, an Geschichten, die in Flaschen gesprochen werden, an Kästchen mit Schnee, der solange nicht schmilzt, wie man fest daran denkt.

Und es wird wieder Zeit für Smoke. Und Paul Auster ist nun ein Name, dessen Entdeckung ich mir vorgenommen habe. Seltsam, dass ich dieses Jahr so vielen literarischen Spuren nach New York folge.

Hier noch die Links zu den Interviews von Frank Duwald mit dem Autor und dem Verleger Joachim Körber.

Meine Besprechung findet sich hier: Amerika-Plakate von Richard Lorenz.

Ach, was für ein herrliches Buch. Wie ein kleines Kind will man rufen: Nochmal, nochmal!

Du hast da was im Auge

Ein lesereiches aber internetarmes Wochenende liegt hinter mir und daher ging erst gestern Abend mein Bericht zur Lesung von Frank Böhmert im Otherland online.

Frank las aus seinem neuesten Roman vor, einen Abstecher ins Perry Rhodan NEO Universum. Berlin 2037 lag am Donnerstag druckfrisch im Laden und selbst Frank hatte noch nicht hineinschnuppern können.

frank_und_jakob2
Frank Böhmert und Otherlander Jakob Schmidt

Mit ehrfürchtiger Nervösität begann er zu lesen und kam aber bald in seinen gewohnten Erzählerton. Er wird sicher nie engagiert werden, seine Bücher als Hörbücher einzusprechen, dafür aber plaudert er sehr charmant über sie. Und der Gesprächsteil überwog denn auch deutlich. Erst weit nach Mitternacht kam ich aus der langen Kreuzberger Nacht in die friedlich ruhende Wuhlheide.

Am Freitag schnurpselte ich das Bädchen dann in der Bahn weg. Der Cliffhanger am Schluss ist zwar fies, aber ich werde nicht weiter in die Serienwelt eintauchen. Dafür liegen einfach zu viele andere Bücher auf meinen diversen SUBs. Eine Rezi werde ich aber dazu schreiben, immerhin gefiel mir der Band auch recht gut, besonders weil Frank jede Menge Berlin einbaute und er sich immer wieder weit aus dem Serienkosmos herauslehnen durfte.
Sehr schön fand ich auch, dass er sich von Gecko Neumcke dazu inspirieren ließ, Asa’pili und ein bolo in die Handlung einzubauen. Das sagt auch eine ganze Menge über Franks Wesen aus. Finde ich. Oder zumindest darüber, wie ich Frank sehe. Man steckt ja nicht drin in den Menschen. :wave:

Weitere Rezis wollen geschrieben werden. Zu gleich zwei sehr guten Büchern. Einmal Unternehmer von Matthias Nawrat und zu dem Wunderwerk Amerika-Plakate von Richard Lorenz. Diese Buch kommt in die schmale Lister Bücher, die mich zerfließen lassen. Gleich neben Federico, Gegen den Tag und Fool on the Hill.
Dank an Frank Duwald für diese Empfehlung!

Freizeit droht

Auch dieses Jahr steht plötzlich der Urlaub vor der Tür. Bestimmt nehme ich auch wieder mehr Bücher als Zeit mit.

Jedenfalls habe ich vorher noch zwei Projekte abschließen können.

Da wäre zum einen das Interview mit Michael Siefener. Da ich gerade sein Buch Die magische Bibliothek las, ergriff ich die Chance und Dank Boris Koch, dem Chef von Medusenblut, konnte ich Michael meine Fragen stellen.
Interessant ist vor allem, dass er auch weg vom Schreiben für den Markt ist. Ganz ähnlich äußert sich drüben im dandelion-Blog Richard Lorenz. Dessen Amerika-Plakate steht nun auf meiner Herbstleseliste.
Wie auch ein eBook aus dem hippen Verlag Das Beben. Rex Feuchti gehört zu einem weiteren Projekt, dass im August wahrscheinlich akut wird, obwohl ich reine eBooks einfach und immer noch nicht mag.

Hingegen vor dem Urlaub noch abschließen konnte ich die Rezi zum neuen Kurzgeschichten-Band von Markus K. Korb, Der Struwwelpeter-Code.

Cover von Mark Freier zu: Der Struwwelpeter-Code von Markus K. KorbCover von Mark Freier zu: Der Struwwelpeter-Code von Markus K. Korb

Ich kenne Markus nun schon seit einigen Jahren, vor allen durch seine Arbeiten für Saramee und seine Rezensionen im Fantasyguide. Unglaublich, was der Mann neben seinem Lehrerdasein alles auf die Beine stellt.
Markus liebt den gepflegten Grusel ohne übertriebene Gewalt. Es gibt selten Blut und Schleim, vielmehr sucht er das Grauen in der Historie. Er findet viel in der Nazi-Zeit. Da merkt man dann den pädagogischen Anspruch. Aber er verpackt das wirklich sehr gut.

So, wahrscheinlich wird es vor dem Urlaub hier nix mehr geben, Anfang August sollte es weitergehen. Vermeidet bis dahin jegliches Elfenwerk!
:wave:

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