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Projekt Buchpreis – Teil 8

Anderthalb Monate ist es her, dass ich etwas über dieses Projekt berichtete und es lebt tatsächlich noch!

Am Donnerstag kaufte ich mir endlich das Gewinnerwerk Archipel von Inger-Maria Mahlke wie versprochen in der Buchhandlung Kommedia in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg, vis-à-vis des Otherlands.

Archipel

Archipel von Inger-Maria Mahlke

Zurzeit lese ich noch eine Fantasy-Anthologie, aber direkt danach geht’s los.

Wenn alles klappt, werde ich am 12.12. dann auch noch zur Lesung von Nino Haratischwili ins Literarische Colloquium fahren und somit dann doch noch auch Die Katze und der General ins Projektteam holen, allerdings ohne Garantie, es auch zu lesen.
In den letzten Wochen haben sich ein paar andere Autorinnen und Werke vorgedrängelt, die zu lesen ich sehr große Lust verspüre.

Zudem wird mir die Original-Lektüre von The Word for World Is Forest von Ursula K. Le Guin für den Klassikerlesezirkel im SFN einiges abverlangen, aber ich freue mich schon sehr darauf, endlich mal wieder ein Buch in Englisch anzugehen.

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Projekt Buchpreis – Teil 7

Im Zug auf dem Weg zum BuCon beendete ich Susanne Röckels Vogelgott.

Vogelgott_Cover

Der Vogelgott von Susanne Röckel

Der Roman ließ mich etwas unzufrieden zurück. Meine beiden Hauptkritikpunkte sind die unbefriedigende, beziehungsweise fehlende Auflösung des Ganzen und die mangelnde Akzentuierung der unterschiedlichen Figuren. Stilistisch rührte die Autorin quasi einen Einheitsbrei, zwar sehr stimmungsvoll und in klassischer Manier, aber eben eine einzige Stimme für vier unterschiedliche Perspektiven.

Vielleicht aber ist das auch so gewollt, um die Individualität der vier zu negieren? Ich weiß es nicht. Genauso schwer fällt mir eine grundlegende Interpretation der Handlung. Alles dreht sich irgendwie um eine Art Fluch, die zum Schwinden des Vaters und seiner Kinder und deren Kinder führen soll. Dahinter steht irgendwas mystisches, vielleicht Böses, vielleicht aber auch Fortschrittliches zwischen Prometheus und Jesus. So richtig sah ich nicht durch.

Bis auf einige langwierige Stellen im Mittelteil las sich das Buch aber dennoch sehr flüssig. Fast atemlos folgte ich den verschiedenen Stadien von Obsession und Kontrollverlust. Wenn nur irgendwie ein Ziel der Handlung erkennbar gewesen wäre.

Also insgesamt dicht an einem tollen Phantastikwerk vorbeigeschrammt.

In Bezug auf meine Vorurteilscheckliste gibt es erneut null Punkte!

 

Gestern versuchte ich auch gleich, Archipel der Buchpreisträgerin Inger-Maria Mahlke zu erwerben. Dafür erkor ich mir die Buchhandlung Kommedia in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg, vis-à-vis des Otherlands.

KommediaBuchhandlung

Es war ausverkauft. Dennoch frug ich den Buchhändler Lutz Stolze über die Bedeutung des Buchpreises für seinen Laden. Er würde schon etwas bringen, weil die Menschen sich nach der medialen Aufmerksamkeit richteten, egal ob das Buch nun gut oder schlecht sei. Der Preis sei eben eine Marketingmaßnahme und für ihn zumindest funktioniert sie.

Ich werde nächste Woche wieder vorbeischauen, dann dürfte eine Lieferung mit Exemplaren eingetroffen sein.

Da ich eh ins Otherland musste, um mir die Karte für die heutige Lesung von Cixin Liu abzuholen, nahm ich gleich den neuen Doctorow, Walkaway, mit. Cory liest am 05.11. im Wasserturm Kreuzberg und es wurde einfach Zeit, dass ich was von ihm lese.

Zum Schluss noch der Verweis auf meine Rezi: Der Vogelgott von Susanne Röckel

Projekt Buchpreis – Teil 6

Inzwischen habe ich mit dem Vogelgott begonnen und er gibt sich zumindest am Anfang recht klassisch phantastisch.

Als große Bereicherung empfand ich Stephan Thomes Gott der Barbaren. Es hatte sich ja eigentlich von Beginn an abgezeichnet, dass ich hier eine Menge über die chinesische Kultur, Geschichte und Philosophie lernen würde und bis zum Schluss hat mir die Reise in eine fremde Welt sehr viel Spaß bereitet.

GottDerBarbaren._cover

Gott der Barbaren von Stephan Thome

Thome nutzt die verschiedenen Handlungsstränge, um die beteiligten Parteien und Weltanschauungen auch mit persönlichen Schicksalen zu verknüpfen. Dabei hält er sich zum Großteil an historische Persönlichkeiten wie den britischen Sonderbeauftragten Elgin und den chinesischen General Zeng Guofan.

Gerade die Figur des zum Generalsein gezwungenen Gelehrten fand ich ungemein faszinierend, viel mehr als den dekadenten Adligen oder den immer langweiliger werdenden verkappten Missionar aus Preußen. Ich denke, Thome fand den chinesischen Teil auch weitaus spannender.

Eigentlich ist es auch wieder bezeichnend, dass die chinesischen Minderheiten, kaum, dass sie zum Christentum konvertierten, auf eine blutige Mission zogen. Thome stellt nicht nur das heraus, er betont auch die Verlogenheit der westlichen Reiche, die behaupteten, den zivilisatorischen Fortschritt zu bringen, aber eigentlich nur dabei waren, die Torte China für sich aufzuschneiden.

In Sturheit stand die manschurische Elite ihren westlichen Gegnern aber in nichts nach. Jeder sah den anderen als dummen Barbaren an, der nicht mal die grundlegendsten Regeln des Anstands beherrschte. Und ausbaden durften das die einfachen Menschen, vor allem aber die Frauen. Thome beschönigt da nichts, hält aber erfeulicherweise von expliziten Gewaltszenen Abstand. Es bleibt auch so noch genügend übrig. Man schätzt, das der Taiping-Aufstand 30 Millionen Menschen das Leben kostete und von dieser Zahl ausgehend kann man sich die Massen an überlebenden Opfern kaum vorstellen.

Ein beeindruckendes Buch, ich habe es sehr gern gelesen. Und wie schon geschrieben, es erfüllt keinen Punkt meiner Vorurteilsliste.

Würde ich ihn gern als Gewinner des Buchpreises sehen? Ich weiß nicht recht, Irgendwie stelle ich mir da dann doch eher ein Buch vor, dass sprachlich noch mehr bietet. Stephan Thome schreibt gut, abwechslungsreich, spannend und selbst in den philosophischen Teilen hochverständlich, aber es ist nicht so, dass ich bei Sätzen hängenbleibe und wow! ausrufe.

Der Gott der Barbaren ist ein sehr guter und unterhaltsamer historischer Roman., nicht weniger, nicht mehr.

Im Fantasyguide gibt es auch wieder eine Rezi: Gott der Barbaren von Stephan Thome

Projekt Buchpreis – Teil 5

Da ich beim Gott der Barbaren die Hälfte überschritten habe (und das Buch ist immer noch top!), beschloss ich gestern, auf die Jagd nach dem nächsten Buch zu gehen.

Ich erwählte die Kiezbuchhandlung BUCHBOX! in der Grünberger Straße in Friedrichshain.

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Zwischen Bar und Currywurst:  Kiezbuchhandlung BUCHBOX!

Als ich durch die Straßen eilte, bemerkte ich, dass dieser kleene Stadtbezirk trotz all der Veränderungen – neue Gebäude, neue Leute – immer noch meine Heimat ist. Hier laufe ich ganz anders. Also rein gefühlsmäßig. Es ist, als ob das alles einfach immer noch zu mir gehört. Egal ob Altbaukiez an der Simon-Dach oder Plattenbauten am Ostbahnhof.

Die BUCHBOX! als Laden gab es noch nicht, als wir 99 wegzogen, aber fußläufig existierten damals zwei Buchhandlungen, eine stammte sogar noch aus DDR-Zeiten. Aber immerhin erinnere ich mich an den Buchstand der BUCHBOX! auf dem Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz. Das war vor tausenden von Jahren. Seufz.
Mein erster Besuch fand übrigens 2012 zum Gratis Comic Tag statt. Damals bestand der Laden nur aus einem klitzekleinen Raum. Heute erstreckt er sich noch weit nach hinten in den Seitenflügel.
Ich hatte ja gehofft, den Linus vom Blog Buzzaldrins Bücher im Laden zu treffen, aber leider ist er krank. Schade.
Aber dafür gab es in der gut sortierten Buchhandlung den Vogelgott! Ja, die zweite Auflage hat endlich die Buchläden erreicht. Klar hätte ich gern eine Erstausgabe gehabt, aber das Elfenwerk steckt halt überall.

Buchbox_01

Ein hübscher Stapel Vogelgötter

Natürlich frug ich die nette Buchhändlerin wieder über die Bedeutung des Buchpreises für ihren Laden aus. Es gäbe zwar Nachfragen, aber eigentlich haben sie ihre eigenen Vorschläge für gute Bücher.
Vermutlich würde ich als Buchhändler auch etwas gegen Listen haben, die mir von außen aufgedrückt werden. Aber ich würde ja einen Buchladen auch nur dann aufmachen, wenn ich nicht davon leben müsste.

Vogelgott

Der Vogelgott von Susanne Röckel

Wann die Lektüre des Buches genau startet, weiß ich noch nicht, da wir im SFN darauf warten, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des offenen Lesezirkels das Buch bekommen haben. Dürfte aber jetzt nicht mehr lange dauern und ich werde es auch parallel zum Barbarengott lesen.
Ich merke gerade, dass mir dieses Projekt eine Menge Spaß bereitet.

Marc vom Blog Lesen macht glücklich hat jetzt übrigens auch einen Beitrag zur Shortlist verfasst. Er kommt eher aus der Belletristik und von daher sieht er die Bücher aus einem ganz anderen Blickwinkel und ihm sagen die Autorinnen und Autoren deutlich mehr als mir, der ich ja niemanden kannte.

Projekt Buchpreis – Teil 4

Im letzten Teil äußerte ich meine Zweifel, dass Gott der Barbaren preiswürdig sei. Ich beginne, diese Einschätzung zu revidieren.

Stephan Thome lässt sich zunächst 200 Seiten Zeit, um zum Romananfang zurückzukommen und zu erklären, wie Phillip Johann Neukamp seine Hand verliert.

Was zuerst nach einem typischen Historienroman aussah, entwickelt sich immer mehr zu einer breiten Auseinandersetzung mit dem Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen.
Nach 40% der Lektüre kann ich sagen, dass Thome sich in der chinesischen Kultur sehr gut auszukennen scheint und sein Wissen mühelos in eine fesselnde Handlung unterzubringen versteht.
Inzwischen ist das Buch für mich zu einem Pageturner geworden, gerade auch wegen der chinesischen Handlungsstränge. Dadurch tauche ich tief in die Gedanken der verschiedenen beteiligten Parteien ein, ohne dass Thome bisher dazu neigte, eine Seite zu bevorzugen. Überall gibt es positive Dinge, aber auch Schatten, bis hin zu Gräueln. Die Detailtiefe ist faszinierend und ich kann mir viele Szenen, trotz aller Exotik sehr gut vorstellen. Ganz bilderlos war ich vorher natürlich nicht, aber Thome schaufelt mit sehr großen Kellen Lebensgefühl, Philosophie und Hintergrund in meine Hirnsuppe.

Kurz: Das Buch ist gut!

Projekt Buchpreis – Teil 3

Da im Lesezirkel drüben im SFN wohl nichts mehr kommt, kann ich auch das Kapitel Sechs Koffer abschließen.

Das Buch ist eine Enttäuschung. Weder sprachlich, noch inhaltlich konnte es überzeugen. Wie korrekt Maxim Biller die Ereignisse seiner Familienhistorie auch erzählt haben mag, eigentlich schrieb er nur über sich. Was im besten Falle langweilig ist.

Auf meiner Vorurteilscheckliste kreuzte ich zweieinhalb Punkte an. Klar NS/Krieg taucht auf und in Form der schrecklichen Erlebnisse seiner Tante und deren Umgang damit auch das Jugendtrauma.
Der dritte Punkt, DDR, passt nicht ganz, aber immerhin geht es auch um das Leben in einen Ostblockstaat.
Meine etwas harschere Kritik gibt es im Fantasyguide: Sechs Koffer von Maxim Biller.

Wohl keinen der Punkte meiner Vorurteilscheckliste erfüllen dürfte Gott der Barbaren von Stephan Thome, wenn da nicht noch ein Zeitsprung in der Handlung geschieht.

Der Roman könnte ein klassischer historischer Roman sein: Enttäuschter preußischer Revoluzzer von 1848 wird Missionar in China und gerät in die Unruhen des Taiping-Aufstandes und des Zweiten Opiumkrieges.

Liest sich sehr gut, obwohl es so eine typische Nacherzählung von Geschichte zu sein scheint, bei der eine historisch unbekannte Person in den nahen Dunstkreis von berühmten Persönlichkeiten gerät und so alles hautnah miterlebt.

Da ich über diesen Teil der chinesischen Geschichte nichts weiß, hab ich bisher großen Spaß daran. Nach 100 Seiten (1/7 des Buches) frag ich mich aber schon, worin das Preiswürdige bestehen könnte.

Projekt Buchpreis 2018 – Teil 1

So, das Projekt ist gestartet. Heute schnappte ich mir den Drahtesel und fuhr nach Friedrichshagen. In der lauschigen Buchhandlung »leselieber« sah ich mich nach den Buchpreiskandidaten um.

LeseLieberFriedrichshagen

Das »leselieber« in der  Bölschestraße 79

Ich wollte Vogelgott und Sechs Koffer kaufen. Leider konnte mir Buchhändler Christoph Berger nur das Buch von Maxim Biller geben, dass andere hätte er bestellen müssen. Der Verlag ist wohl zu klein. Ich fragte ihn nach der Bedeutung des Buchpreises für sein Geschäft, aber er winkte nur ab, weil er davon nichts hält. Die Auswahl sei nicht besonders, es würde nur der erste Platz gekauft und richtig gute Bücher wie Romeo oder Julia von Gerhard Falkner von der Longlist 2017 würden jetzt verramscht.

Mal sehen, ob ich den Vogelgott am Wochenende noch in einer Buchhandlung bekomme, auf jeden Fall wird es einen Lesezirkel dazu im SFN geben. Offensichtlich ist das Werk bei einigen Genre-Fans auf Interesse gestoßen. Der erste positive Effekt der Shortlist. Es bleibt ja immer noch ein großes Problem, dass sich einige Verlage einfach nicht trauen, ein phantastisches Buch auch so zu bewerben. Das führt dann dazu, dass das interessierte Publikum außen vor bleibt, weil man es nicht als Zielgruppe in Betracht zieht. Als ob Verlage sich das leisten könnten.

SechsKoffer

Mit Buchpreis-Aufkleber: Sechs Koffer von Maxim Biller

Vielleicht werde ich die Sechs Koffer also vorziehen, Christoph Berger von »leselieber« schien es zumindest nicht schlecht zu finden.

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