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Schöne neue Welt

Wenn man Leif Randts Planet Magnon als Utopie liest, fragt man sich unweigerlich, wie der Mann auf diese kuschelig-romantische Zukunftsvision kommt. So ganz gegen den Trend.

Planet Magnon von Leif Randt, Cover: Rothfos & GablerPlanet Magnon von Leif Randt, Cover: Rothfos & Gabler

Jeder nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Fähigkeiten – wenn das nicht nach Kommunismus duftet!
Aber es ist eher eine Ferienlager-Utopie. Spaß, Spiel und Selbstverwirklichung werden gelenkt. Eine KI überwacht und analysiert die Kollektive in Randts Planetensystem und reagiert anhand ihrer Auswertungen, um die Bedürfnisse noch besser befriedigen zu können.

Viel weiter geht das Worldbuilding bei Randt schon gar nicht. Denn im Mittelpunkt steht eher eine Selbstfindungsgeschichte. Die Hauptfigur sucht ihren Platz in der Welt und muss erst einmal aufhören, sich selbst zu belügen. Was in einer Ich-Erzählung recht kompliziert darzustellen ist, Randt aber mühelos und sprachlich sogar äußerst raffiniert gelingt.

Je länger ich über die Wurzeln der Geschichte nachdenke und die Wirkung von Leif Randt auf der LCB-Lesung hinzunehme, muss ich einfach an meine Kinder denken. In welcher harmonischen und behüteten Umgebung sie aufwachsen. In einem reichen Land, mit Eltern die sich einfach nicht zum dagegen rebellieren oder anstürmen eignen.
Kommen sie da vielleicht zwangsläufig auf die Idee einer sonnigen Zukunft, ohne Krieg, Gewalt, Fanatismus? Brennt in ihnen schon das lichte Morgen?

Ich wünsche es ihnen natürlich. Aber wenn man in die Nachrichten schaut, erscheint unser Kuscheluniversum hier doch extrem irreal und vergänglich. So Rivendell mäßig.

Die Rezi zum Buch viel mir nicht ganz leicht, aber nun wurde sie doch noch fertig:
Planet Magnon von Leif Randt

Jeder nach seiner Fasson

Als Schlummsy gerät man ab und zu in seltsame Situationen, die bei gründlicherem Lesen zumindest weniger obskur erschienen wären.

So interessierte mich die Ankündigung einer Lesung von Leif Randt im LCB sehr, der Anhang mit dem Deutschlandfunk gelangte jedoch nicht wirklich in meine Synapsen.

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Ein stürmischer Regenschauer überzog die Restauration des LCB

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Die aktuelle Ausstellung heißt Zeitsprünge. Fotografien von Renate von Mangoldt

Deutschlandfunk – diesem Sender habe ich noch nie gelauscht und das wird sich wohl jetzt auch nicht ändern. Die Sendung Studio LCB stellte Moderator Hubert Winkels als längste Literatursendung vor, was für den klassischen Hörfunk stimmen mag, Podcaster werden müde gähnen.
Drastisch an Sympathie verlor der Mann, als er süffisant eine Premiere ankündigte für seine Sendung: Der erste SF-Roman in diesem Format!

Okay, dachte ich mir, hör trotzdem zu. Hubert ging selbstbewusst davon aus, dass man seine Sendung kennen müsste und erwähnte auch nicht, dass es sich um eine Aufzeichnung handelt, vom Sendetermin ganz zu schweigen, aber um Hörer geht es meiner Erfahrung nach im öffentlichen Rundfunk eher selten. Das klingt negativ? Ich fange gerade erst an.

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Leif Randt und das Zuhören

Als Gesprächspartner für den 32jährigen Autor fungierten der Literaturredakteur von 3sat, Michael Schmitt, und der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch.
Als Hörisch sich zum Begriff Utopie äußern sollte, erlebte ich einen dieser Momente, da man sich in einer Satire gefangen glaubt. Würde ich Literaturkritik karikieren wollen, bräuchte ich nur Hörischs hektische Grundsatzrede nehmen und sie passte egal zu welchen Buch, egal zu welchen Thema oder egal zu welcher Autorin oder Autor. Er sprach extra schnell, um ja viele Begriffe, Zitate, Namen und jämmerliche Witze unterzubringen, bevor ihn jemand unterbrechen könnte, was der Moderator eh nicht versuchte, wohl in der Erwartung, dass man ihn dann auch ausreden ließe.

leif_randt_5Winkels, Randt und Schmitt.

Jedenfalls palaverte Hörisch einen derartigen Humbug zusammen, brachte im Laufe des Abends Goethe, Nietzsche und Benn in Stellung um darunter den armen Leif Randt zu verschütten, dass ich mich wunderte, nicht ebenfalls unter einem Berg von Blödsinn begraben zu werden, dicht genug saß ich ja.
Der Autor hingegen ruhte in sich weltvergessen auf seinem Platz und schien schnell jede Hoffnung verloren zu haben, den Gedankengängen der Großköpfe verfolgen zu können.
Moderator Winkels stellte hochkomplexe Fragen in denen er fleißig toll klingende Interpretationen einflocht, dazu betont nachdenklich in die Weite des LCB-Raumes seinen Phrasen träumerisch nachsah, und die verzweifelten Nachfragen Randts, wie die Frage lautete, mit noch größerem Wortschwall beantwortete, sichtlich erleichtert, seine magischen Gedanken noch weiter ausführen zu können.

Leif Randt rang nach Antworten, die auch mit ihm und seinem Werk zu tun hatten und schaffte es doch nur immer wieder, den Sprachkünstlern neue Stichpunkte für fröhliche Monologe zu liefern. Einzig der bei 3sat wohl Missachtung gewohnte Michael Schmitt kam kaum zum Zuge und musste wiederholt auf sein großes Problem hinweisen, dass in Planet Magnon die Schwerindustrie fehle.

Endlich durfte Leif Randt vorlesen.

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Der Autor und das sachliche Wort.

Und er nutzte seine Chance. Las lang, mehrere Szenen aus dem Beginn des Romans. Ganz im nüchternen Ton des Ich-Erzählers und versagte sich jede Humorhervorhebung. Gefeiert wurde er dann von seinem Gesprächseroberer Hörisch für das mutige Experiment, zwei Artikel aus dem Glossar vorgelesen zu haben.
Randt nahm es gelassen oder unbewegt oder vielleicht auch mit erschöpfter Gewöhnung. Vielleicht mag er solche Gesprächsrunden, vielleicht will er wirklich nicht über Star Wars reden und warum er seinen Roman als Space Opera bezeichnet, obwohl er dies nun so überhaupt nicht ist.

Wer weiß. Erst einmal lese ich nun den Roman, den ich mir natürlich kaufte und signieren ließ.

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Schwer, sich nicht in Planet Magnon von Leif Randt zu spiegeln

Gesendet wird die Aufzeichnung am 30. Mai 2015 um 20:05 Uhr im Deutschlandfunk und ich bezweifle, dass man sie lange danach noch herunterladen kann. Mit Inhalten, die wir über die Zwangsgebühren finanzieren, gehen die Öffentlich Rechtlichen meist nur auf eine Art um: Ab in den Keller, wenns kein Tatort ist.

Der KLP und sein Ruhm

Michael Schmidt ist der Mann schneller Taten und flinker Interviews. Nun hat er mich befragt und ich antwortete prompt, denn Ruhm ist bekanntlich vergänglich und wer weiß, wen meine Antworten morgen noch interessieren.

Ich zumindest plane morgen Abend wieder einmal eine Lesung im Literarischen Coloquium zu besuchen. Leif Randt stellt dort seinen Roman Planet Magnon vor, eine gute Methode, hoffe ich, den aufgewirbelten Staub einer Personalratssitzung abzuschütteln.

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