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Und bist Du nicht willig, dann dicht’ ich!

Die Lektüre von Marion Alexa Müllers Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren hatte ich große Lust, sie wieder einmal live zu erleben und anstatt mir ein Politikdiskussion in einem aussterbenden Medium anzuschauen, besuchte ich also die Lesebühne Vision und Wahn im Periplaneta Literaturcafé.

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In der Bornholmer Straße

Die Lesebühne feierte das Erscheinen ihrer vierten Anthologie mit dem hübschen Namen Die Einsamkeit des Hurenkindes und fünf der darin vertretenen Künstlerinnen und Künstler gaben einen kleinen Einblick in das Wesen dieser literarischen Darreichungsform.

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Man zahlt, um zu gehen in die Künstlerkassenkanne ein

Thomas Manegold moderierte den bunten Abend mit präsenter Lässigkeit und eröffnete ihn mit der Präambel des Hurenkindes, in der es um das tragische Schicksal eines Hardcovers ging, und erklärte auch für alle Satzfehlerunwissenden, worin der Charme eines Hurenkindes läge.

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Hackerversteher Tom

Tom durfte dann auch in seiner Anmoderation von DerJesko auf den hübschen Artikel im Künstlernamen von Jesko Habert hinweisen, der uns sodann eine Kostprobe seiner Slampoetry bot.

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DerJesko

Im Anschluss kredenzte Marry dann tatsächlich einen Text aus Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren, der quasi einem Schwein gewidmet ist und natürlich gewohnt böse endet. Übrigens merkte sie an, dass man ihrem Text ein Hurenkind versagte. Wer hat da wieder nicht aufgepasst?

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Nicht mal ein klitzekleines Hurenkindlein für die Cheffin

Als Stimmungsaufheller angekündigt, berichtete Robert Rescue knochentrocken aus dem Alltag einer verschwundenen Kulturinstitution, der DVD-Theke.

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Robert Rescue lieh sich einst DVDs

In die Pause säuselte uns wieder einmal Josias Ender, dessen zweite EP nun endlich erhältlich ist.

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Zurück aus den Wäldern – Josias Ender

Voller Neugierde stürzte ich mich, kaum dass die Tore wieder offenstanden, auf Robert Rescue, da ich mir Neuigkeiten zum Intimitätendieb 2 erhoffte. Jedoch steht das nun nicht auf seiner Projektliste ganz oben. Zunächst wird im Herbst ein weiterer Band mit skurrilen Wedding-Geschichten erscheinen. Aber der Phantastik bleibt er hold verbunden und arbeitet auch schon an einem neuen Roman. Thema wird eine komplizierte Art der Unsterblichkeit sein. Sein Hauptfokus liegt aber auf einer Reihe Geschichten um einen phantastischen Ermittler mit Technologiebezug. Die erste Episode wird es wahrscheinlich zur nächsten Drachenfliege Fantasynacht am 28.10.2017 geben und ich hoffe sehr, dass ich diesen Termin mal nicht verpasse.

Marry brach gleich nach der Pause eine feine Lanze für die Lyrik. Sadismus in der Buchbranche erschien bereits auf ihrem Blog und ich finde ihren Kampf für die Verbreitung von Lyrikbändchen heldenhaft, mutig und unbedingt fortführenswert. Ich hätte da auch noch ein paar hundert Gedichte …

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Muse Marry

DerJesko erdete uns danach aber nicht, sondern entführte uns erneut in seine Welt entschwindender Regentropfen. Um das nochmal nachlesen zu können, lohnt sich der Kauf der Einsamkeit des Hurenkindes unbedingt, auch wenn solch Text in der ganz besonderen Vortragsweise, die immer wieder in einen schnellen Rap rutscht, auf jeden Fall ein Erlebnis ist.

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Elogien mit Beat – DerJesko

Sarah Strehle fing vor einigen Jahren als Praktikantin bei Periplaneta an und wünschte sich einen Job als Lektorin. Da man aber bei Periplaneta unbedingt auch schreiben muss, stand sie bald selbst auf der Bühne. Nun präsentierte sie uns ihren allerersten Text und der war ein todtrauriges Mahnmal gegen Gewalt.

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Leg Dich nie mit der Lektorin an: Sarah Strehle

Nach  dieser harten Story irritierte Tom sein Publikum kurz, als er sich über den letzten Tatort verwundert zeigte, der sich erst nach einer Stunde als TV-Duell zu erkennen gab. Passender Weise trug er denn auch einen Text vor, der zur letzten Bundestagswahl entstanden war und sich zu seinem Grauen mit wenigen Änderungen aktualisieren ließ. Toms Ärger wurde mit jeder Zeile deutlicher.

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Wahltag ist immer noch Zahltag

Tja, er hat schon Recht, am Wahltag versenken wir unsere Stimme in einer Urne. Wenn das kein trübes Bild ist. Übrigens gab Tom auch eine Empfehlung zum Flughafen Tegel ab. Oder auch nicht.

Klar, dass nun Robert Rescue gefragt war. Mit radikaler Freundlichkeit erfüllte er sein Amt und brachte die Helligkeit zurück. Natürlich sind seine bangen Air-Berlin-Ängste auch eher tragischer Natur, aber eben sehr erhellend.

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Hätte gern Schokoherzen gehortet.

Dann war auch schon wieder Zeit, dass Josias uns federleicht in die Nacht entließ.

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Der sanfte Ausklang des Abends

Zwischen Hustenbonbons, Hirnkuchen und Bier passt immer auch noch Literatur. Das Ergebnis sind Visionen und Wahn. Eine phantastische Mischung! Das Periplaneta-Jubiläumsjahr ist aber noch nicht zu Ende: Am 15.09. wird das Zehnjährige gehörig gefeiert und wer das Buch zum Bier zu schätzen weiß, sollte vorbeischauen!

Starallüren und geplatzte Frösche

Voller Fleiß und Elan mühe ich mich derzeit, meinen Rezensionsstapel abzubauen, da ich vor dem BuchmesseCon auch noch ein paar andere Bücher lesen möchte.

Dünnere Bücher versprechen da natürlich schnellere Erfolge, besonders natürlich, wenn man mit Vorfreude ans Werk geht. So zog ich denn auch das neueste Büchlein von Marion Alexa Müller aus SUB #5, das gute Aussichten darauf hat, den längsten Titel des Jahres zu tragen: Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren.

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Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren von Marion Alexa Müller

32 kurze Texte enthält das Büchlein und einen kannte ich sogar schon von der Periplaneta Fantasy-Lesenacht.
Wie der Titel verrät, macht Mary kaum einen Unterschied zwischen Mensch und Getier. Darum tragen alle tierischen Figuren menschliche Namen und erleben auch meist zutiefst menschliche Dinge. Oder den Tod. Das ist überhaupt eine sehr effektive Methode, Geschichten zu beenden, wenn man vermeiden will, dass die verehrte Fanbasis Fortsetzungen fordert. Ganz wichtig dabei ist natürlich dem Drang zu widerstehen, ständig neue Hauptfiguren einzuführen, sonst kommt man mit dem Meucheln gar nicht mehr hinterher.

Aber man lernt in »Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren« nicht nur die Härten des Lebens kennen, sondern erfährt auch immer gleich ganz nützliche Dinge über die erlösten Lebewesen. Vermutlich sollte in keinem Biologie-Unterricht ein Exemplar von »Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren« fehlen. Ich zumindest hätte mir Informationen über Seepocken auf der Basis von Marys pädagogisch sinnvollem Schwerpunkt sofort gemerkt.

In dramatischen, besinnlichen, typischen und lustvollen Momenten begleiten wir die meist am Rande Stehenden. Die unverhofft in eine Heldenrolle schlüpfen. Mary lässt aus Mobbingopfern Vorbilder erblühen, die unserem Leben vielleicht einen neuen Sinn geben können. Und sei es auch nur ein Tränchen der Trauer, die wir ob des harten Schicksals vergießen.

Ich hab mich köstlich amüsiert.

Zu den einzelnen Storys will ich gar nichts weiter schreiben, sie sind wirklich kurz, ohne zu spoilern lässt sich da wenig beschreiben. Aber ob Henne, Frosch, Star, Krabbe, Seepocke oder Wolf, alle haben ihr Päckchen zu tragen und Mary haucht ihnen auf liebenswürdig charmant-witzige Weise sehr menschliche Marotten ein.
Lest das Buch oder besucht die Lesebühne Vision und Wahn, auf der die Periplaneta-Cheffin ihre Texte selbst vorträgt.

Langer Link zur kurzen Rezi im Fantasyguide: Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren von Marion Alexa Müller

Drachenfliege auf Trolljagd

Schon lange wollte ich dem Literaturcafé des Periplaneta-Verlages einen weiteren Besuch abstatten und so traf es sich ganz gut, dass der phantastische Verlag für seine Edition Drachenfliege am Samstag eine neue Lesereihe einführte: Die Fantasy-Lesenacht aka Drachen-Fliege-Nacht.

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Logo der ersten Drachen-Fliege-Nacht

Das Literaturcafé liegt ganz romantisch an der Bornholmer Straße und somit nicht ganz im größten Rummel Prenzlbergs.

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Das Literaturcafé

Es gibt fränkisches Bier, da die Cheffin Marion Alexa Müller aus jenen südlichen Gefilden stammt. Neben Marry gab noch Thomas Manegold den Gastgeber und Steve-Bürk-Ersatz, denn aus unbekannten Gründen war der zweite Autor des Abends nicht erschienen.

Doch die Lesebühnen erprobte Periplaneta-Mannschaft hatte alles fest in Elfenhänden und glich den Mangel mehr als aus.

Während Toms historischer Eingangsrede versuchten ein paar Bergtrolle die Veranstaltung zu sprengen und so musste Ritter Tom hinaus in die Nacht, derweil Jungfer Marry die Einführung fortsetzte und als sei es inszeniert, griff der siegreich heimgekehrte Recke die Mär vom Reich Periplaneta exakt an jener Stelle auf, da die holde Marry sie fallengelassen hatte.

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Tom im Nebel der Erkenntnis

Tom las sodann, von atmosphärischen Zügen aus der eZigarrette begleitet, aus dem schrägen Urban-Fantasyroman Die Unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B. die Eingangsszene vor, in der wir nicht nur Zeuge der Erleuchtung selbst werden, sondern auch von für Felix viel zu tief gehenden Erkenntnissen über seine Beziehung erfahren.

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Felix, Lin-Lin und Tom

Der Text wirkt vorgelesen noch deutlich witziger als morgens halb sieben in einer stinkenden Ringbahn.

Marry übernahm danach das Zepter für eine Lesung aus ihrem Erzählband Evasapfel, der demnächst endlich wieder in einer neuen Ausgabe verfügbar sein wird.

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Marion Alexa Müller

Marilyn ist eine SF-Geschichte, deren ironische Behandlung von Schönheitswahn und Bodyshaming irre aktuell ist.

Mit Die lautlose Woge startete im Januar die Highfantasy-Saga Kalion von Aleš Pickar in der Edition Drachenfliege und Marry erklärte kurz, warum ihr gerade dieses Manuskript so zusagte. Letztlich beeindruckte sie das Faltblatt mit dem geplanten Handlungsverlauf der Saga. Solch einem strukturiert arbeitenden Autor traute sie eine erfolgreiche Beendigung der Arbeit zu. (Aleš Pickars Frau schüttelte bei »strukturiert« energisch den Kopf).

Aleš hat bereits eine ausgedehnte Lesereise hinter sich und war dadurch bestens präpariert. Seine kurzen Auszüge aus dem ersten Band gaben einen Einblick in die unterschiedlichen Handlungsstränge, aber auch in die Stimmungen, die von Wut über Trauer bis hin zu Klamauk und Horror gehen.

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Humor gabs auch

In der Pause konnte ich kurz mit ihm über die Entstehung reden und erfuhr, warum mir so ein bisschen der Höhepunkt fehlte. Eigentlich war der erste Band nämlich deutlich dicker. Und er versprach, dass im zweiten Band exakt dieser Höhepunkt mit Macht käme. Es war interessant, ihm zuzuhören, welches Feedback auf er auf den Roman bisher bekommen hätte, wie verteilt die Sympathien für die Figuren seien und welchen Diskurs es zu Neleis »Abenteuer« im Kloster gab. Dieses Kapitel ist in der Tat sehr außergewöhnlich und bewegt sich nicht auf gewohnten High-Fantasypfaden.

Als musikalische Nacht-Nuance gab der Liedermacher Josias Ender (der Link führt zu Facebook) Kostproben aus seinen gefühlvollen Liedern, deren Texte lyrisch schwebend zur phantastischen Drachen-Fliege-Nacht passten.

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Josias Ender

Seine erste CD Aus den Wäldern in die Städte konnte ich vor Ort erwerben, Lieder von der demnächst erscheinenden zweiten Scheibe hatte er im Gepäck, sodass sich Kauf und Zuhören im Doppelpack lohnten.

Nach der Pause gab es eine noch unveröffentlichte Story von Marry, in der es um die Macht der Religion und die Ehre geht, der Wächter der steinernen Eichel zu sein. Tom unterstütze die Lesung als alterndes Eichhörnchen ohne Haare.

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In Odins Namen: Marry und Tom

Das große Finale durfte dann wieder Aleš bestreiten, der uns zwei der witzigen Nebenfiguren aus Die lautlose Woge vorstellte.

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Im Hintergrund die Karte von Neroê

Zum Ausklang der Blauen Stunde griff Tom noch weit in die Vergangenheit und las einen Text aus dem Nautilus-Projekt vor, in dem er als Projektleiter nicht nur AutorInnen zusammenbringen musste, sondern auch noch die Band The Sycamore Tree.

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Tom Manegold’s Blues

In die Nacht entließen uns dann zum Schluss weitere magische Songs von Josias Ender.

Für Mitte August ist bereits die nächste Fantasy-Nacht avisiert und nach dieser tollen Premiere habe ich große Lust, wiederzukommen. Marry deutete auch an, dass bis dahin Neues aus dem Reich der urbanen Fantasy gereicht werden kann.

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Ein strahlender Blick in die Zukunft

Lassen wir uns überraschen!

Schöne, alte Welt

Mein Einstieg in die epische »high« Fantasy erfolgte mit Shannara von Terry Brooks. Dass es sich dabei um einen Herr-der-Ringe-Klon handelte, erfuhr ich erst später.

Spätestens mit dem Rad der Zeit wurde mir klar, dass derartige Fantasy-Reihen letztlich generische Varianten einer einzigen Geschichte darstellen. Darum verfalle ich ihnen vielleicht nicht mehr so mit Haut und Haaren. George Martins Lied von Eis und Feuer etwa fand ich beim Lesen zwar spannend, aber auf Dauer konnte mich eine Fantasy Soap-Oper nicht fesseln.

Darum habe ich in letzter Zeit neue Fantasy-Reihen eher gemieden. Doch bei einem neuen Projekt der Edition Drachenfliege wurde ich wieder schwach.

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Die lautlose Woge von Aleš Pickar

Die lautlose Woge von Aleš Pickar ist der Auftaktband seiner Fantasy-Reihe Kalion und kann sich problemlos mit den genannten Reihen messen lassen. Pickar beschäftigt sich schon eine Weile mit Kalion; das kann man auf seinen diversen Internet-Auftritten nachlesen. Auch im Buch spürt man an vielen Stellen den großen Aufwand, den er in seinen Weltenbau steckte. Wie Tolkien legte er Wert auf kulturabhängige Sprachen, allerdings nicht unbedingt mit dem Ziel, seiner Heimat eine fehlende Mythologie zu ersetzen.

Was mich bei dieser Art von Fantasy immer wieder verwundert, ist das mittelalterliche Setting. Als Geschichtsfan kämen mir eine Reihe spannenderer Epochen in den Sinn, zumal es sich meist um romantische Zerrbilder der frühen Neuzeit handelt. Hauptsache keine Technik.

Aleš Pickar hat sich in seinem ausführlichen Essay Die Mechanik der Schändung mit diesem Thema ebenfalls beschäftigt und für sich Antworten auf die Mittelalter- und Gewalt-Problematik gefunden.In meinen Augen geht er in »Die lautlose Woge« keine neuen Wege, aber der Grad der Innovation hängt ja immer auch von den eigenen Erfahrungen ab. Und ich selbst habe auch keine Ideen, wie man ein realistisches Mittelalterfeeling und neue Stoffe verbinden kann. Für Saramee etwa habe ich auch kein befriedigendes Konzept und wandere auf den Pfaden der Beliebigkeit. Es ist schon schwer, kreativ zu werden, wenn man selbst nicht an das Potential glaubt.

Da hat es Aleš Pickar leichter und griff ganz unbefangen in sein eigenes Wunderhorn. Er schuf für den Eröffnungsband eine Reihe interessanter und recht unterschiedlicher Figuren, versetzte sie in dramatische Situationen, die ihr Leben verändern und lässt im Hintergrund eine weltweite Bedrohung dräuen. Alles spritzig und abwechslungsreich erzählt. Nun muss sich nur noch eine treue Fangemeinde finden, die auf allen neumedialen Wegen eine Fortsetzung fordert.

Mehr zum Inhalt des Buches schrieb ich in meiner Rezi: Die lautlose Woge von Aleš Pickar

Das Business von Märchenfrauen

Während ich Cover und Fotos zur Bebilderung meines Interviews mit Marion Alexa Müller vom periplaneta-Verlag zusammensuchte, fiel mir eine Postkarte in die Hand, die für ein eigenes Buch von Marry warb.

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Evasapfel von Marion Alexa Müller, Cover: Thomas Manegold und Erik Staub

Das hatte ich in Vorbereitung des Interviews komplett übersehen. Evasapfel stammt allerdings auch schon aus dem Jahre 2010 und weder Cover noch Klappentext hätten mich originär dafür interessieren können.

Heute weiß ich das natürlich besser. Nicht nur, dass Marry selbst den titelgebenden Apfel auf dem Cover in der Hand hält, nein die bezaubernde Verlegerin beschenkte mich inzwischen auch mit einem der letzten Exemplare des kleinen Büchleins, sodass ich nicht umhin kam, mein Näschen in ihre Texte zu stecken und auch ihrer Stimme auf der beiliegenden CD zu lauschen.

Mit Businesfrauenmärchen ist das Buch untertitelt und ich stellte mir da etwas ganz anderes vor. Auf keinem Fall hätte ich erwartet, dass sich hinter der freundlichen und so enthusiastischen Marry die Verfasserin von Texten verbirgt, die sich ganz und gar einer großen Lust an fieser Satire, bösem Zynismus und feingesponnenem Doppelsinn hingeben.

Meine Überraschung wurde sogar noch größer, als sich unter den Kurzgeschichten eindeutig SF-Storys hervorwanden.

Kurzum, es war mir eine Freude diese dunkle Seite von Marion Alexa Müller kennenzulernen und wer etwas mehr über die einzelnen Geschichten und Gedichte erfahren möchte, kann es mit meiner Rezi versuchen: Evasapfel von Marion Alexa Müller

Wenn ein Kaffe die Welt verändert hätte

Das Literaturcafé Periplaneta befindet sich in der Bornholmer Straße. Bekannt, berühmt, berüchtigt. Die Straße.

Dabei sollte man auch das Café des gleichnamigen Berliner Verlages mal so langsam kennenlernen, denn seit fast zehn Jahren macht Periplaneta tolle Bücher, beherzte Lesungen und schenkt auch Kaffe aus. Während man diesen oder andere Getränke schlürft, kann man dem Verlag beim Verlegen zuschauen oder eine der vielen Veranstaltungen mitnehmen.

Auch wenn mein Besuch nun schon wieder Ewigkeiten her ist – die Bücher verschlinge ich regelmäßig (Keine Angst, es wurde niemandem auch nur eine Seite gekrümmt!).
Darum dachte ich mir jüngst, es wäre Zeit, der netten Cheffin Marion Alexa Müller ein paar Fragen zum Periplaneta-Universum und dem ganzen Rest zu stellen.

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Marry am Periplaneta-Stand auf der Buch Berlin 2016

Nachdem sie sich aus den Berg an Fragen gewühlt hatte, gab‘s auch Antworten. Unter anderem wies sie darauf hin, dass sich die Welt bestimmt verändert hätte, wären Frau Merkel und Herr Gorbatschow Kaffe trinkende Gäste bei ihr gewesen.
Spannende Überlegungen spülen dabei durch mein gefräßiges Hirn. Was hätte der Kaffe etwa bei Angela Merkel bewirkt? Wäre sie ein magisches Wesen geworden? Hätte sie der Kuss der Fantasie erweckt? Oder wäre alles noch viel schlümmer geworden?

Was auf jeden Fall einen Versuch wert ist: Kauft die Periplaneta-Bücher, liebt euch, das Leben und besucht mal ein nettes Literaturcafé im Prenzlberg.

Das Interview mit Mary ist recht lang geworden, aber es wäre toll, wenn ich euch zum Lesen verführen könnte: Interview mit Marion Alexa Müller

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Auf der Buch Berlin konnte ich kurz mit Verlegerin Marion-Alexa Müller von Periplaneta plaudern. Deren Edition Drachenfliege überrascht seit Jahren mit kleinen Urban-Fantasy Romanen, die immer ein wenig neben der Spur liegen.

Nun erschien dort ein hübscher Leitfaden zum Verfassen von Fantasy-Geschichten und buchgierig wie ich bin, nahm ich dankend ein Rezi-Exemplar mit nach Hause.

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Die Heldformel hrsg. von Mike Kryzwik-Groß und Ralf Kurtsiefer, Cover: Nicole Altenhoff

Im Wesentlichen bezieht sich Herausgeber Mike Kryzwik-Groß auf die von Joseph Campbell und Christopher Vogler entwickelte Struktur einer Heldengeschichte, eben der titelgebenden Heldformel. Das sind bei ihm zwölf Wegpunkte auf einer typischen Queste, deren Abarbeitung einen stimmigen Fantasy-Roman mit Option auf eine Trilogie ergeben können, Schreibtalent und Fantasie vorausgesetzt.

Zur Veranschaulichung gibt es eine nach der Heldformel erschaffene Kurzgeschichte, einem Gemeinschaftsprojekt der Autorinnen Anja Helmers, Melanie Kurtsiefer, Ann-Kathrin Karschnick, Gudrun Schürer sowie der Autoren Christian Lange, Stefan Schweikert und Torsten Exter.

Als Bonusfeature steckt noch eine CD mit eigens für diese Geschichte komponierter Musik von Ralf Kurtsiefer im Büchlein. Klassisch, konservative Orchestermusik, die man problemlos beim Schreiben wie auch beim Lesen im Hintergrund laufen lassen kann.

Ich kann mir vorstellen, dass dieser dünne und kurzweilige Band tatsächlich dabei hilft, spannende Abenteuergeschichten zu verfassen.

Mich reizt so eine Formel natürlich, es erst recht ganz anders zu machen, aber ich bin ja auch kein fleißiger Zeilenschinder, sondern so eher der faule Sack, der von Glück reden kann, überhaupt einmal etwas Prosa auf die Reihe zu bekommen. Da würde dann eher eine Faustimnackenregel helfen.

Ein paar Worte mehr zum Büchlein im Fantasyguide: Die Heldformel herausgegeben von Mike Kryzwik-Groß und Ralf Kurtsiefer.

Die dritte Buch Berlin

Ich liebe Buchmessen und wenn sie quasi um die Ecke stattfinden, mag ich das noch mehr.

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Die Buch Berlin jährte sich zum dritten Mal und fand in der dritten Location statt. Das Estrel ist für seine Shows und das Weihnachtsessen von Frank Zander bekannt und liegt supergünstig am S-Bahnring.

Was die Bahn natürlich nicht davon abhält, just an dem einen Wochenende zu bauen, da ich am S-Bahnhof Sonnenallee aussteigen will. Nun gut, es gab einen Ersatzverkehr vom Bahnhof Plänterwald und er bot, quasi kostenlos, ein besonderes Feature für alle Berlinbesucher: Einen echten Berliner Busfahrer. Die sind nämlich nicht einfach nur nett, die sondern auch etwas ganz Besonderes.

Vom S-Bahnsteig wiesen kleine Schilder zur SEV-Haltestelle. Eine ganz normale Haltestelle, könnte der unbedarfte Fahrgast denken. Bus kam, Leute stiegen aus, wir regennassen Wartenden strömten hinein.

»Dit is hier nur Ausstieg, aber kommse ruhig rin!«, begrüßte uns der Fahrer.

Und tatsächlich, dreißig Meter weiter, hinter einer Kurve verborgen, stand noch ein SEV-Schild. Doch bevor die dort Harrenden einsteigen durften, drehte sich der Fahrer zu uns um, hob den Finger und sah uns streng an:

»Dit hier is der Einstieg, merkense sich dir fürs nächste Mal!«

Berlin pur, da wurde mir gleich ganz heimelig ums Herz.

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Das Estrel im Herbst – urig

Das Estrel ist von außen potthässlich und von Baustellen umgeben, aber tatsächlich bisher der beste Ort für die Messe und ich würde es sehr begrüßen, wenn sie nächstes Jahr wieder dort stattfinden könnte.

Die Stände verteilten sich über zwei große Säle. Der Besucherandrang überstieg meine Erwartungen bei weitem. Ich hatte auch das Gefühl, mehr Stände vorzufinden. Es dominierten Kinderbücher und Romantasy, also nicht ganz meine Favoriten, aber ich konnte einige nette Gespräche führen.

Ganz oben auf der Liste stand der Besuch beim Stand des Beyond Affinity-Verlages, wo Christian Kathan seine Anthologie Die Bibliothek der Tränen vorstellte und für seine im Dezember startende eBook-Reihe Lady Twilight warb. Christian ist feuriges Energiebündel und hätte mit mir wahrscheinlich Stunden lang gequatscht.

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Christian Kathan

Aber ich wollte unbedingt auch noch zu Guido Krain, dessen O.R.I.O.N. Space Opera zum abgefahrendsten gehört, was derzeit an deutschsprachiger SF erscheint. Sex, Slapstik, Abenteuer und Sense of Wonder – außerdem gibt’s da noch die kleine süße Pali …

Am Stand traf ich zunächst auf Frederike Krain, die bessere Hälfte von Guido und Cheffin des Arunya-Verlages, zudem ebenfalls großer Pali-Fan. Stolz präsentierte sie mir ihre Pali-Handtasche und schwärmte vom Pali-Mousepad. Selbstverständlich bat ich sie um ein Foto:

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Frederike Krain links, meine Pali rechts. Oh, Freude, schöner Götterfunken …

Dann kam Guido hinzu und während er mir zwei Bücher signierte, versuchte ich ihm zu erklären, wie wichtig das Überleben gewisser himmlischer Figuren in der Reihe ist. Wenn er nicht auf mich hört, wird seine Verlegerin ihm schon die Notwendigkeit klar machen, da bin ich mir jetzt ganz sicher. Was mich sehr freute, war Guidos Feststellung, dass O.R.I.O.N. sehr gut läuft und der erste Band schon in der zweiten Auflage im Handel sei. Weiter so!

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Pali-Papa: Guido Krain

Neben den Ständen von p.machinery, Saphir im Stahl mit einem breit grinsenden Erik Schreiber, sowie dem Amrûn Verlag, entdeckte ich noch einen alten Bekannten.

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Der Berliner Verlag periplaneta versorgt mich seit Jahren mit überraschender Phantastik und da ich noch ein Interview mit der Verlegerin Marion Alexa Müller in der Pipeline habe, sprach ich sie einfach an.

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Marion Alexa Müller

Ohje, offenbar hatte ich ihr mit meinen Fragen doch eine Menge Arbeit aufgebürdet. Zum Ausgleich nahm ich ein Rezensionsexemplar ihres neuesten Kindes Die Heldenformel mit.

Nun liegt der Ball wieder bei mir.

Da mein Abendprogramm schon länger feststand und ich eigentlich alles mir wichtige abgeklappert hatte, stürzte ich mich dann auch schon wieder in das öffentliche Nahverkehrsabenteuer.

Die Berliner Buchmesse mausert sich und entwickelt nach und nach ihr eigenes Gesicht. Hoffentlich geht der Veranstalter da mit und wird nicht so größenwahnsinnig und geldgeil wie in Leipzig.

Mir gefiel es sehr zu sehen, wie all die schillernden Autorinnen und Autoren ihre Fans fanden. Gedränge gab es bei so vielen Ständen und auch wenn mir schon die Cover ziemlich deutlich offenbarten, nicht zur Zielgruppe zu gehören, macht es mich doch irgendwie glücklich, dass hier Bücher und Geschichten im Mittelpunkt stehen.

Und um mit einem Zitat aus dem Leben zu enden:

»Dit hier is der Einstieg, merkense sich dir fürs nächste Mal!«

Wenn’s mal wieder Buch sein soll

Es war Buchmesse und keiner wusste davon, oder?

Die 2. Buch Berlin

Die 2. Buch Berlin

Okay, die Buch Berlin ist in ihrem zweiten Jahr, also noch superjung und knuddelig. Sie fand dieses Mal nicht um die Ecke statt und daher musste schon etwas Anreiz her, um in den wilden Westen zu fahren.

So traf es sich ganz gut, dass Holger M. Pohl mit seiner hübscheren Hälfte in Berlin weilte und unbedingt das Otherland kennenlernen wollte.

Arkland, Holger und das Otherland

Arkland, Holger und das Otherland

Dort besorgte ich mir gleich von Thomas Ziegler Stimmen der Nacht, der im Dezember im SFN-Klassikerlesezirkel vernascht werden soll.

Es war natürlich nicht meine einzige Erwerbung, aber als es beim Bezahlen darum ging, was wir noch schönes vorhätten, stellte es sich doch glatt heraus, dass unsere Lieblingsbuchhandlung von der Buchmesse gar nichts wusste. Da hat wohl eine ganze Lobbyisten-Division geschlafen.

Kaum von weitem zu verfehlen, die Buch Berlin im Logenhaus

Kaum von weitem zu verfehlen, die Buch Berlin im Logenhaus

Die waren aber alle schon im Logenhaus. Dieses urige Gebäude liegt in der Nähe meiner ehemaligen Arbeisstätte und besitzt doch ein etwas edleres Ambiente als die HTW in Karlshorst, wo die Messe letztes Jahr zu Gast war.

Eins blieb aber gleich: Die Ausschilderung des Events. Führten in Karshorst wenigstens noch Schilder zum Event, verbarg man sich Wilmersdorf gleich ganz vor der Öffentlichkeit.

Im Innern war es dann aber gemütlich. Tina von Torsten Low-Verlag begrüßte uns überschwenglich, Holgers Arkland erschien dort nämlich und am Sonntag stand auch eine Lesung an.

Torsten Low und sein Autor

Torsten Low und sein Autor

Während man in Karlshorst alles in einem riesigen Saal präsentierte, schlängelten sie dieses Jahr die Stände in zwei Etagen durch mehrere kleine Räume und einem mittelgroßen Saal. Es gab eine ähnliche Durchmischung von Kleinverlagen, deren Fokus auf Kinderbüchern, romantischer Fantasy und Berlinliteratur zu liegen schien.

Ich kaufte mir dieses Jahr endlich aus der Reihe Menschen und Orte aus der Edition A B Fischer den Band über Virginia Woolf in Rodmell, den ich schon letztes Jahr ins Auge fasste.

Verleger Bernd Fischer

Verleger Bernd Fischer

Am Stand von Periplaneta hoffte ich Steve Bürk oder Robert Rescue anzutreffen, da beide auf dem Programm standen, doch als ich nach ihnen frug, konnte mir die Verlegerin nur empfehlen, ihr zu folgen, denn just die Lesung von Robert Rescue stand kurz bevor.

Sarah Strehle und Marion Alexa Müller von Periplaneta

Sarah Strehle und Marion Alexa Müller von Periplaneta

Der Raum für die Lesungen stellte sich als definitiv ansprechender heraus, als die Sichtschutzverblendete Bühne des letzten Jahres.

 

Vor Robert Rescue erlebten wir noch einen begeisterten Tobias Roth, der über ein sehr schräges Bändchen referierte, das er übersetzte. Dabei handelt es sich um Aufzeichnungen des päpstlichen Koches aus dem 16. Jahrhundert, der darin auflistete, was man zum Jahrestag der Ernennung zu Essen auftischte. Obwohl der aktuelle Papst asketisch lebte, gabs an diesem Tag 13 Kilo Essen für jeden Gast, wobei nicht alles mit seinem Gewicht benannt wurde.

Tobias Roth

Tobias Roth

Das kleine Büchlein könnte man sich besorgen um mal bei einer Fete nebenbei ein paar Fan Facts abzufeuern.

Robert Rescue ist ein alter Lesebühnen-Hase und präsentierte kleine Geschichten aus dem Leben, die in erster Linie seinen Ich-Erzähler in die Opferrolle stellen und sich darüber genüsslich amüsieren.

Robert Rescue

Robert Rescue

Hinterher konnte ich mich kurz als Leser des Intimitätendiebs und Fan der Temporären Kneipe outen und erfuhr auch gleich etwas über Fortsetzungspläne und die damit behafteten Schwierigkeiten.

Das war’s dann aber auch schon für uns. Wir eilten heim, denn auf uns wartete die Extended Version der Schlacht der fünf Heere. Mehr Buch geht ja wohl nicht!

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