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Wenn der Schnauzbart schnell noch zuckt

Auch wenn ich immer lästere, keine Gegenwartsliteratur zu mögen, les ich sie doch. Eher selten tagesaktuell, aber man bekommt ja so mit, wer sich einen Namen gemacht hat. Noch besser läuft es natürlich, wenn sich mir ein Name einprägt, weil er andere inspirierte.
So ging es mir mit Smoke und Paul Auster. Der Film faszinierte mich durch seine Stimmung und liebevolle Erzählweise. Seitdem hatte ich im Hinterkopf, mir mal die literarische Vorlage anzusehen. Allerdings kam es nun ganz anders. Im Krabbeltisch einer Buchhandlung lächelte mich Das Buch der Illusionen an und ganz spontan entschied ich mich, hier nun die Kontaktaufnahme mit Auster zu beginnen, ganz unabhängig davon, ob es mit Brooklyn zu tun hat.

BuchDerIllusionen

Das Buch der Illusionen von Paul Auster, Cover: Cathrin Günther

Markus Mäurer meinte gleich als ich von meinem Lektürebeginn berichtete, dass es nun nicht Austers bestes Werk sei und damit bin ich sogar ganz glücklich, bleibt mir so ja die Steigerung nach oben.
Ja, das Buch der Illusionen hinterließ mich unsicher, ob ich’s gut oder nicht so toll finde.
Es geht um einen US-amerikanischen Literaturprofessor, der Frau und Kinder bei einem Flugzeugabsturz verlor. Aus seiner Trauer findet er eher zufällig heraus, als ihn ein Stummfilmstar zum Lachen bringt. Bald ist er von diesem Hector Mann fasziniert, der 1929 nach nur zwölf Kurzfilmen spurlos verschwand, gerade, als er sich einen Namen gemacht hatte. David Zimmer beginnt eine Monographie über Mann zu schreiben, die einzige bis dato. Und dann bekommt er einen Brief …

Austers Beschreibung des fiktiven, genialen Stummfilmregisseurs und Komikers sind ungemein fesselnd. Er beschreibt ganze Filme, erklärt, warum der leidgeplagte David Zimmer derartig tief berührt wird und erwischt mich damit auch. Auch die kurze, leidenschaftliche Liebesbeziehung ist feinfühlig und traurigschön erzählt.

Schwierig wird es, wenn ich versuche, dem Ganzen eine Bedeutung zu geben. So recht klar wird mir nicht, warum mir der Bericht von David Zimmer über diese Episode in seinem Leben vorgelegt wird. Geht es um Trauerbewältigung, um Verluste persönlicher oder kultureller Art?
Irgendetwas fehlt dem Buch, ich kann es nicht genau benennen. Vielleicht hat Auster sein Buch wie einen Film gesehen. Die Atmosphäre der Bilder überschwemmt den Betrachter. Das Finale hämmert ihn dann in die Nacht mit dem Gefühl, Kino ist unsterblich, wenn es solche Stoffe dafür gibt.
Meine Rezi im Fantasyguide: Das Buch der Illusionen von Paul Auster

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