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Schattenspeier

Phantastische Anthologien sind zumeist reine Liebhaberprojekte. Ebenso muss man die Phantastik schon ganz doll lieb haben, um sich so etwas zu kaufen und das lustvolle Lesen kommt dann quasi hinter drein gezuckelt.

Da ich ein gutes Herz für Bücher habe und Christian Kathan unglaublich euphorisch schwärmen kann, nutzte ich meinen Besuch der Buch Berlin vor ein paar Wochen, um ganz druckfrisch Die Bibliothek der Tränen am Stand des Beyond Affinity Verlages zu erwerben.

Normalerweise beginnt danach für ein solches Büchlein der Gang durch die Instanzen meiner Stapel ungelesener Bücher, aber was ist in diesem Jahr schon normal?

Jedenfalls flutsche es mir irgendwie wieder in die Griffel.

bibdertraenen

Die Bibliothek der Tränen hrsg. von Christian Kathan, Cover von Lothar Bauer

Das Buch enthält vierzehn Geschichten, darunter klassische SF-Storys, Fantasy, Märchen und kunterbunte Mischwesen, einzig die Stimmung ist fast durchgängig düster.

Zu meine Favoriten gehört gleich die Titelstory von Marius Kuhle. Schon die Idee einer Bibliothek der Tränen ist krass, der Plottwist lässt einen angespannt ausatmen.

Auch Nina Horvath schon niemanden in Geplante Obsoleszenz. Ihre sehr persönlich erzählte SF-Story enthält viel Furchtbares, dem man ähnlich hilflos ausgeliefert ist, wie ihre Hauptfigur. Nina hat schon immer klasse Geschichten geschrieben.

Und dann ist da noch Ein Lied aus Feuer, Beton und Silberpapier von Martin Rüsch. Die Erzählung um einen anderstickenden Jugendlichen in dessen Welt eine verrückte Frau schneit, gefiel mir in diesem Büchlein am besten. Vielleicht, weil ich so eine Mischform der Phantastik einfach mag.

Die Gegenwartsliteratur ist voll von Geschichten über psychisch angeknackste Menschen. Wenn ich mir die Nominierungslisten der gängigen Buchpreise anschaue, sehe ich stets dieselben Themen und es ist auch völlig legitim, darüber zu schreiben, aber um mich dafür zu interessieren, reicht die superdüstere Realität nicht aus. Das kann ultragut geschrieben sein, ohne phantastische Elemente find ich‘s langweilig.

Darum mag ich Matt Ruff, Thomas Pynchon, Richard Lorenz und eben die Geschichte von Martin Rüsch.

Phantastik ist für mich die Meisterklasse der Belletristik und darum lass ich mich auch immer wieder dazu verführen, kleine feine Anthos aus Kleinverlagen zu besprechen: Die Bibliothek der Tränen hrsg. von Christian Kathan

Ehrt das Cover!

Es ist ja üblich geworden, bei der Herstellung von Büchern zu sparen. Sei es am Lektorat, am Korrektorat oder eben an der Covergestaltung. Heraus kommen generische Produkte, lieblose Massenware.
In der Kleinverlagsszene hingegen hat sich über die Jahre hinweg eine eigene Kultur entwickelt. Hier können sich viele Talente austoben, wenn auch oft gering oder gar nicht entlohnt.
Aber zumindest bieten sich so Trittbretter. Einen dieser aufstrebenden Cover-Künstler habe ich für den Fantasyguide interviewt:
Lother Bauer im Gespräch.

Ein Beispiel:
Cover zum 5. Sonderband SF-Serie Rettungskreuzer Ikarus Die Auserwählte herausgegeben von Irene Salzmann, erschienen bei AtlantisCover zum 5. Sonderband SF-Serie Rettungskreuzer Ikarus Die Auserwählte herausgegeben von Irene Salzmann, erschienen bei Atlantis

Die Auswertung des DSFP ist auch durch. Bei den Kurzgeschichten hat eine gute Story gewonnen, bei den Roman leider, wie von Frank Böhmert erwartet, der große Name. Schade, denn es gab sehr viele deutlich bessere Romane in 2013. Somit ist bereits das zweite Jahr meiner Jury-Mitgliedschaft eher enttäuschend ausgefallen und ich überlege wirklich, mir das weiterhin anzutun. 🙄
Die offizielle Bekanntgabe poste ich, sobald sie raus ist.

Und noch etwas ganz anderes.

In der Blogosphäre kreisen gerade Artikel zu einem Bericht auf http://buzzaldrins.com/. Dort geht es um Literatur-Blogs und ihren Wert als Literatur-Kritik.
Ich nutze dieses Blog hier ja auch, um über meine Lektüren zu schreiben. Allerdings stelle ich vollwertige Rezensionen immer in den Fantasyguide und verlinke sie hier. Im Unterschied zu den Rezensionen versuche ich bei meinen Kommentaren hier im Blog, persönlicher zu sein, meine Meinung deutlich auszudrücken. Hier kann ich darüber fluchen, welches Elfenwerk der Jeschke fabriziert oder wir unterirdisch bieder der Zwack schreibt.
So sehe ich den Unterschied. Ein Blog ist persönlicher, mehr Emotionen weniger Argumente. In den Rezensionen bemühe ich mich, sachlicher zu sein, eventuelle Hintergründe des Werkes zu beleuchten und es in einen Kontext zu setzen, soweit es geht. Manchmal lassen sich Verknüpfungen zum Leben der AutorInnen herstellen, manchmal ignoriere ich deren eventuelle Intentionen und interpretiere das Werk aus sich selbst heraus. Je nach Lust, Laune und Lektüre.
Was ich jedoch nicht machen will, sind erweiterte Inhaltsangaben oder eine Wiedergabe von Pressetexten. Zum Glück kann ich unabhängig schreiben, ohne Druck von Verlagen oder AutorInnen. Das bedingt natürlich, dass ich Kritik begründe. Selbst bei Rezensionsexemplaren, die ich kostenlos erhalte, weiche ich davon nicht ab. Und es gibt genügend Bücher, die ich einfach so lese und rezensiere.

Denn das Schönste an diesem Hobby in diesem Land und dieser Zeit ist die Freiheit, seine Meinung äußern zu können. Keine Selbstverständlichkeit und keine unangefochtene Sache.

Und so sehr es auch in Bauch und Fäusten grummelt, bedeutet diese Freiheit eben auch, die Meinung anderer zu akzeptieren.

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