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Etwas beleidigte Leberwurst zur Pretzell

Politisches Kabarett ist keine leichte Sache. Da meine Witze eh kaum jemand versteht, versuche ich es erst gar nicht. Der Kueperpunk hingegen konnte sich eine treue Second Life Fangemeinde erarbeiten, vor der er immer wieder gerne auftritt und die ihn nicht einmal mit geschmacksneutralen, weil virtuellen Tomaten bewirft.

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Das offizielle Poster zur Show

Am Sonntag präsentierte er kurzfristig, aber aus gegebenem Anlass seine Show Der Gutmensch kehrt zurück im Theater der Brennenden Buchstaben. Es ging natürlich um die Wahl und das Problem mit Menschen, die es als Protest ansehen, Nazis zu wählen.

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Thorsten Küper ist einer der 87%

Das Motto »Ich bin 87%« prangte überall im Theater und es bezog sich auf den Anteil jener, die nicht Ultrarechts wählten.

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Auch alles 87%

Der Kueperpunk baute in seinen Text auch einen Blogbeitrag seiner holden Gattin ein und insgesamt stand der Abend nicht im Zeichen hoher Gagdichte, sondern einer pointierten und bitterbösen Abrechnung mit menschlicher Dummheit.

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Buk Tom Bloch spazierte mit einem Plakat herum und wies einige Male auf gegen ihn gerichtete Diskriminierung hin.

Sehr froh war ich auch, den Avatar von Bernhard Giersche zu sehen. Bernhard kämpft derzeit gegen Karl, wie er seinen Krebs nennt, und schreibt gegen ihn gerade mit aller Macht an. Am 05. November will er das fertige Buch in Second Live präsentieren – Monate nach dem ihm prognostizierten Ende. Ich werde im Publikum sitzen! Es war schön, dass er noch ein paar Worte nach Küpers Auftritt sprach. Meine Daumen bleiben gedrückt für ihn.

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Berhard Giersche im Gespräch mit dem Kueperpunk

Wer noch mehr bösen Rant zur Lage der Nation lesen möchte, dem empfehle ich die kleine Beitragsreihe Wo ich lebe von Uschi Zietsch auf ihrem Blog. Gerade heute, da sich PolitikerInnen wieder dafür auf die Schulter klopfen, irgendwann einen Vertrag unterschrieben zu haben, tut es Not darauf hinzuweisen, dass man in der BRD eine ganze Reihe von Dingen gar nicht wertschätzt. Etwa Sozialleistungen oder Kreativität. Es gibt heute nichts zu feiern.

Euch allen einen schönen freien Tag!

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Kann mal ein Erwachsener übernehmen?

Wenn Zwerge im Spiel sind, werde ich weich. Kein Wunder also, dass ich mir eine ganz besondere Lesung dick im Kalender anstrich: Gestern stellte Swantje Niemann die Neuausgabe ihres Romans Drúdir im Bastelladen und Steampunk-Café mit Liebe selbstgemacht vor.

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mit Liebe selbstgemacht in der Greifswalder Straße 150

Der Roman erschien zunächst bei neobooks, aber auf der letzten Buch Berlin  sprach Swantje Holger Kliemannel von der Edition Roter Drache an und ein freier Programmslot später sowie nach einem guteingelegten Wort von Anja Bagus, liegt nun das dicke Taschenbuch mit neuem Cover vor uns.

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Drúdir von Swantje Niemann, Cover: Jörg Schlonies

Zum Glück musste ich nicht ganz allein in die Greifswalder Straße 150 fahren. TFA aus dem Forum des SF-Netzwerkes hatte schon länger einen Blick auf Buch und Autorin geworfen und schloss sich der Lesungsexpedition freudig an. Er kannte auch das alte Cover und lobte deren Vorzüge. Auf der Homepage von Swantje kann man ihre eigenen Skizzen betrachten, die dem neuen Cover als Vorlage dienten.
Es zeigt nun zwei wichtige Figuren des Buches. Zum einen die Automate, ein gefährliches Mischwesen aus Metall, Magie und Zwergenresten und natürlich Titelheld Drúdir selbst. Swantje erzählte von ihrer Befürchtungen, mit den Bildern die Fantasie ihrer Leserschaft zu sehr voreinzustellen, aber das ist nicht leicht vorherzusehen.

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Arne aus der Danksagung und Swantje vor der Lesung beim Tee

Zunächst konnten wir uns in dem schicken Laden umsehen. Der vordere Teil mit dem Café steht ganz im Zeichen des Steampunks und ist entsprechend geschmückt.

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Die Details sind wichtig

Im hinteren Teil befinden sich die Regale mit Bastelutensilien und ein Raum für Kreativkurse. Dort fand auch die Lesung statt. Sehr hübsch war die alte Schreibmaschine, die auf dem Lesungstisch stand und somit auch hier eine gediegene Steampunkatmosphäre verbreitete.

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Das Licht der Magie

Swantje hatte extra Kuchen gebacken und als besonderes Event eine Verlosung angekündigt für alle die in Steampunkkostümen auftauchten. Da ich so etwas nicht besitze, musste ich auf diesen Programmpunkt verzichten.

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Haben mehr Kalorien als eine Fantasy-Trilogie Seiten

Nachdem sich die Autorin noch mit einem stilistisch passendes Korsett umgab, begann die Lesung.

Zunächst erlebten wir Drúdirs Begegnung mit seinem toten Lehrer, Uhrmacher Fragar. Der junge Zwerg, kaum 40, hat nämlich eine ganz besondere Fähigkeit. In einer Zeit, da Magie schon seit vielen Jahrzehnten verschollen ist, spürt er ihre Netze und kann die Erinnerungen der Toten sehen. So erlebt er den Mord an Fragar mit.
In einer zweiten Szene lernen wir die Automate vom Titelbild kennen und zum Schluss gab es noch einen epischen Blick auf die unterirdische Seestadt Schwarzspiegel, die mir ganz besonders gut gefiel. Mal wieder eine richtig coole Zwergenmetropole.

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Swantje freute sich sehr über die Fragen

Die Fragerunde rettete ein junger Fan, der als erstes fragte, ob der Mörder ein Elf sein, was auch meine Vermutung war. Doch Swantje verriet nix.

Dann erkundigte er sich nach Band 2. In der Tat hat Swantje den zweiten Teil bereits fertig, da ihr Ende des Sommers einige zündende Ideen kamen und ein/zwei davon waren sogar gut. Nach einer weiteren Überarbeitung Ende des Jahres wird er an den Verlag gehen und planmäßig 2019 erscheinen. Einen Titel hat sie bisher noch nicht, sodass auch die Vorankündigung am Ende des ersten Bandes noch vage bleibt.
Einen dritten Band wird es wohl auch geben, da Duologien in der Fantasie unüblich sind und man eine Trilogie erwarten würde.

»Jetzt muss ich mir irgendwas einfallen lassen und behaupten, es sei von Anfang an geplant gewesen.«

Der zweite Band spielt dann weiter im Süden, nicht mehr in der Union mit ihren Zwergen, sondern bei den Menschen, die im ersten Band keine besondere Rolle einnehmen.
Drúdir wird weiterhin im Zentrum stehen und Swantje hat ein sehr klares Bild von ihm im Kopf:

»Er sieht sich selbst noch als sehr jung: Huch, ich hab mich grad erst an das Erwachsenwerden gewöhnt … und meine Magie … und oha, kann bitte ein Erwachsener übernehmen? Würde er selbst so nie sagen, aber er fühlt ein bisschen so.«

Spannend wurde dann die Diskussion, mit welchen Waffen die verschiedenen Rassen meucheln würden und ob ein Elf Nackenschmerzen bekäme, wenn er einem Zwerg versucht, die Kehle durchzuschneiden. Anatomisch korrekte Fantasy ist etwas Schönes!

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Sorgt sich um Elfennacken

Viele Gedanken hat sich Swantje auch um die politische Struktur ihrer Welt gemacht.
Die Zwerge konnten sich durch den Wegfall der Magie aus ihrer Unterdrückerrolle befreien und durch die Erfindung der Dampfmaschine eine industrielle Revolution einläuten. Eine dadurch beginnende Demokratisierung ist»eine Versuch- und Irrtumentwicklung und sie steuern gerade auf einen sehr großen Irrtum zu.«

Eine große Rolle spielt auch das Land der Elfen.

»Es gibt zwei Länder der Elfen, weil ich Problem mit monolithischen Kulturen in der Fantasy habe.«

Ganz klassisch geteilt in integrationswillige und in traditionell lebende Elfen. So kennt man die Spitzohren ja.

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Was schreibt man rein?

Für mich klingt das alles ganz spannend und das (natürlich signierte) Buch landet direkt auf meinem Nahzeit-SUB. Der Herbst ist lang, der Winter kommt und von irgendwas muss man ja leben.

Von der Mauer segelt ein unbeschriebenes Blatt

Das Literarische Colloquium Berlin verführt mich immer wieder mal, mich mit Künstlern zu beschäftigen, von denen ich kaum mehr kenne, als ihren Namen.
Und Durs Grünbein ist schon ein beachtlicher Name, ein unvergesslicher Name.
Ich wusste, dass er Dichter ist und vermutlich las ich in der fernsten Jugendzeit auch einen Text von ihm, jedoch seit ich Lyrik eher im Netz verfolge, geschieht es selten, dass mir ein Analoger begegnet.
Diese Begegnungen im LCB sind dann auch ehrwürdig, ehrfürchtig sogar und hoch interessant.

Durs Grünbein präsentierte zum Herbstanfang seinen jüngsten Gedichtband Zündkerzen.

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Zündkerzen von Durs Grünbein, Cover: Regina Göllner und Hermann Michels

»Sowas kommt alle fünf bis sechs Jahre vor, dann kann man wieder eine Ernte halten.«

Er hatte sich als Gesprächspartner Cord Riechelmann gewünscht. Ein Biologe, der neben seiner Forschung auch journalistische Texte zu Tieren in Stadträumen schreibt, etwa für die faz.

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Cord Riechelmann und Durs Grünbein

Das passte sehr gut zusammen, da Durs Grünbein viel über Spatzen und Mauersegler zu berichten und Cord Riechelmann diese Themen in der Lyrik zu schätzen weiß.
Das Gespräch war dementsprechend auch sehr entspannt und freundschaftlich.
Ich hatte das Vergnügen, hinter mir offenbar Tochter und Frau von Durs Grünbein beim intensiven Auswerten des Abends erleben zu dürfen, was zur lockeren Atmosphäre eine familiäre Note hinzufügte. das ist natürlich unfair, weil man gar nicht schlechtgelaunt sein konnte.

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Durs Grünbein im Gespräch

Die vorgetragenen Gedichte berührten mehrere Komplexe. Zunächst ging es um den kleinen Wunsch, noch einmal ein unbeschriebenes Blatt sein zu können. Diverse Piniengedichte untersuchten sprachliche Assoziationen von Pin bis Pinguin und bogen mühelos in politische und soziale Nebenstraßen ab.
Zum Schluss ging es dann um Primaten, ihr Lebensgefängnis im Zoo, was man daraus für uns Menschen ableiten kann und wie es kleine Vögel schaffen, Forscher zum Fröhlichsein zu bewegen, die eigentlich nach Wegen suchen, Soldaten zu effizienteren Kriegern zu schmieden.

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Ich ließ mir meine Zündkerzen signieren, in Bunt!

Die Lyrik von Durs Grünbein liegt schon ziemlich auf meiner Linie und es war mir ein großes Vergnügen, beide kennen gelernt zu haben.

Und bist Du nicht willig, dann dicht’ ich!

Die Lektüre von Marion Alexa Müllers Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren hatte ich große Lust, sie wieder einmal live zu erleben und anstatt mir ein Politikdiskussion in einem aussterbenden Medium anzuschauen, besuchte ich also die Lesebühne Vision und Wahn im Periplaneta Literaturcafé.

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In der Bornholmer Straße

Die Lesebühne feierte das Erscheinen ihrer vierten Anthologie mit dem hübschen Namen Die Einsamkeit des Hurenkindes und fünf der darin vertretenen Künstlerinnen und Künstler gaben einen kleinen Einblick in das Wesen dieser literarischen Darreichungsform.

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Man zahlt, um zu gehen in die Künstlerkassenkanne ein

Thomas Manegold moderierte den bunten Abend mit präsenter Lässigkeit und eröffnete ihn mit der Präambel des Hurenkindes, in der es um das tragische Schicksal eines Hardcovers ging, und erklärte auch für alle Satzfehlerunwissenden, worin der Charme eines Hurenkindes läge.

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Hackerversteher Tom

Tom durfte dann auch in seiner Anmoderation von DerJesko auf den hübschen Artikel im Künstlernamen von Jesko Habert hinweisen, der uns sodann eine Kostprobe seiner Slampoetry bot.

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DerJesko

Im Anschluss kredenzte Marry dann tatsächlich einen Text aus Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren, der quasi einem Schwein gewidmet ist und natürlich gewohnt böse endet. Übrigens merkte sie an, dass man ihrem Text ein Hurenkind versagte. Wer hat da wieder nicht aufgepasst?

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Nicht mal ein klitzekleines Hurenkindlein für die Cheffin

Als Stimmungsaufheller angekündigt, berichtete Robert Rescue knochentrocken aus dem Alltag einer verschwundenen Kulturinstitution, der DVD-Theke.

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Robert Rescue lieh sich einst DVDs

In die Pause säuselte uns wieder einmal Josias Ender, dessen zweite EP nun endlich erhältlich ist.

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Zurück aus den Wäldern – Josias Ender

Voller Neugierde stürzte ich mich, kaum dass die Tore wieder offenstanden, auf Robert Rescue, da ich mir Neuigkeiten zum Intimitätendieb 2 erhoffte. Jedoch steht das nun nicht auf seiner Projektliste ganz oben. Zunächst wird im Herbst ein weiterer Band mit skurrilen Wedding-Geschichten erscheinen. Aber der Phantastik bleibt er hold verbunden und arbeitet auch schon an einem neuen Roman. Thema wird eine komplizierte Art der Unsterblichkeit sein. Sein Hauptfokus liegt aber auf einer Reihe Geschichten um einen phantastischen Ermittler mit Technologiebezug. Die erste Episode wird es wahrscheinlich zur nächsten Drachenfliege Fantasynacht am 28.10.2017 geben und ich hoffe sehr, dass ich diesen Termin mal nicht verpasse.

Marry brach gleich nach der Pause eine feine Lanze für die Lyrik. Sadismus in der Buchbranche erschien bereits auf ihrem Blog und ich finde ihren Kampf für die Verbreitung von Lyrikbändchen heldenhaft, mutig und unbedingt fortführenswert. Ich hätte da auch noch ein paar hundert Gedichte …

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Muse Marry

DerJesko erdete uns danach aber nicht, sondern entführte uns erneut in seine Welt entschwindender Regentropfen. Um das nochmal nachlesen zu können, lohnt sich der Kauf der Einsamkeit des Hurenkindes unbedingt, auch wenn solch Text in der ganz besonderen Vortragsweise, die immer wieder in einen schnellen Rap rutscht, auf jeden Fall ein Erlebnis ist.

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Elogien mit Beat – DerJesko

Sarah Strehle fing vor einigen Jahren als Praktikantin bei Periplaneta an und wünschte sich einen Job als Lektorin. Da man aber bei Periplaneta unbedingt auch schreiben muss, stand sie bald selbst auf der Bühne. Nun präsentierte sie uns ihren allerersten Text und der war ein todtrauriges Mahnmal gegen Gewalt.

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Leg Dich nie mit der Lektorin an: Sarah Strehle

Nach  dieser harten Story irritierte Tom sein Publikum kurz, als er sich über den letzten Tatort verwundert zeigte, der sich erst nach einer Stunde als TV-Duell zu erkennen gab. Passender Weise trug er denn auch einen Text vor, der zur letzten Bundestagswahl entstanden war und sich zu seinem Grauen mit wenigen Änderungen aktualisieren ließ. Toms Ärger wurde mit jeder Zeile deutlicher.

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Wahltag ist immer noch Zahltag

Tja, er hat schon Recht, am Wahltag versenken wir unsere Stimme in einer Urne. Wenn das kein trübes Bild ist. Übrigens gab Tom auch eine Empfehlung zum Flughafen Tegel ab. Oder auch nicht.

Klar, dass nun Robert Rescue gefragt war. Mit radikaler Freundlichkeit erfüllte er sein Amt und brachte die Helligkeit zurück. Natürlich sind seine bangen Air-Berlin-Ängste auch eher tragischer Natur, aber eben sehr erhellend.

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Hätte gern Schokoherzen gehortet.

Dann war auch schon wieder Zeit, dass Josias uns federleicht in die Nacht entließ.

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Der sanfte Ausklang des Abends

Zwischen Hustenbonbons, Hirnkuchen und Bier passt immer auch noch Literatur. Das Ergebnis sind Visionen und Wahn. Eine phantastische Mischung! Das Periplaneta-Jubiläumsjahr ist aber noch nicht zu Ende: Am 15.09. wird das Zehnjährige gehörig gefeiert und wer das Buch zum Bier zu schätzen weiß, sollte vorbeischauen!

Am Ende des Gemetzels sollst du ihn lieben

Ann Leckie weilte gestern im Otherland und da ich schon fast auf dem Flug in den Süden bin, hier nur ganz kurz ein kleiner Bericht mit ein paar Bilderlein.

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Wolfgang Tress, Simon Weinert und Ann Leckie

Wolfgang und Simon waren stolz wie Bolle, Ann Leckie in ihrer proppevollen Buchhandlung begrüßen zu dürfen. Ann kam via München aus Spanien und zeigte sich vom Wetter unbeeindruckt.

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Ann Leckie

Sie ist eine sehr freundliche, offene Frau mit klaren Worten und feiner Selbstironie, die gern lacht.

Aus ihrem jüngsten Buch las sie nicht vor, das entsprechende Kapitel war wohl zu lang, dafür gab es einen witzigen Auszug aus Band Drei ihrer Imperial Radch Trilogie, in der es um Translator-Identifikationsprobleme ging. Das las Ann mehr als passabel und schlussendlich überzeugte sie mich, die Trilogie nun doch noch komplett zu lesen.

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Ann las aus »Ancillary Mercy«

Der Frageteil hatte es in sich. Neben Fragen zum Schreiben, Lieblingsfiguren und Erfolgskonzepten ging es auch um die Genderproblematik. Passenderweise befand sich ihr deutscher Übersetzer Bernhard Kempen im Publikum, sodass es hier kompetente Auskünfte gab.

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Bernhard Kempen

Sehr spannend fand ich ihre Anekdote um die dramatische Tempelszene, deren Bedeutung für die Liebesgeschichte definitiv davon abhängt, an welcher Stelle sie sich im Roman befindet. Zum Glück war sie durch ein Hinweis während des Probelesens vorgewarnt und konnte dem Lektor ausreden, diese Szene an den Anfang des Romans zu stellen.

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Margaret Atwood und Ian M. Banks schauten ihr über die Schulter

Es war ein wunderbarer Abend und ich ließ mir mein Exemplar von Die Maschinen nicht nur von Ann sondern auch von Bernhard signieren.

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Ann beim Signieren

Die Crew des Otherlands ist einfach großartig im Organisieren sensationeller Buch-Events. Morgen, wenn Marko Kloos wieder einmal dort aufschlägt, bin ich aber bereits außer Landes.

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Bernhard kam auch nicht drumherum

Der Fluch lokaler Feiertage

Die Literatur kennt keine Sommerlöcher und erst Recht nicht die Kunstgemeinde in Second Life.
Dort fand am Sonntag wieder einmal eine feine Lesung statt: Jens Gehres entführte uns in die Ætherwelt, einem Steampunkuniversum, von Anja Bagus kreiert und inzwischen von einer ganzen Reihe Autorinnen und Autoren mit Stories bereichert.
Jens las Reinigendes Feuer, bereits seine dritte Kurzgeschichte im Ætheruniversum. Seine allererste überhaupt veröffentlichte Story findet sich übrigens in der ersten Ætheranthologie, Ætherseelen. Alle Geschichten sind aber abgeschlossen und unabhängig voneinander lesbar.

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Das Anwesen derer von Wolfenberg

Jens begann schon in der Schule zu schreiben und interessierte sich für Steampunk. Die Ætherwelt von Anja Bagus lernte er 2014 kennengelernt. Seine Frau konnte sich dafür sofort begeistern, er erst später. Danach traf er Anja auf einem Con und eine Freundschaft begann.
Bald darauf beteiligte er sich an einer Halloween-Ausschreibung von Anja und fand damit zurück zum Schreiben. Inzwischen gibt es drei Kurzgeschichten, die zusammen etwa knapp 40 DIN A4 Seiten füllen. Ein SF-Roman, den er im NaNoWriMo geschrieben hat, befindet sich derzeit in der Überarbeitung.
Als erfahrener Vorleser – er liest seinen beiden Kindern seit acht Jahren täglich vor – bestritt er die Lesung komplett alleine – und überzog gnadenlos!

Die fulminante Ætherpunkkulisse stammte erneut von Barlok Barbosa. Thorsten Küper schwärmte bereits seit Wochen allerorten vom wunderschönen Auto für die Herrschaften vom Amt für Ætherangelegenheiten.

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Das Æthermobil

Die Lesung wurde erstmals live auf Youtube gestreamt, man hätte also auch ohne SL-Account dabei sein können.
Es waren 15 Avatare eingeloggt. Vorab setzte sich Barlok an den Flügel und klimperte ein paar stimmungsvolle Melodien, während die wie immer bezaubernd anzusehende ClaireDiLuna Chevalier dazu tanzte.

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Barlok und ClaireDiLuna

Jens betonte zu Beginn der Lesung, dass das herrliche Bühnenbild in der Tat alles aufweise, was in der Handlung seiner Geschichte vorkommen werde. Die Uniform seines Avatars etwa passt zur Hauptfigur, Baron von Wolfenberg, einem Kavallerieoffizier. Er wohnt im Herrenhaus eines Gestütes, welches Pferde für die badische Armee züchtet.

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Links sitzt der fleißige Kameramann, in der Mitte als Baron, Autor  Jens Gehres und rechts der Kueperpunk

Handlungszeitpunkt ist die Walpurgisnacht von 1913. Dem Baron wird der Besuch des Amtes für Ætherangelegenheiten angekündigt, die sich mit den Gerüchten über den angeblichen Tod der Gattin des Barons, Ilse, befasst.
Die starb tatsächlich, vergiftet von der Schwägerin des Barons in der Nacht ihrer Niederkunft, doch der liebende Gemahl trug den leblosen Körper seiner Frau in die vom Æther verseuchten Auen seines Anwesens. Am Morgen kehrte sie als Veränderte zurück …

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Das grüne Leuchten weist den Weg zum Æther

Die Geschichte entwickelt sich schnell zu einer atemlosen Geisterjagd, bei der Kenntnisse um die Besonderheiten von Maifeuer eine besondere Bedeutung gewinnen. Die Reaktionen waren euphorisch, ich glaube, dass es allen Lauschenden großen Spaß machte.

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Im Rauchsalon fand sich eine illustre Gesellschaft zusammen

Jens arbeitet gerade an Beiträgen für zwei SF-Anthologien, darunter zum Thema Reiseziel Utopia für die Phanta-News. Treffen kann man ihn als Nächstes beim FaRK vom 25.-28.08.2017. Wer also dort ist, kann ihn ja mal in Sachen Ætherangelegenheiten ansprechen.

Geburten lupfen Spaß

Wenn ich’s richtig geschoben und gedeutet habe, ist der heutige Blogtitel ein Anagramm von: Lesung Bert Papenfuß

Der Gute weilte am siebten Dezember im Literarischen Colloquium und stellte dort sein neuestes Werk vor: Seifensieder. Angewandte Schrunst für eingewiesene Ausgeweihte

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Verleger Ulf Stolterfoht hält das Buch hier hoch

In meiner Jugend kam man um Texte von Bert Papenfuß-Gorek, wie er sich damals nannte, nicht herum. Zu meinem 19. Geburtstag bekam ich den frisch erschienen Band dreizehntanz geschenkt, einer der großartigen Bände aus Gerhard Wolfs Außer der Reihe.
Ich war bei der Asche und dieses Buch war ein kultureller Lichtstrahl in der menschenverachtenden Ödnis der Armee.
Mir ist auch so, als ob ich Bert Papenfuß bei einer Lesung im Majakowskiring bereits Anfang der 90er live erlebte, aber von jenem Abend ist mir nur Johannes Jansen im Gedächtnis geblieben.

Daher gab es keine große Frage, dass ich nach Wannsee gondeln würde, als ich in der LCB-Programmvorschau den Namen las. Lustigerweise erfuhr ich dann, dass Bert Papenfuß all die Jahre als Clubbesitzer greifbar gewesen ist und ich ihn mühelos schon früher mal hätte erleben können. Aber es gibt so viele Dinge, die man nicht tat und jammern hilft da nicht, zumal ich ja nun da war.

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Bert Papenfuß ist ein Stavenhagener Kindl, das berlinert

In der Tat sieht Bert Papenfuß ziemlich urig aus und er geht problemlos als Kneipier einer gechillten Berliner Eckkneipe durch. Dennoch blitzt aus seinen Augen neben nachdenklicher Lässigkeit auch großer Schalk. Man kann ihn sich vorstellen, wie er mit großer Freude Buchstaben und Worte hin und herschiebt, um seine mit Anagrammen vollgestopften Texte zu verfassen. Anagrammatische Lyrik und es klingt auch noch cool dabei.

Im Seifensieder gibt es mehrere Seiten mit weißen Texten auf schwarzem Grund, wo die Buchstaben wie Runen aussehen und sich die Zeilen zu Bildern winden – großartige T-Shirt-Motive und es klang durchaus danach, als ob Bert Papenfuß fest plant, welche bedrucken zu lassen. Ehrlich, coole schwarze T-Shirts in Übergröße kann ich immer gebrauchen.

Als Gesprächspartner diente Verleger und Autor Ulf Stolterfoht, mir gänzlich unbekannt, aber das Motto seines Verlages find ich sehr sympathisch:

Schwierige Lyrik zu einem sehr hohen Preis – dann ist es BRUETERICH PRESS!

Einen Zwanziger muss man dort pro Band bezahlen, im Abo 15 blankgeputzte Euronen.

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Ulf Stolterfoht und Bert Papenfuß

Zwar las Bert Papenfuß auch einige Texte vor, aber im Zentrum stand ein Gespräch über die Lyrik. Über die Anfänge in der DDR, die Förderung durch Karl Mickel und die Bedeutung von literarischen Vorbildern. Das war sehr interessant, zumal ich vorher im Seifensieder einige autobiographische Passagen gelesen hatte, die sich ebenfalls mit dem literarischen Untergrund der DDR befassten. Man vergisst das ja viel zu schnell, wie lyrisch jene Jahre waren. Literarische Texte hatten Bedeutung, wurden herumgereicht und mit Emotionen, Bedeutungen, Hoffnungen aufgeladen.
Ulf Stolterfoht ergänzte die westdeutsche und vor allem auch die Wiener Sicht auf jene Zeit und jubelte mir ganz nebenbei noch einen dringenden Buchwunsch unter.

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Vor der Zigarette kommt das Signieren

Abenteuerlich wurde dann noch die Heimfahrt und Abenteuer in Berlin haben natürlich mit der S-Bahn zu tun. Auf meiner Fahrverbindungs-App konnte ich beobachten, während ich mich immer weiter nach Osten bewegte, wie ein Anschlusszug nach dem anderen gestrichen wurde. Es war so, als ob man versucht, nach einem Eiseinbruch wieder aus dem Wasser zu kommen und die Schollen am Rand immer weiter abbrechen.
So strandete ich in Schweineöde und nur die Liebe rettete mich aus der Wildnis.

Ich bin ja dafür, dass das LCB umzieht. 😀

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