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Punkerknacker

Während sich Karl Nagel 1979 die gefärbten Haare steifseifte, biss ich eine Lehrerin, die mich zur Direktorin schleifen wollte. Im Grunde waren wir für einen kurzen Zeitraum im Punksein vereint. Nur wusste ich das damals nicht und heute auch erst seit ein paar Tagen. Denn jetzt habe ich Karl Nagels literarisches Spätwerk »Schlund« ergründet.
Er hatte mich wegen einer Rezension angeschrieben, weil Frank Böhmert meinte, ich sei »stets neugierig und gern am Besprechen«.

Bis dato sagten mir weder Karl Nagel noch Peter Altenburg etwas. Klar, von den Chaostagen hatte ich schon gehört, aber eher von deren destruktiven Seiten. Aber tatsächlich hatte mich das Anschreiben neugierig gemacht.

schlund

Schlund von Karl Nagel

»Schlund« ist ein schräges Buch, da es autobiografische Erinnerungen mit Hintergründen zu Musik und Leuten der Punk-Hochzeit verquirrlt und auch noch eine abgefahrene Dystopie enthält. Ich erfuhr hier erstmals von der Existenz einer ganzen Menge deutscher Bands, die einst provozierten, Skandale auslösten oder einfach nur krachende Gigs ablieferten.
Meine musikalischen Punkabenteuer damals hatten mit Die Ärzte und Sabber von Billy Idol zu tun. Im noch kreuzbraven Friedrichshain bestand Punk für mich zumindest hauptsächlich aus speziellen Klamotten und Zubehör.

In »Schlund« erfährt man aus einer sehr subjektiven Sicht eine ganze Menge mehr darüber, was Punk sein konnte, was nicht und wohin sich das alles entwickelte oder verrottete. Es gibt einige Kapitel, die etwas auf der Stelle treten, aber das löst Karl Nagel durch das dystopische Ende noch ganz geschickt auf.
Wirklich großartig sind die vielen Foto-Collagen. Die verwildern das Buch auf eine schaurigschöne Weise, auch wenn das jetzt kitschig klingt, aber ich hab mich beim Umblättern immer auf das nächste Bild gefreut.

Vor einem Jahr las ich den letzten Teil von Mark Twains geheimer Autobiographie, dieses Jahr »Schlund« von Karl Nagel – ich denk, die beiden hätten sich prächtig verstanden.

Übrigens bekam der »Schlund«-Verleger Klaus Farin grad das Bundesverdienstkreuz.  Zumindest stand das überall im Netz. Auf der HP des Präsidenten ist man noch im Dezember. Das Dingens gab es nicht wegen »Schlund«, zumindest offiziell nicht. Wer weiß schon, wen die Punker von einst heute nicht alles unterwandert haben …

Zu meiner Rezi im Fantasyguide geht’s hier lang: Schlund von Karl Nagel

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