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Im Sog der Utopien

Wer zum Hugogate alle Hintergründe wissen will, kann sich in Christoph Jaroschs Blog Lake Hermanstadt umfassend informieren lassen.
Zum Hugo selbst gibt es ein cooles Nachschlagewerk, das Hardy Kettlitz in seinem Neuen Verlag MEMORANDA herausbrachte, einem Imprint des Golkonda Verlages, für den er in den letzten Jahren einiges an Setzerarbeiten leistete und somit wesentlich an der Qualität der dort erschienen Bücher Anteil hat.

Die Hugo Awards 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz, Cover von s.BenesDie Hugo Awards 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz, Cover von s.BENes

Die Hugo Awards 1953 – 1984 enthalten nicht nur sämtliche PreisträgerInnen, die Platzierten und Hintergründe zu den einzelnen Worldcons auf denen die Hugos jeweils verliehen wurden, Hardy ordnet viele Werke auch gleich in seinen ganz speziellen Experten-Kosmos ein. Für mich ein durchaus nützlicher Maßstab, da ich seine Meinung sehr schätze.
Damit ist das Buch auch eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema und verhindert, dass Zahlen und Infos die LeserInnen erschlagen.
Teil 2 wird dann bis 2015 reichen und es ist zu vermuten, dass dann auch die Sad Puppies Erwähnung finden werden.
Meine Rezi: Die Hugo Awards 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz im Fantasyguide.

Ein ganz anderer trauriger Welpe ist der Protagonist in Dietmar Daths diesjährigen SF-Kracher: Venus siegt.

Venus siegt von Dietmar DathVenus siegt von Dietmar Dath

Der Aufbau einer freien Gesellschaft, in der intelligente Roboter, Menschen und künstliche Intelligenzen zusammenleben, muss sich mit Bürgerkrieg, Invasion und Zusammenbruch auseinandersetzen. Die Geschichte der zukünftigen Venusgesellschaft ist dabei ein Spiegelbild der Sowjetunion von der Oktoberrevolution über den Stalinterror und Totalitarismus bis hin zum Weltkrieg und seinen Umbrüchen.
Es gibt Figuren, die Lenin, Stalin oder Trotzki nachempfunden wurden. Mathematik spielt eine hohe und wichtige Rolle, was mich allerdings immer wieder abhängte, da mit höhere mathematische Konzepte nicht in den Kopf gehen, aber das stört bei einem ansonsten sehr lesbaren Science Fiction Roman kaum.
Mich hat der neue Dath jedenfalls nicht enttäuscht. Der dritte überdurchschnittliche Roman in Folge, den ich von ihm las – meiner Meinung nach ist Dath der aufregendste deutschsprachige SF-Autor.
Live davon überzeugen kann man sich übrigens am Freitag, dem 29.05.2015 ab 20:00 Uhr bei Lesung und Gespräch im Brecht-Haus. In meinem Kalender stehts schon drin!
Meine Meinung zum Buch habe ich auch in eine Rezi gegossen:
Venus siegt von Dietmar Dath

Von wegen Modegetränk

Der Hugo hat sich seit 1953 zu einem der bedeutendsten Science-Fiction Preise entwickelt.
Hardy Kettlitz entwickelte sich seit 1966 zu einem der profundesten SF-Kenner. Nur logisch, dass die beiden mal zusammen kommen mussten.

Die Hugo Awards 1953 – 1984, Cover von benswerkDie Hugo Awards 1953 – 1984, Cover von benswerk

Es geschah allerdings schon vor einiger Zeit, nämlich 2002 im Alien Contact 44. Nun hat Hardy seinen eigenen Imprint bei Golkonda bekommen und natürlich ist der erste Teil seiner Hugo Awards ein würdiger Start von Memoranda.

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Hardy präsentiert sein Buch Werner Fuchs auf der Leipziger Buchmesse 2015

Während ich die Osterferien in Amsterdam verbrachte, beschäftigte sich Hardy mit meinen Fragen, sodass ich nun stolz ein recht hübsches Interview mit ihm präsentieren kann. Wie immer im Fantasyguide und exklusiv!

Blutige Schneide oder die Sorgen einer Waffe nach der Tat

Meine erste Begegnung mit Thomas Pynchon fand vor einigen Jahren statt, als ich begann, in die Blogosphäre einzutauchen. Als beeindruckendstes Beispiel musste damals Alexander Müllers Molochronik gelten. Verspielt, aber hochintelligent und breit fabulierend stellte Molo phantastische Werke vor und von seiner Begeisterung für Gegen den Tag war ich sofort angefixt. Selbst dieses Wort »anfixen«, habe ich von Molo übernommen.
Denn tatsächlich ist das Lesen ganz besonderer Bücher wie eine rauschhafte Sucht. Das Lesen von Gegen den Tag war eine leidvolle Lust, Bleeding Edge las sich deutlich einfacher, jedoch nicht weniger süffig.

Bleeding Edge von Thomas PynchonBleeding Edge von Thomas Pynchon

Pynchon schreibt mit über Siebzig von technischen Entwicklungen, denen ich als Mittvierziger bereits hinterherzuhinken beginne und das auch noch mit einer Leichtigkeit, die einfach nur irrwitzig ist. Natürlich kann es sein, dass er mit Hilfe großer Intelligenz in der Lage ist selbst jene Dinge sinnvoll in seinen Roman einzubetten, von den er weniger versteht, aber es fühlt sich nie wie ein Blenden an.

Ich habe dieses Bild im Kopf, dass da ein fröhlicher Greis am Strand kniet und begeistert den Sand durch die Finger rieseln lässt und mit jeder neuen Handvoll kommen Erinnerungen wie Muschelscherben ans gleißende Sonnenlicht.

Das Jahr 2001 liegt noch gar nicht so lange zurück. Der Anschlag auf das World Trade Center macht dieses Jahr an sich schon unvergesslich, selbst ich habe ganz klare Erinnerungen an diesen einen Tag. Zu keinem anderen Datum in diesem Jahr könnte ich auf Anhieb sagen, was ich dachte oder tat.
Erst recht weiß ich nicht mehr exakt, wie mein Computer aussah, welches Spiel ich gerade zockte, nicht einmal die Bücher dieses Jahres weiß ich mehr, weil ich mir damals darüber noch keine Notizen machte. Viele Dinge, die einem selbstverständlich sind, macht man irgendwann nicht mehr und vergisst nach einiger Zeit, dass sie einmal einen bestimmten Teil des Tagesablaufs ausmachten.

Pynchon holt ganz viele dieser kleinen Dinge wieder hervor. Es ist nicht wie eine typische historische Abhandlung, die sich auf Benennung von Fakten beschränkt, nein, Pynchon stürzt einen mitten hinein in das sich völlig echt anfühlende 2001 und dabei kenne ich den Großteil der New Yorker Plätze gar nicht, von Klamotten und Speisen ganz abgesehen.
Ich war 1997 für drei Tage in Manhattan, was geradezu mit Blindheit gleichzusetzen ist.
Bleeding Edge ist wie das fehlende Stück Erinnerung, das man auf die Hirnfestplatte hochlädt und danach erst wieder weiß, was einem bislang gar nicht fehlte.

Was aber noch viel cooler ist, als das ganze Namedropping und Technikrevival: Pynchon stellt ziemlich agile und selbstbewusste Frauen in die erste Reihe seiner Figuren. Wenn ichs nicht besser wüsste, würde ich sagen, er beschreibt eine typische DDR-Frau. Die Ähnlichkeiten zu Laura aus Amanda sind frappierend.
Im gewalttätigen Wahnsinn männlicher Weltenlenkung managt Maxine ihre Betrugsermittlungen, die Erziehung des Nachwuchses, die Reintegration des Exmannes in die Familie, tödliche Bedrohungen, Libidoforderungen, Probleme der Freundinnen, Probleme der Freunde der Freundinnen oder deren Kinder, Einkäufe, Essen und natürlich New York.
Spannend, witzig und rasant, jedoch nicht ganz so phantastisch wie Gegen den Tag. Und es bringt auch nichts in mir so zum Schwingen, dass sich ein Gedicht daraus entwickelt.

Meine Rezension im Fantasyguide: Bleeding Edge von Thomas Pynchon

Mit Bleeding Edge habe ich nun alle Bücher gelesen, die der Weihnachtsmann besorgte, passiert mir auch nicht jedes Jahr. Folgen die Geburtstagsgeschenke und auch hier werde ich den USA erst einmal treu bleiben, es steht der erste Teil der Mark Twain Autobiografie auf dem Plan. Vorher jedoch noch Rezensionsbücher, darunter Die Hugo Awards 1953−1984 von Hardy Kettlitz.

Hummer hilft bei Kummer

Das Berliner Otherland sprengte erneut den engen Gatherland-Rahmen. Wo sonst zwölf Lesende über Bücher quasseln, stapelten sich am Donnerstag die FreundInnen der SF um mit Charles Stross zusammen zu treffen.

Der nutzte seine Ferien zwischen zwei bzw. vier Büchern, um in Berlin für den nächsten Merchant Princes-Roman zu recherchieren. Es geht darin um einen ehemaligen Stasi-Spitzel, der als Kind der DDR, eine gewisse Affinität zu modernen Überwachungsstaaten besitzt und daher in den USA der Zukunft ganz gut klar kommt.

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Charles Stross beim Signieren

Charlie Stross ist Schotte und kam natürlich auch nicht umhin, über Unabhängigkeit und den Kreis berühmter Edinburgher Autoren zu sprechen.
Auch die Hummer kamen zu ihrem Recht. In meiner aktuellen Lektüre, Accelerando, spielen sie eine große Rolle.

Fast zwei Stunden unterhielt uns Charlie mit sehr schnellem Englisch und ich bin froh, mir das ganze aufgezeichnet zu haben. Vielleicht verstehe ich in der zehnten Wiederholung endlich mehr.
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Aber was ich verstand, gab mir den Eindruck eines fidelen Mannes, der sichtlich Spaß am Leben und am Schreiben hat. Was man ja seinen Büchern auch anmerkt.

Meine Wunschliste ist nun wieder etwas voller.

Hardy Kettlitz konnte nachher auch noch ganz stolz das von ihm gesetzte Lyrik-Bändchen Oubliette mit Gedichten von Frank Hebben in lichte Höhen halten.

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Oubliette in den Händen eines Unvergesslichen

Hoffentlich kommt mein Exemplar auch bald.
Denn was ist ein SF-Roman gegen ein Gedicht?

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