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Irgendwas mit Mathe

Unverhofft kommt oft. Mein erstes Buch im neuen Jahr überfiel mich völlig überraschend. Gestern kam die Frage zu mir, ob ich nicht Der Algorithmus des Meeres von Frank Hebben für den KLP nominieren möchte.

Nun hatte ich mir das Buch gleich zum Erscheinen bei Frank bestellt und es auch schön signiert bekommen (mein Exemplar heißt übrigens Choé), aber auf eine Leseliste schaffte es das schöne Büchlein bisher nicht.

Der Algorithmus des Meeres von Frank Hebben, Cover von Thomas Franke

Der Algorithmus des Meeres von Frank Hebben, Cover von Thomas Franke

Da ich aber nix nominiere, dass ich nicht gelesen habe, nutzte ich meine Infekt-Ruhigstellung heute Morgen aus und schnurpselte das Bändchen weg.

Zum Glück muss ich nun nicht erklären, warum es nicht nominiert werden kann, denn es kann. Die Frage ist, in welcher Kategorie? Eigentlich ist es eher eine Kurzgeschichte …

Wenn man das Nachwort von Karla Schmidt gelesen hat, summt einem der Kopf vor lauter Interpretationen und Aufschlüsselungen, aber man kann ihnen folgen. Sie geht leider kaum auf die Sprache von Frank ein, die für mich viel bedeutender ist, als der metaphorische Schmackes. Denn eine Postapokalypse mit coolem Handlungstwist gibt es viele, aber nur wenige in solchen Sätzen zelebriert. Da freut sich der Dichter und knarzt mit der Zunge den trockenen Duktus mit, reibt sich am Sand der Strukturen und windet sich in der kunstvoll getröpfelten Wortauswahl.

Ja, ich finde das Buch famos und auch wenn es schwer ist, etwas zu dem zu schreiben ohne zu spoilern, oder Karlas Nachwort nachzuplappern, schrieb ich eine kleine Rezi: Der Algorithmus des Meeres von Frank Hebben

Und auch: Ja, es ist definitiv etwas für die abseitige Literatur von dandelion!

Apropos Karla Schmidt. Demnächst, also etwa im Mai, müsste ihr D9E-Roman eintrudeln. Gibt es noch Hoffnung für die Reihe?

Phasenweise

Rezensionen zu Story-Sammlungen bzw. Anthologien sind immer eine Heidenarbeit, will man auf jede Geschichte kurz eingehen. Das ist aber mein Anspruch.
Führt natürlich dazu, dass ich mich oft scheue, so ein Buch zu lesen.

Tiefraumphasen hatte ich von der ersten Ankündigung im SFN an verfolgt (unter dem Namen Spaceträume damals noch), aber zunächst nicht bestellt. Dann dachte ich eigentlich, es getan zu haben, aber Meister Hebben hatte mich da wohl missverstanden, ebenso wohl die Leute im Otherland. Und so hatte ich das Buch schon abgeschrieben, als mich eine Rezensionsanfrage von Mitherausgeber André Skora ereilte.

Tiefraumphasen hrsg. von André Skora, Armin Rößler und Frank HebbenTiefraumphasen hrsg. von André Skora, Armin Rößler und Frank Hebben

Ein Wink des Schicksals, es doch noch zu wagen.

Die Anthologie steht unter dem Signum des Cyberpunks und die meisten Fans dieses Subgenres verstehen darunter eine kaputte und dreckige Zukunft. Selbst fünfundzwanzig Jahre nach der Niederlage des Sozialismus kann ich aber nicht gegen meine tiefe Überzeugung fühlen. Ich glaube fest an eine positive Zukunft, daher mag ich Dystopien nur in ganz wenigen Ausnahmen, was allerdings nun keine besonders glückliche Ausgangslage dafür ist, Cyberpunkgeschichten zu besprechen.

Nun ja. hielt mich trotzdem nicht davon ab. :))

Eine wirklich überragende Geschichte fand ich nicht. Selbst die DSFP-prämierte Story Knox von Eva Strasser halte ich zwar für gut geschrieben, aber sie ist letztlich doch eher Standardkost.
Empfehlenswert ist das Buch dennoch. Es gibt großartige Illustrationen und mit den Geschichten von Thorsten Küper, Jakob Schmidt und Niklas Peinecke kann man durchaus glücklich sein.

Meine ausführliche Rezi gibts im Fantasyguide, in den nächsten Tagen werde ich auch die noch fehlenden AutorInnenseiten ergänzen. Gestern bin ich bei der Verlinkung von Thorsten Küper abgebrochen, als ich feststellte, wie oft er im FG zu finden ist, ohne je eine eigene Autorenseiten spendiert bekommen zu haben. Wenigstens die gibt es nun und ich hatte auch gleich eine Idee, den Küperpunk mal so richtig ins Fantasyguidescheinwerferlicht zu zerren. Mal sehen, ob etwas daraus wird.
:wave:

Tage in der Fallgrube

Lyrik liest keiner und noch weit weniger kaufen sie. Da passt es ja wunderbar, dass ich dem November mit einem selbst bezahlten Lyrikbändchen begegne.
Frank Hebben – Oubliette, Cover von Christinan Edler
Frank Hebben – Oubliette, Cover von Christinan Edler

Nun hat diesen Band aber Frank Hebben verfasst. Und ich hätte es wissen müssen: Der Mann mag es eher schwarz. Das kleine Büchlein sieht nicht nur außen phantastisch aus. Frank schreibt selbst, dass Zeichner Christian Edler seine Psyche in surrealen Bildern ausdrücken kann und ein scheues Genie ist. Ob das mit dem scheu zutrifft, weiß ich nicht, aber die Bilder sind teilweise so intensiv, dass einem die Luft wegbleiben möchte. Er ritzt helle Wundenwunder in schwarzes Papier. Was wiederum zu den meist sehr kurzen und stets ungereimten Gedichten passt. In ihnen geht es fast ausschließlich um ein Ich. Man meint eine Geschichte zu erleben, dargeboten in einem Tagebuch. Ein Leben umfassend. Zunächst diffuse Erwartung, dann eine übergroße Liebe mit intensiven Liebeszenen. Streit, Trennung und trauernde Einsamkeit. Übergehend in qualvolle Sehnsucht, Selbsthass, düsterste Gedanken, Todeswünsche. Neue Liebe, Tod. Frank fasst das in kleine und klare Bilder, voller Personifizierungen. Tage, Nächte, Wind und Stille werden zu Akteuren, die sich in Franks Fallgrube sammeln und ihm immer wieder ihre Worthände reichen. Nur ganz kurz tauchen andere Menschen auf. Ansonsten Dinglichkeiten, Tiere und Pflanzen, Ich und Du.

Nur die Stille spielt Songs.

Oubliette erscheint bei Begedia und mein Exemplar heißt Volker.

Hummer hilft bei Kummer

Das Berliner Otherland sprengte erneut den engen Gatherland-Rahmen. Wo sonst zwölf Lesende über Bücher quasseln, stapelten sich am Donnerstag die FreundInnen der SF um mit Charles Stross zusammen zu treffen.

Der nutzte seine Ferien zwischen zwei bzw. vier Büchern, um in Berlin für den nächsten Merchant Princes-Roman zu recherchieren. Es geht darin um einen ehemaligen Stasi-Spitzel, der als Kind der DDR, eine gewisse Affinität zu modernen Überwachungsstaaten besitzt und daher in den USA der Zukunft ganz gut klar kommt.

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Charles Stross beim Signieren

Charlie Stross ist Schotte und kam natürlich auch nicht umhin, über Unabhängigkeit und den Kreis berühmter Edinburgher Autoren zu sprechen.
Auch die Hummer kamen zu ihrem Recht. In meiner aktuellen Lektüre, Accelerando, spielen sie eine große Rolle.

Fast zwei Stunden unterhielt uns Charlie mit sehr schnellem Englisch und ich bin froh, mir das ganze aufgezeichnet zu haben. Vielleicht verstehe ich in der zehnten Wiederholung endlich mehr.
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Aber was ich verstand, gab mir den Eindruck eines fidelen Mannes, der sichtlich Spaß am Leben und am Schreiben hat. Was man ja seinen Büchern auch anmerkt.

Meine Wunschliste ist nun wieder etwas voller.

Hardy Kettlitz konnte nachher auch noch ganz stolz das von ihm gesetzte Lyrik-Bändchen Oubliette mit Gedichten von Frank Hebben in lichte Höhen halten.

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Oubliette in den Händen eines Unvergesslichen

Hoffentlich kommt mein Exemplar auch bald.
Denn was ist ein SF-Roman gegen ein Gedicht?

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