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Vor dem Ende kommen noch mehr Bände

Wenn man einmal mit einem Mehrteiler angefangen hat, ist es nicht leicht, mittendrin aufzuhören. Außer man ist Autorin oder Autor von Fantasy-Romanen. Dann sprudeln die Wörter nur so aus einem heraus und was ist schon eine Trilogie, wenn man drei schreiben kann?

Aleš Pickar gibt selbst gar nicht an, auf wie viele Bände er sein Fantasy-Epos »Kalion« angelegt hat. Ich dachte, es wäre eine Trilogie und war dann beim Lesen von Band »Die zwölf Kronen« zunehmend gespannt, wie er die vielen Handlungsfäden auflösen will. Tja, halt gar nicht. Zumindest nicht in diesem Band. Gleichzeitig führt er in zwei neuen Handlungsebenen komplett neue Kulturen ein, die den epischen Story-Arc in Richtung Renaissance bzw. in eine spoilerfrei nicht zu benennende komplett andere Ecke lenken.

Die zwölf Kronen von Aleš Pickar; Cover: Aleš Pickar

Der Band erschien bereits Ende letzten Jahres und ich hatte sein Erscheinen zunächst verpasst, dann vergessen, dann keine Zeit gehabt und mit einem gewissen schlechten Gewissen kaufte ich mir den Band dann endlich letzten Monat auf der Nacht der Drachenfliege. Auch wenn ich ja eigentlich grad gar keine Fantasy lesen mag, kann ich angefangene Reihen einfach nicht leiden, zumal mir die beiden ersten Bände recht gut gefielen.

»Die zwölf Kronen« beginnen recht brutal, aber Aleš Pickar nutzt diesen Einstieg, um verschiedene Figuren auf den Weg zu bringen. Davon gibt es inzwischen jede Menge. Ich kam auf dreizehn Handlungsstränge. Einige treffen aufeinander, einige trennen sich dann auch wieder. Und keine Handlungsebene stellte sich als langweilig heraus. Zwar wäre ich gern viel länger mit Nelei unterwegs gewesen, aber bei dem riesigen Ensemble will wohl jede Figur mal ins Rampenlicht. Im Zentrum des Romans steht die Invasion durch die Peleori und Argan-Khôr. Die bestehende Welt wird durcheinandergerüttelt und Aleš Pickar gelingt es, das entstehende Chaos dadurch auszudrücken, dass er eine Zeitlang immer wieder zwischen den Schauplätzen wechselt. In der finalen Schlacht treffen dann einige seiner Figuren wieder aufeinander. Doch man spürt, es ist nur ein kurzer Moment bevor es im nächsten Band mit Wucht weiter geht. Zumindest vermute ich das.

Angekündigt ist der nächste Roman noch nicht, mal sehen, ob ich den vierten Band zeitnaher in die Mangel nehme.

Etwas mehr zur Handlung schrieb ich in meiner Rezi: Die zwölf Kronen von Aleš Pickar

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Ohne Käse biste Neese

Noch ein paar doch recht schwierigen und damit langwierigen Werken flutsch die Lektüre momentan bei mir ganz gut und der Rezensionsberg schmilzt langsam ab.

Im Schmelz schwimmt nun auch »Käsablanca« von Stefan Goebels aus der wunderbaren »Edition Drachenfliege« des periplaneta Verlages.

Käsablanca von Stefan Goebels; Cover: Tom Manegold

Im Klappentext steht bereits alles, was man vor dem Lesen über den schrecklichen schrägen Inhalt wissen muss und daher zitiere ich ihn hier mal:

Eigentlich wollte Lava Rougette ihrem Freund Floyd nur einen Denkzettel verpassen. Dass er gekidnappt und lebendig in einem Käse begraben wird, war nicht ihre Absicht. Während sie sich also auf den Weg zum Käsepalast macht, hobelt Floyd sich einen Weg aus seinem Sarg. Doch das ist nur der Anfang seiner Heldenreise: In den käsigen Gängen wimmelt es vor mordlustigen Clown-Zombinen, die nur ein Ziel haben: ihn! Wie gut, dass ihm plötzlich Lola und die Schimmelpriester zur Seite stehen.

Und Lava Rougette? Die erlebt mit den Cheezern und jeder Menge psychoaktivem Parmesan ihren ganz eigenen Trip. Doch wer steckt dahinter? Warum passiert all das? Wie kann man aus dem Laib entkommen? Wie kommt man rein? Und ganz wichtig: Ist noch etwas von dem Käse da? Und warum macht dieser Käse so glücklich?

Ihr seht, es steckt da eine ganz irre, dystopische Welt mit Horror-Elementen und seltsamen Figuren drin. Bei mir hat es ein paar Kapitel gedauert, bis ich erkannte, dass der Roman lustig sein will und ein paar mehr, bis ich ihn auch wirklich lustig fand. Ich hätte den Klappentext vielleicht doch vorher lesen sollen, wie ihr das grad hoffentlich tatet. Wenn man wie ich unbeleckt hineinspringt, könnte Ratlosigkeit und ein leichtes Befremden eintreten. Aber wenn der Humorgroschen gefallen ist, wird’s nicht nur heftig, sondern auch cool.

In meiner Rezi zog ich den Vergleich mit der Horror-Komödie »Zombiland«, denn auf sie wird in »Käsablanca« nicht nur direkt referenziert, sondern ich fand ihn zunächst auch nicht lustig. Nur im Unterschied zu »Käsablanca« änderte sich das bei dem Film bis zum Schluss nicht.

Stefan Goebels schlug mir in »Käsablanca« jede Menge Käse-Witze und –Wortspiele um die Ohren, vermischt mit satten Horror-Elementen und wirklich nur die dicksaftige Käse-Fassade trennt den Roman von einer typisch zynischen Dystopie. Das muss man mögen und sich darauf einlassen. Wenn man das aber macht, erlebt man jede Menge Gaudi – und ich musste mich grad massiv zwingen, keinen Käse zu schreiben. Wortspielereien sind ja eine kleine Liebe von mir.

Das Phantastische an der Edition Drachenfliege und der Grund, warum ich aus ihr alles blind probiere, ist: Die Bücher überraschen sehr, sehr oft mit skurrilen Ideen, krassen Figuren und unvorhersehbaren Plots. Das periplaneta-Team hat da ein ganz wunderbares Händchengewimmel für einzigartige Geschichten. Kann man gar nicht oft genug drauf hinweisen.

Also folgt Floyd durch den Käse und rennt an seiner Seite mit Schimmelpriestern, Agent Orange und Lola um euer Leben und holt euch endlich einen Parmesan-Riegel aus dem Kühlschrank. Oder besser zwei.

Vom tiefen Sommer und dem Übergrund

Seit Jahren bin ich Fan der Edition Drachenfliege des Periplaneta-Verlages. Ich habe aus ihr schon eine ganze Menge gelesen. Zumeist erscheinen dort Urban-Fantasy Romane von bis dato unbekannten Autorinnen und Autoren und enttäuscht wurde ich nie, im Gegenteil, einige der Bücher fand ich richtig gut und behielt sie im Gedächtnis.

Deshalb freue ich mich auch stets über eine neue Mail des Verlages. Zu meiner Überraschung kam sie dieses Mal nicht von Marry sondern von Swantje Niemann – genau, der bezaubernden Autorin von Drúdir!
Das musst ich natürlich hinterfragen und erfuhr, dass sie für kurze Zeit im Verlag als Assistentin arbeitet, da ja die Chefetage grad im Babyglücke schwelgt. Der stolze Vater bloggte auch bereits darüber.

Aber worum ging es nun in der Mail? Um ein Buch, klar. Der Jesko hat eine poetische Dystopie erschaffen! Ich hatte den Poetry-Slammer bereits als Bestandteil der Lesebühne Vision & Wahn erlebt und umso drängender musste ich also »Tiefsommer« haben.

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Jesko Habert auf der Lesebühne im september 2017

Dystopien sind ja eigentlich so gar nicht meins. Trotzdem trudeln sie ständig bei mir ein. Die Welt geht unter und alle berichten davon, oder so.

Aber zunächst beginnt »Tiefsommer« eher als ein Steampunk-Roman. Eine Bergstadt wird von Drohnen eines fremden Reiches in Schutt und Asche gebombt. Lediglich drei junge Leute überleben. Eine Färberin, die Farben riechen kann, und ein Bastler-Pärchen, das die Stadt halblegal mit Strom versorgte – das Setting begann also schon mal ungewöhnlich.
Dann treffen die drei auf eine Gruppe nomadisierender Philosophen und kurz darauf auf eine junge Frau in einem gewachsenen Luftschiff. Das Cover zeigt es sehr schön.

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Tiefsommer von Jesko Habert, Cover: Nicole Altenhoff

Jup, ziemlich exotisch das Ganze. Was aber lange Zeit als Abenteuergeschichte auf einer fremden Welt ausschaut, entwickelt sich im zweiten Teil in eine komplett andere Richtung und ich müsste spoilern, wollte ich mehr dazu schreiben.
Auf jeden Fall passt es recht gut zu einem Interview, dass ich gerade transkribiere und in dem Wolfgang Neuhaus über Cyberspace und Cyberpunk erzählt.

In meiner Rezi im Fantasyguide untersuche ich das ein bisschen und bei aller Begeisterung für die sehr lyrische Sprache fiel als kleines Manko auf, dass man aus den Figuren und der erschaffenen Welt noch ein bisschen mehr hätte herauskitzeln können. Aber was an soziologischen und utopischen Ideen in dem Roman steckt, ist beeindruckend.

Am 28. September stellt Jesko Habert seinen Roman im Literaturcafé des Verlages vor und ich habe mir schon einen Platz reserviert.
Solche feinen Debüt-Romane gibt es ständig bei Periplaneta. Da bin ich ganz Fanboy.

Hier noch der Link zu meiner Rezi im Fantasyguide: Tiefsommer von Jesko Habert

Es brennt ein einsam Mädchen

Der Periplaneta-Verlag versorgt mich seit Jahren mit kleinen erstaunlichen Urban-Fantasy Werken, die sie in schöner Regelmäßigkeit in der Edition Drachenfliege präsentieren.
Wenn mir die Verlagscheffin Marion Alexa Müller also eine Neuerscheinung ankündigt, greife ich inzwischen bedenkenlos zu. Auch wenn die Werke nicht unbedingt komplett meinen Geschmack treffen, habe ich inzwischen aber das sichere Gefühl, etwas vor die Augen zu bekommen, das auf irgendeine Art und Weise Ungewöhnliches bietet.

Im März erblickte Die Gleichheit der Blinden von Nora Beyer das Licht der Prenzlauer Bergwelt. Ich bin mit meiner Rezension wieder spät dran, aber sie im Erscheinungsjahr online zu stellen ist ein Selbst-auf-die-Schulter-klopfen wert.

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Die Gleichheit der Blinden von Nora Beyer, Cover: Nicole Altenhoff

Die Gleichheit der Blinden wird vom Verlag als »dystopischer Fantasy-Roman und eine Hommage an die Vielfalt und die Kraft der Gedanken« beschrieben. Das Wort Dystopie lässt bei mir alle Alarmglocken schrillen, denn es ist in meinem Lieblingsgenre ein Synonym für Tragödie.

Nora Beyer wählte für ihre Geschichte eine ähnliche Form wie schon Micheal Ende in seiner Unendlichen Geschichte. Das Mädchen Anna lebt in einer postapokalyptschen Welt, die durch Gleichschaltung und Verbannung jeglicher Fantasterei in eine mittelalterliche Lebensweise zurückgefallen ist. Anna kommt auf einem Scheiterhaufen zu sich und kann den Flammen gerade noch entfliehen.
Elsa hingegen ist eine Waise, lebt in unserer Zeit und verfügt über eine blühende Fantasie. Zumindest sieht sie eine Menge seltsamer Dinge, was ihr bisher über kurz oder lang noch bei jeder Pflegefamilie Probleme einbrachte.
Die Wege der beiden Mädchen und damit ihre Welten scheinen miteinander verbunden zu sein. Sowohl in Leid als auch im Schmerz.

Tatsächlich wird besonders Elsas Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik zu einem eindringlichen und besonders düsteren Teil des Romans. Nora Beyer wollte ganz offensichtlich weder eine normale Questfantasy schreiben noch ein fröhliches Girlpower-Abenteuer. Ihre Heldinnen werden von einer feindlichen Umwelt getrieben. Sie kämpfen um ihr Überleben und lernen dabei, dass all die Widerstände und Angriffe sich gegen ihr Wesen richten. So zahlreich die phantastischen Elemente in Die Gleichheit der Blinden auch sind, im Kern geht es um die gnadenlose und alltägliche Unterdrückung von Menschen, die nicht der Norm entsprechen. Also eigentlich mehr ein Plädoyer für Toleranz als eine Hommage. Hatte ich so nicht erwartet. Eine wunderbare Überraschung.

Mehr zum Buch drüben beim Fantasyguide in meiner Rezi: Die Gleichheit der Blinden von Nora Beyer

In langen Jahren erdacht, in wenigen Seiten zerstört

Phantastische Literatur lebt von dramatischen Konflikten. Oft werden hierfür die wunderbarsten Länder, Städte und Orte entworfen und dann zerstört. Im Blut des Krieges geschmiedet erheben sich Heldinnen und Helden und fahren am Ende den Sieg ein und in eine hoffnungsvolle Zukunft davon.

Die Kalion-Saga von Aleš Pickar, erschienen in der wunderbaren Edition Drachenfliege, macht hierbei keine Ausnahme. Im Gegenteil. Aleš Pickar legt bei seinem Weltenbau großen Wert auf Sprachen und Kultur, ganz in der Tradition von Meister Tolkien.

Bei ihm gibt es nicht nur die diversen Völker mit grundverschiedenen Lebensweisen, Sprachen und Traditionen, sie fußen auch auf einer wechselhaften Geschichte. Am deutlichsten wird das in der Gorkonai. Ein einst mächtiges Reich, dessen Armeen gefürchtet und dessen Wissenschaftler berühmt waren. Doch das hochentwickelte Land verdankte Reichtum und Fortschritt seinen Sklaven, die man aus einem benachbarten Reich stahl. Doch die versklavten Demenäer rebellierten und besiegten ihre Peiniger. Noch vor dem Beginn des ersten Bandes, Die lautlose Woge, ereignete sich dieser Herrschaftswechsel. Die Demenäer übernahmen das Land, besetzten Regierungsämter und führten Teile ihrer eigenen Kultur ein. Doch viele von ihnen sind in der Gorkonai geboren. Sie kennen die Kultur ihrer Sklavenhalter besser als die ihres Volkes – ein breites Spannungsfeld für einen neuen Staat. Hinzu kommt das Problem eines drohenden Krieges – immerhin befinden wir uns ja in einer Fantasy-Saga, in der es selten eine Chance auf eine ruhige Entwicklung gibt.

Den ersten Band las ich im Frühjahr recht zügig nach seinem Erscheinen, für den zweiten Band Die dunkle Wunde ließ ich mir etwas mehr Zeit, da mich epische Fantasy momentan nicht so reizt.

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Die dunkle Wunde von Aleš Pickar

Faszinierend an den Kalion-Bänden aber ist, dass Aleš Pickar eine Reihe ganz unterschiedlicher weibliche Figuren in den Mittelpunkt stellt. Da gibt es die unabhängige, impulsive Schwertmeisterin, eine verwöhnte Prinzessin die an einen fremden Königshof verheiratet wird, eine alte Intrigantin, die ihren Sohn auf den Thron des mächtigsten Reiches sehen will und über Leichen geht, eine Zofe auf der Flucht vor eben jener Intrigantin und eine junge Frau, die sich als Sprachrohr einer Göttin sieht.
Sie alle versuchen in einer Männerwelt zu überleben, leiden an ihr und weigern sich trotzdem, in einer Opferrolle gefangen zu sein. Das macht die Reihe in meinen Augen interessant, auch wenn die einzelnen Handlungsfäden selbst bisher auf den gewohnten Pfaden mittelalterlicher Fantasy wandern. Zwar enthält Band 2 eine coole Idee für etwas Phantastisches, das sich in der Welt ereignen kann, übrigens wieder verbunden mit einer faszinierenden Frauenfigur, aber noch handelt es sich eher um ein Magiemomentchen als um einen essentiellen Bestandteil des Weltenbaues.

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Aleš Pickar liest aus dem ersten Kalion-Band am 20.05.2017

Ich bin gespannt, wie sich die Reihe weiter entwickelt.

Meine Rezi findet sich wie gewohnt im Fantasyguide: Die dunkle Wunde von Aleš Pickar

Drachenfliege auf Trolljagd

Schon lange wollte ich dem Literaturcafé des Periplaneta-Verlages einen weiteren Besuch abstatten und so traf es sich ganz gut, dass der phantastische Verlag für seine Edition Drachenfliege am Samstag eine neue Lesereihe einführte: Die Fantasy-Lesenacht aka Drachen-Fliege-Nacht.

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Logo der ersten Drachen-Fliege-Nacht

Das Literaturcafé liegt ganz romantisch an der Bornholmer Straße und somit nicht ganz im größten Rummel Prenzlbergs.

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Das Literaturcafé

Es gibt fränkisches Bier, da die Cheffin Marion Alexa Müller aus jenen südlichen Gefilden stammt. Neben Marry gab noch Thomas Manegold den Gastgeber und Steve-Bürk-Ersatz, denn aus unbekannten Gründen war der zweite Autor des Abends nicht erschienen.

Doch die Lesebühnen erprobte Periplaneta-Mannschaft hatte alles fest in Elfenhänden und glich den Mangel mehr als aus.

Während Toms historischer Eingangsrede versuchten ein paar Bergtrolle die Veranstaltung zu sprengen und so musste Ritter Tom hinaus in die Nacht, derweil Jungfer Marry die Einführung fortsetzte und als sei es inszeniert, griff der siegreich heimgekehrte Recke die Mär vom Reich Periplaneta exakt an jener Stelle auf, da die holde Marry sie fallengelassen hatte.

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Tom im Nebel der Erkenntnis

Tom las sodann, von atmosphärischen Zügen aus der eZigarrette begleitet, aus dem schrägen Urban-Fantasyroman Die Unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B. die Eingangsszene vor, in der wir nicht nur Zeuge der Erleuchtung selbst werden, sondern auch von für Felix viel zu tief gehenden Erkenntnissen über seine Beziehung erfahren.

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Felix, Lin-Lin und Tom

Der Text wirkt vorgelesen noch deutlich witziger als morgens halb sieben in einer stinkenden Ringbahn.

Marry übernahm danach das Zepter für eine Lesung aus ihrem Erzählband Evasapfel, der demnächst endlich wieder in einer neuen Ausgabe verfügbar sein wird.

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Marion Alexa Müller

Marilyn ist eine SF-Geschichte, deren ironische Behandlung von Schönheitswahn und Bodyshaming irre aktuell ist.

Mit Die lautlose Woge startete im Januar die Highfantasy-Saga Kalion von Aleš Pickar in der Edition Drachenfliege und Marry erklärte kurz, warum ihr gerade dieses Manuskript so zusagte. Letztlich beeindruckte sie das Faltblatt mit dem geplanten Handlungsverlauf der Saga. Solch einem strukturiert arbeitenden Autor traute sie eine erfolgreiche Beendigung der Arbeit zu. (Aleš Pickars Frau schüttelte bei »strukturiert« energisch den Kopf).

Aleš hat bereits eine ausgedehnte Lesereise hinter sich und war dadurch bestens präpariert. Seine kurzen Auszüge aus dem ersten Band gaben einen Einblick in die unterschiedlichen Handlungsstränge, aber auch in die Stimmungen, die von Wut über Trauer bis hin zu Klamauk und Horror gehen.

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Humor gabs auch

In der Pause konnte ich kurz mit ihm über die Entstehung reden und erfuhr, warum mir so ein bisschen der Höhepunkt fehlte. Eigentlich war der erste Band nämlich deutlich dicker. Und er versprach, dass im zweiten Band exakt dieser Höhepunkt mit Macht käme. Es war interessant, ihm zuzuhören, welches Feedback auf er auf den Roman bisher bekommen hätte, wie verteilt die Sympathien für die Figuren seien und welchen Diskurs es zu Neleis »Abenteuer« im Kloster gab. Dieses Kapitel ist in der Tat sehr außergewöhnlich und bewegt sich nicht auf gewohnten High-Fantasypfaden.

Als musikalische Nacht-Nuance gab der Liedermacher Josias Ender (der Link führt zu Facebook) Kostproben aus seinen gefühlvollen Liedern, deren Texte lyrisch schwebend zur phantastischen Drachen-Fliege-Nacht passten.

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Josias Ender

Seine erste CD Aus den Wäldern in die Städte konnte ich vor Ort erwerben, Lieder von der demnächst erscheinenden zweiten Scheibe hatte er im Gepäck, sodass sich Kauf und Zuhören im Doppelpack lohnten.

Nach der Pause gab es eine noch unveröffentlichte Story von Marry, in der es um die Macht der Religion und die Ehre geht, der Wächter der steinernen Eichel zu sein. Tom unterstütze die Lesung als alterndes Eichhörnchen ohne Haare.

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In Odins Namen: Marry und Tom

Das große Finale durfte dann wieder Aleš bestreiten, der uns zwei der witzigen Nebenfiguren aus Die lautlose Woge vorstellte.

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Im Hintergrund die Karte von Neroê

Zum Ausklang der Blauen Stunde griff Tom noch weit in die Vergangenheit und las einen Text aus dem Nautilus-Projekt vor, in dem er als Projektleiter nicht nur AutorInnen zusammenbringen musste, sondern auch noch die Band The Sycamore Tree.

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Tom Manegold’s Blues

In die Nacht entließen uns dann zum Schluss weitere magische Songs von Josias Ender.

Für Mitte August ist bereits die nächste Fantasy-Nacht avisiert und nach dieser tollen Premiere habe ich große Lust, wiederzukommen. Marry deutete auch an, dass bis dahin Neues aus dem Reich der urbanen Fantasy gereicht werden kann.

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Ein strahlender Blick in die Zukunft

Lassen wir uns überraschen!

Schöne, alte Welt

Mein Einstieg in die epische »high« Fantasy erfolgte mit Shannara von Terry Brooks. Dass es sich dabei um einen Herr-der-Ringe-Klon handelte, erfuhr ich erst später.

Spätestens mit dem Rad der Zeit wurde mir klar, dass derartige Fantasy-Reihen letztlich generische Varianten einer einzigen Geschichte darstellen. Darum verfalle ich ihnen vielleicht nicht mehr so mit Haut und Haaren. George Martins Lied von Eis und Feuer etwa fand ich beim Lesen zwar spannend, aber auf Dauer konnte mich eine Fantasy Soap-Oper nicht fesseln.

Darum habe ich in letzter Zeit neue Fantasy-Reihen eher gemieden. Doch bei einem neuen Projekt der Edition Drachenfliege wurde ich wieder schwach.

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Die lautlose Woge von Aleš Pickar

Die lautlose Woge von Aleš Pickar ist der Auftaktband seiner Fantasy-Reihe Kalion und kann sich problemlos mit den genannten Reihen messen lassen. Pickar beschäftigt sich schon eine Weile mit Kalion; das kann man auf seinen diversen Internet-Auftritten nachlesen. Auch im Buch spürt man an vielen Stellen den großen Aufwand, den er in seinen Weltenbau steckte. Wie Tolkien legte er Wert auf kulturabhängige Sprachen, allerdings nicht unbedingt mit dem Ziel, seiner Heimat eine fehlende Mythologie zu ersetzen.

Was mich bei dieser Art von Fantasy immer wieder verwundert, ist das mittelalterliche Setting. Als Geschichtsfan kämen mir eine Reihe spannenderer Epochen in den Sinn, zumal es sich meist um romantische Zerrbilder der frühen Neuzeit handelt. Hauptsache keine Technik.

Aleš Pickar hat sich in seinem ausführlichen Essay Die Mechanik der Schändung mit diesem Thema ebenfalls beschäftigt und für sich Antworten auf die Mittelalter- und Gewalt-Problematik gefunden.In meinen Augen geht er in »Die lautlose Woge« keine neuen Wege, aber der Grad der Innovation hängt ja immer auch von den eigenen Erfahrungen ab. Und ich selbst habe auch keine Ideen, wie man ein realistisches Mittelalterfeeling und neue Stoffe verbinden kann. Für Saramee etwa habe ich auch kein befriedigendes Konzept und wandere auf den Pfaden der Beliebigkeit. Es ist schon schwer, kreativ zu werden, wenn man selbst nicht an das Potential glaubt.

Da hat es Aleš Pickar leichter und griff ganz unbefangen in sein eigenes Wunderhorn. Er schuf für den Eröffnungsband eine Reihe interessanter und recht unterschiedlicher Figuren, versetzte sie in dramatische Situationen, die ihr Leben verändern und lässt im Hintergrund eine weltweite Bedrohung dräuen. Alles spritzig und abwechslungsreich erzählt. Nun muss sich nur noch eine treue Fangemeinde finden, die auf allen neumedialen Wegen eine Fortsetzung fordert.

Mehr zum Inhalt des Buches schrieb ich in meiner Rezi: Die lautlose Woge von Aleš Pickar

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