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Das Zeitalter des Blechs

Meine Comichelden in Kindertagen hießen Dig, Dag, Digedag, Ritter Runkel, Abrax, Brabax und Califax.
Keine wirklichen Superhelden, aber ich fand sie super.

Vielleicht liegt es am Fehlen all der Comics und Serien in meiner Jugend, dass ich mit den Marvel- und DC-Filmen so wenig anfangen kann. Natürlich kann ich Action, SciFi und den Humor darin wertschätzen, aber letztlich interessiert mich das seltsame Schicksal der Figuren nicht die Bohne.
Und ich habe keine Ahnung warum. Mir sind die Ähnlichkeiten zu Star Wars oder den Herrn der Ringe durchaus bewusst, aber irgendwie ist mir Darth Vader näher als Ultron.

Erstaunlich, wie Marvel es geschafft hat, mit ihren Filmen nicht nur die Massen ins Kino zu holen, sondern auch die Fans zu begeistern. Und ich stelle mir vor, wenn in der selben Preisklasse etwa so großartige Werke wie Perdido Street Station, Against the Day oder Midworld verfilmt würden.
Aber das wird wohl nicht passieren.

Doch jedem sein Plaisirchen. Ich arbeite mich gerade durch Venus siegt, meinem dritten Buch von Dietmar Dath. Eine SF-Geschichte über Personenkult, Totalitarismus, ihre Kinder fressende Revolutionen und dem Zusammenleben von Robotern, Menschen und Künstlichen Intelligenzen. Ich bleibe weiter dabei, dass Dath der bedeutendste SF-Autor unseres Landes ist und ich bewundere seinen Output. Die Art und Weise, wie er gesellschaftliche Probleme literarisch in Zukunftsentwürfe packt und zumindest meistens eine spannende Handlung scheinbar mühelos aus dem Handgelenk schüttelt, fasziniert mich ungemein.

Venus siegt von Dietmar DathVenus siegt von Dietmar Dath

Verfilmen wird das bestimmt auch niemand, aber wenn er es vielleicht wie schon mit Die Abschaffung der Arten ins Theater schafft, wäre es auch toll.
Da gibt es Platz für unendlich viele Zeitalter.
:wave:

Ein Herz für Science-Fiction

Seit Pulsarnacht bin ich Fan von Dietmar Dath. Mein Fanboytum verstärkte sich durch den grandiosen Roman Feldeváye und wurde bestätigt durch das Theaterstück zu Die Abschaffung der Arten in der Bearbeitung von Claudia Bauer.

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Dietmar Dath auf der Lesung im Otherland am 16.05.2014

Natürlich hat auch die Lesung im Otherland dazu beigetragen und darum bin ich ganz begeistert, dass ich über den Golkonda-Verlag Kontakt mit Dietmar Dath aufnehmen konnte und er trotz zeitlicher und anderer Probleme, die Zeit fand, mir auf meine Interviewfragen zu antworten.

Danke Dietmar und Danke Hannes!

Das ganze schöne Frage-Antwortspiel gibt es hier: Interview mit Dietmar Dath

Was wird den Menschen vernichten?

Die Romane von Dietmar Dath sind nicht unbedingt locker wegschlürfbare Texte, kein Wunder also, dass man sich in Theaterkreisen dafür interessiert.
Darum erfreute es mein Explorer-Herz, als ich parallel zu meiner Feldeváye-Lektüre von einem Theaterstück nach dem Roman Die Abschaffung der Arten hörte.

Hier in Berlin! Im Szene-Stadtbezirk Lichtenberg.
Nicht mosern, da die Szene ständig wandert, wird auch Lichtenberg mal dran sein.
Unsere Ururenkel werden das noch erleben.

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Das Theater an der Parkaue

Die Premiere fand am 03. Juni statt und Karten gab’s natürlich keine mehr. Online konnte ich dann Karten für den September reservieren. Falls ihr das nachmachen wollt, die Software versteht darunter kaufen. Kommt also gleich eine Rechnung, nicht wundern, so wie ich. :wave:

Gestern waren wir da. Das ehemalige Pionierhaus German Titow hab ich bestimmt schon mal besucht, aber erfolgreich aus meinen Erinnerungen gelöscht. Wer weiß, welch toller Pioniernachmittag uns hier damals erfreute.

Heute ist das alles längst (unsichtbare) Geschichte. Man geht nicht direkt in den Theatersaal, sondern wird abgeholt. Während der Vorstellung hab ich natürlich nicht geknippst sondern nur vorher und danach, damit man einen kleinen Eindruck bekommt.

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Dunkel wars und schummrig: Vorher

Das Stück selbst hat mich begeistert.

Der Saal ist nicht groß, es gibt eine kleine Tribüne mit Bänken für die ZuschauerInnen, mehr als fünfzig dürften keinen Platz haben. Es gibt keine Lehnen, und obwohl das Stück nicht lange ging, verkrampften meine eh nicht besonders tollen Muskeln in Rücken und Nacken.

Aber die Schmerzen war es wert.

Das Ensemble bestand aus drei Männern und sieben Frauen, die verschiedene Rollen spielten. Dazu machten sie Geräusche, übernahmen Stimmanteile, bedienten kleine Kameralinsen, mit denen der Hintergrund auf der Leinwand inszeniert wurde. Sehr witzig, als ein Dschungel und später eine Sexszene so dargestellt wurde. Ohne echten Sex oder Dschungel natürlich.

Sehr oldschool war vielleicht auch das Fehlen von spritzenden Flüssigkeiten. Lediglich Lamatta und Schaumstoffsteine flogen umher. Die Requisiten waren grundsätzlich sehr kreativ. Die verschiedenen Tierkostüme konnte man zum Teil auf ihre Bestandteile zurückführen, etwa Damenschuh oder Fahrradhelm, waren aber dennoch deutlich Tierkostüme. Schön dazu.

Im letzten Teil des Stückes wurde mit kleinen Handpuppen gespielt, Ein utopischer Krieg wurde mit Pappkriegsmaschinen geführt, welche die Puppenkriegerin geschmeidig besiegte. Dabei agierten die jeweils drei SchauspielerInnen mit ihren Puppen äußerst virtuos. Die rote Kriegerin, es müsste Padmasambhava gewesen sein, geriet dabei ungemein überzeugend, als ob die PuppenspielerInnen in diese Figur aufgegangen waren. Sehr beeindruckend.

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Nachher war mehr Lametta

Da ich das Buch noch nicht gelesen habe, musste ich mich ganz von der Handlung treiben lassen. Eine Gruppe Touristen besucht die Erde und will wissen, warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist. Und so geht’s per Zeittunnel in die Vergangenheit der Zeit der großen Langeweile. Also heute.
Die Menschen mit ihren öden Leben werden von den Gente abgelöst, die sich ihre Art beliebig aussuchen können, so laufen denn Löwe, Fuchs, Wolf, Eselin, Dachsin, Libelle, Luchsin, eine Eibe und eine wahre Frau über die Drehbühne. Bald aber kommt ein Mischwesen aus Keramik und beginnt die Gente wiederum zu verdrängen …

Es war die ganze Zeit etwas los auf der Bühne, alle agierten für mich völlig überzeugend und fesselnd. Vor allem aber vermittelten sie mir den Eindruck, den Dath verstanden zu haben. Wenn vielleicht nicht aus der SF-Sicht heraus, sondern eher so in Richtung Evolution.
Einige anwesende Jugendliche hingegen unterhielten sich hinterher, dass ihnen der Sinn des ganzen bis zum Schluss unklar blieb. Tja, ein Einsteigerstück ist es definitiv nicht.

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Ein kleiner Eindruck von den Tierkostümen, Eselin- und Löwen-Maske sind zu sehen

So gefällt mir Theater. Wenn ich das Buch lese, werden mir diese Theater-Bilder wieder einfallen. Ich kanns nur empfehlen, preiswert ist es zudem auch noch. Keine Ahnung, wie man von dreizehn Euro die Karte, so etwas finanzieren kann. Aber es scheint möglich. Das sollte man dann auch nutzen, also strömt hin, bevor uns die Gente verdrängen. Ich würde übrigens ein Adler sein wollen.
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Kostbare Sammelstücke, die ich ins Buch packe. Zum Glück ist es kein eBook

Vielen Dank an:
Denis Pöpping
Corinna Mühle
Jan Friedrich
Nico Parisius
Franziska Rattay
Nora Lee Sanwald
Mirjam Schollmeyer
Helene Schmitt
Nathalie Wendt
Lena Wimmer

und an die Regisseurin Claudia Bauer samt Team!

Mehr Infos zu Stück und Bühne gibt auf der Parkaue-Homepage.

Preise für alle

Der Preis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ist wieder einmal im Gespräch. Die Longlist wurde veröffentlicht und etliche Buchblogs (etwa Buzzaldrins Bücher) sind bereits fleißig am Lesen.
Als Phantastik-Freund ist diese Liste für mich wie ein Blick ins Telefonbuch von Nairobi.

Fast jedenfalls. Denn just meine gegenwärtige Lektüre steht drauf.
Der Unternehmer von Matthias Nawrat ist aber auch eine SF-Erzählung. Wird natürlich nicht als solche beworben. Das dünne Büchlein enthält eine bisher sehr faszinierende Geschichte über ein Mädchen, das in einer postapokalyptschen Schwarzwald-Welt Liebe und Verantwortung entdeckt. Sehr einfallsreich aus der Sicht des Mädchens erzählt, in einer Sprache, die gleich das soziale Umfeld abbildet, denn Lipas Familie beschränkt sich auf eine enge und unternehmensgebundene Sprache.
Das ist mehr als cool.
Wenn die Handlung nicht noch in irgendeine Niederung abrutscht, werde ich das Bändchen sehr empfehlen können.

Aber das beste deutschsprachige Buch des Jahres ist immer noch Dietmar Daths Feldeváye. Auch SF.
What else?

Jup und weil’s so schön ist, kommt heute Abend gleich der nächste SF-literarische Höhepunkt: Frank Böhmerts Lesung im Otherland.
Er stellt da seinen Berlin-NEO-PR-Roman vor. Bin schon sehr gespannt.

Berlin 2037 von Frank Böhmert, Cover von Dirk SchulzBerlin 2037 von Frank Böhmert, Cover von Dirk Schulz

Das Heft werde ich natürlich erstehen. Es ist Nummer 76 der Reihe. Band 1 hatte mich damals nicht dazu verführt, wieder ins Perryversum einzusteigen. Mit Reboots kann ich eh nicht viel anfangen.
Aber der Hauptgrund, warum ich auch damals mit dem Lesen der Erstauflage von Perry Rhodan aufhörte, ist einfach die beschränkte Lesezeit. Eine regelmäßige Serie füllt zu viele Slots, in die ich lieber reizvolle Bücher stecke. Sicher gibt es auch gute Bände in der Serie, aber letztlich ist die Bandbreite begrenzt. Wenn ich mir anschaue, in wieviele Genres, Kulturen und Stile ich allein dieses Jahr reingekrochen bin, dann bereue ich da nix. Meine Perry-Zeit war schön und ich werde vielleicht bald mal eine Lesereise zurück machen. Dann kralle ich mir die Liste mit den Spinnen-Bänden und schwelge in der Erinnerung an die Entdeckung des Sense of Wonder.
Oh Colounshaba!

Nur ein Roman

Endlich habe ich das Mammut-Werk von Dietmar Dath auch durch. Keine triviale Lektüre, aber ich habs sehr genossen.

Feldeváye von Dietmar Dath

Mal sehn, ob das Fandom diesen komplexen Brocken annimmt, oder wieder in die Feuilleton-Ecke steckt. Wäre sehr schade!

Meine Rezi gibts im Fantasyguide.

Dietmar Dath im Otherland

Am Freitag war es soweit!
Dietmar Dath hat sich inzwischen zum wortgewaltigsten deutschen SF-Autor gemausert. Eine Lesung mit ihm ist ein Erlebnis. Ich konnte meine Fragen anbringen, weiß nun, wie man Feldeváye ausspricht und kann meine baldige Rezi wunderbar unterfüttern.

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Dietmar Dath liest aus Feldeváye

Einen ausführlicheren Bericht und noch mehr Fotos gibt’s im Fantasyguide.

Lass es regnen, Karsten!

Ich weiß gar nicht so genau, warum ich bisher noch keinen Roman von Karsten Kruschel gelesen habe. Es kann sich nur um Elfenwerk handeln.

Aber da ich nun im Rahmen der diesjährigen DSFP-Runde seinen dritten Vilm-Roman, Das Dickicht, lesen musste, hat es mich nun aber so richtig erwischt!

Karsten Kruschel – Das DickichtKarsten Kruschel – Das Dickicht

Was für ein schnuckeliger SF-Roman aus dem Wurdack-Verlag. Karstens Figuren sind scheinbar völlig selbständige Entitäten, die einen Planeten bewohnen oder durchstreifen, der sich fast noch emanzipierter benimmt als sie.
Okay, es ist nicht der Planet selbst, sondern ein den Äquator umspannendes riesiges Gewächsgewimmel voller Tiere, Pflanzen und Wildgemischten. Immer wieder zeigt es den kleinen außerirdischen Lebewesen einen Stinkezweigfinger.

Aber das Besten am Roman ist, das Karsten ungemein fokussiert schreibt. Es gibt keine Längen, weder im Umfang einer Szene, noch in den Beschreibungen oder Info-Vermittlungen. Selten habe ich eine so konzentrierte und trotzdem verspiele Handlung erlebt.
Großartig. Kruschel verwirbelt seine Handlungsstränge und Weltenbauideen wie Dietmar Dath, nur dass man bei ihm jeden Satz versteht.

Ihr seht schon, ich bin hin und weg. Keine Ahnung, ob ich diese Begeisterung auch in der Rezi unterbringen konnte, auf jeden Fall muss ich mir bald irgendwie Zeit freischaufeln (und sie dann auch nehmen), um die restlichen Vilm-Bände zu lesen.

Kollege Jeschke hat es da gerade ziemlich schwer, mich für seine seltsame Gut / Böse Story Dschiheads zu begeistern.

Lektüreprobleme

Für den DSFP lese ich gerade Drake von H. D. Klein. Ach, was ist das schwer, sich mit diesem Buch zu beschäftigen. Klar, mich hatte der Klappentext nicht gereizt, das Buch schon vorab zu lesen und mein Gefühl scheint sich zu bewahrheiten. Zwar gibt es spannende Momente, aber erzählerisch bringt Klein mich ständig auf die Palme. Langweilige und redundante Innensichten von zu vielen Figuren und Plotwendungen, die ausgewürfelt scheinen.
Ohne Pflicht, hätte ich es schon längst beiseite gelegt. Ok, ich hätte es gar nicht erst angefangen.

Ein ganz anderes Problem liefert Dietmar Dath. Feldeváye macht unglaublichen Spaß. Hier gibt es erzählerisch und vor allem was die sprühende Fantasie anbelangt, nichts zu meckern.

Nichts zu meckern, ist, als Erklärung für Nichtberliner, der Olymp der Komplimente

Und was ist das Problem? Dath-typisch gibt es Auslassungen im Text, denen ich gedanklich nicht zu folgen mag. Bin ich einfach zu blöd für. Das betrifft wahrscheinlich sogar den Grundgedanken des Romans. Irgendwie geht es um eine Gesellschaft, in der es keine Kunst gibt, da sie verwirklicht ist. Dann kommt aber doch wieder Kunst hinzu und das verwirrt alle.

Ehrlich, ich hab bisher keine Ahnung, wo das Problem ist, oder was es bedeutet, wenn Kunst verwirklicht ist.

Ich sehe mich ja auch als Künstler. Aber das hat für mich nichts mit Verwirklichung zu tun, sondern mit Laufen- und Rauslassen. Und das wäre nichts, dass sich beenden könnte, außer mit meinem Ableben.

Nächste Woche issa im Otherland und ihr könnt euch drauf verlassen, dass ich den Kollegen dazu befrage. In Deutsch kann ich Fragen stellen. Da mangelt es mir bei den englischsprachigen AutorInnen-Events noch.

Eine große Sache noch zum Schluss. Mit schwellender Freude höre ich gerade das neue Notwist-Album CLOSE TO THE GLASS in Dauerschleife. Jedesmal gibt’s wieder etwas neues zu hören. Sounds, Effekte und melancholischer Gesang. Was für ein Glück, dass bald ein Konzert ansteht.
:wave:

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