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Die Nacht der Kleinen Leute

Es war zu erwarten, dass zur Vorstellung einer Anthologie, deren Mitwirkende die phantastische Literatur hierzulande seit Jahren prägen, jede Menge Feenvolk und auch genügend Trolle und Zwerge in das Kreuzberger Otherland wandern würden.
So gut gefüllt sah man die buchgewaltigen Hallen selten. Das Ziel des phantastischen Volkes war die »Anderswelt«. Eine Anthologie, herausgegeben von benSwerk und Holger Much.

Ben dürfte als Coverkünstlerin vielen bekannt sein, schuf sie doch unzählige Designs für die Golkonda-Bücher und so wundert es nicht, dass auch neun Bildkünstlerinnen und Bildkünstler mit ihren Zeichnungen, Gemälden und Illustrationen in »Anderswelt« vertreten sind.

Das Otherland war also gerappelt voll, man sah die, die immer hier sind und auch die, die man stets hier und dort antrifft.

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Die stolze Herausgeberin: Ben

Pünktlichst begann der Lesungsteil. Ben freute sich, die »Anderswelt« im Otherland zu präsentieren, dem Ort, an dem nach ihren eigenen Worten Realität magisch wird und Fantasie real. Oder wie die Otherlander es formulierten: Phantastik wahr wird und Realität magisch.

Nach Bens kleiner Projektvorstellung bestieg als Erster Zauberer Christian von Aster das gefährliche Podest der Poesie und eröffnete mit dieser sportlichen Höchstleistung den Reigen lustiger Podestpossierlichkeiten, denn das mühevolle Erklimmen der Lesebühne machte das Podium für Christian zum Symbol für den Balanceakt zwischen Realität und Phantastik.

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Christian von Aster

In Anbetracht fehlender Zeit für eine Geschichte war er ganz froh, dass man ihm die Möglichkeit gab, mit einem Gedicht in der »Anderswelt« vertreten sein zu dürfen. Als Inspiration zu seinem Poem »Die wilde Jagd« diente ihm das Bild »Nachtvolk« von Holger Much, ebenfalls im Buch zu finden. Der Vortrag, mit dem sich die Pforte zur Anderswelt öffnete, erklang gewohnt stimmgewaltig und wohlbetont.

Ihm folgte der einzige und anbetungswürdige Jasper Nicolaisen und Jasper besitzt eine wunderbar prägnante Erzählstimme, der ich stundenlang lauschen könnte.

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Jasper Nicolaisen

Er war froh, endlich wieder Phantastik bringen zu können, denn in letzter Zeit sei er gezwungen gewesen, ganze Bücher mit echten Menschen vollzuschreiben.
In »Schwarzbraun ist die Haselnuss« geht er darum auch ganz tief in die Schatten von Neukölln und erzählt von den Kleinen Leuten. Eine wunderbare Liebeserklärung an die Menschen, die jenseits normaler Lebensentwürfe in Berlin leben. Jasper kredenzte eine breite und bis in die tiefsten Poren liebenswerte urbane Märchenwelt. Wenn ihr einen einzigen Grund braucht, »Anderswelt« zu kaufen, dann solltet ihr in diese Geschichte hineinlesen. Berlin war schon lange nicht mehr so mythisch!

Sodann folgte Otherlander Simon Weinert, der in »Wo die Feen herkommen« eine Verbindung zwischen der Einsamkeit jugendlicher Dichter und der Geburt von mythischen Wesen herstellte.

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Seine Beschreibungen über das Großwerden in einem Dörfchen der Schwäbischen Alp zeugten von tiefen Verständnis jener Zeit, da Bücherleser mit drängenden Körpersäften fernab Gleichgesinnter ihre eigenen magischen Orte erschufen.
Das klang autobiographisch und war auch deshalb sehr amüsant.

Und um das Trio der ehemaligen Lesebühne »Schlotzen & Kloben« voll zu machen, folgte Jakob Schmidt.

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Jakob Schmidt

Vor der Pause teaserte er uns mit dem Beginn seiner Geschichte »Die Wechselbälger«, die auch die Anthologie eröffnet. Bei Jacob stehen ebenfalls seltsame kleine Leute im Mittelpunkt und zeigen durch ihre Andersartigkeit, wie komisch eigentlich das ist, was wir als normale Welt betrachten.

Dirk-Boris Rödel eröffnete nach der Meisterung des Podestbesteigens die zweite Lesungshälfte mit »Die Hexe«, einer Mischung aus Gedicht und alternativer Genesis.

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Dirk-Boris Rödel

Er war auch der erste mir unbekannte Autor des Abends und sah auf jeden Fall wie ein sehr ambitionierter Phantastikautor aus.

Zurück in die nüchterne Welt holte uns sodann Jenny-Mai Nuyen mit dem autobiografischen Text »Pascal entscheidet«.

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Jenny-Mai Nuyen

Sie las den Text wegen seiner Länge nur an, empfahl uns aber unbedingt die Lektüre der ganzen Geschichte, weil man hinterher entweder gläubig oder Atheist würde. Mir wäre es ja lieber, durch das Lesen phantastischer Geschichten gesund oder zumindest schlanker zu werden.

Isa Theobald entführte uns danach in die schottische Mythologie und in die Zeit kindlicher Offenheit und Freude an der magischen Natur der Welt.

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Isa Theobald

Isa erfüllte sich mit der Lesung einen Lebenstraum, nach dem sie vor ein, zwei Jahren via Facebook diesen merkwürdigen Buchladen auf der anderen Seite der Republik entdeckte. Sie nahm nun extra 800 Kilometer Weg in Kauf, um endlich im Otherland zu lesen.

Mit einer ganz besonderen Geschichte beschloss Tobias O. Meißner den Abend. »Den Wald vor lauter Bäumen nicht« versteht man nur in Kombination mit der Illustration von Ben, die sie deshalb auch mittels Beamer und Leinwand an passender Stelle einblendete.

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Tobias O. Meißner

Tobias bezeichnete sich als Leichtgewicht unter den Autoren, nachdem er mühelos das Podest erklommen hatte und stellte einen übernatürlichen Zusammenhang zwischen den Geschichten des Abends her. Mit ihm endete der Textteil und die Diashow mit Bildern der Anthologie leitete zum Kunst- und Partyteil über.

Ein reger Run auf die Künstlerschafft begann und es wurden noch fleißig Autogramme und Pläne ausgetauscht.

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Simon signiert strahlend

Ein schönes Buch, ein schöner Abend in schöner Gesellschaft – ein Hoch auf die Fantasie und all die kleinen Leute, die uns inspirieren und unsere offenen Ohren und Herzen verdienen.

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Manche Märchen mögen’s kürzer

Noch im letzten Jahr bekam ich über Facebook den Hinweis von Michael Marrak, dass er im Januar ein Lesung mit Christian von Aster in Berlin abhalten werde und da ich beiden blind in Sachen cooler Phantastik vertraue, landete der Termin sofort in meinem Kalender.

Die Infos zur Veranstaltung waren nicht besonders konkret, nur dass es eine Nachmittags- und Abendlesung geben werde und Märchen das Thema seien.
Wir entschlossen uns, einen Spaziergang durch Moabit mit der Lesung zu verbinden und da im Winter das Licht eher nachmittags zur Besichtigung unbekannter Welten geeignet ist als im trüben Abenddunkel, wählten wir die 15 Uhr Vorstellung. Erst beim Erforschen der Location kam mir in den Sinn, dass die frühe Lesung Kinderkompatibel gedacht sein und sich somit das Programm am Abend unterscheiden könnte.

Aber egal, wir hatten einen Plan und los ging’s.

Die Gegend am Nordufer der Spree macht einen eher ruhigen Eindruck. Zwischen Altbaubeständen gibt es jede Menge seltsamer Neubauten, dennoch spürt man die lebendigen Reste eines Arbeiterviertels.

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Die Kulturbremse verstärkte diesen Eindruck noch. Ein kleines Projekt für Kinder, wo der Hausherr die Gäste persönlich mit Handschlag und netten Worten begrüßt und sich engagiert um die kleinsten Gäste kümmert. Bühne und Publikum befanden sich im Trainingsraum der Kulturbremse, in dem sonst Kinder Zirkusdinge lernen können.

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Amandara

Zunächst stellte uns Amandara den Hintergrund der Lesungen vor. So gingen die Einnahmen des Tages komplett zu gleichen Teilen an Frecher Spatz e. V. und Brot und Bücher e. V.

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Der noch nicht alte Conrad

Als musikalische Begleitung hatte sie Conrad, den Saitenreichen, gewinnen können, der von Spilwut und Wolgemut bekannt sein könnte und nicht nur wunderbar Harfe spielt, sondern auch ein lustiger und freundlicher Kerl zu sein scheint.

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Mächenmagier von Aster

Dann ging es los. Christian von Aster erzählte kurz, dass er erst im letzten Jahr wieder zu den Märchen fand, als er 450 Märchenbücher aus einem Nachlass erstand. Dabei wurde ihm bewusst, dass Märchen sein ursprünglicher Zugang zu Geschichten waren. Heute lebt er davon, dass er Geschichten erzählt. Märchen haben auch heute noch Bedeutung.
Mit einem magischer Fingerbewegung änderte er das Licht der kleinen Kugel auf dem Tisch zu seiner Seite und dann begann er mit dem Märchen aus Indien »Die Ziegenkönigin«.

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Michael Marrak

Michael Marrak stellte dann mit »Die Sternenfrau« eines der indianischen Märchen vor, die in Der Garten des Uroboros zu finden sein werden, seinem nächsten Roman, der im Frühjahr bei Amrûn erscheinen wird.

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Ingeborg Middendorf

Ingeborg Middendorf hatte sich das Märchen vom »Tischlein deck dich, dem Goldesel und dem Knüppel aus dem Sack« in der Fassung der Gebrüder Grimm ausgewählt. Leider zog sie das Märchen extrem in die Länge und unterbrach es immer wieder für Erklärungen. Trotz zunehmender Unruhe der Kinder.

Dadurch musste das Programm dann leider verkürzt werden. Christian erzählte noch ein kurzes Märchen aus der Schweiz, »Das schneeweiße Steinchen« aber Michaels zweites Märchen, »Das Sternenmädchen«, das er für das schönere seiner beiden Texte hält, musste leider entfallen. Traurig, aber da ich mir das Buch sowieso kaufen werden, und es auch sofort zu lesen gedenke, kann ich diese kleine Unschärfe bald beseitigen.
Man hätte die Wartezeit bis zur Abendlesung noch mit Gesprächen und Imbiss überbrücken können, aber wir entfalteten den Regenschirm und zogen Richtung Hansaviertel davon, den kleinen Spaziergang durchs Unbekannte fortzusetzen.

Die Karawane der Belesenen

Ein kleiner Blogartikelstau möchte aus  der Aufschiebe-Ecke abgeholt werden.
Na dann mal los!

Am letzten Wochenende fand bereits zum fünften Mal die Berliner Buchmesse Buch Berlin statt. Nach zwei Jahren in Neukölln reiste die kleine Messe einmal quer durch die Stadt nach Moabit und fand einen Unterschlupf in einem Hotel, das zu einem Einkaufszentrum gehört. Ich war hier noch nie.

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Erst gut mit Buch

Man musste den Eingang des Einkaufszentrums benutzen und meine Erwartungshaltung sank rapide, als wir die Rolltreppe Richtung Asia-Imbiss nahmen. Die Messeräume selbst befanden sich im Hotel und erfüllte solide ihre Zwecke, allein die Garderobe erwies sich als deutlich zu klein kalkuliert.

Die Buch Berlin ist geprägt von engagierten Kleinverlagen und Selbstveröffentlichungen vor allem aus dem Fantasy-Bereich, queere Literatur und bezaubernde Kinderbücher.

Die Säle und Räume erwiesen sich als gut gefüllt, wobei ein Großteil der Leute allerdings Namensschilder trugen und dementsprechend wohl AusstellerInnen waren.

Es fanden sich jede Menge alte Bekannte vom Verlag ohneOhren, über Art Script, Amrûn, periplaneta bis hin zu Sternensand und der Edition Roter Drache. So traf ich denn auch die aufgekratzte Swantje Niemann, schaute kurz bei der Lesung von Anja Bagus vorbei, beäugte Christian von Asters bedeutsames Umhereilen, sah Ann-Kathrin Karschnick mit Laurence Horn herumherzen  und erwischte Torsten Low beim Stimmungsaufhellen.

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die aethärische Anja Bagus

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Christian von Aster und Markus Heitkamp

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Ein Horn und eine Fee

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Mira Valentin zeigte Flügel

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Jesko Habert und Sarah Strehle am periplaneta-Stand

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Swantje zog strahlend durch die Gänge

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Torsten Low und Claudia Rapp planen Projekte

Da ich Fantasy eher am Rande lese, suchte ich nach Science-Fiction, was auf der Buch Berlin erfahrungsgemäß nicht ganz so einfach ist. Jedoch erwarb ich ein Paläo-SF-Werk eines zeichnenden Autors und bin schon gespannt, wie es sich lesen wird.

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Robert Rittermann hielt die Fahne der SF hoch

Meine Liebste hingegen wurde beständig angesprochen und konnte sich als Volltreffer der Zielgruppe auch gleich drei Bücher mit nach Hause tragen lassen und bestimmt tausendmal entwich sie mit einem deutlichem Zögern. Kein Wunder, dass wir etliche Stunden auf der Messe verbrachten.

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Samy Hale verführte zum Buchkauf

Auch die fünfte Buch Berlin hat sich also für uns gelohnt. Es wuselten wieder sehr viele begeisterte Autorinnen und Autoren herum. Spannende Projekte versprachen viel und begleiteten bunt ein wunderbares Bücherwurmgewimmel. Und natürlich konnte ich auch einige Bilder für die AutorInnenseiten des Fantasyguides knipsen.

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Spannendes Projekt Divoisia

Solche Erlebnisse helfen dann doch, das deprimierende Versumpfen in einem Drecksgroßraumbüro halbwegs zu überstehen.

Unsre kleine Gärtnerei

Mit christlicher Religion hab ichs nicht so, von daher hat mich eine eingehende Betrachtung mittelalterlicher Gemälde mit religiösen Motiven nie sonderlich interessiert.

Nun hat sich aber Christian von Aster einem jener Werke gewidmet und da mich jener Wortmeister fasziniert, überwand ich alle kulturelle Schranken und fuhr in die Z-Bar. Denn dort präsentierte Herr von Aster Boschs Vermächtnis: Eine phantastische Anthologie für deren Geschichten die Beteiligten Bildausschnitte des Gemälde-Triptychons Garten der Lüste von Hieronymus Bosch als Inspirationsquelle bekamen.

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Boschs Vermächtnis, Cover und Herausgeber: Christian von Aster

Mit großer Freude, die alte Wirkstätte des StirnhirnhinterZimmers wieder zu betreten, präsentierte Christian das dicke Büchlein. Neben ihm waren eine Autorin und fünf Autoren nach Berlin geeilt, uns das gärtnerische Erbe zu vermachen.

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Lauschet dem Meister Christian von Aster!

Allen voran erzählte Luci van Org in Vogeltränke ein durchaus glaubwürdige Variante des christlichen Schöpfungsmythos, deren Witz sich zum Finale hin immer weiter steigerte.

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Luci van Org

Sie las das mit genau der richtigen Mischung aus komödiantischem Ernst und schalkhafter Klamotte.

Ulf Torreck ist mit der Geschichte Damenwahl unter dem Pseudonym David Gray in der Antho vertreten.

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Ulf Torreck

Er teaserte seine Geschichte nur an, die zumindest eine interessante Datingkatastrophe versprach. Der große Mann ließ irgendwann seine rechte Hand frei und sie agierte fortan als munter wuseltrommelnde Untermalung der Geschichte.

Sascha Dinse kannte ich schon von einigen Texten und seinem Blog. Auf seinen Auftritt war ich sehr gespannt. Ruhig, fast schüchtern im Auftreten bot er die perfekte Untermalung seiner düsteren, apokalyptischen Rachegeschichte Lisbeth, die so ziemlich alles zusammenfasst, was man sich unter dem finsteren Mitteleuropamittelalter vorstellt.

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Sascha Dinse

Ob man nun eine Stunde alte Cure-Platten (also die wirklich alten) hört oder Sascha Dinse lauscht – stimmungstechnisch kann es nicht trüber werden.
Zum Glück kam dann die Pause und hellte meine Laune mit Schwarzbier auf.

Nach der kurzen Reise in die Helligkeit stürmte Michael Marrak die Bühne.

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Michael Marrak

Wie Christian anmoderierte, ebenfalls Seraph-Preisträger und das, man kann es nie oft genug sagen, völlig zu Recht für den grandiosen Kanon mechanischer Seelen.
Doch zunächst quälte er sich mit den Tücken platzsparenden Buchsatzes. Die Parabel vom Zwielicht ist passenderweise als Triptychon gehalten und Micha wollte eigentlich einen kursiv gesetzten Part vorlesen, jedoch schwenkte er dann später auf einen anderen Teil um. Elfenwerk steckt in jedem Detail.

So konnte Daniel Illger zwar nicht sein Bier austrinken, sprang aber gern zu einem Schäferstündchen herbei.

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Daniel Illger

Wer sich in Illgers phantastischem Werk auskennt, wird keine fröhliche Unterhaltung erwarten. Und er blieb sich in Der Schäfer treu. Ich hatte ihn 2016 auf der Leipziger Buchmesse das erste Mal lesen gehört, als er aus seinem Debüt Skargat vorlas – Seraph prämiert, wie ein stolzer Gastgeber und Mitpreisträger erwähnte.
Daniels Vortragsweise hat sich mächtig weiter entwickelt und überraschte mich durch seine hintergründige Düsternis.

Hingegen wieder unbekannt war mir Bernhard Stäber.

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Bernhard Stäber

In der Antho ist er unter dem Pseudonym Robin Gates vertreten. Nachtmahr behandelt eine walisische Silvestertradition, Mari Lwyd, und verfügt über genau jenen sich langsam aufschaukelnden Grauen um das Unglück eines Familienmitgliedes, das ich überhaupt nicht gern ertrage.
Das ist einfach nix für mein Darth Vaterherz. Toll war der Teil der Geschichte, den wir hörten, aber trotzdem.

Christian von Aster hatte uns sehr unterschiedliche Geschichten versprochen, und die bekamen wir auch.

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Der Nachlassverwalter: von Aster

Er ließ den Abend dann noch mit einem typisch Asteroiden Vortrag seines Vorworts ausklingen.

Der Garten der Lüste erscheint einem nach solch einer Lesenacht in gänzlich anderem Licht. Bosch hat da wieder einmal ziemlich finstere Gestalten unter seinen Erben gefunden und ich feiere das! Möge Boschs Vermächtnis die Runde machen und die Dunkle Seite mächtiger. Ihr wisst schon, die haben die Kekse.

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Lustvoll im Garten der Fantasie: Sascha Dinse, Michael Marrak, Ulf Torreck, Bernhard Stäber, Luci van Org, Daniel Illger und Christian von Aster

Missdeeding around the Busch

Als ich vom Verleger Hagen Tronje Grützmacher erfuhr, dass er für seinen Verlag Schwarze Ritter eine Zusammenarbeit mit Christian von Aster plane, dachte ich nicht, dass es auch gleichzeitig ein Wiedersehen mit den Zeichnungen von Rudolf Eizenhöfer würde.

Von dem stammen die beiden herzallerliebsten Kinderbilderbücher um den kleinen Ork, seinen Papa und seinem Goblinfreund.

Was kam bei solch grandioser Talentwürfelung heraus? Horrk & Grablakk – Eine Orkgeschichte in sieben Schandtaten.

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Horrk & Grablakk von Christian von Aster, Zeichnungen von Rudolf Eizenhöfer

Zunächst beginnt das Büchlein als deftige Hommage an Max und Moritz von Wilhelm Busch, wandelt sich aber bald in eine aberwitzige Parodie auf Gandalf, Artus und Orkgeschichten an sich.

Christian von Aster reimt gnadenlos und mit selbstbewusstem Metrum, so dass es eine chaotische Freude ist, ihm hinterherzuhopsen.
Das Buch ist klein, aber gemein und dreckig, besonders durch die skizzenhaft gehaltenen Zeichnungen. Es gibt auch in ihnen viele Busch-Zitate und kleine Gags am Rande.

Mir war es eine große Freude, Horrk und Grablakk auf ihrem Weg zu begleiten und tatsächlich macht das Ende Appetit auf mehr.

Mehr über Horrk & Grablakk von Christian von Aster in meiner Rezi im Fantasyguide.

PS: Gerüchte berichten, dass der kleine Ork bald auf Elfenwerk trifft!

Und der Bela kichert weise

Sprüche von Prominenten auf Covern von Büchern sind mit Vorsicht zu genießen, das ist mir durchaus bewusst, aber ich würde den Bela B. schon gern fragen, was er am Räuberbräutigam von Eudora Welty wahnwitzig oder zum Kichern fand.
Vielleicht ist das so eine Vampunk-Sache.

Ich bekam das Buch für den Fantasyguide vom Klett-Cotta Verlag als Rezensionsexemplar angeboten und habe quasi blind zugesagt, weil ich der Verlagsdame für das ebenfalls angebotene Gewinnspiel absagen musste.
Eigentlich wollte ich es im Urlaub lesen, aber besser spät als nie.

Der Räuberbräutigam von Eudora Welty

Der Räuberbräutigam von Eudora Welty

Das Buch verwirrte mich. Vielleicht hätte ich mich vorab mit dem Kontext befassen sollen.
Kurz gesagt, ich finde es komplett nicht lustig. Es steht ziemlich streng in der Tradition der Grimmschen Hausmärchen, ist also voller Gewalt und Moral.

Das Buch erschien 1942 und vermischt das gleichnamige Märchen aus der Grimmschen Sammlung mit der griechischen Legende von Psyche und Amor sowie mit den Abenteuergeschichten um einen alten Südstaatenflussschipper, der am und in Mississippi wohl bis heute recht bekannt ist.

Der Ton ist durchweg der eines Märchens, trotz Perspektivwechsel und dramaturgischen Kniffen, die zum einen die verschiedenen Quellen miteinander verknüpfen helfen, als auch die Spannung steigern sollen.

Im ersten Eindruck nach der Lektüre dachte ich, was für eine grausame Geschichte: Ein einfältiges Mädchen wird im Wald vergewaltigt und verliebt sich in ihren Schänder. Der sich dann auch in sie. Am Ende sind alle glücklich und die böse Stiefmutter ist tot.

Bei so einem gehypten Buch – irgendwo stand auch, es sei Grundlage für den Fantasy-Klassiker The Princess Bride von William Goldman – wollte ich natürlich nicht leichtfertig urteilen und je tiefer man dann über die Figuren nachdenkt, schälen sich Haut für Haut ein paar recht interessante Dinge von der beißenden Märchenzwiebel.

So gibt Eudora Welty der bösen Stiefmutter eine tragische Vorgeschichte, die erklären soll, warum sie so herzlos und egoistisch wurde.
Auch Rosamond, das einfältige Mädchen, ist nicht einfach nur eine Märchenfigur. Vielmehr wird irgendwie deutlich, dass sie beginnt, sich aus ihrer Notlage zu befreien und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Letztlich klingt das dann sehr feministisch. Zwar wird dem triebgesteuerten Räuber nicht der Schwanz abgeschnitten, aber er muss sich schon seiner Verantwortung stellen.
Das wird so jetzt vielleicht nicht die Intention von Eudora Welty gewesen sein, steht aber auch drin.
Letztlich setzte sich ja auch Psyche gegen ihre Umwelt durch und eroberte sich ihren Platz im Olymp. Und ihr Töchterchen wurde die Wollust, so zumindest eine der deutschen Übersetzungen von Hedone, der alle Hedonisten fröhlich opfern sollten.

Was mich auch gleich zu meiner zweiten Arbeit des gestrigen Abends bringt: Der ausfühlichere Bericht über die Lesung des literarischen Hedonisten Christian von Aster.

Diese seltsamen Verknüpfungen zwischen meinen literarischen Aktivitäten gehen aber noch weiter.
Rosamond heißt im Original Rosamund und ich weiß nicht, warum der 2004 verstorbene Übersetzer Hans J. Schütz sich für die Vokaländerung entschloss, aber gerade erst las ich von einer anderen Rosamond, die sich einen Prinzen erträumte und etwas realitätsfern auftrat, nämlich in George Eliots Middlemarch.
Selbst der Bela B. liefert noch eine Verknüpfung. Immerhin war ich ja dieses Jahr in einer Aufführung von Béla Bartóks Oper Herzog Blaubarts Burg. Und das Märchen von Blaubart hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Räuberbräutigam. Schon komisch, wie sich das alles zusammenfügt.

Hier noch der Link zu meiner Rezension: Der Räuberbräutigam von Eudora Welty

PS: Bela, meld Dich ruhig.

Mogelpackung der Fantasy

Endlich ist der Sommer vorbei. Ja, dieser Stoßseufzer bezieht sich nur auf die Lesungsfreie Zeit. Das hab ich ganz schön vermisst. Nun geht’s aber wieder los.

Christian von Aster las gestern im Otherland.

Ankündigung im Schaufenster

Ankündigung im Schaufenster

Da das Stirnhinterzimmer aus Fortpflanzungsgründen pausiert, freute sich der leshungrige Neuleipziger, den letzten Abend seiner Tremiere im Otherland durchzustehen, wo schon seine ersten, selbstgedruckten Werke im Regal kuschelten.

Inzwischen druckt ihn sogar die Hobbit-Presse und sein neuestes Werk, Das eherne Buch, wurde zum Vortrag gebracht. Wortgewaltig, so wie man es von ihm gewohnt ist.

Der Meister von Aster

Der Meister von Aster

Es ist High-Fantasy, was bei von Aster stark nach Hai-Fantasy klingt. Man darf gespannt sein; ich hab das Buch natürlich gekauft. SUB, SUB Hurra!

Als Zugabe gab es noch ein stürmisches Manifest für die Fantasie, dem ich mich gerne anschließe und nur raten kann, sich das mal anzugucken:

DIE GENTRIFIZIERUNG DES WUNDERLANDES
oder
ich will nicht alles kaufen müssen, was ihr denkt, das ich mir vorstellen können soll

Vielleicht könnt ihr ja auch etwas damit anfangen. Es gibt sogar eine Wunderlandmiliz, leider nur für FacebookianerInnen.

Die Wunderlandmiliz

Die Wunderlandmiliz

Da ich komplett nicht von meiner Kunst lebe, fällt es mir aber auch sehr leicht, gegen den Markt zu sein.

Weiche fort Mammon, lass Lyrik unbefleckt von Gold und Edelsteinen!

Allein deshalb bin ich ja auch ein so guter Dichter. Unbestechlich und unverdorben. Wie auch Christian von Aster.

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