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Archiv der Kategorie: Rezension

Ein Kuss nur bis zur Sterblichkeit

Es gibt Menschen im Leben, die begleiten einen nur ein paar Augenblicke im Leben, sind aber aus unerfindlichen Gründen für immer fest eingebrannt in das Denken und Befinden.

So geht es mir mit Blaustrumpf. Die wortgewandte und streitfreudige Dichterin lernte ich in der leselupe kennen und ruckzuck wurden wir Geistesverwandte. Wir hatten dasselbe Blödellevel und verabscheuten dieselben Werke und auch dieselben Lupinen. Einmal trafen wir uns sogar in Berlin und meine Begeisterung wurde noch größer, leider huschte sie virtuell in andere Gefilde und da sie ihr Privatleben streng schützt, verlor sich jeglicher Kontakt. Jedoch hab ich einige ihrer Hinweise und Tipps befolgt. Durch sie lernte ich Gösta Berling und Jeanette Winterson kennen.

Frankissstein von Jeanette Winterson; Cover: Maurice Ettlin

Wegen Blaustrumpf hatte ich auch keinerlei Bedenken, mich in das neueste Werk von Jeanette Winterson zu stürzen und ich bin hellauf begeistert. Der Roman ist eine geniale Verknüpfung von Mary Shelleys »Frankenstein« und den großen Themen künstliche KI und Diversität. Schöpfungen auf unterschiedlichsten Ebenen und ethischen Kreisen verbinden sich zu einem großartig geschriebenen und wunderbar konstruierten Roman, vor dem man auf die Knie fallen möchte. Solche Bücher machen, trotz einiger sehr heftiger Szenen und Gedanken, glücklich.

Eine ausführliche Rezi gibt’s wieder drüben im Fantasyguide: »Frankissstein« von Jeanette Winterson

Tausend Jahre nach der Krise

Die Zerbröselung der Normalität macht auch mir zu schaffen. Irgendwie ist es schwer, sich profanen Dingen zu widmen, wie den Erstellen von Rezis oder Blogeinträgen, die doch aus einer Zeit stammen, die so unvorstellbar weit weg scheint. Aber das ist wohl nur der Elf in mir. Irgendwann wird das Bergwerk wieder eröffnet, sagt der Zwerg in mir und darum geht’s jetzt wieder weiter.

Und gleich megapassend, denn ich rezensierte einen SF-Roman aus Ungarn. 1974 veröffentlichte Klára Fehér ihren SF-Umweltroman »Oxygenien«, in dem ein junger Mann von der Erde während der Hochzeitsreise auf einem seltsamen Planeten strandet. Während seine Frau im Orbit versucht, Kontakt zu ihm zu bekommen, lernt er eine Welt kennen, in der die Menschen tausend Jahre nach dem Umweltgau gezwungen sind, mit Sauerstoffmasken zu leben.

Oxygenien von Klára Fehér; Cover: Gyula Feledy

Sie arbeiten für Sauerstoff, schlafen in riesigen Sälen, essen in öffentlichen Kantinen und träumen vom großen Frühlingsfest. Keine Individualität, keine Kultur, alles steril und streng getaktet. Zum Glück stößt Peter auf einen jungen Mann, der anders ist und bald lernt er weitere Seiten Oxygeniens kennen …

Was passiert, wenn eine globale Krise die Staaten und Wirtschaften zusammenbrechen lässt? Wenn jemand eine rettende Lösung findet, dafür aber die Menschen mit Notstandsgesetzen in ihren Rechten einschränkt, alles unter der Ägide, sonst würden alle sterben?

Ja, die Krisen ähneln sich. Und es ist eine ungarische Autorin, die vor den Folgen oligarchischer Willkür warnt. Heute schafft sich das ungarische Parlament selbst ab. So wenig Bock hat man dort auf Demokratie, dass man eines der wichtigsten Bestandteile wegwirft. Notstandsgesetze, Dekrete ohne Kontrollinstanz und plötzlich lebt man in Bedienerstädten wie in Oxygenien nur einen Fehler von der Lobotomie entfernt.

Klára Fehér hat es beschrieben

Als Jugendlicher las ich den Roman in einer umschlaglosen Taschenbuchausgabe, später kaufte ich mir die Romanzeitungsversion und war sehr glücklich, die gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag in einwandfreiem Zustand auf der Buch Berlin in einer Krabbelbox zu sehen. Natürlich habe ich das Buch sofort gekauft und beschlossen, es zeitnah zu lesen.

Cover: Klaus Müller

Da dachte ich noch, einfach einen Klassiker wieder zu lesen. Und nun ist das Buch so radikal aktuell, dass es mich schier umhaut. Oxygenien von Klára Fehér

Gewalt und Göttlichkeit

Die Regenbogen-Ausgabe der Werke von Philip K. Dick gehört zu meinen Highlights im SF-Regal. Als Heyne Anfang der 2000er begann, die »Große Werkausgabe« herauszubringen, nutzte ich die Gelegenheit, meine Lücken in der klassischen US-SF zu füllen. Ich erwarb alle Bücher sofort nach Erscheinen, nur las ich davon die wenigsten.

vollständig, aber lückenhaft mit Eumel: Der Dick-Regenbogen

Kurzes Zwischenspiel für alle Dick-Heyne-Verwirrten: »Wie man ein Universum baut« und »Auf dem Alphamond« sind, trotz Ankündigung, nie in dieser Reihe erschienen! Man findet zwar die Cover im Netz, aber leider ändert es nichts an der Tatsache, dass dem Verlag damals Geld und Puste ausging für die Vervollständigung der Reihe. Die Anzahl der Interessierten war wohl doch nicht so groß.

Zum Glück gibt es ja Lesezirkel, die mich regelmäßig anspornen, Bücher aus den inzwischen sehr gut gefüllten Regalen aufzuwecken. Nach dem »Galaktischen Topfheiler« im Dezember wurde nun »Irrgarten des Todes« im SFN erwählt. Hier gibt es zwar inzwischen auch eine Neuausgabe bei Fischer, aber dieses Mal nahm ich die inzwischen vergilbte Heyne-Ausgabe zur Hand.

Irrgarten des Todes von Philip K. Dick

»Irrgarten des Todes« handelt von einer Gruppe Menschen, die sich auf einen fernen galaktischen Außenposten versetzen ließen und in einer Welt mit realem Gott allmählich an der Realität zweifeln oder besser: an ihr verzweifeln.

Ein sehr typischer Dick-Stoff. Es geht im Subtext natürlich um die US-amerikanische Gesellschaft nach dem Ende der 60er, um Trost- und Hoffnungslosigkeit. Fluffig erzählt, mit etlichen Morden, Wendungen und einem interpretierfreudigen Ende. Sehr gute Unterhaltung, aber eher kein Klassiker. Es gibt keine Sympathieträger, kein wirkliches Handlungsziel und die Auflösung ist zu mehrdeutig, um das Buch gut abzuschließen.

In meiner Rezi gehe ich etwas genauer auf die Handlung ein: Irrgarten des Todes von Philip K. Dick

Das Schneekugelproblem

Selbst wenn ich in Büchern versinke, kann ich der Versuchung nicht widerstehen und erliege hin und wieder den süßen Lockrufen aus tausendundeiner Verlagsrundmail.

So kam »Kryonium« von Matthias A. K. Zimmermann aus dem Kadmos Verlag ins Haus.

»Kryonium« von Matthias A. K. Zimmermann

Der Klappentext las sich vielversprechend. Ein geheimnisvolles Schloss, ein Erzähler ohne Erinnerungen schmiedet Fluchtpläne, ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt … Ich erwartete einen coolen phantastischen oder SF-Roman.

Nun weisen in letzter Zeit etliche meiner Lektüre-Kandidaten die Eigenschaft auf, gegen Ende hin Genre und Bedeutung zu wechseln, sodass ein spoilerfreies Berichten über alles Aspekte der Bücher nicht möglich ist. So auch hier.

Zwar wird der Märchen bzw. Fantasy-Teil recht schnell surreal und als geübter Leser erkennt man die Tricks der Traumweltverschleierung bald, Matthias A. K. Zimmermann liebt Modelle phantastischer Welten und diese Liebe weht kräftig durch »Kryonium«. Wie sich das alles aber dreht, soll hier nicht verraten werden.

Bis zur finalen Auflösung ergeben sich sehr viele spannende Momente und ich war gern mit dem Ich-Erzähler unterwegs, um die Rätsel hinter den Schneekugeln zu knacken. Leider bricht der Schluss gehörig ein. Mir ist der Sinn des Ganzen klar und ich verstehe, warum der Autor sich gerade für dieses Ende entschied, aber es ist literarisch kein raffiniertes oder gar aufregendes Ende.

Und gerade im letzten Teil haderte ich auch mit dem Stil. Hielt ich den Sachbuchton zunächst für eine besonders dargestellte Eigenschaft des Erzähler und ihn für einen rational-analysierenden Wissenschaftler, wird spätestens mit dem Wechsel der Erzählperspektive klar, dass mir hier eher die Schreibart des Autors im Allgemeinen nicht lag. Das trübt dann im Nachhinein auch die phantastische Aura der ersten beiden Teile, weil ich mir dann denke, dass die Figur einfach nicht wirklich gut geschrieben ist.

Aber das betrifft nicht den gedanklichen Teil des Buches, denn hier gibt es jede Menge Überlegenswertes, sehr viel Informationen und durchaus jede Menge Wissensvermittlung. Insofern fand ich »Kryonium« insgesamt lesenswert und als Science-Fantasy okay. Immerhin ist es das Debüt des Autors, das kann alles noch eleganter werden.

Ein paar Sätze mehr drüben in meiner Rezi für den Fantasyguide: »Kryonium« von Matthias A. K. Zimmermann

Jahresrückblick 2019

Das Jahr begann mit einer arbeitsbedingten Erkrankung und steigerte sich im Herbst mit einer Bauch-OP. Da fehlten mir etliche S-Bahnfahrten zum Lesen, zudem gab es einige Brocken, deren Lektüre sich hinzog und sogar noch hinzieht. Nur 37 Bücher konnte ich daher auslesen, seit langer Zeit befand sich kein Sachbuch darunter.

Mit 26 Werken führte die Science-Fiction mein Interesse an, dem folgten sechs Fantasy-Werke, zwei allgemein phantastische und drei nicht phantastische Bücher.

Darunter befanden sich acht Anthologien bzw. Sammlungen mit Kurzgeschichten oder Gedichten.

23 Bücher wurden mir geschenkt oder habe ich mir selbst gekauft, 14 kamen als Rezensionsexemplare.

Die Verteilung der Geschlechter ist fast paritätisch, 14 Autorinnen zu 17 Autoren, wobei die Anthologien hierbei unberücksichtigt bleiben.

Speziell in der SF gab es eine 11 zu 11 Verteilung, quasi Doppelelfenwerk, wobei ich dieses Jahr großen Wert darauf legte, mir speziell Bücher von SF-Autorinnen zu holen. Hierzu plane ich noch einen gesonderten Artikel.

Was waren nun meine Highlights?

Zunächst zwei SF-Klassiker Ursula K. Le Guins »The Word for World is Forest«, das ich im Original las und Margaret Atwoods »Der Report der Magd«. Beides sehr politische und hochaktuelle Werke, die völlig zu Recht als Meisterwerke gelten.

Zwei andere Klassiker kannte ich vorher nicht: Guy Endores »Der Werwolf von Paris« ist in den USA der Werwolf-Klassiker schlechthin und überraschte mich durch seine Verzahnung mit der französischen Geschichte. Hermann Melvilles »Mardi und eine Reise dorthin« kostete mich etliche Wochen, bleibt aber durch seine Struktur und Fülle an bizarren Gesellschaftsformen bisher noch sehr präsent.

Bei den aktuellen SF-Romanen konnten mich vor allem Autorinnen überzeugen: Emma Braslavskys »Die Nach war bleich, die Lichter blinkten« konnte ich via Lesung und Rezension im Feuilleton kennenlernen und obwohl der Roman mit bekannten Themen jongliert, gefielen mir Schreibstil und Erzählperspektive sehr.

Der für mich beste neue SF-Roman 2019 kommt von Melanie Vogltanz. »Shape Me« ist so ziemlich alles, was ich mir von deutschsprachiger SF wünsche. Knackig, gut geschrieben, hart aber nicht Gewalt zelebrierend, politisch und utopisch.

Das gelang Sibylle Berg mit »GRM« leider nicht. So sehr ich die Autorin als bohrende Fingerspitze mag, ihr Roman suhlte sich zu sehr in den Anprangerungen und Bloßlegungen. Wie auch bei Dietmar Dath habe ich die Befürchtungen, dass hier das Lektorat zu zahm wurde.

Zwei Werke am Rande der SF und beides quasi Debüts, faszinierten mich: Karl Nagels »Schlund« über Punk in der BRD machte mich schlau, rau und grau. Eine kunterbunte Erfahrung.

Von René Frauchinger erwarte ich Zukunft noch mehr tolle Texte. »Riesen sind nur große Menschen« ist für mich neben »Shape me« die Entdeckung des Jahres jenseits der Massenverlage.

Ältere phantastische Geschichten von Menschen zu lesen, die man irgendwie ein bisschen zu kennen meint, sind auch eine intime Leseerfahrung und daher gehörten Michael Marraks »Quo vadis, Armageddon?« und Frank Duwalds »Die grünen Frauen« zu den schönsten Lesereisen des Jahres.

Jo Baker – »Ein Ire in Paris« über Samuel Becketts Erlebnisse im zweiten Weltkrieg bewegte mich sehr. Vom SUB gegriffen und schnell verschlungen, ein Literatur-Roman, wie ich gern öfter welche lesen möchte.

Das wohl skurrilste Buch des Jahres stammt von Jasper Nicolaisen. »Erwachsen« ist lustig, traurig, queer, wild und vor allem ein echter Nicolaisen. Von seinem ersten Lesebühnentext an, mochte ich diese Art des Erzählens, der Warmherzigkeit für die Figuren, denen er trotzdem ohne mit der Wimper zu zucken, schlümme Dinge in das Leben wirft – ich bin ein Fanboy. Der Mann schreibt zu wenig.

Das neue Jahr sieht mich bereits im Rückstand mit etlichen Rezensionsprojekten und ich habe auch noch diverse Bücher auf den SUBs, die ich letztes Jahr mit der festen Absicht erwarb, sie sofort zu lesen. Ich sollte einfach keine Rezi-Exemplare mehr annehmen.

Aber eher schaffe ich es wohl, an Gewicht, als an Lektüre abzunehmen.

Hier die Liste der Bücher aus 2019 in der Reihenfolge meiner Lektüre:

Ursula K. Le Guin – The Word for World is Forest

Karl Nagel – Schlund

Nova 25

Philip Reeve – Krieg der Städte

Margaret Atwood – Der Report der Magd

Guy Endore – Der Werwolf von Paris

Frank Hebben – Vampirnovelle

Judith Vogt – Roma Nova

Hans-Arthur Marsiske – Die letzte Crew des Wandersterns

Michael Marrak – Quo vadis, Armageddon?

Michael Marrak – Im Garten des Uroboros

Sibylle Berg – GRM

Angela und Karlheinz Steinmüller – Sphärenklänge

Elvis hat das Gebäude verlassen

Schatten über Camotea

Frank Duwald – Die grünen Frauen

C. C. Holister – Inferno für Anfänger

T. S. Orgel – Terra

Hermann Melville – Mardi und eine Reise dorthin

Swantje Nieman – Masken und Spiegel

Stefan Goebels – Käsablanca

René Frauchinger – Riesen sind nur große Menschen

Aleš Pickar – Die zwölf Kronen

Jo Baker – Ein Ire in Paris

Emma Braslavsky – Die Nach war bleich, die Lichter blinkten

Philipp Multhaupt – Herrn Murmelsams Trinklieder

Guido Krain – Ingenium

Jasper Nicolaisen – Erwachsen

Nova 26

Xeno-Punk

Theresa Hannig – Die Unvollkommenen

James Tiptree Jr. – Helligkeit fällt vom Himmel

Caroline Hofstätter – Das Ewigkeitsprojekt

Sabrina Železný – Feuerschwingen

Dietmar Dath – Neptunation

Philip K. Dick – Der galaktische Topfheiler

Melanie Vogltanz – Shape Me

Der Relevanztanz

Kurz vor Jahresende habe ich zwar nicht alle Rezensionen abgearbeitet, aber zumindest die letzten beiden Lesezirkelbücher besprochen.

Bereits im November befasste man sich drüben im SFN mit einem der drei diesjährigen Bücher von Dietmar Dath: »Neptunation oder Naturgesetze, Alter!«.

Neptunation oder Naturgesetze, Alter! von Dietmar Dath

Das Buch kam nicht gut weg. Vor allem lag es an der Unausgewogenheit von Story und wissenschaftlichen Diskussionen. Vermutlich hat sich das Lektorat nicht getraut, rigoros einzudampfen oder aber Dath war dieser Part besonders wichtig. Ich habe fast einen Monat benötigt, das Buch zu lesen. Dabei ist es spannend und die wissenschaftlichen Themen interessieren mich auch, soweit ich sie verstehe, aber sie es gibt davon einfach zu viele im Buch und was mich noch mehr ärgerte: Die fein ziselierten Dathschen Figuren referieren alle mit der selben Stimme. Frank Böhmert nannte das den Dath-Fluss und das trifft es sehr genau.

Ich denke, Dath will zu viel. Auf der Rückseite wird ein Zeit-Autor damit zitiert, dass Dath der einzig relevante deutschsprachige SF-Schriftsteller sei. Was für ein Unfug. Was für ein ärgerlicher Unfug. Vielleicht beschränkte sich der Journalist mit Absicht auf Schriftsteller, denn ich habe dieses Jahr eine Menge hochwertiger SF von deutschsprachigen Autorinnen gelesen und selbst unter den Autoren hat Dath ein paar Kandidaten auf Augenhöhe. Mir ist sowieso unklar, was das für eine Relevanz sein soll. Im Feuilleton erwähnenswert zu sein? Mal wieder den KLP zu bekommen?

Dieser Lars Weisbrod sollte den Goldenen Wald mal verlassen und die echte Welt betreten.

In meiner Rezi gehe ich auf den Inhalt des Romanes ein: »Neptunation oder Naturgesetze, Alter!« von Dietmar Dath

Im Dezember gab es einen Klassiker-Lesezirkel und man las mal wieder etwas von Philip K. Dick. »Der galaktische Topfheiler« stand zwar in meinem Regal schon als Bestandteil der Heyne-Regenbogengesamtausgabe, aber eine nigelnagelneue Übersetzung bei Fischer verlockte zum Zweitbuch.

»Der galaktische Topfheiler« von Philip K. Dick, Cover: Rosemarie Kreuzer und Thomas Degen

Der Roman ist abgefahren, befasst sich mit dem Faustthema und ist zudem herzerfrischend kurz und knackig. Da kann sich Dietmar Dath gern zehn Romane von abschneiden. Jetzt weiß ich endlich auch, wie die Kurzgeschichtenreihe von Michael Schmidt über die Galactic Pot Healer Bar zu ihrem Schauplatz kam. Inspiration geht manchmal herrliche Wege.

Auch hier wieder mehr in meiner Rezi: »Der galaktische Topfheiler« von Philip K. Dick

Das war’s dann erst einmal hier im Blog für dieses Jahr. Bald kommt der Jahresrückblick und der versprochene Beitrag zu den SF-Werken von Autorinnen.

Allen einen schönen Start in die Zwanziger!

In der Enge meines Körpers

Meine kleine Lese-Challenge durch die Werke deutschsprachiger SF-Autorinnen brachte mich dazu, auf diversen Kanälen zu lauschen, um ja keine spannende Veröffentlichung zu verpassen. So erfuhr ich von »Shape Me« auch zuerst über Twitter. Die Autorin Melanie Vogltanz ist dort mit teilweise sehr witzigen Zwitschereien unterwegs.

Melanie Vogltanz und Swantje Niemann auf dem BuCon 2019

Zwar erschien das eBook schon zum BuCon, die Taschenbuchausgabe konnte ich mir aber erst auf der Buch Berlin kaufen, direkt aus den Händen der Verlegerin Ingrid Pointecker, die ich nun auch schon seit etlichen Jahren auf Messen und Cons treffe. Ihr ohneohren Verlag ist mir aus guten Gründen seit jeher sehr sympathisch.

Ingrid Pointecker und Laura Dümpelfeld auf der Buch Berlin 2019

»Shape Me« bietet eine oft sehr harte Story um eine Zukunft, in der Normgrößen und Kalorienkonten das Leben bestimmen. Die Firma »Shape Me« macht sich das zunutze und bietet mittels Körpertauschtechnik die Möglichkeit an, dicke Körper durch disziplinierte TrainerInnen wieder fit zu machen, während man selbst derweil im schlanken Körper der »Shape Me«-Angestellten herumläuft.

»Shape Me« von Melanie Vogltanz; Cover: Larissa Kulik und das Maßbandlesezeichen

Welche Schattenseiten das System hat, ist Thema des Romans. Es gibt eine ganze Menge sehr übler Szenen die Hunger und das Leben mit einer tödlichen Krankheit ziemlich intensiv miterleben lassen.

Melanie hat für den Roman nicht nur zu MS recherchiert, sie hat auch versucht, mit 700 Kalorien am Tag auszukommen.

Aber nicht nur die Themen sind stark, auch die Einbettung in einen spannenden Stoff um drei Frauen, die aus unterschiedlichen Richtung in die Probleme geworfen werden. Toll geschrieben, durch diverse Textarten sehr abwechslungsreich angelegt und vor allem ohne Schnickschnack erzählt – »Shape Me« gehört für mich zu den ganz großen SF-Romanen des Jahres und definitiv auf die KLP-Nominierungsliste.

Ich werde meine Lese-Challenge Anfang nächsten Jahres auswerten, aber eins ist gewiss: Es erscheinen ’ne Menge SF-Werke von Autorinnen, greift zu, werdet überrascht, gefesselt und vielleicht auch mal enttäuscht, aber lasst euch nicht erzählen, sie wären wenige oder gar unsichtbar!

Etwas mehr zum Inhalt wieder drüben im Fantasyguide: »Shape Me« von Melanie Vogltanz

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