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Archiv der Kategorie: Musik

Familie is knorke

Ein milder Februarabend lud am Samstag zu fröhlicher Familienunterhaltung ein. Was könnte dafür besser geeignet sein, als mit Freunden und Nachwuchs zu einer Knorkator-Sause in die Columbiahalle einzukehren?

Knorkator begleiten uns nun schon seit Jahrzehnten und tatsächlich erschien auch gerade das zehnte Studio-Album der Köpenicker Lokalkapelle. Spätestens nach dem dritten Hören hatten sich etliche der Songs im Hirn festgekrallt und da sie meist mitgröhlfreundlich geschnitten sind, fällt es nicht schwer, über das Event hinweg heiser zu werden.

Wir erschienen pünktlich wie die Zauberer

Vor Beginn des Konzertes wurden auf einer Video-Leinwand diverse Songeinlagen der Muppet Show gezeigt, was sich zu einem grandiosen Finale steigerte: Muppets und Publikum schwelgten in der Bohemian Rhapsody von Queen, ein mittlerweile weltweit von Bands praktizierter Aufwärmmechanismus, nur meist ohne Muppets.

Sodann erklommen The Hirsch Effekt aus dem fernen Hanover die Bühne und Lautsprecher und bliesen zum gutturalen Hallihallo.

The Hirsch Effekt

Knorkator dann präsentierten sich in wilder Spiellaune und ich bin starr vor Ehrfurcht, dass Stumpen am zweiten Abend hintereinander auf der Bühne herumtollt, als gäbe es kein Alter.

Da brennta wieda: Stumpen

Aber er konnte sich zumindest gesangstechnisch immer wieder ausruhen, da seine krass groß gewordene Tochter Agnetha mit irrer Stimme etliche Parts übernahm und etwa Nach Unten allein bestritt. Sie saß zudem die meiste Zeit auf der Bühne und spielte die Gelangweilte, sang aber bei sehr vielen Songs mit.

Stumpen und Agnetha

Auch Alfs Nachkomme Tim Tom durfte mitwirken, zunächst als Besenschwinger und dann bewies er, dass er diverse Stimmlagen in Deathmetalsound beherrscht und auch Böse ist.

Vorne Tim Tom, hinten Buzz Dee

Knorkator sind eben eine Familienband für die gesamte Familie. Es kamen natürlich jede Menge Hits, aber auch ein schöner Querschnitt aus dem neuen Album. Wer zu Knorkator geht, bekommt ein fröhliches Durchpusten von Hirn und Ohren, sowie wunde Füße.

Die Kapelle. Aus Köpenick!

Außer Stumpen natürlich.

Der tiefste Sommer

Dass der Dezember einer der schnellsten Monate des Jahres ist, liegt nicht nur an Weihnachten, sondern vor allem an den vielen Terminen, die plötzlich aufploppen.
Alles kann man gar nicht machen, aber manche Veranstaltungen sind dann doch so verlockend, dass ich die Weihnachtserschöpfung beiseite fege. Damit ich nicht kneifen konnte, erzählte ich dieses Mal meinem besten Freund davon, der sich gern überraschen lässt und eisern zu allem mitkommt, was ich so heraussuche. Bisher ging das auch immer gut …

Wozu konnte ich also nicht Nein sagen? Zu Jesko Haberts Lesungsprojekt mit der Band Sommertag, von dem er damals bei seiner Buchvorstellung im Periplaneta-Literaturcafé erzählte.

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Tiefsommertag – eine geniale Verbindung

Das ganze fand in Kulturhaus Karlshorst statt. Vermutlich im Februar 2005 waren wir schon einmal dort, damals noch im Altbau, und sahen »Die Narrenschaukel« – Eine literarisch-musikalische Revue von Gerhard Branstner. Ich hatte den alten DDR-Banausen und SF-Autor kurz vorher für SONO #6: Funny Phantastik interviewt und schleppte meinen Freund und seine Freundin zu diesem nostalgischen Abend.
Es floss viel Rotwein in jener Nacht …
Leider riss der Krebs die erlebnishungrige Frau aus unserer Mitte. Aber dadurch wurde uns beiden der neuerliche Besuch im Kulturhaus zu etwas Besonderem.

Der Neubau besitzt zwar einen Galerieeingang zum Kulturhaus an der Treskowallee, der eigentliche Eingang befindet sich jedoch im Innenhof und führt ins Hinterhaus.

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Der Eingang zum Kulturhaus

Der Veranstaltungsraum mit gemütlicher Größe bietet neben Bühne und Bar etwa Platz für 30-40 Menschen und füllte sich auch erfreulich gut.
Altersbedingt und nach einem langen Arbeitstag ließen wir den Wein dieses Mal eher tröpfeln, aber wir waren ja auch des Gesanges wegen gekommen.

Jesko hatte Teile des Romanes Tiefsommer mit der Band Sommertag so aufbereitet, dass sie mit verteilten Rollen vorlesen und Lieder einbinden konnten. Dafür hatten Inke und Birdy eigene Songs umgeschrieben und sogar für das Projekt neues Material geschaffen.

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Birdy, Inka und Jesko

Da Inke inzwischen in Halle studiert, konnten die drei nur ein Wochenende zum Proben nutzen. Jesko warf ein, dass sein letztes Projekt daran zerbrach, dass er nach Halle zog und er fand es erwähnenswert, dass Halle nun schon wieder dazwischenfunkt.

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Birdy

Birdy spielte Gitarre, Inke kämpfte mit ihrer neuen Melodica (ich hoffe, ich hab die Namen korrekt zugeordnet) und Jesko setzte seine ganze charmante Slammer-Erfahrung ein.

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Inka und die Melodica 

Besonders in den Rap-artig vorgetragenen Lyrik-Teilen des Romans entwickelte sich ein ungeheurer Flow, der sowohl perfekt zur Handlung passte, als auch die Beziehungen der Figuren hervorstellte. Die anderen Lieder passten sich nicht weniger harmonisch ein.

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Inka

Inka konnte bei der Bearbeitung der Szenen ihr Sprach-Studium einbringen und dadurch entwickelte sich eine schöne Dynamik. Interessant fand ich, wer sich welche Rollen aussuchte. Die Interpretation der Figuren spiegelt die Leseerfahrung wider, wobei Birdy beichtete, den Roman erst vor kurzem beendet zu haben.

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Der Jesko

Auch lichttechnisch bot Jesko wieder die ganz große Atmosphäre auf. Es gab natürlich Orange und nach dem Bruch in der Handlung wechselte das Licht zu Blau.

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Blaue Stunde

Man muss den Roman schon lesen, um das Ganze zu verstehen. Genügend Exemplare hatte Jesko dabei und man konnte sich auch in eine Liste einschreiben, um nach Fertigstellung das Begleitalbum von Sommertag erstehen zu können.

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Mit der Gitarre in den tiefsten Sommer

Es war ein kurzweiliger Abend, der durch seine Intimität und Begeisterung erblühte. Das Projekt geht nach dieser Premiere auf Tour. Geht hin, es lohnt sich!

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Der Himmel über Berlin hat orangene Sphären …

Wenn sich mein bester Freund das nächste Mal einen Kulturabend wünscht, werd ich da ganz schön suchen müssen, um zumindest etwas gleichwertiges zu finden.
Aber eigentlich hat das bisher immer geklappt. Irgendwas geht in Berlin ja immer.

Auch der Tod tanzt Humppa

Ein lauer Oktoberabend lädt zum gechillten Abhotten ein und was ist da besser geeignet als ein lauschiger Abend im Festsaal Kreuzberg?
Eläkeläiset aus Finnland luden zu einer fetten Sause und alle Rentner und Rentnerinnen kamen, dazu noch jede Menge junget Jemüse wie wir.

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Nur echt mit Rentier: Eläkeläiset

Die Band wurde grad 25 und vermutlich solange kennen wir sie auch schon. Damals in den 90ern dienten sie als lustiges Partyspiel: Errate den Song! Denn Eläkeläiset spielt bekannte Songs in ultraschnellen Humppa-Versionen. Humppa ist eine Art Ska-Polka und wenn man kurz davor ist, einen Song zu erkennen, wird man von begeisterten Humppa-Orgien wieder rausgeworfen. Genial

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Wild und immer bereit für Humppa!

Man muss die Band einfach life erleben. Unbändige Spielfreude, natürlich angefeuert durch ein begeistertes Publikum. Selten ist ein Moshpit derartig graumeliert umherjehüppt. Und alle haben Spaß dabei. Scheiß auf Rücken, Kniee und Gebisse: Humppa!

Wer’s nicht glaubt: ja, man kann Motörheads Ace of Spades noch wesentlich schneller spielen! Und egal ob La Bamba, Discolero, Tears in Heaven oder Thunderstruck, ein Humppa sind wir alle!

Ihr merkt, es war ein megacooles Konzert, der Festsaal ist ein Club in der genau richtigen Größe um alle mitzureißen ohne sie fortzuspülen.
Danach brauchte es erstmal ein Bierchen, um abzukühlen. Jeden Tag kann man das auch nicht mehr machen. Es hat schon seine Gründe, warum die Band zumeist im Sitzen spielte.

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Auch im Sitzen megaheftig schnell

Die dickste Couch geht auch kaputt

Mein bester Freund Frank rief mich an und meinte, er hätte frei, lass uns in eine Lesebühne gehen! Das ist zum Glück in Berlin auch spontan jederzeit möglich und wir entschieden uns – ja, es gab Alternativen! – für die Couchpoetos. Diese Lesebühne findet monatlich im Lovelite statt. Von beiden hatten wir noch nie gehört, zumindest aber kannten wir die Gegend: klar, Friedrichshain zwischen Ostkreuz und Warschauer Straße.
Das Lovelite ist eine kleine Bar mit netten Leuten an der Bar. Der Beginn verzögerte sich, sodass die netten Leute an der Bar auch sehr gefragt waren.

Die Couchpoetos gibt es schon eine Weile, haben eine feste Besetzung und holen sich immer Gäste hinzu. Da dieses Mal Aidin Halimi Asl aus der Stammbesetzung fehlte, gab es gleich drei Gäste.
Im Programm angekündigt war Julian Heun von der Lesebühne Spree vom Weizen die im Ritter Butzke stattfindet. Er verkündete seinen erfolgreichen Germanistik-Abschluss, um sich gleich gehörig über die damit verbundenen Zukunftsaussichten lustig zu machen. Also, er dankte dem Studium eher für nichts.

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Julian Heun

Ein weiterer Gast sagte mir vom Namen her ebenfalls nichts, doch bereits nach der Anmoderation ahnte ich, dass ich Sebastian Lehmann bereits aus dem Comedy-Slot von Radio 1 kannte.

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Sebastian Lehmann, echter Berliner aus Freiburg

 

Und tatsächlich gab er dann auch diverse Telefonate mit seinen Eltern zum Besten. Diese Texte sind sehr vergnüglich und reihen sich problemlos in ähnliche Generations- und Kulturkonfliktsatiren ein. Er bündelte sie auch schon in einem Buch, aber ich vermute, geballt nutzt sich das doch schnell ab.

Und noch jemanden erkannte ich nach den ersten Worten: Auch Sarah Bosetti aus der Stammbesetzung hat ihren Comedy-Slot bei Radio 1. Dort bringt sie ziemlich scharfe politische Satiren, die ich sehr mag, aber wie das beim Radiohören während der Arbeit ist, man hört nur halb hin, horcht dann auf und kriegt nicht mit, wer das nun war. Nun weiß ich’s. Nimm das Unaufmerksamkeit!

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Sarah Bosetti während der Laudatio für Daniel Hoth (rechts)

Sarah las einige Hasskommentare vor, die man ihr so schrieb und präsentierte Gegengedichte dazu, in denen sie der Liebe anstelle des Hasses Raum gab. Sie ist eine sehr charmante Entertainerin, deren Spitzen plötzlich in den Nieren stecken.

Ihre Präsenz in Funk und Fernsehen machte Anmoderator Daniel Hoth denn auch zum Running Gag des Abends. Daniel klärte uns bereits zum Anfang des Abends darüber auf, welchen Werte eine lange Anmoderation hat. Man müsse weniger echte Texte bringen. Trotz allem zelebrierte er gerade sein zehnjähriges Lesebühnenjubiläum und Sarah performte hierfür einen stilvollen Rückblick auf eine abwechslungsreiche Künstlerkarriere. Was ich alles nicht kannte und verpasst habe!

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Daniel bedankte sich mit einem zerknitterten Uralttext

Aber zurück zu den Gästen. Im musikalischen Teil unterstützte Rapperin Rox aka Bobby SL aka Riod aka Mau Muschi die Hiphopband Ostberlin Androgyn. Zu ihr gehört neben Daniel auch Jan von Im Ich aus der Stammbesetzung der Couchpoetos.

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Daniel, ROX und Jan vom Im Ich

Die drei hotteten nicht nur Songs von Ostberlin Androgyn, darunter die Hitsingle Kaputt, sondern auch Tracks von Rox selbst.
Das ist musikalisch nicht so mein Ding, war aber lustig anzuschauen.

Die etwas ernsthaftere Seite des Lesebühnenabends vertrat Karsten Lampe, der zumindest auf mich den Eindruck machte, jeden Tag zehn Texte zu schreiben. Seine bitterböse Überlegung zum Letzten Nazi fand ich klasse.

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Team Hogwarts: Karsten Lampe

Das Finale bestand aus Stehgreiftexten zu Wörtern, für jede und jeden eines. Das war auf jeden Fall chaotisch lustig und beendete den Auftritt doch sehr fröhlich.

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Daniel, Sebastian, Julian, Karsten, Rox (verdeckt), Sarah und Jan

Eine nette und sehr gute Lesebühne, da gab’s echt nüscht zu meckern. Spontan öffnet eben immer noch unerwartet funkelnde Schätze. Dank an Frank!

Orange in the Sky with Cucumber

Endlich bot sich wieder einmal die Gelegenheit in das Periplaneta Literaturcafé in der Bornholmer Straße zu gehen.
Jesko Habert feierte dort die Buchpremiere von Tiefsommer, das ich ja schon vorab lesen konnte und auch besprach.

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Das Literaturcafé Periplaneta

Da ich über pünktlich war, konnte einige Worte mit Swantje Niemann wechseln. Die Autorin arbeitet gerade die letzten Tage der Semesterferien im Periplaneta Verlag und erzählte mir ganz begeistert von ihrem Studium und wie es mit ihrer Steampunk-Trilogie um Drúdir weitergeht. Auf Band 2, der im Frühjahr 2019 erscheinen soll, freu ich mich schon. Allerdings versprach Swantje, dass er etwas andere Schauplätze beinhalten würde und sie erst im dritten Band (2020) zu Themen des ersten Bandes zurückkehren wird.

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Swantje Niemann

Dann entspann sich eine kurze Diskussion mit Swantje und Verleger Tom Manegold über die Meinungsschwemme in den sozialen Netzwerken, angeregt durch einen Blogbeitrag von Philipp Multhaupt.

Jesko Habert wartete da schon auf seinen Einsatz. Die Bühne glühte in einem herrlichen Orange, um den Himmel in Tiefsommer darzustellen. Tom hoffte auch, das weiche Licht verdecke Falten. Cleverer Schachzug.

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Faltenfrei: Tom Manegold

Leider konnte die Coverzeichnerin Nicole Altenhoff nicht anwesend sein, aber wir erfuhren, welche Diskussion die spezielle Gurkenform des Zeppelins auf dem Cover auslöste.

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Die Cover-Postkarte von Nicole Altenhoff zu Tiefsommer

Als musikalische Begleitung hatte sich Jesko den Sänger Arnold »Juri« Meijer von der Band Unknown In August eingeladen, der mit kraftvoller Stimme zarte Songs präsentierte.

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Arnold »Juri« Meijer

Dazwischen las Jesko zunächst Passagen aus dem ersten Teil von Tiefsommer vor.

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Jesko Habert

Später sogar in lyrisch bearbeiteter Form, da er demnächst mit der Gruppe Sommertag eine Tour starten will, auf der unter dem Namen Tiefsommertag vertonte Texte des Romans aufgeführt werden. Dadurch ergaben sich ganz neue, intensive Texte, die mehr das Innenleben der Figuren betonten.
Als letzten Text präsentierte er eine solcherart veränderte Passage aus dem zweiten Teil, was dann doch einige Überraschungen auslöste.

Zwischendurch plauderte Jesko auch über die Entstehung des Romans. So beruhen die Figuren auf Märchen, die er den beiden Töchtern seiner Cousine erzählte. Eines davon wurde sogar veröffentlicht: Pepe und der Pups-Roboter. Als er auf einem Wanderurlaub einen Freund von diesen Geschichten erzählte, deren Hintergrund auch ökologische und soziale Probleme sind, fragte der Freund ihn, was die Kinder aus den Geschichten wohl in 15 Jahren machen würden. Eine Guerilla-Truppe gründen? So wurde die Idee zu Tiefsommer geboren.

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Jesko in Plauderlaune

Im Frageteil stellte Jesko fest, dass er am liebsten in der Hängematte schreibt, eine Fortsetzung von Tiefsommer nicht geplant ist und der Verleger jetzt zum ersten Mal erfahren darf, dass ein neuer Roman fast fertig sei.

Zum Abschluss verabschiede Tom im Namen des Verlages Swantje, die als Lektorin und Projektleiterin nicht geringen Anteil an Tiefsommer hat.

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Swantje im Jubelsturm

Nach der Lesung kam ich ins Gespräch mit jener Cousine, deren Töchter Muse und Anregung der Tiefsommer-Figuren waren und erfuhr den Inhalt der anderen Märchen. Erstaunt stellte ich fest, dass viele der Details im Buch, die mir seltsam unbenutzt erschienen, plötzlich ihren Sinn bekamen. Es waren Bestandteile der alten Kindergeschichten und darum gibt es etwa die Lichterzwerge, die Lucio zur Seite stehen.
Wenn Willegoos die noch unveröffentlichten Kindergeschichten nicht bringen mag, könnte Periplaneta einspringen. Interessant wäre es schon. Über den Inhalt werde ich solange schweigen.
Zum Signieren ließ sich Jesko viel Zeit und verwendete ganz Stilvoll einen Füllfederhalter.

Dieser zusätzliche Schub an Hintergrundinfos, eine tolle Lesung, schöne Musik und die Gespräche mit Swantje bescherten mir einen ganz exorbitant schönen Abend.

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Man zahlt, um zu gehen, in die Künstlerkanne

Besser ist’s zu zweit

Bereits zum dritten Mal folgte ich mit meiner Mutter einer Einladung des Freundeskreis des Diakonie-Hospizes Lichtenberg zu einer vergnüglichen Lesung.

Schauspieler und Autor Sky Du Mont hatte sich bereit erklärt, einen Abend seiner Tour Jung sterben ist auch keine Lösung für das Hospiz ohne Gage zu gestalten.
Die Lesung mit Klavierkabarett durch Christine Schütze fand im Festsaal des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge statt und füllte sich schnell so proppe voll, dass noch Stühle herbeigeschafft werden mussten.

Der Abend war als eine Art Theaterstück aufgebaut. Christine Schütze stellte sich als Mitarbeiterin einer Seniorenresidenz vor, die uns bat, mit ihrem jüngsten Mitbewohner, Sky du Mont nett um- und auf seine Vorstellung, er würde hier im Gemeinschaftsraum eine Lesung absolvieren, einzugehen.

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Christine Schütze

Während sie im ePiano immer wieder mal ein lustiges oder ernstes Lied vortrug, las Sky du Mont aus seinem Buch »Jung sterben ist auch keine Lösung« vor. Darin geht es um den 77jährigen Klaus, dessen fidele Mutter ihn dazu zwingt, sich nach einem Altersheim und einer Frau umzusehen, da sie sich um ihn sorgt für die Zeit, in der sie einmal nicht mehr da sein würde.

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Sky du Mont

Inszenierung und Buch gaben genügend Gelegenheit über Tod, Trauer und Einsamkeit zu parlieren und das auf charmant humorvolle Art, ohne die Themen zu verulken oder zu verharmlosen.
Das klappte wunderbar. Das überwiegend ältere Publikum applaudierte noch lang nach dem gemeinsamen Singen von Leonard Cohens Hallelujah.

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Christine Schütze und Sky du Mont singen mit dem Saal »Hallelujah«

Wie der Leiter des Hospiz’, Pastor André-Sebastian Zank-Wins, abschließend feststellte, brachte der Abend vor allem ein glückliches Gefühl und deshalb fahren wir auch trotz der schmerzhaften Erinnerung gerne hin.

Das Durchdrehen der Drehbühne

Für die jüngste Ausgabe des Horror-Magazins Zwielicht befasste ich mich ja mit der Gespenstergeschichte The Turn of the Screw von Henry James. Sie gehört zur Hall of Fame der Horror-Literatur und reizt vor allen dadurch, dass man Handlung und Intention fast beliebig interpretieren kann. Der Impact der Story ist in Deutschland nicht so dolle, aber wenn ich erwähne, dass Benjamin Britten eine Oper auf der Grundlage der Geschichte komponierte, dann erhalte ich zumindest von manchen Gesprächspartnern eine wohlwollend überraschte Reaktion. Was entweder an Oper oder an Britten liegt.

Jedoch kam ich während der Arbeit an dem Artikel nicht auf die Idee, diese Oper anzuschauen. Ein purer Zufall ermöglichte mir das nun. Meine Mutter wollte uns zu Weihnachten etwas Besonders schenken und bot an, Karten für die frisch aufgepimpte Staatsoper zu besorgen. Oper ist nicht so unser Ding, doch ins Programm geschaut und yeah: The Turn of the Screw!

Programm

Programmheft zur Oper »The Turn of the Screw« von Benjamin Britten

Letzten Freitag also konnten wir an einem megaheißen Apriltag die Geschichte auf eine neue Art genießen.

Front

Staatsoper, Foto von Marcus Ebener

 

Die Staatsoper hat sich nicht wirklich verändert, zumindest was mir meine Erinnerung erzählte, lediglich die Saaldecke hat sich deutlich gestreckt.

Saal

Saalansicht © Gordon Welters phone +49 170 8346683 e-mail: mail@gordonwelters.com http://www.gordonwelters.com

Nicht hübsch, aber dem neuen Sound geschuldet. Was meine Ohren natürlich nicht zu würdigen wissen. Ich bin da Banause. Aber alles ist hübsch frisch glänzend, das Gestühl weich und noch nicht abgesessen und im Vergleich zum Schauspielhaus am Gendarmenmarkt megabequem.

Aber zur Oper selbst. Die Musik mutet modern an, es gibt keine pompös getragenen Melodien, keine voluminösen Musikwellen sondern zumeist schräge Untermalungen der Handlung. Und die hat es ja gehörig in sich. Ich zitiere hier den Text der Staatsoperinszenierung:

»Eine junge Frau soll sich als Governess auf den Landsitz Bly begeben, um dort für die Erziehung der zwei Waisen Flora und Miles zu sorgen. Auftraggeber ist der Onkel, zugleich Vormund der Waisen, der nicht belästigt werden will und die junge Frau auf absolute Verschwiegenheit über die Vorgänge auf seinem Landsitz einschwört. Tatsächlich geben ihr das Verhalten der beiden Kinder und die Vorkommnisse im Haus Rätsel auf. Auch die Haushälterin Mrs. Grose, die offenbar schon ihr halbes Leben in Bly verbracht hat, scheint ihr nicht ganz durchschaubar. Schließlich glaubt die Governess die schemenhaften Erscheinungen eines Mannes und einer Frau durch die Räume wandeln zu sehen und in ihnen die Geister der ehemaligen Angestellten Peter Quint und Miss Jessel zu erkennen …«

Ohne zu spoilern kann man weiter recht wenig über die Handlung sagen. Interessant an der Oper waren einige sehr deutliche Interpretationsansätze. So wird der Gouvernante ein sexuelles Interesse an ihren Schützling Miles hinzugefügt, dass sich aus der Story selbst eher nicht ergibt. Ebenso wird die Verbindung zwischen den Geschwistern intensiviert und ebenfalls sexuell aufgeladen, auch das für mich jedenfalls nicht im Text vorhanden.

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Sónja Grané (Flora) und Thomas Lichtenecker (Miles)

Im Programmheft befindet sich der Abdruck eines Gespräches zwischen Claus Guth, der für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, der Dramaturgin Yvonne Gebauer, dem Dramaturgen Roman Reeger und dem Ausstatter Christian Schmidt. Darin wird deutlich, dass Britten selbst durch die Musik bereits eine Interpretationsrichtung vorgab. So steht die Unschuld der Gouvernante im Mittelpunkt. Ihre Gefühle für ihren Auftraggeber zünden ihr sexuelles Interesse und laden ihre gesamte Welt sexuell auf. Das habe ich auch in der Geschichte gefunden, würde aber nicht so weit gehen, ihr ein amouröses Interesse an Miles zu unterstellen. Vielmehr neige ich dazu, dass sie versucht, ihn vor dem Desaster der Lust zu bewahren. Weil sie durch den Verlust ihrer Unschuld von Geistern besessen wird, will sie verhindern, dass dies ihren Schützlingen auch passiert. Zumindest ist das einer der Ideen, die ich beim Nachdenken über die Story hatte.

Bei Henry James kommen die Geistererscheinungen nicht zu Wort. In der Oper lässt die Librettistin Myfanwy Piper sie sprechen, also singen. Für die Inszenierung dachte man sich diverse Tricks aus, um nicht mit Bettlaken hantieren zu müssen. So singen beide stets verborgen. Die Akustik funktionierte hierbei so gut, dass es nicht zu dumpfen Verdeckungseffekten kam, wenn die Stimmen hinter Wänden hervorkamen.

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Sónja Grané (Flora), Thomas Lichtenecker (Miles) und Emma Bell (Governess)

Dadurch schienen die Geister stets anwesend zu sein. Zudem war die Bühne so geschaffen, dass sich mit ihrer Drehung neue Fluchten, Korridore, Zimmer oder gar ein Labyrinth bildeten. Die SängerInnen konnten so in Bewegung bleiben und den strudelartigen Sog der Handlung erlaufen, hängen bleiben oder aus ihm fliehen. Das war faszinierend und großartig, Christian Schmidt vollbrachte hier ein szenisches Wunderwerk, dass eine beeindruckende Horroratmosphäre aufbaute. Wenn das Geschwisterpaar starr neben einer Tür steht, hat man automatisch Shining im Gedächtnis.
Diese Verfremdung wird noch gesteigert, wenn zwei Kinderdarsteller mit Riesenköpfen eine frühere Version der Geschwister darstellen. Zum einen verdeutlicht es noch einmal, dass die Zeit der kindlichen Unschuld vorbei ist, zum anderen bringen diese Szenen etwas unwirklich Monströses auf die Bühne. Die Kinder erscheinen nicht als etwas Nettes, Naives.

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Fabian Sturm (Miles/Komparserie), Emma Bell (Governess) und Zoe Ruf (Flora/Komparserie)

Die Oper lief im englischen Original, es gab über der sehr hohen Bühne Textanzeigen für Deutsch und Englisch, was sehr hilfreich ist, denn ich kann Opernstimmen nur selten Wörter entnehmen. Gerade Countertenor Thomas Lichtenecker, der den Miles spielte, habe ich überhaupt nicht verstanden. Aber okay, in sowas muss man sich wohl einhören und eine Fremdsprache macht das Ganze nicht einfacher.

Es war ein großes Vergnügen, mich auf diese doch ganz andere Art und Weise mit The Turn of the Screw zu befassen und es war natürlich auch ein himmlischer Abend mit meiner Liebsten.

Alle Fotos stammen übrigens von der Premiere am 15. November 2014 von Monika Rittershaus aus dem offiziellen Pressematerial der Staatsoper, ich habe nichts selbst geknippst, lediglich das Cover des Programmheftes scannte ich ein.

Die Eleganz der Dankbarkeit

Seit 25 Jahren machen Tocotronic nun schon Musik und etwa 20 davon habe ich bewusst mitverfolgt. Mir fielen sie auf mit »Die Welt kann mich nicht mehr verstehen« von ihrem dritten Album Wir kommen um uns zu beschweren. Eine schnelle, verrückte Nummer, die sich mir sofort ins Hirn brannte. Es war die Zeit der norddeutschen Bands und ihre Songs bildeten eine befreiende Abwechslung zu Eurodance und Techno.

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Tocotronic im Lensflare-Fieber

Über die Jahre und Alben hinweg fraßen sich die inzwischen vier Jungs durch diverse Stilrichtungen. Sänger Dirk von Lotzow versorgte die Tracks mit beachtenswerter Lyrik, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie Parolen und Phrasen irgendwie mühelos und geschmeidig integriert. So könnte man meinen, ein Tocotronic-Konzert sei die perfekte Plattform für Publikumsgesang und Statements. Aber erstaunlicherweise ist dem nicht ganz so, wie ich am gestrigen Zusatzkonzertabend feststellen durfte.

Zunächst konnte aber Ilgen-Nur mit ihrer Band die Columbiahalle vorheizen.

Ilgen-Nur

Ilgen-Nur

Die Sängerin hat eine beeindruckend kraftvolle Stimme, die mit besseren Songs mehr zur Geltung käme. Vielleicht sollte sie auch lieber auf Deutsch singen. Aber ich werde versuchen, mir den Namen zu merken, da könnte etwas Größeres kommen.

Tocotronic präsentierten in ihrer Stammbesetzung in einem minimalistischen Bühnenaufbau.

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Rock pur

Dirk von Lowtzow sang und spielte diverse Gitarren, der ewig junge Jan Müller zupfte den Bass, Arne Zank liebkoste sein Schlagzeug während Rick McPhail lässig professionell mit seiner Gitarre auftrat. Der Rest des Sounds kam von zwei verdeckten Seitentischen. Letztlich sorgten drei Gitarren und ein Schlagzeug für einen dampfenden Rock-Abend.

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Dirk von Lotzow

Die Stimmung im Saal war zunächst nicht überbordend, eher erwartungsvoll. Hier standen viele Fans und wollten ihre Band hören, nur in der vorderen Hälfte des Runds begann sich alsbald ein kleiner Moshpit zu bilden.

Dirk von Lotzow übte sich in großen Gesten und eloquenten Ansagen, denen man auf jeden Fall Freude und Bewegtheit anmerkte, zumal sich das Publikum schnell erwärmte.
Das mit dem Mitsingen hielt sich jedoch in Grenzen. Vielleicht, weil es nicht allzu viele Schlagwortsongs auf die Setliste schafften. Das Potential spürte man bei »Aber hier leben, nein danke!« vom 2005er Album Pure Vernunft darf niemals siegen – auch schon wieder dreizehn Jahre alt.

Der Opener war wie erwartet aber der Titelsong von Tour und aktuellem Album »Die Unendlichkeit«. Mit Sternenhimmel und blauer Beleuchtung definitiv ein dräuender Beginn, der eigentlich sofort klarstellte, dass Tocotronic zwar mit einigem grauen Haar erschienen, aber weiterhin zeitlos gut in Form sind. Nicht wie ich, der nur paar Tage älter ist als Dirk von Lotzow und sich darüber freute, das Unendlichkeitsshirt nun endlich in der XXL zu bekommen.

Von Unendlichkeit gab es dann auch insgesamt mehr Songs zu hören als von den anderen Platten, das Album dominierte den Abend aber nicht. Vielmehr war die Mischung bunt, es gab »Letztes Jahr im Sommer«, »Let there be Rock«, »This Boy is Tocotronic«, »Hi Freaks«, »Kapitulation«, »Sag alles ab«, »Macht es nicht selbst«, »Bitte oszillieren Sie«, »Zucker« »Wie wir leben wollen« und noch mehr niemals alten Kram zu hören. Zwölf Alben bieten eben eine riesige Auswahl an Songs.

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Unendlichkeit für zwei Stunden

Während das Meiste wuchtig dahingerockt wurde, sang Dirk von Lotzow »Unwiederbringlich« ganz allein nur von sich selbst begleitet. Umso breiter wirkte der Sound der folgenden Tracks, einfach nur Rock für ein ganzes Universum.

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Die Stars des Abends

Nach zwei Zugaben wurden wir dann eine milde Frühlingsnacht entlassen, die Unendlichkeit in mir.

Schwarze Laternen

Vor einem Jahr stellte Gisbert zu Knyphausen in der Union-Schlosserei die ersten Rohfassungen von Songs für sein neues Album Das Licht dieser Welt vor. Es war ein intimes Konzert, Gisbert war sich der Wirkung der Songs noch unsicher.

Ganz anders das Konzert am Freitag in der Columbiahalle.

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Gisbert zu Knyphausen am 12.01.2018 in der Columbiahalle

Wegen der Nachfrage musste es aus dem Huxleys dorthin verlegt werden, wodurch auch wir noch Karten bekamen und es war voll.

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Yippie Yeah

Die Vorband Yippie Yeah überraschte mich durch starke Texte; vielleicht schau ich mir die mal näher an.

Mit einer großartigen Band stellte Gisbert die neuen Songs sehr professionell auf die Bühne. Es ist ja immer eine große Freude, Bläser zu erleben und hier krachte und säuselte die Musik genau an den richtigen Stellen. die Instrumentierung kam sehr gut zur Geltung und im Nachhinein höre ich jetzt auch bei der Plattenaufnahme die Posaune im Hintergrund quaken oder brummen.

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Blaues Licht, was sonst?

Ein intimes Konzert ist natürlich immer schöner, aber andererseits scheint Gisbert mehr Raum für die eigene Präsenz zu haben, kann mehr aus sich und mehr in die Songs bringen. Zumindest ich hatte das Gefühl, das er sich mehr hineinwarf.

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Das Plattencover gab ein wunderschönes Bühnenbild ab

Trotzdem spürt man irgendwie immer noch, dass er sehr stark am Tod von Nils Koppruch zu leiden hatte. Die neuen Songs mögen zwar teilweise froher klingen, der Tod und die Einsamkeit strecken aber deutlich ihre Köpfe hervor und singen lauthals mit.

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Cover von Das Licht dieser Welt

 

Es bleibt Novembermusik, Winterblues, egal wie rockig es wird, Gisberts Stimme schwingt in Melancholie – zumindest in den deutschsprachigen Songs. Die beiden englischen Titel sind lockerer, perlen munterer und dringen nicht so tief unter die Haut, so sehr sie es auch versuchen.

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Spielten wunderbar zusammen

Ein Klasse Konzert und wieder Gisbert als Auftakt des Konzertjahres, ich finds großartig.

Traurig hingegen macht mich der Tod von Dolores O’Riordan.

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Bury the Hatchet

Sie ist ein halbes Jahr jünger als ich gewesen, unfassbar. Die Cranberries waren so eine Band, die nach einem tollen Album oft ein schwaches brachten. Bury the Hatchet aus dem Jahr 1999 gehört zu meinen Lieblingsalben und wenn ein Song zu dieser miesen Todesnachricht passt, dann Saving Grace. Ich konnte sie live erleben und noch heute wird mir ganz schummerig bei Linger. Jetzt werden mir wohl immer Tränen kommen.

Es ist ein altes Geheimnis, das ich fand

Was für ein wunderbares Konzertjahr. Nach dem wunderbaren Konzert von Regina Spektor im August folgte gestern Anna Ternheim.

Die Alben der Schwedin gehört seit über zehn Jahren zum wichtigsten Bestandteil meiner Musiklisten. Bisher sah ich sie erst einmal live, im März 2007 in der Kalkscheune, als sie das Album Separation Road vorstellte. Das Konzert war magisch, doch auch furchtbar verqualmt und wir konnten leider nicht bis zum Schluss bleiben. Ihr erstes Konzert in der Passionskirche verpasste ich damals, weil ich krank wurde.

 

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Anna Ternheim in der Passionskirche – ausverkauft

Die Kirche steht quasi gegenüber vom Otherland. Das neuromanische Gebäude lebt im Inneren von verzierten, roten Ziegeln, dunklem Holz und weißen Wänden. Es wirkt wie der Vorraum einer Burg und ist nicht besonders groß, die Atmosphäre sehr intim. Ein perfekter Rahmen.

Anna wollte diese Tour minimalistisch gestalten und lud als Begleitung lediglich Martin Hederos ein, der bei Soundtrack Of Our Lives und Tonbruket spielte. Er meistert Geige, Akkordeon, Keyboard, Klavier mit unglaublichem Enthusiasmus, als wären Annas Lieder seine Passion. Die Songs wurden von ihm interpretiert und man spürte ein starkes kreatives Band zwischen den beiden auf der Bühne. Lediglich bei zwei Liedern gefiel mir seine etwas zu aufdringliche Orgel nicht.

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Martin Hederos und Anna

Von mir völlig unbemerkt hatte Anna ein neues Album im Gepäck: All the way to Rio, dessen Titelstück sie auch gleich spielte.

Das Besondere an Annas Stimme ist, dass sie in den tieferen Tönen eine raue Komponente hat, in den hören Tönen aber sehr klar wird. So vermischen sich Leidenschaft, Traurigkeit und Melancholie in den Liedern und man gewinnt ein großes Gefühl von Verletzlichkeit. Das strahlt Anna auch beim Singen immer wieder aus. Aber sie ist eben auch eine Musikerin, die härtere Klänge in ihre Kompositionen einbaut, fast rockig zum Teil. Da ist mehr als die Frau aus ihren Liedern.

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Intime Atmosphäre

Sie spielte sich durch alle Alben. Zu hören waren unter anderem: Still a beatiful Day, For the Young, My Heart still beats for you, Solitary Move, The longer the waiting, Lovers Dream, Today is a good Day, Somebody’s outside, My Secret und als zweite und letzte Zugabe stellte sie sich ganz allein in den Gang zwischen den Reihen des Gestühls und sang ohne Begleitung, ohne Micro A Voice To Calm You Down.
Mit den Zeilen

By the end who will give you answers
When you, man-senses fail

endete ein wunderbares, bezauberndes Konzert.

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