Montbron

Startseite » Literatur

Archiv der Kategorie: Literatur

Advertisements

Projekt Buchpreis – Teil 4

Im letzten Teil äußerte ich meine Zweifel, dass Gott der Barbaren preiswürdig sei. Ich beginne, diese Einschätzung zu revidieren.

Stephan Thome lässt sich zunächst 200 Seiten Zeit, um zum Romananfang zurückzukommen und zu erklären, wie Phillip Johann Neukamp seine Hand verliert.

Was zuerst nach einem typischen Historienroman aussah, entwickelt sich immer mehr zu einer breiten Auseinandersetzung mit dem Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen.
Nach 40% der Lektüre kann ich sagen, dass Thome sich in der chinesischen Kultur sehr gut auszukennen scheint und sein Wissen mühelos in eine fesselnde Handlung unterzubringen versteht.
Inzwischen ist das Buch für mich zu einem Pageturner geworden, gerade auch wegen der chinesischen Handlungsstränge. Dadurch tauche ich tief in die Gedanken der verschiedenen beteiligten Parteien ein, ohne dass Thome bisher dazu neigte, eine Seite zu bevorzugen. Überall gibt es positive Dinge, aber auch Schatten, bis hin zu Gräueln. Die Detailtiefe ist faszinierend und ich kann mir viele Szenen, trotz aller Exotik sehr gut vorstellen. Ganz bilderlos war ich vorher natürlich nicht, aber Thome schaufelt mit sehr großen Kellen Lebensgefühl, Philosophie und Hintergrund in meine Hirnsuppe.

Kurz: Das Buch ist gut!

Advertisements

Die Ferne ist ein schöner Ort

Ferne Welten war das Thema des 14. Elstercons in Leipzig am vergangenen Wochenende. Mein vierter Elstercon und erneut fuhr ich nur für den Samstag hin, dem Tag mit den meisten Programmpunkten.

Auf der Gästeliste standen wie gewohnt unbekannte und bekannte Namen aus der Phantastik: Alastair Reynolds, Aliette de Bodard, Nicholas Sansbury Smith, Jana Heidersdorf, Kai Meyer, Prof. Manfred Nagl, Niklas Peinecke, Arnulf Meifert, Boris Koch, Dr. Karlheinz Steinmüller, Christian von Aster, Bernhard Hennen, Robert Corvus und obwohl nicht auf dem Plakat, Helmuth W. Mommers.

AlastairReynolds_02

Übersetzer Gregor Jungheim, Alastair Reinolds und Dirk Berger

Es war nicht leicht, die parallelen Programmschienen so zu planen, dass ich halbwegs das mitnehmen konnte, was ich wollte. So musste ich etwa auf das Panel von Niklas Peinecke verzichten, aber ich sah ihn dann noch in einem Diskussionspanel.

ForumFerneWelten_02

Aliette de Bodard, Gregor Jungheim und Alastair Reynolds

Da ich fast durchgängig dem Programm folgte, blieb nur wenig Zeit für Gespräche, das wird dann auf dem BuCon am 13. Oktober in Dreieich nachgeholt. Dort gibt es zwar noch mehr parallele Veranstaltungen, die aber eher weniger meine Interessen betreffen.

Thomas_HofmannElstercon2018

Von Thomas Hofmann bekam ich die neueste Ausgabe des Fanzine Neuer Stern

Ich habe für den Fantasyguide einen doch recht ausführlichen Bericht über den Samstag in Leipzig verfasst, wer will, findet da meine Eindrücke zu den besuchten Veranstaltungen und jede Menge Bilder.

Exodus_Rene_Moreau

Am Exodus-Stand holte ich mir von René Moreau die die neue Ausgabe mit Bildern von Michael Marrak

Mir hat der Elstercon wieder sehr viel Spaß gemacht und ein Besuch in zwei Jahren zum nächsten Con sollte sich einrichten lassen.

Helmuth_Mommers_Anderzeiten_01

Auch Helmuth W. Mommerss Sammelband »Anderzeiten« wanderte in meinen Beutel …

Und für Silly-Fans: … doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Schönen Ohrwurmtag euch allen!

Elstercon14_Ausbeute

Meine Elstercon-Ausbeute

Projekt Buchpreis – Teil 3

Da im Lesezirkel drüben im SFN wohl nichts mehr kommt, kann ich auch das Kapitel Sechs Koffer abschließen.

Das Buch ist eine Enttäuschung. Weder sprachlich, noch inhaltlich konnte es überzeugen. Wie korrekt Maxim Biller die Ereignisse seiner Familienhistorie auch erzählt haben mag, eigentlich schrieb er nur über sich. Was im besten Falle langweilig ist.

Auf meiner Vorurteilscheckliste kreuzte ich zweieinhalb Punkte an. Klar NS/Krieg taucht auf und in Form der schrecklichen Erlebnisse seiner Tante und deren Umgang damit auch das Jugendtrauma.
Der dritte Punkt, DDR, passt nicht ganz, aber immerhin geht es auch um das Leben in einen Ostblockstaat.
Meine etwas harschere Kritik gibt es im Fantasyguide: Sechs Koffer von Maxim Biller.

Wohl keinen der Punkte meiner Vorurteilscheckliste erfüllen dürfte Gott der Barbaren von Stephan Thome, wenn da nicht noch ein Zeitsprung in der Handlung geschieht.

Der Roman könnte ein klassischer historischer Roman sein: Enttäuschter preußischer Revoluzzer von 1848 wird Missionar in China und gerät in die Unruhen des Taiping-Aufstandes und des Zweiten Opiumkrieges.

Liest sich sehr gut, obwohl es so eine typische Nacherzählung von Geschichte zu sein scheint, bei der eine historisch unbekannte Person in den nahen Dunstkreis von berühmten Persönlichkeiten gerät und so alles hautnah miterlebt.

Da ich über diesen Teil der chinesischen Geschichte nichts weiß, hab ich bisher großen Spaß daran. Nach 100 Seiten (1/7 des Buches) frag ich mich aber schon, worin das Preiswürdige bestehen könnte.

Vom tiefen Sommer und dem Übergrund

Seit Jahren bin ich Fan der Edition Drachenfliege des Periplaneta-Verlages. Ich habe aus ihr schon eine ganze Menge gelesen. Zumeist erscheinen dort Urban-Fantasy Romane von bis dato unbekannten Autorinnen und Autoren und enttäuscht wurde ich nie, im Gegenteil, einige der Bücher fand ich richtig gut und behielt sie im Gedächtnis.

Deshalb freue ich mich auch stets über eine neue Mail des Verlages. Zu meiner Überraschung kam sie dieses Mal nicht von Marry sondern von Swantje Niemann – genau, der bezaubernden Autorin von Drúdir!
Das musst ich natürlich hinterfragen und erfuhr, dass sie für kurze Zeit im Verlag als Assistentin arbeitet, da ja die Chefetage grad im Babyglücke schwelgt. Der stolze Vater bloggte auch bereits darüber.

Aber worum ging es nun in der Mail? Um ein Buch, klar. Der Jesko hat eine poetische Dystopie erschaffen! Ich hatte den Poetry-Slammer bereits als Bestandteil der Lesebühne Vision & Wahn erlebt und umso drängender musste ich also »Tiefsommer« haben.

JeskoHabert1

Jesko Habert auf der Lesebühne im september 2017

Dystopien sind ja eigentlich so gar nicht meins. Trotzdem trudeln sie ständig bei mir ein. Die Welt geht unter und alle berichten davon, oder so.

Aber zunächst beginnt »Tiefsommer« eher als ein Steampunk-Roman. Eine Bergstadt wird von Drohnen eines fremden Reiches in Schutt und Asche gebombt. Lediglich drei junge Leute überleben. Eine Färberin, die Farben riechen kann, und ein Bastler-Pärchen, das die Stadt halblegal mit Strom versorgte – das Setting begann also schon mal ungewöhnlich.
Dann treffen die drei auf eine Gruppe nomadisierender Philosophen und kurz darauf auf eine junge Frau in einem gewachsenen Luftschiff. Das Cover zeigt es sehr schön.

tiefsommer-cover-web

Tiefsommer von Jesko Habert, Cover: Nicole Altenhoff

Jup, ziemlich exotisch das Ganze. Was aber lange Zeit als Abenteuergeschichte auf einer fremden Welt ausschaut, entwickelt sich im zweiten Teil in eine komplett andere Richtung und ich müsste spoilern, wollte ich mehr dazu schreiben.
Auf jeden Fall passt es recht gut zu einem Interview, dass ich gerade transkribiere und in dem Wolfgang Neuhaus über Cyberspace und Cyberpunk erzählt.

In meiner Rezi im Fantasyguide untersuche ich das ein bisschen und bei aller Begeisterung für die sehr lyrische Sprache fiel als kleines Manko auf, dass man aus den Figuren und der erschaffenen Welt noch ein bisschen mehr hätte herauskitzeln können. Aber was an soziologischen und utopischen Ideen in dem Roman steckt, ist beeindruckend.

Am 28. September stellt Jesko Habert seinen Roman im Literaturcafé des Verlages vor und ich habe mir schon einen Platz reserviert.
Solche feinen Debüt-Romane gibt es ständig bei Periplaneta. Da bin ich ganz Fanboy.

Hier noch der Link zu meiner Rezi im Fantasyguide: Tiefsommer von Jesko Habert

Projekt Buchpreis 2018 – Teil 2

Das erste Buch, Sechs Koffer von Maxim Biller, liegt hinter mir. Da wir im SFN einen offenen Lesezirkel dazu veranstalten, warte ich noch mit einer Rezi. Aber schon mal vorab: Gute Unterhaltung liefert das Buch, preiswürdig ist es nicht.

Gestern nutzte ich die Mittagspause und besuchte die Charlottenburger Buchhandlung Der Divan in der Reichsstrasse 104, nahe dem Theodor-Heuss-Platz.

derDivan2

Der Divan in Charlottenburg

Der Laden wirkt extrem aufgeräumt und luftig, eher edelchick als typisch vollgestopft mit Büchern. Hier gibt es einen extra Tisch mit den Nominierten der Shortlist und ich sah gleich auf den ersten Blick, dass Der Vogelgott, den ich mir als nächstes kaufen wollte, nicht dabei lag.

derDivan1

Der Buchpreistisch. Sechs Koffer und Der Vogelgott waren ausverkauft.

Die nette Buchhändlerin erklärte mir, das Buch sei momentan nicht lieferbar. Der Verlag Jung und Jung dürfte von der Buchpreisnominierung also deutlich profitieren, wenn er jetzt schon nachdrucken lassen muss.
Ich frug natürlich auch, wie sich der Buchpreis bei ihnen auswirke und sie schien ganz begeistert. Zumindest die Bücher der Shortlist werden gut gekauft und auch von den Kundinnen und Kunden explizit nachgefragt. In ihrer Gegend ist der Buchpreis also tatsächlich ein Erfolg. Man könnte denken, dass die Gegend etwas nobler sei, als Friedrichshagen. Nunja, direkt neben der Buchhandlung findet sich ein Kasino. Mein ganz persönlicher Indikator für eine eher heruntergekommene Gegend.

Kein Buchladenbesuch ohne Buchkauf, daher nahm ich den Gott der Barbaren mit.

GottDerBarbaren

Gott der Barbaren von Stephan Thome

Ich weiß zwar nicht, wann ich dazu kommen werde, es zu lesen, da ich gerade an zwei Rezi-Exemplaren dran bin, darunter die unverhofft eingetrudelte Prachtausgabe von Ursula K. Le Guins Erdsee und ich lieber zunächst den Vogelgott lesen würde.
Aber letztlich isses mir ja wurscht, welcher Gott welchem folgt.

So sindse, die Agnostiker.

Das Gewebe der Wirklichkeit ist ein Knoten im Haar eines träumenden Mädchens

Am Samstag düse ich zum ElsterCon nach Leipzig. Als das Programm vor ein paar Monaten veröffentlicht wurde, las ich da Alastair Reynolds und dachte mir: Hey von dem hab ich noch was ungelesen im Regal! Und ich hatte den Buchrücken grob im Kopf. Als ich dann etliche Woche später das Buch tatsächlich herauszog, stand da aber Ian McDonald.
Huch.
Ich schlag das Buch auf und es ist signiert. Für mich. Auf dem ElsterCon 2016!

ian_mcdonald3

Ian McDonald signiert für mich

Tatsächlich war Ian McDonald beim letzten ElsterCon dabei und ich besuchte ein Panel mit ihm. Zum Glück beweisen das meine Fotos, was dann auch meinem Gedächtnis Erleuchtung brachte. Peinlich genug war mir das, um das Buch auf keinen Fall einfach so zurückstellen.

ian_mcdonald2

Ian McDonald (mitte) auf dem ElsterCon 2016

Von Alastair Reynolds kann ich mir ja am Samstag etwas holen.

Mir ist auch so, als ob König der Dämmerung, Königin des Lichts zu den vielen Empfehlungen gehört, die beständig auf mich einprasseln. Zu Recht, wie ich inzwischen feststellen konnte. Man darf sich nicht vom grässlichen Cover abschrecken lassen. Das Buch ist mitnichten eine Romanze. Vielmehr eine dramatische, irische Familiensaga.

Kdd_Kdl

König der Dämmerung, Königin des Lichts von Ian McDonald, Cover: Heather Cooper

König der Dämmerung, Königin des Lichts stellt eine Collage aus vier Teilen dar. Die Geschichte beginnt 1913 in Irland. Die verträumte Emily stößt im Wald nahe des Anwesens ihrer Familie auf Wesen aus der irischen Mythologie und fühlt sich zu ihnen hingezogen. Doch dann wird sie vergewaltigt und schwanger. Es beginnt eine Geschichte über vier Generationen von Frauen, die sich mit ihren eigen Mythen und Traumata auseinandersetzen müssen. Es verweben sich alte und neue irische Legenden, gewachsen aus den kulturellen und politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.

Mich erinnerte das Buch an Gabriel García Márquez’ Roman Hundert Jahre Einsamkeit. Man kann die Werke nicht stilistisch vergleichen, zumal es ja in meinem Fall ein Vergleich von Übersetzungen wäre, aber thematisch sehe ich große Ähnlichkeiten. Und Magischer Realismus ist letztlich nur eine Umschreibung für Urban Fantasy.
Hätte Ian McDonald noch ein paar geschichtliche Ereignisse mehr hineingewoben in seine Geschichte, vielleicht hätte sein Roman noch mehr Aufmerksamkeit erregt und wäre vielleicht auch nachhallender geworden.

Im Anschluss las ich ja Sechs Koffer von Maxim Biller für mein Buchpreisprojekt und schon jetzt feile ich in Gedanken an Rezi und Blogartikel und dabei fällt mir auf, dass Ian McDonald in seiner Familiengeschichte doch weitaus kreativer zu Werke ging. Aber davon später mehr. Hier ersteinmal der Link zu meiner Rezi im Fantasyguide: König der Dämmerung, Königin des Lichts von Ian McDonald

Projekt Buchpreis 2018 – Teil 1

So, das Projekt ist gestartet. Heute schnappte ich mir den Drahtesel und fuhr nach Friedrichshagen. In der lauschigen Buchhandlung »leselieber« sah ich mich nach den Buchpreiskandidaten um.

LeseLieberFriedrichshagen

Das »leselieber« in der  Bölschestraße 79

Ich wollte Vogelgott und Sechs Koffer kaufen. Leider konnte mir Buchhändler Christoph Berger nur das Buch von Maxim Biller geben, dass andere hätte er bestellen müssen. Der Verlag ist wohl zu klein. Ich fragte ihn nach der Bedeutung des Buchpreises für sein Geschäft, aber er winkte nur ab, weil er davon nichts hält. Die Auswahl sei nicht besonders, es würde nur der erste Platz gekauft und richtig gute Bücher wie Romeo oder Julia von Gerhard Falkner von der Longlist 2017 würden jetzt verramscht.

Mal sehen, ob ich den Vogelgott am Wochenende noch in einer Buchhandlung bekomme, auf jeden Fall wird es einen Lesezirkel dazu im SFN geben. Offensichtlich ist das Werk bei einigen Genre-Fans auf Interesse gestoßen. Der erste positive Effekt der Shortlist. Es bleibt ja immer noch ein großes Problem, dass sich einige Verlage einfach nicht trauen, ein phantastisches Buch auch so zu bewerben. Das führt dann dazu, dass das interessierte Publikum außen vor bleibt, weil man es nicht als Zielgruppe in Betracht zieht. Als ob Verlage sich das leisten könnten.

SechsKoffer

Mit Buchpreis-Aufkleber: Sechs Koffer von Maxim Biller

Vielleicht werde ich die Sechs Koffer also vorziehen, Christoph Berger von »leselieber« schien es zumindest nicht schlecht zu finden.

%d Bloggern gefällt das: