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Archiv der Kategorie: Literatur

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Im Märchen hört dich jeder schreien

Wenn es um wahres Heldentum geht spricht zwar niemand von uns RezensentInnen, jedoch kann ich einfach nicht verleugnen, welche Heldentaten mit dem Rezensieren verbunden sind.

Das Lesen ist ja meist eine große Freude und sich der eigenen Leidenschaft hinzugeben, scheint nicht ganz so bewundernswert zu sein. Nutzt man während des Lesens öffentliche Verkehrsmittel, kommen zum Teil enorme Mühen und Qualen hinzu. Davon hört man schon seltener etwas.
Ab und zu wird man von Deadlines gejagt oder von ungeduldigen AutorInnen, VerlegerInnen oder RedakteurInnen – verstörend und in Summe durchaus eine Last.
Auch der Mangel an Feedback, von Lob ganz schweigen, lässt das Rezensieren zu einer einsamen Aufopferung für die Literatur werden.
Ganz besonders gigantisch wird die Kraftanstrengung, will man sich ausführlich zu einer Anthologie äußern. Stunde um Stunde schreibt man sich die Finger wund und hofft, wie die Beteiligten der Anthologie, auf ein paar am Text Interessierte.
Und schreien wir nach Anerkennung, Grundeinkommen oder Buchpreiswürdigung?

Nein!
Allein die Gewissheit, unsere bescheidene Meinung der Welt als Geschenk dargereicht zu haben, reicht uns aus. Heldenhaft im reinsten Sinne des Wortes und hätte mich die Herausgeberin Ina Pleines gefragt, was ich dazu meinte, dass es Helden nur im Märchen gäbe, so käme meine Antwort aus glanzerfüllter Rezensentenmine:

Oh, nein! Schaut her, der Helden hehrer Schar erwächst durch uns ein stilles Heer!

Sie hat aber nicht mich gefragt, sondern in Zusammenarbeit mit dem Verlag Schwarzer Ritter einen Wettbewerb veranstaltet. Und bereits im letzten Jahr fügte sie zwölf Geschichten zur Fantasy-Anthologie »Helden gibt es nur im Märchen« zusammen.

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Helden gibt es nur im Märchen herausgegeben von Ina Elena Pleines, Cover: Rudy Eizenhöfer

Davon erfuhr ich damals auch, da der rührige Verleger Hagen Tronje Grützmacher mir jedes seiner Büchlein sehr ans Herz legt, jedoch brennt die Leidenschaft für Fantasy bei mir auf kleiner Flamme.
Dann ergab es sich jedoch, dass ein wackerer Recke jener Anthologie zu einem Mitstreiter in einer Fantasyguide-Anthologie wurde, und die Gelegenheit beim Schopfe griff, mich mit der Bitte um eine Helden-Rezi zu belatschern.

Wäre es vielleicht heldenhafter gewesen, diese Bitte abzulehnen?

Ich hatte Glück. Die Qualität der Geschichten überraschte mich, was vor allem daran lag, dass die Autorinnen und Autoren sich wirklich große Mühe damit gaben, den klassischen Fantasy-Helden gegen den Strich zu bürsten. Kein Grim&Gritty, kein Zaubererinternat und nur ein paar kleine, auf links gedrehte Heldenreisen fanden sich in den Geschichten.

Wie Herakles einst ergriff ich nach der Lektüre die Blöcke von Tastatur und verfasste heldenhaft ein ausführliches Textkonvolut: Helden gibt es nur im Märchen herausgegeben von Ina Elena Pleines

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Ohne Mond kann ja jede!

Trübe Wintertage bringen mich Frau Luna nicht wirklich näher und ein bisschen hoffe ich ja, diese langen Abende mit Buch und Wein gemütlich im Sessel zu verbringen, jedoch wo ist dieser Obiwan, wenn man ihn braucht, das antagonistisch handelnde Universum zu verstehen?

Aber werf ich mal das Dubistschuldstöckchen nicht zu den tollen Toten, sondern eile, die Bücherstapel zu bezwingen …

Das jüngste Werk von Michael Marrak erwarb ich schon im Oktober auf dem BuCon und beim Signieren beichtete der Meister, dass er damit die deutsche Ausgabe zum ersten Mal in den Händen halte. Kurz beäugte er es, ob sein Satz korrekt die Druckerei verließ und fast wäre er vor lauter Begeisterung gar nicht mehr dazu gekommen, den magischen Stift zu benutzen.

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Skeptischer Meisterblick: Michael Marrak auf dem BuCon 2018

Auch wenn ich mich sehr auf die Wiederkehr in das Universum des »Kanons mechanischer Seelen« freute, kam ich erst jetzt dazu, mich erneut von Ninive an die Hand nehmen zu lassen und durch ihre abgedrehte, wunderbare Welt zu wandeln.

»Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit« ist ein rasantes und witziges Abenteuer in der Stadt von Aris, der im »Kanon« ja seine Fähigkeit verlor, Gegenstände zu beseelen. Aber das brachte ihn auf die Idee, nach dem verschwundenen Mond der Erde zu forschen.
Und der Depp vergisst darüber Ninive.

Mir wäre das nicht passiert und Aris hat meine Ivi auch gar nicht verdient!

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Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit von Michael Marrak

Der Herr Marrak hatte aber wohl Mitleid und so hilft sie ihm denn nach der wohlverdienten und bestimmt zu sanften Ohrfeige bei seiner Suche.
Dabei dürfen wir eine herrlich skurrile Stadtlandschaft bewundern, die so vollgestopft ist mit phantastischen Ideen, dass ich sehr hoffe, auch hierher zurückkehren zu dürfen.
Ein großer, lustiger Spaß mit genau den richtigen Einsprengseln Melancholie. Ein perfektes Buch zur Wiedereröffnung einer Bibliothek.

Ein bisschen mehr dann drüben im Mondschein des Fantasyguides: Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit von Michael Marrak

Die freien Geister von Erdsee

Am 29.11. lud der Verein Weltlesebühne ins Otherland. Im Zentrum stand Karen Nölle als Übersetzerin der »Erdsee«-Prachtausgabe sowie der »The Dispossessed«-Ausgabe »Freie Geister« bei Tor.

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Karen Nölle und Nadine Püschel

Da ich den Prachtband ganz unverhofft im Briefkasten vorfand und seither abends ab und zu in dem zwar wunderschönen, aber echt schweren Band lese und auch irgendwann bespreche, freute ich mich sehr auf die Gelegenheit, die Übersetzerin kennenzulernen.

Sie übersetzte nicht alles, Band 4 wurde von ihrem Mann, Hans-Ulrich Möhring, ins Deutsche übertragen, der auch im Publikum saß.

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Hans-Ulrich Möhring

Grandioserweise, denn er ist der »Otherland«-Übersetzer! Unter uns befand sich dann auch noch Anne-Marie Wachs, die für Golkonda den Essay-Band »Keine Zeit verlieren: Über Alter, Kunst, Kultur und Katzen« übersetzte.

Da auch Hannes Riffel und Hardy Kettlitz anwesend waren, überschlugen sich Wissensvermittlung, Insiderwissen und Literaturbegeisterung in stimmungsvollen und gewaltigen Saltos.

Die Moderation übernahm die Übersetzerin Nadine Püschel mit angenehm fröhlicher Begeisterung und stellte Karen, die Werke und auch das Besondere an Ursula K. Le Guin vor.

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Nadine Püschel

Zwar setzte sie ihre Bedeutung in Deutschland etwas weniger hoch an, als wohl der Großteil der anwesenden Fans, aber das schmälerte die gemeinsame Freude am Werk der großen Schriftstellerin nicht im Geringsten.

Karen konnte Ursula K. Le Guin noch persönlich treffen, sie starb ja im Frühjahr, und berichtete über das starke Interesse der Autorin an einer ordentlichen Übersetzung der Namen, sie hatte da wohl böse Erfahrungen mit einem bulgarischen Übersetzer gemacht.

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Schwere Lektüre

In der Welt von »Erdsee« ist Sprache sehr wichtig und in der deutschen Übersetzung wären englische Namen Fremdkörper.

Wir hörten Ausschnitte aus den beiden ersten Erdsee-Geschichten von Karen, während Hans-Ulrich Möhring vom Blatt etwas aus dem vierten Band vortrug. Dreimal stolperte er dabei über Schreibfehler und bat ganz burschikos grinsend seine Frau, im Buch nach zu sehen, ob sie es ins Buch geschafft hätten, jedoch Hannes hatte alle gnadenlos gekillt.

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Frisch aus dem Drucker

Das Bild des sich am Frühstückstisch abstimmenden Übersetzerpärchens flimmerte durch den Raum und man konnte auch spüren, dass die beiden sich und ihr Leben ganz wunderbar finden.

Die beiden fuhren auch auf den Spuren der Handlungsschauplätze in die USA und besuchten das Steens Mountain Country. Hier her kam Le Guin nicht nur 50 Jahre lang, Licht und Klima bestimmen ihre beiden Werke sehr stark.  Karen konnte hier das Gefühl für die Landschaft entwickeln, ohne das ihr die Übersetzung nicht gelingen wollte.

»The Dispossessed« ist für SF-Fans ähnlich bedeutsam wie »Earthsea« für Fantasy-Fans und das Buch erhielt mit »Freie Geister« nun bereits den dritten deutschen Titel.

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Karen las uns eine eine ungewöhliche Hotelszene vor.

Hannes erklärte dann auch, wie er dazu kam. »The Dispossessed« war für Le Guin auch eine Reminiszenz an Dostojewskis »Бесы«, im englischen »The Possessed«. Da bei Fischer die Übersetzung von Swetlana Geier »Böse Geister« heißt, fand er es nur passend, wenn nun Le Guins Werk »Freie Geister« benannt wurde. So wäre Dostojewski wieder im Spiel, das Wort Freigeist klingt an mit dem Bezug zum Anarchismus und der Antagonismus zum Besessen sein wird auch noch deutlich.

Solche kleinen Schwenker machen die Abende im Otherland zu etwas besonderem.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich mir The Word for World is Forest von Le Guin an diesem Abend kaufte und als Sahnehäubchen hörte ich es Raunen, dass in einigen Jahren der Bedarf an einer Neuübersetzung gestillt werden könnte.

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Nicht nur Karen und Nadine hatten ihren Spaß

Doch bis dahin gibt es noch genug zu lesen, Bücher auf und ab in ferne Welten, other lands und fremde Betten!

Projekt Buchpreis – Teil 8

Anderthalb Monate ist es her, dass ich etwas über dieses Projekt berichtete und es lebt tatsächlich noch!

Am Donnerstag kaufte ich mir endlich das Gewinnerwerk Archipel von Inger-Maria Mahlke wie versprochen in der Buchhandlung Kommedia in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg, vis-à-vis des Otherlands.

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Archipel von Inger-Maria Mahlke

Zurzeit lese ich noch eine Fantasy-Anthologie, aber direkt danach geht’s los.

Wenn alles klappt, werde ich am 12.12. dann auch noch zur Lesung von Nino Haratischwili ins Literarische Colloquium fahren und somit dann doch noch auch Die Katze und der General ins Projektteam holen, allerdings ohne Garantie, es auch zu lesen.
In den letzten Wochen haben sich ein paar andere Autorinnen und Werke vorgedrängelt, die zu lesen ich sehr große Lust verspüre.

Zudem wird mir die Original-Lektüre von The Word for World Is Forest von Ursula K. Le Guin für den Klassikerlesezirkel im SFN einiges abverlangen, aber ich freue mich schon sehr darauf, endlich mal wieder ein Buch in Englisch anzugehen.

Die Karawane der Belesenen

Ein kleiner Blogartikelstau möchte aus  der Aufschiebe-Ecke abgeholt werden.
Na dann mal los!

Am letzten Wochenende fand bereits zum fünften Mal die Berliner Buchmesse Buch Berlin statt. Nach zwei Jahren in Neukölln reiste die kleine Messe einmal quer durch die Stadt nach Moabit und fand einen Unterschlupf in einem Hotel, das zu einem Einkaufszentrum gehört. Ich war hier noch nie.

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Erst gut mit Buch

Man musste den Eingang des Einkaufszentrums benutzen und meine Erwartungshaltung sank rapide, als wir die Rolltreppe Richtung Asia-Imbiss nahmen. Die Messeräume selbst befanden sich im Hotel und erfüllte solide ihre Zwecke, allein die Garderobe erwies sich als deutlich zu klein kalkuliert.

Die Buch Berlin ist geprägt von engagierten Kleinverlagen und Selbstveröffentlichungen vor allem aus dem Fantasy-Bereich, queere Literatur und bezaubernde Kinderbücher.

Die Säle und Räume erwiesen sich als gut gefüllt, wobei ein Großteil der Leute allerdings Namensschilder trugen und dementsprechend wohl AusstellerInnen waren.

Es fanden sich jede Menge alte Bekannte vom Verlag ohneOhren, über Art Script, Amrûn, periplaneta bis hin zu Sternensand und der Edition Roter Drache. So traf ich denn auch die aufgekratzte Swantje Niemann, schaute kurz bei der Lesung von Anja Bagus vorbei, beäugte Christian von Asters bedeutsames Umhereilen, sah Ann-Kathrin Karschnick mit Laurence Horn herumherzen  und erwischte Torsten Low beim Stimmungsaufhellen.

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die aethärische Anja Bagus

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Christian von Aster und Markus Heitkamp

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Ein Horn und eine Fee

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Mira Valentin zeigte Flügel

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Jesko Habert und Sarah Strehle am periplaneta-Stand

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Swantje zog strahlend durch die Gänge

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Torsten Low und Claudia Rapp planen Projekte

Da ich Fantasy eher am Rande lese, suchte ich nach Science-Fiction, was auf der Buch Berlin erfahrungsgemäß nicht ganz so einfach ist. Jedoch erwarb ich ein Paläo-SF-Werk eines zeichnenden Autors und bin schon gespannt, wie es sich lesen wird.

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Robert Rittermann hielt die Fahne der SF hoch

Meine Liebste hingegen wurde beständig angesprochen und konnte sich als Volltreffer der Zielgruppe auch gleich drei Bücher mit nach Hause tragen lassen und bestimmt tausendmal entwich sie mit einem deutlichem Zögern. Kein Wunder, dass wir etliche Stunden auf der Messe verbrachten.

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Samy Hale verführte zum Buchkauf

Auch die fünfte Buch Berlin hat sich also für uns gelohnt. Es wuselten wieder sehr viele begeisterte Autorinnen und Autoren herum. Spannende Projekte versprachen viel und begleiteten bunt ein wunderbares Bücherwurmgewimmel. Und natürlich konnte ich auch einige Bilder für die AutorInnenseiten des Fantasyguides knipsen.

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Spannendes Projekt Divoisia

Solche Erlebnisse helfen dann doch, das deprimierende Versumpfen in einem Drecksgroßraumbüro halbwegs zu überstehen.

Da kommt des dunklen Königs Komet

Bücher, die ich schon immer mal lesen wollte, aber dann vergaß, gibt es eine Menge und so hilft dann manchmal nur ein Zaunpfahl. Solch einer kam beim BuCon in Form des wunderbaren Oliver Plaschka höchstpersönlich und megaspontan erwarb ich die Neuausgabe von Fairwater, bettelte um eine Signatur und hab es jetzt auch tatsächlich fast instant gelesen.

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Oliver signiert mein Exemplar auf dem BuCon 2018

Es ist kein einfaches, wenn auch wunderlich phantastisches Buch. Das fängt schon mit dem geprägten Cover an. Beim Lesen fahren die Finger immer wieder über die Verschnörkelungen und passen ganz prächtig zu den Verschlingungen von Zeit und Figuren im Buch. das ganze ist ein großes Rätselspiel, wie Oliver Kotowski in seiner Rezi zur Erstausgabe vor zehn Jahren so treffend formulierte. Ich habe sie extra erst nach meiner Lektüre gelesen und beschloss dann beim Verfassen meiner Rezi, dass Olli eigentlich alles und viel schlüssiger zum Inhalt schrieb, als dass ich da noch wesentliches hinzufügen könnte.

Das Ergründen dessen, was da nun in Fairwater geschah, fühlt sich sehr intim an, das möchte ich gar nicht groß breitkauen. Denn in Fairwater geht es darum, was für wen real ist. viele Figuren splittern sich in neue Figuren und Perspektiven auf. Manchmal verlor ich den Überblick, wer nun zu wem und wessen Vergangenheit gehört. Einiges klärt sich auf, vieles ist aber Interpretation. Faiwater ist ein magisches Buch. Ein Buch voller Lyrik, zerfließender Bilderwelten, Träume, Gedankenströme und alles fließt in den unzähligen Flüssen und Kanälen der Stadt, wächst in den fast verlassenen Betrieben und in den geheimnisvollen Gärten der Stadt zu einem Geschichtenknäuel, in dem man in beliebige Richtungen irren kann. Oder zu suchen beginnt.

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Fairwater von Oliver Plaschka, Cover: Sarah Borchart

Das ist Phantastik, wie ich sie liebe. Barock in der Fülle an Zitaten und Anspielungen, herausfordernd in den Weglassungen und hochgradig inspirierend durch ein Ensemble seltsamer Figuren. Und sprachlich ein Genuss, gerade wenn man lyrische Sätze so sehr liebt wie ich.

Via Twitter und dem Hashtag #FairwaterOST lässt Oliver Plaschka uns gerade teilhaben an seiner musikalischen Begleitung des Romans. Jede Menge ProgRock aus den Siebzigern. So viele unbekannte Songs, die mit ihren Texten und Sounds in Fairwater einflossen und dabei so gar nicht mit dem übereinstimmen, was ich dort zu hören meinte, aber eine ungemein spannende musikalische Reise.

Wie oben schon erwähnt ist meine Rezi im Fantasyguide nicht so ausführlich, aber begeistert: Fairwater von Oliver Plaschka

Dann war da doch noch was drin

Das Abarbeiten eines SUBs ist sehr wichtig. So sollte man die Bücher der Herbstmesse vor der nächsten Frühjahrsmesse gelesen haben, denn diese kommt bekanntermaßen ganz plötzlich, meist morgen. Ähnlich verhält es sich mit Zeitschriften. Auch hier bietet sich eine Lektüre vor dem Erscheinen der nächsten Ausgabe an.
Und manchmal befolge ich solche Tipps auch, wie just mit der Ausgabe 38 des SF-Magazins Exodus geschehen.

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Exodus 38, Cover: Michael Marrak

Bisher gab es stets grafische Anreize, mir das Heft zu besorgen und auch diese Ausgabe war aus diesem Grund ein Pflichtkauf für mich, stellte man in den großformatigen Farbheft doch Michael Marrak vor. Den hab ich schon ganz oft gelobt und unvorteilhaft fotografiert, wie er mir ständig unter die Nase reibt. Aber ich bin ja auch Dichter und kein Knipser.

Erschienen ist das Heft zum Elstercon, den ich ja besuchte, und so konnte ich mir die Ausgabe frisch bei einem der Verleger, René Moreau selbst, kaufen.

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René Moreau auf dem Elstercon 2018

Meine bisherigen Erfahrungen mit den Storys in der Exodus waren nicht so dolle und das Magazin blieb sich da auch dieses Mal treu. Aber die Grafiken rissen alles raus, wenn auch der Herr Marrak die Düsternis beklagte und seinem schlecht kalibrierten Monitor die Schuld daran gab. Er kennt Elfen nicht so gut wie ich.

Aber dann überraschte mich das Heft doch noch. Ganz zum Schluss fand sich ein Artikel von Dirk Alt. Die Abweisung einer politischen Geschichte zum Thema Migration durch die Exodus-Redaktion veranlasste ihn, einige SF-Autoren zum Themenkomplex »Wie politisch ist die deutsche Science-Fiction?« zu befragen. Ein wichtiger Diskurs wie ich finde, da hier aus meiner Sicht zu wenig stattfindet, wenn ich auch Forderungen nach Geschichten über eine erfolgreiche AFD-Machtübernahme oder einem IS-Sieg wenig abgewinnen kann. Dirk Alt ließ dann sogar den alten Rechtsaußen der SF, Herrn Haubold zu Wort kommen, der sich sichtlich über die Propagandagelegenheit freute.

Man kann sich darüber streiten, ob es gut ist, ihm eine Plattform zu bieten, aber auf der anderen Seite rundet dieser Text die Sicht auf den politischen Teil des Fandoms ab.
Dadurch wird das Heft zu einem Zeitzeugnis. Irgendwann kramt ihr das Heft hervor und sagt »So war das damals, bevor das Mithril-Zeitalter der SF begann!«

Na, Lust bekommen? Zu den einzelnen Geschichten, den Illustrationen und einem Gedicht (ha!) äußere ich mich in meiner Rezi: Exodus 38

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