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Eisiger Spiegel der Gewalt

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Lesezirkel sind sehr oft eine grandiose Quelle, AutorInnen und Werke kennenzulernen, von denen man noch nie gehört hat. So ging es mir mit dem Buch des August-Klassikerlesezirkels im SFN.

Weder sagte mir der Name Anna Kavan, noch der Titel ihres laut Wikipedia berühmtesten Romans »Eis« etwas. Der Klappentext klang verführerisch und ich hätte das Buch auch gelesen, wenn es nicht ausgewählt worden wäre.

Geschrieben hat es Anna Kavan 1967, ein Jahr vor ihrem Tod, und jetzt wurde es vom schweizerischen Verlag Diaphanes in der Reihe »Forward Fiction« erstmals auf Deutsch publiziert. Ich finde solche literatur-archäologischen Projekte bewundernswert. Die Reihe hat auf der Homepage des Verlages bisher keine eigene Seite, aber ich hoffe sehr, dass da noch mehr passieren wird. In der Vorschau findet sich schon einmal einen Ballard – das muss ich mir merken.

Eos von Anna Kavan

»Eis« ist kein normaler Roman, vielmehr muss man sich durch teilweise sehr verwirrende Sprünge in Zeit, Ort und Figurenperspektive kämpfen. Der männliche Protagonist begibt sich in einer postapokalyptischen Welt, die auf eine Eiszeit zu steuert, auf die Suche nach einem Mädchen, das er seit seiner Kindheit kennt. Sobald er sie findet, wird er brutal zu ihr – es wird angedeutet, dass er gegen ihren Willen mit ihr schläft – und verlässt sie wieder, überlässt sie einem anderen oder flieht vor dem Eis, um sich sofort wieder auf die Suche nach ihr zu machen. Das ist verstörend und sehr bizarr, es gibt keine wirklichen Zusammenhänge der Motivationen, für mich fand ich irgendwann die Erklärung, dass alle Figuren Teile der selben Persönlichkeit sind. Ein schrecklicher innerer Kampf mit vielen Selbstverletzungen, vielleicht Ausdruck von Verletzungen, die in der äußeren Welt stattfanden.

Aber trotz der vielen visualisierten Gewalt und der Zerstörungen, der Kälte, las sich »Eis« erstaunlich gut. Ich wurde hineingezogen in diese mäandrierende und repetitive Suche, denn die Sprache des Buches ist toll. Ein berauschendes Buch, dessen Lektüre ich nicht so einfach Genuss nennen möchte, aber es hat mich beeindruckt.

Ein paar Worte mehr gibt’s in meiner Rezi: »Eis« von Anna Kavan


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