Montbron

Startseite » Literatur » Die Leere des Dienens

Die Leere des Dienens

Gerade gelesen:

Ulrich Holbein – Knallmasse

Gerade geschrieben:

Archiv

Blogstatistik

  • 28.858 hits

Lange zögerte ich, ob ich zum zweiten Band der »Kleinen Frauen« von Louisa May Alcott einen Blogbeitrag nachreichen soll, denn das Buch war in Summe eine große Enttäuschung.


»Der Ernst des Lebens« von Louisa May Alcott

Als die Verfilmung angekündigt wurde, befasste ich mich der beteiligten Schauspielerinnen wegen mit dem Stoff und erfuhr, dass »Kleine Frauen« eine besondere Bedeutung auch heute noch für die amerikanische und englische Literatur und Gesellschaft besitzt. Nach der Lektüre des zweiten Bandes entsetzt mich das zutiefst, denn gerade in ihm wird ein völlig überkommenes Frauenbild dargestellt. Es ist eine Art Lehrbuch für bürgerliche Mädchen in den USA zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Anleitung, wie man ohne im Stand zu sinken, als Frau überleben kann. In erster Linie mit: Diene Männern. Selbst meine Lieblingsfigur aus dem ersten Band, die wilde, lebenshungrige und so unabhängige Jo mit ihrem Faible fürs Schreiben geht am Ende im Dienst an Jungs auf. So lieb kann man die Figuren gar nicht gewinnen, dass man sie hierfür am Ende dann doch zu hassen beginnt.

Das Buch mag 1870 für eine ganze Generation junger Bürgerliche hilfreich und inspirierend gewesen sein, aber für wen im 21. Jahrhundert soll das noch ein wichtiger Ratgeber sein? Die Ideologie dahinter führt direkt nach Gilead.

Nein, »Der Ernst des Lebens« kann ich nicht empfehlen, außer man beschäftigt sich wissenschaftlich mit Zeit, Autorin, Thema oder Umstände. Das Buch gehört in seine Zeit und sollte dann dort auch wieder vergessen werden (mal von der völlig vergeigten Buchausgabe, die ich mir besorgt habe, ganz abgesehen).

Ein paar Worte des Entsetzens mehr in meiner Rezi: »Der Ernst des Lebens« von Louisa May Alcott.


3 Kommentare

  1. Frank Duwald sagt:

    Ich habe mir den ersten Band dieser Ausgabe auch kürzlich gekauft. Naja, nach deiner Rezension werde ich ihn wohl nicht mehr lesen. Hätte ich nicht gedacht, dass diese „Diene-den Männern“-Geschichte da präsent ist, denn das Leben von Mrs Alcott war ja sehr von Eigensinn und Unabhängigkeit geprägt. Wie erst in der Neuzeit bekannt wurde, hatte sie unter Pseudonymen Horror und Thriller geschrieben, in denen die Frauen sehr unabhängig und gefährlich sind (erscheinen bei Bastei-Lübbe).

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: