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Kapitalistische Ubermacht

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Mein bester Freund reist demnächst nach Argentinien, um dort ein paar Wochen zu wandern. Deshalb wollte er sich vorher noch einmal treffen und natürlich sollte der Abend nicht nur etwas in den Magen, sondern auch etwas ins Hirn bringen. Als offizieller Kulturbeauftragter unser Beziehung schlug ich den Besuch einer meiner Lieblingsveranstaltungsorte vor: Das Periplaneta-Literaturcafé in der Bornholmer Straße.

Das periplaneta Literaturcafé in der Bornholmer Straße

Dort amtiert ja seit 20 Monaten ein neuer Chef und wie das bei diesen jungen Hipstern so ist, brachte er Verlag und Belegschaft nicht nur auf Trab, sondern auch durcheinander, sodass es jetzt Freitags das TresenLesen gibt.

Man kommt nicht daran vorbei

Das ich das eh mal probieren wollte, zuckelten wir also nach dem leckeren Koreaner-Besuch am letzten Freitag dort hin.

Der Abend stand unter dem Zeichen der periplaneta-Edition SubKultur, drei der dort veröffentlichten Autoren stellten ihre Werke vor, darunter auch mit einer Buchpremiere.

TresenLesentresenwesen

Verleger Tom Manegold gab den Barkeeper, wie er selbst es nannte, der unterbezahlteste Job im Gesundheitswesen, und zugleich wies er auf die Unschärfe des Konzeptes TresenLesen hin, da ja der Tresen während der Lesung für die Zuhörenden gesperrt ist.

Tom Manegold ersetzt PsychologInnen

Zunächst wurde ein Jingle eingespielt und dann traten auf: Joost Renders, Christian Schmitz und Kristjan Knall. Letzterer hatte keine Robbe, sondern eine Fellmütze auf dem Kopf, wegen der die Heizung runtergedreht wurde.

Christian Schmitz, Kristjan Knall und Joost Renders

Den Anfang machte Christian Schmitz, der schreibende Taxifahrer. Mit schönem Berliner Dialekt trug er seine Geschichten aus dem Leben vor. Mit seinen Fahrgästen erlebt er viel und er führt eine Statistik über die Anzahl der wirklich schlimmen Leute, die in seine Taxe steigen . Entgegen den Vermutungen beträgt sie nur 0,3%. Wären es mehr, würde ihm sein Beruf auch gar keinen Spaß mehr machen. Es hat seine Erlebnisse und Gedanken auch zu Buch gebracht: »Der Fuchsflüsterer vom Zeltinger Platz«, na klar in der Edition SubKultur erschienen. Seine Alltagsgeschichten präsentierte Christian Schmitz mit linker Gesinnung, dem Herz auf der Zunge und Spitzen gegen ausbeuterische Fahrdienste.

Christian Schmitz

Danach wurde per Moralomat ein Thema für den Lesebühnenabend bestimmt. Heraus kam: »Freundschaft ist schließlich echt daneben.« Quasi Hass, wie festgestellt wurde. »So erschließt sich langsam das Konzept und alle glauben, dass wir es einfach so geplant haben.«, merkte Tom an.

Thematisch passend durfte dann Kristjan Knall ans Mikrophon, der schon diverse satirische Rant-Bücher veröffentlichte, darunter »Neukölln – Ein Elendsbezirk schießt zurück«, aus dem er auch vorlas. Tom präsentierte später dann auch das Cover zu Knalls nächstem Werk: »Heldenhass«, das zur Buchmesse erscheint.

Kritstjan Knall

Die Texte sind teils sehr böse, nicht unbedingt lustig und mit viel Spaß an der Provokation. Was zum Motto »Da kri’st ja ’nen Knall« passt.

Es ist »[…] Satire mit Fußnoten. Also wenn man denkt, so’n Scheiß kann man sich nicht ausdenken, dann wird einem in diesem Buch aufs Butterbrot geschmiert, dass das alles wahr ist.«, stellte Tom den Autor vor. »Es ist übrigens die Hölle, ihn zu setzen, weil es gibt da dreizeilige Fußnoten … es ist so ähnlich wie Pornogucken, wo man gucken muss, ob man die Seite verbieten darf.« Ein Verlegerleben ist echt nicht einfach.

Der Dritte im Bunde, Joost Renders, präsentierte in einer Buchpremiere Episoden aus Berlin in »Hop On Hop Off«. Das orangene Cover stellte eher unbewusst den Hollandbezug her und verwies auf den Migrationshintergrund des Autors. Das Cover gewann übrigens sehr durch das Ausweichen auf einen professionellen Grafiker, wie Tom durch eine kleine Bilderserie der früheren, von ihm selbst erstellten, Versionen demonstrierte.

Joost Renders

Joost Renders las aus verschieden Teilen des Romans und daraus ergab sich ein sehr skurriles Kaleidoskop unseres geliebten Hauptdorfes.

Nach der Pause verloste die Tresengemeinschaft zunächst seltsame Getränke und die Stimmung wurde immer lockerer. Jeder las noch weitere Texte vor, selbst Tom stürmte ans Mikrophon und rezitierte seinen Text »Berlin am Meer«, den ich schon irgendwann mal hier gehört hatte.

Badefreudenvorfreude im Gesicht: Tom

Das TresenLesen SubKultur-Special endete mit donnerndem Applaus und wir zogen in die milde Vorfrühlingsluft des Prenzlauer Berges.

Verdienter Applaus für Tom, Christian, Kristjan und Joost

1 Kommentar

  1. […] 21.02.2020 um 20.00 Uhr Freitag: TresenLesen Periplaneta Literaturcafé Berlin, Bornholmer Straße 81a, 10439 Berlin Link zum Literatur-Blog lapismont […]

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