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Grenzenloses Grauen und eine Handvoll Enden

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Als vor tausend Jahren Jürgen Schütz im SFN stolz verkündete, er würde in seinem kleinen Septime Verlag die weltweit erste Gesamtausgabe der Werke von Alice B. Sheldon herausgeben, besser bekannt unter ihrem lange unaufgdecktem männlichen Pseudonym James Tiptree Jr., war ich sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Damals hatte ich noch nichts von ihr gelesen. Auch wenn ich heute weder alle Bände besitze, noch gelesen habe, bin ich immer noch genauso begeistert von dieser schmucken Reihe.

Helligkeit fällt vom Himmel von James Tiptree Jr.; Cover: Jürgen Schütz

Als der letzte Band »Helligkeit fällt von Himmel« für den Oktober-Klassikerlesezirkel im SFN gewählt wurde, fiel mir die Entscheidung nicht schwer, mitzumachen. Mein erster Roman von ihr, Band 10 der Gesamtausgabe. Das Werk erschien 1985, zwei Jahre vor ihrem Tod, der gerade erst wieder für einiges Aufsehen sorgte.

Immerhin erschoss sie sich 1987 nicht nur selbst, sondern im Rahmen eines Selbstmordpaktes auch ihren Ehemann. Da dieser Doppelselbstmord wohl nicht eindeutig belegt ist, wurde dieses Jahr der nach Tiptree benannte SF-Preis in »Otherwise Award« umbenannt, da Alice einen kranken Menschen getötet hatte – für kritische Stimmen ein Fall von Euthansie. Eine streitbare Entscheidung. Ich habe vor ein paar Jahren die Biographie »James Tiptree Jr. Das Doppelleben der Alice B. Sheldon« von Julie Phillips gelesen und neige daher zur Selbstmordtheorie. Durch die Lektüre dieser Biographie konnte ich auch einige Aspekte aus »Helligkeit fällt von Himmel« in das Leben der Autorin einordnen, ob das nun aber stimmt, ist natürlich nicht sicher, sondern reine Spekulation.

Frank Böhmert, Jürgen Schütz, Elvira Bittner und Julie Phillips auf der LBM 2015

Sheldon ist eine begnadete Schreiberin von Erzählungen gewesen, ihr Roman kann da nicht mithalten. Im Lesezirkel häuften sich schnell kritische Stimmen. Von langweilig bis Kitsch reichten bald die Meinungen und auch ich hatte es zunehmend schwerer, das Buch freundlich zu betrachten. Die Autorin steckte für mich einfach zu viel hinein. Zu viele Vorahnungen, zu viele Grausamkeiten, zu viele Rettungen, zu viele hochdramatische Beziehungsmomente und eben auch zu viele Enden. Kein in sich stimmiger und funktionierender Roman, trotz einiger sehr guter Inhalte und Figuren.

Trotzdem kommt das Buch jetzt ins Regal, denn die Gesamtausgabe bleibt ein Prachtstück.

In meiner Rezi gehe ich etwas mehr auf den Inhalt ein: Helligkeit fällt vom Himmel von James Tiptree Jr.


2 Kommentare

  1. Argh, Tiptree. Von ihr wollte ich auch schon so lange ein Buch lesen. Hab letztens erst wieder auf der Messe die schönen Ausgaben bei Septime stehen sehen. Muss mich wirklich mal ranhalten.

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