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Verwahrt uns in Träumen

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Wer die Liste der SF-Neuerscheinungen beobachtet, kann schnell das Gefühl bekommen, gerade läuft es wieder einmal so richtig gut für deutschsprachige Science-Fiction. Da ich ja seit einigen Jahren mein Leseverhalten daraufhin analysiere, warum so wenig Werke von Frauen dabei sind, verfolge ich ganz bewusst das Auftauchen von Autorinnen unter den Neuerscheinungen. Und gefühlt gibt es derzeit davon mehr, als ich lesen kann. Als alter Buchsammler bedeutet das aber eigentlich eher: mehr als ich mir merken und gleich kaufen kann.

Darum etwa versuche ich bei Lesungen immer ein Exemplar zu erwerben, klar, auch wegen der Signatur, aber selbst wenn mich der Stoff momentan nicht interessiert, hab ich das Buch schon mal da. Man weiß ja nie.

Dass ich »Die Unvollkommenen« von Theresa Hannig lesen würde, stand allerdings schon früh fest. Seit ihrem Debüt »Die Optimierer« ist sie in der Szene präsent. Sie gewann 2018 damit den Debüt-Seraph und ich konnte sie auf der LBM erstmals sehen, ohne ihre Lesung dort verfolgen zu können – mein Programm auf der LBM ist stets übervoll.

Die Unvollkommenen von Theresa Hannig

Ende August besuchte ich dann den SF-Autorinnen Abend in der Kulturbremse und erlebte Theresa dort dann endlich live, erwarb »Die Unvollkommenen« und legte sie zu Hause brav auf den Sonder-SUB. Das ist der Stapel mit Büchern aus Lesungen, die ich unbedingt noch lesen will.

Thersa während der Lesung

Beim Otherland hab ich jetzt auch »Feuerschwingen« von Sabrina Železný bestellt. Geht ja nicht, dass ich das jetzt auslasse. Mal sehen, wann das kommt, Wolfgang musste das irgendwie über den Verlag ohneOhren ordern.

»Die Unvollkommenen« wanderten jetzt in meine Hand, weil ich schon wieder eine Pause von meinen beiden Rezi-Exemplaren benötigte. Tja, was soll ich sagen: Ich las das Buch an einem Tag durch. Dieser schlecht heilende Bauchnabel bringt auch ein/zwei positive Dinge mit sich. An erster Stelle: Lesezeit.

Als direkte Fortsetzung der »Optimierer« setzt »Die Unvollkommenen« an nach der Verurteilung Lilas wegen Hochverrats und schildert zunächst den Strafvollzug in der dystopischen Roboter-Diktatur Bundesrepublik Europa. Das weitet sich dann zu einem fiesen Überlebenskampf, als sie den Auftrag erhält, die leibliche Mutter des Herrschers dazu zu überreden, mit ihm zu sprechen.

Lila steckt plötzlich mitten in einem gesellschaftlichen Umbruch.

Theresas Dystopie glänzt vor allem in der leichtfüßigen Integration philosophischer Probleme. So geht es um Rechte und Lebensweisen intelligenter Roboter, um die Funktion des Menschen in einer Welt mit solchen Robotern, um die Beziehung zu auf Chips übertragenen Bewusstseine und um die Bedeutung von technischen Erweiterungen des Menschen.

Ich fand das spannend erzählt und vor allem mit der genau richtigen Mischung aus Gesellschaftskritik und Denkanregungen.

Solche Romane beweisen mir, dass die deutschsprachige SF durchaus jene moderne, politische und vorwärts denkende Literatur gebären kann, die für eine kulturelle Überwindung von Antisemitismus, Diskriminierung, Faschismus und Klimakrisenleugnung so dringend gebraucht wird. Wir müssen die Nazis aus den Köpfen herausbekommen.

Mehr zum Inhalt schrieb ich drüben im Fantasyguide: Die Unvollkommenen von Theresa Hannig


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