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Bis der Chef ans Mikro drängt

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Bereits am Freitag fand die zehnte »Nacht der Drachenfliege« im Literaturcafé Periplaneta statt.

In lauer Drachenfliegensommernacht

Obwohl ich da eigentlich immer hingehen will, klappte es erst zum zweiten Mal. Die Lesungsreihe steht ganz im Zeichen der Drachenfliege, denn die Libelle ist das Maskottchen der »Edition Drachenfliege« des periplaneta Verlags, der in ihr vor allem Phantastisches veröffentlicht. Meist schräges Zeug zwischen Urban Fantasy und Märchen – ich denke, seit dem Start der Edition hab ich so ziemlich alles gelesen, was in ihr erschien.

periplaneta-Lektorin Sarah Strehle wartet auf den Beginn der Nacht

Am Freitag standen deshalb auch keine Unbekannten im Scheinwerferlicht, zumindest für mich nicht.

Verleger Tom Manegold eröffnete den Abend gewohnt charmant lavierend und machte dem Publikum den Ausfall der musikalischen Begleitung schmackhaft.

Tom Manegold

Mitten in seine Begrüßung platzte der wahre Chef des Verlages auf den Armen seiner Mutter, der Autorin und Verlegerin Marion Alexa Müller, herein.

Marry hat DEN Chef fest im Blick

Konstantin heißt der Knirps und durfte nach der Pause auch ins Bettchen gehen, jedoch nicht ohne seine Künste am Mikro präsentiert zu haben.

Den Anfang des kulturellen Teils bestritt Jesko Habert. »Tiefsommer« gehörte zu meinen großen 2018er SF-Freuden und das dürfte jetzt der vierte Abend gewesen sein, an dem ich Auszüge aus dem Roman lauschte. Er las zunächst aus dem Fantasy-Teil des Romans und nach der Pause aus dem anderen, etwas anderen Teil. Ohne zu spoilern kann man da leider nichts weiter verraten.

Jesko Habert

Ans Mikro trat dann Swantje Niemann. Die junge Autorin arbeitete als Assistentin im Verlag, ihre High-Fantasy Trilogie »Drúdir« erscheint aber nicht dort, sondern in der »Edition Roter Drache«. Drúdir 2, »Masken und Spiegel«, erwarb ich schon auf der LBM und extra für den Abend hab ich’s auch endlich zu lesen begonnen.

Swantje Niemann

Allerdings nutzt Swantje die »Nacht der Drachenfliege« lieber zur Vorstellung von nicht so ernsten Texten und trug deshalb eine weitere Story um ihre lebendig gewordene Comicfigur vor, die mit den Entscheidungen ihres Zeichners nicht immer zufrieden ist. Ob ihr aber bei ihrer Rache der Cyber-Hoodie eines seltsamen jungen Pubertierenden helfen wird?

Aus dem fernen Wedding bei Moabit reiste Brauseboy Robert Rescue an. Ein Lesebühnenveteran, der mit dem »Intimitätendieb« vor einigen Jahren einen recht coolen Urban-Fantasy-Roman in der »Edition Drachenfliege« unterbringen konnte.

Robert Rescue

Er deutete an, dass sich das Ganze zu einer Serie um den Geisterjäger aus dem Wedding ausgewachsen hat, die er exklusiv für die »Edition Drachenfliege« verfasst. Die neueste Folge wurde durch die TV-Serie »Good Omens« inspiriert und handelt vom Besuch Klaus Pelzers in der WG der vier apokalyptischen Reiter. Die logischerweise im Wedding wohnen und mit Umweltverschmutzung, der ehemaligen Pest, ihre Nöte haben.

Ein weiterer, herrlich schräger Text, der hoffentlich auch einmal gedruckt erscheint.

Als Stargast des Abends und literarisches Finale des ersten Teiles wurde André Ziegenmeyer eingeführt. Sein quadratisches Bändchen »Igor Mortis« dürfte eines der ersten, oder sogar das erste Werk der »Edition Drachenfliege« gewesen sein, dass ich rezensierte. Aus heutiger Sicht sehr martialisch rezensierte.

André Ziegenmeyer

Seither gab es diverse kleine Bände mit Texten und Gedichten im periplaneta Verlag, jedoch landete bisher keiner davon in meinen Händen. Es sind auch eher Anekdoten und typische Lesebühnentexte. Witzig und pointenreich, aber in life natürlich wesentlich vergnüglicher, denn der Mann ist ein großartiger Vortragskünstler und Quatschmacher. Ein wichtiges Utensil wartete bereits den ganzen Abend auf seinen Einsatz.

Assistent Tom, im Vordergrund Hermann

Eine Art Dampfradio mit Nebelgenerator und Blitzkugel, aus dem er mittels Tastatureingabe kleine Sound- und Teaserschnipsel unters Volk brachte und das unter dem Namen Hermann, die Geschichtenmaschine berühmt werden dürfte. Quasi das Tool für ein Live-Hörspiel. Als Kaffeemühlenpraktikant zum Ankurbeln der Maschine fundierte Tom.

Nach einem kurzen Einblick in das Gehirn André Ziegenmeyers, wo ein Kopfgnomkumpel mit Quietschehammer hämmert, konnte André als noch gar nicht so alter Papa zudem auf einen großen Fundus lustiger autobiografischer Geschichten um seine Tochter Mathilda zurückgreifen, die auch in seinem jüngsten Quadrat »Der auf der Kuh surft« zu finden sind. Da ging es etwa um die Keksgeldkrise.

Ein Buch mit Kuh

Mit Hilfe Hermanns konnten wir dann in die Tiefen der Bollywoodbegeisterung des Autors eintauchen, was uns alle pausenreif glücklich machte.

Frisch gestärkt überredete Tom dann sein Apfelbrett, einen Kurzfilm zu zeigen, der eigentlich als Einstimmung für Andrés ersten Part gedacht war, weil darin eine Kuh mitspielt. »Mobile« von Verena Fels ist ungemein knuffig und sollte unbedingt weggeguckt werden!

Während sich DER Chef endgültig verabschiedete, durfte Jeskos seinen zweiten Lesungsteil begehen.

Eine Tiefsommernacht

Wie gesagt, ohne zu spoilern, ist darüber nichts zu berichten, außer, dass das Buch lesenswert ist und Jesko das atmosphärisch vortrug.

Tom stellte dann noch kurz das aktuelle Programm der »Edition Drachenfliege« vor, von dem ich bereits »Inferno für Anfänger« von C. C. Holister gelesen und auch schon rezensiert habe. Auf dem SUB liegen noch Philipp Multhaupts zweiter Erzählungsband »Herrn Murmelsams Trinklieder« und »Käsablanca« von Stefan Goebels, das ich sofort nach »Drúdir 2« wegknuspern werde.

Im Hintergrund ein Cover von Nicole Altenhoff

Slawische Mythologie aus einem Youtube-Video inspirierte Swantje zu ihrer zweiten Geschichte. Der Klimawandel hat Berlin zu einer Küstenstadt gemacht und die Welt führt einen unbarmherzigen Klima-Krieg.

Mythische Einblicke

Robert berichtete dann von seinen Erfahrungen mit Let’s Play-Videos und was ihn daran stört. Vor Schrott muss man eben wütend warnen. Seine fein ziselierten Ausführungen sprachen mir aus der traurigen Erfahrungstiefe. Tom fand es gruselig, wie viele aus dem Publikum an bestimmten Stellen lachen konnten. Ja, es gibt spezielle Probleme jenseits der Klimakrise …

Wartet auf die Ostsee in der Seestraße: Robert Rescue

Tom nutzte die Gelegenheit, um Bilder des Grafikers Holger Much vorzustellen, der auch für das Cover des »Intimitätendiebes« verantwortlich zeichnete.

Ein typisches Motiv von Holger Much

Danach sprang André auf den Zug des Erfolges und fuhr mit einen Mathilda-Geschichten fort. »The Walking Dead« behandelt die Probleme des väterlichen Biorhythmus’ in der Elternzeit, »Die schönste Geschichte der Welt« und »Sternenzicklein« vertieften unsere Bekanntschaft mit der fantasievollen Welt Mathildas und der beiden Ziegen Alice und Cooper.

Walking Dad André

Zum Abschluss gab es noch eine Story aus »Ententanz und Armageddon«, mit der wir eine Apokalypse, verkündet im Supermarkt, als Live-Hörspiel begleiten durften.

Es war erneut ein großartiger Abend der Phantastik, ich kaufte Bücher, trank gutes Bier und lauschte magischen Geschichten. Ob ich es zur Elften »Nacht der Drachenfliege« in den Prenzlauer Berg schaffe? Bisher spricht nichts dagegen. Möge kein Elfenwerk zwischen uns geraten!


2 Kommentare

  1. […] Bis der Chef ans Mikro drängt […]

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  2. […] Revolution in Scherben « Montbron bei Bis der Chef ans Mikro drängt […]

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