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Im Angesicht der Menschheit verblasst der Mythen Schrecken

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Nach der Buchmesse ist immer auch vor der Buchmesse. Zum BuCon anlässlich der Frankfurter Buchmesse schenkte mir mein Gastgeber Michael Schmidt ein kleines Büchlein mit den Worten: Das ist genau Dein Ding.
Ein hässliches Taschenbuch mit einer Art Kinderzeichnung drauf und das Thema: Werwolf.

WerwolfVonParis

Der Werwolf von Paris von Guy Endore; Cover: Celestino Piatti

Sah jetzt nicht wirklich nach einer Schnittmenge mit meinen Interessen aus. Auf den Stapel, geschenkte Bücher schaut man nicht aufs Cover etc. …

Doch auf der Suche nach einem dünnen Büchlein für Zwischendurch stieß ich wieder darauf und drum begann ich zu lesen. »Der Werwolf von Paris« erfüllte nun so überhaupt nicht irgendwelche Erwartungen, die mir stumpf im Schädel schwappten. Kurz vor der Leipziger Buchmesse und damit neuen Stapelbüchern, wurde ich mit der Lektüre fertig.

Zunächst beginnt der Roman im Paris der Zwanziger Jahre. Junger Student lässt sich zu einer Tour durch die Nachtclubs überreden, streift dann allein durch die Nacht – der Plot schien einfach.

Doch nein, das alles ist nur eine Einleitung. Denn der Icherzähler kauft zwei Müllmännern ein Manuskript ab und erst darin findet sich die Werwolfstory.
Zwar erleben wir im weiteren Verlauf des Buches auch tatsächlich den Werwolf in Aktion, aber genauso relevant ist die Stadt Paris in ihren blutigsten Momenten, der Revolution von 1848 und der Pariser Commune.

Guy Endore entblößt die grausamen Hintergründe und begibt sich tief ins Bürgertum, dessen Dekadenz und hauchdünne Maske der Zivilisation er mit den Taten des Werwolfes vergleicht. Sein Urteil, dass nur indirekt aus den Seiten herausquillt, ist vernichtend. Die Menschheit treibt es noch viel schlimmer.

»Der Werwolf von Paris« ist daher für mich so etwas wie Social Horror, denn Gewalt und Verbrechen des mythischen Wesens Werwolf werden direkt als Konsequenzen und Begleiterscheinungen der realen, bürgerlichen Welt dargestellt. Ein lesenswertes Buch. Es ist wirklich cool, Bücher von einem Freund in die Hand gedrückt zu bekommen, der weiß, worauf man neugierig ist.

Drüben im Fantasyguide gehe ich etwas näher auf die konkrete Handlung ein: Der Werwolf von Paris von Guy Endore

Apropos Michael Schmidt. Seit Ende letzten Jahres kümmert er sich wieder um den von ihm ins Leben gerufenen Horror-Award, dem »Vincent Preis«. Um die Info-Lage des Projektes zu verbessern, haben wir ein kleines Interview über den Preis gemacht: Der »Vincent Preis« – ein Interview mit Michael Schmidt

Passt ja zum Thema Horror.

Wie auch eine andere kleine Rezi, die ich gerade fertigstellte. Die vierte Folge und Beginn eines neuen Dreiteilers der Kinder-Grusel-Hörspielreihe »Johnny Sinclair« wurde just veröffentlicht und mir gefiel sie ganz gut: Dicke Luft in der Gruft Teil 1 von Sabine Städing

JohnnySinclair4

Dicke Luft in der Gruft Teil 1 von Sabine Städing; Illustration: Mareikje Vogler


2 Kommentare

  1. […] Im Angesicht der Menschheit verblasst der Mythen Schrecken […]

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  2. […] den verfilmten Werwolf von Paris, an den Bloggerkollege Montbron kürzlich erinnert hat, und zwar hier und […]

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