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Projekt Buchpreis – Teil 9

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Im Literarischen Colloquium am Wannsee stellte am Mittwoch Nino Haratischwilli ihren Roman »Die Katze und der General« vor, der ja auch zur Shortlist des Buchpreises gehörte.

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Nino Haratischwili

Bisher stand das Buch nicht in meiner Projektliste, aber da ich schon lange nicht mehr im LCB war, nutzte ich diese Gelegenheit.

Nino Haratischwilli hat mich schwer begeistert. Ich wusste vorab quasi nix über sie, als dass sie eine junge Georgierin ist.
Sie kam 2003 mit ihren Eltern aus Georgien, hat dort aber bereits etwas Deutsch in der schule gelernt, unter anderem in einer Theater-AG. Inzwischen spricht sie fließend Deutsch und ich würde ihr eher einen norddeutschen Dialekt bescheinigen.

Sie las zunächst aus dem Prolog vor, in dem wir das junge tschetschenische Mädchen Nura kennenlernen, ihre Träume, ihre Welt. Im Hauptteil des Buches geht es um einen jener Russen, der Nura im Ersten Tschetschenien-Krieg vergewaltigten und dann töteten.
Die Männer werden zwar angeklagt, aber nicht schuldig gesprochen und daran leidet der General genannte Mann seither.

Der Roman basiert auf einer wahren Geschichte aus dem Zweiten Tschetschenien-Krieg und Nino Haratischwilli erzählte von ihrem Besuch in Tschetschenien, vom Leben der Menschen unter der von Russland beherrschten Diktatur. Wie das Land die Wunden der Kriege und Besetzung mit Farbe übertünscht, hinter Masken und Angst erstarrt. Die Geschichte nach 1990 verleugnet.
Aber man spürte deutlich, wie wichtig es ihr war, über das ihr bis dahin auch eher unbekannte Nachbarland Georgiens zu schreiben.

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Mutige Recherchen

Das klang alles sehr bewegend und vielleicht lese ich das Buch ja doch noch irgendwann, obwohl ich Vergewaltigungsgeschichten überhaupt nicht lesen mag. Mich überkommt heute noch das Entsetzen, wenn ich an jene Szene im Stillen Don denke. Krieg macht aus Männern Monster. Vielleicht, weil Monster sie führen und alles mit ihrer Monstrosität infizieren.

Klar kann ich die Qualität von »Die Katze und der General« nicht wirklich beurteilen, aber dieser Abend zeigte mir eine imponierende Autorin und ihr berühmtes Buch »Das achte Leben (Für Brilka)« wurde mir von meinem Sitznachbar dringend empfohlen. Das LCB war erstaunlich voll, natürlich wie stets gehörte ich zu den jüngsten, aber mich erfreut jedes Mal die Ernsthaftigkeit, mit der hier Literatur zelebriert wird. Diese ehrfurchtsvolle Aura, die allein schon durch ihren Glanz aus jedem Text Literatur macht. Das ist schon eine ganz eigene Stimmung.

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Maria-Christina Piwowarski und Nino Haratischwilli

Moderiert wurde der Abend von der Buchhändlerin und Autorin Maria-Christina Piwowarski, die das Gespräch sehr zurückhaltend und freundlich führte.

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Maria-Christina Piwowarski

Neues gibt es von meiner Lektüre des Buchpreisgewinner-Buches »Archipel« von Inger-Maria Mahlke. Ich breche es nun auf Seite 146 von 423 ab. Es ist mir einfach zu langweilig.

Trotz des ganz eigenen Schreibstils, der mir durchaus sehr gefällt, fehlt mir bisher irgendein Handlungsrahmen. Es gibt ein kompliziertes Geflecht aus Figuren, die teilweise sehr spannend eingeführt wurden und ganz besonders Julio, el Portero, habe ich richtig lieb gewonnen, aber es gibt keine Richtung für diese Episoden. Unmengen an Details pflastern die Szenen, doch sind sie nur Staffage, bedeutungslos für was auch immer. Irgendwann hab ich es aufgegeben, mir zu merken, was da wo herumliegt, wer was trinkt und trägt, weil es einfach zu viel wurde und ich nicht absehen konnte, was davon später noch eine Rolle spielen wird. Eine kunstvoll geschriebene Soap bleibt trotzdem eine Soap und interessiert mich nicht die Bohne.
Wie man komplexe Stilistik und spannende Geschichten miteinander verbindet, sieht man bei Pynchon, bei Inger-Maria Mahlke fand ich bisher nur Kunst, aber das Geschichtenerzählen blieb auf der Strecke. Sehr schade.


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