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Die dickste Couch geht auch kaputt

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Mein bester Freund Frank rief mich an und meinte, er hätte frei, lass uns in eine Lesebühne gehen! Das ist zum Glück in Berlin auch spontan jederzeit möglich und wir entschieden uns – ja, es gab Alternativen! – für die Couchpoetos. Diese Lesebühne findet monatlich im Lovelite statt. Von beiden hatten wir noch nie gehört, zumindest aber kannten wir die Gegend: klar, Friedrichshain zwischen Ostkreuz und Warschauer Straße.
Das Lovelite ist eine kleine Bar mit netten Leuten an der Bar. Der Beginn verzögerte sich, sodass die netten Leute an der Bar auch sehr gefragt waren.

Die Couchpoetos gibt es schon eine Weile, haben eine feste Besetzung und holen sich immer Gäste hinzu. Da dieses Mal Aidin Halimi Asl aus der Stammbesetzung fehlte, gab es gleich drei Gäste.
Im Programm angekündigt war Julian Heun von der Lesebühne Spree vom Weizen die im Ritter Butzke stattfindet. Er verkündete seinen erfolgreichen Germanistik-Abschluss, um sich gleich gehörig über die damit verbundenen Zukunftsaussichten lustig zu machen. Also, er dankte dem Studium eher für nichts.

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Julian Heun

Ein weiterer Gast sagte mir vom Namen her ebenfalls nichts, doch bereits nach der Anmoderation ahnte ich, dass ich Sebastian Lehmann bereits aus dem Comedy-Slot von Radio 1 kannte.

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Sebastian Lehmann, echter Berliner aus Freiburg

 

Und tatsächlich gab er dann auch diverse Telefonate mit seinen Eltern zum Besten. Diese Texte sind sehr vergnüglich und reihen sich problemlos in ähnliche Generations- und Kulturkonfliktsatiren ein. Er bündelte sie auch schon in einem Buch, aber ich vermute, geballt nutzt sich das doch schnell ab.

Und noch jemanden erkannte ich nach den ersten Worten: Auch Sarah Bosetti aus der Stammbesetzung hat ihren Comedy-Slot bei Radio 1. Dort bringt sie ziemlich scharfe politische Satiren, die ich sehr mag, aber wie das beim Radiohören während der Arbeit ist, man hört nur halb hin, horcht dann auf und kriegt nicht mit, wer das nun war. Nun weiß ich’s. Nimm das Unaufmerksamkeit!

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Sarah Bosetti während der Laudatio für Daniel Hoth (rechts)

Sarah las einige Hasskommentare vor, die man ihr so schrieb und präsentierte Gegengedichte dazu, in denen sie der Liebe anstelle des Hasses Raum gab. Sie ist eine sehr charmante Entertainerin, deren Spitzen plötzlich in den Nieren stecken.

Ihre Präsenz in Funk und Fernsehen machte Anmoderator Daniel Hoth denn auch zum Running Gag des Abends. Daniel klärte uns bereits zum Anfang des Abends darüber auf, welchen Werte eine lange Anmoderation hat. Man müsse weniger echte Texte bringen. Trotz allem zelebrierte er gerade sein zehnjähriges Lesebühnenjubiläum und Sarah performte hierfür einen stilvollen Rückblick auf eine abwechslungsreiche Künstlerkarriere. Was ich alles nicht kannte und verpasst habe!

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Daniel bedankte sich mit einem zerknitterten Uralttext

Aber zurück zu den Gästen. Im musikalischen Teil unterstützte Rapperin Rox aka Bobby SL aka Riod aka Mau Muschi die Hiphopband Ostberlin Androgyn. Zu ihr gehört neben Daniel auch Jan von Im Ich aus der Stammbesetzung der Couchpoetos.

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Daniel, ROX und Jan vom Im Ich

Die drei hotteten nicht nur Songs von Ostberlin Androgyn, darunter die Hitsingle Kaputt, sondern auch Tracks von Rox selbst.
Das ist musikalisch nicht so mein Ding, war aber lustig anzuschauen.

Die etwas ernsthaftere Seite des Lesebühnenabends vertrat Karsten Lampe, der zumindest auf mich den Eindruck machte, jeden Tag zehn Texte zu schreiben. Seine bitterböse Überlegung zum Letzten Nazi fand ich klasse.

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Team Hogwarts: Karsten Lampe

Das Finale bestand aus Stehgreiftexten zu Wörtern, für jede und jeden eines. Das war auf jeden Fall chaotisch lustig und beendete den Auftritt doch sehr fröhlich.

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Daniel, Sebastian, Julian, Karsten, Rox (verdeckt), Sarah und Jan

Eine nette und sehr gute Lesebühne, da gab’s echt nüscht zu meckern. Spontan öffnet eben immer noch unerwartet funkelnde Schätze. Dank an Frank!

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