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Verliebt, verlobt, verschieden

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Der Urlaub nach Dorset naht und ich bin eifrig dabei, meine Urlaubslektüre abzuvergnügen. Der vielleicht bekannteste Schriftsteller aus Dorset ist Thomas Hardy und er diente mir bereits bei unserem letzten Südenglandbesuch als Begleiter. Damals las ich Am grünen Rand der Welt und dieses Mal entschied ich mich spontan für sein letztes Prosawerk, Jude the Obscure, in meiner deutschen Ausgabe unter dem Titel Herzen im Aufruhr erschienen.

HerzenImAufruhr

Herzen im Aufruhr von Thomas Hardy

Ein Skandalwerk! Hardy beschreibt darin wilde Ehe, Blasphemie und Selbstmord. Allerdings alles nicht so reißerisch, wie ich das grad andeutete. Das Skandalöse hält sich aus heutiger Sicht in Grenzen, jedoch ist das Beziehungsgeflecht des Figurenquartetts einige Male recht anstrengend. Der Plot ist komplex und lässt sich kaum sinnvoll ohne das Ende zu spoilern in eine Zusammenfassung bringen, daher nur so viel: Zwei Männer, zwei Frauen, vier Hochzeiten, doch das wahre Liebespaar heiratet nie.

Obwohl der wissbegierige Steinmetz Juda der Titelheld der Geschichte ist, wird seine Geliebte Sue bald zur eigentlichen Protagonistin. Sue ist hochintelligent, skeptisch gegenüber Religion und viktorianischer Moral. Ganz besonders verhasst ist ihr die Ehe, da Frauen durch sie zum Eigentum des Mannes werden und ihm unabhängig von ihren eigenen Wünschen auch sexuell hörig zu sein haben.
Nun ist sie in ihre unkonventionellen Art aber gerade besonders anziehend für Juda und auch für seinen alten Schulmeister. Beide wollen nicht unbedingt nur reden und hier beginnen die Probleme. Getrieben von ihrem eigenen Willen läuft Sue immer wieder gegen die Wände der gesellschaftlichen Normen und scheitert letztendlich.
Aber auch die beiden Figuren, die sich mehr oder weniger innerhalb der Regeln bewegen, geraten in nur scheinbar lösbare Konflikte. Die religiösen und moralischen Normen in England des 19. Jahrhunderts legen breiten Bevölkerungsschichten so enge Fesseln an, dass Krisen Brüche unvermeidlich sind. Hardy kitzelt aus seiner Figurenkonstellation einige dieser Sittenlosigkeiten heraus. Dabei zeigt er teilweise sehr moderne Ideen für das Zusammenleben von Mann und Frau auf ohne sich jedoch dazu durchringen zu können, Frau als dem Mann gleichrangige Menschen zu betrachten.

Es gab einige Stellen im Roman, da nervte mich Sue extrem. Vielleicht, weil ich sie als starke und eloquente Frau wahrnahm, die dann plötzlich ewig zwischen extremen Meinungen hin und hersprang. Diese ihr von Autor verpasste Flatterhaftigkeit verhindert, dass ich sie komplett positiv wahrnahm. Obwohl sie eigentlich alle schätzenswerten Eigenschaften aufweist. Aber auch mit Juda wurde ich nicht so recht warm. Warum man sich mit Theologie befasst und Spaß an Bibelkommentaren hat, kann ich nicht nachvollziehen. Das ist ein Themenkomplex der mich immer wieder verwundert. Wie man sich Jahrhunderte lang mit der Interpretation eines einzigen Buches befassen kann, bleibt mir wohl auf ewig unverständlich.
Da fand ich es schon spannender, wie sich Juda mit Architektur auseinandersetzte und hätte ihn da gern viel öfter begleitet. Aber letztlich ging es Hardy ja vor allem darum zu zeigen, wie dieser wissbegierige Mann vom Bildungssystem ausgeschlossen wurde. Und in diesem Punkt ist das Buch sehr deutlich.

Also ja, mir hat das Buch gefallen, gerade weil es seine Kanten hat und mich oft zum Widerspruch animierte. Dieser Mut zur radikalen Kontroverse wurde dann wohl auch Hardys Problem. Irgendwann hatte er keine Lust mehr auf schlechte Presse, die ihm Dinge unterstellten, von denen er sich fern wähnte.
Ich freu mich jetzt schon auf den Besuch der Hardy-Sehenswürdigkeiten in Dorchester, zusammen mit dem Besuch im Haus von Henry James auf unserer Hintour wird er bestimmt ein literarisches Highlight.

Drüben im Fantasyguide untersuche ich in meiner Rezi den Roman noch etwas intensiver: Herzen im Aufruhr von Thomas Hardy

Einen Besuch wert ist auch der Blog von Nomadenseele, die just auch gerade das Buch las und aus einer anderen Sicht besprach: Thomas Hardy – Jude Fawley, der Unbekannte

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1 Kommentar

  1. […] stand schnell fest, dass wir Dorchester besichtigen würden und so las ich in Vorbereitung darauf Herzen im Aufruhr, seinen letzten Roman. Es gibt zwei wichtige Hardy-Stätten in der Nähe von Dorchester zu […]

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