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Kein Mitleid für Karl!

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Dass es kein einfacher Abend werden würde, war mir von Anfang an klar.

Am Sonntag las Bernhard Giersche aus seinem Buch Kampf dem Karl

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Karl ist der Krebs, der ihm im August diagnostiziert wurde und dem er nun Monat für Monat Lebenszeit abringt. Dass Bernhard darüber schreiben kann, ist ein großes Glück für Betroffene, für uns alle.

Das Bühnenbild passte Miara Lubitsch exakt nach Bernhards Wünschen an, Kirsten und Thorsten Küper fuhren selbst nach Lippstadt und führten die Lesung direkt aus Giselas und Bernhards Wohnzimmer durch.

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Bernhard Giersche

Seraph Nirvana und die Villa unterstützten den Abend durch einen Livestream bei Youtube.

Bernhard verlor zunächst ein paar Worte zum Bühnenbild. Es geht um Tod, Sterben, Krebs. Der Tod ist integraler Teil des Lebens, ist überall, kann uns jederzeit treffen. Das alles symbolisiert das Bühnenbild mit den schwarzen Schemen und den vielen rumwuselnden Krebsen.

Natürlich stand die Frage im Raum: Wie geht’s Bernhard? Jetzt ganz gut, erklärte er. Nervös wegen der Lesung, vor allem weil er der Protagonist ist. Bernhard war erstaunt über die Anzahl der Interessierten – mit ihm waren 28 Avatare anwesend, über hundert verfolgten den Live-Stream.

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Die Schmerzen sind im Griff, aber die Krankheit ist eine Achterbahnfahrt.

Die Lesung stellt etwas Besonderes dar. Bernhard hat sehr früh via Facebook gepostet und dort über seine Krankheit berichtet.

Sein Bericht vom ersten Tag, vom Weg aus der Praxis nach Hause mit dem irrsinnig erscheinenden Umweg über die Tanke um Brötchen und Zigaretten zu kaufen – ein Alptraumtag.

Bernhard suchte die Öffentlichkeit, weil er den Schwätzern Wind aus den Segeln nehmen wollte. Er hat’s nicht bereut, auch wenn ihm nicht klar war, was er damit losschlug. Es ist ein Ventil für ihn, über Dinge zu schreiben, die einen belasten. Eine Möglichkeit, Dinge die einem passieren Revue passieren zu lassen. Aber Reaktionen in diesem Umfang hatte er nicht erwartet.

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Und was bewirkt das Buch? Er stellte fest, dass solche Themen tabuisiert werden, selbst Betroffene hadern damit. Bernhard hat die Hoffnung, etwas in Gang gesetzt zu haben, im Kleinen, dass die Betroffenen sprechen können.

Aus den Einträgen bei Facebook, aus der ganzen Scheiße ist sein drittes Buch entstanden: Kampf dem Karl.

Bernhard las uns zunächst die ersten beiden Einträge vor, reine Tagebucheinträge, in Form gebracht von Heidi Christina Jaax, der Herausgeberin des Buches. Thorsten Küper präsentierte dann noch eine erste Pressemeldung, bevor Bernhard weiterlas.

Es gibt schon einen zweiten Band, ein dritter ist ein Wunschtraum.

Wer Bernhard life erleben möchte, kann das am 15.11.2017 im Kulturhospital Atelier Udo Tschorn, Hospitalstraße 8, in Lippstadt tun.

Karl ist kein leichter Gegner, aber er bekommt bis zu Letzt Gegenwind.

Es war ein schwerer Abend, man denkt schnell an all die eigenen Verluste, erinnert sich an all die anderen Kämpfe. Aber das Zuhören ist wichtig. Niemand sollte allein kämpfen müssen.

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