Montbron

Startseite » Literatur » Das Böse in der Blase

Das Böse in der Blase

Gerade gelesen:

Ulrich Holbein – Knallmasse

Gerade geschrieben:

Archive

Blogstatistik

  • 9,094 hits

Grad marschiert der selbsternannte Club der Großen in Hamburg auf und wird wohl wiedereinmal keines der globalen Probleme lösen können, die sie selbst schufen. Bereits 1984 untersuchte der US-amerikanische SF-Autor Vernor Vinge eine hochinteressante Idee, mit all den Mächtigen und ihren Problemen fertig zu werden: Er steckte sie einfach in undurchdringliche Blasen und schloss sie somit von der Welt aus. Dazu etwas Technikverbot für die einfachen Leute, dann noch eine Behörde mit weitreichenden Machtmitteln, um die so befriedete Welt im Frieden halten zu können, und schon ist die perfekte Zukunft fertig.

Die geneigte Leserschaft wird es ahnen: Keine irgendwie oktroyierte Staatsform hat je lange überlebt. So kriselt es auch unter der Herrschaft des Friedensamtes in Vinges Roman Der Friedenskrieg.

friedenskrieg

Der Friedenskrieg von Vernor Vinge, Cover: Tom Kidd

Wir erleben die letzten Wochen vor der sich anbahnenden Revolution. Mehr oder weniger im Zentrum steht ein hochbegabter Junge, der aus üblen Verhältnissen im anarchistischen Süden Amerikas flieht und von einem alten Mann in die Lehre genommen wird. Dieser baut im Verborgenen verbotene Hochtechnologie und gerät damit immer mehr in den Fokus des Friedensamtes.

Der Roman offenbart sich zwar als spannend und actionreich, in vielen Dingen bleibt das Ergebnis jedoch halbgar. Vinge schneidet Probleme und Konflikte meist nur an, ohne sie weiter zu verfolgen. Das betrifft sowohl Spannungen und psychologische Probleme der Figuren als auch soziale und technische Aspekte. Vielleicht war der Stoff zu umfangreich und Vinge noch zu unbekannt, um einen längeren Text unterzukriegen. Vielleicht war 1984 auch einfach kein Jahr der detaillierten Weltenentwürfe.

Vielleicht aber hat er sich auch mit der gewählten Verwendung seiner Blasen-Idee vergaloppiert, denn die Handlungsbeschreibung des Folgebandes, Gestrandet in der Realzeit, klingt wesentlich passender und interessanter.

Da das Buch aber im Klassikerlesezirkel des SFN zur Auswahl stand, und ich von den beiden Tiefen-Romanen begeistert war, hatte ich vorher keinen Blick auf die Beschreibung zu Der Friedenskrieg geworfen. Ich bereue die Lektüre auch gar nicht, der Roman ist durchaus solide SF-Kost aber auf keinen Fall eine notwendige Voraussetzung, um sich mit dem Schaffen von Vernor Vinge auseinander zu setzen. Möglich, dass ich Gestrandet in der Realzeit irgendwann nachhole, aber in meine nächsten Lesepläne passt er nicht hinein.

Mehr zum Roman gibt es in meiner Rezi: Der Friedenskrieg von Vernor Vinge.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: