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Ein paar Ale im Schatten des Galgens

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Ulrich Holbein – Knallmasse

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Anlässlich eines privaten Jubiläums gönnten wir uns eine Woche im wunderbaren Edinburgh. Da ich gerne auf meine Urlaubsreisen Bücher mitnehme, die zu Land und Leuten passen, begleitete mich ein alter Bekannter aus Kindheitstagen: Entführt von Robert Louis Stevenson. Das Buch gehörte zu einer Reihe von Abenteuerromanen im Regal meines Vaters, die ich sowohl las als auch öfter in die Hände nahm. Allerdings wage ich heute nach der Lektüre zu behaupten, dass ich Entführt damals nicht las, sondern eher Der Junker von Ballantrae. Aber die wunderbaren Illustrationen von Werner Klemke sind schön wie eh und je.

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Entführt von Robert Louis Stevenson, Cover: Werner Klemke

Auf jeden Fall sah ich damals die Fernsehserie im ZDF mit der berühmten Titelmelodie David‘s Song von Vladimir Cosma, die man heute wohl hauptsächlich in der Fassung der Kelly-Family kennt. An die Serie und ihre Darsteller kann ich mich noch deutlich erinnern und per Internet lässt sich das Seherlebnis zum Glück auch heute problemlos wiederholen. Natürlich nicht beim ZDF. Ehe man da das Rechtliche geklärt hat, bin ich schon lange vermodert.

Buch und Serie weichen teilweise voneinander ab, was der Dramaturgie und natürlich auch den Produktionsbedingungen geschuldet ist, aber ich habe jetzt zumindest den Vorteil, dass mir Gegend und geschichtlicher Hintergrund nun etwas vertrauter sind.

Das betrifft zum die schottische Geschichte und zum anderen Edinburgh. Im Roman wird der Mord am königliche Steuereintreiber Colin Campbell of Glenure, genannt »Der rote Fuchs«, behandelt und einen der beiden Verdächtigen, James Stewart of the Glen, richtete man 1752 in Edinburgh auf dem Grasmarket hin. Und genau dort saßen wir fast jeden Abend, tranken Ale, kosteten Whisky und lauschten der Live-Musik.

Nicht weit weg befindet sich das Writers-Museum, in dem man sich drei der berühmtesten schottischen Autoren widmet. Robert Burns, Walter Scott und eben Robert Louis Stevenson.

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Im Writers-Museum

Das Museum ist nicht groß. Auf drei Etagen werden Leben und Werk gewürdigt, perfekt für einen stimmungsvollen Einstieg. Von Stevenson gibt es jede Menge Fotos und so gewinnt man schnell einen Eindruck von dem schlaksigen Mann. Er muss sehr liebenswert gewesen sein und die von Freunden und Bekannten postulierte Sanftheit ist in ihnen wieder zu finden.

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Fotos von Robert Luis Stevenson im Writers‘ Museum

Direkt vor dem Museum startete eine Stadtführung für Book Lovers, die wir uns nicht entgehen ließen. Allan Foster ist selbst Autor und wirbt mit Absicht nicht mit Geistern, um seine Tour zu füllen. Das ist auch sinnvoll, denn natürlich nahmen wir auch eine solche Geistertour durch Edinburgh mit und dort waren wir beiden die einzigen, die Walter Scott kannten.

Solche Probleme gab es in der kleine Book Lovers‘ Tour nicht. Umso cooler war es, die Winkel fernab der normalen Touristenwege zu besteigen, wo etwa Arthur Conan Doyle die Deduktion kennenlernte oder der wahre Long John Silver sein Bein verlor. Allan wies süffisant daraufhin, dass man in London das fiktive Wohnhaus von Sherlock Holmes besichtigen könne, es in Edinburgh aber nicht einmal ein Hinweis auf Arthur Conan Doyle dort gäbe, wo er wirklich agierte. Übrigens befindet sich schräg gegenüber vom Lieblingspub Stevensons und Conan Doyles das Café, in dem erste Kapitel über Harry Potter entstanden.

Spannend war auch die kleine Geschichte über jenen ersten Paperbook-Store mit Nashornkopf, vor dem eine alte Dame ihr Exemplar von Lady Chatterley’s Lover verbrannte. Wer in der Stadt ist und Zeit hat, sollte die Book Lovers‘ Tour unbedingt mitmachen, zumal Allan Foster sehr gern mit urbanen Legenden aufräumt.

Mit Robert Burns habe ich mich nicht weiter beschäftigt, allerdings ist es schon ergreifend, wenn man auf Youtube eine Interpretation von Auld Lang Syne findet, die Rod Stewart in Stirling Castle zelebrierte. Denn in der Burg waren wir auch mit einem Unternehmen, dessen Nahmen sich an Robert Burns anlehnt. Burns ist dort unheimlich beliebt und ich frag mich wieder einmal, warum wir Deutsche unser musikalisches und dichterisches Erbe so fast restlos vergessen haben. Ich meine nicht die Bedudelung durch Volksmusiksendungen, sondern die tief verwurzelte Freude daran, in irgendeiner Kneipe aus voller Kehle ein dreihundert Jahre altes Liedchen zu trällern. Mit allen Strophen.

Aber zunächst gilt es, Walter Scott wieder ins rechte Licht zu rücken. Hübsch wäre ja eine schöne deutsche Werkausgabe. Doch soweit ich es sehe, gibt es seit Anbeginn nur eine einzige und da sind inzwischen stolze Preise zu bezahlen. Bleibt also nur wieder der Griff in meines Vaters Abenteuerregal.

In der Zwischenzeit verweise ich auf meine Rezi im Fantasyguide: Entführt von Robert Louis Stevenson

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1 Kommentar

  1. […] dachte: Boah, Du musst endlich mal wieder was von ihm lesen! Eben erst (letztes Jahr) kaufte ich in Edinburgh einen seiner Laundry-Files und ich dachte: Menno, die Reihe solltest Du unbedingt […]

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