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Von Geburt an ungefugt

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Als Büchernarr kämpfe ich jeden Tag gegen ein ganz gemeines Verlangen an. Gerade erst etwa hat eine Sonderausgabe der Tolkien Times Verlockungen verkündet (Alles neu! Mit den Zeichnungen von Alan Lee!). Aber noch bin widerständig. Als Trost habe ich gestern meine Reiselektüre für den Sommer geordert. Es geht nach Lissabon und der avisierte Stapel reicht vom Mittelalter bis zu einem deutschen Regisseur. Bin gespannt.

Ebenfalls voll in meinem Suchtprofil liegen Werke von Frank Hebben und darum scheute ich auch keine Kosten, mir sein jüngstes Opus zu verschaffen.

Fugen

Die Fugen der Stadt von Frank Hebben und Nikolaj Djatschenko

Die Fugen der Stadt ist eine Kooperation von Frank mit dem Graphiker Nikolaj Djatschenko. Gedichte von Frank, Illustrationen von Nikolaj. Wobei sie sich gegenseitig befruchteten, wie Frank im Nachwort betont. War es zunächst noch als reines Illustrationsprojekt gedacht, begann er bald Texte zu den Bildern zu verfassen. Was ich komplett verstehen kann, da Nikolaj Djatschenkos Bilder in ihrer mehrdimensionalen und trotzdem klaren Bildersprache jede Menge Assoziationen auslösen. Im sehr großen Anhang darf man dann auch jede Menge Bilder bewundern, die sich nicht mit Franks Themenwelt trafen, aber deshalb nicht weniger zum Konzept des Bandes passten.

Franks Lyrik ist ja ebenfalls klar und bildverliebt. Die meist recht kurzen Schnipsel bringen Stimmungen auf den Punkt, erzählen ganze Biographien in acht Versen oder streuen nebenbei krachende Twists in die Gegend. Während in Oubliette noch Jahreszeiten den Ton angaben, sind es nun die titelgebenden Fugen der Stadt. Das sind offene Brüche ebenso wie harte Kanten oder feine Grate. Man verletzt sich daran, verkriecht sich in ihnen, vielleicht rennt man davon, bekämpft sie mit stumpfen Worten … bezeugt von den Sternen.

Die Beziehungen zwischen den Worten und den schwarzweißen Zeichnungen sind ambivalent. Oft hab ich die Schnittstellen gefunden, aber manchmal wanderten die Bedeutungen auch hin und her. Besonders spannend fand ich die wie Mühlenflügel eingepassten Rotorscheiben, immer dominierend und den Ansturm eines hoffnungslosen Don Quichote erwartend. Dieses starke Bild flutet natürlich in den Text zurück und gebiert eine dunkle Stimmung.

Aber zum Glück sind auch wieder ein paar Liebesfetzchen darunter und Sonne.

Ein wunderschönes Buch!

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