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Ein Jahr Mucke

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Wie versprochen ein kleiner Rückblick auf mein musikalisches Jahr 2016.

Ich kaufte mir im vergangenen 15 CDs und eine LP, davon waren neun Neuerscheinungen und sieben Alben die Erfüllung älterer Wünsche. Die komplette Liste findet sich unten.

Von diesen fünfzehn Alben sind drei mit deutlichem Abstand meine Highlights.

Ganz oben Remember Us to Life von Regina Spektor. Sie hatte sich viel Zeit genommen für ihr neues Album und auch wenn die Kritiken wenig berauschend klingen, ich bin auch dieses Mal hin und weg. Ich mag einfach, mit welcher Leichtigkeit Regina Spektor Songs entwirft, die mir bereits nach dem ersten Mal wie alte Bekannte vorkommen. Das Album ist ruhiger und ernster als der Vorgänger, weniger verspielt und bombastischer arrangiert.

Es kann durchaus sein, dass sie ganz langsam in eine Richtung treibt, in der ich ihr nicht folgen mag, wie es mir etwa auch bei Tori Amos geht, aber 2016 war definitiv nicht das Jahr, in dem ich von Regina Spektor loskam. Alle ihre Alben laufen regelmäßig in meinem Player.

Putzigerweise war dies der erste LP-Kauf seit Jahren und prompt enthielt das Doppelalbum zweimal die Platte Zwei. Zum Glück klappte der Umtausch via amazon schnell und problemlos, aber irgendwie bezeichnend fand ich‘s schon.

Kommen wir zum Highlight Nummer Zwei: Judith Holofernes mochte ich seit dem allerersten Hören der Reklamation und auch die weiteren Helden-Scheiben gehören immer noch zu meinen Lieblingsplatten. Dabei bin ich gleicher Maßen heftig in die Texte verliebt wie in Judiths stimmlicher Interpretation. Sie kann Textstellen eine Bedeutung einhauchen, wie ich es bisher nur bei Tamara Danz erlebte.

Und doch verlor ich die Gute aus den Augen. Zwar bekam ich ihre Solo-Pfade mit, kümmerte mich aber nicht weiter darum, bis ich in irgendeinem von mir verfolgten Blogpost las, ihr Album Ein leichtes Schwert hätte sein Leben verändert.

Bei einer der nächsten Youtube-Abende holte ich dann Judith aus der Versenkung und nach staunensvollem und in wiedererweckter Verzückung Dahinschmelzen wurde die CD bestellt. Inzwischen läuft auch sie bei mir in regelmäßigen Wohlfühlsessions.

Nach den Jahren der politischen Empörung und Liebe-vollen Jugend springt Judith als wildgeprüftes Mitglied eines Elternkollektivs durch die Gegend und singt ebenso grandios von diesem Leben, wie sie es vorher von ihrem alten tat.

Das ist eine extrem schwierige Sache, denn die allermeisten Musikerinnen und Musiker, die in ihrer unruhevollen Jugend geile Mucke schufen, ziehen aus ihrem glücklichen Familienleben nix als langweilige Songs.

Für den 17. März ist Ich Bin Das Chaos angekündigt, ich hab‘s gleich vorbestellt und auch schon Konzertkarten geordert. Noch einmal will ich Judith nicht aus den Augen oder Ohren verlieren.

Mein drittes Lieblingsalbum ist quasi der allergrößte Kontrast dazu und gefällt mir wahrscheinlich genau aus diesem Grunde.

Die mir bis dato vollkommen unbekannte Band Die Heiterkeit bescherte uns im letzten Jahr Pop & Tod I+II. Die gar nicht so heiteren Songs sind in der Mehrzahl vollkommen abgefahren, ungewöhnlich und skurril. Ich mag sie alle.

Das Album reiht sich ein in die Liste cooler Entdeckungen der letzten Jahre: Supermoon von Sophie Hunger und natürlich Über das Grübeln von Balbina.

Gehofft hatte ich auch, dass mir For The Young von Anna Ternheim besser gefallen würde. Ich werde sie noch einige Male hören, aber während ich Separation Road (2007) und Somebody Outside (2006) mindestens einmal im Monat in mein trauriges Gemüt fließen lasse, hat mich die 2016er Platte bisher noch nicht so verführt.

Weitere Alben, die nicht das brachten, was ich mir von ihnen erhoffte:

Udo Lindenbergs Stärker als die Zeit war enttäuschend und auch von Knorkator gibt es bessere Scheiben als Ich Bin Der Boss, etwa das rundumperfekte Ich hasse Musik oder das geniale HighMudLeader. Aber selbstverständlich bin ich Ende März beim Konzert.

Auf das Debüt von AnnenMayKantereit hatte ich mich auch sehr gefreut, aber im Wesentlichen überzeugen weiterhin nur die paar Singles, das Album Alles Nix Konkretes ist doch recht durchwachsen.

Schwer hatten es auch PJ Harvey und Anohni mit ihren neuen Platten The Hope Six Demolition Project und Hopelessness, die alten Höchstleistungen zu überbieten, und so werden Let England Shake und I’m a Bird now weiterhin meine erste Wahl sein, wenn ich die Stimmen der beiden hören möchte.

Daneben gibt es noch eine Reihe von Platten, die gut sind, exakt in den Erwartungen liegen aber nur in die erweiterte Rotation gelangen. So das neue Wilco-Album Schmilco. Es passt in die Band-Historie, macht großen Spaß und lohnt jedes Hören. Das lässt sich auch von zwei spät gekauften Alben sagen: Kaputt von Destroyer und das 2014 Trümmer-Album, die wie der kleine Bruder von Ja, Panik klingen.

Wenig Eindruck hinterließen Between The Times And The Tides von Lee Ranaldo, David Lynch‘s Crazy Clown Time und Zettel auf dem Boden von Niels Frevert – alles Blindkäufe aus Empfehlungen.

Aber Mut zum Risiko gehört eben auch dazu, wenn man mal etwas Neues entdecken will. Als Quellen für Tipps nutze ich in erster Linie zwei Zeitschriften: Die Spex und Schall.

Zwar überschneidet sich der Spex-Musikgeschmack zu höchsten zehn Prozent mit meinem, aber ich mag die Themen und die intellektuelle Herausforderung, der Sprache zu folgen. Die Spex beschnüffelt Dinge wie Mode, Kunst oder Architektur auf eine so schräge Weise, wie sie mir sonst nicht unterkommt. Das ist manchmal sehr inspirierend.

Schall widmet sich vorwiegend deutsch/sprachiger Musik ohne sich um Genres zu kümmern und verwundert mich immer wieder mit neuen Blickwinkeln auf KünstlerInnen, die ich in irgendwelche Vorurteilsschubladen beerdigt hatte.

Daneben guck ich, was man bei abgehört (Spon) so vorstellt und lese natürlich die Musikkritiken im Feuilleton der Berliner Zeitung – da sammelt sich dann immer mal wieder etwas an.

Ein Album fehlt noch: Blind Guardian‘s Nightfall In Middle-Earth entdeckte ich in den guten alten napster-Zeiten und seitdem gab es immer mal wieder Momente, wo ich genau diese Musik hören wollte. Jetzt war einfach Zeit, das Album in der 2007er Aufbesserung zu kaufen.

Was lief sonst noch in meinem Player? Natürlich einige der ultralangen Folgen von Methodisch Inkorrekt und mein absoluter Lieblingspodcast Viva Britannia, das leider 2016 etwas weniger oft erschien, sowie aus Rezensionsgründen die neuen Folgen der Mark Brandis, Raumkadett Hörspielreihe, leider allesamt super produziert aber schlecht geschrieben.

Ui, doch ne Menge Text geworden. Aber im Gegensatz zu den gelesenen Büchern schreib ich ja übers Jahr hinweg kaum mal etwas zu meinen Audiogenüssen.

Meine Musikeinkäufe 2016:

Die Heiterkeit: Pop & Tod I+II (Juni 2016)

Judith Holofernes: Ein leichtes Schwert (Februar 2014)

Knorkator: Ich Bin Der Boss (September 2016)

Wilco: Schmilco (September 2016)

Regina Spektor: Remember Us to Life (September 2016)

Niels Frevert: Zettel auf dem Boden (November 2011)

Lee Ranaldo: Between The Times And The Tides (März 2012)

Destroyer: Kaputt (Januar 2011)

Udo Lindenberg: Stärker als die Zeit (April 2016)

Trümmer: Trümmer (August 2014)

Anohni: Hopelessness (Mai 2016)

David Lynch: Crazy Clown Time (November 2011)

AnnenMayKantereit: Alles Nix Konkretes (März 2016)

Blind Guardian: Nightfall In Middle-Earth – Remastered (Juni 2007)

PJ Harvey: The Hope Six Demolition Project (April 2016)

Anna Ternheim: For The Young (Januar 2016)

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7 Kommentare

  1. 2016 sind so einige Alben erschienen, die mich interessiert hätten (einige auch von meine Lieblingsmusikern), darunter Radiohead, Nick Cave and the Bad Seeds, Leonard Cohen und David Bowie. Die beiden Videos von den Red Hot Chilli Peppers („Go Robot“ und „Dark Necessities“) haben mir überraschenderweise so gut gefallen, dass ich mir das neue Album noch holen werde. Kate Tempest ist eine Künstlerin, deren Qualitäten ich erst 2016 entdeckt habe.

    Doch das Konzert von ZAZ im Juli hat mich so verzaubert, dass ich all diese Künstler habe links liegen lassen und ein halbes Jahr lang fast nur die drei Studioalben und das Livealbum von ZAZ gehört habe. Hätte ich mir in dieser Zeit ein anderes Album gekauft, wäre ich ihm durch mangelnde Aufmerksamkeit vermutlich nicht gerecht geworden. Das werde ich jetzt 2017 nacholen.

    Eine absolute Neuentdeckung war für mich Jidenna mit „Long Life the Chief“: https://www.youtube.com/watch?v=H_AQFnqMY3E
    Wobei mir seine anderen Videos zu popig geraten sind (zu viel Auto-Tune über der Stimme).

    Gefällt mir

  2. Call Me Appetite sagt:

    Anohni und Antony & The Johnsons, wenn auch der gleiche Sänger/-in, sind dann halt eben doch nicht das gleiche. Destroyer und die David Lynch sind super. Mit der PJ Harvey konnt ich auch nicht so viel anfangen. Für weitere Tipps verweise ich auf meinen Blog resp. auf meine Jahrescharts. Insbesondere unbedingt The Radio Dept. anhören. Grüsse aus Zürich, Romano

    Gefällt 1 Person

  3. hicemusic sagt:

    Schöne Auswahl, sind auch ein paar Künstler/innen dabei, die ich mir mal anhören sollte bzw. wieder einmal anhören sollte. Vielen Dank

    Gefällt 1 Person

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