Montbron

Startseite » Literatur » Geburten lupfen Spaß

Geburten lupfen Spaß

Gerade gelesen:

Ulrich Holbein – Knallmasse

Gerade geschrieben:

Archive

Blogstatistik

  • 10,902 hits

Wenn ich’s richtig geschoben und gedeutet habe, ist der heutige Blogtitel ein Anagramm von: Lesung Bert Papenfuß

Der Gute weilte am siebten Dezember im Literarischen Colloquium und stellte dort sein neuestes Werk vor: Seifensieder. Angewandte Schrunst für eingewiesene Ausgeweihte

bert_4

Verleger Ulf Stolterfoht hält das Buch hier hoch

In meiner Jugend kam man um Texte von Bert Papenfuß-Gorek, wie er sich damals nannte, nicht herum. Zu meinem 19. Geburtstag bekam ich den frisch erschienen Band dreizehntanz geschenkt, einer der großartigen Bände aus Gerhard Wolfs Außer der Reihe.
Ich war bei der Asche und dieses Buch war ein kultureller Lichtstrahl in der menschenverachtenden Ödnis der Armee.
Mir ist auch so, als ob ich Bert Papenfuß bei einer Lesung im Majakowskiring bereits Anfang der 90er live erlebte, aber von jenem Abend ist mir nur Johannes Jansen im Gedächtnis geblieben.

Daher gab es keine große Frage, dass ich nach Wannsee gondeln würde, als ich in der LCB-Programmvorschau den Namen las. Lustigerweise erfuhr ich dann, dass Bert Papenfuß all die Jahre als Clubbesitzer greifbar gewesen ist und ich ihn mühelos schon früher mal hätte erleben können. Aber es gibt so viele Dinge, die man nicht tat und jammern hilft da nicht, zumal ich ja nun da war.

bert_3

Bert Papenfuß ist ein Stavenhagener Kindl, das berlinert

In der Tat sieht Bert Papenfuß ziemlich urig aus und er geht problemlos als Kneipier einer gechillten Berliner Eckkneipe durch. Dennoch blitzt aus seinen Augen neben nachdenklicher Lässigkeit auch großer Schalk. Man kann ihn sich vorstellen, wie er mit großer Freude Buchstaben und Worte hin und herschiebt, um seine mit Anagrammen vollgestopften Texte zu verfassen. Anagrammatische Lyrik und es klingt auch noch cool dabei.

Im Seifensieder gibt es mehrere Seiten mit weißen Texten auf schwarzem Grund, wo die Buchstaben wie Runen aussehen und sich die Zeilen zu Bildern winden – großartige T-Shirt-Motive und es klang durchaus danach, als ob Bert Papenfuß fest plant, welche bedrucken zu lassen. Ehrlich, coole schwarze T-Shirts in Übergröße kann ich immer gebrauchen.

Als Gesprächspartner diente Verleger und Autor Ulf Stolterfoht, mir gänzlich unbekannt, aber das Motto seines Verlages find ich sehr sympathisch:

Schwierige Lyrik zu einem sehr hohen Preis – dann ist es BRUETERICH PRESS!

Einen Zwanziger muss man dort pro Band bezahlen, im Abo 15 blankgeputzte Euronen.

bert_1

Ulf Stolterfoht und Bert Papenfuß

Zwar las Bert Papenfuß auch einige Texte vor, aber im Zentrum stand ein Gespräch über die Lyrik. Über die Anfänge in der DDR, die Förderung durch Karl Mickel und die Bedeutung von literarischen Vorbildern. Das war sehr interessant, zumal ich vorher im Seifensieder einige autobiographische Passagen gelesen hatte, die sich ebenfalls mit dem literarischen Untergrund der DDR befassten. Man vergisst das ja viel zu schnell, wie lyrisch jene Jahre waren. Literarische Texte hatten Bedeutung, wurden herumgereicht und mit Emotionen, Bedeutungen, Hoffnungen aufgeladen.
Ulf Stolterfoht ergänzte die westdeutsche und vor allem auch die Wiener Sicht auf jene Zeit und jubelte mir ganz nebenbei noch einen dringenden Buchwunsch unter.

bert_2

Vor der Zigarette kommt das Signieren

Abenteuerlich wurde dann noch die Heimfahrt und Abenteuer in Berlin haben natürlich mit der S-Bahn zu tun. Auf meiner Fahrverbindungs-App konnte ich beobachten, während ich mich immer weiter nach Osten bewegte, wie ein Anschlusszug nach dem anderen gestrichen wurde. Es war so, als ob man versucht, nach einem Eiseinbruch wieder aus dem Wasser zu kommen und die Schollen am Rand immer weiter abbrechen.
So strandete ich in Schweineöde und nur die Liebe rettete mich aus der Wildnis.

Ich bin ja dafür, dass das LCB umzieht. 😀

Advertisements

1 Kommentar

  1. […] Volker Braun und Bert Papenfuß lud das Literarische Colloqium Berlin erneut zu einer Veranstaltung ein, die mein lyrisches […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: