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Vergiss die Bücher nicht im Kampf

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Gestern Abend stellte Volker Braun im Literarischen Colloquium am Wannsee seinen neuen Gedichtband Handbibliothek der Unbehausten vor. Der Titel spielt auf eine Buchsammlung an, die er auf der Puerta del Sol in Madrid sah, als dort protestiert wurde.

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Als Gesprächspartnerin saß ihm Katharina Schultens zur Seite. Sie zitierte in der kurzen Vorstellung auch jenen Satz aus dem Klappentext, der mich tief beeindruckte, da er mir aus dem Herzen spricht:

»Gedichte sind der Kern der Arbeit, das beiläufige Eigentliche.«

Auch wenn ich nicht von Arbeit sprechen würde, aber ja: Gedichte sind immer der Kern. Mal Kondensat, mal universale Erklärungswolke.

Volker Braun habe ich vorher noch nie live erlebt. Ein paar Gedichte gelesen, in Hinze- Kunze reingeschnuppert, irgendwelche Prosa vielleicht, 88/89 prasselten viele Texte der großen Stimmen auf mich jugendlichen Schwamm und nur ganz wenige quellen bis heute.

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Volker Braun während der Lesung

Aber der Name Brauns gehört zur Melange an Dichtung, aus der ich hervorsprudelte und also war ich sehr gespannt auf den nun doch schon etwas älteren Dichter.

Das Alter merkt man eigentlich nur in der Bedachtsamkeit mit der er Gedanken zu Worten formt, wobei das natürlich schon immer seine Art gewesen sein kann. Zumindest erscheint das altersweise. Er liest seine Texte mit wesentlich mehr Verschmitztheit und schalkhaftem Unterton als ich sie unbedarft darin gefunden habe. Viel mehr Zorn und Wut steckte ich hinein. Man bringt sich immer selbst in Lyrik ein.

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Katharina Schultens und Volker Braun im Gespräch

Das liegt auch daran, dass Brauns Gedichte aktuell in Ton und Themen sind. Er verbirgt sie nicht in Symbolen sondern findet klare und trotzdem kunstvolle Bilder. Er ist deutlich politisch, aber weder appellierend, noch missionarisch oder Urteile verteilend.

Sie stecken eher voller Beobachtungen, denen er unaufgeregte Blicke vorausschickte. Und er stellt Fragen.

Was mich sehr überraschte ist die große Gegenwärtigkeit. Der Mann hängt nicht in einer Vergangenheit fest, nicht in einem Lebensalter, nicht in einer Ideologie. Er schreibt über Twitter wie über das Wetter und die neuen Stürme sind dabei nicht weniger bemerkenswert.

»Die Kinder tuschen Zeichen in der Weltsprache.

Das Jahr der Wandlungen hat erst begonnen.«

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Volker Braun signierte natürlich auch und strich seinen gedruckten Namen durch, einmal reicht, meinte er

Ein wunderbarer Abend über Lyrik, über uns – ich bin froh, dass ich meinen inneren Schweinehund überwand und mich im herbstkalten Geniesel nach Wannsee aufmachte.

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1 Kommentar

  1. […] Volker Braun und Bert Papenfuß lud das Literarische Colloqium Berlin erneut zu einer Veranstaltung ein, die […]

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