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Das Glück des Edmond Dantès

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Neben den Drei Musketieren dürfte Der Graf von Monte Christo wohl der berühmteste Roman vom Alexandre Dumas dem Älteren sein.

Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wie ich den Stoff kennenlernte. Einige Verfilmungen habe ich gesehen und ich erinnere mich an eine Sammelbild-Serie entweder in der NBI oder vielleicht sogar in der Schlager-Süßtafel.
Ob ich aber den kompletten Roman in meiner Kindheit las, weiß ich nicht. An die Ausgabe im elterlichen Bücherregal erinnere ich mich nur, dass es sie gab, aber nicht daran, sie gelesen zu haben.

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Alte DDR-Ausgabe aus dem Jahre 1974 mit den Covern von Gerhard Preuß neben der dtv-Ausgabe

Als Oliver Naujoks letztens in seinen Blog von seiner Lektüre berichtete, überkam mich der unbändige Drang, das Werk wieder zu erobern. Für unseren Urlaub in Frankreich schien mir das Buch ideal und so besorgte ich mir eine vollständige Ausgabe.

Diese Klassiker-Edition des dtv gehört zu meinen Lieblingsreihen, vor allem weil sie meist ordentlich kommentiert sind und über Hintergrundinformationen verfügen.
Kommentare gab es zwar hier nicht, aber ein sachdienliches Nachwort.

Den Umfang des Romans unterschätzte ich deutlich. 1500 Seiten in einem Taschenbuch sehen auch gar nicht so viel aus. Der dtv gönnte dem Buch ein seidiges, sehr dünnes aber unglaublich strapazierfähiges Papier. Das Buch bog sich in der Hand mit einer an eine Flüssigkeit erinnernde Geschmeidigkeit, die perfekt zum eleganten Umgangston im Buch passte.

Dieses Spüren des Stoffes erhöhte meine Lust, dieses Werk zu genießen und es forderte auch seine eigene Lesezeit. Dumas schrieb ja eine Fortsetzungsgeschichte für das Feuilleton einer Zeitung und so kam es ihm nicht nur auf Masse an, sondern auch auf spannende Übergänge, damit die Leserinnen und Leser bei Laune blieben.
Darum gibt es sehr viele Nebengeschichten und ausführliche Beschreibungen, doch Dumas (und sein Co-Autor) versteht sich darauf, stets relevant zu bleiben. Wie Oliver es formulierte, fuhr er damit im Finale eine reiche Ernte ein. Durch die Breite der Erzählung bekommen auch die vielen Figuren und Schauplätze ein sehr tiefes und voluminöse Profil.
Auch wenn es viele Parallelen in der Charakterzeichnung gibt und wir mit wechselndem Fokus an ihrem Schicksal teilhaben, sprüht der Roman von Nähe und Lebendigkeit.

Was mir auch wieder auffiel, war die Ambivalenz von Edmond Dantès. Sein unstillbar scheinender Rachedurst, seine Grausamkeit mit der er die Konsequenzen hinnahm, die aus seinen Handlungsimpulsen folgten – sie stehen im starken Widerspruch zu seiner Großherzigkeit und seiner Liebe.
Dumas bringt von beiden Seiten viele Beispiele und offenbart uns so einen großartigen Charakter der mir ähnlich stark erscheint, wie Kapitän Nemo von Jules Verne.
Gibt es derartig fesselnde Figuren heute noch? Vielleicht Leibrand aus den Amerika-Plakaten von Richard Lorenz.
Aber ich bin auch nicht so der Kenner der nichtphantastischen Gegenwartsliteratur.

Ich schreibe das, während im Hintergrund der Fantasyguide umzieht, aber der Link zur Rezi sollte auch weiterhin funktionieren: Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas.

Es gibt immer wieder Bücher, die beim Lesen glücklich machen, wie traurig die Handlung auch gerade ist. Der Graf von Monte Christo gehört für mich unbedingt in diese Reihe von Glücksmomenten.


1 Kommentar

  1. […] Teil und zwang mich förmlich dazu, den Huck Finn erneut zu lesen. Dieser Roman stellte neben dem Grafen von Monte Christo definitiv mein Lektüre-Highlight […]

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