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Zuckererbsen-Shake

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Mit einer Wunde habe ich Heinrich Heine nie in Verbindung gebracht, dafür aber mit Zuckererbsen. Die Schallplatte mit Eberhard Esches Wintermärchen-Vortrag prägte meine literarische Früherziehung. Heines Spottsucht und klare Sprache fand ich immer klasse, außerdem lebte er in Paris und eckte beim preußischen Staat an. Heine war so cool.

Dass man in der BRD Heine nicht ganz so sehr liebte, verwunderte mich dann doch sehr, machte ihn natürlich gleich noch sympathischer.

Darum war ich Feuer und Flamme, als ich drüben im Sätze & Schätze Blog eine Buchvorstellung zu Shakespeares Mädchen und Frauen von Heinrich Heine fand. Hatte ich noch nie von gehört. Heine liebte Shakespeare! Irgendwie logisch, aber eben komplett neu für mich. Das musste ich lesen.

9783455404791

Shakespeares Mädchen und Frauen von Heinrich Heine

Das Buch ist in der Schuberausgabe von Hoffmann und Campe nicht billig. Definitiv nicht, aber es gibt eben Bücher, die möchte ich in einer ordentlichen Edition haben. Allein schon wegen der Druckqualität der Bilder hat es sich gelohnt. Die Stahlstiche sind sehr sauber und darüber hinaus werde ich das Büchlein wohl öfter in die Hand nehmen, denn Heines Bemerkungen zu Shakespeares Stücken sind mehr als hilfreich.

Heine bediente sich einer schnörkellosen Sprachen in seines Essays. Er wird zwar leidenschaftlich und natürlich spöttisch, aber man kann seinen Gedanken stets folgen, es gibt keine schöngeistigen Phrasen oder literaturwissenschaftlichen Blasen.

Dabei hat er schon einen gewissen Anspruch an etwas umfassendere Betrachtung. So verwendet er als Hintergrund einige andere Werke zu Shakespeare, zitiert daraus und kritisiert die entsprechenden Quellen. Aber stets kurz und so prägnant, dass man eigentlich gern noch mehr zu den einzelnen Stücken oder Figuren gelesen hätte. Zu den Komödien schrieb er dann gar nichts mehr, sondern fügt nur noch passende Zitate aus dem Werk hinzu, was dazu zwingt, selbst herauszufinden, welche Charakteristik Heine nun damit hervorheben wollte.

Das ist nicht einfach, wenn man sich die Themen anschaut, über die er bei den Porträts zu den Dramen stolpert. Aber die Essays bieten genau diese lässig erzählte, inhaltlich aber hochkonzentrierte Beschäftigung mit Literatur, die mich reizt, weiter zu lesen, mehr zu entdecken und Neues zu wagen.

Ich fand das Büchlein jedenfalls vergnüglich und kurzweilig. Eine ganz eigene und aufmunternde Auseinandersetzung mit Shakespeare, mehr in meiner Rezi.

Beim Zusammensuchen meiner Urlaubslektüre bin ich übrigens jetzt über Montaigne gestolpert. Da zucken meine Gierrezeptoren ja auch schon wieder heftig. Aber für einen Blindschuss ist mir das dann doch zu teuer. Aber mal sehen, wie das dann nach dem Urlaub ist, wenn ich auf seinen Spuren wandelte. Bis dahin sind jedoch noch ein zwei Bücher zu verspeisen.

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5 Kommentare

  1. Eine tolle Besprechung, auch (bzw. gerade) auf Deinem Zweitblog. Es freut mich, dass ich Dich auf das Buch aufmerksam machen konnte – lässig erzählt, aber inhaltlich hochkonzentriert – das trifft den Heine-Stil genau! Danke!

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  2. Ja, das ist dann wohl so ein Buch, das im Hardcover mit Schuber einfach was hermacht – da greift man auch gern tiefer in die Tasche.
    Shakespeare ist allerdings seit der Schulzeit nicht mehr so ganz meins – ich glaub, mit dem wurde ich in Englisch zu sehr geplagt …

    Gefällt 1 Person

    • lapismont sagt:

      Wir hatten, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, nur den Hamlet, aber in Deutsch. Kann sein, dass der Englisch-Kurs noch was hatte. Ich machte ja Französisch.
      Hab aber viele Stücke gelesen damals.
      Shakespeare ist klasse. 😀

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  3. Montaigne ist ein Guter, und man bekommt ihn auch leicht antiquarisch oder in der Bibliothek – du musst also für eine Probe nicht zu Edelausgaben greifen.

    Heine ist von den Westlinken arg verzerrt worden – bestes Beispiel der Denk-ich-an-Deutschland-Spruch. Ich mag seine Gedichte, für mich der Startschuss der Moderne.

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