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Zwischen Kunst und Künstlichkeit

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Über Klaus Nomi wurde ich auf Antony and The Johnsons aufmerksam. I’m a Bird now gehört zu meinen großen Lieblingsalben für bestimmte Stunden.

Keine Frage, dass ich mir auch das jüngste Werk, der sich inzwischen Anohni nennenden Künstlerin zulegte. Es ist elektronischer und auf den Text fokussierter. Gespannt war ich auf das Konzert gestern im Tempodrom.

Das Tempodrom ist eine fürchterliche Konzerthalle, eigentlich vermeide ich es, dorthin zu gehen. Die meisten Sitzplätzen verlangen einen verdrehten Körper, um auf der Bühne etwas zu sehen, die Getränke sind überteuert, aber zumindest sind die Toiletten okay, die man mangels Getränke aber nicht braucht.

Gut, dafür kann Anohni nix.

Das Konzert begann zwar nicht pünktlich aber ohne Vorband. Dafür mit Naomi Campbell.

naomi

Naomi im Bunker

Sie spielte ja schon im Video zu Drone Bomb Me mit und offensichtlich von diesem Dreh durften wir uns zunächst über fünfzehn Minuten eine Schwarzweiß-Performance ansehen.

Eine Viertelstunde zu anschwellenden und abschwellenden Geräuschen wand sich die gute Frau, mal erfreut, mal etwas ernster blickend und zunehmend wurde es unruhig im Saal.

Dann blendete das Bild über in ein auf Zombie geschminktes Gesicht und Hopelessness begann.

zombie

Hopelessness von und mit Anohni

Links und rechts einer Rampe ackerten sich zwei Männer an Laptops ab, während in der Mitte eine Burka-Getarnte Person ein Mikrofon herumtrug. Vielleicht war es Anohni, vielleicht auch ein Double, sicher konnte man sich nicht sein. Mit zunehmender Länge des Abends, was nicht so lang war, nahmen meine Zweifel zu, es mit einem Live-Konzert zu tun zu haben. Definitiv kamen diverse Stimmen vom Band, die Musik sowieso. Zwar sah man, dass sich die Gaze der schwarzen Gesichtsmaske bewegte und auch, dass dahinter jemand inbrünstig sang, aber sicher bin ich mir nicht.

burka

Hinter der Burka

Wenn Anohni tatsächlich solange fast unterbrechungsfrei glasklar durchsingen kann, gebührt ihr großer Respekt. Aber es gab keine persönlichen Worte, keine Begrüßung, keine Vorstellung der beiden Laptopper, überhaupt nichts weiter, nicht einmal eine Zugabe.

anohni

Die Sängerin und ihre Augen

Dafür konnte man auf der Leinwand diverse Frauengesichter dabei beobachten, wie sie mit ganz unterschiedlichen Gefühlsausdrücken zu den Lyrics der Songs ihre Lippen bewegten. Es gab sogar Tränen, während davor die Burka sehr theatralisch performte.

frau

Performance, Art und Sound

Ganz zum Schluss redete uns eine alte, bronzefarbene Frau, wahrscheinlich eine Aborigine, riesengroß von der Leinwand herab ins Gewissen.

Was zum Album natürlich wunderbar passte. Aber auch extrem transzendent ist.

War das Kunst oder ein schlechtes Konzert, vielleicht sogar Betrug? Keine Ahnung. Auf jeden Fall werde ich für den Preis kein zweites Konzert von Anhoni besuchen.

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5 Kommentare

  1. I’M A BIRD NOW ist eins dieser großen, berührenden Alben, die ich praktisch nie höre. Zu intensiv, zu schmerzhaft. Ich hatte immer mit dem Gedanken gespielt, mir das einmal live anzutun, für ein Tränenfest. Dein Konzertbericht schreckt jetzt natürlich ab – so etwas läuft bei mir unter Kunstkacke. Schade!

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  2. Dank Deinem Bericht hab ich nun von Anhoni erfahren. Ich träume davon, einmal Antony live erleben zu dürfen und weiß, es würde ein Tränenfest und Ereignis an Lebensintensität geben. Am liebsten in der Arena Verona bei Vollmond.. ach oder auch irgendwo im Wald 🙂
    Es liest sich, als ob Du weder Anhoni noch Antony live an diesem Abend gesehen hast, dafür eine Iszenierung mit ihrem Gesang. Sei nicht so streng, denn Du hast wahrscheinlich ein außergewöhnliches Experiment erlebt. Dennoch spätestens bei Naomi Campbell hätte ich auch Zweifel, ob ich auf dem richtigen Konzert bin.

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